Sonntag, 20. Mai 2018

Im Klecker Wald

Update vom 20.5.2018

Uli teilte mir gerade mit, dass er die Sonde besucht hat und die Situation im Baum unverändert ist.
 

Update vom 6.5.2018

Ich habe das schöne Wetter zu einer Kontrolle der Baumlander im Bereich Klecken.  Die Sondenschnur ist offenbar irgendwo gerissen. Im Baum sehen die Schnurreste wie Wattebäusche aus. Aber dadurch wurde die Sonde flitzebogenartig in den Nachbarbaun geschleudert. Die Schnur steht unter beträchtlicher Spannung, und die Sonde ist an einem jungen Zweig verhakt. 

Foto mit 500mm Tele (Bridge-Kamera)


Der Baum hat eine weiße Forstmarkierung. Wenn man sich auf den Baumstumpf daneben stellt, sieht man die Sonde. Direkt von unten ist nichts zu sehen.





Der Fallschirm hing etwas niedriger als beim letzten Besuch:




Angesichts der Tatsache, dass es offenbar keine Schnurverbindung mehr gibt zwischen Sonde und Schirm, habe ich den Schirm mit der 15m-Stange heruntergeholt.



Irgendwann kann man die Sonde sicherlich unten einsammeln.

Ein Besuch bei der Landestelle von N3340135 war ebenfalls erfolglos. Ich hoffte, dass man vielleicht irgendwas von unten sehen könnte, oder dass im besten Fall die Sonde am Boden liegen würde. Beide Hoffnungen wurden enttäuscht.


Update vom 16.12.2017
Sondenjäger Uli aus Buchholz und ich waren heute an der Landestelle. Ich hatte meine 15m-Stange dabei. Die Sonde ist jetzt knapp 20m hoch, und der Schirm auch außerhalb der Reichweite der Stange. Also kommt die Sonde auf unsere  Baumlanderliste. Wir besuchten auch
N0220338 in Itzembüttel und konnten diese Sonde erstmals im Wipfel einer Lärche erspähen.

Bericht vom 9.12.2017
Die Radiosonde N3340159 aus Norderney (9.12.2017, 12Z) fiel relativ schnell vom Himmel, schien aber dann doch noch einen funktionierenden Fallschirm zu haben und landete am Ende mit 6.5m/s östlich von Buchholz im Klecker Wald. Ich konnte sie aus meinem Schlafzimmerfenster bis in eine GPS-Höhe von 212m (das sind 102m über Grund) verfolgen, eine Prediction rechnen und hatte daher eine relativ gute Idee, wo die Sonde liegen müsste. Angesichts des Schauerwetters guckte ich erst einmal auf das Regenradar von SAT24, welches eindeutig eine Schauerpause versprach. Also fuhr ich mit dem schnellen Metronom direkt nach Buchholz und radelte dann zur Landestelle.  Von der Bendesdorfer Straße aus hatte ich guten Empfang der gelandeten Sonde. Die GPS-Höhe verriet gleich, dass die Sonde leider relativ hoch im Baum hängt. Ich fuhr noch einen Waldweg ein Stückchen herein, zog Gummistiefel an und los gings. Der Boden war von Fahrspuren von Waldmaschinen ziemlich ramponiert.; man musste Slalom zwischen herumliegenden Ästen, Zweigen und tiefgründigen Pfützen laufen. Dann machte der total zerfahrene Fahrweg eine Kehre nach rechts, und ich war exakt auf der Sondenposition. In den Wipfeln war auf den ersten Blick nichts zu sehen.

Inzwischen war es so dunkel, dass der Einsatz einer Taschenlampe Sinn machte. Und im Lichtkegel der Taschenlampe war ein weißer Fleck im Wipfel einer der Fichten evident. Der Feldstecher zeigte, dass es die Sonde war. Leider deutlich zu hoch für meine 10m-Stange, und wahrscheinlich auch zu hoch für die zuhause lagernde 15m Stange. Mir fiel gleich auf, dass jemand einen Stock an den Stamm der Fichte gelehnt hatte, wie, um den Baum zu markieren. Ein Sondenjägerkollege?

Wo war der Rest des Gespanns?  Eine Expedition in Richtung Osten und ausführliches Ableuchten der Bäume ergab zunächst keinen Hinweis. Als ich dann aber wieder zum Rucksack zurückging und noch einmal in den Wald leuchtete, sah ich etwas Weißes an einem ca. 30m entfernten Baum hängen, unverkennbar der Fallschirm.



 Den hätte man mit einer 10m-Stange vielleicht fassen können. Aber machte es Sinn, daran zu zerren? Im Zweifel würde die Sonde sich in dabei in einer Astgabel verklemmen. Jetzt hing sie zwar hoch, aber am Faden. Vielleicht sollte man abwarten, und nach den Frühjahrsstürmen noch mal wieder kommen. Da es noch mehrere Sonden in unmittelbarer Nähe gibt, die ebenfalls hoch im Baum hängen, würde ich ohnehin mal vorbeifahren. Man könnte auch mit der 15m-Stange die Schnur ÜBER dem Schirm durchschneiden - vielleicht fällt die Sonde dann von dem anderen Baum.

Bevor der Graupelschauer wieder einsetzte, trat ich also in die Pedale, und auf ging es nach Klecken. Kaum angekommen, wurde das Wetter wieder richtig ungemütlich.

Im Zug per Handy ein Blick ins Sondenjägerforum. Unter "Peilberichte" gab es da bereits einen Eintrag! Uli alias Asohen meldete sich dort quasi zurück, er war wohl vor meiner Sondenjägerzeit da ziemlich aktiv. Er wohnte in Buchholz und hatte am Nachmittag stürmisch die Kaffeetafel verlassen, um mit dem Rad mal eben schnell nach der Sonde zu schauen. Er hatte auch per Empfang vor Ort die Koordinaten in Erfahrung gebracht und war dann durch die Harvester-Spuren zur Sonde gestapft. Als er da war, hing die Sonde offenbar niedriger, er schätzte 6-8m.  Er hatte auch ein paar Fotos gemacht. Wäre ich einen Zug eher gefahren, hätte wir uns wahrscheinlich vor Ort getroffen und hätten mit der Stange was unternehmen können. Von dem Fallschirm hatte er nichts bemerkt. Da der bei Tageslicht eigentlich unübersehbar gewesen sein sollte, hing der daher wohl wesentlich höher, und umgekehrt war jetzt die Sonde nach oben gezogen worden. Also würde es wohl aussichtsreich sein, die Schnur über dem Fallschirm mit einer Stange zu schneiden. Auch stellte sich heraus, dass der Stock, der an dem Stamm lehnte, von Uli dort deponiert worden war. 

Die ganze Gegend ist ein Magnet für baumhängende Sonden: Immer noch im Baum hing nach den Herbststürmen  N0220338, (25.5.2017, 12Z, Schleswig) und wurde inzwischen geborgen. Seit dem 2.11. haben wir ganz in der Nähe bei der Kleckener Waldsiedlung auch noch N3340135, eine weitere Norderney-Sonde. Die beiden kann man aber nicht von unten sehen, aber die Positionen sind gesichert. 


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Sonntag, 13. Mai 2018

Dead Center in Linau

Am 7.3.2018 flog ziemlich spät am Nachmittag die Saseler Sonde M0310469. Bremen verlor die Sonde in über 1000m Höhe. Ich konnte eine Antenne aus einem Laborfenster halten und das Signal bis in 187m GPS-Höhe verfolgen. Eine API-Prediction war schnell gemacht und  versprach angesichts der geringen Endhöhe auch eine einigermaßen gute Zuverlässigkeit. Ich hatte aber nie die Zeit zu einem Ausflug nach Linau-Diekkaten. Hier würde die Sonde an einem Waldrand hängen, vermutlich gut sichtbar von der Straße Linau Busch aus. So stellte ich mir das jedenfalls vor.

Meine Mutter wohnt ja nicht so weit weg, und ich besuche sie sehr regelmäßig, aber irgendwie ergab sich nie die Gelegenheit, sich  das Auto für einen Ausflug nach Linau auszuleihen. Und als es sich mal ergab, habe ich dann die Baumlander-Sonde in Trittau vorgezogen und zusammen mit Jürgen aus 15m Höhe geborgen. Also hatte ich die Sonde ständig auf der Liste, und die Suche wurde immer wieder verschoben.

Am 13.5. habe ich mich spontan entschlossen, den Platz aufzusuchen. Nachdem ich Freitag Abend von einer DFM bei Lauenburg, die ebenfalls am 7.3. gelandet war,  bei einer ähnlich zuverlässigen Prediction keine Spur hatte finden können, war mein Optimismus aber etwas gedämpft.

Also rein mit dem Faltrad und der 10m-Stange in den Zug nach Ahrensburg und von dort aus mit dem Bus nach Schönberg. Dort erstmal entdeckt, dass der Vorderreifen platt war. Ich stand vor einem Rätsel, denn das kam sehr plötzlich, und nach Aufpumpen gab es beim Weiterfahren keine Probleme. Ventilproblem? Murphys Law of Thermodynamics: Things get worse under pressure? Egal, die Strecke nach Linaubusch war schnell zurückgelegt. Und was soll ich sagen: Obwohl die Gegend keinen verlassenen Eindruck machte, war das erste, was ich von der Straße an praktisch der erwarteten Stelle sah, das hier:








Schnell das Rad am Gitter der Brücke über die Obek angeschlossen und los ging es. Ich bin um die Wiese herumgegangen und habe unterwegs mal die Schnur mit dem Fernglas verfolgt. Sie endete im Wipfel einer Eiche. Meine Angst vor einem weiteren Eintrag auf der Baumlanderliste (die gerade so schön leer ist) war unbegründet. Denn schon vom Waldrand aus war die Sonde klar sichtbar:


Alles easy  heute. Zwar befand sich zwischen mir und dem Objekt der Begierde ein Graben, über den aber jemand mit zwei Latten eine stabile Brücke improvisiert hatte. Von der anderen Seite aus erwies sich die Sondenbergung als extrem einfach. "Ostereiersammeln für Erwachsene" hat neulich mal ein jemand dieses Hobby genannt, und dieses Ei war noch nicht einmal richtig versteckt. 12 Meter neben der Prediction und in jeder Hinsicht leicht zu finden. Erstaunlich, dass es dort nach mehr als 2 Monaten noch war. Bis auf ein paar aufgeplusterte Stellen an der Schnur sah alles so aus, als wäre die Sonde heute Mittag gelandet.




Screenshot der Handyapp Locus, Open Streetmap. Der Kreis markiert die Sondenposition laut Handy-GPS, das "i" die Vorhersage. Abstand 12 Meter. Dead Center. Was will man mehr?

Die Sonde sieht aus wie neu, ist aber nach einem Test zuhause offenbar dennoch defekt. Neulich hatte ich eine Sonde mit einem angerosteten Sensor, die sich ohne weiteres nach etlichen Monaten mit ihren Originalbatterien einschalten ließ. Andere sehen aus wie neu, sind aber komplett tot, auch wenn man ihnen neue Batterien spendiert.

Leider war die Bergung des Fallschirms, obwohl auch dies auf den ersten Blick sehr einfach aussah, nicht möglich.





Der Abroller hatte sich vom Ballonrest gelöst und war in dem Laub, das seit der Landung ausgetrieben war, extrem fest eingewachsen. Ich konnte zwar mit der Stange und mit Haken den Schirm und auch die Schnur zum Ballonrest ergreifen. Den Ballonrest mit dem Startautomatenventil habe ich auch mit ziemlichen Krafteinsatz geborgen und den Schirm ziemlich ramponiert, aber der Abroller ist komplett verklemmt und ließ sich nicht befreien. Und damit hatte ich auch keinen Zugang zu der Sondenschnur und konnte sie diesmal leider nicht, wie grundsätzlich angestrebt, aus der Umwelt entfernen. Vielleicht muss man das mal im Herbst probieren.

Nach einem weiteren Reifenproblem - diesmal hinten - erreichte ich die Busstation Grönwohld-Schule (Stichwort: Büttenwarder), von der es schnell über Rahlstedt nach Hause ging.

Ach so:  Kraniche gesehen und Kuckucke gehört, Rehe gesehen. Bestes Wetter, Natur Pur.

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Dienstag, 1. Mai 2018

Bergener Sondenschwall

Am 30.4.2018 hatte ich einen freien Tag. Und an dem Tag flogen die 4 Bergener Sonden in den Hamburger Raum an. Bergen hatte ja kürzlich auf  RS41 umgestellt, und seither hatte ich keine Bergener Sonde mehr gefunden. Es begann mit der Nachtsonde N1730036. Ohne Timerkill. Ich konnte sie bis in 118m GPS-Höhe (das entspricht 78m über NN) verfolgen und hatte daher eine gute Idee von der Landestelle in Kirchwerder (Grünerdeich). An der Bushaltestelle Teufelsort hatte ich sofort Empfang und somit GPS-Koordinaten. Es war eine Ackerlandung, und der Fallschirm war gut aus der Ferne erkennbar.




Auf der anderen Seite lag die Sonde. Der andere weiße Punkt ist ein Fetzen des Ballonrests






Ein Begleitzettel fehlte. Der Fallschirm war von der kleinen Variante und völlig mit dem Ballonrest verzwirbelt.

Zuhause hatte ich kaum Zeit, die Beute genauer unter die Lupe zu nehmen.


Denn N1340567,  Bergen 6Z, war schon unterwegs. Bremen warf als Landestelle eine ganze Zeitlang den Botanischen Garten aus. Das wäre es gewesen. Die Aktion wäre wegen einer Streckensperrung der S-Bahn in die besagte Richtung stressig geworden.  Sicherheitshalber wurde das Faltrad klargemacht und der Sondenjäger-Rucksack gepackt, da mit einer Landung in nächster Nähe zu rechnen war. Auf dem S-Bahnhof noch schnell ein Blick auf die Bremer Seite. Inzwischen war eindeutig klar: Die Sonde würde die Elbe nicht überqueren. Also rasch umdisponiert: Raus aus den Bahnhof, in die Pedale getreten und hin zum Aussichtspunkt "Altonaer Balkon". Hier hat man einen weiten Blick vom Elbtalrand über den Hafen. Der Empfang war bis zum Einschlag prächtig, und diesmal riß die Verbindung in 78m GPS-Höhe ab. Die Landestelle war auf einer freien Fläche bei Moorburg, die von Straßen durchzogen war. Dass ich das Faltrad dabei hatte, erwies sich als extrem günstig. Minuten später war ich schon am Busbahnhof Altona und in einem Bus, der durch den Elbtunnel nach Moorburg fuhr. Vor Ort war ich natürlich auch sehr mobil, was allerdings dazu führte, dass ich die Sinnlosigkeit meines Tuns schneller erkannte.

Empfang von der Bushalstelle: Keiner. War das der Timerkill? Kann nicht sein, denn der war laut Bremer Seite auf 4:20 Stunden eingestellt, und die waren lange nicht um.

Die freie Fläche war leider das Spülfeld Moorburg-Mitte. Alles komplett unzugänglich, da man auf dem Spülfeld leicht auch mal versinkt. Dieses Schild war noch eines der freundlichen Sorte.

Ein Empfangsversuch am Zaun war doch noch erfolgreich. Das Signal war sehr sehr schwach, aber irgendwann hatte Zilog ein Einsehen. Die Landestelle sah in Google Maps nicht wirklich gut aus.

Also ging es wieder zurück nach Hause. Aber schon erfolgte der Start der 12Z-Sonde N1340567.  Diesmal mit 3:20 Stunden Timerkill. Gegen diese Unsportlichkeit wehrt sich die sondensuchende Zivilbevölkerung mit Empfang aus nächster Nähe mit anschließender Prediction. Leider war die Idee, es aus einer Dachbodenluke zu versuchen,  nicht so gut, da auf den letzten Metern immer noch Dächer im Weg waren. Aber dennoch konnte ich die Telemetrie bis in 201 Meter (also 161m über NN) erfassen (bei den Bremern endete die Spur bei 1200m). Die Prediction lag in der Industriestraße von Wedel. Sehr nah an der Straße, mit Chance in einem der Straßenbäume und nicht auf einem Firmengelände.

Empfangsequipment wurde aus dem Rucksack ausgepackt, denn die Sonde würde bei meinem Erscheinen nicht mehr senden. Obwohl die S-Bahn relativ leer war, war der Ersatzverkehrbus extrem voll. Die Fahrt nach Blankenese dauerte 4mal so lange wie normal. Von dort aus ging es mit einem weiteren Bus zur Station "Industriestraße Nord", die sehr dicht an der Prediction lag.

Vor Ort war Suchen überflüssig. Denn auf der anderen Straßenseite lag mitten auf dem Gehweg komplett unübersehbar DAS DA:

 Und die Leute gingen daran vorbei bzw drumrum, als würde daneben ein Offizieller stehen und sagen "gehen Sie weiter, es gibt hier nix zu sehen". Dieses bedenklich gering ausgeprägte Neugierverhalten war mein Glück: Das Ding lag da, als ich erschien, bereits deutlich mehr als eine Stunde, und zwar komplett unberührt: Diesmal die großer Schirm-Variante, wieder mit viel Ballonrest. Die Schnur verschwand in einem  Baum, querte in luftiger Höhe die Straße und endete an einem frei zugänglichen Rasen am Rande des Parkplatzes eines Betriebs, der diese Autos mit dem Stern verkauft.




 Ich schnitt die Sonde ab und konnte auf der anderen Seite den  Faden komplett aufrollen.

Kaum zuhause, fliegt Bergen 18Z, N1730032. Die vorhergesagte Landestelle lag anfangs in Barmbek und Hamm, verlegte sich dann aber in der Endphase des Fluges in unzugängliche Hafenanlagen, wie meine Prediction, basierend auf Empfang bis 97m GPS-Höhe, zeigte. Eigentlich schade, denn die Sonde hatte keinen Timerkill.

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Samstag, 28. April 2018

Die neue Styroporbox


Seit neuestem produziert Vaisala einen neuen Subtyp der RS41. Diese wiegt nur noch 86g. Anders als das bisherige Modell haben diese Sonden kein Hartschalengehäuse mit Styroporkern mehr, sondern das Gehäuse besteht nur noch aus Styropor. Seit ein paar Tagen startet Norderney Sonden mit P-Nummer. Das bedeutet: Baujahr der Sonde ist 2018. Ich war gespannt, ob diese Sonden von der neuen Bauart waren. Als P1030527, die Nachtsonde vom 27.4., bei Alveslohe landete, beschloss ich einen spontanen Bergungsversuch vor der Arbeit. Faltrad und Sondenjägerrucksack geschultert und rein in die S3 nach Buxtehude – um 4:37. Von dort mit dem Zug nach Alveslohe, und dann mit dem Rad zur 5km entfernten Landestelle. Sie befand sich auf einem freien Acker; die GFK-Stange war gleich zuhause geblieben. Ein heller weißer Fleck sah extrem fallschirmartig aus, war aber 250m stromabwärts der Bremer Prognose. Eine kurze Verifikation mit Rechner und SDR-Stick brachte die Gewissheit, dass es keine Düngertüte sein konnte. Ein schonender Weg über Treckerspuren führte direkt zum Objekt derBegierde. Der Schirm hatte sich prächtig entfaltet, und die Schnur lag ausgestreckt auf dem Boden.



Die Sonde war… eine RS41 des neuen Styroportyps.

Hier mal ein paar Fotos des neuen Sondentyps, z.T. im Vergleich mit einer klassischen RS41: 






Neues Modell



Altes Modell



Da die Landestelle der Sonde N330378 vom 10.11.2017 in einem Urwäldchen bei Goldbeck quasi auf dem Weg war, machte ich dort einen Kontrollbesuch. Die vorhergesagte Position liegt in einem sehr unübersichtlichen Waldgebiet. Andé Wulff und ich hatten unabhängig voneinander ein paar Tage nach dem Flug versucht, die Sonde zu entdecken. Auch meine kurze Nachsuche heute war erfolglos, so dass man dieses Kapitel wohl schließen muss.

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Sonntag, 22. April 2018

Stangenmikado in Trittau

N3340428, die Norderneyer Mittagssonde vom 16.2. landete in Trittau. Die Landegeschwindigkeit war sehr niedrig, so dass die von Bremen vorhergsagte Landestelle sehr stark hin und herschwankte. Jürgen war mit mir über Whatsapp in Kontakt und versuchte, die Sonde im Raum Hamfelde bei der Landung zu beobachten. Ich selber konnte an dem Tag nichts unternehmen, konnte sie aber bis 152m Höhe über NN verfolgen und eine Prediction rechnen. Die tatsächliche Landestelle lag am Westrand von Trittau nahe der Straße nach Rausdorf. Über Whatsapp erfuhr auch Harry von der Landung und meine Prediction. Jürgen und Harry schlugen kurz nacheinander an der vorhergesagten Landestelle auf. Sie fanden sofort den schon von weitem sichtbaren Schirm in einem Baum in etwa 13m Höhe über einem Privatgrundstück, und auch die Sonde, die an einem öffentlich zugänglichen Baum nach ihrem Gefühl etwa 20m hoch in einer Astgabel hing.
 

Jürgen hat die Landestelle in den folgenden Monaten mehrfach besucht. War er bisher davon ausgegangen, dass die Sonde sich vom Gespann losgerissen hatte, fand er jetzt eine Stelle, wo die Schnur etwas niedriger verlief. Vielleicht könnte man da mit einer Stange ansetzten.Wir hatten bei GvA-Treffen kurz beschlossen, dass man es bei Gelegenheit mal versuchen sollte.

Ich hatte am 22.4.2018 einen Besuch bei meiner Mutter in Schmalenbeck gemacht. Nur 2000m von ihrem Haus entfernt war eine DFM09 aus Zeven in einem Rapsfeld gelandet. Schon am selben Tag hatte ich die Region aufgesucht, konnte aber in dem Raps nichts entdecken. Also befestigte ich diesmal an meiner 15m Stange mein Handy und nutzte diese Kombi als Videodrohne des kleinen Mannes, um ein paar Bilder von oben zu machen. Leider erfolglos. Gegen 18:00 gab ich auf. Aber da saß ich nun bei Meilsddorf, hatte ein Auto zur Verfügung, eine 15m-Stange dabei. Es war noch 2 Stunden Tageslicht. Das war doch die Chance, mal kurz in Trittau vorbeizugucken. Ein Anruf bei Jürgen ergab, dass er spontan ebenfalls vor Ort sein würde.

Als ich in die Seitenstraße einbog, war Jürgen schon da. Er hatte sogar im Kofferraum eine Bockleiter dabei und bereits erreicht, dass wir ggf. auch das Privatgrundstück betreten durften. Wir fanden heraus, dass die Schnur inzwischen gerissen war. Auch der Abroller hing nicht mehr am Ballonrest. Man hätte zwar das lose Schnurende relativ leicht ergreifen können, aber damit hätte man die Sonde im Zweifel nur nach oben gezogen. Also musste man das Ganze von der Sondenseite angehen. Die Sonde hing an der Schnur, und wir hatten anfänglich Zweifel, ob 15m Stangenlänge reichen würden. 

Mit dem Supertele der Bridgekamera scheint sie ganz nah und war doch 15m hoch.




Ein schnell ausgeliehenes Brett ergab eine erhöhte Abstellfläche für die Stange auf der Leiter. Das gab uns den entscheidenen letzten Meter. Es war ein ziemliches Mikado, mit der Stange durch das Gewirr der Äste zu manövrieren und die Schnur zu fassen. Zu zweit geht sowas um Klassen besser. Wir mussten einmal komplett neu ansetzen und brauchten etliche Versuche, die Schnur über der Sonde zu haken. Beim ersten Ansatz kriegten wir sie etwa nur einen Meter niedriger, und nun war auch die Geometrie etwas besser. Wir konnten jetzt die Stange auf den Boden stellen, was uns mehr Bewegungsfreiheit gab. Nachdem wir die Schnur erneut gehakt hatten, kam die Sonde endlich herunter. Für Jürgen, der schon mehrere RS92 geborgen hat, war dies die erste RS41. Er stellte ein paar Bilder von der Aktion zur Verfügung:

Foto: Jürgen Wruck


Foto: Jürgen Wruck

 





Einen Versuch, auf ähnliche Weise auch den Schirm zu bergen, mussten wir, weil es zu dunkel wurde, leider abbrechen.



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Dienstag, 17. April 2018

Von Norderney nach Eidelstedt


22.11.2017
N3340244 war die Mitternachtssonde aus Norderney vom 22.11.2017. Da der Ballon  ungewöhnlicherweise bereits in 23000 Metern platzte, verschob sich die Landeregion aus Ostholstein mitten in die Hansestadt Hamburg, und zwar nach Eidelstedt. Da die Stelle nur wenige Kilometer von meinem Balkon in Altona entfernt lag, konnte ich die Koordinaten bis 37m über Grund verfolgen. Die Prediction lag deutlich woanders als die aus Bremen, die aber die Sonde bereits in 422m über Grund verloren hatten.

Meine Vorhersage lag genau auf der Straße "Spanische Furt". Da aber in Flugrichtung hohe Bäume in Google Earth erkennbar waren, vermutete ich die Sonde genau dort. Die vermutete Landestelle lag auf der Grenze von einem Waldgelände zu einem Gebiet mit Einzelhausbebauung. Ich beschloss, sofort mit dem Nachtbus aufzubrechen. Kurz vor 4:00 war ich vor Ort. Da es nieselte, habe ich im Bushäuschen sofort einen Empfangsversuch aus 300m Entfernung gemacht und konnte die Landeposition der Sonde ermitteln.  Die Sonde war offensichtlich dort, wo ich sie vermutet hatte. Die GPS-Höhen deuteten auf 20-25m über Grund hin. Offenbar eine Baumlandung.

Es zeigte sich, dass das Wäldchen hoch eingezäunt war - ein Gelände, das den Wasserwerken gehört. Auf der Sondenposition war eine Eiche, und im Baum war auf den ersten Blick im Dunkeln im Licht meiner extrem hellen Taschenlampe nichts erkennbar.  Im Schein der Lampe leuchtete dann die Schnur auf, die nach Nordosten in luftiger Höhe in einem anderen Baum verschwand. In dem und in den umliegenden Bäumen konnte ich nichts erkennen. Meine Hoffnung die Dinge von einem womöglich erreichbaren Fallschirm aufziehen zu können, erfüllte sich nicht. Mit der Lampe konnte ich auch die Sonde in der Eiche lokalieren - ca. 20m hoch. Da ich nicht unnötig lange mit Lampen zwischen Wohnhäusern herumfunzeln wollte, habe ich dann die Rückreise angetreten.

Am Spätnachmittag war ich wieder da und konnte die Sache erstmals bei Lichte besehen. Das Supertele meiner Bridge-Kamera hatte auch keine Probleme, die unerreichbare Sonde abzubilden...

Im Fernglas konnte man sehen, dass die Schnur nicht IM Nachbarbaum verschwand, sondern ÜBER diesen hinweg verlief. Dann konnte ich 40m weiter auch Fallschirm und Ballonrest sehen.

Der Baun war frei zugänglich. Ich hoffte, dass wenn man an dieser Schnur zieht, man die im Geäst eingeklemmte Sonde freiziehen könnte, und dass sie dann ev. wesentlich niedriger hängen würde. Es gelang mir mit der 15m-Stange, den Fallschirm zu bergen, aber der Abroller am Ballonrest hängt leider sehr fest. Die Sonde ist nicht heruntergekommen, hängt jetzt aber an der Schnur. Außer einem durch die Bergung ziemlich zerfetzten Schirm und Teilen des Ballonrests war da diesmal nichts zu holen. Die freundliche Besitzerin des Sondengrundstücks habe ich auf die Situation aufmerksam gemacht und davon überzeugt, dass eine Sondenlandung kein Grund ist, die Polizei zu rufen.

Update vom 17.4.2018
Ich hatte heute etwas Zeit und habe einen kleinen Kontrollbesuch bei diesem Baumlander gemacht. Das Gelände gehörte ja teilweise den Hamburger Wasserwerken und war hoch und teilweise mit Stacheldraht eingezäunt und mit Verbotsschildern umgeben. Teilweise war es ein Einzelhausgrundstück, dessen nette ältere Besitzerin ich damals auf die Situation aufmerksam gemacht hatte. Von der Straße aus war diesmal die Schnur noch gut sichtbar, aber es hing keine Sonde mehr dran! Wenn sie auf den sehr gepflegten Garten beim Einzeilhaus gefallen war, wäre sie längst weg. Eine Inspektion des Wasserwerkgrundstücks war mit dem Fernglas war zunächst ergebnislos. Es führte ein Wanderweg um dieses Gelände herum, und von der Seite aus konnte ich einen verdächtigen weißen Gegenstand sehen:

Man konnte den Sensorarm ahnen - das war eindeutig die Sonde! Mit dem Fernglas sah ich auch eine Pforte im Zaun, der das Privatgrundstück vom Wasserwerkgelände abgrenzte. Da ich die Besitzerin als ausgesprochen freundlich in Erinnerung hatte, kann man ja mal fragen.
Schon auf dem Weg zu ihrer Haustür sah ich den gelben DWD-Label. Die Sonde lag so dicht am Zaun, dass man sie notfalls mit der 10m Stange hätte durch den Zaun angeln können. Aber es kam besser. Die Besitzerin begrüßte mich freundlich und konnte sich auch sofort an meinen Besuch im November erinnern. Sie hatte inzwischen die Schnur in dem Baum entdeckt, und auch den komischen Kasten auf dem Nachbargrundstück, hatte aber beides nicht miteinander in Verbindung gebracht.  "Ja, die Pforte ist offen, gehen Sie doch einfach dort hin und holen Sie sich das Ding".

Der Rest war einfach:







Ich musste natürlich das Beutestück ausführlich erklären und konnte dann meines Weges ziehen. Erstaunlicherweise ließ sich die Sonde sogar noch anschalten.

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Sonntag, 15. April 2018

Endlich mal wieder ein Baumlander in Klecken

Die Gegend um Klecken ist ein Sondenmagnet, und praktisch alle Sonden der Gegend landen immer in Bäumen. Die Bergener Abendsonde vom 12.4. (M1513815) steuerte ausnahmsweise ein Feld an, und laut Bremer Prognose sollte sie auch dort gelandet sein. Dummerweise hatte ich die Sonde bis in weniger als 200m Höhe verfolgt und wusste daher, dass die Sonde etwas weiter geflogen war als von den Bremern erwartet. Auch hatte ich Zweifel an der Windrichtung der Modelle in Bodennähe und modifizierte  daher die Landestelle ein wenig nach Nordwesten. Und wo befand sich die vorhergesagte Landestelle nun? Richtig: Im Wald.

Heute, am 15.4.2018 konnte ich gegen Abend  vorbeigucken - Metronom und Faltrad erlaubten eine problemlose Anreise. Die letzten 300m wurden zu Fuß zurückgelegt. Die Sonde hing tatsächlich unübersehbar etwa 12m von der vorhergsagten Landestelle 5 Meter hoch im Baum.


Der Ballonrest und der Fallschirm hatten sich noch höher verhakt:

Ich hatte meine 10-Meter-Stange dabei. Leider ging die Schnur über ein paar Äste, und als der Haken sich ruckartig löste, schnellte die Sonde flitzebogenartig nach Oben und hing jetzt 8 Meter hoch. Nach ein paar Versuchen konnte ich sie aber dennoch mit der Schnur/Hakentechnik zu Boden bringen.

 

Leider riss dabei die Sondenschnur, so dass Ballonrest und Schnur im Baum verblieben.

Direkt unter der Sonde war übrigens eine lochartige Vertiefung im Boden, die m.E. nicht von einem Tier stammte. Als hätte da jemand den Ort markiert.

Ich erwog noch kurz einen Kontrollbesuch bei zwei sehr hoch im Baum hängenden Sonden, die beide keine 5 Fahrradkilometer vom Bahnhof Klecken entfernt sind, aber dann siegte die Faulheit und das Bedürftnis nach einem entspannten Sonntagabend.


Update: Dies war wohl die drittletzte RS92 aus Bergen. Bergen hat kurz danach auf RS41 umgestellt.  Die letzte RS92 war M1533223, die Mittagssonde des 13.4.. Es kam zu einer Pause, und Mittags am 19.4. startete die erste RS41 aus Bergen, N2530485.
 
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