Freitag, 28. Oktober 2022

Begegnungen an der Landestelle

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
U2330457

Frequenz:
405.3 MHz

Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 28.10.2022 00:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 33903 m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.95 m/s
Landegeschwindigkeit: 8.3 m/s
Landestelle: Tanneneck (Quickborn)  LAT, LON: 53.75786,9.93546 Google Maps
Status: Geborgen am 28.10.2022, 5:15 UT
Methode: GPS-Decodierung per TTGO (RDZsonde). Sonde am Wegrand bodennah; Fallschirm mit Stange aus Eiche geborgen

Diese Sonde landet am Freitag Morgen nur 800m von der AKN-Station Tanneneck. Ich bin noch nicht sicher, ob ich spontan losfahren soll und entscheide mich dagegen. Nach etwas Schlaf schau ich noch einmal auf Radiosondy: Die Sonde ist noch da. Man könnte schnell mal hinfahren. Google Maps zeigt allerlei Bäume der Landstelle und einen Fußweg, der direkt dort hinführt. Die Tatsache, dass Kurts Antenne sie nach der Landung nicht hat, spricht eher für eine bodennahe Lage. Ich nehme aber sicherheitshalber die 14m Stange mit. Das Rad brauche ich für die kurze Strecke nicht.

Schon im Zug lokalisiert der TTGO die Sonde. Auf Bodenhöhe, und noch dichter am Fußweg als vorhergesagt. Am Bahnhof Tannenhof geht der Weg an der Bahn entlang. Ich laufe ein paar Hundert Meter auf der falschen Seite und muss dann ganz zum Bahnhof zurück. Gegen 7:00 bin ich dann an der Landetelle. 

Die Bäume sind hoch. Instinktiv gucke ich nach oben. Ich muss ein paar Minuten suchen, als ich am östlichen Wegrand die Schnur in den Brombeeren verschwinden sehe. Die Sonde steht aufrecht unmittelbar auf Bodenhöhe.


Auch den Fallschirm habe ich schnell lokalisiert. Er hängt in etwa 6-7m Höhe an einer Eiche. Leider stört ein recht hohes Gitter, welches den Weg vom Gelände des gemeindeeigenen Rückhaltebeckens abtrennt.

Einer der Anwohner kommt rausgelaufen und will wissen, was ich da mache. Nach einer kurzen Erläuterung will er mir gleich seinen Apfelpflücker leihen und ermuntert mich, doch unbedingt über den Zaun zu klettern, da drüben doch nur Gemeindegelände sei. Das Gitter ist aber nicht so einfach zu übersteigen, und außerdem vermeide ich generell solche auffälligen und sublegalen Stunts. Ich glaube, der Gute ist wegen meiner Beratungsresistenz ein wenig genervt. Das sollte mit etwas Stangenmikado auch vom Wegrand aus gehen. Allerdings ist es immer ein wenig nervig, mit einem GFK-Mast schräg anzusetzen, weil der sich dann ziemlich stark  durchbiegt. Beim dritten Versuch kann ich den Ballonrest einhaken und somit auch den Schirm und die Schnur bergen.

Ich packe gut gelaunt meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Da kommt mir ein Mann entgegen. Schon von Weitem verraten Gang und Blickrichtung, dass er aus dem gleichen Grunde hier ist wie ich. Mein Codewort lautet: "Radiosonde?!" Seine ebenfalls leicht fragend geäußerte Parole: "Astrohardy?!" bejahe ich. "Die Sonde sendet aber nicht mehr". "Nö, die habe ich gerade eben abgeschaltet".


Axel alias DB7XO kennt diesen Blog. Obwohl wir uns nie begegnet sind, haben wir schon einen gemeinsamen Sondenfund.  D18081169, eine DFM09 aus Munster Süd, hatte er im Raum Lüchow lokalisiert, konnte aber die Sonde nicht aus dem Baum bergen. Als ich ein paar Tage später, seine Koordinaten nutzend, die Landestelle besuchte, war sie ganz auf Bodenhöhe abgesackt, und ich konnte sie einfach abpflücken. So wie heute war auch damals die Fallschirmbergung der aufwändigere Part. Da ich die Sonde nur aufgrund seiner Vorarbeit gefunden hatte und er einfach auch riesiges Pech gehabt hatte, hatte ich ihn als Co-Finder eingetragen. Letztes Mal konnte ich mit der Sonde abziehen, dieses Mal erhält er zum Dank meine heutige Beute. Zu meinem unangehmen Erlebnis an der Landestelle konnte er beitragen, dass er bei seinem Besuch das Gefühl gehabt hat, dass sich da Leute rumdrückten, die ihn beobachteten...

Auch stellt sich heraus, dass er in Altona wohnt, und so erhalte ich netterweise einen Lift nach Hause. Unterwegs tauschen wir Handynummern aus, so dass er sicher demnächst auf der Whatsappgruppe mitschreiben kann. 


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Montag, 24. Oktober 2022

Der Zaun rettet die Sondenbergung

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
T2940270
Frequenz:
404.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
24.10.2022 11:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.57 m/s
Maximale Höhe:
25621 m
Landegeschwindigkeit:
4.7 m/s
Track  Radiosondy Wettersonde-Mix
Landestelle: Dollern ,
LAT, LON  
53.56233,9.557938  Google Maps
Status:
Geborgen am 24.10.2022, 15:37Z. Positionen nach der Landung in wettersonde.net (Danke Kurt für die schönen Daten).

Am 24.10.2022 fliegen die Meppener Sonden in unsere Region. Die Morgensonde landet bei Borstel nördlich von Pinneberg und wird gleich von Andreas (DL1LAJ) auf dem Weg zur Arbeit auf einem Mais-Stoppelfeld eingesammelt.  Meppen2 ist ein klassischer Erdnagel, der bei Bremervörde von Berthold geborgen wird, ebenfalls auf einem Ex-Maisfeld. Berthold wartet auf Meppen3, die aber zuerst die Elbe zu queren und dann in derselben zu wassern droht. Berthold macht sich auf den Heimweg. Ich selber habe eigentlich gar nicht vor, da irgendwie aktiv zu werden. Dann aber landet Meppen3 unerwartet nicht in der Elbe, sondern bei Dollern. Kurt kann sie nach der Landung durchgehend empfangen und speist die Daten in wettersonde.net ein. Niemand zeigt Interesse. Ich muss nur aus meiner Wohnung kurz in den Keller gehen, das Faltrad rausholen, die Straße überqueren, runter in den Schacht gehen. Dort kommt sofort die S-Bahn nach Stade. Dieselbe muss ich nur noch in Dollern verlassen.

In der Bahn kann ich mir die Landestelle in verschiedenen Satellitenbildern angucken. Die Position macht einen komplett eingequetschten Eindruck: Zwar führen Wege zu einigen Windrädern in die direkte Umgebung, aber kann man die auch befahren? Die Sonde selbst liegt direkt am Westrand einer Apfelplantage - die sind gerne mal abgezäunt. Unmittelbar westlich der Landestelle verläuft ein 8m breiter Kanal. Drüben, auf dem verbleibenden schmalen Geländestreifen direkt an der Autobahn, zeichnet OSM einen Weg ein, von dem man auf Google Maps allerdings keine Spur erkennt. Ich habe trotz der niedrigen Bodenhöhe die 14m Stange mitgenommen, um notfalls die Sonde aus einiger Entfernung angeln zu können.

Von Dollern sind es nur 3 Kilometer. Ich entschließe mich, den Weg zu den südlichen Windrädern als erstes zu probieren. Zwar führt der nicht so dicht an die Sonde heran, aber in Google Maps scheint mir der Zugang leichter zu sein.  Der Weg ist gut befahrbar. Das letzte Stück muss ich das Rad schieben. Aber die fragliche Apfelplantage ist abgezäunt. Und schon aus der Distanz sehe ich das Objekt der Begierde:


Ob ich mich zwischen Zaun und Kanal durchquetschen kann? Ja, ich kann, und gar so schmal ist es auch nicht. Und die Sonde hängt in kommoder Pflückhöhe im Zaun. Wäre die Sonde nicht am Zaun hängen gelieben, sondern auf die Apfelplantage geflogen, ist sehr fraglich, ob ich sie hätte bergen können.







Ob ich auch den Rest bergen kann? Die Schnur quert die Apfelplantage über Eck und verliert sich hinter dem Zaun im Ödland beim nördlichen Windrad. Unmittelbar am Zaun verläuft dort ein schmaler, aber tiefer Wassergraben. Dahinter liegt schwer begehbares Schilf- und Sumpfgebiet. Das hatte ich schon beim Betrachten der Satellitenbilder befürchtet. Ich habe zwar Wanderstiefel, aber keine Gummistiefel dabei. Also muss ich mich diesmal wirklich zwischen Zaun und Graben durchquetschen - 50cm Platz sind ja da. Ich hangel mich am Zaun entlang und  kann die Schnur ergreifen, den Schirm herbeiziehen und somit das gesamte Gespann bergen. Anders als bei den Meppener Sonden üblich ist die Schnur diesmal komplett abgewickelt.



Zurück geht es mit dem Rad zurück nach Dollern. Unterwegs überholt mich ein Traktor mit mehreren Anhängern, die alle voll mit Äpfeln sind. Zwei Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof läuft auch schon die S-Bahn nach Hause ein. Bereits in Neugraben ist es draußen dunkel - der Sommer ist definitiv vorbei.


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Samstag, 15. Oktober 2022

Die niedrig hängenden Früchte sind sofort weg

Im September/Oktober flogen aus Bergen und Munster allerlei Manöversonden. Drei landeten um das Dorf Holdenstedt südlich von Uelzen. Zwei davon hatten sehr niedrige Endhöhen, da der lokale Sondenjäger Clemibunge entsprechende Daten eingespeist hatte. Ich wunderte mich, dass er die Sonden nicht gleich eingesammelt hatte. Hat er aber nicht, denn er trägt normalerweise seine Funde in Radiosondy ein. Bei der dritten war die Landestelle sehr unsicher. Status laut Radiosondy ebenfalls "Unbekannt".

Am Samstagmorgen locken freie Abokarte und recht schönes Herbstwetter. Dem üblichen Bahnchaos kann ich durch entsprechendes Umdisponieren teilweise entgehen. Ich trudel allerdings eine Stunde verspätet in Stedersdorf (Kreis Uelzen) ein. Da ich vergessen habe, etwas Essbares einzustecken, muss dort noch schnell ein Discounter überfallen werden. Dann geht es westwärts. Nicht weit hinter dem Ortseingang Wrestedt biege ich in einen  kurzen Feldweg ein, direkt auf die recht genaue Prediction der DFM09 18082550 zu. Diese Sonde war vor 3 Tagen in Munster Nord gestartet worden. Ich mache vor Ort ergänzend zur Tawhiri-Prediction eine Extrapolation und kann damit die Landestelle auf wenige Meter eingrenzen. Tatsächlich liegt Clemibunges letzte Höhe nur 10 Meter über Grund. Und die Sonde ist, um es kurz zu machen, weg. 

Diese Klärung ging schnell. Wieder aufs Rad und weiter. Hinein geht es nach Holdenstedt. Gleich hinter dem Dorf befindet sich die Landestelle von 18082588, gleicher Flugtag, gleicher Startort, noch genauere Prediction.  Nach der Erfahrung eben bin ich pessimistisch. Berechtigterweise, denn auch diese  Sonde ist, um es kurz zu machen, weg. Auch das ist schnell erledigt. Da ist offenbar ein Kollege erfolgreich gewesen, der die Sonden nicht einträgt. Man muss ja auch nicht damit rechnen, dass eine Sonde, die problemlos mit perfekter Prediction auf einem Acker einzusammeln ist, nach 3 Tagen noch da liegt. Vielleicht ist es gar nicht so verkehrt, dass ich mich jetzt den höher hängenden Früchten zuwenden muss!


Der Flug der  dritten Sonde, 18050767 liegt schon mehr als 2 Wochen zurück. Sie startete am 27.9.2022 vom normalen Bergener Startort aus, war aber vom ganzen Setup her auch eine Manöversonde. 

Sondentyp: DFM09
SN:
18050767
Frequenz: 403.331 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Bergen (Manöver)
Flugdatum: 27.09.2022 12:29UT L
Track radiosondy

Maximale Höhe:
17012m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.04 m/s

Landegeschwindigkeit:
4.1 m/s

Landestelle: Holdenstedt,
LAT, LON:
52.93333,10.53784, Google Maps
Status:
Stangenbergung von Sonde und Schirm am 15.10.2022, 14:00 UT
Methode:
Verschiedene Predictions nach Radiosondy.net-Daten.

 

Viele Chancen rechne ich mir hier nicht aus. Denn die letzte Höhe aus Radiosondy liegt bei 392m Höhe. Ihr Fallschirm hatte gut funktioniert, und es war ziemlicher Wind, so dass sie ein ganzes Stück geflogen sein muss - je nach Vorhersage 500-900m. Das macht die Vorhersage der Landestelle schwierig und ungenau. Der weitaus größte Teil des Gebiets liegt in einem Wald, der Rest auf einem Acker.

Der Weg in den Wald überquert per Holzbrücke einen munteren Heidebach. Ich fahre so weit, wie es die 16" Räder erlauben und kette das Rad an einen Baum. Hier bin ich schon mitten im Landegebiet.

Die Flugrichtungen der Tawhiri-Prediction und der Extrapolationslösung passen nicht gut zusammen. Dass die Extrapolation weiter flugbahnabwärts liegt, ist normal; wahrscheinlich ist die Sonde eher kürzer geflogen. Es bleibt nichts anderes übrig, als beide Lösungen zu überprüfen und den Bereich dazwischen auch.

Am einfachsten wäre es, wenn sie es auf den Acker hinter dem Wald geschafft hätte. Also gehe ich Schritt für Schritt in diese Richtung, die Bäume prüfend musternd. Nichts. Auf dem Acker liegt sie leider auch nicht. Danach gehe ich einen Waldweg hinein, der genau auf die Tawhiri-Lösung zuhält. Hier kann ich auch nichts entdecken. Nach einer guten Stunde Suche bin ich auf dem Querweg, auf dem ich mit dem Rad gekommen bin. Ich erwäge kurz, gleich zum Rad zu gehen und aufzugeben. Ich entschließe mich aber, ein paar Meter weiter zu gehen. Da geht auch ein auf der Karte nicht verzeichneter Parallelweg nach Südosten, und ich bemerke durch einen Blick auf die Locus-App, dass er ziemlich genau der Extrapolationsbahn folgt. Ich brauche nur ein paar Schritte den Weg hinaufzugehen, da sehe ich schon die Sonde aus großer Distanz in einem Baum direkt am Wegrand pendeln, Höhe etwa 11m. Die Position ist nur 60m von meinem Fahrrad entfernt. Die ganze Wanderung durch Felder und Wälder war also eigentlich unnötig.

 


 


 

Keine schwere Beute für meine etwas verkürzte Laguna-Stange. Mein Haken ist leider bei der letzten Bergung wie berichtet verloren gegangen, und das Ersatzmodell ist ein arger Kompromiss. So muss ich mehrfach ansetzen, um die Sonde herunter zu bekommen. 

 


 

Der Schirm hängt unerreichbar hoch in einer anderen Kiefer

Erstaunlicherweise kann ich beim Einziehen der Sondenschnur problemlos über drei Baumwipfel ziehen. Jetzt hängt er in dem Sondenbaum!


Ich traue mich nicht, ihn auch noch über den vierten Wipfel zu ziehen und nehme doch lieber die Stange...






Da nun alle hoch hängenden Früchte geerntet sind, kann ich die letzten 5km nach Uelzen radeln und mit dem Zug die Heimat wieder erreichen. 


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Freitag, 14. Oktober 2022

Stangenmikado-Desaster - nicht ganz mein Tag

Am 12.10.22 fliegt die fahrplanmäßige Mittwochssonde aus Sasel in den Raum Besenthal/Göttin/Güster. Ich mag die Gegend sehr, finde aber an diesem Wochentag keine Zeit zu einem spontanen Ausflug. Auch gefällt mir die Landestelle überhaupt nicht - und einigen anderen Sondenjägern scheint es ähnlich zu gehen. Die Prediction liegt nämlich in dem knapp 50m schmalen Streifen zwischen einer Hochspannungsleitung und der Autobahn Hamburg-Berlin. Dass sie auf der BAB oder in der Leitung gelandet ist, ist angesichts der begrenzten Genauigkeit und der geringen Landegeschwindigkeit nicht wirklich unwahrscheinlich.

Am nächsten Tag habe ich etwas mehr Zeit. Und ich entdecke auf Locus, dass die Landestelle der Schleswiger Mittwochssonde vom 16.7.2022 nur 500m entfernt im selben Waldstück liegt. Die habe ich schon länger auf der Liste, aber bisher nie die Gelegenheit gefunden. Also geht es heute dorthin!

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U1840823
Frequenz:
402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel
(WMOID:10141)
Flugdatum: 12.10.2022 12:00Z
Track wettersonde.net

Maximale Höhe:
27081m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit:
5.44 m/s
Landegeschwindigkeit: 4.9m/s
Landestelle: Güster, LAT, LON:
53.542854,10.713654, Google Maps
Status: Geborgen am 13.10.2022, 10:37UT

Methode: Tawhiri-Prediction aus Wettersonde.net-Daten. Dramatische Stangenbergung aus 5-8m Höhe

Der Zug bringt mich nach Büchen. Und das Faltrad überbrückt rasch die 11km bis zur ersten Landestelle. Der Weg führt 500m vor dem Ziel direkt unter der Hochspannungsleitung hindurch, biegt dann wieder südlich ab.



Von dort führt ein Waldweg in exakter Flugrichtung der Sonde direkt unter der Leitung hindurch, genau über die Prediction-Position und endet an der Autobahn. Beruhigend ist, dass nichts Verdächtiges in den Drähten hängt. Auf dem schmalen Streifen vor der Autobahn liegt sie allerdings leider nicht. Aber an dem Baum auf der anderen Seite der Autobahn entdecke ich die Sonde; sie hängt über dem Rand der BAB auffällig nur 5-8 Meter hoch.



Das wird ganz einfach: Vom Zaun drüben sollte man die Sonde mit der Stange schnell und diskret zu Boden bringen können, ohne Autofahrer zu schockieren. Auch gibt es nahebei eine passende Unterführung unter der Autobahn hindurch:


Der Weg, der von der anderen Seite zur fraglichen Stelle führt, ist mit dem Rad nicht passierbar, so dass ich es in bewährter Weise abparke.




Leider wird meine Nase immer länger, je mehr ich mich der Autobahn nähere. An der fraglichen Stelle kann ich in den Bäumen nichts entdecken. Irgendwo müssen doch auch der Fallschirm und die Schnur sein, die ja weiter in den Wald hinein verlaufen muss.  Ich versuche mich an dem Foto zu orientieren - ohne Erfolg. Offenbar versperrt das Laub von dieser Seite den Blick auf die Sonde. Irgendwann entdecke ich die Schnur und glaube daraus den Baum zu identifizieren. Ich drücke mich an den Zaun und starre nach oben. Nichts.


Ob man besser den Fallschirm suchen sollte, um daran die Sonde ein wenig tiefer ablassen zu können? 10 Minuten Suche liefern das Ergebnis: 25m hoch, hopeless.




Irgendwann finde ich ein kleine Lücke im Laub, die einen Blick auf die Sonde gestattet. Das hat mehr eine volle Stunde gedauert.



Mit der Schnur-Haken-Tecknik sollte das kein Problem sein, obwohl ich wegen des Zauns sehr schräg ansetzen muss. Leider verklemmt sich der Haken in einem Ast. Und zwar sehr fest. Natürlich löst er sich wie geplant von der Stange. Aber auch starkes Ziehen an der Leine löst den Haken nicht vom Ast - anders als sonst.

Ich beschließe, mich erst einmal um die Sonde zu kümmern und dann das Schnurproblem zu lösen. Also befestige ich einen Kabelbinder als improvisierten Haken an der Stangenspitze und versuche, die Sondenschnur einzufangen. Das gelingt spektakulär gut. Leider verheddert sich das Konstrukt nicht in der Sondenschnur, sondern an meiner Leine. Und zwar irreversibel. Allmählich merke ich - dies ist nicht mein Tag, denn jetzt habe ich ein echtes Problem. Jetzt weiß ich nicht, wie ich die Stange rauskriege, denn der Zaun ist im Weg. Und ganz brutal ziehen mag ich auch nicht - im Zweifel geht nicht nur die Stange kaputt. Der ziemlich große Ast macht nämlich einen leicht morschen Eindruck. Wenn der abbricht, fällt er direkt auf die Autobahn, und dann habe nicht nur ich ein Problem.

Mir fällt das Schneidwerkzeug im Rucksack ein. Ich befestige es an einem herumliegenden längeren Stock und kratze damit an dem Seil herum. Es ist dazu da, Sondenschnüre zu zertrennen und keine dicke Leine. Aber nach 10 Minuten Kratzerei trennt ein scharfer Zug die Leine. Immerhin bin ich jetzt wieder in Besitz der Stange. Der Haken und etwas Leine bleibt oben, kein großer Verlust. Leider ist die Stangenspitze beschädigt. Der Versuch, die Stangenspitze einzuschieben endet mit einem Bruch derselben. Hab ich schon gesagt, dass dies nicht mein Tag ist? Ich bin eigentlich inzwischen recht routiniert im Umgang mit den Teleskopstangen. So ein Chaos habe ich auch in meinen Anfängertagen niemals angerichtet.


Mangels Haken tape ich einen geeigneten trockenen Ast an die neue Stangenspitze und kann nach allerlei Fehlversuchen die Sonde endlich zu mir herunterziehen. UFF!!




Zurück geht es zum Fahrrad. Die Position der zweiten Sonde sollte recht gut stimmen. Sie liegt an der nächsten Wegecke auf derselben Seite der Autobahn.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3350419
Frequenz:
402.5 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 16.07.2022 12:00Z
Track
wettersonde.net
Maximale Höhe:
30812m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.38 m/s

Landegeschwindigkeit:
4.9 m/s

Landestelle: Brennerstedt,
LAT, LON: 
53.54512,10.72073, Google Maps
Status:
Baumlander, von unten sichtbar, in 25m Höhe in einer Kiefer, Fallschirm und etwas Schnur geborgen am 13.10.2022, 11:15UT

Methode:
Tawhiri-Prediction aus wettersonde.net - Daten

Ein kleiner Pfad führt direkt auf die Position hin. Und wieder ist es so wie eben. Ich habe den Eindruck: Das wird ja heute einfach! Denn ich stolpere sofort nur wenige Meter über den am Wegrand liegenden Ballonrest, und die Schnur führt steil aufwärts in eine Kiefer. 

 


 

 

 

Leider ist die Fortsetzung der Schnur nicht mehr vorhanden. Stromaufwärts ist durchaus Platz zwischen den hohen Kiefern, also kann man hier Glück haben. In der fraglichen Gegend liegt aber nichts auf dem Boden, wobei gebietsweise Brombeergestrüpp eine heruntergefallene Sonde auch gut verschlucken könnte. Irgendwann, nach einer halben Stunde Sucherei, entdecke ich die Sonde in ca. 25m Höhe in einer der Kiefern; ein Herankommen gibt es da erst einmal nicht. Immerhin ist damit die Sondenposition gesichert. Da sie an einem langen Schnurstück hängt, könnte man auf ein zeitnahes Herunterfallen bei den Herbststürmen hoffen. Bis dahin sind auch die zahllosen Zecken, die diesen Wald bevölkern, nicht mehr aktiv.

Als ich den Wald wieder verlassen habe, stelle ich fest, dass die ganzen grenzwertigen Suchaktionen viel mehr Zeit gefressen haben als eingeplant. Auch ist der nächste Zug in Büchen nicht mehr erreichbar. Also spricht nichts gegen den netteren aber weiteren Weg  den Elbe-Lübeck-Kanal entlang. Sogar eine schöne kleine Pause am Kanalufer ist noch drin. Von Büchen bringt mich der Zug nach Hamburg zurück.

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Montag, 10. Oktober 2022

Eine frische und eine weniger frische Kaltsonde

Essener Radiosonden sind im Hamburger Umland sehr seltene Gäste. Hohe Windgeschwindigkeiten sind erforderlich, und der Fallschirm muss hervorragend funktionieren. Meine zwei bisherigen Essen-Sonden habe ich alle in Südwesten gefunden. Die Mitternachtssonde vom 6.10.2022 war ein besonderer Fall. Der Ballon platzte bereits über dem Teutoburger Wald bei Preußisch Oldendorf. Am Fallschirm schaffte sie es allerdings bis Neu-Neetze östlich von Lüneburg.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
U1470165
Frequenz:
405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Essen (WMOID:10410)
Flugdatum: 06.10.2022 0:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 34295m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.56 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.0 m/s
Landestelle: Bockhorst
, LAT, LON:
53.29379,10.6246  Google Maps
Status: geborgen 09.10.2021, 
08:33 UT; Tawhiri-Prediction nach wettersonde.net-Daten

Als die Sonde am Wochenende nicht als geborgen gemeldet ist, plane ich einen Bergungsversuch. Die Prediction ist mittelmäßig genau. Nach Google Maps liegt ein Bauernhaus mit Weidegelände direkt in der Nähe. Dort wird diese Sonde sicher auf Dauer von Anwohnern weggeräumt. Ich würde daher den Samstag vorziehen, obwohl am Sonntag besseres Wetter angekündigt ist. Ein paar Baumlander könnte man in der Gegend ebenfalls checken.

Die Samstagstour findet nicht statt, da aufgrund von Sabotage der Bahnverkehr in ganz Norddeutschland unterbrochen ist. Als ich am Hauptbahnhof ankomme, ist der Schaden zwar gerade behoben, aber das Chaos in den Zügen brauche ich in meiner Freizeit nicht wirklich.

Am Sonntag fahre ich bequem nach Lüneburg und von dort mit dem Bus bis zum Dorfplatz in Neetze. Das Rad wird ausgeklappt und los geht es. Bestes herbstliches Sonnenwetter! Bis zur Landestelle sind es nur wenige Kilometer. Die Extrapolation liegt im Wald, die Tawhiri-Prediction auf einem Acker südlich des besagten Bauernhauses. Ein auf der Karte nicht verzeichneter Waldweg führt direkt ins Landegebiet südlich des Bauernhauses. Auf dessen Gelände - einer Pferdeweide - sehe ich direkt am Zaun den Fallschirm...

Die Schnur führt in Richtung auf das Feld, auf dem ich mich befinde, über einige Knickeichen herüber. Glücklicherweise liegt die Sonde etwas versteckt im Gras unter den Bäumen.

Ich schneide die Sonde ab und kann mit der Teleskopstange den Schirm zu mir herüberziehen. Die Schnur hat sich bereits in den Eichen verhakt, ich kann sie aber mit etwas Gewalt freibekommen und ebenfalls komplett bergen.


Weiter geht es auf Nebenstraßen und Wald-Fahrwegen:



Es bietet sich ein Abstecher nach Sülbeck an, wo seit 2018 eine DFM in einer Lärche hängt. Ich kann das inzwischen graue Gehäuse nur mit Schwierigkeiten sichten, sie ist immer noch oben und hängt leider ziemlich verhakt zwischen jungen Ästen. Mal sehen, was nach dem Nadelfall passiert.

Weiter geht es über den Elbe-Seitenkanal Richtung Brietlingen. Der Weg führt über die Neetzebrücke, wo eine Saseler Sonde S1630392 vermisst wird. Ich hatte die Landestelle schon im April besucht, aber schon damals im dichten Laub der Bäume nichts erkennen können. Wenn die Sonde überhaupt noch da ist, hat man hier erst nach dem Laubfall eine Chance.

In dem Wald "Brennerstedt" hängt seit mehr als einem Jahr die Schleswiger Mitternachtssonde vom 21.9.2021...

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S0720046
Frequenz:
402.5 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 21.09.2021 00:00Z
Track
wettersonde.net
Maximale Höhe:
33903m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.02 m/s

Landegeschwindigkeit:
2.0 m/s

Landestelle: Brennerstedt,
LAT, LON: 
53.32009,10.48155, Google Maps
Status:
Geborgen am 17.7.2022, 12:35UT

Methode:
Baumlander in > 30m Höhe in Buchen, lokalisiert am 13.3.2021. Geborgen am 9.10.2022, 12:40UT

Ich war ein paar Tage nach der Landung vor Ort. In dieser Ecke des Waldgebiets "Brennerstedt" stehen extrem hohe Buchen. Wie schon Sondenjäger vor mir konnte ich die Sonde damals nicht lokalisieren, weil der Blick durch die Wipfel durch das extrem dichte Laubdach verdeckt war. Nach dem Blattfall, am 13.3.2022, war es einfacher, allerdings hing die Sonde in mehr als 30 Metern Höhe, der Schirm noch höher.



13.3.2022



13.3.2022

Schirm, 13.3.2022

Somit war die Sonde immerhin lokalisiert, aber mit meinen Mitteln nicht zu bergen. Da ich gerade in der Gegend bin, sollte ich diesen Baumlander auf jeden Fall kontrollieren. Und ich habe Glück: Die Sonde liegt am Boden, und die Wildschweine haben noch keine Notiz von dem Stück genommen. Nur an der Ecke hat  jemand das Styroporgehäuse angeknabbert...









Nach diesem insgesamt sehr schönen Tag radel ich nach Echem, von wo der Zug mich via Lüneburg nach Hause bringt.

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