Sonntag, 24. September 2017

Manöversondenschwall

Seit wann wird die Freiheit der Bundesrepublik am Wochenende verteidigt? Ich dachte, dafür haben wir den Hindukusch? Entsprechend erstaunt war ich, als ich auf der Bremer Seite den typischen unentwirrbaren Schwall von Manöversonden sah.

Am Samstag Abend wollte ich zum Sternwarten-Workshop meines Astrovereins nach Handeloh. Ich wusste, dass André Wulff dort auch hinwollte, vorher aber noch eine kalte Radiosonde in der Nähe bergen wollte. Es brauchte nicht viel Überzeugungsarbeit: Statt einer kalten könnte man ganz in der Gegend eine Reihe heißer DFMs einsacken! Und er hatte bisher noch nie eine DFM gefunden.

Andre konnte aber erst um 15:00 los.  Also stellte ich mich an einer naheliegenden Bank mit Elbblick und freier Sicht nach Süden auf und verfolgte, was sich so tat. Wann immer eine Sonde landete, machte ich eine Habhub-Prediction. Allerdings war die Windgeschwindigkeit am Boden so minimal, dass sich deren Ergebnis nicht nennenswert von der letzten Position unterschied.

Es waren immer 2 Sonden in der Luft - eine im Aufstieg, eine im Abstieg. Sie sendeten immer auf  abwechselnden Frequenzen. Einmal kamen sie durcheinander, da war es die gleiche Frequenz. Das war etwas anstrengender, zumal sich die Richtungen von Hamburg aus nicht sehr stark unterschieden.

Um 15:00 holte mich André ab, und auf ging es nach Schneverdingen und von dort aus nach Volkensen. Da war die erste Radiosonde gelandet. Vor Ort ein starkes Signal. Die GPS-Position war rasch ermittelt - und auf ging es in den Mais-Urwald....Ein paar Meter vor der Position meinte André: "Da ist der Fallschirm". Der typische rote Ballon war auch nicht weit.

 Dem Faden folgend, war die Sonde auch nicht schwer zu finden:

Weiter ging es zur nächsten vorermittelten Position. Ich hatte gerade alles zusammengstöpselt und freute mich über den Empfang, da hatte André längst den roten Fallschirm auf freier Wiese entdeckt. Aber da waren ZWEI sehr starke Maxima auf dem Wasserfalldiagramm zu sehen. Es stellte sich heraus, dass der andere Sender eine weitere DFM war, die gerade landete, und zwar in 6km Entfernung bei Zeven. Ich konnte diese Sonde bis in geringe Höhe verfolgen, und wir beschlossen, sie nach dem Ausflug auf die Wiese gleich aus dem Baum zu holen.

Auf der Wiese bot sich folgendes Bild:



André Wulff an der Landestelle

 Nach dieser sehr einfachen Bergung ging es natürlich sofort nach Zeven. Die Landestelle war im Wald, aber dicht an der Straße, und es gab sogar auf der gegenüberliegenden Seite einen tollen Parkplatz! Also ab ins Gestrüpp. Der Nicht-Weg führte uns um einen bombenkraterartigen Teich herum. Es begann das übliche Versteckspiel "Findet die Sonde". Aber irgendwann sah ich unter einem Baum etwas glänzen - eindeutig der Sensor-Arm einer DFM.


Fallschirm und Ballonrest hingen leider hoch im Baum, und es gelang uns nicht, sie zu bergen. Die Schnur riss aber relativ weit oben, so dass wir zumindest eine Menge Schnur aus der Natur entfernt haben.

Wir fuhren dann noch an der Landstelle der Bergener 12Z-Sonde M3953462 vorbei. Leider erfolglos. Offenbar war M3953462, obwohl von der Bremer Seite nicht so ausgezeichnet, auch mit einem Timer-Kill versehen. Und so konnten wir vor Ort nichts empfangen, zumal die Nachfolgesonde schon in der Luft war und auf der gleichen Frequenz sendete. Wir haben an zwei infrage kommenden Landepositionen die Gegend  recht gründlich abgesucht, aber hier ist eine Maisfeldlandung sehr wahrscheinlich.

Auf dem Weg zu unserem Workshop in Handeloh kamen wir noch an der Position einer weiteren DFM09 direkt am Straßenrand vorbei. Da die schon am Vormittag gelandet war, haben wir einen Funkempfang nicht erst versucht. Die haben wir auch nicht gefunden, weil es schon dämmerte und wir  auch keine Zeit hatten für eine längere Suche. Auffällig in der Gegend rumliegen tat aber keine Sonde. Hier grenzten Maisfelder und abgeerntete Felder aneinander, und ich vermute, dass  auch diese Sonde wohl im Mais liegt.

Nachtrag 23.9.
Im Landegebiet war auch Jan und Matthias (Bremer Seite) am 23.9. aktiv. Sie fanden die Sonde 502661 in Frankenbostel. Offenbar waren sie außerdem während der Landung auf dem Parkplatz direkt an der Landestelle von 500199. Die haben wir also nur bergen können, weil sie sofort danach wegfahren mussten, da auch sie noch einen weiteren Termin hatten. Sie müssten eigentlich einen sehr interessanten Anblick gehabt haben, denn die Sonde flog direkt über ihre Köpfe, um dann in 80m entfernt im Wald zu verschwinden! 

Sonden-Nachlese am 25.9.
Ich hatte noch die zuletzt flüchtig inspizierte Landestelle bei Lauenbrück auf der Liste, und eine weitere bei Riepe, die wir am 23.9. nicht mehr geschafft hatten. Also ging es mit der Regionalbahn Metronom nach Lauenbrück, und alles weitere wurde wie üblich per Fahrrad erledigt. Vorher hatte ich mir noch einmal die Bahnen der Sonden bei der Landephase angegeguckt und war recht sicher, dass man beide noch finden müsste, selbst in einem Maisfeld.


Die Sonde bei Lauenbrück, an der wir auf der Fahrt am 23.9. schon vorbeigefahren waren, war das erste Ziel. Sie war diejenige, deren Empfang durch eine weitere mit gleicher Frequenz gestört war. Daher hatte ich die Sonde nur bis in eine Höhe von 482m verfolgen können. Bei der geringen Windgeschwindigkeit war das aber schon völlig ausreichend.  Wie vor zwei Tagen schon erkundet, grenzt hier  ein Maisfeld an einen abgeernteten Kartoffelacker. Die Prediction lag ganz deutlich nicht im Mais, sondern  auf dem Kartoffelacker. Mit dem Fernglas war - wie schon zwei Tage vorher, nichts zu erkennen. Also bin ich hingestiefelt, und am Ende fand ich 60m nördlich der Vorhersagespositon DFM Nr. 503030, Ballonrest und Fallschirm


 Beide Teile lagen in der Rinne, die der Kartoffelernter hinterlassen hatte. Daher war von der Straße aus mit dem Fernglas nichts zu sehen, obwohl die Straße erhöht lag.

Weiter ging es zur zweiten vorermittelten Radiosonde, die bei Riepe lag, etwas mehr als 5 Fahrradkilometer entfernt. Kurz vor dem Ziel bot eine Eisenbahnbrücke einen Blick von erhöhter Position. Erste Erleichterung: Abgeerntetes Feld und kein Mais! Zweite Erleichterung: Schon aus der Ferne lag exakt auf der vorhergesagten Stelle ein weißer Fleck und ein roter Klecks.




Die Sonde war in einem recht schlechten Zustand. Der Sensorarm war abgerissen und lag neben dem Fallschirm.

Hier eine Übersicht über die an diesem Wochende gefundenen Sonden:

Sondenkennung Flugdatum
Startzeit (UT) Landezeit (UT) Landeort
503037 23.9.2017
6:00 7:50 Riepe bei Lauenbrück
503030 23.9.2017
7:00 8:42 Lauenbrück
617925 23.9.2017
9:00 10:45 Volkensen bei Schneverdingen
502449 23.9.2017
10:00 11:45 Nindorf bei Schneverdingen
500199 23.9.2017
13:00 14:58 Zeven (Aspe)























Hinzu kommt die von Matthias geborgene 502661, eine um 12:00Z gestartete Sonde. Da die Starts offenbar im Stundentakt erfolgten, fehlen die 8:00Z und die 11:00Z Sonden - sofern es nicht am Morgen noch ein paar Starts gab,


















Übersicht über alle Radiosondenfunde hier

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen