Montag, 15. Januar 2018

Heimliche Landung in Garstedt

N3320041 war die 12Z-Sonde aus Norderney am 15.1.2018. Ich konnte neben dem Job schnell auf die  Bremer Seite sehen. Die Spur endete unvermittelt über der Nordsee nach einem Anstieg auf 11000m, und dann offenbar ihr Empfang zusammengebrochen. Ein kurzer Blick auf die polnische Seite zeigte, dass sie, "heimlich" im Hamburger Raum niedergehen würde, allerdings endete die Spur dort in über 4000m Höhe - Hamburg ist doch etwas weit weg von Polen. Ganz unerwartet war das nicht, weil die Landevorhersage von Habhub die 12Z Norderneysonde ebenfalls im Raum Hamburg erwartete. Ich konnte eine Antenne aus einem Laborfenster halten und die Landung in Garstedt gleich hinter dem nördlichen Stadtrand mitschneiden. Eine rasch gerechnete Habhub-Prediction sah die Landestelle nördlich der Straße Harthagen. Auf die Langlebigkeit der Batterien vertrauend, habe ich mich dann abends um mit Öffis zur gleichnamigen Bushaltestelle aufgemacht. Bei Schneegrieseln bewährte sich mal wieder das Wartehäuschen an der Station. Die Sonde sendete um 19:34 MEZ tatsächlich noch und verriet mir ihre Position ganz unweit meiner Vorhersage. Also alles einpacken, Rucksack geschultert und los. Die Sonde lag auf einem Feld. Der Fallschirm hatte sich voll ausgebreitet, der Ballonrest war relativ klein. Die Bergung verlief daher komplett problemlos.



Bei Graupelschauer ging es zurück zur Bushaltestelle, wo auch nach 5 Minuten ein Bus nach Norderstedt Mitte abfuhr. Nach all den Baumlandungen endlich mal ausgleichende Gerechtigkeit.

Sonntag, 14. Januar 2018

Saseler Sonden einsammeln

Am 11. und 12.1. erhoben sich aus dem Saseler Startautomaten zwei RS41 Radiosonden - nach langer Pause mal wieder! Offenbar müssen die Leute da mal ein wenig üben, denn die Sonden platzten ungewöhnlich niedrig in 20000m bzw. 14000m Höhe. Da die Windgeschwindigkeit nicht sehr hoch war, kamen sie nicht weit. Die erste, M0310367, landete in Kisdorf, die andere, M0310156  bei Horst nördlich von Elmshorn,
Die erste Sonde konnte ich berufsbedingt nicht verfolgen. Für die zweite war ich am Sachen packen, aber ich musste die Aktion spontan abbrechen, um eine unerwartet im Hamburger Hafen gestartete DFM09 zu bergen.
André, der gerade auswärts beruflich zu tun hat, dort nicht motorisiert ist und nur am Wochenende nach Hamburg kommt, schlug vor, am Sonntag bei bestem Wetter eine kleine Tour zu den beiden Saseler Sonden zu machen. Mehr als die Bremer Vorhersage hatten wir nicht. Also ging es erst nach Hohenfelde bei Horst. M0310156 lag nach der Prognose direkt an einem Fahrweg. Dort war nichts. André sah mit einem Fernglas etwa 200m auf einer Wiese einen Gegenstand liegen, der es sein konnte, oder aber auch nicht. Also stapften wir durch die sehr nasse Wiese zu dem Objekt. Aus etwa 100m Entfernung sah ich plötzlich eine Schnur diagonal zu unserer Wanderrichtung verlaufen, die direkt den Weg zur Sonde wies.




Andre an der Sonde

 Andrés Objekt entpuppte sich als der recht große Ballonrest, der seinen Fallschirm noch originalverpackt enthielt.


Fallschirm herausgeprökelt....
Auf dem Weg lag die Landestelle einer Meppener Sonde vom November, aber außer einer größeren Population Graureiher konnten wir dort nichts entdecken. Ernstlich hatten wir hier nicht mit einem Erfolg gerechnet. Stattdessen brachte uns eine längere Autofahrt über die Dörfer nach Kisdorf, zu der zweiten Sonde M0310367. Hier lag die vorhergesagte Stelle deutlich abseits des Fahrwegs. Nach einem Fußmarsch schwärmten wir ein wenig aus, um drei infrage kommende Koppeln abzuchecken. Ich zwängte mich über einen Knickwall und durch einen Stacheldrahtzaun und sah etwa 150m vor mir eindeutig einen Fallschirm liegen. Ich machte durch Rufe und hektisches Winken André auf die Lage aufmerksam, und am Ende konnten wir die auch die zweite Sonde einsammeln:






Insgesamt eine schöne Suche nach kalten Sonden. Problemlos, keine Baumlandung und kein Wohngebiet, viel Smalltalk über Sonden und Astronomie, bestes Wetter, was will man mehr?

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Freitag, 12. Januar 2018

Start einer DFM09 im Hamburger Hafen!


Am 12.1.2018 flogen die Sonden nicht sehr weit. Die Saseler Sonde M0310156 landete bei Horst nördlich von Elmshorn. Ich hatte eigentlich vor, diese Sonde zu erbeuten. Als ich meine Sachen packte, warf ich noch mal einen Blick auf die Bremer Seite, wo zu meiner Überraschung über Uetersen die offenbar in Pinneberg gestartete DFM09 620641 (polnische Daten) zu sehen war. Eine schnell gerechnete Prediction sagte eine Landestelle im Hamburger Osten voraus - besser erreichbar als Horst. Auch würde ich die landende Sonde von meinem Balkon in Altona bis tief herunter per Funk verfolgen können. Also wurden meine Pläne schnell den neuen Realitäten angepasst.

Als die DFM ca. 20000 Höhe erreicht hatte, begann sie, sehr zügig nach Osten abzudriften. Der Ballon platzte in 23500m Höhe über dem Osten Hamburgs. Also wurde auf dem Balkon die Yagi ausgerichtet und die Landung verfolgt.  Es folgte der erwartet schnelle Abstieg - Pinneberg verwendet ja keine Fallschirme. Tatsächlich war die letzte GPS-Höhe knapp 90 Meter, das sind ca. 27 Meter über Grund. Angesichts einer Landegeschwindigkeit von 10m/s musste man die schnell gerechnete Habhub Prediction als sehr genau einstufen. Die Landestelle lag auf der Wohnstraße "Beim Lehmbrook", 800m von der U-Bahn-Station Trabrennbahn entfernt.

Also ab in die Verkehrsmittel und nix wie hin. Ich biege um die Kurve, an der die Sonde liegen soll, und sehe wenige Meter neben der erwarteten Stelle ein Rentnerehepaar nach Leibeskräften an einer Schnur ziehen. Die endete in einem Ballonrest und einem DFM-typischen Abroller. Ich half ihnen, mit der Stange die Sachen aus dem Dornenbusch rauszukriegen, in dem sie sich komplett verhakt hatten. Die beiden waren erst eben nach Hause gekommen, und mussten erst einmal die Schnur, die in Kopfhöhe über ihrer Garagenauffahrt verlief, beseitigen. Sie erzählten mir, dass ihr Nachbar die Sonde auf seinem Grundstück gefunden und zur näheren Inspektion in sein Haus mitgenommen hatte.

Also musste da schnell geklingelt werden. Das nette Ehepaar in dem Einzelhaus öffnete erst nach geraumer Zeit. Sie meinten, sie hätten aufgrund meines großen blauen Rucksacks erst einmal nicht gewusst, ob sie mir öffnen sollen, denn es kämen öfter Obdachlose zum Betteln. Nachdem klar war, dass sich in meinem Rucksack keineswegs meine gesamten Habschaften, sondern nur ein Laptop, eine Antenne und ein GFK-Mast befanden und nach nach der üblichen Erklärung ließen sie mir sogar die Sonde. Technischer Instinkt war unbedingt vorhanden, denn sie hatten die DFM mittlerweile fachmännisch abgeschaltet.

Glücklich zog ich mit dem Gespann von dannen.








Die eigentliche Überraschung kam zuhause bei der Nachbereitung: Auf der Bremer Seite lassen sich ja die Tracks der DFMs nicht erkennen. Aber auf der Vorhersageseite durchaus. Und da kam heraus, dass der Startplatz überhaupt nicht Pinneberg, sondern der Hamburger Hafen war!!






Das, obwohl das Höhenprofil sowie das Fehlen das Fallschirms und die Verwendung von Kabelbindern typisch Pinneberg ist.

Es hieß in Presseveröffentlichungen schon mehrfach, dass in Pinneberg Setups für Forschungsschiffe getestet werden. Hier wurde wohl ein solches Gespann von einem Schiff aus gestartet. Starts vom Hafen aus hatte es schon ein paarmal gegeben, aber bisher hatte ich so ein Teil noch nie erbeuten können. Jetzt weiß ich: Die Radiosonden aus dem Hamburger Hafen sind Pinneberg as usual.

So lernt man aus jedem geborgenen Gespann wieder etwas Neues .

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Dienstag, 9. Januar 2018

Ein Trümmerfeld

Diese Sonde M1653274 war ungewöhnlich. Zunächst einmal startete Bergen um 6:00 zwei Sonden. Eine, die, was sonst nur die Mittags- und Mitternachtssonden tun, bis über 30km Höhe kletterte. Und eine, die in 23000m Höhe platzte und dann im Hamburger Raum niederging. Ich konnte die Sonde von meinem Balkon aus per Funk verfolgen. Da sie nur 2km von meiner Wohnung entfernt dahinzog, war sie ein nicht allzu schweres Ziel für meinen 10X50 Feldstecher. Der Fallschirm war als dunkle, abgeflachte Struktur sehr gut sichtbar, und man sah auch diffuse Strukturen, die darunterhingen.  Ein Versuch einer Videoaufnahme mit einer handgehaltenen 1000mm Russentonne und einer DSLR misslang. Die vorhergesagte Landestelle lag am Bahnhof Krupunder. Also machte ich kurz einen Ausflug ins Landegebiet

Der Timerkill war auf 3:30 Stunden eingestellt. Es war klar, dass sie nicht mehr mit voller Sendeleistung arbeiten würde, als ich eintraf. Das Zielgebiet war mit Reihenhäusern bebaut. Ein Empfangsversuch war nur Plan B. Da die Sonde auf der Bremer Prediction von Lauf zu Lauf südlich driftete, konzentrierte ich mich auf die Region südlich meiner Prognose. Und wurde rasch fündig.

In den Vorder-"Gärten" der Reihenhausgrundstücke lagen verstreut die Bauteile eines Batteriekastens einer RS92 Radiosonde. Und auf dem Fußweg ein komplett gesprengtes Batteriepaket, ein Stromanschlusskabel und eines der beiden Wasser-Ausgleichsgewichte.







Der Begleitzettel war ebenfalls noch da:




Die Elektronikbox der Homepage, der Fallschirm und die Schnur waren nicht auffindbar. Ein netter Reihenhausbewohner hat sogar aus seiner Dachluke geguckt, konnte aber von oben aus nichts sehen. Eigentlich war das Gelände ziemlich übersichtlich. Ich denke ja, dass Sondenjäger Destrutktivix vor mir an Ort und Stelle war, denn es erfordert schon recht viel Kraft, ein RS92-Batteriepaket auseinander zu brechen. Aber der nette Hausbewohner meinte, dass seine Nachbarn schon zur Arbeit gefahren wären und er zur Landezeit ziemlich allein vor Ort war.

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Mittwoch, 3. Januar 2018

Im neuen Jahr wird alles besser....

Sonden finden wir 2018 nur noch UNTER dem Baum. Pustekuchen: Gleich die erste Sondensuche war ein ---- RICHTIG: Baumlander.

Meppen schickte heute die Sonde M1543121 (eine SGPD; auch sowas ist im neuen Jahr noch nicht verboten worden). Ich konnte sie bis in Baumwipfelhöhe durch eigenen Empfang verfolgen. Aus 400m Distanz hatte ich Empfang und Zilog-Dekodierung. Die Position lag am Rande eines Wäldchens. Folgender Zustand: Meppenpappe: WECH. Fallschirm: WECH. Ballonrest WECH. Entweder hat das schon jemand mitgenommen, oder (weil bei Meppener Sonden ja der Abroller an der Meppenpappe hängt): Es kann auch sein, dass der Kram abgerissen ist und irgendwo weggeweht ist; die Vegetation war recht hoch. Abroller: liegt auf dem Boden.


Schnur: Verschwindet im Baum. Sonde: Hängt hoch im Baum, aber vom Boden her nicht abzulassen.



Es gelang mir, die Schnur zu zerreißen und das meiste mitzunehmen, aber die Sonde kam nicht herunter. Ist wohl auch mit einer 15m Stange schwierig. Allerdings scheuert, wie im Fernglas erkennbar war, die Schnur an einem Ast, so dass sie wahrscheinlich recht zeitnah ganz von selbst herunterkommen dürfte. Hierbei besteht aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie im darunter befindlichen Wassergraben landet. Da eine Bushaltestelle in unmittelbarer Umgebung ist, sollte es nicht schwerfallen, gelegentlich nach dem Rechten zu schauen.

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Donnerstag, 28. Dezember 2017

Schon wieder ein Baumlander....

Die Mittagssonde aus Norderney N3330634 sollte laut Prognose im Hamburger Raum niedergehen, und ich wurde nicht enttäuscht. Ich konnte die Endphase des Flugs bis in 119m GPS-Höhe (entspricht 43m über Grund) verfolgen. Die letzte Position lag laut Google-Earth über einem Wäldchen, und die Habhub-Prediction lag auf dem Gelände einer Kiesgrube in Glashütte. Ich entschloss mich, sofort nach der Landung loszufahren. Die nächste Bushaltestelle (Robert-Koch-Straße Mitte) war nur etwa 270m von der Landestelle entfernt.

An der Haltestelle nutzte ich das Bushäuschen zu einem sofortigen Empfangsversuch. Die GPS- Position der Sonde befand sich gerade so eben nicht auf dem Kieswerksgelände, sondern in dem Wäldchen. Und nach einer überschlagsmäßig korrigierten Höhe zu urteilen 20m über dem Grund. Schon wieder ein Baumlander!

Vom Eingang des Kieswerks sah man eine verdächtige weiße Tüte am Rand des Geländes - wie sich später herausstellte, der Schirm, fast exakt auf meiner Landevorhersageposition. Die Sonde war ja aber im Wald, der zudem den Vorteil hatte, dass er nicht abgesperrt war. Das Vorankommen dort war anstrengend, denn das Wäldchen war ein Urwäldchen mit viel dichtem Unterholz. Die heftigen Herbststürme hatten die meisten größeren Bäume umgeworfen. Ohne Machete gelangte ich an die GPS-Position und konnte auch sehr schnell im äußersten Wipfel einer Birke die Sonde sichten. Das Supertele meiner Bridge-Kamera musste den zuhause vergessenen Feldstecher ersetzten und konnte gleich noch ein paar Fotos und Videos aufnehmen






Die Schnur ließ sich von dem Baum über eine angrenzende Wiese auf das Gelände des Kieswerks verfolgen und konnte am Zaun zum Kieswerk locker mit der Stange in 5-6 Metern Höhe abgegriffen werden. Im Baum war erkennbar, dass man die Sonde durch Ziehen und Loslassen der Leine  im Baum hochziehen und abseilen konnte. Also wurde die Schnur gekappt, und die Sonde kam problemlos auf den Boden.


Auf dem Kieswerksgelände war niemand zu sehen, den man hätte fragen können. Die Arbeiter dort werden sich wohl morgen über Schirm, Ballonrest und Schnur wundern und dürften kein Problem haben, diese Reste zu entsorgen.


Freitag, 22. Dezember 2017

Sondenmagnet bei Harsefeld

Es gibt Gegenden in meinem Radiosondenrevier, die Radiosonden magnetisch anziehen. Zum Beispiel die Region um Harsefeld, Brest-Aspe und Kutenholz. Inzwischen kennt man die wesentlichen Straßen und fährt fast ohne Handy-Navy zur Sonde. Die inzwischen stumme Schleswiger Mitternachtssonde vom 20.12.2017, N3550519, sollte am 22.12. besucht werden. Also rein mit Rad in den Zug nach Brest-Aspe, 4 Kilometer auf der Straße nach Wedel, und die Sonde sollte laut Bremer Vorhersage  AUF der Straße am nörlichen Ende des Wäldchens, an dem die Straße westlich vorbeiführt, liegen. Da war nichts zu sehen. Ich vermutete aufgrund der Flugbahn die Sonde etwas südlicher. Aber da war auch nichts. Also rein in den Wald. Die Sonde konnte aber nicht tief im Wald liegen. Die Bäume gründlich inspiziert. Nicht gründlich genug. Auf der anderen Seite des Bachs ging ein Weg am nördlichen Waldrand entlang. Und wie üblich sind Baumlander aus einiger Entfernung leichter auszumachen. Hier ein afokales Handybild durch den Feldstecher:




Also zurück in den Wald. Es stellte sich heraus, dass ich direkt unter dem Schirm durchgelaufen war. Und auch unter der Sonde!  Die war durch Verfolgung der Schnur leicht lokalisierbar.

Sie hing etwa 8-9 Meter hoch, also mit der 10m Stange problemlos abzupflücken.

Leider verliefen ein paar Versuche zur Bergung von Schnur und Fallschirm weniger erfolgreich. Man konnte den Fallschirm leider nur auf den Wipfel des Nachbarbaums an der Sondenschnur ablassen.