Donnerstag, 23. November 2017

Von Norderney nach Eidelstedt

N3340244 war die Mitternachtssonde aus Norderney vom 22.11.2017. Da der Ballon  ungewöhnlicherweise bereits in 23000 Metern platzte, verschob sich die Landeregion aus Ostholstein mitten in die Hansestadt Hamburg, und zwar nach Eidelstedt. Da die Stelle nur wenige Kilometer von meinem Balkon in Altona entfernt lag, konnte ich die Koordinaten bis 37m über Grund verfolgen. Die Prediction lag deutlich woanders als die aus Bremen, die aber die Sonde bereits in 422m über Grund verloren hatten.

Meine Vorhersage lag genau auf der Straße "Spanische Furt". Da aber in Flugrichtung hohe Bäume in Google Earth erkennbar waren, vermutete ich die Sonde genau dort. Die vermutete Landestelle lag auf der Grenze von einem Waldgelände zu einem Gebiet mit Einzelhausbebauung. Ich beschloss, sofort mit dem Nachtbus aufzubrechen. Kurz vor 4:00 war ich vor Ort. Da es nieselte, habe ich im Bushäuschen sofort einen Empfangsversuch aus 300m Entfernung gemacht und konnte die Landeposition der Sonde ermitteln.  Die Sonde war offensichtlich dort, wo ich sie vermutet hatte. Die GPS-Höhen deuteten auf 20-25m über Grund hin. Offenbar eine Baumlandung.

Es zeigte sich, dass das Wäldchen hoch eingezäunt war - ein Gelände, das den Wasserwerken gehört. Auf der Sondenposition war eine Eiche, und im Baum war auf den ersten Blick im Dunkeln im Licht meiner extrem hellen Taschenlampe nichts erkennbar.  Im Schein der Lampe leuchtete dann die Schnur auf, die nach Nordosten in luftiger Höhe in einem anderen Baum verschwand. In dem und in den umliegenden Bäumen konnte ich nichts erkennen. Meine Höffnung die Dinge von einem womöglich erreichbaren Fallschirm aufziehen zu können, erfüllte sich nicht. Mit der Lampe konnte ich auch die Sonde in der Eiche lokalieren - ca. 20m hoch. Da ich nicht unnötig lange mit Lampen zwischen Wohnhäusern herumfunzeln wollte, habe ich dann die Rückreise angetreten.

Am Spätnachmittag war ich wieder da und konnte die Sache erstmals bei Lichte besehen. Das Supertele meiner Bridge-Kamera hatte auch keine Probleme, die unerreichbare Sonde abzubilden...

Im Fernglas konnte man sehen, dass die Schnur nicht IM Nachbarbaum verschwand, sondern ÜBER diesen hinweg verlief. Dann konnte ich 40m weiter auch Fallschirm und Ballonrest sehen.

Der Baun war frei zugänglich. Ich hoffte, dass wenn man an dieser Schnur zieht, man die im Geäst eingeklemmte Sonde freiziehen könnte, und dass sie dann ev. wesentlich niedriger hängen würde. Es gelang mir mit der 15m-Stange, den Fallschirm zu bergen, aber der Abroller am Ballonrest hängt leider sehr fest. Die Sonde ist nicht heruntergekommen, hängt jetzt aber an der Schnur. Außer einem durch die Bergung ziemlich zerfetzten Schirm und Teilen des Ballonrests war da diesmal nichts zu holen. Die freundliche Besitzerin des Sondengrundstücks habe ich auf die Situation aufmerksam gemacht und davon überzeugt, dass eine Sondenlandung kein Grund ist, die Polizei zu rufen.





  

Donnerstag, 16. November 2017

Suche nach zwei kalten Sonden

Am 10.11. und am 12.11.2017 landeten die Norderney-Sonden im  Bereich Harsefeld. Ich konnte beide Sonden nicht zeitnah jagen. Also habe ich am 15.11.2017 eine kleine Expedition zu den Landestellen. N3330378 landete in einem Wäldchen zwischen Beckdorf und Goldbeck. Ich fuhr mit dem Regionalzug nach Apensen und von dort mit dem Rad zur Landestelle. Ich kam ziemlich genau bei Sonnenuntergang dort an. Das Wäldchen entpuppte sich als Urwäldchen. Ich habe es kreuz und quer durchstreift und konnte N3330378 nicht entdecken. Es war auch bald komplett dunkel.

Weiter ging es zur Landestelle von N3330420 bei Ahrensmoor-Nord. Hier lag die Bremer Vorhersage auf einem Feld, welches sich vor Ort als abgeerntetes Maisfeld präsentierte. Dort war aber im Schein meiner sehr starken Taschenlampe nichts zu finden. In Flugrichtung befand sich ein Wald, und in der Verlängerung der Flugbahn entdeckte ich die Sonde ca. 8m hoch in einer Eiche. Ich konnte nicht in Erfahrung bringen, wo Fallschirm und Ballonrest sich befanden.

Im Dunkeln ist das Bergen einer Sonde mit einer 10m GFK-Stange etwas schwierig. Oktopus müsste man sein, um gleichzeitig Stange, Schnur, Lampe bedienen zu können. Ans Fotografieren habe ich nicht gedacht. Aber im vierten Anlauf gelang es, und ich hatte die Sonde abgepflückt. Der Temperatursensor hat dabei eine Beschädigung davongetragen.

Die Bergung hat viel mehr Zeit gefressen, als ich eingeplant hatte. Der letzten Zug in Harsefeld um 20:11 war nicht mehr erreichbar. Also musste ich weitere 15km zur S-Bahn-Station Buxtehude  radeln, was aber kein Problem war. Insgesamt hatte ich 30km zurückgelegt.





Dienstag, 31. Oktober 2017

Sonde an der Stromleitung

Am 31.10. nutzte ich den Feiertag, um ein paar Sondenlandeplätze zu besuchen. Vor allem solche, bei denen die Sonde sehr hoch oben hing. Denn ein paar Tage vorher hatte der zweite Herbststurm der Saison über Norddeutschland gewütet. Es war gar nicht so einfach, nach Horneburg zu kommen. Der Zugverkehr dort ist immer noch unterbrochen. Aber der nette Busfahrer des Ersatzverkehrs erlaubte mir, mein Rad mitzunehmen. Das sparte mir 8km.

5km entfernt war die Meppener Sonde vom 31.7.2017 bei Helmste, die ich nun zum dritten Mal besuchte. Gleich nach der Landung konnte ich sie mit Sonden-GPS und Peilung in einem Baum verorten. Nach dem ersten Herbssturm Anfang des Monats hing sie noch am Baum, aber meine 15m Teleskopstange reichte gerade eben icht aus. Jetzt war sie weg, lag aber auch leider nicht am Fuß des Baums.

Nach diesem erfolglosen Besuch habe ich ein paar Landestellen vom zweiten Manöversondenschwall vom 27.9.2017 aufgesucht.

Damals hatte ich keine Möglichkeit, die Sonden zu verfolgen, konnte aber von Hamburg aus die Landephasen mitschneiden. Nach jeder Landung habe ich eine Habhub-Prediction gemacht und die vermuteten Landekoordinaten an André Wulff gewhattsappt. Der hatte Urlaub und konnte daher vor Ort sein. Eine der Sonden hat er auch tatsächlich eingesammelt, eine war unerreichbar im Maisfeld und zwei konnte er aus Zeitmangel nicht mehr aufsuchen. Eine konnte er in einer Hochspannungsleitung lokalisieren und auch sehr gute Koordinaten des Sonden-GPS sichern.

Foto: André Wulff, 27.9.2017


Einen Tag später hatte ich eine Nachsuche gemacht, die ziemlich erfolglos war. Ich habe das besagte Maisfeld auf den Kopf gestellt - ohne Erfolg, und leider war wohl auch die eine Sonde, die André nicht versucht hatte, in einem Maisfeld. Das war doof, denn bei der Sonde hatte ich keine sehr gute Prediction. Die Sonde in der Stromleitung konnte damals ich wegen Nebels nicht sehen.

Zurück zum 31.10.2017. Nach dem erfolglosen Abenteuer in Helmste habe ich die 15 Kilometer zu dem Sondenschwall-Landegebiet bei Fredenbeck  drangehängt. Eine Sonde, die weder André noch ich bisher versucht hatten, konnte ich nicht finden, habe aber auch nicht intensiv gesucht. Mein Hauptziel war nämlich die Stromleitungs-DFM, die ich unbedingt noch bei etwas Tageslicht erreichen wollte. Bei der ging ich davon aus, dass sie nicht mehr oben hängen würde. Und die Koordinaten waren ja bekannt. Vielleicht konnte man sie direkt unter André's GPS-Position einsammeln. André hatte mir zudem erzählt, dass sie NICHT über einem Maisfeld baumelte. Einen Versuch war das wert!

Ich hatte noch Koordinaten in meinem Handy. Merkwürdig: Die Stelle war eindeutig auf einem Maisfeld, und zwar dicht an einem der Masten. Sah überhaupt nicht so aus wie auf Andrés Bild. Nahe der Leitung, aber nicht AUF der Leitung. Ein schmaler Streifen des Feldes war sogar noch nicht geerentet. Auf der anderen Seite war ein freies Feld ohne Mais! Langsam bekam ich Zweifel an den Koordinaten: Ich habe mir dann Andrés Whatsapp-Nachricht mit den Koordinaten noch einmal herausgesucht. Und die in Locus eingegeben. Ooops, meine Koordinaten waren offenbar falsch (vielleicht waren es irgendwelche Prediction-Koordinaten von damals). Die Sonde lag, genau wie André es beschrieben hatte, auf einem freien Feld hinter dem Maisfeld, 150m von meiner Position, und laut Open Streetmap EXAKT auf der Leitung.

Also nichts wie hin! Ich konnte in dem Bewuchs die Sonde nicht sehen, und es wurde bereits schnell dunkel. Ich bin aber dennoch stur nach Koordinaten zu Andrés Position gelaufen. Und als das Handy-GPS eine Distanz von "0" anzeigte, lag eine DFM direkt vor meinem linken Fuß....





... direkt unter den Stromleitungen. An dem Ding hing noch eine ca. 2m lange Schnur. Von dem Ballonrest und dem Fallschirm und sonstigen Resten fehlte jede Spur. Auch der Begleitzettel fehlte.

Im Dunkeln konnte ich dann zum Rad zurücklaufen und nach Brest-Aspe radeln. Von dort brachte mich der Regionalzug nach Buxtehude, von wo die S-Bahn nach Hause fuhr.

André danke ich für die Koordinaten.  Diesmal konnte ich von seinen vor Ort ermittelten Korrdinaten profitieren, neulich er von meinen (bei dem 2. Meppener Tandem). Beide waren wir jeweils unverrichteter Dinge abgerückt, aber manchmal ist eben die Sicherung von Informationen wertvoller als die eigene Bergung einer Sonde. 

Montag, 23. Oktober 2017

Schleswiger Sonde in Sandesneben



N3540572 war die Mittagssonde aus Schleswig. Ich sah im Netz, dass die Sonde gerade landete, und hielt aus einem Laborfenster mal eben schnell eine Antenne heraus. Ich konnte so die Landephase mitschneiden. Die Höhe über Grund der letzten Position betrug nur 116m. Eine schnelle Habhub-Prediction wich nicht sehr stark von der Bremer Prediction ab, aber die Bremer hatten die Sonde in über 1000m Höhe verloren. Offenbar waren die Wettermodelle sehr stabil, so dass ich mit einer hohen Genauigkeit der Vorhersage rechnete. Ich versprühte die Koordinaten über unseren Whatsapp-Verteiler. Andre meinte, er würde heute nicht dazu kommen, und Jürgen war krank. Ein Blick auf die Karte zeigte, dass in Sandesneben, wo die Sonde gelandet war, eine Bushaltestelle war, die alle Stunde bedient wurde. Also bin ich ohne Umweg über meine Wohnung direkt dort hingefahen. Da alle Verkehrsmittel hinreichend Verspätung hatte, erwischte ich alle Anschlüsse und stand kurz vor 18:00 neben der Schule in Sandesneben.
 
Ich beschloss, sofort vor Ort einen Empfangsversuch zu riskieren, da die Landestelle nur 700m entfernt lag. Die Empfangsqualität war hervorragend, und die GPS-Koordinaten lagen keine 10 Meter neben der Vorhersage.
 
Mehr musste ich nicht wissen. Über einen sehr matschigen Feldweg – ich hatte keine Gumistiefel – gelangte ich zur Sonde. Der Fallschirm war auf einem kleinen Hügel links vom Weg gut aus der Ferne sichtbar. Der Fallschirm hatte gut funktioniert, aber der Ballonrest war mehr oder minder vollständig, was gut zur Landegeschwindigkeit von ca. 7m/s passte.






rechtes i: Prediction, linkes i: Sonden-GPS, Kreise: Handy GPS
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Dienstag, 17. Oktober 2017

Tandems aus Meppen

Update am 21.7.2017: Andre Wulff hat das 9Z-Gespann (17051356 & M1613447) nach meinen Koordinaten aus dem Maisfeld geborgen.

Foto: André Wulff

Foto: André Wulff

Foto: André Wulff


Dann war mein zusätzlicher Trip nach Bockhorst nicht vergebens!

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Seit einiger Zeit startet Meppen wieder mal Tandems aus DFM09 und RS92-Sonden. Das hat für mich einen etwas emotionalen Hintergrund. Der Wetterballon, mit dem bei mir alles anfing, war ein eben solches Meppen-Tandem vor etwas mehr als einem Jahr. Und da ich damals Null Ahnung hatte, ging die SGP-Komponente verloren.

Am 17.7.2017 flogen gleich 3 solche Tandems im Rand meines Aktivitätsgebietes ein. Allerdings konnte ich nur eines bergen. Die Sonden landeten im Raum Bremervörde. Der HVV endet in Kutenholz, und genau diese Regionalbahn-Station war mein Ziel am Spätnachmittag. Der Drahtesel brachte mich zur Landestelle des Tandems 17051166 & M1613427 bei Fehrenbruch. Auf dem Landwirtschaftsweg passierte mich ein Auto, hielt exakt an der auf der Bremer Seite festgesetzten Position an. Die Insassen verloren keine Zeit, aus dem Fahrzeug zu springen und einen Weg raufzulaufen! Sondenjägerkonkurrenz? Zwei Traktoren standen ebenfalls an der Stelle, ich fragte die Arbeiter, die da was am Weg reparierten, ob die beiden nach dem Wetterballon fahndeten. "Nein, das sind Imker". Tatsächlich habe ich auch noch mit ihnen gesprochen.

Ich hielt eine Antenne in die Luft, und die DFM-Position war auf der gegenüberliegenden Seite des Fahrwegs. Das Maisfeld war glückicherweise abgeerntet, und so fiel ziemlich schnell der Fallschirm auf.





Eindrucksvoll wie immer die Meppenpappe. Die Begleitzettel jeder Sonde hatte beide aufgedruckte Seriennummern, wobei die andere jeweils handschriftlich getrichen worden war. Die Befestigung des Begleitzettels der SGP-Sonde war supersorgfältig vorgenommen worden. Ich kannte das bisher, dass der Zettel entweder an den Sondenboden mit Tape gebappt wurde (wodurch er nach der Landung naß wird und auch kaum unzerstört entnommen werden kann). Manche Bergener Startteams und eigentlich grundsätzlich alle in Meppen verkleben die Nachricht in einen kleinen Umschlag aus Plastikfolie. Im vorliegenden Fall gab es was neues: Der Plastikumschag war offenkundig mit einem Folienschweißgerät verschlossen worden. WOW!




Ich fuhr dann noch zum 9Z-Gespann bei Bockhorst. Leider lag es nicht auf der Position der Bremer Prognose. Auch im weiteren Umfeld war nichts zu sehen. Ich habe dann auch hier meine Antenne in die Luft gehalten und zu meinem größten Erstaunen meldete sich noch die SGP. Zilog tat, aber leider hatte ich dank Internet-Funkloch keine allzu aktuellen Rinex-Daten. Nach erfolglosen Rumsuchen im undurchdringlichen Maisfeld verlegte ich mich auf Körperpeilung im Nahfeld. Die Sicht im Mais war zero, und außerdem verstumte die Sonde bei Frame 34000, so dass ich nur eine grobe Richtung hatte. Auch wurde es dunkel, und ich musste dringend weg und habe daher die Suche abgebrochen. Mit letzter Not habe ich dann die 15km nach Kutenholz zurückgehechelt und den letzten Zug noch erwischt. Im Zug habe ich dann gesehen, dass mit neuen Rinexdaten die Koordinaten ca. 40m tiefer im Maisfeld lagen.

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Sonntag, 15. Oktober 2017

Sonde im Nebel

Ich hatte eigentlich am Tag vorher schon eher mit einer erreichbaren Landung aus Norderney gerechnet. Aber die Mittagssonde fiel ziemlich schnell vom Himmel. An dem Tag hätte ich eh nichts machen können, und somit hat mich das nicht sehr geärgert. Erstaunt war ich dann aber, dass ich nachts um 3:00 von einem piependen Handy vom Bremer Alarm geweckt wurde. Ein kurzer Blick auf Wetterson.de zeigte, dass die Nachtsonde N3330860 im Raum Buxtehude landen würde. Ihr Fallschirm hatte viel besser funktioniert als erwartet, und dadurch war sie viel weiter nach Osten geflogen.

Aber wie komm ich da hin? Der tiefere Sinn der Bahn ist derzeit die Förderung der Bauwirtschaft. Die S-Bahn nach Buxtehude ist von einem Schienenersatzverkehr unterbrochen (und ca. 5 Linien im Hamburger Raum, zum Teil wochenlang auch in der Woche). Es wurde deutlich, dass ich wohl den Metronom nach Cuxhaven nehmen musste. Überflüssig zu sagen, dass auch diese Strecke in einem Schienenersatzverkehr endet. Aber erst hinter Buxtehude.  Dort trudelte ich kurz vor 9:00 ein. Mit dem Rad ging es durch die neblige Landschaft nach Klein Nindorf. Noch dichter an der Landestelle lag der Bahnhof Apensen, aber dorthin wäre ein Zug erst in einer Stunde gefahren. Also fuhr ich ein paar Kilometer mehr, direkt von Buxtehude aus.

Auf den Feldern waren Bauern unterwegs. Man hörte die Trecker und sogar ihre Stimmen, aber man sah sie nicht. Es war extrem neblig. Im Nebel glaubte ich eine weiße Struktur zu erkennen. Bevor ich irgendwas anderes probierte, wurde kurz mal nachgeguckt: Das war tatsächlich der Fallschirm der Sonde.



Die Bergung war dann sehr einfach.Ich musste in keiner Weise meine Empfangsausrüstung auspacken. Einen Ballonrest gab es praktisch nicht:







i=Bremer Prediction, Kreise = Fundort



 





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Mittwoch, 11. Oktober 2017

Erfolg im dritten Anlauf

N0720273 war eine RS41-Radiosonde aus Schleswig. Sie flog um 0 Uhr UT am 7.10.2017, zwei Tage nach dem Sturm Xavier. Ich konnte die Sonde von meinem Balkon aus bis in eine Höhe von 260m über Grund verfolgen. Danach rechnete ich wie üblich eine Landevorhersage und kam auf ein freies Feld südlich von Bröthen. Die Gegend kenn ich ganz gut.

Vor fast 40 Jahren habe ich Vogelstimmen auf Tonband aufgenommen. Das Nervigste dabei ist Motorbrummen von Autos im Hintergrund. Wo gab es derartige Störgeräusche gar nicht? Genau! Am Ende der Welt, dort, wo der Westen auf den Osten stieß. Die Gegend um Bröthen kannte ich daher gut, auch hatte ich damals schon wenige Meter von der Landestelle entfernt gestanden.  Allerdings lag die Stelle wenige Meter jenseits des damaligen DDR-Metallgitterzauns, und wäre daher damals komplett unzugänglich gewesen. Im Gegensatz zu heute. Dachte ich...

Also guckte ich mir eine Verbindung nach Büchen heraus, um die Sonde noch sendend antreffen zu können. Sorgfalt war angebracht, denn der Orkan Xavier hatte ein paar Tage vorher diverse Bahnstrecken unterbrochen. Aber: Sowohl die Webseiten als auch die Apps von Bahn und HVV behaupteten, der Zug würde fahren. Also kaufte ich mir eine Ergänzungskarte und eine Fahrradkarte und stand um 6 Uhr morgens am Hauptbahnhof.

Am Gleis standen diverse Leute gestikulierend herum und klickerten auf ihren Handys. Einer hatte vom Reisezentrum ebenfalls erfahren: Züge nach Berlin fahren nicht, aber Rostock, Schwarzenbek, Büchen - kein Problem. Aber die große Anzeigetafel hatte andere Nachrichten. Es fahren keine Züge nach Büchen, und es gibt auch keinen Ersatzverkehr... Es würden auch heute und auch morgen keine Züge fahren.  Unverrichteter Dinge musste mich nach Hause begeben. Ich hätte den Samstag morgen lieber im Bett faulenzen sollen. Wie üblich versprühte ich meine Prediction an Andre und Jürgen.

Andre fragte mich am Sonntag, ob ich nicht mitkommen wolle. Er würde nach der Sonde gucken. Ich hatte aber keine Zeit, und daher fuhr er dann alleine an die Stelle am alten Zaun. Und meldete sich abends über Whatsapp: Er hatte sie nicht gefunden. Obwohl die Landestelle ihm übersichtlich erschien, konnte er sie nicht entdecken. Und da ich mit André in letzter Zeit oft unterwegs war, wusste ich, dass er ein sehr scharfes Auge hat und jegliche Fremdkörper auf einer Wiese aus großer Entfernung erpäht.

Am selben Tag im Radiosondenforum. Während Andre die Gegend am alten Grenzzaun untersuchte, war, gar nicht weit weg, die Schleswiger Mittagssonde am Schalsee gelandet. Ein gewisser Marco hatte versucht, sie zu finden. Er traf auf einen anderen Sondensucher, den Harry aus Ludwigslust. Leider konnten sie nichts erreichen, weil die Sonde 18m hoch im Baum hing. Das fand ich in sofern tröstlich, als dass ich zur selben Zeit eine Sonde in Heinste vergeblich versucht hatte, aus dem Baum zu bekommen - die war knapp 16m hoch im Baum. Ich fragte daher nach, ob der Harry sich vorher vielleicht die andere Sonde auch geschnappt haben könnte. Und Marco meinte, ihm wäre so, dass Harry erwähnt hätte, er hätte an dem Tag schon eine Sonde geborgen. Das wäre eine plausible Erklärung für Andrés vergebliche Suche gewesen. Allerdings stellte ein anderer Forumsteilnehmer (er heißt ebenfalls Harry), der Kontakt zu Harry hat, klar, dass das wohl ein Missverständnis war. Harry aus Ludwigslust hatte die Sonde nicht.

Langsam fragte ich mich, ob man N0720273 nicht vielleicht doch noch finden konnte. Vielleicht lag sie nicht auf dem Acker, sondern war etwas weiter geflogen und hing in den Bäumen? Also fuhr ich am 11.10. nachmittags hin. Von Büchen aus brachte mich der Drahtesel zur alten Grenze. Von dort aus ging es zu Fuß die paar Meter zur Landestelle. Und ich fand die Landestelle überhaupt nicht so übersichtlich wie André sie eingeschätzt hatte.

Es handelte sich um einen Möhrenacker. Die Hälfte war abgeerntet. Hier hätte N0720273 unbedingt auffallen müssen. Die vorhergesagte Landestelle lag aber auf dem noch nicht abgeerneteten Teil. Die Vegetation war recht flach, aber dicht. Ich kannte das inzwischen soweit, dass ich wusste, dass in sowas Sonden, Fallschirme und Schnüre komplett versinken können, und man sie erst sieht, wenn man unmittelbar davor steht. Mit dem Feldstecher vom Feldrand aus war nichts zu sehen. Aber dennoch vermutetete ich die Sonde auf dem nicht abgeernteten Teil und verwarf meine Idee von der Waldlandung.

So war es dann auch. Ich ging dann eine Treckerspur in den Acker hinein und stand dann unvermittelt vor einem riesigen Ballonrest und einem "originalverpackten" Fallschirm. Aus 20-30m Distanz war dieser massive Gegenstand nicht erkennbar



 
Von da aus musste man nur der Schnur folgen....


 um dann vor der Sonde zu stehen... (Landestelle in Google Maps)







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