Samstag, 24. Oktober 2020

Der letzte Heller

Momentan qualifiziert sich Meppen für den Sir-Arthur-Harris-Gedächtnispreis für unausgesetzte Luftangriffe auf den Großraum Hamburg. Da die Landungen in den Vormittagsstunden unter der Woche erfolgen, kann man jobbedingt die Sonden nicht alle einsammeln. Wenn sie dann noch außerhalb des Aktionsradius der meisten Sondensucherkollegen stattfinden, bleiben Sonden liegen. Gestern landete eine Sonde mitten in Hamburg-Horn, als ich arbeitete. Am Nachmittag habe ich dann die beiden Sonden im Raum Volksdorf priorisiert, und das liegt weit weg von Horn. Am Wochenende stellt Meppen seine Flüge ein, und dann kann man Altfälle abarbeiten.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
  R2340629
Frequenz:
405.1 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
23.10.2020 8:00Z
Track
Polen
Landestelle: Hamburg-Horn,
LAT, LON  53.54449,10.088854  Google Maps
Status:
Geborgen  24.10.2020 10:11 UT
Methode:
Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten

Heute Vormittag denke ich nach, ob man nicht doch mal nachgucken sollte. Die Landestelle ist sehr gut vorhergesagt. Sie liegt direkt neben einem Wohnhochhaus an der Straße "Letzter Heller". Hier residiert auch ein Hostel "Zum Letzten Heller". Die Frage ist, ob die Sonde da noch liegt - mehr als 24 Stunden nach der Landung und mitten in der Stadt. Aber nachgucken kostet nichts. Die Landestelle ist vom U-Bahnhof Legienstraße fußläufig zu erreichen, also wird besser die 15-Meter Stange geschultert. Wenn die Sonde an irgendeiner Fassade herunterhängt, könnte das helfen.

Um das Wohnhochhaus herum finden überall Erdarbeiten statt. Irgendwas wird auch drinnen gebaut, denn aus dem Haus hängt eine Schütte für Bauschutt. Die Bepflanzung ist um das Haus herum ist komplett weggebaggert worden, aber es wurde wieder planiert. Die Baustelle ist weder abgesperrt noch gibt es Verbotsschilder. Ich erkunde das aber erst einmal nicht. Mir ist nicht ganz klar, ob das ganze Haus das Hostel ist, oder ob da auch Leute Wohnungen haben. Ob das Hostel in Betrieb ist, kann man am Eingang nicht ermitteln. Die Rezeption scheint verwaist zu sein. Ich erforsche es nicht näher.  Lieber lasse ich meine Blicke schweifen. Von der Sonde ist nichts zu sehen. Also gehe ich auf der Straße um das Haus herum. Eine Rampe führt auf ein Parkdeck. Von oben hat man einen sehr guten Überblick über das ganze Gelände. Und da hängt die Schnur! Der "langweilige" kleine rote Schirm liegt auf dem Vordach am Kücheneingang des benachbarten Adria-Restaurants.

 


 



 

Die Schnur geht über ein paar Bäume. Ich gehe ganz nach vorne auf das Parkdeck, und ich kann unter mir die Sonde liegen sehen. 

Also gehe ich zurück über die Baustelle  und schneide sie ab. Ein Tier hat einen kleinen Haufen auf der Begleitbriefhülle hinterlassen. In Coronazeiten hat man ja Desinfektionsmittel und Saugpapier immer im Ruchsack.



  

Zurück zum Kücheneingang. Ein paar Leute, die in dem Restaurant arbeiten, kommen raus, telefonieren oder rauchen und müssen jeweils über den Grund meiner Aktion aufgeklärt werden. Der Fallschirm direkt über ihren Köpfen ist so gut getarnt, dass ihn keiner bisher bemerkt hat.  Die Stange befördert die Sachen von dem Dach. Endlich kann die Schnur aufgerollt werden, und somit ist dieses Gespann komplett geborgen. 

 


 

Auf dem Begleitzettel ist versehentlich Sondennummer S2340629 statt R2340629 eingetragen.



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Zwei Meppener Sonden

 Am 22. und 23. Oktober bombardierten die Meppener Hamburg. Ich konnte ja wie berichtet eine davon am Stadtparksee einsammeln, und sie hatte einen völlig ungewöhnlichen Textilfallschirm. Die Mittagssonde landete im Stadtteil Volksdorf unweit des Bahnhofs Buchenkamp. Ich hatte aber keine Zeit, mich darum zu kümmern. Die Morgensonde vom 23.10. landete in Hamburg-Horn mitten in der Stadt; auch hier haben ich und die üblichen Verdächtigen keine Zeit gefunden, die Sonde zu suchen. Da schwebt die Mittagssonde vom 23.10. ein und landet bei Hoisbüttel, nicht weit weg von der gestrigen Buchenkamp-Sonde. Auch muss ich am Wochenende aus einem anderen Grund sowieso was im Hamburger Nordosten erledigen. Also liegt nahe, das alles miteiander zu verbinden. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
  S3131505
Frequenz:
404.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
23.10.2020 11:00Z
Track
Polen
Landestelle: Hoisbüttel,
LAT, LON  53.687344,10.141749  Google Maps
Neue Position Jan. 2021: LAT, LON 53.68419,10.29852 Google Maps
Status:
Baumlander, 20-25m über dem Grund
Methode:
Decodierung des Sonden-GPS per TTGO

 
Los gehts. Die U-Bahn bringt mich nach Hoisbüttel. Schon vom Faltrad aus sprudeln Daten aus dem TTGO. Die Sonde sendet aus in einem Urwald im Bredenbektal. Ich folge dem Flusslauf. Die Sonde ist gut erkennbar, sie hängt 20 Meter hoch am Baum. 
 
 

 

 

 Ich durchstreife den Wald auf der anderen Seite des Bachs auf der Suche nach dem Schirm - erfolglos. Das ist schade, denn so kann man nicht ermitteln, ob hier vielleicht auch so ein ungewöhnlicher Textilschirm mitgegeben wurde.

Viel mehr kann ich nicht machen. Das Ding ist immerhin lokalisiert, der Zugang ist erkundet, das Ding kommt auf die Baumlanderliste. Ich bin sowieso öfter in der Gegend und kann immer mal nachgucken.

Update 1.1.2021: Die Sonde ist in den Nachbarbaum auf der Anderen Seite des Baches gependelt, hängt aber genau so hoch.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
  R2320687
Frequenz:
404.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
22.10.2020 11:00Z
Track
Polen
Landestelle: Hoisbüttel,
LAT, LON 53.6635696,10.1710046  Google Maps
Status:
Baumlander, 20-25m über dem Grund
Methode:
Tawhiri-Prediction aus Wetterson.de Daten

Also geht es weiter zu der anderen Landestelle der Sonde vom Vortag. Es sind nur 6 Fahrradkilometer.Aber mein Optimismus hält sich in Grenzen. Die Prediction ist nämlich extrem unklar. Auf Wetterson.de gab es Positionen bis 93m Höhe. Die Sinkgeschwindigkeit betrug 3.4m/s. Kurt aus Uetersen hatte noch zwei niedrigere Positionen in Radiosondy eingespeist. Jetzt betrug die Sinkrate nur noch 1.2m/s. Wahrscheinlich hat das Ding im Endanflug noch einmal etwas Thermik abbekommen. Die Unbekannte ist jetzt: Wie lange hielt der Aufwind an? Bis zur Landung? Nur für ein paar Sekunden? Die resultierenden Tawhiri-Predictions liegen 200m auseinander, und das Suchgebiet sieht auf der Satellitenansicht von Google Maps einigermaßen unübersichtlich aus.

Vor Ort kann ich mein Faltrad unweit der "langsameren" Prediction an einen Laternenmast ketten. Ein Privatweg ("Durchgang auf eigene Gefahr") führt direkt dahin. Hochspannnungsleitung, Gestrüpp, rechterhand Pferdekoppeln, ein abgesperrtes Umspannhäuschen. Auf den ersten Blick ist nichts zu sehen, aber hier kann sich gut eine Sonde verstecken. Also wandere ich langsam Richtung schneller Prediction und lasse meine Blicke schweifen. Auf der anderen Straßenseite geht es  durch einen Streifen Wald mit hohen Bäumen. Wenn sie da hängt, wird man sie im Laubdach leicht übersehen. Vielleicht muss man dann nach dem Laubfall noch mal nachsehen. Die "schnelle" Prediction selber liegt auf einem grasbewachsenen Gelände mit Buschwerk und einzelnen Birken. Und 20m neben der Position glänzt die Schnur im Abendlicht!

Die Sonde steht aufrecht am Boden, die Schur ist gespannt und verschwindet hinter einem Gestrüpp in einigen Birken.




 Beim Abschneiden der Sonde raschelt es drüben, man kann aber nichts erkennen. Ich muss mich durch das hohe Gras um das Gestrüpp vorarbeiten. Ziemlich spannend - was für ein Fallschirm wird diesmal geboten? Es ist der normale kleine rote Bundeswehrschirm. Er muss nur noch mit der Teleskopstange aus der Birke geangelt werden, dann ist auch dieses Gespann komplett geborgen. Wie oft in Meppen ist auch hier die Schnur nur teilweise abgerollt.




 

Es dämmert schon, als ich zum Bahnhof Buchenkamp weiter radel.


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Donnerstag, 22. Oktober 2020

Exotischer weißer Textilschirm - professionelle Handwerkskunst

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: S1650035
Frequenz: 404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum: 22.10.2020 05:00Z
Track Polen
Landestelle: Hamburg, Stadtparksee, LAT, LON  53.591316,10.023791  Google Maps
Status: Geborgen am 22.10.2020, 06:43 UT
Methode: Decodierung des Sonden-GPS per TTGO
 
 
 Diese Sonde erreichte nur eine Höhe von 19000 Metern, hatte aber einen sehr guten Fallschirm und schaffte es bis nach Hamburg. Die Landestelle war am Stadtparksee. Die letzte Position aus Bremen ergab eine Prediction im Goldbekkanal. Kurt hatte Daten bis 81m Höhe, und danach lag die Sonde genau dort, wo die Brücke zur sog. Liebesinsel führt. Ich selber habe die Sonde bis in 100m Höhe decodieren können und hatte sogar danach noch ein sehr schwaches Sondensignal aus 7km Distanz. Daher rechne ich mit einem Baumlander. Das Fahrrad bleibt im Keller, aber die 15m-Stange kommt mit. Denn die Landestelle leicht ist zu Fuß vom U-Bahnhof Saarlandstraße erreichbar. Schon aus der fahrenden U-Bahn liefert der TTGO Daten. 
 
 

Die Position ist direkt bei der Prediction. Luftline ist es nicht weit, aber man muss per Brücke über ein paar Kanäle. Die Sonde baumelt am Faden etwas mehr als zwei Meter über dem Boden über einem am Straßenrand abgeparkten Wohnwagen.
 

Ich muss mich erst einmal langmachen und kann sie dann greifen. Ich mag die Sonde vor der Erkundung des Fallschirms nicht abschneiden, also knote ich die Schnur an einen Ast, damit  sie nicht in luftige Höhen entschwinden kann. Ich verfolge die Schnur. Beuteschema wäre ein roter Fallschirm. Da hängt der Ballonrest an einem Baum am Uferhang des Sees. Ich bin zwar rotgrünschwach, aber dieser kleine Schirm über dem Ballonrest sieht absolut nicht rot aus. 


Wieder zurück schneide ich erst einmal die Sonde ab und versuche mich dann mit der Stange an dem Ballonrest. Beim dritten Versuch kann ich ihn zu Boden befördern. Und die Überraschung ist riesig, denn so etwas habe ich noch nie gesehen und von so etwas habe ich auch noch nie gehört....
 
 


Der Fallschirm ist so groß wie der kleine Bundeswehrschirm, aber weiß. Und er besteht aus feinem weichen Gazetuch - richtig gewebt. Handwerkliche Verarbeitung meisterlich, keine "Lumpen", sondern edles gut abgenähtes Textil. Befestigt an beiden Seiten mit einer Ringöse. Und man beachte den Verdrillschutz.Gewicht des Schirms 11g, Durchmesser 50cm.


 







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Dienstag, 20. Oktober 2020

Empfang aus der fahrenden S-Bahn

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2330846
Frequenz: 404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum: 20.10.2020 11:00Z
Track Polen
Landestelle: Neukloster, LAT, LON  53.480839,9.65132  Google Maps
Status: Geborgen am 20.10.2020, 14:56 UT
Methode: Decodierung des Sonden-GPS per TTGO
 
 
Diese Sonde landete bei Neukloster. Ich war mit dem Faltrad zur Arbeit gefahren und überlegte, ob ich direkt dorthin fahren sollte. Aber was soll man wenige hundert Meter von einem S-Bahnhof entfernt mit einem Rad? Vielleicht sind Arbeitsklamotten und Gummistiefel nutzbringender. Ich kann das Rad gerade eben in meinen heimischen Keller packen, mich umziehen und den Beutel mit den Gummistiefeln schultern und dann in den Zug springen. Um 16:30 rollt die S-Bahn bei Nieselregen in Neukloster ein, und noch im fahrenden Zug decodiert mein braver TTGO das Sondensignal. 



Auf den schmalen Straßen um den Bahnhof rollt eine immense Blechlavine von Autos. Das heißt: Rollen ist zu positiv ausgedrückt. Ich hätte nie gedacht, dass die Rushhour in Neukloster so aussieht. Wie schön, dass man zu Fuß zur Sonde unterwegs ist. Ein Feldweg führt von der Straße direkt auf die Sondenposition zu. Schnell noch von Straßenschuhen auf die Gummistiefel gewechselt und los. Der Feldweg endet nur 75 Meter von der Sondenposition entfernt, aber gleich linkerhand ist ein Aufgang auf die Wiese. Rehe stehen auf der Wiese, und in den Knickbäumen gackern einige Dutzend Wachholderdrosseln. In Sondenrichtung liegt eine ziemlich moorige und zugewucherte Brachfläche. Da ist auch schon die Schnur. Sie verläuft von der Wiese auf die Moorbrache...Ich merke rasch, dass ich Glück habe. Die Sonde ist - für Meppen ungewöhnlich - aus südöstlicher Richtung eingeschwebt. Daher liegt die Sonde auf dem Trockenen und der Ballonrest auf der Brache - und auch nur ganz am Rand. Es ist eine problemlose Wiesenbergung.



 

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Sonntag, 18. Oktober 2020

Statt kurzem Check eine Tagestour

 In der Woche waren allerlei Schleswiger Sonden in unserer Region gelandet. Keine war für mich besonders gut erreichbar, und so wurde man zum Armchair Sondenjäger und verfolgte via Whatsapp die spannenden Bergungen.

Eine Saseler Sonde hatte es auch gegeben, P2531123 vom 14.10.. Sie hatte nur 20km Höhe erreicht und war dann direkt am Rand des Feener Moores im Wald heruntergekommen. Kurt konnte ein paar Frames nach der Landung aus 20km Distanz erfassen, die auch in Radiosondy angezeigt, aber nicht archiviert wurden. Was wir alle ganz spannend fanden: Laut GPS-Höhe und Geländemodell hing die Sonde nur 4-5 Meter hoch im Baum. War das realistisch? Hing die Sonde nicht vielleicht viel höher? Wenn es stimmt, wäre die Bergung einfach. Mein Plan für den Samstag war, das schöne Herbstwetter für einen kurzen Ausflug auszunutzen und einfach mal nachzugucken.

 In der Nacht hopst die Schleswiger Sonde knapp über die Elbe ins Kehdinger Land, nördlich von Krummendeich. Das ist für mich nicht unerreichbar, aber ungünstig weit weg. Zwar kann ich am Wochenende gratis bis Cuxhaven fahren, aber die nächstgelegene Station, Wingst, ist immer noch fast 20km von der Landestelle entfernt. So ist am Morgen meine Motivation begrenzt. Es kommt alles anders als gedacht. 

Kaum brechen Ferien aus, werden allerlei sinnlose Baumaßnahmen im Schienennetz durchgeführt. Unangenehme Überraschung am Morgen: Die S-Bahn über die Elbe ist gesperrt. Die Leute werden in Busse gestopft (RNA-Polymerase, olé). So sitze ich, anders als erwartet, im Regionalzug nach Cuxhaven. Der fährt auf den gleichen Gleisen wie die S-Bahn über Horneburg, und von dort soll es zur Saseler Sonde gehen. Aber wenn man jetzt schon im Zug nach Cuxhaven sitzt, kann man direkt nach Wingst fahren, die Schleswiger Sonde einpacken und auf dem Rückweg im Feener Moor vorbeigucken. 

In der Bahn treffe ich zufällig eine Studentin, die bei mir ihre Masterarbeit schreiben will. Sie will nach Buxtehude. Wir hatten letzte Woche ein paar Emails gewechselt, aber jetzt können wir alles Wesentliche direkt besprechen. Nebenher entdecke ich, dass der  Vorderreifen des Faltrades platt ist. Oh no. Das Ventil an dem Ding hatte vor Jahren öfter mal Ärger gemacht. Ich wollte den Schlauch immer mal wechseln, aber da das Problem seit Jahren nicht mehr aufgetreten war, hatte ich das verdrängt. An ein Loch im Schlauch glaube ich nicht - habe nach 5000km ein gewisses Urvertrauen in den als "unplattbar" beworbenen Reifen. Ich pumpe den Reifen auf - glücklicherweise hält er auf den nächsten 50 Kilometern die Luft problemlos. Es war wieder nur das bekannte Ventilproblem. 


Sondentyp: RS41-SGP  
SN:  S0540276
Frequenz: 402.5 MHz 
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)  
Flugdatum: 17.10.2020 0Z
Timerkill: Keiner
Landestelle  Krummendeich,  LAT LON: 53.851096,9.207624 Google maps 
Status: geborgen am 17.09.2020, 9:53 UT 
Methode: Tawhiri-Prediction nach Daten von radiosondy.info

 

Irgendwann rollt der Zug in Wingst ein.  Los geht es durch die Marsch nach Norden. Auf den Feldern stehen an einer Stelle ca. hundert Kraniche, der Zug ist im Gange. Je weiter man kommt, umso interessanter das Panorama. Keine Windräder mehr, sondern die AKWs auf der anderen Elbseite. Voraus Brunsbüttel und rechterhand Brokdorf. Irgendwann bin ich da. Die Sonde soll wenige Meter vom Weg entfernt auf dem Feld liegen. Da ist nichts zu sehen. Der TTGO meldet keinen Empfang, die Batterie ist offenbar leer. Keinerlei Pessimismus keimt auf. Dies ist ein Fall von Mohrrüben-Syndrom. Vor Jahren hatte ich schon mal eine Sonde im Möhrenfeld, und diese Sonde versank darin komplett inklusive Ballonrest und Fallschirm. Man konnte sie nur sehen, wenn man direkt davorstand, obwohl das Feld auf den ersten Blick extrem übersichtlich aussah. Tatsächlich hatte sich damals ein weiterer Sondensucher einen Wolf gesucht. Das ist hier sicher wieder genauso.

Diesmal ist es einfacher, Kurt sei Dank, denn die Position sollte gut stimmen. Vier Meter neben der Prediction liegt das da....

 



 Auch den riesigen Ballonrest sehe ich erst, als ich ein paar Schritte davorstehe. Der Fallschirm befindet sich darin im orignalverpackten Zustand. Die Flugeigenschaften des Gespanns im Landeanflug waren erstaunlich. In der letzten Flugphase schwankte die Sinkgeschwindigkeit von Frame zu Frame zwischen 10.2 und 4.2m/s.




Die Idee, jetzt in Freiburg an der Elbe den Bus nach Stade zu nehmen, scheitert an der Tatsache, dass der Bus erst in 2 Stunden fährt. Also geht es die 20km zurück nach Wingst. Dort kommt sehr bald der Zug nach Hamburg. Den ich aber schon in Horneburg wieder verlasse. Los geht es nach Helmste, ein Weg, den ich wegen einer erfolglos endenden Baumlandersache vor einigen Jahren gut kenne.  

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  P2531123
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID:10141) 
Flugdatum: 14.10.2020 12:00Z
Track radiosondy.info
Landestelle  Sasel, LAT,LONG = 53.5354, 9.50288, Google Maps.
Status: Geborgen am 17.10.2020, 13:28 UT


In Helmste geht es dann rechts ab, Richtung Feemer Moor. Die Landestelle liegt glücklicherweise direkt am Wegrand, und zwar noch im Wald und nicht in dem benachbarten Hochmoor. Und ich kann die Sonde in den erwarteten 4 Metern Höhe am Baum sofort entdecken. 

 


 

 Ich checke vor der Stangenbergung die Position des Fallschirms ab - 30 Meter hoch in einem Baum linkerhand...

Die Stangenbergung der Sonde führt leider zum Schnurriss. Eine Nachkontrolle auf der Fallschirmseite ergibt aber zu meiner Freude, dass der Ballonrest und der Fallschirm in den Nachbarbaum gependelt sind und jetzt mit der Stange geborgen werden können.Leider reißt dabei die Schnur erneut, so dass ich nur etwa 1/3 der Schnur bergen kann, aber immerhin Sonde und Ballonrest. Der Schirm ist wie bei der Schleswiger Sonde ungeöffnet.



 

Die Rückfahrt trete ich über den näher gelegenen S-Bahnhof Dollern an, was sich nicht als schlau herausstellt. Am Ende steige ich in Buxtehude in den Regionalzug aus Cuxhaven um und kann damit einigermaßen zügig nach Hamburg zurückkehren. Was ursprünglich als schnelle Tour nach Helmste gedacht war, wurde nun zu einer fast ganztägigen Radtour von fast 50km. 

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Dienstag, 6. Oktober 2020

Merkwürdige Spinnenweben und die totale Zerstörung

Die Bergener Mittagssonden vom 4.10.2020 und 5.10.2020 landeten in meiner weiteren Heimat, und zwar in Oetjendorf, nur 2000m voneinander entfernt. R2331007 ging direkt am Rand des Beimoorwaldes nieder - auf Google Maps war direkt daneben ein kleines Häuschen erkennbar. R2331016 verschlug es auf ein Feld, das von oben schwer nach jahrelangem Maisanbau aussah. Ich konnte beide Male nicht hinfahren. Am 4.10. war ich, wie berichtet, im Alten Land unterwegs, und am 5.10. wäre ich arbeitsbedingt zu spät gekommen. Als beide Sonden noch nicht als gefunden gemeldet worden waren, bin ich am 6.10. hingefahren. Ich musste sowieso in anderer Sache die Tage nach Schmalenbeck. 

Die Idee ist zunächst, mit der U-Bahn bis Großhansdorf zu fahren. Mittleres S-Bahn-Chaos führt zum spontanen Umdisponieren - Anreise mit dem Regionalzug nach Ahrensburg. Irgendwann will man ja auch mal ankommen, und da muss man eben 4km mehr strampeln.

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2331016
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 05.10.2020 12Z
Timerkill: 5:00h
Track  wetterson.de
Landestelle Oetjendorf, LAT LON: 53.67251,10.345277  Google Maps
Status: geborgen am 06.10.2020, 09:47UT
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von wetteson.de-Daten


 Glücklicherweise ist mir die Gegend ja von Kindesbeinen an gut vertraut. Großhansdorf- Hoisdorf und dann über einen Schleichweg direkt zur ersten Landestelle. Es fängt an zu regnen. Poncho an und weiter. Wie erwartet ein Maisfeld, und bereits abgeerntet. Das wird ja heute einfach. Halbschuhe runter, Gummistiefel an und los. Ich erwarte eine Sonde und einen roten Fallschirm, malerisch ausgebreitet. Stattdessen ein Trümmerfeld.  R2331016 hatte gleich nach dem Ausflug in die Stratosphäre eine unangenehme Begegnung mit dem Maishäcksler....








Der Fallschirm und ein großer Ballonrest liegen herum, und ich muss die Schnur aus dem Boden herausziehen. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2331007
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 04.10.2020 12Z
Timerkill: 5:00h
Track  wetterson.de
Landestelle Oetjendorf, LAT LON: 53.68643,10.32526  Google Maps
Status: geborgen am 06.10.2020, 10:53UT
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von wetteson.de-Daten


Weiter geht es, durch Oetjendorf und dann Richtung Beimoorwald. Das urgemütliche Häuschen am Waldrand hat ein nettes Schieferdach, über das sich eine RS41-Schnur windet. Der Schirm muss auf oder hinter dem Haus liegen, die Sonde im Garten. Also klopfe ich. Ein älteres Ehepaar kommt heraus, er mit einem Rollator, beide aufgeschlossen und interessiert. Die Frau hatte die Schnur schon gesehen, aber für Spinnweben gehalten. Nach kurzer Aufklärung darf ich die Lage erkunden, und die beiden begleiten mich und helfen tatkräftig. Die Sonde findet sich nach einiger Suche in einem Baum an der Grundstücksgrenze und kann per Stangenbergung heruntergeholt werden. Der Schirm liegt ganz unten auf dem Vordach.


 

 



Die Schnur am Dach freizubekommen, erweist sich als komplexer als gedacht, erfordert ein weiteres Stangenmanöver und am Ende die Hitze des Schornsteins, über den die Schnur verläuft. So kann alles geborgen werden. Ich  verabschiede mich von den netten Besitzern und radel durch den vertrauten Beimoorwald und durch Großhansdorf nach Schmalenbeck.

Zuhause angekommen sehe ich auf Radiosondy.info, dass DG6HP die Sonde wohl gleich nach der Landung besucht hatte, aber wohl irrig angenommen hat, dass die Sonde auf dem Dach liegen muss und dann auch nicht näher nachgeforscht hat.

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Sonntag, 4. Oktober 2020

Atypisches Beuteschema bei der Apfelernte

Am Sonntag, den 4.10. kam es zu einem unglaublichen Run auf die einschwebenden Bergen-Sonden. Kaum aufgewacht - draußen dämmerte es zaghaft - fand ich schon auf Whatsapp Fundberichte von zwei Sonden vor - mit Bildern. Das schöne Herbstwetter lockte offenbar. Und im Laufe des Tages ging es Schlag auf Schlag in diesem Stil weiter.

Ich hatte einen anderen Plan, als mich an einer SBZ (Spontanen Bergen Zusammenrottung) zu beteiligen, zumal die Sonden auch außerhalb meines normalen Aktionsradius landeten. Am 1./2.10. waren im Südwesten drei Sonden gelandet. Die 12Z-Sonde vom 1.10.2020 (R2330927) hatte ich in Neugraben im Wald sendend angetroffen und geborgen. R2330928 war die 18Z-Sonde; sie landete laut Prediction südöstlich von Buxtehude direkt an einem typischen Wanderweg.  R2330929, die Nachtsonde vom 1/2.10. landete im Apfelanbaugebiet "Altes Land" bei Jork. Da die Apfelernte in vollem Gang war, würde die da wohl nicht lange liegen bleiben. Ich konnte die Sonden in der Woche nicht suchen. Am Samstag, den 3.10.. hoffte ich auf eine Landung in nächster Nähe. Die fand dann auch statt, in Moorfleet auf dem Gelände einer insolventen Teerfabrik. Das Gelände war komplett abgesperrt, mit NATO-Draht und Bretterverschlag. Drinnen war alles meterhoch und dicht mit Brombeeren bewachsen. Die Nachbarn erzählten mir, dass hier seit 8 Jahren kein Besitzer mehr gesehen wurde.  Ärgerlich: Die Schnur habe ich im Fernglas gesichtet, und die Sonde sendete in 70m Entfernung.

Ob man am Sonntag noch eine der Sonden vom 1.10. finden würde. Mein Optimismus war gering, auf der anderen Seite winkte im Bestfall die Komplettierung eines "Bergen-Hattricks".  Auch schrie das phantastische Herbstwetter geradzu nach einer netten Radtour, und das "Alte Land" ist ein schönes Ziel. Also ging es mit S-Bahn und Regionalzug nach Buxtehude, wo die Sonden mit dem Sensorarm senden, oder wie war das noch gleich? Anyway, ick bün all hier! Faltrad ausklappen und los.  

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2330928
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 01.10.2020 18Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Buxtehude, LAT LON: 53.466909,9.733207  Google Maps
Status: geborgen am 04.10.2020, 10:19UT
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von Radiosondy.Info-Daten

Ich fädel mich aus der Stadt heraus. Marschland. Viele Spaziergänger. Viele Radfahrer. Wenn die Prediction wirklich stimmt, ist die Sonde weg. Ich komm an. Ich sehe mich um. Die Prediction stimmt perfekt, denn da ist die Schnur. Die Sonde liegt direkt am Wegrand seit 3 Tagen unberührt im Gras. Unfassbar.



 


 

 

Ein Paar wandert vorbei, während ich mit der Sonde hantiere und guckt fragend. Erklärbär follows. Sehr interessierte Rückfragen! Sie kommen glatt mit zur Suche nach dem Fallschirm. Und stellen weitere Fragen. Irgendwie kommt es zu einem Gespräch über Amateurastromie. "Das wird jetzt länger", meint er. Er hat sich soeben ein 15cm Newton-Teleskop gekauft. Ich erzähle ihm vom GvA-Anfängerworkshop. Er will wohl hinkommen....

Weiter geht es. Durch Buxtehude ins Alte Land. Man muss strategisch richtig abbiegen, sonst ist man irreversibel auf der falschen Seite der Este. Die Straße schlängelt sich an der Este entlang. Ich bin nicht der einzige, der die Idee einer Radtour durchs Alte Land hat. Hordenweise sind die Leute unterwegs, oft in Pulks. Mit dem Rad kommt man aber besser voran als die motorisierten Zeitgenossen. Apfelerntezeit im Alten Land. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2330929
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 02.10.2020 00:00UT
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Buxtehude, LAT LON: 53.5168155,9.6989987  Google Maps
Status: geborgen am 04.10.2020, 11:54 UT
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von Radiosondy.Info-Daten

 

Ich biege hinter Estebrügge Richtung Jork ab. Ob man an die Sonde rankommt? Zwar zeigt Google-Maps einen Feldweg einen Kilometer weit durch die Apfelplantage laufen, direkt auf die fragliche Stelle zu. Ob man den benutzen kann?  Oft sind die Plantagen nämlich abgezäunt, und man muss fragen. Vor Ort ist alles recht einfach: Die Apfelplantage ist VOLL mit Leuten. Grund: Selbstpflücken ist der neue Trend. Man holt sich Körbe und geht in die Apfelplantage. Auf dem Rückweg wird gewogen und bezahlt. Der junge Mann am Eingang hält mich für gaga, aber harmlos und lässt mich einfach machen. 800-900m radel ich den betonierten Weg herunter, dann bin ich direkt bei der Prediction. So weit weg vom Eingang ist außer mir keiner. Also links in die akkurat gepflegte Plantage und mit offenen Augen die Gegend inspiziert. An der Prediction ist nichts. Wahrscheinlich wird das Gelände in der Erntezeit zu gründlich abgesucht, denn außer den Selbstpflückern sind unter der Woche bestimmt jede Menge Erntearbeiter unterwegs. Da ist drei Tage nach dem Flug nichts mehr zu holen. Nach einiger Suche bin ich geneigt aufzugeben.

 
Ich inspiziere abschließend ein paar der Baumzeilen. Da ist sie doch, die weiße Box! Hin! Nein. Das ist nur ein Schopf-Tintling, ein trotz seines Aussehens schmackhafter Pilz (sofern man ihn rechtzeitig erntet und keinen Alkohol trinkt).


 

 

 Plastikfähnchen und andere Pseudofallschirme gibt es hier reichlich. Also Fernglas raus, um solche Sachen gleich zu erkennen. Schnüre sind auch in großer Zahl vorhanden, meistens aber von der dickeren Sorte, daneben eher Drähte und Gestelle zum Abspannen der Bäume. Aber die Schnur da 100m südlich, die ist etwas dünner. Ich gehe ungläubig in die Richtung. Da ist auch ein weißes Objekt, wo die Schnur endet. Die Schnur wirkt immer überzeugender, je näher man kommt. Aber das weiße Objekt ist ein - weiterer Schopf-Tintling. 

Aber etwas weiter daneben liegt noch was Weißes... eine RS41...



Bergen-Hattrick komplett. Yeah. Damit habe ich nicht wirklich gerechnet. Die Schnur hat sich mehrfach total in den recht hohen Drahtgestellen verfangen. Ich finde etwas weiter den Fallschirm und den Ballonrest.



Die Schnur kann ich aber nicht ganz freikriegen, etwas davon verbleibt in den Drahtgestellen. 

Ich radel zurück, und jetzt strömt eine Selbstpflücker-Horde auch in Richtung Sonde. Dass mein Beuteschema von dem eines Apfelpflückers stark abweicht, ist offenbar mein Glück. Bei dem Typ an er Waage checke ich noch kurz aus und zeige ihm die Sonde, und ab geht es.

Der Tag ist noch nicht so alt, und irgendwie würde ich noch ein wenig radeln. Es geht die Este weiter Richtung Elbe bis Cranz. Dort über das Estesperrwerk nach Finkenwerder. 


Dort geht es auf die Elfbfähre. Die Fähre ist rappelvoll mit Rädern. Der Typ, der da offenbar nach dem Rechten sieht, trägt die Maske unterm Kinn, findet mein Faltrad aber "gefährlich" und will nicht, dass ich es am Mann behalte. Das ist neu. Ich bin aber nicht sicher, ob er da überhaupt eine offizielle Funktion ausübt.  In Teufelsbrück nun noch den steilen Elbhang hoch, und ich bin daheim. Die Bergener Sonde, die unweit meiner Heimat am Beimoorwald niedergeht, muss warten. Meine entschleunigte Methode der Sondenjagd kennt kein Gaspedal.

 


Bei genauerer Inspektion fällt eine Merkwürdigkeit bei den Begleitzetteln auf. Die Startzeiten stimmen, aber die Nummer R2330928 gibt es zweimal.





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