Montag, 25. Februar 2019

Noch zwei Sonden aus Schleswig

Die anhaltende Nordwindlage in den hohen Luftschichten sorgte heute für zwei weitere Sondentreffer im nordöstlichen Bereich des Hamburger Raums. Die Morgensonde landete zwischen Ellerau und Alveslohe an einem Waldrand, die Mittagssonde in einem Wohngebiet bei Schnelsen. Beide Orte lagen entlang der Vorortbahn AKN, so dass ein Besuch beider Landestellen in einem Rutsch nach Arbeitsschluss möglich schien. Das ist inzwischen sogar noch bei Tageslicht möglich.

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2940793
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 25.02.2019 12:00Z
Track Bremen (wetterson.de und radiosondy.info)
Landestelle Schnelsen, LAT LON:53.64423, 9.920449 Google Maps
Funddatum 24.2.2018, 12:20 Z
Status: Gefunden durch Tawhiri-Prediction nach wetterson.de Daten

Ich brauchte an der Landestelle die mitgebrachte Emfangsausrüstung gar nicht auspacken, denn die RS41 pendelte unweit der Prediction unübersehbar in knapper Kopfhöhe am Baum. Ein paar Kinder integrierten sie irgendwie in in ihr Fußballspiel,  andere befassten sich mit dem Fallschirm. Den gelben Label hatten sie schon durchgelesen. Von mir wollten sie natürlich Näheres wissen. Einer der Jungen erschien mir besonders interessiert; ihm habe ich Sonde und Schirm gelassen. Ein paar Erwachsene tauchten auch auf; jeder wollte wissen, was es mit dem weißen Kasten auf sich hat. Es gab vor dem Abschalten sogar noch eine kleine Dekodierdemonstration mit dem RS41-Tracker. "Kann man eigentlich auf der Karte sehen, wenn ich mit der Sonde da hinten hinlaufe?" "Ja, probier es doch einfach aus". Also wurde der Maßstab mal maximal aufgedreht, so dass die Runde auf dem Schirm am Ende prima sichtbar war. Das ganze wurde von umstehenden Erwachsenen und Kindern allgemein interessiert verfolgt.








Nachdem der Fund unter die Leute gebracht war und jeder verstanden hatte, was Radiosonden sind, wozu man sie braucht und wie man mit ihnen umgeht, ging es wieder zurück zum AKN-Bahnhof Burgwedel.  Auf zur nächsten Sonde.


Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2930843
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 25.02.2019 6:00Z
Track Bremen (wetterson.de und radiosondy.info)
Landestelle Schnelsen, LAT LON:53.773436, 9.911839 Google Maps
Funddatum 24.2.2018, 12:00 Z
Status: Gefunden durch Tawhiri-Prediction nach wetterson.de Daten


Die AKN brachte mich und mein Rad nach Ellerau, und dort ging es weiter die Straße nach Alveslohe. Die Sonne war gerade am Untergehen, als ich ankam. Von der Straße aus sah man, aus 400m Distanz, sofort einen weißen Fleck im Wipfel eines hohen Baums - eindeutig der große Ballonrest mit Schirm. Ich schloss das Rad an einem Verkehrsschild ab und machte mich entlang eines Knicks auf den Weg, und im letzten Sonnenlicht stand ich unter dem Baum.

 



Die Sonde war vom Waldrand aus sofort am Boden zu erkennen:





Die Schnur verlief senkrecht nach oben. Man konnte sie nicht mehr richtig verfolgen, da es rasch dunkler wurde.  Nachdem sie durch Seilmanöver von einigen aus einigen Astgabeln ausgehakt war, konnte man durch Ziehen an der Leine Kraft auf den Fallschirm, der etwa 25-30m hoch hing, ausüben. Leider war der Schirm komplett in den Ästen verknoten, und irgendwann riss die Schnur. Schade.

Jetzt dämmerte es schon deutlich. Zurück ging es. Im Wald plötzlich der Ruf eines Uhus - kein Irrtum möglich. Und im Abendrot rasch noch ein Blick auf Merkur am Abendhimmel.

Mein treues Rad brachte mich zurück nach Ellerau, und die AKN nach Hamburg.

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Sonntag, 24. Februar 2019

Sonden angeln am Sonntag

In letzter Zeit komme ich am Samstag wegen familiärer Verpflichtungen nicht zur Sondenjagd, und in der Woche gibt es da einen (schönen) Beruf. Letzte Woche wurde der Hamburger Raum gut mit Sonden eingedeckt, und ich konnte nichts machen. Am 19.2.2019 sollte laut Vorhersage die Norderney-Mittagssonde bis Hamburg fliegen. Aber der Fallschirm funktionierte nicht wirklich, und P2830587 landete bei Apensen nahe Buxtehude. Am Samstag, den 23.2.2019 waren es die Schleswiger Sonden. Ich war familienbedingt in Schmalenbeck. Die Vorhersage deutete auf eine Landung in der Nähe hin, aber der Ballon der Morgensonde P2950038 platzte früh und schlug dann in Uetersen ein. Die Mittagssonde schwebte endlos weit bis  Thieshope, etwas weit weg für einen kurzen Ausflug. Am Sonntag hat Sondenjäger Uli aus Buchholz sie bei einer Nachsuche im Gelände nicht finden können.

Am Sonntag hatte ich etwas Zeit, die kalten Sonden zu suchen.  Am aussichtsreichsten erschien mir die Schleswiger Sonde in Uetersen. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2950038
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 23.02.2019 12:00Z
Track Bremen (wetterson.de)
Landestelle Uetersen, LAT LON:53.689820, 9.675020 Google Maps
Funddatum 24.2.2018, 12:20 Z
Status: Gefunden durch Tawhiri-Prediction nach wetterson.de Daten


Die Prediction sah sie auf einer feuchten Wiese an einem parkartigen Gelände. Dort würde sie gewiss irgendwann ein Spaziergänger erbeuten. Allerdings war die Sinkgeschwindigkeit zu gering angesetzt, so dass davon auszugehen war, dass sie ein paar Meter kürzer geflogen war und daher eher in den Bäumen am Rande der Heidgrabener Straße hängen würde. Also machte es Sinn nachzugucken und ich machte mich über Tornesch auf den Weg.

Kaum hatte ich mein Faltrad an einem Verkehrsschild angeschlossen und ein paar Schritte gemacht, traf ich zwei in Uetersen wohnende Kollegen, die das schöne Wetter für einen Sonntagsspaziergang nutzten. Denen musste natürlich erst einmal der Grund meines unerwarteten "Auftritts" erklärt werden. Wir konnten sogar noch ein paar ziemlich wesentliche Dinge besprechen, die wir sonst am Abend per Email hätten klären müssen. 

Schon während des angeregten Gesprächs hatte ich ein wenig meine Blicke schweifen lassen. In der erwarteten Landeregion lag nichts Auffälliges herum. Ein weißes Objekt in einem Baum sah extrem verdächtig aus, hing aber zu weit kursabwärts und entpuppte sich dann auch als Stück einer Plastikplane. Ich rechnete sowieso damit, dass die Sonde eher zu kurz geflogen war.  Im  Wäldchen auf der anderen Straßenseite  lag allerdings keine Sonde. Weiter südwestlich grenzte die Straße an ein Werksgelände, das sich ziemlich exakt in der Anflugrichtung befand.  Und von einer Werkshalle hing natürlich, wie sollte es anders sein, eine dünne weiße Schnur. Die Sonde, soviel war jetzt klar, lag auf dem Hallendach. Das ganze Werksgelände war menschenleer, das Werkstor verrammelt, niemand am Eingang, den man um Einlass hätte bitten können.

Was tun?  Die Schnur endet blind in einer Hecke, nur wenige Zentimeter vom Zaun entfernt. Wenn man den Faden in die Hand kriegt, könnte man daran die Sonde einfach vom Dach herunterziehen. Mein Arm passt aber leider nicht durch die Gitterstäbe. Meine 10m-Stange schon - außer, dass sie auch im eingefahrenen Zustand für die zu überbrückende Distanz lächerlich unhandlich wirkt. Der Sondenjäger wird zum Sondenangler! Vorsichtig das Ding durch die Stäbe und die Zweige bugsiert - bei der ersten Berührung fällt die Schnur auf den Boden. Wie frustrierend! Es gelingt mir aber, die Schnur auf dem Boden mit dem Haken anzuheben und nach ein paar Fehlversuchen aufzuwickeln und in die Hand zu bekommen. Das ist der halbe Sieg.

Vorsichtiges Einziehen der Schnur führt zu einem leisen Poltern auf dem Dach, und irgendwann segelt P2950038 vom Dach herunter auf die betonierte Fläche. Jetzt noch vorsichtig die Leine mit dem "Fisch" einholen, damit sich die Beute bloß nicht noch irgendwo verhakt. Das ging glatt bis zur Hecke. Ein paar weitere Stangenmanöver waren nötig, um die Sonde an den Gitterzaun zu bringen. Im Gegensatz zu meinem Arm passte die flexible Weich-Version der RS41 da gerade so eben hindurch, wenn man sie etwas quetschte - mit dem Hartschalengehäuse des alten Modells wäre das nicht gegangen. 




 

Uff! Praktisch die ganze Schnur und die Sonde hatte ich. Den Fallschirm und den Ballonrest hatte wohl schon gestern jemand mitgenommen? Nein!  Ein Scan auf der anderen Straßenseite zeigte, dass sich die Reste auf einem Gartengrundstück in einem Baum verhakt hatten. Ich hatte wenig Lust, dafür die Gartenbesitzer aus der Sonntagsruhe zu wecken und beließ es bei der Sichtung. Der Gartenbesitzer wird keine Probleme mit der Entsorgung haben und sich höchstens über das Objekt wundern.



Ganz offensichtlich war die Sonde auf dem Hallendach gelandet und der Schirm auf der anderen Straßenseite. Die Schnur lag also mitten auf der Straße und wurde daher von den Autos durchtrennt. 

Vergnügt radelte ich zurück nach Tornesch. Der nächste Zug fuhr nicht nach Altona, sondern zum Hauptbahnhof. Unterwegs habe ich dann per App herausgefunden, dass man vom Nachbargleis gleich einfach nach Apensen weitgerfahren könnte. Das hatte ich eigentlich gar nicht vorgehabt. Aber jetzt wollte ich es wissen. Ob die Sonde vom Dienstag da noch lag? 



Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2830587
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 19.02.2019 12:00Z
Track Bremen (wetterson.de)
Landestelle Uetersen, LAT LON: 53.438060, 9.587500 Google Maps
Funddatum 24.2.2018, 15:20 Z
Status: Gefunden durch Tawhiri-Prediction nach wetterson.de Daten


Vom Bahnhof Apensen zur Landestelle brauchte ich nur ca. 3km fahren. Dieses Mal stimmte die Prediction sehr gut. Schon aus großer Distanz sah man den Ballonrest an der passenden Stelle in der Sonne glänzen.




Der Ballonrest war relativ groß, und der Fallschirm hatte sich nicht geöffnet. Das erklärt die exteme Landegeschwindigkeit von 10m/s. Die Sonde lag 50m weiter auf einer Wiese





Fazit: Zwei sehr unterschiedliche Sonden. Die erste hätte ich als Einsteiger niemals entdeckt, geschweige denn bergen können. Die zweite war fast schon zu einfach.

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Dienstag, 19. Februar 2019

Peilen wider Willen

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0720057
Frequenz: 404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID: 10304)
Flugdatum: 18.02.2019 12:00Z
Track Bremen/radiosondy Mix
Landestelle Engelschoff bei Himmelpforten, LAT LON: 53.658878, 9.335973 Google Maps
Funddatum 18.2.2018, 19Z
Status: Gefunden durch Peilung


Diese Mitagssonde aus Meppen landete am Nachmittag unweit der Postanschrift des Christkinds bei Himmelpforten, und zwar bei Engelschoff. Tawhiri-Predictions aus verschiedenen Höhen aus den Bremer und den polnischen Daten lagen nur wenige Meter auseinander. Ich kam erst kurz vor 17:00 in Hamburg los, was eine Sondensuche bei Dunkelheit bedeutete. Da man die Sonde im Licht der Taschenlampe in jedem Fall finden würde, sah ich den Augenblick für ein kleines Experiment gekommen: Der Suche unter Ernstfall-Bedingungen mit einem Raspberry Pie und dem neuen Programm Sonde Finder.  Ich hatte ein paar Tests gemacht, die recht vielversprechend verliefen. Allerdings ist meine Kombination aus RTL-SDR-Stick, Raspberry, Powerbank noch ziemlich fliegend verdrahtet, passt aber in einen kleinen Koffer, der nicht viel Platz im Rucksack frisst. Mein Notebook blieb zuhause. Und das war zu viel Optimismus, wie sich herausstellte.
Die Bahn brachte mich nach Himmelpforten, und von da sind es nur etwas mehr als 6 Fahrradkilometer. An der Straße in Engelschoff war die vorhergesagte Position nur 400m entfernt. Ein Verteilerkasten bot eine Arbeitsfläche. Raspberry hochfahren. Sonde Finder starten. Die Sonde war im Spektrum klar erkennbar. Aber angesichts der geringen Distanz wirkte die Amplitude auf dem Display etwas schwach. Und anders als bei den vorherigen Test dekodierte der Raspberry nichts.

Alles wieder einpacken und über Feldwege bis zur Landestelle. Mein mitgenommener Google Earth Screenshot zeigte: Die Prediction lag direkt am Weg, der einen Kanal entlangführte und der auf Open Streetmap nicht zu sehen ist. Vor Ort war im Schein der Taschenlampe von dem Gespann nichts zu sehen, was mich angesichts er erwarteten Genauigkeit der Vorhersage ein wenig erstaunte. Das Signal war sogar noch schwächer als vorher. Immerhin ließ sich mit der Moxon die Richtung erpeilen. Die lag Richtung Straße und Dorf. Allerdings war mein Raspberry-Koffer noch nicht fertig eingerichtet, alle Komponenten fliegen in den Kofferschalen lose herum. Das ganze war absolut nicht zum Peilen und Rumlaufen gedacht. Ich musste, wie ein Kellner einen Teller hält, den aufgeklappten Koffer mit dem fliegenden Setup balancieren und dann über die ziemlich güllegetränkte und von tückischen Gräben durchzogenen Wiese schreiten, in der anderen Hand die Moxon und die helle Lampe. Ein ziemlicher Krampf.

Immerhin schien die Richtung zu stimmen, denn das Signal wurde immer stärker. Allerdings konnte man es nur auf dem Display sehen - nicht hören. Irgendwann versperrte ein Graben den Weiterweg. Also ganz zurück, auf die Nachbarwiese, und weiter. Nach 200 Metern war diese Wiese komplett überschritten. Von der Sonde keine Spur. Die nördlich anschließende Koppel war ein Ex-Maisfeld. Im Schein der Leuchte war nichts zu sehen, obwohl die erpeilte Richtung eindeutig schien. Zwischenzeitige Decodierversuche blieben trotz des inzwischen starken Signals erfolglos und unterbrachen nur sinnlos die Versuche mit meiner Peilkrücke. Also weiter. 260 Meter von der Prediction entfernt endlich links ein roter Fallschirm und quer die Schnur. Uff.







Die auf dem Jaucheacker dahinmüffelnde Sonde versteckte sich unter einem Maisstrunk. Endlich konnte das Köfferchen zugeklappt werden. Die Moxon wurde am Kabel um den Hals gelegt, was den Besitz von nur zwei Armen wieder als ausreichend erschienen ließ.

Ich denke, ein paar solide Tests muss ich mit dem Raspby durchführen, und vor allem herausbekommen, warum, anders als bei den Tests, die Dekodierung komplett versagte. Zur nächsten Sondenjagd kommt wieder ein Notebook mit. Immerhin, old school Peilung funktioniert mit dem Ding eindeutig.

Die Sonde an sich: Kleiner Ballonrest. Kann es sein, dass Meppen keine 50, sondern nur 30m Schnur verwendet? Ansonsten wie üblich super sorgfältig zusammengebaut. Meppen ist Qualität.






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Montag, 18. Februar 2019

45km Radfahren für etwas Schrott

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0340416
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 30.01.2019 12Z
Timerkill: 5:00h
Track eigene Daten  Bremen
Landestelle LAT LON: 53.384874  10.564415  Google maps
Status: GEFUNDEN am 18.2.2019
Methode: Schlechte Prediction  aufgrund eigener Daten bis 395m und massive Suche im Wald

Ein wunderschöner Sommer-Sonntag war sehr verlockend für eine Radtour. Ich wollte unbedingt der Bergener Mittagssonde vom 30.1.2019, die bei Lauenburg-Buchhorst im Wald lag, einen Besuch abstatten. Am Flugtag hatte keiner der üblichen Verdächtigen Zeit, und bisher gab es keine Fundmeldung. Aber wie kommt man da hin? Über Büchen mit Bahn und Bus? Distanz Station Busstation "Buchhorst Abzweigung"-Sonde ca. 1,5km? Hmm, das ist easy  Aber kann man nicht ein paar Kaltsonden auf dem Weg besuchen? Da liegt z.B. seit dem 30.8.2018 N2240716, die Bergener Nachtsonde, in einem kleinen Wäldchen. Laut Google Maps führt ein Weg direkt zur Landestelle. Also warum nicht an der Busstation "Dalldorf Abzweigung" die Fahrt unterbrechen und dort nach dem Rechten sehen? Doof nur, dass die Busse alle 2 Stunden fahren, und manchmal am Sonntag gar nicht.
Also fährt man vielleicht besser mit dem Rad von Büchen nach Lauenburg. Dann kommt man automatisch an beiden Stellen vorbei und ist nicht an Busfahrzeiten gebunden. Büchen? Da ist es nicht weit bis zur Sonde N2230327, einem mir gut bekannten Baumlander, auch aus Bergen, eine Mittagssonde vom 8.8.2018. Die hängt 20 Meter hoch im Wald bei Langenlehsten. Ich hatte sie am Flugtag lokalisiert und seither einmal besucht. Immerhin gab es inzwischen 3 Stürme, und da erfordert diese Sonde eigentlich dringend eine Nachkontrolle. Von Büchen zur Sonde sind es 13.8km per Rad, aber dummerweise in Gegenrichtung zur angedachten Büchen-Lauenburg-Tour. Da dort Sonntags  gar keine Busse fahren, müsste man die Strecke hin- und zurück auf jeden Fall mit dem Rad zurücklegen.

Als ich mein Faltrad heute über den Hauptbahnhof schob, war mir klar, dass ich den Bus Büchen-Lauenburg nicht nutzen würde, denn auf den würde ich eine ganze Stunde warten müssen. Zur Wahl standen die kleine Lösung: Büchen-Dalldorf-Buchhorst-Lauenburg, von da aus zurück mit dem Bus nach Bergedorf. Oder die große Lösung: vorher noch Büchen-Langenlehsten-Büchen. Erst auf dem Bahnsteig in Büchen entschied ich mich für die große Tour - Superwetter, der erste Frühlingstag.

Also auf nach Langenlehsten. Easy zu radeln, am Himmel hörte man Kraniche. Von dem Dorf geht es dann in den Wald. Ein Vogelruf entpuppte sich als Baumläufer. Vor Ort lag die Sonde nicht, wie vermutet, unter dem Baum. Aber sie war auch im Baum nicht mehr an der bekannten Stelle zu sehen. Erst nach einer intensiven Fernglassuche war die Sonde im Gezweig entdeckt. Sie hing jetzt höher und nicht mehr an der langen Schnur. Das kann noch länger dauern. Schade.

Zurück auf dem bekannten Weg. Schönes Fahren, Schwäne, Gänse, Kraniche am Himmel. Goldammern singen in den Knicks, sogar ein paar Stare sind schon da. So bringt es Spaß. Viel schneller als gedacht war ich in Büchen. Die Idee, die nächste Etappe mit dem Bus zu bewältigen, war gegenstandslos, da es mehr als eineinhalb Stunden bis zur nächsten Abfahrt waren. Also weiter radeln. Der Wald in Dalldorf ist in der Gegend der Prediction recht übersichtlich. Aber ich konnte die Sonde nicht finden.

Weiter ging es nach Lauenburg. Das Gelände wurde hügeliger. Der Wald in Buchholz war von der Feuerwehr aus zugänglich und für norddeutsche Verhältnisse ein Gebirge. Das Rad über die Waldwege zu schieben war unmöglich. Also wurde am Zaunpfahl des lokalen Sportplatzes, etwa 250m von der Prediction entfernt, das Rad angeschlossen. Und weiter ging es zu Fuß.

Doch was liegt da vor mir, 2-3 Meter vom Rad entfernt? Ein weißer Streifen.


Ist das etwa??? Ja! Das Ding ist ein Latexstreifen eines Wetterballons. Aber SO weit weg von der Prediction? Den Ballon hatte ich bis 395m GPS-Höhe mitgeschnitten, so schrottig kann das nicht sein. Mir sah das eher so aus, als ob da einer den Schirm und Ballonrest aus dem Wald getragen hat und ein paar Fetzen in die Gegend gestreut hat. Dafür sprach auch, dass auch in den Bäumen ringsum kein Ballonrest hing.

Also rauf auf den Hügel, Richtung Prediction. Hinter dem Gipfel fiel das Gelände steil ab - das war der Hang des Elbtals. Den lockeren Buchenwald mit dem Fernglas abgesucht. Nichts. Zur Prediction heruntergestiegen. Nichts. Leider war ich schlecht vorbereitet und hatte nicht die letzte Sondenposition abgespeichert.

Allmählich bekam ich Zweifel. Hangwinde und das extrem hügelige Terrain mit tiefen Tälern und hohen Hügeln können aber die Prediction unsicher machen. Die Auflösung des Geländemodells von Tawhiri ist 30m, und das Gelände hier ist kleinteiliger. Vielleicht stimmt die Prediction nicht ansatzweise? Also das Paralleltal checken. NICHTS. Zurück zum Rad. Wenn da ein Latexstreifen lag, kann der Ballonrest nicht weit sein. Aber totale Fehlanzeige an den Bäumen in weitem Umkreis.
Die Sonne ging langsam unter. Jetzt noch der Vollständigkeit halber das Tal direkt am westlichen Waldrand erkundet. NICHTS. Also ist es Zeit aufzugeben. 45km auf dem Rad ohne Sondenerfolg. Das ist hart aber ungerecht.

Als ich fast schon das Rad erreicht hatte, sah ich plötzlich in 3m Höhe etwas Weißes an einem Baum unweit des Weges. Die Stelle war ca. 40 Meter von dem "Parkplatz" meines Fahrrads am Sportplatzzaun entfernt. Von der anderen Seite war es durch den Stamm verdeckt. Ein Blick durchs Glas zeigte die typischen Umrisse einer RS41. Unfassbar.

Das Ding war mit der Stange leicht zu Boden gebracht. Was ich so noch nie gesehen habe: Der Begleitzettel war nicht in wie in Bergen sonst üblich mit Tesa befestigt, sondern mit 2 ziemlich schlaffen Gummibändern. Die Nachtsonde tags drauf hatte übrigens wieder Tesa.




Ich lasse ungern Schnüre und Schirme zurück. Beim Ziehen an der Leine war durch die sich biegenden Äste ungefähr die Richtung der Schnur abgeschätzt - aber kein Schirm hing in den Bäumen. Es wurde auch dunkel. Da besagter Sportplatz direkt an den Wald stößt, habe ich mir vom dort aus den Waldrand angeschaut. Und da hingen der große Typ Schirm und allerlei Latexreste.


 
Leider knapp außerhalb in der Reichweite meiner 10m Stange.  Ärgerlich war auch, dass ich versehentlich den Auslöser meiner Handy-Kameras nicht gedrückt hatte, um die Sonde, die malerisch am Baum hing, zu dokumentieren.

Jetzt ging es über die ehemalige Transitstrecke durch Lauenburg zum ZOB und von da aus mit dem Bus nach Hause. Auf dem Rückweg whatsappte ich einen kurzen Bericht. Darauf ein Kommentar: "Und alles nur für etwas Schrott". Ist schon irgendwie strange, dieses Hobby.