Samstag, 16. Oktober 2021

Trümmer und ein roter Totex-Schirm in Sottrum

Die roten Totex-Schirme des DLR aus Krummendeich haben es mir angetan, was aber auch nicht zu einer erfolgreichen Bergung dieser Teile beitrug. Alle bisherigen Krummendeich-Bergungsversuche liefen auf ungewöhnliche Extremvorfälle heraus. Man wurde von besorgten Bürgern für eine hilflose Person gehalten, bekam es mit Schirmabschneidern (wtf!) und Fakern zu tun. Zwei Sonden konnte ich immerhin mit viel Aufwand einsacken. Die Schirme aber sind weg oder hängen noch immer unerreichbar in 25m Höhe.

Am erfreulichsten war noch immer die Aktion in Sottrum. Da war so eine Krummendeich-Sonde im Maisfeld heruntergekommen. Nicht, dass wir bei der massiven Suchaktion tags darauf da irgend etwas geborgen hätten.  Ich bin zwar einige Treckerspuren abgelaufen und hätte von Rechtswegen die Schnur mehrfach kreuzen müssen. Es ist so wie immer im Mais: Die Chancen sind sehr vermindert. Dennoch war die Aktion sehr nett, denn ich erhielt, als ich gerade aufgeben wollte, einen Anruf von Lauritz. Der ist ein Teilnehmer unserer Whatsappgruppe. „Hier ist so ein Faltrad an einem Baum am Feldweg angekettet, das ist doch sicher Deins?“. So kam es zu einem netten Schwätzchen unter Sondenjägern, eine schöne Entschädigung für die erfolglose Suche. Lauritz kannte ich bisher „live“ noch nicht, hatte ihn aber schon mal predictionbasiert über Whatsapp direkt in die Landeregion einer Ozonsonde gelotst, wo er Minuten nach der Landung zuschlagen konnte.

Irgendwie war ich nicht der Meinung, dass die Sonde eine Beute eines anonymen Kollegen geworden sein konnte. Meine kürzliche Erfahrung mit einer Essener Sonde sagte mir, dass sich die Schnüre, wenn sie sich in Höhe der Maispflanzen weit über den Köpfen eines Sondensuchers erstrecken, kaum gegen den Himmel abheben. Man muss exakt im richtigen Winkel zur Sonne und zur Schnur stehen, dann glänzt sie und ist unübersehbar. Das war mein Glück bei der Essener Sonde. Auch standen in dem Maisfeld bei Sottrum die Pflanzen noch höher und dichter, so dass sich meist keine gute Sicht nach oben ergab. Diese Sonde können wir locker übersehen haben. Lauritz hat übrigens in den Folgetagen das Maisfeld mit einer Drohne abgeflogen und konnte auch nichts erkennen. Aber das sagt auch nichts, wenn der Totex-Schirm nicht oben auf den Pflanzen aufliegt. Irgendwie war ich der Meinung, die Sonde sei noch da. Ich machte mir diesmal eine Extrapolation, die etwas kürzer war als die Tawhiri-Prediction. Da die Landegeschwindigkeit unsicher war, rechnete ich verschiedene Versionen, um den möglichen Bereich abzustecken und die Fallschirmpositionen zu ermitteln. Dazwischen gab es einen Bereich von einigen Dutzend Metern, wo man auf den Pflanzreihen auf jeden Fall die Schnur kreuzen müsste. Der Plan war nun, die 10m Stange auf mehr als Maispflanzenhöhe auszuziehen und damit durch die Pflanzreihen zu stolzieren. Irgendwann müsste man sich ja in der Schnur verfangen. Auch könnte man mit der Stange die Drohne des kleinen Mannes starten - in Gestalt einer Actioncam an der Stangenspitze.

Dann landete am 23.9. eine Norderney-Sonde in Sottrum, und zwar direkt an meiner Radroute vom Bahnhof zum Maisfeld. Leider auf der Grenze Feld/Wohngebiet in einem Gewirr von Hochspannungsleitungen. Da niemand die Bergung der Sonde meldete, gab es nun einen weiteren Grund, in Sottrum noch einmal vorbeizugucken.

Leider kam ich an den folgenden Wochenenden nicht dazu. Am 16.10. war der Norderney-Flug schon mehr als 3 Wochen her, was die Chance auf eine Bergung stark vemindert. Auch sind schon viele der Maisfelder abgeerntet. Wenn man bei der Krummendeich-Sonde noch etwas machen will, muss man es JETZT tun, wenn es nicht schon zu spät ist.

Also auf nach Sottrum. Am Wochenende gilt meine Abokarte bis an den Rand der HVV-Erdscheibe. Diese Sondentour ist auf jeden Fall umsonst, mit etwas Glück aber nicht vergebens. Nach etwas mehr als 1 1/2 Stunden bin ich wieder in Sottrum. Eindrucksvoll sind ungewohnte Dinge wie komische Fahrkartenautomaten und die im HVV unbekannten Fahrkartenentwerter. Tatsächlich ist Sottrum eigentlich im Verkehrsverbund der anderen Hansestadt. Fahrrad ausklappen, losfahren und Beute machen.

Es geht auf der bekannten Strecke Richtung Maisfeld. Da ist der Kreisverkehr, da ist die Hochspannungsleitung. Bei dem Mast da vor mir sollte irgendwo die Norderneysonde vom 23.9. herumliegen. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T1250309
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 23.09.2021 12:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 22795m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.67 m/s
Landegeschwindigkeit: 6.3 m/s
Landestelle: Sottrum LAT, LON:
53.107144,9.240102, Google Maps
Status: Kaltsonde gefunden auf dem Acker, Schirm fehlt
Methode: Tawhiri-Prediction nach wettersonde.net-Daten

Die Wohnhäuser und Gärten sehen wie geleckt aus. Keine Chance, dass da etwas vom Himmel fällt und drei Wochen im Garten rumoxidiert. Auch ist unwahrscheinlich, dass so dicht an den Wohnhäusern niemand neugierig wird und das Gespann einsammelt. In der Leitung hängt nichts.

 


Aber auf dem Feld liegt - gegen alle Wahrscheinlichkeit - der Fallschirm. Nein, beim Näherkommen ist es eindeutig eine Plastiktüte. Erstaunlich viel Kunststoffmüll auf dem Acker. Die Tüte da vorne, die da links, der Joghourtbecher. Das  weiße Ding Richtung Straße ist auch nur Müll. Oder? Ja ähm äh, nö, das ist doch....

 





An der Sonde hängt nur ein kurzes Schnurstück, all die weißen Gegenstände, die in Flugrichtung auf dem Acker liegen, sind Kunststoffmüll. Wahrscheinlich ist die Sonde in der Leitung gelandet, wobei die Schnur durchtrennt wurde und die Sonde runterfiel und der Schirn weiterflog. Egal, wie auch immer, ich bin angenehm überrascht, denn damit ist die Tour schon mal nicht komplett erfolglos. Also Sonde einsacken und weiter zum Maisfeld.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3451330
Frequenz:
403.97 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Krummendeich (WMOID:-)
Flugdatum: 18.9.2021 09:00Z
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
28864m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.51 m/s

Landegeschwindigkeit:
3.2 m/s

Landestelle: Sottrum,
LAT, LON:
53.121057,9.250096 Google Maps
Status:
Reste und Trümmer geborgen am 16.10.2021, 13:00UT

Methode:
Extrapolation aus wettersonde-Daten


Das Feld ist nicht nur abgeerntet, sondern auch in der interessanten Gegend bereits geeggt. Ich habe schon mehrfach Sonden auf geernteten Feldern gefunden, so dass man da nicht gleich aufgeben sollte. Ich trete auf den Acker - aber komme nicht weit. Da am Waldrand liegt etwas. Ein Blick durchs Fernglas: Unverkennbar der Spreizring eines Totex-Schirms. Aus der Nähe ist zu sehen, dass der Schirn zwar beschädigt, aber einigermaßen vollständig ist. Na also, das ist doch schon mal was. Der Schirm liegt nicht an der Landestelle. Entweder hat ihn ein Landwirt da hingepfeffert, oder er wurde von einer Landmaschine bis zur nächsten Wendung mitgezogen.





Jetzt beginnt die Suche. Man muß sich von dem üblichen Beuteschema lösen. Zwar habe ich schon auf geernteten Feldern intakte Sonden gefunden, aber hier muss man froh sein, wenn noch kleine Trümmer an der Oberfläche liegen.  Auch hier befindet sich wahnsinnig viel Kunststoffmüll auf dem Acker. Und Feuersteine mit Kreidehülle. Das Gebiet, in dem nach meiner neueren Analyse die Sonde liegen sollte, ist recht klein. Mehrfach falle ich auf das selbe weiße Folienstück rein, welches exakt auf der neuen Prediction liegt. Ich gehe das Feld ab - nichts, nur Pseudosonden. Ich weite meine Suche etwas aus - vielleicht wurde auch die Sonde mitgeschleppt. Nach ca. 30 Minuten komme ich wieder an der Prediction vorbei, nachdem ich alles abgegrast habe. Da vorne ist wieder das bekannte weiße Folienstück. Jetzt gehe ich hin und nehme es mit, jedes Mal versetzt es mir einen Adrenalinschub. Aber das ist keine Folie,  das ist doch....

 




Ich sammel die paar Trümmer ein, der Rest ist entweder mitgehäxelt worden oder wurde untergepflügt. Man sollte den Acker ausheben und die Erde nach Archäologenart sieben, dann wird man vielleicht noch weitere Fragmente finden können. 




Zuhause lege ich mal den Track von unserer Suche über die Karte mit der Sondenposition. Und wie vermutet, sind wir bei der ersten Suche mindestens 3mal unter der Fallschirmschnur hindurchgelaufen....


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Sonntag, 10. Oktober 2021

Fake News oder "Wissen Sie eigentlich, wo Sie hier sind und was Sie tun?"

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3321140

Frequenz:
403.97 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Krummendeich (WMOID:-)
Flugdatum: 21.9.2021 17:00Z
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
27527m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.73 m/s

Landegeschwindigkeit:
3.7 m/s

Landestelle: Wilsede,
LAT, LON:
53.16636, 9.99338 Google Maps
Status:
Geborgen am 9.10.2021, 14:40UT durch komplexe Stangenbergung aus > 15m Höhe

Methode:
Extrapolation aus Radiosondy-Daten

 

21.9.2021: Erster Anlauf:  Die Sonde fliegt von dem ungewöhnlichen Startort Krummendeich und landet nahe dem Heidedorf Wilsede. Der wunderschöne rote Totex-Schirm hat es mir angetan. Ich schaffe es mit Öffis und Faltrad nur bis Bucholz. Aber da fällt der Heidesprinter wegen technischer Probleme erst einmal aus. Ich bin rückblickend froh, dass dem so war, denn der Weg war komplizierter als gedacht. Ich hätte die Sonde niemals im Dunkeln bergen können. Den letzten Zug heimwärts hätte ich auch nicht mehr bekommen - der Plan war dann eine Übernachtung in der Sternwarte meines Astrovereins in Handeloh. Gut, dass diese Crash-Aktion nicht zustandekam.

22.9.2021: Zweiter Anlauf: Die Aktion der Nahverkehrsanbieter erlaubt eine Gratis-Anreise nach Wintermoor. Das Faltrad bringt mich nach Nieder-Haverbeck und von dort aus nach Wilsede. Dieses romantische Heidedorf hat den Flair von 1850 eingefroren. Die Straße ist eine für mein Faltrad brutale Kopfsteinpflasterpiste. Rechterhand brutale ausgefahrene Spuren der Touri-Pferdekutschen, links namibiaartiger Schotter, Stichwort "die Pad". Kurz vor Wilsede ein nettes Stück Asphalt, aber die Strecke zur Landestelle ist wieder schlimm. Mehr schieben als Fahren, und das über Kilometer. Aber die Landschaft ist die Wucht.




Die mäßig genaue Prediction liegt in einem Kiefernwald. Ich habe große Schwierigkeiten, die Sonde zu finden. Zudem steht die Sonne wegen der länger als geplanten Anreise schon sehr tief, so dass die Bäume schlecht beleuchtet sind. Nach ca. 1 Stunde Suche sehe ich aus der Ferne die Schnur im Fernglas glänzen. Aber schon nach Minuten verliere ich die Sichtung, weil die Sonne untergeht. Ich gehe in die ungefähre Richtung - nichts ist erkennbar. Erst bei einem längerern Scan der Bäume aus einiger Distanz mit dem Fernglas habe ich irgendwann mehr zufällig die Sonde im Gesichtsfeld.

 


 

 

Die Schnur geht über die Kiefer herüber, auf der anderen Seite kann ich weder den begehrten roten Totex-Schirm noch die Fortsetzung erkennen. Einen kurzen Versuch mit der 10m Stange mache ich gegen bessere Einsicht - die Stange ist viel zu kurz. Hier müsste man mit der 15m Stange wiederkommen. 

Immerhin  versöhnt die der Naturgenuss in der abendlichen Heide auf der Rückfahrt nach Wilsede mit der ernüchternden Erfahrung.



Wie komme ich zurück? Die Straße nach Niederhaverbeck ist echt heftig. Geht es vielleicht über Undeloh besser? Man könnte die Bahnstation in Handeloh erreichen. Man kann ja mal testhalber ein paar Meter in Wilsede auf diese Route abbiegen. 

Ich biege also im Dorf rechts ab, aber 30m zu früh. Ich bemerke meinen Irrtum. Hofeinfahrt, Feldweg. Muss zurück aber bergauf schieben, weil der Weg die erwähnte Beschaffenheit hat. Oben kommen mir ein paar Leute entgegen. Die strahlen mir sofort mit ihrer ultrahellen LED-Taschenlampe direkt ins Gesicht und fragen mich, ob sie mir helfen können. Ich bitte Sie, die Lampe  woanders hin zu richten, worauf die Gegenfrage "Wieso?" erschallt. "Das blendet". Dieser Hinweis hat erst nach quälenden 30 Sekunden einen Effekt. "Sie können mir vielleicht aber wirklich helfen. Können Sie mir sagen, wie der Weg nach Undeloh ist?" "Hä?" "Naja, ist das auch Kopfsteinpflaster oder asphaltiert?". "Kopfsteinpflaster, die ganze Strecke". "Können wir Ihnen nicht doch helfen, Sie brauchen doch Hilfe!" "Haben mir schon geholfen, die Auskunft war schon eine gute Hilfe". "Wissen Sie eigentlich, wo Sie hier sind und was Sie hier tun?" "Ja, ich bin in Wilsede und fahre gleich über Neu-Haverbeck nach Wintermoor". "Wissen Sie überhaupt, wie Sie da hinkommen?" "Ja." "Woher denn?" "Na, ich habe eine digitale Karte, mit der bin ich ja auch hergekommen". Allmählich merke ich woher der Wind weht: Wer im Dunkeln ein Fahrrad durch ein Heidedorf schiebt, ist eindeutig eine hilflose Person. Ich versichere, dass ich exakt weiß, was ich mache. "Wirklich? Wir haben gerade überhaupt nicht den Eindruck". Mir wird es langsam zu blöd und ich verabschiede mich.

Die ersten 2 Kilometer sind Asphalt. Irgendwann bemerke ich, dass mir in einigem Abstand ein Auto folgt. Sehr langsam, immer den Abstand wahrend. Das kann nur ein Dorfbewohner sein, denn Wilsede ist für fremde Autofahrer gesperrt. Nach 2km, am Ende der Asphaltstrecke, macht es einen U-Turn und fährt nach Wilsede zurück. Bergab geht es besser auf der Schotterpassage als auf dem Hinweg, und ich erreiche problemlos Wintermoor.

 25.9.2021: Real News? Fake News?: In unserer Whatsappgruppe werde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mir den Tripp mit der 15m-Stange nach Wilsede auch schenken kann....Tatsächlich, die folgende Eintragung in  Radiosondy ist eindeutig:




Ein paar Tage später gucke ich mir das noch mal genauer an und bekomme einige Zweifel. Von dem Kollegen habe ich noch nichts gehört, was nichts besagen muss. Ich guck mal in Radiosondy nach: Das ist seine zweite Sonde, beide weit von seinem Wohnort gefunden. Hmmm. Also ich habe schon ein paar Sonden mehr auf der Uhr und fand es extrem schwer, diese Sonde überhaupt zu sichten. Ohne Spezialequipment kommt man bei einem Bergungsversuch in diesem Fall gar nicht weiter. Ich besaß sowas bei meiner zweiten Sondenbergung nicht, und selbst mit einer langen Teleskopstange wird das gewiss nicht einfach gewesen sein. Beeindruckend gut sind diese Null-Einsteiger heutzutage, Respekt. Aber dann: "Lüneburger Heide, Wald"??? Also Wilsede liegt in der Lüneburger Heide, das stimmt. So nennt man gemeinhin die Gegend zwischen Hamburg und Hannover. Dass da ein Wald ist, sagt einem Google Maps. Wenn ich eine Sonde nach einer extrem schwierigen technischen Bergung erbeute, schreibe ich doch ein paar konkretere Stichworte zu den Fundumständen dazu. So eine Aktion an der Grenze der Reichweite der längsten Teleskopstangen ist nicht ganz einfach, und wenn einem sowas zum ersten Mal gelingt, ist man stolz wie Bolle, oder? Ist das jetzt norddeutsches Understatement oder Maulfaulheit? Für die Story spricht, dass die Koordinaten auf ca. 16m mit meinen übereinstimmen. Vielleicht kennt er aber meine Homepage? Irgendwann verdichtet sich da ein Verdacht, dem man eigentlich gar nicht näher nachgehen möchte. Hinfahren, nachgucken? Hmm, weiß nicht, ich mag das Misstrauen nicht an mich ranlassen. Und dem Misstrauen würde ich ja nachgeben, wenn ich fahre.

9.10.2021 Dritter Anlauf: In unserer Außensternwarte in Handeloh findet der Sternwarten-Workshop statt. Ich werde mit dem Auto hinfahren, und was spricht gegen einen kleinen Umweg über Wilsede? Wenn die Sonde weg ist - ich kenne da noch 2-3 Kaltsonden. Ich parke das Auto in Döhle. Der Weg nach Wilsede ist für Privat-PKW gesperrt. Also die 15m-Stange geschultert und losgewandert. Nach 2,5 km bin ich vor Ort. Erste Überraschung: Im Wipfel einer Kiefer sehe ich schon auf dem Hinweg den wunderschönen roten Totexschirm in der Sonne glänzen.Wie konnte ich den letztes Mal übersehen? Was für einen Unterschied eine vernünftige Beleuchtung macht!

 


 


Leider unerreichbar hoch. 

Ich muss etwas herumsuchen, um den richtigen Baum zu finden, aber an dem hängt  definitiv eine RS41......

DEWIS9, wissen Sie eigentlich, wo Sie sind, was Sie tun und was "geborgen" bedeutet?

Die Bergung erweist sich als extrem kompliziert. Ich brauche mehr als eine Stunde. Die Sonde hängt ziemlich genau 15m hoch. Immer wieder verfängt sich die Stange im Gestrüpp. Sie ist auch etwas zu kurz. Zwar kann ich die Sonde antippen, aber nicht die Schnur darüber ergreifen. Stemmt man die Stange hoch, habe ich zu wenig Kontrolle über die schwankende Mastspitze. Ich verlängere sie einem Totastzweig mit etwas Tape und stelle einen Holzstumpf darunter. Das bringt 25cm. Erst im ca. 10. Versuch kann ich die Sondenschnur einhaken. Die Hoffnung, dass man mit dem Schnurzug auch den wunderschönen Totexschirm aus dem Baumwipfel ziehen kann, erfüllt sich leider nicht. Aber die Sonde kommt runter. Hier das Beweisfoto:

 

  

Das ist der zweite Fall von Sondenbergungsfake in diesem Jahr in unserer Region. Beide Fälle betreffen übrigens schwierige Baumlander. Auf beide sind wir nicht reingefallen. Traurig! Leute, was soll das? Es fallen massenhaft Sonden vom Himmel, ehrliche Sondenjagd ist machbar, Herr Nachbar. 

Beim Zusammenpacken habe ich Schwierigkeiten, das oberste Segment der Teleskopstange wieder einzuschieben. Obwohl ich die Schnur-Haken-Technik verwendet habe, war der Zug wohl etwas zu stark. Da ich mein Fahrradwerkzeug wegen Auto-Anreise nicht dabei habe, kann ich mir nicht helfen. Also stolziere ich mit dem extrem langen Teil durch die Heide. Immerhin passt das Konstrukt noch in meinen Polo, so dass die Heckklappe gerade noch zugeht. 

Weiter geht es nach Handeloh zu unserem Workshop. Der erste seit langer Zeit. In der Sternwarte habe ich Zugriff auf Werkzeug und kann das Problem mit der Stange rasch  beheben. 

 
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Donnerstag, 7. Oktober 2021

Eine ungewöhnliche Bergen-Sonde

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
S3141090
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 06.10.2021 09:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 18468m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.03 m/s 
Landegeschwindigkeit: 5.5 m/s
Landestelle: Rausdorf
, LAT, LON:
53.58528,10.33688 Google Maps
Status: geborgen 06.10.2021, 
15:00 UT
Methode: Tawhiri-Prediction aus Radiosondy-Daten

Seit ein paar Tagen startet Bergen zwischen den regulären Flügen immer mal wieder eine Zusatzsonde. Sie kommt nur auf 18km Höhe; manchmal mit verkürztem Killtimer. Am 6.10. flog die Zusatzsonde um 9:00 UT und landete direkt am Ortsrand von Rausdorf direkt an der Hauptstraße nach Witzhave. Den Tag über ist Jürgen, der nicht weit weg wohnt,  stark mit den ebenfalls außerhalb der Reihe fliegenden DFM09-Sonden aus Celle befasst. Ich bin am Abend nach der Arbeit in Schmalenbeck. Da noch niemand die Sonde als geborgen gemeldet hat, schnapp ich mir das Auto und fahr mal schnell hin. Direkt am Ortsausgang befindet sich ein netter Waldparkplatz. Von da aus sind es ca. 200m. Die Stange werde ich nicht brauchen und lass sie im Auto. Das Ding liegt entweder auf der Straße oder direkt am Rand auf der Wiese, und die Schnur könnte die Straße kreuzen. Ich rechne eher damit, dass ich die Sonde in Form von Verkehrstod-Trümmern vorfinde. 

Aus der Distanz sehe ich, dass die Koppel links von der Straße ein frisch bestelltes Getreidefeld ist. Rechterhand befindet sich eine Wiese. Auf beiden ist aus der Distanz nichts zu sehen.  Dafür gibt es am Straßenrand Bäume, die ich auf Google Maps nicht gesehen hatte. 

An der Prediction angekommen, lasse ich meine Blicke schweifen. Da sehe ich die Sonde über mir in 8m Höhe im Wind rotieren. Die Prediction stimmt auf weniger als 10 Meter.


 

 Schon ärgere ich mich, dass ich die Stange im Auto gelassen habe. Auf dem Feld befindet sich kein Fallschirm; wahrscheinlich hängt der in dem kleinen Wäldchen in Flugrichtung. Ein Fernglas habe ich auch nicht dabei. 

Mit der rasch geholten Stange ist die Bergung dann eine einfache Sache.



An der Schnur gibt es kaum Widerstand, wenn man daran zieht. Besser aber gucke ich mal im Wald nach. Da die Sonne scheint, kann ich die Schnur hoch am Himmel glänzen  sehen. Sie verläuft direkt in Richtung auf den Wald. Ich betrete den Wald und kann oben etwas Metallisches glänzen sehen. Wahrscheinlich ist das aber nicht mein Objekt, sondern einer dieser metallisierten Spielzeugballons. Da muss man wohl einen Schnurzug von der Straße aus riskieren. Es raschelt und klötert in den Bäumen. Ich kriege den kleinen roten Schirm ohne nennenswerte Gewaltanwendung problemlos frei, und er segelt herunter. Die letzten Meter braucht es noch einmal etwas Hilfe von der Stange.







Der kleine rote Ballonhals sieht aus wie von einer der kleinen Manöversonden, nur dass diesmal eine RS41 verwendet wurde. Wollen die die Eignung einer RS41 als Manöversonde testen?

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Dienstag, 5. Oktober 2021

Ein Polizeieinsatz

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
T1120326
Frequenz:
405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Essen (WMOID:10410)
Flugdatum: 04.10.2021 0:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 34829m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.11 m/s 
Landegeschwindigkeit: 4.1 m/s
Landestelle: Bockhorst
, LAT, LON:
53.35332,9.568159 Google Maps
Status: geborgen 02.10.2021, 
10:10 UT
Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

Essener Sonden sind selten im Hamburger Umland. Ich habe selber erst eine einzige erbeutet. Am 4.10.2021 landete die Essener Mitternachtssonde südlich von Apensen. Wolfgang war schnell vor Ort, kapitulierte aber vor dem Maisfeld.

Am Nachmittag komme ich etwas früher als erwartet von der Arbeit weg, und das Wetter ist sonnig. Einem Tripp nach Bockhorst kam infrage, die Treckerspuren auf Google-Maps sehen problemarm aus. Und ganz in der Nähe gibt es einen Baumlander, der dringend kontrolliert werden muss. Gleichzeitig schwebt die 12Z-Sonde bei Lauenbrück ein. Auf Whatsapp kann man lesen, dass Berthold sich der 12Z-Sonde annimmt. Also breche ich nach Apensen auf. Am Bahnhof wird das Faltrad aktiviert, und los geht es. Nach 11km erreiche ich die Stelle, die nur 120m von der Straße entfernt liegt. Das Maisfeld sieht tatsächlich abschreckend aus, aber ich weiß, dass wenige Meter darin die Treckerspuren in einer bequemen Richtung verlaufen. Diese Google-Maps-Satellitenansichts-Weisheit ist zutreffend.

Wolfgang hatte am Morgen keine TTGO-Koordinaten abgespeichert, vermeldete aber, dass die Prediction grob stimmen sollte. Das war auch zu erwarten. Ich nehme mir eine Spur, die zwischen Prediction und Fallschirm die Schnur kreuzen sollte. Die Spur ist ungewöhnlich breit, und nach oben hat man freie Sicht auf den blauen Himmel. Da müsste die Schnur unbedingt auffallen. 

 


 

Ich laufe so weit, dass ich die Schnur garantiert gekreuzt haben dürfte - nichts. Also drehe ich bei - und sehe auf der erwarteten Höhe sofort die gleißend reflektierende Schnur glänzen. 


Tatsächlich muss man aus dem korrekten Glanzwinkel gucken, um die Schnur überhaupt zu erkennnen. Aus der Gegenrichtung hebt sie sich selbst in 3m Distanz praktisch nicht vom Himmel ab. 

Jetzt ist alles einfach. Ich quäle mich ein paar Meter Richtung Sonde, und da liegt sie am Boden. 


Da der Fallschirm offensichtlich lose auf den Pflanzen aufliegt, kann ich ihn per Schnurzug zu mir befördern. Nach der Bergung geht es Richtung Feldrand. Die letzten Meter würde ich durch die quer verlaufenden Treckerspuren am Feldrand bewegen, so sollte man schonend und bequem das Feld verlassen können. 

Dieser Plan für die letzten Meter wird über den Haufen geworfen, als ich laute Stimmen vom Feldrand her höre. Bestimmt Sondenjäger. Ich mache mich bemerkbar und rufe ihnen zu, dass ich die Sonde habe und wie ich das Feld zu verlassen gedenke. Die Antwort schockt mich ein wenig.

"Hier ist die Polizei. Sie kommen auf direktem Weg raus, sonst kommen wir rein!"
"Ja, OK, mach ich".

Also quäle ich mich durch die Maispflanzenreihen und stehe sofort vor 2 Polizisten und 2 nicht uniformierten Menschen. Dem einen gehört der Acker.

Die Gesichter enstpannen sich sofort, als ich ihnen den Grund des Hierseins schildere und die Beute erläutere. Der Besitzer hatte mich beobachtet, wie ich mein Rad an einem Verkehrschild anschloss und im Mais verschwand. Besonderen Verdacht errweckte die Posterrolle, die ich mitgenommen hatte. In der bewahre ich meine 10m-GFK-Stange auf. Er hatte da einen ganz anderen Verdacht. 

Es scheint da draußen militante Öko-Fanatiker zu geben, die etwas gegen den flächendeckenden Maisanbau haben und Hindernisse im Mais installieren, mit dem Ziel, dass diese die sauteuren Maisernter zerstören. Mir fällt ein, dass mir diese Story schon einmal - ganz in der Nähe - ein Bauer erzählt hatte. Der hatte mir auch erzählt, dass sie zur Abwehr die Ernter mit Metalldetektoren versehen, und möglicherweise meine Sondenbergung einen Fehlalarm vermeiden könnte. Da draußen scheint Krieg zu sein, und da liegen die Nerven blank. Ich zeige dem Polizisten noch den Inhalt der Posterrolle, demonstriere den Mast. Überall lachende Gesichter und eine gewisse Erleichterung, dass nichts Schlimmes vorliegt.  Also kann ich meines Weges ziehen.

Eine Meppener Sonde im Wald checke ich auf dem Rückweg - erfolglos. Ich kann sie weder in den dichten Lärchennadeln sehen, noch liegt sie auf dem Boden.

Allmählich muss ich auch sehen, dass ich zurück nach Apensen komme, bevor es ganz dunkel wird.

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Sonntag, 3. Oktober 2021

Sonden wildern im Revier des Göhrde-Mörders

1989 wurden im Staatsforst Göhrde zwei Doppelmorde begangen. Zwei Paare waren zur falschen Zeit am falschen Ort, wurden vom Täter überfallen, extrem brutal umgebracht und notdürftig am Tatort versteckt. Der Täter war danach seelenruhig wochenlang mit den PKWs der Opfer herumgefahren. Auch ereignete sich der zweite Mord genau in dem Augenblick, als die Polizei gerade den wenige Meter entfernten ersten Tatort untersuchte. Diese Brutalität und Dreistigkeit sorgte für viel Medienaufmerksamkeit und führte dazu, dass der einst beliebte Ausflugswald von den Besuchern jahrelang gemieden wurde. Nicht nur XY machte die Morde zum Thema, das Vorkommnis wurde Vorlage für TV-Krimis. Da die Polizei jahrzehntelang im Dunkeln tappte und die Ermittlungen wohl auch auf Sparflamme führte, wurde das Ereignis in den Medien zu runden Jahrestagen immer wieder aufgegriffen und blieb daher im öffentlichen Bewusstsein in ganz Norddeutschland.  Erst 2017 brachte eine Rentner-Truppe aus pensionierten Hamburger Strafverfolgungs-Spezialisten Bewegung in die Sache. Die ermittelten im Fall der Schwester des ehemaligen Hamburger Kripochefs; sie war ebenfalls im Sommer 1989 spurlos verschwunden. Ihre Überreste wurden am Ende eingemauert im Fundament der Garage eines Verdächtigen gefunden. In der Folge wurden über DNA-Beweise auch die Göhrde-Morde diesem Täter zweifelsfrei zugeordnet.

Das ganze Drama hätte ich komplett verdrängt, wenn nicht am 29.9. eine Bergener Radiosonde ganz unweit der damaligen Tatorte gelandet wäre und ich beim Betrachten der Karte die damaligen Ortsnamen sah.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
S3140471
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 29.09.2021 12:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 34432m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.19 m/s 
Landegeschwindigkeit: 11.1 m/s
Landestelle: Göhrde-Wald
, LAT, LON:
53.148549,10.7895648 Google Maps
Status: geborgen 02.10.2021, 
10:10 UT
Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

Die 18-Uhr Sonde des selben Tages landete ebenfalls in der Göhrde.  Das Wendland ist immer gut für fahrradbasierte Kaltsondenjagden, und ich war bei der Gelegenheit auch schon mal in der Göhrde gewesen, aber noch nie in dieser Ecke des Waldes. Schnell wurde eine Route zusammengestellt, die auch noch die Mitternachtssonde vom 29/30.9. und eine weitere ältere Kaltsonde einschloss. Auch könnte man bei der Gelegenheit den Baumlander S2330369 im Wald bei Kettelsdorf kontrollieren, der liegt auf dem Weg.

Der Hinweg zu einer Wendland-Radtour funktioniert am besten mit der Wendlandbahn. Diese eingleisige Bahnlinie am Rande der Erdscheibe fährt allerdings nur alle 3 Stunden. Ich verlasse sie am Bahnhof Göhrde. Von da aus geht es auf Straßen, Feld- und Waldwegen in den riesigen Wald der Göhrde. Da der Göhrde-Mörder nicht mehr lebt, ist das Betreten seines ehemaligen Reviers ohne Gruselgefühle möglich. Ein Freund, der in der Gegend wohnt, hat mir aber erzählt, dass es trotzdem sehr einsam in diesem Wald geblieben ist. Die Leute haben jetzt Angst vor dem Wolf. Das wahre Problem sind aber weder Wölfe noch Mörder, sondern das Passieren solcher Wege mit 16-Zoll-Rädern:


 


Selbst Schieben wird da schwierig. Ich hatte eine Tawhiri-Prediction gerechnet, allerdings erwies die sich als unplausibel. Also basiere ich die heutige Sondenjagd auf Extrapolationen. Danach soll die Sonde an einer Wegegabelung unweit des Weges liegen. Mit Glück nicht in den Bäumen. Als ich mich bis zu der Stelle vorangekämpft habe, sehe ich direkt am Weg plötzlich die Schnur im Bodenbewuchs verschwinden. Die Schnur liegt fast auf einem Haufen. Am einen Ende der völlig im großen Ballonrest verborgene Schirm...



... und am anderen die Sonde, wie sich das gehört









Das war easy. Weiter geht es, mehr Schieben und Fahrrad tragen als fahren...


Schon stehe ich am Forsthaus Röthen, das damals in den Berichten eine Rolle spielte. Hier standen 1989 verängstigte Beerensammler vor der Tür des Försters, die im Wald gruselige Funde gemacht hatten.



 


Von hier geht erstmal die Asphaltstraße nach Süden. Allerdings nur für einen Kilometer. Dann biege ich links ab in den Wald. Der Forstweg ist diesmal vernünftig befahrbar. Er  bringt mich bis ca. 130m an die Vorhersageposition heran.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
S3140967
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 29.09.2021 18:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 35240m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.78 m/s 
Landegeschwindigkeit: 13.2 m/s
Landestelle: Göhrde-Wald
, LAT, LON:
53.123933,10.81635 Google Maps
Status: geborgen 02.10.2021, 
11:09 UT
Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten





Durch ein Gewirr von umgestürzten Baumstümpfen geht es zur Landestelle in einem Buchenwald. Ich sehe sofort 20 Meter linkerhand die Sonde am Boden liegen, vergesse aber ein Foto zu machen. In Flugrichtungen liegen ein paar Latexstreifen auf dem Waldboden. Ich brauche eine ganze Weile, den Ballonrest sehr hoch im Baum zu erfassen.








Zurück geht es zur Straße und von dort quer durch die Göhrde über Himbergen nach Kettelsdorf. Von dort muss ich wieder in den Wald. Dort hatte ich im Mai bei einer ähnlichen Radtour einen Baumlander aus Norderney in 20m Höhe lokalisiert. Ist der vielleicht schon heruntergefallen? Ich finde den Baum und meine damaligen Markierungen. Drunter liegt keine Sonde, oben hängt keine Sonde. Was? Vielleicht ist sie in den Nachbarbaum gependelt? Tatsächlich, da ist sie. Genauso hoch wie damals. Die neue Position wird abgespeichert. Viel kann man da erst einmal nicht machen. 

Auf nach Groß Thondorf. Hier muss noch rasch die dritte Sonde des Bergen-Hattricks, S3140169,  eingesammelt werden. Wäre doch gelacht...Immerhin kein Wald.  Und es ist auch kein Mais, sondern ein sehr frisch geeggter Acker. Da liegt nichts. Es ist sehr gut möglich, dass das Feld erst nach der Sondenlandung bearbeitet wurde. Vielleicht ist die Sonde aber auch weiter geflogen, in das Maisfeld linkerhand. Ein praktischer Fahrweg führt parallel zur Straße mitten durch den Mais. Diesen müsste die Sondenschnur im Zweifel kreuzen. Nichts. Eine am 10m Mast hochgelassene Actioncam sieht auch nichts. Im Wald ist auch nichts. Dieses Kapitel kann man wohl schließen, Sonde weg. 

In den Dörfern im Wendland ist mancherorts die Zeit stehen geblieben. Hier eine Erinnerung an das 3-Kaiser-Jahr 1888:



Wie komme ich nach Hause? Da die Wendlandbahn nur alle 3 Stunden fährt, geht es wie immer besser zum Bahnhof Bevensen. Da ist auf dem Weg noch direkt an der Straße eine Markierung auf meiner Locus-Karte zu sehen: S3130181, die Bergener Abendsonde vom 6.8.2021.. Da braucht man nichts zu probieren: Das Feld ist neu bestellt. Zuhause sehe ich dann, dass der von einem Sondenjäger alarmierte Landwirt die Sonde geborgen hat.

Der Weg nach Bevensen ist super. Es geht meist bergab. Ein Vorteil des herbstlichen Wendlandes ist, dass die Straßenbäume oft Apfelbäume sind. Da ich auf solchen Touren wenig Proviant mitnehme, ist die Vitaminzufuhr sehr willkommen.  Nach insgesamt 45km erreiche ich den Zug und muss am Bahnhof kaum warten.


Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier