Freitag, 29. November 2019

Schnell am Morgen nach Ashausen

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R1220219
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 29.11.2019 00:00Z
Track wetterson.de und eigene Daten
Landestelle: Klein Nordende, LAT, LON: 53.35298,10.15383, Google Maps
Status: Lokalisiert durch GPS-Decodierung, Bergung am 29.11.2019 um 6:55 UT

Diese Sonde konnte ich bei der Landung bis in 138m Höhe mitschneiden. Ich bechloss, mit einem der ersten Züge kurz vor der Arbeit nach Ashausen zu fahren. Allerdings hatte ich einen gewissen Schlafbedarf und schlief noch einmal ein. Daher konnte ich erst kurz vor 6 Uhr aufbrechen. Daher musste nun alles recht flott durchgezogen werden. Vom Bahnhof Ashausen ging es mit dem Fahrrad zur 3km entfernten Landestelle. 

Nach der Prediction hatte ich damit gerechnet, die Sonde schon vom Feldweg aus im Dämmerlicht zu sehen, aber Fehlanzeige. Ein Empfangsversuch war erfolgreich und ergab eine Position ca. 220m Meter vom Weg entfernt. Die Sonde war deutlich weiter geflogen als gedacht. Auf einer Weide fand ich dann die Sonde, als es gerade langsam hell wurde. Gut, dass ich Gummistiefel dabei hatte.



Die Schnur endete in einem Knickbaum am östlichen Rand der Wiese. Schon bereute ich, dass ich in Erwartung einer klaren Wiesenlandung die Teleskopstange zuhause gelassen hatte. Durch einen scharfen Zug an der Schnur ließ sich der Schirm aber einfach nach unten befördern.

Nach der vollständigen Bergung musste ich mich sputen, um mit einem kleinen Sprint den nächsten Zug zu erreichen, der mich direkt zur Arbeit brachte.


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Sonntag, 24. November 2019

Kaltsondenjagd: Wir robben uns ran...

...an den Sondenfund. 1. Sonde weg, 2. Sonde nicht auffindbar, 3. Sonde hoch im Baum endlich lokalisiert nach 3 Besuchen durch 2 Sondenjäger, und dann ein Sondenfund. Aber der Reihe nach.

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3330251
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 18.11.2019 6Z
Timerkill: 5:30h
Track Bremen und eigene Daten
Landestelle Vögelsen, LAT LON: 53.297780,10.323307 Google Maps
Status: nicht gefunden
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von wetterson.de und eigenen Daten



Diese Sonde landete auf übersichlichem Gelände bei Vögelsen. Ich hatte Empfang bis 295m Höhe, aber natürlich tagsüber keine Zeit für eine Suche. Am Abend habe ich die Suche nach P3330460 bei Kayhude vorgezogen, da ich in strömendem Regen keine nächtliche Radtour unternehmen mochte und die Regenradarprognose für die Landestelle verheerender aussah als die für Kayhude. In Kayhude lag die Sonde in Fußgehentfernung von der Bushaltestelle.

Zeit für eine echte Kaltsondenjagd gab es erst am Samstag, den 23.11. Da war das Wetter für Novemberverhältnisse gut: Trocken und kalt. Von der Regionalbahnstation Radbruch konnte ich bequem die Landestelle erreichen. Dass nach 5 Tagen die Sonde noch da liegen würde, war nicht unbedingt zu erwarten, aber einen Versuch war es wert. Von Radbruch aus erreicht man auch zwei schwierige Kaltsonden-Landestellen. Auch konnte man von dort aus mit dem Regionalzug weiter nach Lüneburg fahren und von dort aus zwei weitere Kaltsondenlandestellen aufrollen - so lange Kondition und Tageslicht reichen.  Allerdings war ein früher Aufbruch um 7 Uhr angeraten, da nächtliche Kaltsondenjagden tief in sehr dichten Wäldern keinen Sinn machen.

Der Regionalzug bringt mich nach Radbruch. Von da aus sind es nur knapp 5 Fahrradkilometer bis zur besagten Bergener Sonde. Das Land gehört zu einem großen Gemüsebauernhof. Ich kann trotz gründlicher Suche nichts finden, obwohl die Landeregion übersichtlich ist. Da die Sonde wahrscheinlich nah am Weg lag, hat jemand sie ganz rush mitgenommen.

Egal, widmen wir uns komplexeren Problemen. Zwei harte Nüsse. Erst einmal ein Besuch bei einer Sonde, von der ich überhaupt nicht weiß, ob sie da noch liegt.

 
Sondentyp: RS41-SGP
SN:  P2120617
Frequenz: 405.1 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 18.06.2019 6Z
Track  Bremen
Landestelle LAT LON: 53.2816, 10.24965 Google maps
Status: Nicht gefunden

Diese Sonde landete unweit der Ökologiestation Radbruch mitten im Wald. Die wahrscheinliche Landeregion ist auf einer komplett mit Unterholz zugewachsenen Lichtung, die aber von Wegen durchzogen wird. Ich habe mich um das Ding erst sehr spät, am 15. August erstmals gekümmert.  Durch das Unterholz war kein Durchgucken, obwohl es von mehreren parallelen Fußwegen durchzogen ist. Also kam es auf meine Kaltsondenliste mit dem Vermerk, dass ich noch mal vorbeischauen würde, wenn das Laub weg ist. Das war der heutige Plan. Wenn man es knapp zusammenfasst: Man kann jetzt etwas besser durch das Gestrüpp gucken, die Sonde habe ich aber nicht gefunden. Also weiter zur zweiten harten Nuss des Tages.

Startort: Schleswig, 7.1.2019, 12Z

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  P2221024
Frequenz: 405.1 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 07.01.2019 12Z
Track  Bremen
Landestelle LAT LON: 53.25846,10.25481 Google maps
Status:  JETZT: Baumlander, 20m hoch, von unten sichtbar

Diese Sonde steht im Ruf, ansonsten erfolgreiche Sondenjäger zum Aufgeben zu zwingen, weil die Landestelle zu unübersichtlich ist. Die Sonde liegt tief in einem sehr dichten Wald, man muss da erst einmal hinkommen. Und dennoch war schon am Tag der Landung am 7.1. ein Sondenjäger vor Ort: Clemibunge, der die Sonde noch sendend antraf. Er war durch das dichte Gestrüpp sehr abgeschreckt. Sein Fazit in radiosondy: "Sehr dichter Wald, schwer zu finden... zu schwer für mich".

Getreu dem Motto "Wald wird überbewertet", gab ich der Sonde am 15.8. eine Chance. Die Story ist im Detail hier beschrieben. Und ich musste Clemibunge recht geben: Das ist sehr schwer. Im Sommer noch schwerer. Gelände: Einzelne hohe Fichten und Kiefern, darunter aber ein extrem dichtes Unterholz aus Laubbäumen, überwiegend Buchen. Ich entdeckte allerdings etwas, was man auf den ersten Blick nicht sah: Mit Reisighaufen zugestellte Pirschwege, die das Gelände schachbrettartig durchzogen. Allerdings nützte das nur bedingt etwas, weil man von diesen Pfaden  nicht weit ins Gelände gucken konnte, und schon gar nicht durch das extem dichte Laubdach nach oben. Das war für mich auch noch schwerer als für Clemibunge, der immerhin im Winter da war. Obwohl der Fallschirm nur 20 Meter von der Prediction entfernt in kommoder Pflückhöhe hing, brauchte ich zu seiner Auffindung mehr als eine Stunde. Und dieser Fund machte es auch nicht besser: Mangels Blick nach oben konnte ich den Verlauf der Schnüre nicht verfolgen. Am Ende habe ich den Schirm abgeschnitten. Es wurde deutlich, dass die Astgabel nicht der einzige Verankerungspunkt der Sonde ist. Es fiel nichts aus den Bäumen. Ich beschloss aber, nach dem Laubfall wieder zu kommen.

Die Radtour durch den Wald auf dem bekannten Weg ist einfach - nur eine kleine Schwierigkeit gibt es: Ich will mit dem Rad auf einen Waldweg abbiegen. Eine Dame will aus dem Weg heraus. Sie führt allerdings 5 oder 6 Huskys an der Leine, die alle sehr viel stärker sind als sie und die bei meinem Anblick nervös werden. Die Besitzerin wird noch nervöser. Also fahre ich 30-50 Meter weiter, damit sie aus dem Weg problemlos rauskommen kann und bleibe da stehen. Sie sagt zu den Hunden: "Warum fährt der Typ nicht einfach weiter, anstelle da rumzustehen." "Weil ich auf Ihren Weg einzubiegen gedenke, und da will ich Ihnen Platz machen und warte hier", gebe ich zurück. "Ach so, danke", kommt immerhin zurück.

An der Ballonlandestelle finde ich im Schirm-Baum meine Markierung. Jetzt ohne Laub ist es sehr viel einfacher, die Wipfel der Kiefern mit dem Fernglas nach Schnurresten abzusuchen. Ich brauche dennoch eine ganze Weile, bis ich welche erkenne, und noch wesentlich länger, bis ich endlich die Sonde entdecke. Hoch im Baum, leider zwischen den Nadeln so verhakt, dass sie auch nach den Frühjahrsstürmen nicht unbedingt schnell zu Boden gehen dürfte.



Immerhin ist die Sonde damit lokalisiert, und man kann, wie bei anderen Baumlandern, gelegentlich vorbeigucken. Leider bleiben in jungen Zweigen von Nadelbäumen verhakte Sonden gerne mal lange oben. 

Nach dieser Aufklärung muss ich deutlich in die Pedale treten, um den Zug um 13:11 in Radbruch zu erreichen. Denn mindestens eine Kaltsonden östlich von Lüneburg will ich noch probieren. Leider hat der Zug Verspätung und hält zudem auf dem Westbahnhof. Den Bus nach Reinstorf würde ich günstigstenfalls nur knapp erwischen. Sicherer und bequemer erscheint, umzudisponieren und in den auf dem selben Gleis in den wartenden Zug nach Danneberg einzusteigen. Auch von Vastorf aus ist die Landeregion per Rad erreichbar. Vastorf ist eine Station der eingleisigen Wendlandbahn. Alle 2-3 Stunden kommt hier ein Zug, aber das Faltrad verschafft einem auch am Rande der Erdscheibe ausreichend Mobilität.


Die Station war bereits das Ziel zweier früherer Radiosondenbergungen. Einen vom Routenplaner für Radfahrer empfohlenen Weg kenne ich glücklicherweise zu gut, seit ich da mal eine Radiosonde im dritten Versuch aus dem Baum geholt habe. Eine alternative hügelige Strecke bringt mich nach Reinstorf und an den Beginn des Feldweges, der zur Prediction führt. Der ist sogar asphaltiert.


Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3330251
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 21.11.2019 18Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen
Landestelle Reinstorf, LAT LON: 53.24314,10.56176 Google Maps
Status: gefunden am 23.11.2019, 13:40Z
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von wetterson.de Daten

Die Sonde liegt da auch erst seit zwei Tagen, und zwar laut Prediction direkt am Weg. Aber da ist nichts. Pessimismus keimt auf. Aber vielleicht sollte man genauer gucken. Die letzte Position ist immerhin fast 700m hoch, und da kann die reale Landestelle schon etwas abweichen.  Ich stelle das Fahrrad ab und erkunde die Gegend zu Fuß. Da seh ich fast 300m nordwestlich der Prediction am Rande eines Weizenfeldes einen roten Punkt im Gelände. Das Fernglas gibt letzte Sicherheit. Der Rest ist einfach.

Die Schnur geht in weitem Bogen über den Acker:










Die ziemlich dreckige und am Sensor beschädigte Sonde ist schnell geborgen. Die Idee, noch rasch eine DFM im nahen Wald zu einzusammeln, wird verworfen. Das ist wieder so eine Unterholz-Geschichte, die braucht Zeit und es wird bald dunkel. Der Zug in Vastorf geht um 16:04 - der lässt sich ohne Stress erreichen. 38 Fahrradkilometer reichen für heute.

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Montag, 18. November 2019

Im Regen auf dem Mais-Stoppelfeld

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3330460
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 17.11.2019 18Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen
Landestelle Kayhude-Naherfurth, LAT LON: 53.76257,10.123833 Google Maps
Status: Gefunden am 18.11.2019, 16:33Z
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von wetterson.de Daten

November ist eigentlich ein gutes Zeitfenster für die Kaltsondenjagd: Die Tage sind kurz. Bauern und Spaziergänger laufen nicht mehr in großer Zahl in der Natur herum, was dazu führt, dass Sonden länger liegen  bleiben.  Und selbst der Sondenjäger scheut Kälte, Nässe und Dunkelheit. Ich bin da keine Ausnahme. 

Die Abendsonde vom 17.11. erreichte nur 23km Höhe und ging dann in Kayhude nieder. Die Bushaltestelle Kayhude-Naherfurth war nur 600 Meter von der vorhergesagten Landestelle entfernt. Aber irgendwie hatte ich keine Meinung, ein weiteres Mal meine Sachen zu packen und vorbeizufahren. Auch wäre ich an dem Abend nicht mehr mit Öffis zurückgekommen. Wahrscheinlich würde sich am Folgetag bei Tageslicht jemand der Sache annehmen. Als das am Abend nicht der Fall war, beschloss ich eine Kaltsondenjagd im Dunkeln. Als weiteres mögliches Ziel kam P3330251 bei Mechtersen infrage, die Morgensonde vom 18.11.. Die lag direkt an einem Feldweg, ebenfalls auf freiem Feld. Aber die SAT24-Radarprognose zeigte starke Niederschläge - die  Motivation für eine Radtour durch eisigen Regen war nicht ausgeprägt. Kayhude war da viel sympathischer: Aus dem Bus purzeln, hinlaufen, einsacken und zurück. Dank Bernds Daten in wetterson.de bis in 128m Höhe sollte die Prediction auf ein paar Dutzend Meter stimmen. Auch würde es in Kayhude viel später zu regnen anfangen als in Mechtersen. Wichtigste Ausrüstunggsgegenstände waren Gummistiefel und eine starke Lampe. 

Mit der U1 nach Ochsenzoll, von da mit dem Bus bis fast zur Landestelle. Die Idee war, dass man alles in einer halben Stunde abbacken könnte, um gleich den nächsten Bus zurück zu erhaschen. Also schnellen Schrittes die Straße "Moorhof" entlang. Entgegen der Radarprognose regnete es Bindfäden. Naja, es ist nicht weit. Der Acker erweist sich als Mais-Stoppelfeld, links danaeben eine Wiese. Ich guck auf das Handy-Display und sehe, dass ich an der Prediction schon vorbeigelaufen bin. Ich schaue mich um und leuchte den Acker ab. Der weiße Fleck da rechts ist verdächtig und erweist sich prompt als RS41-Radiosonde.



Soweit, so planmäßig. Ich folge der Schnur und merke nach 30 Metern, dass sie sich vom Boden abhebt. Der große Ballonrest steckt im Wipfel des einzigen Baumes weit und breit. Wegen der sicheren Position auf dem Acker habe ich keine Stange dabei. Es muß auch anders gehen: Ein scharfer Zug an der Schnur lässt den nassen Lappen herunterplatschen. 



Ich rolle die Schnur auf und gelange zurück zur Sonde. Das dauert etwas, weil sich die Schnur immer wieder an den Maisstoppeln verhakt.  Das Einpacken frisst noch ein paar Minuten, und dann rasch wieder zurück. Es regnet immer stärker, als ich an der nahen Kreuzung Moorweg/Segeberger Straße meinen Bus davonfahren sehe - der nächste geht in 60 Minuten.  Rasch die 400 Meter zur Station zurückgelegt und rein ins trockene Bushäuschen. Die Zeit wird zur Dokumentation des Setups und für den  Eintrag in Radiosondy genutzt. Anschließend wandern Schirm und Latex in den Abfalleimer. Die Sonde erweist sich als intakt.





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Sonntag, 17. November 2019

Wachsame Nachbarn

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2250838
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 16.11.2019 0Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen
Landestelle Witzhave, LAT LON: 53.570925,10.336909, Google Maps
Status: Gefunden am 17.11.2019, 10:00Z
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von wetterson.de Daten

Gleich nach meiner Rückkehr von der  Bergung der Abendsonde stieg in Bergen die Mitternachtssonde auf. Auch sie flog außerplanmäßig in den Hamburger Raum ein. Zunächst sah es nach einer Landung im Sachsenwald aus, aber dann landete die Sonde mitten im Dorf Witzhave. Dorthin kommt man mit Öffis in der Nacht nicht, ich brauchte auch dringend ein paar Stunden Schlaf, und am nächsten Morgen hatte ich andere Pläne. So ganz bedauerte ich das nicht, weil das Wetter sehr schlecht war. Wetterson.de hatte die Sonde bis 155m Höhe, und somit gab es eine gute Prediction.
Als es am Sonntag immer noch keine Fundmeldung gab, mache ich mich kurz nach Witzhave auf. Da die Landestelle mitten im Dorf liegt, bin ich so lange nach der Landung sehr pessimistisch. Von der Bushaltestelle sind es wenige hundert Meter. Ich habe fast eine Stunde Zeit bis zum nächsten Bus heimwärts, das sollte für eine Erkundung reichen. 

Nach einiger ergebnisloser Suche meldet sich mein Radiosondensinn. Da hängt doch vom Dach eines Einzelhauses etwas Verdächtiges herunter. Etwas zu dick? Ist das ein Kabel? Nein, eindeutig eine von Raureif bedeckte Schnur. Und da hinten im Baumwipfel leuchtet es in ca. 25m Höhe rot - kleinroter Bundeswehrschirm. Auch der Ballonrest ist da oben. Da muss man wohl mal klingeln und fragen. 





Direkt rechts vom Klingelknopf verschwindet die Schnur hinter einem Strauch. Und was hängt da dran? Was ich gar nicht gehofft hatte: P2250838 höchstselbst. Naja, ich klingel. Im selben Augenblick ertönt eine laute weibliche Stimme von der Straße aus:

"Ey Sie, was machen Sie da?"
<Erklärbär in action>
Skeptische Blicke wandeln sich in immer noch skeptisches Interesse.
"Ach so."
"Ich habe eben geklingelt, mal sehen, was die Besitzer meinen."
"Nein, die Bewohnerin ist sehr alt und macht nicht auf. Wenn es klingelt, ruft sie meist sofort die Polizei, und ich kann es ihr nicht verdenken".

Man berichtet mir von einer Einbruchswelle in letzter Zeit. Das sei auch der Grund, warum man mich gleich angesprochen habe. Ich lobe die Mitbürgerin tüchtig für ihre Aufmerksamkeit.

"Warten Sie, vielleicht macht sie auf, wenn ich klingel."
Die Gute klingelt an einer anderen Tür, ruft sie, klopft, aber es meldet sich keiner.  

Naja, ich nehme die Sonde an mich. Gerne hätte ich den Schirm vom Baum gezogen und der unbekannten Besitzerin ein Problem gelöst. Die Nachbarin lässt sich die Sonde gründlich erklären. Andere Nachbarn kommen hinzu. Ich zeige ihnen Schnur, Sonde und  Schirm. Sie stellen viele interessierte Fragen. Man kennt jemanden, der der älteren Dame öfter hilft und wird ihn kontaktieren,  und sie werden auch die Besitzerin über den Vorgang aufklären.

Jedem 98-Jährigen Mitbürger wünsche ich solche Nachbarn, die sich im Zweifel beherzt einmischen. 

 


Unsere kleine gut vernetzte Sondenjägertruppe aus Hamburg und Umgebung hat übrigens damit einen Bergen-Hattrick gelandet (oder wahrscheinlich passender: 3:0 gespielt). Wir haben drei aufeinander folgende Sonden eingesackt: P2250837 (Bergen 18Z) in der Nacht, P2250838 (Bergen 0Z) wie hier berichtet, und P2250839 (Bergen 6Z) von Rainer Schmegel bei einer Kaltsondensuche in Itzendorf bei Harsefeld.

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Samstag, 16. November 2019

In der Nacht durch Matsch und Gestrüpp

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2250837
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 15.11.2019 18Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen und eigene Dateien
Landestelle Börnsen, LAT LON: 53.46394, 10.27383, Google Maps
Status: Gefunden am 15.11.2019, 21:25Z
Methode: Decodierung des Sonden-GPS

Eigentlich zeigten die Vorhersagen die Bergener Sonden wesentlich weiter nordöstlich, außerhalb des Hamburger Bereichs an. Der Ballon der Sonde platzte aber bereits in 27000m Höhe, und außerdem funktionieren die kleinen Bundeswehrfallschirme nicht besonders gut. Daher ging die Sonde in Börnsen nieder. Ich konnte das Signal bis in 157m Höhe empfangen und beschloss umgehend, über Bergedorf mit dem Bus hinzufahren. Die Bushaltestelle  Börnsen Bahnstraße war in Fußgehentfernung.

Von der Autobahnbrücke, über die die schmale Straße "Am Wiesengrund" die Autobahn quert, hatte ich guten Empfang und konnte das Signal decodieren. Die Sonde lag auf einer Marschwiese unweit der Prediction. Schon zuhause hatte ich gesehen, dass Google Maps, aber nicht Open Streetmap,  einen Feldweg zeigte, der direkt dorthin führte. Den nahm ich. Er verlief direkt nördlich an einem breiten Graben entlang. Die Wiesen waren feucht, aber ich hatte Gummistiefel dabei. Sie waren schmal und gingen senkrecht vom Weg ab. Zunächst versuchte ich es zu weit östlich. Der nächste Streifen war von Büschen und etwas abschreckend dichtem Gestrüpp bewachsen. Womöglich nass. Der übernächste könnte der richtige sein - wieder Wiese. Am Ende stand ich 12 Meter von der Sonde entfernt. Nichts war zu sehen, obwohl die Schnur in meine Richtung verlaufen sollte. Die Sondenposition lag natürlich auf der Gestrüpp-Koppel, und dazwischen lag ein Graben. 

Also zurück zum Weg. Von dort aus hatte ich Zugang zur Gestrüpp-Koppel. Erst Schilf, dann sehr viel vertrocknetes Unkraut auf feuchtem, aber gut begehbarem Untergrund. Links und rechts Bäume. In einem hing die Sonde etwa 3 Meter über dem Boden. 








Mit der 10-Meter-Stange war das Ding schnell heruntergeholt.





Die Schnur musste über die eben inspizierte Wiese verlaufen, aber wahrscheinlich in luftiger Höhe. Dann sollte der Fallschirm auf der übernächsten Wiese liegen. Also schnitt ich die Sonde ab und machte mich auf den Weg. In Verlängerung der Flugrichtung lag der Schirm am Rand der Koppel auf auf sumpfigem Grund an einem Graben, die Schnur kam von oben von einem Knickbaum aus.




Ich konnte die Schnur mit der Taschenlampe und langem Arm angeln und dann komplett aufrollen. Dann ging es zurück zum Weg und zurück zur Bushaltestelle. Das hatte alles etwas gedauert. Teilnehmer der Whatsappgruppe, die von meiner Expedition wussten und länger von mir nichts gehört hatten, machten sich schon Sorgen, ich wäre in einem der Gräben stecken geblieben 😀




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Samstag, 9. November 2019

Und gleich die nächste Stangenbergung aus dem Baum!

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  P3510560
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 07.11.2019 00:00Z
Track Bremen
Landestelle: Klein Nordende, LAT, LON: 53.71087,9.64805, Google Maps
Status: Lokalisiert durch GPS-Decodierung kurz nach der Landung; Stangenbergung am 09.11.2019 um 13:21 UT

7.11.2019, 5:30
Am 7.11.2019 landete diese Radiosonde bei Klein-Nordende südlich von Elmshorn. Da die Busstation "Klein Nordende am Brahm" 250m nördlich der vorhergesagten Landestelle liegt,  beschließe ich, noch vor Tagesanbruch und vor der Arbeit die Sache zu erkunden. Irgendwelche Stangen werden nicht mitgenommen, denn die Landestelle liegt sehr sicher auf freiem Feld. Wetterson.de hatte die Sonde bis 227m GPS-Höhe, also ca. 177m über Grund - was sollte da schon schiefgehen? Der Fallschirm würde wohl ein paar Meter dichter an der Straße liegen. Eine starke Taschenlampe ist wichtiger als jedes Empfangsequipment. Würde ich es überhaupt brauchen? Ich stecke es aber  lieber doch ein. Die 10m-Stange ist komplett überflüssig und bleibt zuhause.  Hin, einsacken, weg, dann würde man vor der Arbeit noch frühstücken können. Die S-Bahnen fahren noch nicht, aber von Altona geht schon ein Regionalzug nach Elmshorn und von da aus ein Bus ins Zielgebiet.

Gleich nach dem Aussteigen aus dem Bus gibt es eine Schrecksekunde: Die Äcker rechts der Straße sind mit hohen Maschendrahtzäunen abgesperrt. "Mein" Acker aber nicht - uff. Schnell mit der Taschenlampe die Koppel abgeleuchtet. Nebel sorgt für schlechten  Kontrast im Scheinwerferstrahl - aber da liegt kein Schirm. Nanu? 

Rechner raus, RTLSDR raus, Antenne raus und ein wenig lauschen. Das Signal der Sonde ist im absoluten Nahfeld. Die decodierten GPS-Koordinaten liegen auf der anderen Seite der Straße. Die Sonde war um mehr als 120 Meter weiter geflogen als vorausberechnet. Ein weiteres Detail drückt die Stimmung: Die GPS-Daten und die Geländedaten deuten auf eine Baumlandung in 28 Meter Höhe hin. 

Das Waldgelände ist links von einem Zaun zugänglich. Wie ich merke, ist das Betreten wohl sublegal, denn da liegt überall privates Geraffel herum. Der Baum, eine hohe Eiche in zweiter Reihe zur Waldkante, ist rasch identifiziert. Es ist kaum ratsam ist, direkt neben Wohngebäuden um 5 Uhr Morgens meinen Photonentorpedo zu zünden und damit länger als nötig die Baumwipfel abzuleuchten. Lieber sehe ich zu, dass ich nach Hause komme. Viel Zeit für ein Frühstück vor der Arbeit bleibt ohnehin nicht mehr. Die Landekoordinaten sind gesichert, und das muss erst einmal reichen. Der Rest muss bei Tageslicht folgen.

Am 7. und 8.11. habe ich  berufsbedingt keine Zeit für eine Erkundung des Geländes im Hellen. Ich glaube auch nicht, dass mir einer der Bewohner das Ding wegschnappt, denn die Bergung aus der hohen Eiche dürfte komplex sein. Allenfalls sammelt jemand den Schirm auf und zerreisst die Schnur. Dann wird er nicht bemerken, dass 50 Meter weiter im Wald eine Sonde zu Boden fällt. Allenfalls besteht die Gefahr, dass bei so einer Aktion die Sonden irreversibel in eine 30 Meter hohe Astgabel geklemmt wird.

9.11.2019, früher Nachmittag
Am sonnigen Samstag nehme ich meine 15 Meter-Stange mit und fahre mit dem Bus von Wedel nach Klein-Nordende. Ziel ist eine Erkundung der Situation. In der Eiche und den umliegenden Bäumen kann ich per Fernglas nichts entdecken. Ein Rentner an der Straße "Am Brahm" lässt mich auf sein Grundstück. Das  bringt den ersten Hinweis: In einer nicht allzu hohen Eiche auf dem Nachbargrundstück hängt unübersehbar der weiße DWD-Schirm. 

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Ich bedanke mich bei dem Herren und mache mich zu seinem Nachbarn auf den Weg. Das ist ja prima, an dem Fallschirm hat noch keiner gezerrt. Ganz so schlecht ist die Lage doch nicht. Wer weiß, vielleicht gelingt über den Schirm eine Stangenbergung?

"Ferienwohnungen zu vermieten" steht am Eingang zu dem Grundstück, mit Telefonnummer. Ein kurzer Anruf verschafft mir Zutritt. Der sehr zupackende Besitzer und seine Frau sind sehr nett und unterstützen die Aktion nach Kräften. Sie hatten das Gespann noch nicht entdeckt und waren erstaunt. Es ist auch sehr schwer, die Schnur am Himmel, die zu den Bäumen im Wäldchen gespannt war, überhaupt zu erkennen.

Der Plan ist derselbe, der schon bei der letzten Sonde zum Erfolg führte. In der Hoffnung dass nur der knapp 7 Meter hoch in der Eiche hängende Schirm das gesamte Gespann verankert, muss man direkt über dem Abroller die Schnur mit einer an der Stange befestigten Klinge kappen. Das klappt im 3. Anlauf besser als letztes Mal.  Die Schnur flutscht davon. Ich bin sicher, dass die Sonde drüben heruntergkommen ist. Ein kurzer Ausflug zur Eiche im Wäldchen. Da liegt aber nichts. Also zurück zum Schirm. Der ist etwas in der Eiche verhakt, segelt aber nach etwas Gezerre herab. 

Die abgetrennte Schnur baumelt schlaff über einem Carport. Der Besitzer geht mit einer Leiter auf das Flachdach und ergreift die Leine. Nach einiger Diskussion beschließen wir, daran zu ziehen. Oben im Wipfel bewegen sich Blätter. Das war rückblickend keine gute Idee.

Der Besitzer erspäht plötzlich die Sonde. Sie befindet sich nicht mehr im Wipfel der Eiche, sondern auf halber Höhe. Schlagartig wird mir klar: Die Sonde ist nach der Kappung zwar nicht ganz heruntergefallen, aber stark abgesackt. Ich hatte sie bei meinem kurzen Check nur am Boden gesucht und die Sonde daher übersehen. So haben wir sie bei unseren Zugexperimenten wieder 3-4 Meter nach oben gezogen. Wir hatten den guten Grundsatz der Apollo-Flugkontrolleure verletzt:  "If you don't know what to do, don't do anything".

Aber da geht doch was! Die Lage ist doch viel besser als vor der Schnurkappung. Ich schätze die Höhe auf knapp 15 Meter, aber sicher bin ich nicht, ob die Stange wirklich reichen würde. Etwas Stangemikado durch das Unterholz, und der Mast mit der Schnur-Haken-Kombination wandert wieder nach oben.  Sehr hilfreich ist wieder die Unterstützung durch den Grundstücksbesitzer, denn er kann aus einigen Metern Distanz viel besser abschätzen, wie viele Meter mir bis zur Sonde noch fehlen. Irgendwann touchiere ich die RS41. Die Länge reicht locker, um den Haken einen Meter über der Sonde neben der Schnur zu positionieren.  Aber natürlich pendelt die fast völlig ausgezoge Stange gerne mal ein paar Meter hin und her. Und wenn man Schnur oder Sonde berührt, pendelt die auch wild hin und her. Auch ist der Haken nicht ganz optimal gebogen. Ich habe keine Lust, das Ding noch mal einzufahren und den Haken neu zu richten. Es muss auch so gehen. So brauche ich etliche Versuche.

Endlich fasst die Schnur, aber nicht besonders sicher. Beim ersten Versuch bekomme ich die Sonde nur 3 Meter tiefer. In etwas mehr als 10 Metern Höhe ist das erneute Einhaken aber erheblich einfacher. Über mehrere Zwischenstufen gelangt die Sonde endlich zu Boden. Sie blinkt "ok" beim Anschalten und verlischt nach wenigen Sekunden wegen leerer Batterie.


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