Donnerstag, 25. Mai 2017

Begegnung mit Sondenjäger

Am 25. und 26.5.2017 flogen die Schleswiger Sonden in Richtung Hamburg. Leider wählten sie in allen Fällen recht ungünstige Landeplätze aus, und alle Sonden flogen erheblich weiter als von Habhub vorhergesagt.

Die 0Z-Sonde vom 25.5.2017, N0220338  landete bei Klecken in einem stark bewaldeten Wohngebiet. Da ich kaum am frühen Morgen eines Feiertages (Himmelfahrt) dort anklopfen konnte und das Gelände extrem unübersichtlich wirkte, habe ich es mir verkniffen, dort hinzufahren. Außerdem musste ich an dem Tag  noch am Vormittag zur Arbeit.

Dorthin nahm ich aber meinen gesamten Sondenjägerkram und mein Fahrrad mit. Es galt, handlungsfähig zu sein. Denn die 12Z Sonde sollte laut Habhub in der unmittelbaren Nähe meines Arbeitsplatzes herunterkommen.

Nebenher konnte ich den Flug von N0110293 auf der Bremer Seite im Auge behalten und die Landephase aus einem Fenster mit bester Horizontsicht mit eigenem Empfang mitschneiden. Leider landete die Sonde nicht wie vorhergesehen im Jenischpark, 300m entfernt, sondern flog viiiel weiter bis in die Nordheide. Eine schnell gerechnete Habhub-Prediction zeigte die Landestelle bei Itzenbüttel auf einem waldigen Gelände nahe einer Kurklinik o.ä.. OK, Fahrrad und Sondenjägerequipment geschultert und mit dem Zug auf nach Klecken. Von dort aus ging es mit dem Rad zur Landestelle. Auf einer Bank am Rande des Klinikgeländes wurde das Geraffel ausgepackt. N0110293 sendete laut und deutlich, und die GPS-Position war in unmittelbarer Nähe. Der Fallschirm war auch bei Annäherung an die Sonde sofort  erkennbar.






Die Schnur konnte man über einen Waldweg bis zu einen Baumwipfel verfolgen. Weiter aber nicht. Auf dem Waldboden an der GPS-Position - nichts. In den Baumwipfeln - nichts. Also musste gepeilt werden. Diesmal habe ich ausprobiert, die Oberwelle auf der doppelten Frequenz zu erfassen. Die war ziemlich schwach, aber extrem eindeutig peilbar. Der Baum war rasch identifiziert, er stand noch etwas von dem Baum, in dem die Schnur verschwand, entfernt. Irgendwann hatte ich die Sonde senkrecht über mir. Aber sie blieb komplett unsichtbar. Auch ein Absuchen der Wipfel mit dem Fernglas war erfolglos. Offenbar hing die Sonde im höchsten Wipfel fest.

 Ich habe dann versucht, mit der GFK Stange den Schirm von dem ersten Baum über eine Astgabel zu ziehen, um die Schnur zu entlasten. Aber das führte nur dazu, dass die der Schirm abriss. Am anderen Ende war die Situation unverändert.

Also gab ich auf. Sachen packen, Rucksack schultern und los. Ich wollte gerade gehen, als es im Unterholz auf der anderen Seite raschelte - ein Mann mit Yagiantenne und seine nette weibliche Begleitung, beide mit Handempfängern,hielten direkt auf mich zu! Michael war mit dem Auto aus Hamburg angereist und wollte jetzt die Sonde im klassischen Peilverfahren erbeuten. Ich konnte ihm die ungünstige Lage schildern und dann mal zugucken, wie das Peilen mit einem Handempfänger so geht. Auch er musste im Nahfeld auf die doppelte Frequenz umschalten (wo sein Handempfänger sehr viel empfindlicher war als mein RTL-SDR), und am Ende identifizierte er den Baum neben "meinem" Baum als den Baum der Bäume.  Da die Kronen beider Bäume sich durchdringen, ist das als das gleiche Ergebnis zu betrachten. Die Sonden-GPS-Position war übrigens auch +-5m mit den Peilergebnissen kompatibel. 

Bisher war es eigentlich immer so, dass bei Waldlandungen irgendein Teil des Gespanns erreichbar war und man dann weiterkam. Durch die neuerdings noch längeren 55m-Schnüre wurde es noch besser. Hier aber half nichts. Ich verabschiedete mich von den netten Kollegen und radelte nach Klecken zurück. Dort hatte ich noch etwas Zeit, um mir die Landestelle von N0220338 anzugucken. Aber das Gelände war so, wie ich es erwartet hatte. Große Einzelhausgrundstücke, extrem dichte und hohe Bäume, unübersichtlich. Viel versprochen hatte ich mir von der Nachsuche natürlich nicht, und am Ende musste ich in Klecken in die Pedale treten, um nicht noch eine Stunde auf dem Bahnhof zuzubringen.

Das Positive war der Klönsnack mit den netten Sondenjäger-Kollegen. Nach 62 Sonden wurde es auch mal dringend Zeit, dass so eine Begegnung "an der Sonde" stattfindet. 

Die folgende Mitternachtssonde flog auch sehr viel weiter als vorhergesagt. Die Bremer Seite zeigte sie bis 13m über Grund, und die Landestelle ist ganz offenkundig hochspannend: Eine Überlandleitung bei Scheeßel.

Übersicht über alle Sondenfunde hier

Sonntag, 21. Mai 2017

Autobahnsperrung und die Folgen

Die Mitternachtssonde vom 21.5.2017 (L0533160) aus Bergen sollte laut Prognose mitten in Altona landen, weshalb ich auf der Lauer lag. Vom Balkon aus konnte ich die Landung bis in geringe Höhe (GPS-Höhe=147.9m, enstrechend 87m über Grund) verfolgen. Allerdings lag der Landeplatz im Raum Hasloh, also deutlich nördlicher als erwartet. Eine rasch gerechnete Habhub-Prediction ergab eine Position auf einem Feld direkt an der A7. Bremen hatte die Landeposition direkt am Fahrbahnrand. Ich hatte die Sonde aber viel tiefer erfasst und wusste sicher, dass sie auf dem Feld lag. Zu erreichen war die Landestelle entweder von der U-Bahn-Station Garstedt aus, oder von der AKN-Station Hasloh. Letztere ist vom Hamburger Westen bequemer zu erreichen. Nach Garstedt fuhren die Züge die ganze Nacht, aber das war eine elende Gurkerei. Also wartete ich, bis die AKN verkehrte und fuhr da hin. Die Batterie der SGPD sollte reichen. Das war ein Fehler, wie sich zeigen sollte.

Das mitgenommene Fahrrad sollte mich die knapp 4km zur Sonde bringen, über die Autobahnbrücke der Garstedter Straße. Wenige Meter vor der Brücke, gar nicht weit weg vom Ziel,  sah ich ein  "Durchfahrt-Verboten" Schild. Die Brücke dahinter war abgerissen.

Seit einiger Zeit toben auf der A7 großräumige Bauarbeiten, und an diesem Wochenende war die Autobahn sogar zeitweise voll oder richtungsweise gesperrt. Da werden auch mehrere Brücken abgerissen und wieder aufgebaut. Dass diese hier abgerissen worden war, hatte ich jetzt nicht erwartet. Google Maps schlug einen Umweg über die Autobahn vor - toll für den Radfahrer. Dem Autofahrer hätte der Tipp ebenfalls nichts genutzt, denn die A7 war gerade gesperrt...

Nachdem die anfängliche allgemeine Genervtheit überwunden war, stellte sich die Frage: Wie kommt man zur Sonde? Eine kurze Webrecherche ergab, dass auch die weiter nördlich gelegene Brücke an der Dorfstraße von Hasloh gesperrt war. Über einige weitere Brücken war nichts oder Widersprüchliches zu erfahren. Explizit offen waren nur relativ weit entfernte Brücken, und die hätten einen massiven Umweg erfordert.

Also zurück zum Bahnhof Hasloh. Jemand, den man fragen konnte, sah ich nicht. Mit der AKN konnte man im Prinzip relativ rasch über Ulzburg und Norderstedt nach Garstedt gelangen. Ich hatte keine Meinung dazu, auf Verdacht noch 3 weitere Brücken auszuprobieren. Nach einer halben Stunde Wartezeit kam die Bahn, und mit 2mal Umsteigen stand ich - sehr spät - am Bahnhof Garstedt.

Von da aus war es mit dem Rad jetzt endlich  ein Katzensprung bis zum Feldrand. Leider erwies sich der Acker als bereits recht hoch bewachsenes Roggenfeld. Auch war die Sonde inzwischen komplett verstummt, diese extreme Anreise hatte einfach zu viel Zeit gekostet. Mit dem Fernglas war so direkt nichts zu sehen, Sonde, Fallschirm und Schnur waren, wie zu erwarten, komplett im Roggen versunken.

Was blieb als letzte Chance? Blindes Vertrauen in die eigenen Daten vom Morgen und die  Prediction!  Rechner und Antenne wegpacken und zu der vorhergesagten Landestelle gehen. Durch ein paar Ackerfurchen ging es, durch GPS geleitet, zu der Stelle. Und kurz vor dem Ziel sah zu meiner Freude plötzlich aus ein paar Metern Entfernung ein verdächtiges Objekt.



 Das sieht verdammt nach einer verzwirbelten Schnur aus! Die Prognose hatte exakt gestimmt!







Auf der Garstedter Seite war die Verkehrsführung übrigens vorbildlich. Überall waren Schilder, die auf die zur übrig gebliebenen Brücken und die neue Verkehrsführung hinwiesen. Es kam noch besser: Eine Brücke war "gesperrt", aber bei einem Check vor Ort nicht für Radfahrer. Von dort hatte man auch einen tollen Blick auf die abgerissene Problembrücke.



 So ging es aber schnell zur AKN-Station Bönningstedt und damit nach Hause.



Samstag, 20. Mai 2017

Zweitschlagkapazität!

K5024398 war die 6Z-Sonde aus Bergen am 19.7.2017. Diese Sonde habe ich einen Tag nach dem Flug im 2. Anlauf im Wald gefunden.

Ich hatte am Freitag nicht viel Zeit, daher bin ich unmittelbar nach der Bergung der Bergener Mitternachtssonde schon losgefahren, als die Sonde noch schwebte, es in Bremen aber schon eine Prediction gab. Also ging es mit der S-Bahn nach Neuwiedenthal, von dort aus zu Fuß weiter. Die Landeposition lag am Waldrand auf der Waldseite. Unter in einem Baum meinen Kram ausgepackt und losgelegt. Sofort Super Empfang, irres Signal. Ohne Antenne kein nennenswerter Signalverlust. Signal aufgezeichnet, durch Zilog gejagt: NIX. Nochmal: NIX. Peilversuche mit Körperpeilung zeigte die (wie sich später rausstellte) völlig richtige Richtung, und nach 30-40m kam das Signal von der anderen Seite. In der fraglichen Gegend die Bäume inspiziert, Fehlanzeige. Hilft eben nicht weiter, wenn man einfach Tomaten auf den Augen hat.

Auch musste ich die Hühner satteln, - ein Job-Termin rief. Also bin ich unverrichteter Dinge weggegangen.

Am Abend ließ mir der frustrierende Ausgang der Aktion keine Ruhe. Es gab nicht nur die 2 Sequenzen, die ich gleich im Wald analysiert hatte und die keine GPS-Daten enthielten. Vielmehr hatte ich bei den Peilversuchen natürlich eine WAV-Datei aufzeichnet. Zu der gab Zilog allerdings noch weniger als nichts raus - einen Ausgabefile von 0 byte Länge... Dabei hörte sich der Sound eigentlich ganz gut an.

Also habe ich einen Versuch mit Sondemonitor gestartet. Der konnte natürlich mit dem Kram auch GPS-technisch nichts anfangen, zeigte aber die Wetterdaten an und machte brav eine RAW-Datei. Und die konnte Zilog mit der rawin-Option dekodieren. Fast alle Frames waren wieder ohne Positionen, aber in den 9 Minuten gab es 33 Frames mit GPS-Koodinaten. Der DOP-Wert von 9.7 ist suboptimal, der d-Wert betrug immerhin 2.9 auf Basis von 4 Satelliten. Die Positionen streuten ein wenig doller als sonst, aber ich habe die Daten mal gemittelt, und am Ende erwies sich dieser Mittelwert als Volltreffer. Der Mittelwert lag auch sehr nahe an meiner Peil-"Lösung" vom Morgen.

Und Sondemonitor lieferte ja auch die Luftdruckdaten. Auf Kachelmannwetter die entsprechenden Daten rausgezottelt, rumgerechnet und erkannt: Diese Sonde hängt nicht wie erwartet hoch im Baum, sondern liegt auf dem Boden!! Dazu passte auch die Höhe der GPS-Lösung. Also musste ich am Samstag morgen nochmal HIN.

Naja, und an der entsprechenden Stelle hing der Schirm im Baum. Wieso ich das Freitag nicht gesehen habe, ist mir unklar. Es kann sein, dass der Schirm ursprünglich höher im Baum hing, denn in der Nacht hatten wir heftigste Gewitter mit Strurmböen, und die Schnur der Sonde sah ziemlich ramponiert und zerfasert aus.



 Die Schnur ging über mehrere Bäume, und die Sonde lag wie erwartet AUF DEM BODEN, allerdings zwischen Heidebeergestrüpp.



Der schlechte GPS-Empfang hatte auch Gründe: Mein Handy-GPS hatte über dem Laubdach ebenfalls ein paar Probleme und mitunter eine schlechte Genauigkeit, wieso sollte ein Primitiv-GPS der Jahrtausendwende mit waagerecht auf dem Boden liegender Helixantenne damit besonders gut klarkommen.

Dann gab es noch die Bergung des Schirms mit einer 8m GFK-Stange, die einfach einen halben Meter zu kurz war. Ich versuchte erst, den Schirm über die Bäume zu ziehen, wodurch sie noch einen Meter höher geriet und dann die (zefasert ramponierte) Schnur riss. Ich war beim Einpacken, als ein Windstoß den Fallschirm bewegte und wieder nach unten gleiten ließ. Jetzt war der Schirm wieder FAST in Reichweite meiner Stange.


Aber eben nur fast. Am Ende wurde die Stange mit einem herumliegenden Ast, 2 Kabelbindern und ganz viel Tape verlängert

Mit diesem wilden Konstrukt konnte ich nach ein paar Fehlversuchen den Fallschirm erfassen und zu Boden bringen. Ich lasse ungern eine Schnur in der Natur.

 

Was kann man daraus lernen? Man sollte für Zilog nicht unbedingt nur WAV-Dateien probieren, sondern ruhig Sondemonitor mitlaufen lassen, damit man RAW-Dateien bekommt. Oder WAV-Dateien, die gar nicht gehen, abspielen und so in Sondemonitor feeden. Selbst bei tollem Empfang kann das besser funktionieren als eine WAV-Datei direkt in Zilog. Peilen führt auch zum Ergebnis , und man sollte Zeit mitbringen, damit man nicht einen im Baum hängenden Fallschirm übersieht. Auf der anderen Seite war ich froh über meine stressige Freitagsaktion, denn nur die gab die Daten für die erfolgreiche Samstagssuche.

Ansonsten: Die Sonde hatte, wie üblich bei 6Z und 18Z, einen kleinen Fallschirm und winzigen Ballonrest. Und der Zettel war von der sorgfältigen Schicht angebracht (mit Plastikumschlag).

Ich war anschließend noch bei der Landestelle der Bergener 18Z-Sonde vom Donnerstag. Da habe ich aber sofort aufgegeben, denn die Sonde lag bei Moorwerder in einer Gegend, in der viele Gemüsebauern eine recht intensive Form von Landwirtschaft betreiben. Zugang gab es nur über die Bauernhöfe, auf den Gemüsegärten wimmelte es nur so von Hilfskräften. Die Brachländer waren hoch bewachsen. Und meine Information war allein die Bremer Prediction, die an dem Abend auch nicht sehr genau gewesen sein dürfte. Wenn man nicht einmal weiß, auf dem Gelände welchen Hofes die Sonde niederging, ist auch Fragen nicht zielführend. Das Treiben der Lämmer auf dem Deich sorgte für eine kurzweilige Wartezeit auf den Bus *).

Liste aller Sondenfunde hier

*)  Jürgen Wruck hat die Sonde am 22.5. doch geborgen; sie lag erheblich weiter südlich als vermutet, und er konnte den roten Schirm von Süden, also vom Moorwerder Hauptdeich aus, im Gelände ausmachen.

Freitag, 19. Mai 2017

Sonde auf der Autobahnbaustelle

Am 18. und 19.5.2017 landeten die Bergener Sonden in meinem Hamburger Jagdgebiet. Wieder aufeinander folgende Nummern: K5024387, die 12Z Sonde, landete südlich von Stelle, nicht weit weg von der Landestelle von  M0730459 . Ich konnte das Signal bis in Baumwipfelhöhe verfolgen. Leider konnte ich die sehr genau lokalisierte Landestelle bisher nicht besuchen. Am Abend flog dann K5024388 und landete bei Heukenlock. Die Mitternachtssonde war K5024389. Ich stellte am frühen Morgen auf der Bremer Seite fest, dass sie in Eidelstedt heruntergekommen war, und zwar bei oder auf der A7. Also schnell mit der S-Bahn zur Elbgaustraße und von da per Bus zum Eidelstedter Platz. Der Rest war eine kurze Wanderung. Konnte beobachten, wie eine Kohlmeise zwei sich paarende Maikäfer plattmachte. Auf der Autobahnbrücke am Niendorfer Gehege hatte ich eine gute Übersicht über die Landegegend. Die linke Seite der Autobahn war eine einzige Baustelle.Und die Antenne und der Rechner brauchten gar nicht erst ausgepackt werden:  Denn auf einer halbfertigen Spur, auf er einige Baufahrzeuge standen, lag ein roter Fallschirm!

Die Auffahrt zur Baustelle - stand sperrangelweit offen. Typische Baustellenschilder a la "Eltern haften für ihre Sondenjäger"? Nichts derartiges. Also nichts wie rauf. War irgendwo ein Bauarbeiter, den man hätte um Erlaubnis fragen können? Nö! Der Straßenbelag auf der im Bau befindlichen Spur war... steinhart. Also wurde rasch gehandelt. Fotos machen, einsacken, fertig.







Die 6Z Sonde K5024398 landete nördlich von Neudwiedental - eine Waldlandung . Ich konnte die Sonde zwar vor Ort recht sicher  erpeilen, aber in den hohen Baumwipfeln nicht erkennen. Ich hatte aber vor Ort nicht viel Zeit, denn die Arbeit rief. Inzwischen gelang es mir mit Trick, die GPS-Position doch noch zu dekodieren, und das Ergebnis deckt sich weitgehend mit meinem Peilergebnis. Vielleicht muss ich noch mal hin und genauer suchen.

Liste aller Sondenfunde hier

Dienstag, 9. Mai 2017

Hochspannende Sondenbergung

Angesichts der Windlage war klar, dass heute noch mehr aus Richtung Schleswig eintreffen würde. Ich konnte die Landephase von  N0320215, der 12Z-Sonde aus Schleswig, mit einer auf Arbeit aus dem Fenster gehaltenen kleinen Selbstbau-Yagi bis 80m über Grund verfolgen. Eine schnell daraus gerechnete Habhub-Prognose erwies sich am Ende als fast perfekt. Sie sah die Landestelle auf einem Flachdach in SASEL. Die S-Bahn brachte mich nach Wellingsbüttel, und vom 500m entfernten Bahnhof hatte ich prima Empfang und somit die Koordinaten der Landestelle. Ein kleiner Spaziergang brachte mich zur Landestelle. Und je näher ich kam, umso sicherer war ich, dass die 100kV-Leiutung da vor mir ziemlich genau auf den GPS-Koordinaten der Sonde lag. Leider bestätigte sich diese Vermutung: Fallschirm und Ballonrest lagen auf dem Flachdach, die Schnur ging über die Leitung und die Sonde baumelte 20-30m über dem Grund.






Ich hielt es für weise, den Häuschenbesitzer auf die Lage aufmerksam zu machen. Weder er noch ich waren der Meinung, dass man die Schnur einfach durchschneiden sollte. Er rief dann mal die Feuerwehr an, die stellten auch die nötigen Connections zum Netzbetreiber her.

Im Endeffekt kam die Feuerwehr, ließ sich alles erklären.


Wo die Feuerwehr ist, sind auch sofort Reporter ("Ich bin freischaffend und werde diese Story verkaufen, an wen, weiß ich nicht"). Offenkundig hatte er den Funk der Feuerwehr abgehört.


Um es kurz zu machen, am Ende kamen die Leute vom Netzbetreiber. Die haben erstmal mit dem Fernglas herausgefunden, welche Leitungen betroffen sind - und nur die werden freigeschaltet. Die anderen führen noch Strom. Dadurch können Stromausfälle vermieden werden. Am Ende kletterte einer der Leute auf das Fachdach und kappte die Schnur. N0320215 fiel auf Nachbars Grundstück. 

Der rüstige Rentner hätte die Sonde gerne als Souvenir behalten, aber die Leute vom Stromversorger wollten das Ding als "Beweismittel" (vielleicht schreiben sie dem DWD eine Rechnung, wer weiß?), und auch für Ausbildungszwecke haben. So bleibt uns von dieser denkwürdigen Sonde nur ein Foto.

Meine Frage, wie viele Radiosonden sie schon geborgen hatten, wurde mit "etliche" beantwortet. Nur getoppt von Drachen, und seit neuestem Modellflugzeuge und Drohnen.

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Landung in Kleingartenkolonie

Heute morgen sah ich zufällig auf der Bremer Seite, dass die 0Z-Sonde aus Schleswig direkt Kurs auf Hamburg nahm. N0340088 konnte ich in den letzten Minuten des Fluges von meiner Wohnung aus empfangen - bis in eine GPS-Höhe von 143m. Das sind 80m über Grund. Eine Habhub-Predichtion zeigte den Landeplatz in einer Kleingartenkolonie am Bahnhof Elbgaustraße. Noch fuhren keine S-Bahnen, so habe ich mal kurz die 8km mit dem Rad zurückgelegt. Empfangsversuche vor Ort waren nicht nötig, denn direkt auf der Hecke am Wegrand lag weithin sichtbar das hier:




Die Sondenschnur lief über eine Elektroleitung der Beleuchtung und endete in einem der Gärten. Ich konnte sie an der Schnur auf den Weg befördern.


Zurück ging es dann mit der S-Bahn, die inzwischen verkehrte....


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Samstag, 6. Mai 2017

Apfelbauer Nr. 2

 Am Samstag rechnete ich eigentlich nicht mit irgendeiner Sondenjägeraktion. Aber da erschien plötzlich eine DFM09 mit der Nummer 502994 in der Geged um Lauenburg auf der Bremer Seite. Der Startplatz mochte irgendwo im Raum Bleckede gelegen haben. Die Richtung war opitmal für einen  Empfangsversuch vom Balkon. Der Empfang war klar und deutlich. Offenbar war es ein Bundeswehr-Exemplar an den kleinen Ballons, jedenfalls platzte es in 16000m Höhe und schwebte dann abwärs, immer mehr Richtung Hamburger Osten. Ich konnte die Sonde bis in 171m GPS-Höhe lokalisieren, das sind nur 71m über dem Boden. Eine eigene Habhub-Prediction zeigte die Landestelle in Dassendorf, gleich neben der Straße.

Wie kommt man nach Dassendorf? Erst dachte ich an Bahn und Bus, entschied mich dann aber für S-Bahn und Rad, weil der Bus am Samstag nur alle 2 Stunden fährt, die S-Bahn in Aumühle aber alle 20 Minuten. Der Transport eines Fahrrads in der S-Bahn am Hafengeburtstag ist das ultimative Abenteuer des 21 Jahrhunderts. Von Aumühle aus ging es immer nur bergab, und sehr schnell waren die 5km zurückgelegt. Dass im Wahlkampf in Schleswig Holstein alle Register gezogen werden, war unterwegs insbesondere an den Plakaten eines nach eigener Aussage "sehr guten" "Politikanbieters im Premiumbereich" mit seinen im Parteien-Vergleich ausgesprochen konkreten Sachaussagen deutlich erkennbar:



Direkt neben der theoretischen Landestelle platzierte ich das Notebook auf dem Verteilerkasten und bastelte meine Yagi zusammen. Und sofort hatte ich ein Signal bis zum Mond. Erst jetzt bemerkte ich, dass der Antennenstecker noch gar nicht eingestöpselt war. Sondemonitor lieferte mir sofort eine Position. Die lag, wie erwartet, auf der anderen Straßenseite, und zwar exakt AUF dem  Haus direkt gegenüber. Es war .... erneut ein OBSTHOF. Da auf dem Dach oder vor dem Haus von der Straße aus keine roten Fallschirme, Schnüre, Abroller oder DFMs erkennbar waren, ahnte ich gleich, was da los war: Die Sonde befand sich inzwischen IM Haus und sendete von dort aus ihre Position. Und offenbar war der GPS-Empfang innerhalb des Gebäudes super, und an der Sendeleistung haperte es bei den  DFMs ja noch nie.

Anders als gestern gab es am Tor aber KEINE Klingel. Dafür eine biologische Alarmanlage in Form eines Hundes, der sofort angelaufen kam und sehr deutlich machte, dass man sich mit ihm besser nicht anlegen möge. Sein Problem: Er konnte nicht raus. Mein Problem: Ich konnte nicht rein. Irgendwann kamen aber die Besitzer heraus. Ich fragte sie, ob ihnen bewusst sei, dass ein Wetterballon bei ihnen gelandet war. "Klar, den können Sie haben, wenn sie wollen."  Der Bauer und seine Frau hatte die Sonde tatsächlich landen sehen, direkt neben dem Hof, und er berichtete begeistert von dem Anblick des Fallschirms in der Luft. Erst nach der Landung entdeckte er die Schnur und die Sonde, aber dann alles recht fachmänisch geborgen.  Einen Bundeswehr-Begleitzettel gab es diesmal nicht. Wie erwartet, war es das typische Bundeswehr-Manöver-Setup: Kleiner roter Ballon, die kleine Sorte Fallschirm, DFM09. Schon im Januar waren mehrfach solche Flüge erfolgt, die damals im Raum Lüneburg starteten.

Und auch dieser Bauer war wie sein Kollege gestern ein lebhafter, freundicher und interessierter Zeitgenosse. Er hatte bereits im Netz gesurft - nach dem, was er berichtete, hatte er schon radiosonde.eu. entdeckt und ein paar basale Infos über die DFM in Erfahrung gebracht. Den Rest erzählte ich ihm live am Objekt und durfte den Fund behalten. Was er noch nicht herausgefunden hatte war, wie man eine DFM abschaltet. Das war mein Glück.

Und im übrigen bin ich weiterhin dafür, dass mehr Sondenspürhunde ausgebildet werden sollten. Das heutige Exemplar sichert auch Ozonsonden oder das DWD-Monster aus Lindenberg effektiv gegen unerwartet auftauchende Mitinteressenten ab und garantiert so eine angenehme und entspannte Bergung.
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