Mittwoch, 22. Mai 2019

Meine letzte RS92?

Sondentyp: RS92-SGPL
SN: M4443159
Frequenz: 403.0 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 22.05.2019 12Z
Track  Bremen und eigene Daten
Landestelle LAT LON: 53.722058, 9.673612  Google maps
Funddatum 22.05.2019, 14:48 Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction auf Basis der letzten eigenen Position


Es gibt praktisch keine RS92 mehr in Deutschland. Mein letzter Fund dieses einst häufigsten Sondentyps datiert vom 12.4.2018. Ganz selten startet Pinneberg solche Sonden, manchmal auch älteren Baujahrs. Die letzte Startserie begann mit G2943251 am 9.5.2019. Sie fiel in einen See bei Preetz. Am 12.5. folgte M4553987, die bei Geesthacht landete und von Bernd (DL1XH) geborgen wurde.

 Heute startete Pinneberg eine weitere RS92. Ich kriegte das auf der Arbeit über die Whatsappgruppe mit. Als ich Zeit hatte, mich darum zu kümmern, war die fallschirmlose Sonde im Absturz auf Klein Nordende bei Uetersen. Ich konnte noch rasch eine Antenne aus dem Fenster meiner Kollegin halten. Vorher ungewohnt GPS-Bahnelementdateien laden. Die Schritte gehen nicht alle so automatisiert ab wie vor drei Jahren, als die RS92 die Standard-Radiosonde fast aller Startstationen war.

Über Whatsapp versprühte ich eine Prediction und rechnete eigentlich damit, dass jemand anders das inzwischen seltene Schätzchen schnappt. Aber einer nach dem anderen antwortete "keine Zeit". Also ging es gegen 16:00 nach Klein Nordende - wo ich gestern ja bereits für die Saseler RS41 aus dem Bus gepurzelt bin. Die Idee, an der gleichen Busstation auszusteigen, habe ich rasch verworfen. Stattdessen ging es zum per Zug zum Regionalbahnhof Tornesch und von dort aus mit dem inzwischen oberflächlich gereinigten Faltrad weiter zur Landestelle. Da eine SGPL nur 6-8 Stunden sendet, war Eile geboten. Im Zug noch mal schnell frische Rinex-Daten für den Zilog-Decoder  heruntergeladen. Ich hatte damals die Erfahrung gemacht, dass man das GPS-Signal dieser Sonden durchaus dekodieren kann.

Im Gegensatz zu heute war es schönes Wetter. Es war eine einfache Sache. Das mitgebrachte Empfangsequipment musste nicht ausgepackt werden, denn man sah die Sonde direkt vom Feldweg aus. Das Feld war trocken, man konnte die Sonde unweit der Prediction einfach einsammeln. Genau wie bei bei Bernds M4553987 war der Ballonrest rot. Wie üblich bei Pinneberg: Kabelbinder, keine Beschriftung, kein Fallschirm.





Ansonsten ist die heiße Phase des Europawahlkampfs.Nur eine Partei versuchte es mit reinen Sachargumenten:

Ob die ein Herz für Sondenjäger haben?

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Dienstag, 21. Mai 2019

Regen und Matsch

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  P3321211
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID 10141)
Flugdatum: 21.05.2019 12:00Z
Track  wetterson.de & radiosondy.info  & DWD (korrigiert)
Landestelle Groß-Sterneberg,  LAT LON: 53.68453,9.58183 Google Maps
Status: Lokalisiert durch Sonden-GPS vor Ort

Diese Sonde landete am regnerischen 21.5.2019 zwischen Neuendeich und Seestermühle auf freiem Feld. Ich konnte erst nach 18:00 in Hamburg losfahren. Die Anreise erfolgte per Regionalzug nach Elmshorn, dann per Bus zu der schon aus anderen Sondenjagden bekannten Busstation "Klein-Nordende, Am Brahm". Ab dort ging es per Rad. Laut Regenradar-Prognose von SAT24 sollte es kurz zu regnen aufhören. Leider materialisierte sich diese Vorhersage nicht; nur in der eigentlichen Bergephase hörte es kurz zu regnen auf. Ich hatte aber Regenjacke, Regenhose und Wanderstiefel an, so dass ich mich allen Lagen gewachsen fühlte. 

Die Sonde war bei Rasomon verfügbar, wurde aber auf deren Karte  nicht dargestellt. Man konnte aber die KML Daten herunterladen. Aufgrund des GPS-Bugs musste ich aber die Daten quick and dirty in Google-Maps korrigieren und konnte dadurch die Tawhiri-Prediction auf Basis der polnischen Daten ein wenig verbessern. 

Auf den letzten Metern vor der Sonde fuhr ich ein kurzes Stück über einen völlig verschlammten Feldweg, wonach das Faltrad völlig verdreckt war. Antrieb und Kette sind eben aufgrund der kleinen Räder dicht über dem Boden. Das Rad wurde an einem Zaunpfahl angeschlossen. Die Sonde sollte 450m entfernt auf einer Wiese oder dem dahinter liegenden Acker liegen. Der Feldstecher zeigte aus der Distanz nichts Verdächtiges. Also stakste ich am Rand der triefend nassen Wiese Richtung Prediction. Dort war nichts zu sehen. War da jemand schneller gewesen? Aber 100m weiter sah man ein kleines weißes Objekt auf dem Maisfeld liegen. Das war laut Feldstecher KEINE Sonde, aber womöglich - sicher konnte man das nicht sagen - Fallschirm und kleiner Ballonrest. Aufgrund der sehr hohen Einschlaggeschwindigkeit rechnete ich damit, dass sich das Fallschirmpaket nicht entfaltet haben könnte. Also würde das passen. Wenn das stimmt, sollte die Sonde dichter an meiner Position liegen, aber man sah in der Vegetation weder Schnur noch Sonde. Zwischen mir und dem Objekt war zudem ein breiter Wassergraben. Also musste ich schnell mal feststellen, ob die Sonde noch sendete und ob ich Koordinaten entschlüsselt bekäme. 

Leider hatte ich in der Hektik des Aufbruchs die Moxon nicht in den Rucksack gesteckt. Aber aus wenigen Metern Distanz sollte  es auch ohne Antenne gehen. Notebook raus, SDR-Stick eingestöpselt. Ja, da war ein Signal, und wenn ich mich ein wenig in die richtige Richtung drehte, war es gut dekodierbar. Vergleichstest mit dem Sondefinder: Signal nicht erkennbar, keine Dekodierung. Das Ding ist eben VIEL weniger empfindlich als SDR# am PC. Soviel zum Praxistest. Die Position war 50m entfernt und passte zu der Theorie, dass das weiße Objekt der Ballorest war. Und natürlich lag die Sonde  wie bereits befürchtet hinter dem Graben. Also alles wieder in den Rucksack gepackt und weiter.

Wo kam man rüber? Der Graben war zu breit zum Rüberspringen und führte viel Wasser. 100m weiter war der Boden aber trocken, dafür wuchsen Brennesseln an beiden Ufern. Aber - das war ein Übergang.

Sonde und Schnur sah ich, obwohl die Maispflanzen noch recht klein waren,  erst wenige Meter vor dem Ziel. Der Maisacker war klebriger Marschboden und setzte sich in Klumpen an den Sohlen der Wanderschuhe fest. Gummistiefel wären besser gewesen. Bis zu dem weißen Objekt musste ich nicht laufen; Schirm und Ballonrest konnte ich an der Schnur zu mir ziehen.










Auf dem Rückweg setzte auch der Regen wieder heftig ein. An der Bushaltestelle war eine Pfütze, an der ich meine Schuhe oberflächlich reinigen konnte. Zurück ging es mit Bus und S-Bahn über Wedel. Danach kamen Sondenjäger und Faltrad unter die Dusche, und morgen müssen der Antrieb des Rades und die Wanderschuhe noch mal ein wenig nachbehandelt werden. 

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Freitag, 17. Mai 2019

Zu früh geplatzt

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3410493
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID 10141)
Flugdatum: 16.05.2019 12:00Z (Erststart)
Track  wetterson.de & radiosondy.info
Landestelle Groß-Sterneberg,  LAT LON: 53.632791, 09.390167 Google Maps
Status: Lokalisiert durch Tawhiri-Prediction. Stangenbergung aus Birke am 17.5.2019, 16:53UT

Am Donnerstag, den 16.5.2019, startete Hamburg-Sasel zwei RS41. Der Grund war, dass die erste Sonde P3410493 nur etwas mehr als 10000m Höhe erreichte. Die Sonde landete ohne nennenswerte Fallschirmwirkung bei in Groß-Sternenberg nördlich von Hammah.  Der Zweitstart (P3410500) brachte es auf 21000m Höhe und landete etwas außerhalb meines typischen Aktionsradius bei Varrel östlich von Hemmoor.

Am Flugtag konnte ich nicht nach Hammah fahren. Einen Tag später war die Sonde noch nicht als geborgen gemeldet. Ich war nicht ganz sicher, ob ich eine Expedition zur Landestelle antreten sollte. Zu allem Überfluss fuhr mir die S-Bahn vor der Nase weg. Das war es dann wohl für heute, der Regionalzug war weg. Ich wollte es gerade aufgeben, da fuhr die nächste S-Bahn ein, und die fuhr nach Stade. Ich bin spontan eingestiegen. Dann würde ich eben die etwas längere Strecke von Stade aus per Rad zurücklegen.

Der spontane Entschluss wurde belohnt. In Neugraben hatten wir längeren Aufenthalt, laut Lautsprecherdurchsage, weil uns "der Regionalzug nach Cuxhaven überholen muss". Das war der Zug, den ich eigentlich kriegen wollte. Der war offenbar mit beträchtlicher Verspätung in Hamburg losgefahren und war hinter uns. Nach geraumer Zeit fuhr die S-Bahn los, ohne dass uns der Zug überholt hätte. Da uns der Zug nicht mehr überholen konnte, erwischte ich in Stade noch unerwarteterweise die Regionalbahn und konnte direkt nach Hammah fahren.

Auf vertrauten Wegen brachte mich das Rad nach Groß Sternenberg. Die vorhergesagte Landestelle lag laut Google Maps auf einem Feld direkt an der Straße, und gegenüber war ein Bauernhof. Also war ich etwas pessimistisch, denn das Gespann musste dort ja aufgefallen sein. Schon bei der Anfahrt ließ ich meine Blicke über den Acker schweifen. Nichts. Aber da, in der Birke, glänzte ein schneeweißer Fleck, der bei genauerem Hinsehen die typischen RS41-Konturen aufwies. Das war ja easy heute.






Auf dem Gelände des Bauernhofs standen drei Leute herum. Ich habe erst einmal eine kleine Runde gedreht, ob irgendwo andere Teile des Gespanns herumliegen - Fehlanzeige. Dann bin ich schnell auf den Bauernhof gefahren, habe die Leute angesprochen. Die hatten gestern schon den Fallschirm aus einem Baum geholt und sich "über den merkwürdigen Hochzeitsballon" gewundert. Irgendwann gab es  einen Widerstand, und die Schnur riss ab. Sie haben den Kram entsorgt. Die Sonde im Baum auf der anderen Straßenseite hatten sie nicht bemerkt. Wahrscheinlich haben sie sie sogar in den Baum heraufgezogen. Die Schnur konnte man straff gespannt in den Baum auf der anderen Straßenseite verfolgen.

Die Sonde war in bequemer Reichweite meiner 10m-Stange und konnte mit Schnur-Haken-Technik leicht zu Boden gebracht werden.



Mir gelang es mit ein paar Schnurmanövern, die in der Birke verhakte Schnur komplett frei zu bekommen und ganz zu bergen. Der sehr nette und hilfsbereite Landwirt meinte, er könne sie gleich entsorgen und ließ sich die ganze Sache erklären. Er gab mir dann den Tipp, doch nicht auf dem Radweg an der Straße, sondern über einen landschaftlich reizvollen Feldweg nach Hammah zurückzufahren. In Hammah war Schützenfest, und da könne ich doch noch ein Bier trinken.

Der empfohlene Weg war wirklich schön und führte am Hammaher See (einer gefluteten Kiesgrube, die inzwischen ein Naturschutzgebiet ist) vorbei. Für das  Bier in Hammah war keine Zeit, weil ich doch noch rechtzeitig nach Hause kommen wollte und daher den Zug nach Hamburg unbedingt bekommen wollte.

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Dienstag, 7. Mai 2019

Signale aus dem Wohnhaus

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R1230652
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 07.05.2019 12:00Z
Track wetterson.de & radiosondy.info& eigene Daten
Landestelle Weddelbrook bei Bad Bramstedt.LAT LON: 53.90438 9.83431 Google Maps
Status: Lokalisiert durch Sonden-GPS. am 7.5.2019, 17:10Z. Sonde sendete IN einem Wohnhaus.

Die Mittagssonde aus Norderney schwebte wesentlich weiter, als es von Habhub vorhergesagt wurde. Sie hatte eben einen sehr guten Fallschirm. Die Landestelle war im Dorf Weddelbrook bei Bad Bramstedt. Das Nachbardorf heißt Hitzhusen. Hier landeten 2018/19 inerhalb eines halben Jahres drei Sonden in einem Umkreis von 600m: Eine in einem Teich, die andere 14 Tage später an der gleichen Stelle, nur auf der anderen Straßenseite, die dritte auf einem nahen Acker am Dorfrand. Das ist also ein  Sondenmagnet erster Güte. In der Gegend bin ich Stammgast.

Die heutige Sonde konnte ich im Landeanflug bis in 274m Höhe vom Balkon aus tracken. Die Prediction lag in Weddelbrook in der Straße, die nach --- Hitzhusen führte. Wo auch sonst?

Ich hatte erst gar keine rechte Meinung, bin aber dann doch mit dem Faltrad in die AKN gestiegen. In der AKN nach Bad Bramstedt hatte ich etwas Zeit, den Track der Sonde in der Landephase genauer zu untersuchen, und rechnete mit einer Landestelle im Wohnbebiet etwas südlich der Prediction.

Ich stieg an der Kurklinik Bad Bramstedt aus. Durch ein Wäldchen und eine Straße ging es die 5km nach Weddelbrook. Das Gelände der Prediction war anders als befürchtet frei zugänglich. Man konnte dort gut seine Gerätschaften ausbreiten und einen Empfangsversuch wagen. Erst einmal mit dem Notebook, SDRsharp und Zilog. Ein Segen,  sie sendete noch und produzierte gute Koordinaten. Allerdings hätte ich aus der Distanz ein etwas stärkeres Signal erwartet, und die angezeigte Länge driftete etwas schneller, als ich das gewohnt war. Egal, die Position war  gesichert, und die war laut Open Streetmap deckungsgleich mit einem Haus in dem Wohngebiet.

Ein Notebook ins Gelände zu schleppen ist so eine Sache. Daher experimentiere ich seit einiger Zeit mit einem Raspberry Pie und dem Programm Sonde Finder.  Leider waren erste Versuche nicht ganz so prickelnd. Generell war das Ding ziemlich unempfindlich, die fest eingestellte Bandbreite war gefühlt zu schmal, und temperaturbedingt driftete das Signal ständig aus dem optimalen Frequenzbereich. Nach ein paar Trockentests mit Sonden am Himmel scheint es so zu sein, dass der Programmautor das Ganze sehr stark auf den NooElec NESDR Smart optimiert hat. Damit scheint es erheblich besser zu gehen als mit dem älteren Modell im Plastikgehäuse. Das musste mal unter Realbedingungen überprüft werden. Obwohl der Drang, alles einzupacken und gleich zur Landestelle aufzubrechen, stark war, habe ich diesmal dem Raspby eine Chance gegeben. Auch mit dem neuen Dongle erschien das Signal auf dem Display ziemlichn schwach, was sich aber durch besseres Ausrichten der Moxon-Antenne beheben ließ. Anders als bei meinem vorschnellen Test sprudelten diesmal die Koordinaten.

Ich werde bis auf weiteres solche Parallelversuche unternehmen, bis ich genügend Vertrauen in den Raspby und Sonde Finder habe, um das Notebook zuhause zu lassen.

Nun aber wirklich rasch alles zusammengerafft. Auf zur Sondenposition! Aus dem besagten Haus kam ein Mann gerade herausgelaufen und eilte auf seinen Wagen zu. Das traf sich gut, den konnte man ja gleich fragen. "Guten Tag, ist Ihnen bewusst, dass in Ihrem Garten ein Wetterballon gelandet ist?" "Ja, das weiß ich, und Sie sind sicher vom DWD.". Aha, der hatte eindeutig den gelben Zettel gelesen. "Nein, ich jage den Sonden hinterher, und ich mach das rein hobbymäßig. Wissen Sie, die Sonde sendet noch und hat einen GPS an Bord, und daher weiß ich ihre Koordinaten". "Och, ich habs irgendwie nicht hingekriegt, sie abzuschalten. Und dabei hätte ich die Sonde so gerne morgen meinen Enkeln gezeigt." "Na klar, ich will sie auch gar nicht haben, sondern nur mal angucken und vielleicht fotografieren". Er ging rein und kam (surprise surprise) mit einer RS41 mit der Seriennummer R1230652 heraus.




Ich musste ihm natürlich alles zu der Sonde erzählen, denn er wollte ja seinen Enkeln ja Rede und Antwort stehen können. Dass der Ballon die ganze Strecke von Norderney zu ihm zurückgelegt hatte, fand er einigermaßen beeindruckend. Er berichtete,  dass er durch den Schirm und die Latexreste auf seinem Rasen auf die Sache aufmerksam geworden war und dann die Sonde in einem Baum auf dem Nachbargrundstück gefunden hatte. Jetzt musste er aber wirklich weg, mit seiner Bigband üben.

Einigermaßen erstaunlich, dass die GPS-Empfangsleistung einer RS41 in einem Haus ausreicht, um sie zu finden. Und mich hat wohl gerettet. dass das Abschalten der RS41 so fummelig ist. Ich hatte so etwas ähnliches mal mit einer DFM09 in Dassendorf, die aus dem Haus eines Apfelbauern sendete, aber da ist es ja auch etwas schwieriger, überhaupt den Schalter zu finden.

Zurück ging es über einen für Radfahrer sehr schönen Feldweg. Rehe standen auf den Feldern, und in dem Wäldchen kurz vor dem Bahnhof lief mir nur wenige Meter entfernt ein Rehbock über den Weg. Und der Kuckuck ist jetzt auch schon da.


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Sonntag, 5. Mai 2019

Mehr als nur eine Tasse Kaffee

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R1230663
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 04.05.2019 00:00Z
Track wetterson.de & radiosondy.info
Landestelle Wentorf A.S.LAT LON: 53.67195 10.45245 Google Maps
Status: Geborgen (Bernd, Jürgen und ich) am 4.5.2019, 8:40Z



In manchen Gegenden ist Sondenjagd ein echter Kampfsport oder zumindest arg kompetetiv. Hier im Norden geht es bisher lustig, freundlich, kooperativ zu. Zum Beispiel heute bei der Bergung unserer ersten R-Sonde (R steht für das Baujahr 2019).

Als ich am 4.5. aufwachte, sah ich eine Telegram-Nachricht. Die Sonde R1230663 aus Norderney hatte meinen Sondenalarm ausgelöst. Eigentlich hatte man mit einer Landung im Raum Elmshorn gerechnet, aber das Ding erwischte einen guten Fallschirm und war bis Wentorf, Amt Sandesneben geflogen. In Radiosondy.info gab es Bernds Daten bis 121m Höhe. Setzte man die in die übliche Tawhiri-Prediction ein, ergab sich eine Position auf freiem Feld gleich östlich vom Waldgebiet des Schönberger Zuschlags. Das klang verlockend.


Die Prediction versprühte ich über unsere Whatsapp-Gruppe. Dann überlegte ich mir, ob man diese Sonde in mein heutiges Tagesprogramm einbauen könnte.  Ein Familienbesuch in Schmalenbeck stand an, und das war ja in erreichbarer Nähe. Nach einer Sondenjagd mit Bus und Faltrad könnte ich nach Schmalenbeck fahren. Das wurde verworfen, weil die Busse im Zielgebiet selten fahren und eine Tour von der Sonde nach Schmalenbeck zu viel Zeit kosten würde. Auch bestand immer noch Streckensperrung und Ersatzverkehr auf der U1 - komplett nervig. Also fuhr ich früher als geplant mit der Regionalbahn nach Ahrensburg und mit dem Faltrad von dort nach Schmalenbeck.  Das geht schneller als die U-Bahn im Normalbetrieb.

Allmählich meldeten sich die Sondenjägerkollegen auf Whatsapp. Jürgen hatte auch Lust auf die Sondenjagd und so verabredeten wir uns auf einem Parkplatz unweit der Landestelle. Und Bernd schaltete sich mit der Frage "soll ich Kaffee mitbringen?" ein. Für mich war die Anreise mit dem rasch ausgeliehenen Auto ja eher atypisch. Bernd - mit dem ich bisher nur elektronisch kommuniziert hatte - war gerade eingetroffen. Und da war auch Jürgen - der hatte schon mal den Weg erkundet. Empfangsversuche haben wir uns nach ca. 10 Stunden Run-Up-Time  verkniffen, also wurde angesichts der guten Prediction gleich in den Kaltsondenmodus geschaltet.  Gummistiefel an und los. Der Weg führte direkt ins Landegebiet.

Auf einem Rapsfeld rechts von der Landestelle drehte "Bauer Harms" seine Runde. Von hinten kam ein Kombi mit der Aufschrift "LANDWIRT IM EINSATZ" angeschossen. Von den beiden Insassen habe ich uns gleich mal das "GO" geholt, derweil Jürgen und Bernd schon auf ein im Fernglas identifiziertes weißes Objekt auf einem umgepflügten Feld zuliefen. Ich konnte, anders als die beiden,  von meiner erhöhten Position sofort den Fallschirm, der im Getreide des Nachbarfeldes gut verdeckt und schön ausgebreitet lag, erkennen. Als ich an der Landesstelle ankam, kümmerte sich Bernd um den Schirm und Jürgen um die Sonde.


Also wurden ein paar Selfies geschossen und der Fund dokumentiert.


Danach ging es fachsimpelnderweise zurück zu den Autos, und dort gab es dann Bends exzellenten Kaffee.

Jürgen und ich haben im Anschluss nach der Kaltsonde 18047075, einer militärischen DFM09 aus Dithmarschen vom September,  gefahndet, die irgendwo in einem Wald bei Steinhorst liegt. Das hatte Jürgen schon mal kurz nach der Landung probiert, und auch Bernd hatte offenbar den Wald schon einmal gründlich abgesucht. Also hatten wir nicht viel Hoffnung und wurden auch nicht fündig.

Alles in allem eine schöne Sondenjagd mit viel Spaß und Erfahrungsaustausch. So eine SBZ (Spontane Bergungs-Zusammenrottung) ist wahrlich kein kalter Kaffee.

Mittwoch, 1. Mai 2019

Von der Gans gebissen...

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3630270
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 01.05.2019 06:00Z
Track Wetterson.de und radiosondy.info
Landestelle Drochtersen LAT LON:53.63186,10.12262 Google Maps
Funddatum 01.05.2019, 08:42 Z
Status: Gefunden nach Sonden-GPS (Empfang und Decodierung vor Ort)


Die Sonde konnte ich im Landeanflug auf Hamburg-Sasel gut verfolgen. Die vorhergesagten Landepunkte streuten um die S-Bahn-Stationen Poppenbüttel und Wellingsbüttel herum. Zeitweise sah es so aus, als ob sie direkt bei der Radiosondenstation Hamburg-Sasel herunterkommen würde. Eine Landung im Wohnbebiet erfordert immer rechtzeitiges Erscheinen, also wartete ich die Landung nicht ab und sprang in die S-Bahn. Am Hauptbahnhof sah es so aus, als ob man besser in die U1 nach Berne wechseln sollte. Auf deren Bahnsteig erfuhr ich von Baustelle, Streckensperrung und Schienenersatzverkehr. Also U-Turn - zurück zur S-Bahn. Die fuhr mir natürlich  vor der Nase weg. 10 Minuten später war ich endlich auf dem direkten Weg ins Landegebiet meiner 100. RS41. Auf den Knien hatte ich mein Notebook, welches mir eine Google-Maps Darstellung der Tawhiri-Prediction auf Basis von Bernds letzter Position aus darstellte. Kaum hatte ich einen Screenshot, schickte mir Bernd seine identisch aussehende Prediction per Whatsapp - danke!
Die Landestelle lag direkt am Ufer des Rückhaltebeckens Blockhorn. Infrage kamen Baum, Wasser oder die angrenzende Wiese. Per Whatsapp wurden bereits Taucherausrüstungen angeboten. Irgendwann trudelte die S-Bahn in Wellingsbüttel ein. Die Fahrtroute mit dem Faltrad hatte ich ja schon auf der digitalen Karte erkundet. Das Rückhaltgebecken erwies sich als ein relativ flacher Teich, welcher von dichtem Unterholz umgeben war. Eine Linkskurve, und ich war exakt auf der Prediction. Die Sonde war nicht zu sehen. Stattdessen nutze eine Graugansfamilie die Stelle zum Grasen. Und der Ganther verlor  keine Zeit und ging in einen sofortigen Angriff über. Schnell wegfahren wollte ich auch nicht, weil da für das Tier eindeutige Verletzungsgefahr bestanden hatte, hektische Lenkmanöver meinerseits vermieden, dass er seinen Hals oder die drohend schwingenden Flügel in die Speichen bekam. Einmal zwackte er in mein Hosenbein, dann hatte er seinen Triumph und ich genügend Abstand gewonnen.
Ein schneller Empfangsversuch ergab ein extrem starkes Signal. Die GPS-Position lag aber auf der anderen Seite der besagten Wiese, etwa 85 Meter weg. Und drüben konnte ich sie dann auch im Knickbaum  pendeln sehen. Ein passender Aufgang zur Wiese war rasch gefunden und die Bergung der Sonde mit der Stange einfach.



Auf der anderen Seite war ein Einzelhausgebiet, und dort vermutete ich den Fallschirm. Die Leute waren im Garten. Sie checkten auf mein Anraten das Gelände ab, konnten aber nichts entdecken. Sie erzählten es aber auch Nachbarn, was zur Aufklärung führen dürfte.

Ich bin auf der Rückfahrt die dazugehörige Straße heruntergefahren, auch um weitere Kämpfe mit Gänsen zu vermeiden. Von da aus sah ich den Schirm im Baum hängen. Leider waren die Besitzer nicht zu sehen. Am Feiertag die Leute rausklingeln wollte ich auch nicht. Also blieben Schirm und Schnur diesmal ungeborgen. Ich gehe aber davon aus, dass das die Gartenbesitzer selber hinkriegen.



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Samstag, 27. April 2019

99 Luftballons...


Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0450676
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 25.04.2019 18Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen/Polen-Mix
Landestelle LAT LON: 53.384867  10.555445 Google maps
Status: GEFUNDEN am 26.04.2019 18:00Z
Methode: Nach (schlechter) Tawhiri-Prediction auf Basis von radiosondy-Daten


Meine 99. Bergung einer RS41 war eine Kaltsondensuche. Die Sonde landete am Abend des 25.4.  in der Nähe von Lauenburg. Am Abend konnte ich mich nicht um die Sonde kümmern. Am nächsten Morgen sah ich mir die Tawhiri-Prediction genauer an: Die Landestelle lag bei Buchhorst. Diese Position lag genau am Geestrand am Rand des Elbtals. Die Gegend ist für norddeutsche Verhältnisse sehr hügelig. Ich hatte nur 600m entfernt vor 4 Monaten eine Sonde geborgen. Obwohl die Prediction damals gut aussah, lag die Sonde ganz woanders, und ich muste den Wald massiv durchsuchen und konnte die Sonde dann mit viel Glück bergen. Offenbar kommt es bei der typischen Richtung Bergener Sonden aufgrund der Topographie zu verwirbelnden Hangaufwinden, was die Landephase unberechenbar macht. Die letzte Position lag diesmal auch zu allem Überfluss höher als damals bei fast gleicher Anflugbahn, was für die Genauigkeit auch diesmal nichts gutes verhieß.


Auf unserer Whatsappgruppe versprühte ich die Koordinaten. Auf der Google-Maps Darstellung sah man ein paar Teiche und andere Wasserflächen, was zu einer Diskussion, ob man besser Gummistiefel oder gleich eine Wathose einstecken sollte, führte. Bernd meinte dazu: "Am besten mal ne Ortsbesichtigung statt Theorie". Eigentlich fand ich, dass es für heute zu spät wäre, aber diese Mail gab den letzten Anstoß zu einer schnellen Suche. Kurz darauf antwortete ich aus der S-Bahn: "Auf dem Weg zur Ortgsbesichtigung". Von Bergedorf brachte mich der rappelvolle 8880er Bus nach Lauenburg und das Faltrad zur Landestelle. 250m vor der Landestelle schloss ich das Rad an, weil ich keine Lust hatte, den steilen Hang nach der Ortsbesichtigung wieder hochzustrampeln. Gummistiefel wurden angezogen. Bei etwas feuchterem Wetter wären die sogar nützlich gewesen.


Die Wasserflächen waren Karpfenteiche. Sie waren von Bäumen und auf einer Seite von dichtem Gebüsch umgeben und von der Straße aus teilweise eingezäunt. Fernglasinspektion zeigte keine verdächtigen Objekte in den Bäumen und Büschen und auf den Teichen. Dahinter ging ein Hang wieder aufwärts, einem vorjährigen Mais-Stoppelfeld. Auf dem lag nichts. Westlich wurde das Teichgebiet von niedrig gelegenen  Feuchtwiesen flankiert. Über das östliche konnte man wieder zu den Teichen  gelangen, und auch das Gebüsch in Augenschein nehmen - nichts.. Auf der westlichen Wiese war aus der Ferne auch nichts zu sehen. Der Maisfeld-Hügel würde vielleicht eine bessere Übersicht bieten, auch hatte ich den Verdacht, dass der Fallschirm vielleicht im Hangwind weiter geflogen sein könnte. Von oben konnte ich die westliche Wiese aus der Vogelperspektive inspizieren - und ja,  da lag etwas sehr Verdächtiges herum! Das Ding wurde im Fernglas als großer Ballonrest identifiziert!!. Im Glas war sogar die Schnur zu sehen: Sie ging hoch in den Wipfel einer Eiche, von dort über einen Busch wieder herunter auf den Boden. Das sah ja recht einfach aus. Und was war zu hören? Eine Nachtigall!

Von unten sah man den Ballonrest und den Schirm erst, wenn man direkt davor stand. Es war mal wieder das kleine Modell des roten Bundeswehrschirms. Neu war die Verwendung von gelbem Tape beim Ballonverschluss.









Die Sonde fand sich am Ende der bereits aus der Ferne erspähten Schnur gut getarnt in einem Graben:










Man beachte die falsche Startzeit auf dem Zettel
Wieder hatten die Hangwinde die Sonde weiter nach Westen geweht als erwartet, aber diesmal  blieb die Abweichung im Rahmen. Da die Sonde in Wahrheit nur 90m und keine 250m von meinem Fahrradparkplatz lag, war der Rückweg sehr schnell bewältigt. Am ZOB in Lauenburg musste ich auf den diesmal fast leeren Bus nur 15 Minuten warten und war bei Beginn des Regens schon wieder auf dem Heimweg.




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Dienstag, 23. April 2019

Fast sauber eingelocht

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2610358
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID 10141)
Flugdatum: 23.4.2019 12:00Z
Track wetterson.de & radiosondy.info & DWD (korrigiert)
           wetterson.de & radiosondy.info
          
Landestelle Holm bei Wedel,  LAT LON: 53.62340, 9.70857 Google Maps
Status: Lokalisiert durch Sonden-GPS. Geborgen 23.4.2019, 14:15UT

 Diese Sonde startete in Sasel und drehte über der Stadt ein paar Runden. Schnell wurde klar, dass sie im Raum Wedel und nördlich der Elbe niedergehen würde. Der Fallschirm funktionierte sehr gut, aber Thermik und umlaufende, böige Winde ließen die Predictions in der Endphase überall zwischen Rissen, dem Klövensteen, und weit westlich von Holm im Minutentakt hin- und herschwanken. Bernd sei Dank hatte Radiosondy die Sonde bis in 259m Höhe. Das half allerdings auch nicht weiter. Denn die Sinkgeschwindigkeit schwankte auf dern letzten 300m zwischen 6.3 und 1.6m/s, wobei gegen Ende die geringeren Werte dominierten. So konnte man das Landegebiet nur grob eingrenzen. Ich saß in der Landephase schon in der S-Bahn nach Wedel. Da ich im Westen Hamburgs arbeite, war ich schnell vor Ort. Von Wedel aus brachte mich ein Bus nach Holm, und von da mein Faltrad ins Landegebiet. Dort konnte ich das Sondensignal empfangen und dekodieren. Wie befürchtet lag die Sonde auf riesigen Golfplatz. Golf ist wirklich ein Hobby mit einem immensen Landschaftsverbrauch. Das Gelände ist etwa halb so groß wie die Stadt Wedel....

Anders als sonst führten hier aber öffentliche Wege durch das Gelände, und direkt an einem solchen befand sich zu meinem großen Glück die Landestelle. Die eigentlichen Spielflächen waren mit Elektrozäunen abgesperrt, aber durch große Tore zugänglich. Die Golfer sperrten Spaziergänger keineswegs aus. Ein Rentner - nach eigener Aussage kein Golfer - saß auf einer Bank direkt an der Landestelle. Auf meine Frage, ob er etwas von dem Wetterballon bemerkt hätte, verwies er auf die weiße Box, die an einem Knickbaum hing. Derartige Hinweise aus der Bevölkerung werden natürlich dankend entgegengenommen.






Die Sonde ließ sich mit dem 10-Meter-Schläger leicht bergen; leider kam kaum Schnur mit und leider wurde der Temperatursensor beschädigt.



Bei der Fahndung nach dem Schirm traf ich auf echte Golfspieler, die alle positiv drauf waren. In einem Wäldchen auf der anderen Seite des Wanderwegs hing im Baum der Schirm und ein kleiner Ballonrest. Leider außerhalb der Reichweite meiner 10m  Stange. So blieb diesmal leider viel Schnur in der Natur. Also endete meine erste Runde auf einem Golfplatz mit 3 über Par (Sensor kaputt, Schnur im Baum, Schirm im Baum). Golfer sind zwar nach der Erfahrung freundlich und hilfsbereit und genossen sichtlich ihre Runden bei schönstem Wetter, aber Golf ist nix für mich.




Zurück bin ich mit dem Rad ganz nach Wedel gefahren, weil das Mitnehmen in den Bus etwas nervig ist. Obwohl die Straße mehr oder minder südwärts verlief und der Wind eher von Nordost kam, bekam ich wiederholt echte Sturmböen von vorne ins Gesicht. Klar, dass bei solchen Bodenwinden eine Sondenprediction kaum sinnvolle Ergebnisse liefert. 

Und dennoch hätte man die Sonde im Kaltzustand finden können. Denn Rasomon,  die Radiosondenseite des DWD, hat die Sonde natürlich bis unmittelbar vor der Landung erfasst, da die Startstation in Sasel nicht weit weg ist von der Landestelle. Leider sind die Positionen fehlerhaft. Gleich nach dem Start sind die Positionen ok, aber der Fehler der Positionen schaukelt sich während des Sondenfluges auf und beträgt mitunter bis zu 1000m und mehr. Korrigiert man aber die Längen- und Breitenwerte nach anderen Internetquellen, kann man in so einem Fall die Sondenbahn rekonstruieren.

Daten aus Radiosondy.info; Daten enden in 259m Höhe


Daten aus Radiosondy.info (über 259m) und vom DWD (unter 259m). Man beachte den Versatz der Sondenspur (Vaisala-Software-Bug). Das Ballonsymbol markiert die tatsächliche Landestelle.

Daten aus Radiosondy.info und vom DWD; DWD-Daten um den Versatz in 259m Höhe korrigiert. Der Track zielt jetzt exakt auf die Landestelle.

Die Korrektur des Bugs ist natürlich nicht 100%ig, weil die Höhen in den DWD-Daten ebenfalls ungenau sein dürften - was hier ignoriert wurde.  Auch ist das Verfahren bei einer ambulanten Sondenjagd reichlich aufwändig. Aber für eine geplante Kaltsondensuche könnten korrigierte DWD-Daten in Fällen helfen, in denen Radiosondy.info und wetterson.de-Daten höher enden als der DWD-Empfang (was inzwischen selten vorkommt).

Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier



Montag, 22. April 2019

Ein ideales Jagdgebiet für den Kaltsondensammler

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2950507
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 20.04.2019 12:00Z
Track Wetterson.de und radiosondy.info
Landestelle Drochtersen LAT LON:53.71640,9.39483 Google Maps
Funddatum 22.4.2019, 12:25 Z
Status: Gefunden durch Tawhiri-Prediction nach radiosondy.info Daten

Die Gegend um Himmelpforten und Hammah liegt zwar ziemlich weit weg von meinem Wohnort, zieht aber Sonden magnetisch an. Übersichtliche, gut zugängliche Wiesen erlauben einfache Bergungen auch Tage nach dem Sondenflug. Ostern 2019 häuften sich mal wieder die Landungen in der Region. Am Gründonnerstag konnte ich eine Saseler Sonde bei Neuland bei Himmelpforten bergen.  Die sendete noch beim Auffinden, was gut war, denn sie lag ziemlich versteckt. Die Schleswiger Sonde am Morgen des Ostersamstags (20.4) konnte ich auch sendend bei Heinbockel finden. Ich fuhr per Rad von Hammah dort hin. Es war de facto eine Kaltsondensuche, da man den weißen Schirm schon von der Straße aus sehen konnte. Man hätte sich einfach in den Krug in Hammah setzen können, um die Mittagssonde abzuwarten. Aber ich wollte einen Familienbesuch über Ostern machen. Aber am Ostermontag hatte ich Zeit und keine Meinung, bei dem schönen Wetter drinnen zu spielen. Was lag näher als eine Kaltsondenjagd auf besagte Mittagssonde?

Schon aus dem Zugfenster konnte ich bei Stade das Landegebiet von P2830209 überblicken. In Hammah verließ ich, wie 2 Tage vorher, den Zug. Ein Blick auf die Karte erübrigte sich. Hier kenn ich mich inzwischen aus. Erstmal rein ins Dorf. Dort nicht rechts zur Landestelle der Meppener Sonde P3310594 , die ich seinerzeit fertig zusammengepackt am Wegrand fand. Sondern geradeaus. Störche und ein Reiher stehen an der Straße  nach Groß-Sternebeck. Am Dorfrand erinnere ich mich diffus an eine erfolglose Kaltsondenjagd - alle anderen waren immer erfolgreich und recht einfach. Die Sonde war damals vorher von einem anderen Sondenjäger geborgen worden - ich kriege aber aber die Einzelheiten nicht mehr zusammen. Weiter in die Pedale treten. Hinter dem Dorf kommt eine Kreuzung. Geradeaus geht es nach Engelschoff. Dort hatte ich am 18.2. auf einem dunklen Jaucheacker eine Meppener Sonde erpeilt - weil die Decodierung mit dem Raspby scheiterte. Und wenn man etwas weiter fährt, kommt man zur Landestelle bei Neuland von vor 4 Tagen. Ich muss heute aber scharf recht abbiegen.

Hinein in ein Gebiet, in dem ich eine meine  ersten Gehversuche bei einer Prediction-basierten Kaltsondensuche auf zwei DFM-Militärsonden machte - damals im Januar 2017. An einem Wochenende hatte ich 4 Sonden eingesackt - eine aus Pinneberg, eine RS41 aus Sasel und eben die beiden DFMs genau hier. Die zweite lag direkt an der Kreuzung hinter der kleinen Siedlung Ritschermoor, und der kleine rote Fallschirm war von der Straße aus sofort sichtbar. Mal sehen, ob es heute so einfach sein wird.

Die Straße nach Drochtersen ist lang und schnurgerade. Viele Fahrradfahrer sind unterwegs und genießen den wunderbaren Frühlingstag. Links geht ein Feldweg an einem Kanal ab. Da habe ich im letzten Juni eine Pinneberger Sonde recht problemlos Tage nach dem Flug aufgesammelt. Den weiteren Verlauf der Straße kenne ich aber noch nicht. Irgendwann kommt die Kreuzung nach Drochtersen in Sichtweite. Das Dörfchen dort heißt Ritsch. Jetzt weiß ich, warum die andere Siedlung Ritschermoor heißt.

In Drochtersen geht es scharf rechts. Gleich am Dorfausgang muss ein Deich überquert werden. Nicht weit vom Ortsausgang muss bin ich nach 15km am Ziel. Und? Es ist wie immer! Direkt an dem Feldweg, der hier abgeht, soll 130m von der Straße entfernt die Sonde liegen. Da liegt keine Sonde. Sondern fast exakt auf der Position schon von der Straße aus erkennbar der Schirm.





Der Rest ist extrem einfach. Die Schnur verfolgen....



Die Sonde ist in Windeseile verstaut. Zurück geht es auf dem gleichen Weg. Da fliegt doch glatt ein Brachvogel! Am Wegrand blüht schon das Wiesenschaumkraut.

Am Bahnhof Hammah muss ich nicht lange auf den Zug nach Hause warten.  Der fährt baustellenbedingt nur nach Neugraben. Anders als vorgestern steige ich schon in Buxtehude in die S-Bahn um, die auf dem selben Bahnsteig wartet. Denn das von der App empfohlene Umsteigen in Neugraben ist komplett nervig.

Mal sehen, wann es mich wieder in diese Gegend führt.

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