Freitag, 15. Dezember 2017

Norderneysonde im Baum bei Stelle

Die Sonde landete heute in einem Wald bei Stelle südöstlich von Hamburg. War bei Dunkelheit vor Ort. Ein Waldweg führt bis 50m vor die Sondenposition. Unwegsames Gelände, sehr viel Unterholz, Gestrüpp und umgekippte Baumleichen. Sonde hängt leider 14m über Grund (laut GPS) im Wipfel einer Kiefer. Konnte die Sonde im Schein der Lampe erkennen, verhakt am Sensorarm. Würde die Höhe vielleicht noch etwas höher schätzen. Dürfte selbst mit der 15m Stange kompliziert werden. Leider war eine relativ aufwändige Suche nach den anderen Teilen des Gespanns erfolglos. Ich konnte die Schnur selbst mit Lampe und Feldstecher nicht erkennen. Habe die Gegend östlich und südöstlich der Landestelle im typischen RS41-Schur-Radius intensiv mit Lampe abgesucht, aber den Fallschirm nicht entdecken können. Bei Gelegenheit sollte man die Sache mal bei Tageslicht angucken.

Nachdem ich seit dem Sommer denke, dass Waldlandungen fast so einfach zu bergen sind wie Wiesenlandungen, merke ich derzeit, dass meine Baumlanderliste, die man nach den Frühjahrsstürmen nachsuchen muss, zur Zeit immer länger wird. Immer gleiches Prinzip: RS41, 15-25m, Nadelbaum.

Aber man darf nicht undankbar sein am Ende der bisher schönsten Sondenjagd-Woche.

Montag, 11. Dezember 2017

Meine erste Ozonsonde



Eine Ozonsonde zu finden ist im Raum Hamburg fast aussichtslos. Von den üblichen Startplätzen (Lindenberg, Hohenpeissenberg) sind wir maximal entfernt. Alle paar Jahre startet Kühlungsborn eine, und vor Jahren konnte Sondenjäger Harry eine solche in Trittau erbeuten. Dj1or alias „Funkpapa“ aus Nienburg(Weser) hat es da etwas besser. Bei extremen Windlagen fliegt schon mal eine Ozonsonde aus De Bilt bei Amsterdam bei ihm vorbei, und er hat schon ein paar davon erobert.

Einer Astrobekannten aus dem Westfälischen hatte ich mal die Story von diesem seltenen Geflügel erzählt. Für sie als Physikochemikerin ist sowas wie eine Ozonsonde natürlich spannend, und wir hatten fest vereinbart: Wenn so ein Ding in ihrer Gegend runterkommt und wir beide uns von unseren Jobs loseisen können, dann jagen wir der Ozonsonde hinterher. In Westfalen kommt das häufiger vor, zumindest häufiger als in Hamburg.

Also behielten wir die Sache im Auge. Wir sahen die Sonde vom 7.12., die im Neustädter Moor gelandet war und die „Funkpapa“ erbeutete. Wir guckten immer auf die Vorhersagen und bemerkten letzte Woche, dass Uccle vom 11.12.2017, 12Z, bei Bramsche bzw. Osnabrück herunterkommen würde. Auch die De Bilt-Sonde vom kommeden Donnerstag haben wir diskutiert. Aber zu keinem der Zeitpunkte konnten wir beide, und das war ein Problem. Ich hätte aber heute gekonnt, aber Petra nicht. Nächsten Donnerstag ist es umgekehrt. Aber kommt Zeit kommt Sonde, haben wir uns gesagt.

Da die Jagd nach der Ozonsonde erst einmal entfiel, hatte ich an meinem freien Tag als Ersatzbefriedigung am Vormittag ein Meppener Tandem erbeutet. Beim Mittagessen habe ich mir dann den Flug von Uccle 12Z auf der Bremer Seite aus reiner Neugier angeguckt. Irgendwann bemerkte ich, dass Ungewöhnliches vonstatten ging. Und ich begann nicht schlecht zu staunen; je weiter die Sonde flog, umso mehr fiel mir der Unterkiefer raus. Und dann begann die Hektik

 Die Sonde hätte, wie gesagt , laut Habhub bei Osnabrück  herunterkommen sollen. Das ist für eine Sonde aus Uccle schon recht weit. Sie flog auch brav da hin, wo sie sollte, stand aber über dem vorhergesagten Landegebiet in 30000m Höhe, und der Ballon war noch nicht geplatzt. Irgendwie flog diese Sonde einfach doppelt so weit wie vorgesehen. Also würde sie bei gut funktionierendem Fallschirm vor meiner Haustür herunterkommen!!! Andre und ich begannen zu whatsappen.  Wir hatten ja schon so manche Sonde gemeinsam gejagt und tauschen uns gerne über Aktuelles per Whatsapp aus. Ich vertrat ziemlich deutlich die Meinung, dass das Ding im Hamburger Sondenjägervordergarten herunterkommen würde. Der Landepunkt war noch schwer zu schätzen, denn die Vorhersagen der Höhenwinde lagen ja offenbar voll daneben. Ich nannte Handeloh als möglichen Landepunkt - dort hat unser Astroverein eine Sternwarte, die auch André gerne nutzt. André war zurückhaltender, rechnete mehr mit einer Landung in oder um Bremen – und da gäbe es zu viel Konkurrenz für eine späte Anreise . Auch warnte er vor dem heranrauschenden Schneesturm. 

Das furchtbare Wetter war ein echtes Problem, aber  andererseits: Ich wollte es unbedingt versuchen und dachte mir: Umdrehen kann man ja immer noch. Inzwischen galt es auch, handlungsfähig zu bleiben! Man darf hier in Hamburg das Rad  zwischen 16 und 18 Uhr nicht in die S-Bahn nehmen. Bis 16:00 sollte man also einen Abfahrtbahnhof Richtung Westen erreicht haben - vorzugsweise Harburg. 

Also: Sondenrucksack wieder geschultert (war ja noch nicht ausgepackt), Fahrrad aus dem Keller gewuchtet und rein in die S-Bahn. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nur eine sehr vage Idee über das Zielgebiet. Spätestens in Harburg könnte ich auf der Bremer Seite ermitteln, ob es eher nach Buxtehude bzw. Bremervörde oder eher Richtung Buchholz gehen würde. Während der Fahrt stabilisierten sich die Landeprognosen in die Region um Fintel. Tostedt und Lauenbrück waren mögliche Zielbahnhöfe.

Rasch ein Ticket nach Scheeßel und eine Fahrrad-Tageskarte erstanden. Das Ticket nach Scheeßel wurde schon in der S-Bahn per App gekauft. Aber irgendwie konnte ich mit der App keine Fahrradkarte kaufen, oder war zu doof dazu, diese Funktion zu finden. Also Automat in Harburg. Und es war wie immer: Der eine Automat nahm keine Scheine UND keine Karte, und meinte sogar, ich solle mich wegen der Karte an meine Bank wenden. Der andere nahm keine Münzen,  aber dafür die Karte. Mittlerweile war der Zug nach Tostedt natürlich weg. Eigentlich erwies sich das aber als gut:  Inzwischen war die Sonde gelandet, und die letzte Prediction sah den Landeplatz direkt bei dem Dorf Vahlde – und zwar in freier Feldmark. Bei dem Wetter war es eindeutig besser, nach Lauenbrück zu fahren, weil der Weg von dort wesentlich kürzer war.

Und so wartete ich fast eine dreiviertel Stunde in Harburg auf den passenden Zug. Zum Ausgleich hat der Metronom die mit Abstand besten Fahrradabteile des Nordens. Lauenbrück lag nur 6 Straßenkilometer von der Landestelle entfernt. Ich hatte aber allmählich Zweifel, ob selbst das nicht zu weit sein könnte.

Der Blick aus dem Fenster war nämlich erschreckend: Draußen tobten heftige Schneeschauer. Innerhalb von Minuten bildeten sich auf dem Bahnsteigen richtige Schneewehen. Bei dem Wetter jagt man keinen Sondensuchhund vor die Tür. Es war fraglich, ob man da draußen überhaupt Fahrrad fahren könnte. Egal: Notfalls würde ich eben die 6 Kilometer durch Schneegestöber und durch die Nacht schieben. Denn wer seine Radiosonde liebt, der schiebt. Oder das Rad stehen lassen und zu Fuß gehen.

Ganz so schlimm war es am Ende nicht. Es schneite zwar immer noch massiv, aber die Straße nach Vahlde war frisch abgestreut, und man konnte sie vorsichtig befahren. Die anfangs heftigen Schneeschauer ließen auch langsam nach. Den Feldweg zur Landestelle – schneebedecktes, tückisch glattes Kopfsteinpflaster – habe ich lieber doch geschoben, aber das waren nur 500 Meter. Petrus hatte sogar ein Einsehen, und es hörte auf zu schneien. 

Also Rechner raus, Antenne raus und gelauscht. Und tatsächlich – da war ein schwaches Signal einer RS41 auf der Frequenz 403.5 MHz. Sehr schwach. Die mit Zusatzsensor versehene RS41 hört sich anders an und sieht auch anders im Wasserfalldiagramm als die normale RS41. Und natürlich hatte ich jetzt die Koordinaten der Landestelle. 

Rechner wieder im Rucksack verschwinden lassen, das Rad stehen lassen und munter losgestapft! Über ein komplett verschneites Mais-Stoppelfeld ging es in die richtige Richtung. Unmittelbar vor Erreichen der Position gebot ein breiter Entwässerungsgraben Halt. Ich war nur 8m von der GPS-Sondenposition entfernt. Mit der starken Taschenlampe konnte ich die andere Seite ableuchten – nichts. Kein Fallschirm, keine Schnüre, keine weiße Kiste. 8 (in Worten acht) Meter? Das kann nicht sein!  Rechner auspacken, Position checken – aber da war kein Fehler. Die Koordinaten hatte ich richtig in meine Handy-GPS-App getippt. Nochmal genau hingeguckt. Im weißen Schnee ist so eine weiße Kiste im Dunkeln nicht wirklich auffällig. Das Adrenalin erreichte ein Maximum, als ich endlich eine Styroporbox auf der anderen Seite liegen sah. Tief im Graben, aber nicht im Wasser.



Die Gummistiefel hatte ich in der Aufregung am Fahrrad gelassen. Sollte ich mit der 10m Stange die Sonde zu mir ziehen? Ja, vielleicht, aber erst einmal gucken, ob man nicht doch auf die andere Seite kommt. Google Earth ist Dein Freund – aber nicht im Funkloch. O2 can't do, but can O3? Ich ging den Graben entlang  in die eine Richtung und stand nach 150m vor NOCH einem Graben. Also in die andere Richtung. Und hier gab es nach 350m einen Wildübergang über den Graben. Also rüber. Und zurück zur Sonde. So sah sie von der anderen Seite aus:


Jetzt sah ich auch Fallschirm und  den recht kleinen Ballonrest – total mit Schnee überzuckert. Ich war erstaunt: Einen massiven Abroller, wie man ihn auf den Bildern immer sieht, gab es nicht! Das Ding hatte gar keinen Abroller, sondern wird einfach so in die Luft geworfen. Dafür war der Totex-Schirm der Knaller. 




Also wurde die Sonde an der sehr dicken Schnur nach oben gezogen und alles unter den Arm geklemmt.



Zurück am Rad ermöglichte es kreatives Umpacken, den weißen Kasten diskret in den Satteltaschen verschwinden zu lassen. Das war angesichts der Rückfahrt mit der Bahn angeraten. 

Die Rückfahrt nach Lauenbrück war einfacher als die Hinfahrt. Denn das Streusalz hatte inzwischen gewirkt. Erst auf dem letzten Kilometer setzte der massive Graupelschauer wieder ein. Da war auch verschmerzbar, dass ich die Bahn noch wegfahren sah, und dass das langsame Internet keinen Kartenkauf per App ermöglichte. Und dass der doofe Automat nur Münzen und keine Scheine nahm. Dafür aber diesmal die EC-Karte. Speziell im Metronom verstehen die Kontrolleure in solchen Situationen übrigens keinen Spaß.

Auf der Fahrt zurück ein paar Gedanken: Das war für mich der bisher spektakulärste Sondentag: Ein Meppen-Tandem ist an sich schon spannend. Und dann fliegt diese bereits abgeschriebene Ozonsonde mit über 200km/h und minialer Steigrate einfach mal doppelt so weit wie vorhergesagt - quasi direkt in meine Arme. Der Kampf mit den Elementen gehört in so einer Situation einfach dazu. Auf jeden Fall werde ich diesen ereignisreichen 11. Dezember lange in Erinnerung behalten. 


 
















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Dreistellig

Meine erste Radiosonde fand ich im Juli 2016. Damals halfen mir bergsteigerisch engagierte Studenten, die Sonde aus dem Baum zu bekommen. Es war ein Meppener Tandem aus einer RS92 und einer DFM09. Da wir davon keine Ahnung hatten, ging die RS92 verloren.

Meine 100. Radiosonde war eine RS92 aus einem Meppener Tandem, Nr.101 war die  mitfliegende DFM09. Und wie bei Sonde Nr. 1 halfen mir  zupackend  engagierte Menschen bei der Bergung.

Das Gespann (M1543097 & DFM09_616966) startete in Meppen um 7:45. Die RS92  war mit einem Timerkill versehen. Ich hatte einen freien Tag und bemerkte beim Frühstück, dass die Sonden nur 6 S-Bahnstationen entfernt niedergehen würden. Noch war etwas Zeit - vielleicht könnte man sie sogar landen sehen. Vom Bahnhof Elbgaustraße war es dann aber doch noch ein Fußmarsch bis zur Landestelle. Unterwegs konnte ich die DFM bei einem Empfangsversuch einwandfrei dekodieren. Die Position war laut Open Streetmap in Locus an der Ecke eines Wohnblocks.

Ich komme dort an und sehe als erstes den schönen roten Fallschirm dort liegen.



Doch was ist das? Er bewegt sich, er flüchtet! Ich komme um die Ecke und sehe eine nette ältere Dame, die wie wild an der Schnur zieht. Ich erklär ihr kurz die Situation und bitte sie, erst mal nichts zu machen, bevor wir die Lage der Einzelteile des Gespanns nicht ermittelt hatten. Ich war ganz froh, dass ich wenige Minuten nach der Landung vor Ort war.

Die Schnur verschwand nämlich auf dem Dach des Hauses, und ich ging davon aus, dass die Sonden vielleicht an der anderen Seite herunterhingen. Im selben Augenblick kam ein Hausbewohner heraus. Wieder erklärte ich die Lage. Dieser (ich vermute frisch pensionierte) Mann meinte: "Sie haben Glück, dass ich noch etwas Zeit habe" und half sofort nach Kräften.

Ich inspizierte die Gegenseite des Daches mit einem 10X50 Fernglas und erspähte auch sofort die RS92 und die DFM.


Wir beschlossen, auf der anderen Seite zu ziehen. Wahrscheinlich würde die DFM über den First fallen, aber die RS92 an der Helixantenne verklemmen. Aber dann - Plan B - würden wir die Sonde von der Bodenluke aus greifen können. Denn direkt neben der Luke verschwand die Schur über dem Dachfirst.

Es kam wie ich befürchtet hatte: Die DFM ging glatt über den First, und die RS92 klemmte fest. Damit nicht bei einem Schnurriss beide Sonden in der Regenrinne landen, stiegen wir auf den Boden. Der nette Bewohner kletterte sogar auf die Leiter und guckte aus der Luke. Er meinte, er müsse runtergehen und eine Schere holen. Ich hatte sie schon in der Hand, denn mein Sondenjägerrucksack enthält sowas natürlich, und er war überglücklich, die RS92 in den Händen zu halten. "Sowas erlebt man nur einmal im Leben". "Naja, Sie werden lachen, für mich ist es Sonde Nr. 100". "Und da haben Sie keinen Sekt dabei?" - Gerne hätte ich ein Glas Sekt mit dem netten Helfer geteilt.



Unten angekommen lag die DFM vor unseren Füßen - sie war komplett vom Dach gerutscht. Und mein Unruheständler musste, während ich die Schnur zurammenraffte, ganz schnell los. Ins Fitnesstudio.




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Samstag, 9. Dezember 2017

Im Klecker Wald

Die Radiosonde N3340159 aus Norderney (9.12.2017, 12Z) fiel relativ schnell vom Himmel, schien aber dann doch noch einen funktionierenden Fallschirm zu haben und landete am Ende mit 6.5m/s östlich von Buchholz im Klecker Wald. Ich konnte sie aus meinem Schlafzimmerfenster bis in eine GPS-Höhe von 212m (das sind 102m über Grund) verfolgen, eine Prediction rechnen und hatte daher eine relativ gute Idee, wo die Sonde liegen müsste. Angesichts des Schauerwetters guckte ich erst einmal auf das Regenradar von SAT24, welches eindeutig eine Schauerpause versprach. Also fuhr ich mit dem schnellen Metronom direkt nach Buchholz und radelte dann zur Landestelle.  Von der Bendesdorfer Straße aus hatte ich guten Empfang der gelandeten Sonde. Die GPS-Höhe verriet gleich, dass die Sonde leider relativ hoch im Baum hängt. Ich fuhr noch einen Waldweg ein Stückchen herein, zog Gummistiefel an und los gings. Der Boden war von Fahrspuren von Waldmaschinen ziemlich ramponiert.; man musste Slalom zwischen herumliegenden Ästen, Zweigen und tiefgründigen Pfützen laufen. Dann machte der total zerfahrene Fahrweg eine Kehre nach rechts, und ich war exakt auf der Sondenposition. In den Wipfeln war auf den ersten Blick nichts zu sehen.

Inzwischen war es so dunkel, dass der Einsatz einer Taschenlampe Sinn machte. Und im Lichtkegel der Taschenlampe war ein weißer Fleck im Wipfel einer der Fichten evident. Der Feldstecher zeigte, dass es die Sonde war. Leider deutlich zu hoch für meine 10m-Stange, und wahrscheinlich auch zu hoch für die zuhause lagernde 15m Stange. Mir fiel gleich auf, dass jemand einen Stock an den Stamm der Fichte gelehnt hatte, wie, um den Baum zu markieren. Ein Sondenjägerkollege?

Wo war der Rest des Gespanns?  Eine Expedition in Richtung Osten und ausführliches Ableuchten der Bäume ergab zunächst keinen Hinweis. Als ich dann aber wieder zum Rucksack zurückging und noch einmal in den Wald leuchtete, sah ich etwas Weißes an einem ca. 30m entfernten Baum hängen, unverkennbar der Fallschirm.



 Den hätte man mit einer 10m-Stange vielleicht fassen können. Aber machte es Sinn, daran zu zerren? Im Zweifel würde die Sonde sich in dabei in einer Astgabel verklemmen. Jetzt hing sie zwar hoch, aber am Faden. Vielleicht sollte man abwarten, und nach den Frühjahrsstürmen noch mal wieder kommen. Da es noch mehrere Sonden in unmittelbarer Nähe gibt, die ebenfalls hoch im Baum hängen, würde ich ohnehin mal vorbeifahren. Man könnte auch mit der 15m-Stange die Schnur ÜBER dem Schirm durchschneiden - vielleicht fällt die Sonde dann von dem anderen Baum.

Bevor der Graupelschauer wieder einsetzte, trat ich also in die Pedale, und auf ging es nach Klecken. Kaum angekommen, wurde das Wetter wieder richtig ungemütlich.

Im Zug per Handy ein Blick ins Sondenjägerforum. Unter "Peilberichte" gab es da bereits einen Eintrag! Uli alias Asohen meldete sich dort quasi zurück, er war wohl vor meiner Sondenjägerzeit da ziemlich aktiv. Er wohnte in Buchholz und hatte am Nachmittag stürmisch die Kaffeetafel verlassen, um mit dem Rad mal eben schnell nach der Sonde zu schauen. Er hatte auch per Empfang vor Ort die Koordinaten in Erfahrung gebracht und war dann durch die Harvester-Spuren zur Sonde gestapft. Als er da war, hing die Sonde offenbar niedriger, er schätzte 6-8m.  Er hatte auch ein paar Fotos gemacht. Wäre ich einen Zug eher gefahren, hätte wir uns wahrscheinlich vor Ort getroffen und hätten mit der Stange was unternehmen können. Von dem Fallschirm hatte er nichts bemerkt. Da der bei Tageslicht eigentlich unübersehbar gewesen sein sollte, hing der daher wohl wesentlich höher, und umgekehrt war jetzt die Sonde nach oben gezogen worden. Also würde es wohl aussichtsreich sein, die Schnur über dem Fallschirm mit einer Stange zu schneiden. Auch stellte sich heraus, dass der Stock, der an dem Stamm lehnte, von Uli dort deponiert worden war. 

Die ganze Gegend ist ein Magnet für baumhängende Sonden: Immer noch im Baum hing nach den Herbststürmen  N0220338, (25.5.2017, 12Z, Schleswig)  und seit dem 2.11. haben wir ganz in der Nähe bei der Kleckener Waldsiedlung auch noch N3340135, eine weitere Norderney-Sonde. Die beiden kann man aber nicht von unten sehen, aber die Positionen sind gesichert. 


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Jagd im Dunkeln

N3340158 war die 12Z-Radiosonde aus Norderney vom 8.12.2017. Sie landete bei Quickborn. Ich konnte jobbedingt die Landung nicht durch eigenen Empfang verfolgen. Die Bremer verloren die Sonde in 656m GPS-Höhe. Erst deutlich nach 19:00 war ich zuhause, konnte meinen Sondenjägerrucksack schultern und das Rad aus dem Keller holen. Die AKN brachte mich nach Tanneneck, und das Rad an den Rand der freien Fläche, auf der laut Bremer Prognose die Sonde liegen soll. Von dort aus hatte ich Empfang. 8-9 Stunden nach dem Start war das durchaus nicht selbstverständlich. Die Koordinaten lagen ca. 200m von der Bremer Vorhersage entfernt, und zwar dichter an meiner Position auf der Friedrichsgaber Straße. Also Rad abschließen, Rechner und Antenne einpacken und im Schein der starken Taschenlampe die 270 Meter in Angriff genommen. Ich musste einen Weidezaun umgehen und einen zweiten überklettern und hielt dann im Dunkeln bei beginnendem Schneetreiben auf die Position zu. Dann sah ich die RS41 vor mir auf der Weide liegen.

Die Schnur verlief von dort aus über zwei weitere Zäune, und auf der anderen Seite sah man den im Wind aufgeblähten Schirm . Ich hatte keine Lust zu weiteren Zaunklettereien, und so holte ich die Leine ein und kam so an Schirm und den ziemlich großen Ballonrest.

Nach dem Aufrollen der Schnur ging es zurück um Rad und dann in beginnendem Schneetreiben bei recht eisigem Wind zurück nach Tanneneck. Problemlose Sondenbergung als Abschluss einer etwas stressigen Woche, was will man mehr?



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Dienstag, 28. November 2017

Die Sonde unter dem Strommast

N3340191 war die Mittagssonde aus Norderney vom 27.11.2017. Ich konnte die allerletzte Phase der Landung im Raum Norderstedt mitschneiden. Die Endphase  war sehr erstaunlich, weil die Sonde 40m über Grund praktisch zu sinken aufhörte, dann noch mal nach oben schnellte, um dann unvermittelt zu verstummen.


Endphase des Landeanflugs, eigener Empfang. Von den Höhenwerten muss man immer ca. 75m abziehen.

Eine Prediction zeigte die Landestelle bei Norderstedt-Harckshorn, und zwar in einem Gebiet, in dem es Kiesgruben und Tümpel gab und Überlandleitungen. Es war ziemlich deutlich, dass  N3340191 kaum anders konnte, als in einer Stromleitung zu hängen.

André meinte per Whatsapp, dass er um 19:00 einen Termin bei Quickborn hätte. Auf dem Weg würde er dort vorbeifahren. Allerdings würde er ohne Rechner und  und Antenne direkt von der Arbeit aus aufschlagen. Ich schrieb, ich würde dazustoßen und alles mitbringen. Mit einer Sondenbergung rechnete ich nicht, aber zumindest würde man die Koordinaten sichern können, so lange die RS41 noch sendete. Mein Weg führte mit U-Bahn und Bus zur Station Harckesheyde Ost, von da aus waren es nur noch 800m zu Fuß zur Landestelle. Auf dem Weg konnte ich einen Empfangsversuch machen und dabei die Sondenposition in Erfahrung bringen. Sehr zu meinem Erstaunen war die Höhe über Grund überschlagsmäßig bei 0 Metern. André traf ich am abgemachten Treffpunkt 120m von der Sondenposition entfernt. Die Sonde selbst lag in einem unübersichtlichen Gelände (Kiesgruben? Kleingewässer?) direkt bei einem Hochspannungsmast. Wir fanden die losgerissene Sonde direkt auf dem Sockel des Mastes. Irgendwelche Spuren des Fallschirms konnten wir im Dunkeln nicht erkennen.




Ich vermute, die Sonde ist in die Hochspannungsleitung geknallt, einmal kurz gependelt hat und an der Schnur hochgeschnellt ist. Dann ist die Schur zerrissen und die Sonde zu Boden gestürzt. Das erklärt jedenfalls die Kurve und den Befund vor Ort.

Nach der Bergung setzte mich André am Bahnhof Norderstedt Mitte ab. Ich setzte mich in die U-Bahn und fuhr glücklich nach Hause - endlich mal eine stressfreie, unkomplizierte und schnelle Sondenbergung. Nach 2 Stationen war es aus mit dem wohligen Gefühl, denn ich stellte fest, dass mein Handy nicht da war. Irgendwie war es mir wohl aus der Tasche gefallen. Lag es in Andrés Auto? Anrufen konnte ich ihn jetzt ja nicht. Lag es womöglich noch bei der Sondenposition? Dort hatte ich es zuletzt bewusst wahrgenommen - beim Fotografieren der Beute. Was half es? U-Turn auf der U-Bahn und hin. Natürlich fuhren kaum noch Busse in die Gegend, also 4km Fußmarsch. Da lag das Handy am Sockel des Masts. Gottseidank ist das Handy outdoortauglich und wasserdicht. Uff. Auf dem Rückweg hatte ich das Glück, das letzte Stück doch per Bus zurückzulegen.


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Donnerstag, 23. November 2017

Nur eine Sonde geborgen...



23.11.2017
Das heutige Meppen-Tandem (M1553177&DFM09-617150) habe ich nur teilweise geborgen, und Murphy war eindeutig mit von der Partie. Es ist immer falsch, unter Zeitdruck eine Sondenjagd zu beginnen. Aber wenn Meppen mal wieder ein SGP-DFM-Tandem loschickt, eist man sich los, sitzt in der AKN und fährt hin. Jobbedingt hatte ich im Flug keinen eigenen Empfang, und ich war auch erst kurz vor 16:00 im Landegebiet nahe Wiemersdorf bei Bad Bramstedt. Auf dem Feld, wo die Sonde laut Bremer Prognose sein sollte: NIX. Also Empfang raus: Die DFM war tot. Die SGP sendete, aber Zilog tat mir nicht den Gefallen, GPS-Koordinaten auszuspucken. Also war klassische Peilung angesagt. Die ging erstaunlich gut und wies weiter den Weg, auf dem ich gekommen war. Der war rechts und links von Knicks flankiert. Das Signal wurde lauter, dann war es plötzlich 90 Grad rechts zur Richtung des Weges. Dort sah man eine Schnur und daran etwas Weißes auf der anderen Seite des Knicks. Ein paar Meter weiter, aber auf der linken Seite des Weges, hing ein im Sturm aufgeblähter roter Schirm inklusive Meppenpappe und DFM-Abroller im Gestrüpp
.


In dem Augenblick kam ein Typ mit einem SUW vorbeigefahren: Hält an, kurbelt das Fenster runter  und fragt: "Darf ich Sie fragen, was Sie hier zu suchen haben?". Die Frage an sich war schon erstaunlich, weil ich mich auf einem öffentlichen Weg befand. Das konnte nur ein Jäger sein - kenn diesen Typus vom Astrohobby her.  Aber ich pflege auf diese Leute deeskalierend einzuwirken."Danke für die Nachfrage, sehen Sie den Fallschirm dort?" "Ja, was ist das?". "Das ist ein Wetterballon." "Und den suchen Sie?" "Jetzt nicht mehr, ich habe ihn ja  gefunden". "Wie geht denn das?" <Erklärbär follows>. "Ach so, ich dachte nämlich, Sie seien einer von diesen selbsternannten Fledermauszählern, die hier nachts rumlaufen. Die stören beim Wildschweinschießen" (Na klar, sofort richtig einsortiert). Ich habe ihm lieber nicht erzählt, dass "Fledermauszählen" Ende November ziemlich wenig Erfolgserlebnisse verschafft (zumindest dort), dass ich zuhause einen Batdetektor im Schrank hab, und mich zum Sondenjäger natürlich auch keiner ernannt hat, ich mir aber trotzdem erlaube, in seinem Revier DFMs zu wildern.

Auf der anderen Seite des Knickwalls war rasch die DFM gefunden, die sich im Gestrüpp verhakt hatte und deren Schnüre wie ein Flitzebogen unter Spannung standen.



Leider war die Schnur zur SGP bereits zerrissen und die Fortsetzung nirgends sichtbar. Auch war es dunkel und ich musste sofort weg, da ich einen Termin in der Stadt halten musste. Für eine Wiederaufnahme der Peilung war keine Zeit. Also noch rasch den Schirm zusammengerafft. Der Plan war, eine 8 km entfernte Bahnstation zu erreichen, die eine schnellere Rückreiseverbindung bot. Jetzt aber begann es wie aus Kübeln zu schütten. Also beschloss ich, schnell auf dem Weg zurückzukehren, auf dem ich gekommen war, denn der war nur 3.5km lang. Was dazu führte, dass ich zu meinem Termin in Hamburg in leicht abgerissenem Zustand ca. 10 Minuten zu spät erschien.

Nervig: Das ist mein zweites Meppener Tandem, bei dem die SGP fehlt. Die SGP muss ich noch mal bei Tageslicht suchen, die liegt da bestimmt noch irgendwo rum. Und zwar ziemlich versteckt im Dornengestrüpp des Knicks.

Nachtrag 2.12.2017: Fund der SGP M1553177
Ich bin am Samstagmorgen wieder mit der AKN nach Wiemersdorf und dann mit dem Rad zur Landestelle gereist, um die verlorene SGP doch noch zu finden. Ich wusste aus meinen Peilversuchen vom 23.11., dass die Sonde östlich des Weges liegen musste. Ich vermutete sie irgendwie tief unten im Gestrüpp oder im Knickgraben, denn ich hatte ja damals keine GPS-Koordinaten dekodieren können.

Umso erstaunter war ich, als ich vor Ort - jetzt bei Tageslicht - einen weißen Fleck  40m von der DFM-Position und 20m vom Knickwall entfernt auf dem abgeernteten Maisfeld liegen sah. Es war die SGPD.


Und die war in einem sehr sehr schlechten Zustand: Sensorarm und Befestigungsmast waren weggerissen, und die GPS-Antenne total deformiert und die zentrale Achse der Helix gebrochen. Im Gehäuse ein dicker Riss.



Da ist natürlich leicht erklärbar, warum die Dekodierung per Zilog scheiterte. Die SGP war irgendwie abgerissen und ist dann sehr hart aufgekommen. Mit einer zerstörten GPS-Antenne  und einem weggerissenen Sensorarm konnte die Sonde nur noch senden, aber keine GPS-Koordinaten und auch keine Temperatur- und Feuchtedaten mehr gewinnen.


Bei der DFM gab es keinen Begleitzettel, und der Begleitzettel der SGPD wies diesmal die DFM09 nicht aus - anders als bei den vorigen Sonden.

 Nachdem die Sondenbergung keine 5 Minuten gedauert hatte, bin ich nach Großenaspe weitergeradelt und war zur Mittagszeit wieder in Hamburg.


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