Freitag, 30. Juli 2021

Spontane Kaltsondenjagd bei Brietlingen

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
S
3130503
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 27.07.2021 18:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 34038m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.17 m/s 
Landegeschwindigkeit: 6.2 m/s
Landestelle: Brietlingen
, LAT, LON:
53.33505,10.43989 Google Maps
Status: geborgen 29.7.2021, 17:44 UT
Methode: Tawhiri-Prediction
nach Radiosondy-Daten

Eigentlich will ich zu einer weiteren Meppen-Sonde aufbrechen. Auf Radiosondy sehe ich dann aber eine Bergungsmeldung. Auf eine Radtour habe ich dennoch Lust, also wird das Ziel spontan umdefiniert. Einige Bergen-Sonden der letzten Woche sind noch nicht als geborgen gemeldet, und wenn auch die Chancen eher schlecht stehen, kann man es ja probieren.

Im während der  Sommerferien völlig normalen Regionalbahnchaos geht es von Harburg zu der Station Radbruch. Mein Rad ist bloß gefaltet, aber nicht gebrochen. Das erste Ziel ist S3130487.  Fazit einer anstrengenden Suche: Mais ist Schais.

Meine durch Maispollen leicht gereizten Augen erlauben phasensweise nur begrenzte Sicht. Ich bin dann aber wieder in der Lage weiterzufahren. Es geht über Bardowick nach Brietlingen, wo ich zunächst P2310341, einer Meppen-Sonde von 2020, einen Besuch abstatten möchte. Dieses Objekt hängt exakt über dem Ufer des Neetzekanals und hat eine 50%-Chance, nach dem  Herunterfallen davonzuschwimmen. Ich war zwar erst letztens dort, aber in den letzten Tagen hat es heftig geweht. Und wo ich sowieso gerade hier bin, ist es kaum ein Umweg. Der ewige Baumlander ist aber nach wie vor oben. 

Weiter geht es ins Dorf Brietlingen, wo vor 2 Tagen eine Bergener Sonde heruntergekommen ist. Da die Kaltsondensuche spontan ist, ist sie weniger gut vorbereitet als normal. Leider habe ich nur eine Tawhiri-Prediction, aber keine Notizen über die letzte Position und die Flugrichtung in der Landephase.  Ich bin auch zu faul in Radiosondy nachzuforschen. Das ist rückblickend falsch. Denn ich gehe immer davon aus, dass die Sonde aus Süden eingeschwebt ist. Dabei hat sie das Landegebiet in West-Ost-Richtung überquert.

Die vorhergesagte Landestelle befindet sich dort, wo ein größeres Privatgrundstück, ein Pferdehof und ein Neubaugelände zusammenstoßen. Östlich des Privatgrundstücks hat man Zugang über einen Feldweg, der an einem Möhrenfeld entlang verläuft. Dort fällt mir erst einmal nichts auf. Das Privatgrundstück ist mit Hecken umgeben; man hat von außen keinen Einblick. Das Neubaugelände ist erstaunlicherweise frei von Absperrungen und Verbotsschildern. Auf dem vorderen Abschnitt des Geländes ist nichts zu sehen. Hinten, in Richtung auf die Pferdeställe, haust ein Mann mit seinem unangenehmen Hund. Der Mann antwortet nur kurz angebunden und verneint meine Frage, ob ich mich mal umsehen dürfe. Wetterballon? Sowas hamwa hier nicht. 

Vielleicht sollte man doch mal bei dem Privathaus klingeln? Gedacht, getan. Die Bewohnerin ist supernett, kommt gleich mit auf die Suche, ist sehr interessiert und stellt sinnvolle Fragen nach dem "Beuteschema". Ich erkläre ihr, dass man auf weiße Boxen, rote Fallschirme, Latexreste und 50m lange weiße Schnüre achten sollte, und dass man selten alle diese Dinge gleichzeitig sieht. Plötzlich meint sie "Da ist die Schnur, genau wie Sie das beschrieben haben." Tatsächlich, von einer Eiche an der Grundstücksgrenze hängt die Schnur, und unten liegt, surprise, surprise, eine RS41. 




Inzwischen ist auch ihr Mann aufgetaucht, und gemeinsam suchen wir nach dem Schirm und dem Ballonrest. Die Sachen müssen drüben auf dem Möhrenfeld liegen. Die Beleuchtung der Schnur ist sehr schlecht, ich bin tatsächlich vorhin unter der Schnur hindurchgelaufen. 




Erstaunlicherweise lässt sich die Schnur nicht einholen, weil sie im Baum festhängt. Ein gewaltsamer Versuch endet mit Schnurriss. Wieder drüben auf der Grundstücksseite lässt sich aber das letzte Stück Schnur im Hau-Ruck-Verfahren bergen.




Die Besitzerin macht noch jede Menge Fotos und bittet um den Bundeswehr-Zettel als Andenken. Dann verabschiede ich mich von den netten Bewohnern und radel zurück nach Bardowick. Wenn ein Regionalzug pünktlich losfährt, muss das natürlich nicht bedeuten, dass er nach Hamburg zügig durchkommt. Aber das ist eine andere Story....



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Auf dem Weg zur Arbeit mitgenommen

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T2740830
Frequenz:
404.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
29.07.2021 4:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.32 m/s
Maximale Höhe: 20781 m
Landegeschwindigkeit: 6.7 m/s
Track  Radiosondy
Landestelle: Hamburg (Buchenkamp),
LAT, LON 
53.65522,10.18044 Google Maps
Status:
Geborgen am 29.7.2021, 6:25UT
Methode:
Decodierung des Sonden-GPS mit TTGO

 

Ich packe gerade in Schmalenbeck meine Sachen für einen Termin in Flottbek, als diese Sonde nach den Predictions mir aufs Dach zu fallen droht. Die Landestelle verschiebt sich allerdings permanent. Ich habe etwas Zeit, und ich erfahre noch, dass sich mein Termin verschiebt. So ist etwas, aber nicht viel Zeit verfügbar. Soll ich schnell hinflitzen, Sonde einsammeln, zurückflitzen? Das könnte stressig werden. Immer mehr verschiebt sich die vorhergesagte Landestelle in den Bereich Volksdorf. Da käme ich, wenn ich (wie ursprünglich geplant) mit der U-Bahn in die Stadt fahre, direkt vorbei. Als die Sonde dann 200m nordwestlich der U-Bahn Station Buchenkamp niedergeht, ist klar, was ich mache. Das Faltrad will ich ohnehin mitnehmen, also wird eine Stange und meine Sondenjägertasche befestigt und los geht es. Gut, dass man ein Faltrad auch in der Hauptverkehrszeit in den U- und S-Bahnen mitnehmen darf.



Von Schmalenbeck aus sind es nur 3 Stationen bis Buchenkamp.  Die Fahrt ist kurzweilig wegen der vielen netten Kommentare aus unserer Whatsapp-Gruppe. Man fiebert förmlich mit.


 


 Schon am Bahnsteig
habe ich Empfang mit dem TTGO.


Als ich in die Straße "Im Berge" einbiege, sehe sofort vor mir einen roten Fallschirm im starken Wind aufgebläht an einem Straßenbaum hängen. Die durch den Windzug straff gespannte Schnur geht über ein Privathaus. Ich klingel, und die nette Bewohnerin begleitet mich in den Hintergarten. Die Sonde hängt an einem Vordach, und da der Schirm mächtig daran zieht, ändert sie ständig die Höhe über dem Boden und droht  zeitweise  nach oben zu entschwinden. 

 


Wir greifen sie, schneiden sie ab. Ich bedanke mich bei der Helferin, die genau wie ich knapp mit der Zeit ist. Wieder auf der Straße möchte ich noch schnell ein Foto des Fallschirms machen. Der ist allerdings inzwischen abgestürzt und liegt auf dem Boden. Die Schnur kann ich dort komplett aufrollen.






 

Dies ist übrigens meine erste Sonde des aktuellen Baujahres 2021 mit der T-Nummer.



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Mittwoch, 28. Juli 2021

Landung im Billetal

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
S3130504
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 28.07.2021 00:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 35662m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.00 m/s 
Landegeschwindigkeit: 11.1 m/s
Landestelle: Witzhave
, LAT, LON: 53.56949,10.35145, Google Maps
Status: geborgen 28.7.2021, 4:32UT
Methode: Extrapolation nach Radiosondy-Daten

 

Diese Sonde landete direkt im Billetal bei Witzhave auf einer Waldwiese. Ich bin am Morgen mit dem Auto von Schmalenbeck zur Landestelle gefahren. Ich kam nach dem Killtimer an. Die Tawhiriprediction erschien mir unplausibel, so dass ich rasch eine Extrapolation rechnete, die dann auf ca. 20m genau stimmte. Schon beim Betreten der Wiese war der Fallschirm auffällig. Da die Sonde einen Baum knapp verfehlt hatte, war das Einsammeln einfach. 








Montag, 19. Juli 2021

Jetzt aber wirklich geborgen

Sondentyp: DFM09
SN:
D17051081
Frequenz:
403.09 MHz
Timerkill: -
Startstation:
Munster Süd (Artilleriefeuerstellung 35)
Flugdatum: 13.07.2021 10:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 17339m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.16 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.7m/s
Landestelle: Rübke bei Neu-Wulmstorf
, LAT, LON:
53.501467,9.763017, Google Maps
Status: geborgen 18.7.2021, 16:57UT
Methode: Extrapolation auf Basis von Radiosondy-Daten
 

Als die beiden Sonden über Neuwulmstorf soweit abgearbeitet sind, fällt mir am Abend ein, dass es noch eine dritte DFM gab, die in der Gegend heruntergekommen war, in einem Apfelanbaugebiet bei Rübke. Wolfgang hatte es nicht mehr geschafft, hinzufahren. Ich hatte noch eine Tawhiri-Prediction gerechnet. Zwei Tage später gucke ich auf Radiosondy. Die Sonde ist dort inzwischen als geborgen eingetragen. Also gibt es hier keinen Handlungsbedarf; ich kümmer mich nicht weiter um den Fall. Erst später sehe ich mir den Eintrag noch mal genauer an. Der Eintragende, DL4BAB, hat die Sonde gar nicht geborgen, sondern im Landegebiet gesucht und nicht gefunden. Er hat gefolgert, dass bestimmt jemand anderes die Sonde eingesammelt hat und unter "geborgen von:" UNBEKANNT eingetragen. Solche Eintragungen habe ich auch schon mitunter getätigt, wenn die Prediction sehr verlässlich auf eine sehr übersichtliche Landestelle hinweist, zum Beispiel auf eine große gemähte Wiese. Wenn die Sonde dann weit und breit nicht herumliegt, dann kann davon ausgehen, dass jemand unbekanntes schneller war. Insbesondere, wenn man kurz nach der Landung auftaucht und da auch nichts mehr sendet.

Im vorliegenden Fall war es eine Kaltsondensuche, zudem ist die Prediction sehr ungenau. Im Gegensatz zu den anderen Sonden von diesem Tag, die von Kurt  bis in Baumwipfelhöhe getrackt wurden, endet hier die Aufzeichnung in 447m Höhe. Da die Richtung der Tawhiri-Prediction ein wenig unplausibel aussieht, rechne ich noch ein reine Extrapolation. Die beiden Positionen liegen 200m auseinander, was wieder Bände spricht. Und die ganze Gegend in den Apfelplantagen macht auf der Satellitenansicht von Google Maps einen eher unübesichtlchen Eindruck.  Bei Apfelplantagen ist auch immer die Frage, ob man da überhaupt rankommt, sie sind gerne mal abgesperrt. Zudem erkennt man auf Open Streetmap breite Gräben, die das Vorankommen im Gelände erschweren dürften. Irgendwie verfestigt sich das Gefühl, dass in dem Gelände eine erfolglose Suche nicht viel bedeutet und dass die Sonde womöglich noch da ist. Also hin und nachgucken. 

Am Sonntag nachmittag finde ich etwas Zeit. Die S-Bahn bringt mich nach Neuwulmstorf, und von da geht es mit dem Rad zur Landestelle. Und sofort  beginnen die Probleme. Die Koppeln sind lang und schlauchförmig. Vom Querweg, wo ich mein Rad parke, sind es 1700m ins Landegebiet. Da führt auf den Karten ein Fahrweg in die Prediction-Gegend, aber der ist mit einem großen Metalltor abgezäunt; Verbotsschilder sind eindeutig. Es ist irgendwie ein Versuchsgelände. Auch weiter südlich versperren Zäune den Zutritt. Zwischen diesen beiden Bereichen liegen ca. 100m, auf denen ein Fußweg in die richtige Richtung führt. Der würde, wenn er bis zum Ziel führt, zwischen der Tawhiri-Prediction und der Extrapolation herauskommen. Ich orientiere mich anhand der auf der OSM eingezeichneten Gräben und laufe los. Über eine längere Strecke hoppelt ein Feldhase voraus, bis er endlich einen Haken schlägt.

Im Landegebiet wird schnell klar, dass ich im sehr wahrscheinlichen Misserfolgsfall den Eintrag auf ACHTUNG ändern werde. Es sieht alles viel hoffnungsloser aus, als ich es schon befürchtet hatte.

 


Hier sind die Chancen auf eine Auffindung extrem reduziert. Die Gräben zerschneiden das Suchgebiet. In dem Mix aus Schilf, mannshohem Grasbewuchs, aufgelassenen und in Betrieb befindlichen Apfelplantagen mit dichtem Baumbestand kann sich die Sonde leicht verbergen. Ich suche die Gegend mit dem Fernglas ab. Plastikmarkierungen und Drahtgestelle sind schwer von einem  Ballonrest bzw. einer Schnur zu unterscheiden. Die Tawhiri-Prediction wäre auf dem Versuchsfeld nördlich von mir, die Extrapolation in der Apfelplantage Richtung Süden; beide Positionen sind durch Gräben versperrt. Bei einem sehr breiten Quergraben jenseits der Predictiongegend geht es nicht weiter. Hier gibt es aber immerhin Übergänge über die Längsgräben. Allerdings ist auch hier das Versuchsfeld massiv abgezäunt. Drüben versucht ein Radfahrer-Pärchen erfolglos weiterzukommen und dreht bei. Die haben sich wohl verfahren - wie sie aufs Gelände gekommen sind, weiß ich nicht.

Ich kann jetzt aber von hier aus endlich die undurchsichtige intakte Apfelplantage Richtung Süden angucken, auf der sich in 200-300m Entfernung die  Extrapolationslösung befindet. Zwischen den Baumreihen befinden sich Wege und Grasstreifen und Fahrwege. Die checke ich alle mit dem Fernglas und kann in der Distanz nichts erkennen - bis auf eine Ricke mit ihrem Kitz. Ich wandere durch eine der Schneisen - und sehe zwischen den Bäumen in der nächsten Schneise plötzlich die DFM09 auf dem Fahrweg liegen - nur 15m von der Extrapolationslösung entfernt.  Das ist angesichts der Unsicherheit der Prediction mehr Glück als Verstand, aber ich kann mich nicht beschweren. 30m weiter gibt es einen Quergang, der einen Zugang ermöglich. Also muss ich heute den Status in Radiosondy nicht auf ACHTUNG ändern.

 



 

 Neugierige Vögel haben Löcher in den Begleitzettel gepickt



Am Anfang der übernächsten Schneise finden sich ein roter Ballonrest und ein Fallschirm

 




Als ich wieder beim Fahrrad ankomme, ist das Metalltor zu dem Versuchsfeld offen, und vermutliche Angestellte fahren mit SUVs auf dem Gelände herum. Ich bin sehr froh, dass die noch nicht da waren, als ich ankam. Wahrscheinlich hätten die mich aufs Gelände gelassen, und da die Sonde dort nicht lag, hätte das nur eine längere erfolglose Suchaktion nach sich gezogen.

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Mittwoch, 14. Juli 2021

Neu-Wulmstorf unter Beschuss

Der Manöversondensturm beginnt wie immer. Erst eine Sonde aus Lüneburg, dann am Vortrag 1-2 Sonden vom eigentlichen Manöverort, endlich kommen die Sonden so schnell, dass immer zwei gleichzeitig unterwegs sind. Startpunkt ist laut Open Streetmap die Artilleriefeuerstellung Nr. 35 auf dem Truppenübungsplatz Munster-Süd. Da die Wetterlage ungewöhnlich stabil ist, landen alle Sonden in und um Neu-Wulmstorf.

Ich bin zunächst in Flottbek und kann mich nicht ernsthaft mit der Sache  befassen, aber gegen Mittag kann ich mal schnell ein paar Predictions machen. Es stellt sich heraus, dass zwei Sonden direkt in Neu-Wulmstorf gelandet sind. Eine am Grenzpfad, eine auf einer Wiese direkt nördlich vom örtlichen Aldi. Beide Landestellen wären mit der S-Bahn leicht erreichbar. Da aber in letzter Zeit Sonden im Raum Buxtehude rasch abgeräumt werden, habe ich eine bessere Idee. 

Jessi schreibt bei mir eine Masterarbeit und wohnt in Neu-Wulmstorf. Eine Whatsappnachricht des Inhalts "Dein Dorf wird gerade von Radiosonden zugeballert, das rote Ding in Deinem Vordergarten ist im Zweifel ein Fallschirm" weckt Interesse. 

Sondentyp: DFM09
SN:
D17051072
Frequenz:
403.85 MHz
Timerkill: -
Startstation:
Munster Süd (Artilleriefeuerstellung 35)
Flugdatum: 14.07.2021 08:15Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 16571m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.14 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.6 m/s
Landestelle: Neu-Wulmstorf
, LAT, LON: 53.4768,9.7853, Google Maps
Status: geborgen von Jessi und Wolfgang 14.7.2021, 11:17UT
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von Radiosondy-Daten

Sie fragt konkret nach Landestellen und macht sich auf den Weg zur Sonde auf der Wiese. Sie  berichtet, dass sie dort auf einen Sondenjäger getroffen sei, der, mit einem Handscanner bewaffnet, die Bäume am Feldrand absucht. Mein dringender Hinweis, dass die Sonde es definitiv über die Bäume geschafft hat und daher auf der Wiese liegt, führt dazu, dass die beiden ihre Aktivität auf die Wiese verlagern und dort die Sonde sofort finden. Kurts Daten bis in Baumwipfelhöhe lassen keinen Spielraum für nennenswerte Fehler. 




Jessi fragt auftragsgemäß den Sondenjäger Wolfgang, ob er nicht bei unserer Whatsappgruppe mitmachen will, und Wolfgang ist nach Minuten dabei. Stellt sich heraus, dass dies seine erste DFM09 ist. 

Jessi versucht es auch noch bei der Sonde am Grenzpfad - kann die Sonde aber im Wohngebiet nicht sichten.

Wolfgang schafft es, seine zweite DFM, D17051077 bei Buxtehude zu erbeuten. Ich selber entscheide mich, rasch nach Neu-Wulmstorf oder Buxtehude zu fahren. Es dürften ja weitere Sonden einschweben, und vielleicht kann ich eine landen sehen. Das ist mir immer noch nicht gelungen, und die stabile Wetterlage und hohe Startfrequenz könnte das erlauben.

Das ganze läuft nicht so ab wie geplant. In Harburg meinen beide relevanten Apps, dass der Verkehr auf meiner Strecke eingestellt ist - Stellwerksstörung. In Neugraben geht nichts mehr. Auch radiosondentechnisch geht nichts mehr - offenbar ist Feuerpause bei der Artillerie. Gleich wieder zurückfahren möchte ich auch nicht. Also schwinge ich mich aufs Faltrad und bin nach 5km am Grenzpfad in Neuwulmstorf, vielleicht geht da doch noch was? 

Sondentyp: DFM09
SN:
D17050141
Frequenz:
403.47 MHz
Timerkill: -
Startstation:
Munster Süd (Artilleriefeuerstellung 35)
Flugdatum: 14.07.2021 07:20Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 16926m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.88 m/s 
Landegeschwindigkeit: 4.0 m/s
Landestelle: Neu-Wulmstorf
, LAT, LON: 53.4703,9.7977, Google Maps
Status: geborgen 14.7.2021, 13:57UT
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von Radiosondy-Daten
 

Der TTGO hat keinen Empfang. Kurts Daten für diese Sonde sind genauso gut, also ist klar, dass die Sonde im Garten eines Hauses gelandet ist. Von außen sieht man, wie Jessi schon festgestellt hat, nichts. Also klingeln und fragen. Die Klingel des aussichtsreichsten Hauseingangs ist direkt am Haus. Ich klingel, niemand macht auf. Neben der Haustür steht ein Beistelltisch, und darauf liegt, surprise surprise, eine DFM09


Die Heckklappe fehlt, die Sonde ist abgeschaltet, und sie liegt auf dem Begleitzettel. Von Fallschirm, Schnur, Abroller und Ballonrest fehlt jede Spur. Ich mache davon ein Beweisfoto. Da die Hausbewohner nicht da sind, lasse ich die Sachen ansonsten so liegen, wie ich sie vorgefunden habe. Eine Nachbarin fragt mich, was da los ist, und ich kann ihr die Sache erklären. Sie stellt viele interessierte Nachfragen und wird die Nachbarn informieren, was es mit dem merkwürdigen Fund auf sich hat. 

Am Bahnhof Neuwulmstorf fahren die Bahnen inzwischen normal, so dass ich keine Probleme habe, wieder nach Hause zu kommen. 


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Montag, 12. Juli 2021

Sich zur Radiosonde durchfressen, ohne zu stranden

Am Sonntag plane ich mal wieder eine Kaltsonden-Suchtour. Startpunkt ist die Station Dahlenburg der Wendlandbahn. Primäres Ziel ist eine Bergener Radiosonde aus der Vorwoche. In der Gegend liegen einige weitere interessante Kaltsonden herum, die man auf dem Weg mitnehmen könnte. Aus Zeitgründen fliegt P0450165 von der Liste, eine Sonde von 2019, deren Prediction an einem Waldrand liegt. 

An der Station Dahlenburg  wird gegen 9 Uhr das Rad entfaltet. Sie liegt, wie üblich bei der Wendlandbahn,  über 3 km von der namensgebenden Ortschaft entfernt. Direkt an der Bahnstation befinden sich Industriehallen und Einzelhäuser und viel Brache mit Bäumen und Gesträuch. In diesem Gebiet ist am 18.5.2021 eine Bergener Manöver-DFM heruntergekommen. Es ist schon etwas her, und die Prediction ist nicht wirklich genau. Vielleicht hängt sie ja noch irgendwo in einem der Bäume. Ich halte mich nicht lange mit der Suche nach diesem ersten Eintrag auf der Liste auf und fahre durch Dahlenburg nach Dahlem. Hier hängt im Wald  die Bergener Morgensonde vom 22.5.2021. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
S3131474
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 22.05.2021 06:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 35087m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.74 m/s 
Landegeschwindigkeit: 8.3 m/s
Landestelle: Marienau
bei Dahlenburg, LAT, LON: 53.21025,10.73198, Google Maps
Status: geborgen 11.7.2021, 9:58UT
Methode: Tipp von Arne😉


Arne hatte damals die Sonde  hoch im Baum lokalisiert, hatte aber Probleme, die Koordinaten zu ermitteln. Er hatte einen Google-Maps-Screenshot gepostet. Ich habe daraus die ungefähre Position in Locus markiert, muss aber damit rechnen, dass ich den Screenshot falsch interpretiert habe. Die Sonde soll unweit des Randes einer Lichtung sein und wird sicher noch oben hängen. Ich will heute, wo ich sowieso in der Gegend bin, nur kurz vorbeigucken und eine Position ermitteln. Meine 10m-Stange dürfte nach Arnes Beschreibung zu kurz sein.

Über der Lichtung haben Weihen und Kolkraben Spaß mit der Thermik. Unweit der vermuteten Position finde ich nach einiger Suche den Fallschirm etwa 18m hoch im Baum hängen. 


Ich verfolge die Schnur über einige Bäume und bin erstaunt, dass sie zerrissen ist. Ich laufe gegen die Flugrichtung, versuche mit dem Fernglas irgendwo die Sonde oder zumindest die Fortsetzung der Schnur zu entdecken - nichts. Bei der Rückkehr zum Fallschirm sehe ich plötzlich die Sonde vor mir am Boden liegen - etwas versteckt in einer kleinen Vertiefung. 

 





An der Sonde hängt viel Schnur. Mit der Stange kann ich das von einem Baum hängende Schnurstück ergreifen und noch mehr Schnur bergen. Leider bekomme ich den Schirm nicht aus dem Baum gezogen. 

Die Suche und die Schirmbergungsversuche haben 2 Stunden Zeit verschlungen. Inzwischen ist es richtig schwül-heiß geworden, was das Vorankommen im hügeligen Wendland etwas anstrengend werden lässt. Hinter Harmstorf führt wird der Feldweg immer sandiger. Ich muss schieben und kette das Rad am Ende an einem Jagdstand am Waldrand an. Im Wald, auf dem Weg zur nächsten Sonde, ist es angenehm schattig. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
S3120427
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 06.07.2021 00:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 33936m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.05 m/s 
Landegeschwindigkeit: 13.4 m/s
Landestelle: Tostergope bei Dahlenburg, LAT, LON:
53.22250,10.78840, Google Maps
Status: geborgen 11.7.2021, 12:02 UT, Stangenbergung
Methode:Tawhiri-Prediction aus Radiosondy-Daten


Ein auf den Karten nicht verzeichneter guter Weg führt exakt auf die Landestelle zu. Allerdings wird das Vorankommen extrem verlangsamt:


Hier hat man keine Wahl: Die Blaubeeren sind zuckersüß. Dies ist eine Landestelle, zu der man sich buchstäblich durchfressen muss. Und das DAUERT....

Exakt auf der Prediction wird der Spruch "Früher war mehr Lametta" bei hochsommerlichen Temperaturen eindeutig widerlegt.


Die straff gespannte Schnur geht über zwei hohe Bäume und weist den Weg zur Sonde, die in 6-7m Höhe in guter Reichweite für die 10m Stange hängt.

 


Vielleicht reicht es schon, mit der Schneidhilfe an der Stange die Schnur auf der Fallschirmseite zu kappen? In jedem Fall dürfte man dann Sonde und Schirm leichter zu Boden bekommen, weil die Last des riesigen Ballonrests nicht mehr dranhängt.


 

Der Schnitt mit der sehr scharfen Rasierkinge lässt die Schnur nach oben schnellen, aber drüben hört man kein Rascheln. Tatsächlich ist wohl etwas zu viel Reibung in dem System, denn ein paar große Bündel Latex stoppen die Schnur. Dennoch lässt sich die Sonde bequem mit der Schnur-Haken-Technik zu Boden bringen.




Jetzt noch rasch das Latex-Lametta aus dem andereren Baum entfernt....

 


 ...erst dann ist der Sondenjäger wirklich zufrieden. 


Irgendwie sind die Ballonreste aus Bergen momentan alle riesengroß.

Die Rückkehr zum Fahrrad DAUERT natürlich....

Habe ich jetzt überhaupt noch Zeit für eine Ultrakaltaktion? Im Wald bei Walmsburg habe ich eine einigermaßen verlässliche Prediction für eine Bergener RS92 aus dem Jahre 2018. Von dort nach Bleckede ist es noch 12km, und den letzten Bus dort um 18:47 muss ich noch erwischen. Ich entdecke auf der HVV-App, dass es in auch in Walmsburg eine Bushaltestelle gibt. Das verkürzt die Fahrt zum Startpunkt der Rückreise um 10km. Also habe ich massenhaft Zeit. Ein kleiner Umweg in Barskamp muss auch noch sein; am Friedhof habe ich alle Zeit der Welt, die Wasserflasche aufzufüllen.

Vor Ort checke ich die alte Landestelle im Buchenwald ab, aber außer einer eindrucksvollen Steinsetzung gibt es da nicht viel zu finden.


Immerhin ist es 4 Jahre her, und die längst vom Baum gefallene Sonde dürfte in dicken Laubschichten einsedimentiert sein. Da braucht man viel Glück. Bis zur Abfahrt des Busses ist ja noch viel Zeit. Aber irgendwann gebe ich auf. Einfach jetzt die 3km nach Walmsburg radeln und dann in Ruhe auf den Bus warten.

Tiefenentspannt nach einem schönen Tag? Dagegen hilft zuverlässig ein genauerer Blick auf die HVV-App:

Laut der HVV-Webseite soll da ein ganz normaler Stadtbus fahren. Rasch mal die Nummer anrufen: "Bis dahin ist ja nicht mal mehr eine Stunde. Da müssen Sie andermal mindestens 2 Stunden vorher anrufen;  ich kann nix für Sie tun". Na prima. Bisher bin ich noch nie gestrandet, so fühlt sich das also an. Und das ausgerechnet in den Weiten des Wendlands.

Ruhig Blut. Denken, überlegen, handeln. Was für Optionen gibt es noch?  Plan B: In Bleckede fährt der Bus um 18:47. Laut Locus sind das 12km. Sonst Plan C: 35km nach Lüneburg, dort fahren auch noch spät nachts Züge nach Hamburg. Würde  zwar meine Kilometerzahl verdoppeln, aber egal. Bleckede müsste, wenn man jetzt beherzt losfährt, noch machbar sein. Zumal es im Elbtal liegt, und es daher über weite Strecken bergab geht. Wenn man es nicht schafft, sollte man aber gleich nach Lüneburg fahren, alles andere ist ein Umweg, und außerdem müsste man dann den Elbhang bergauf strampeln. Ich checke die Rechnung nochmal: Ja, Bleckede wird gehen. Also mit Brouter eine Route planen und sich mit Locus führen lassen. Bummeln darf ich aber nicht. Es geht tatsächlich meistens bergab, und bei jeder Abfahrt kann man sich für den Gegenanstieg gut Schwung holen. An so einer Steigung müht sich ein Pärchen ab, das gerade die frisch erstandenen  Discounter-Ebikes ausführt. Aus den Naben-Motoren erschallen ungesunde heulende Geräusche. Die sind total perplex, als sie plötzlich von einem hektischen Typen auf so einem komischen unmotorisierten Klapprad überholt werden. Fazit: Augen auf beim Ebike-Kauf.

In Göddingen führt mich Brouter/Locus sogar noch auf einen guten Abkürzungs-Feldweg. Rechts und links fliegen schon wieder diese gelben Vögel auf. Die hatte ich schon vorhin gesehen. Es sind Schafstelzen. Bleckede erreiche ich mit großer Zeitreserve, ich kann auf der Bank vor dem Rathaus ein wenig entspannen, mein letztes Wasser trinken und gut. Der Bus bringt mich nach Lüneburg, wo ich auch direkt Anschluss nach Hamburg habe.


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Dienstag, 6. Juli 2021

Sonde hoch im Baum und dennoch geborgen

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
S3120399

Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 05.07.2020 12:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 32680m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.05 m/s 
Landegeschwindigkeit: 7.0 m/s
Landestelle: Maschen, LAT, LON:
53.36861,10.05362, Google Maps
Status: geborgen 5.7.2021, 15:58UT
Methode: Decodierung des Sonden-GPS (TTGO, RDZsonde)

 

Diese Bergener Sonde landete am Nachmittag im Wald "Buchwedel" direkt südöstlich von Maschen. Zeitweise war während des Landeanfluges nicht klar, ob sie nicht auf den Gleisen der Güterbahn niedergehen würde. Die nächstgelegene Bahnstation ist natürlich Maschen - aufgrund der Posse um die Decatur-Brücke  seit 2016 ein unzugänglicher  Geisterbahnhof. Also startet die Radtour in Stelle. Es geht auf einer langen geraden Straße bis zu einer Autobahnunterführug. Diese Strecke kenne ich von einer früheren Sondenbergung. Auf asphaltierten Waldwegen gelange ich bis zu einer Brücke über die Güterbahn. Von oben unternehme ich einen Empfangsversuch mit dem TTGO - bis zum Ablauf des Killtimers sind es nur noch 25 Minuten. 

Die Position ist nur ca 6 Meter von der Tawhiri-Prediction entfernt, so dass man diese Sonde sicher auch im Kaltsondenstil hätte finden können. Trotzdem sind die Nachrichten von der Landestelle schlecht: Die GPS-Höhe entspricht einer Höhe von 21m über dem Gelände - es ist ein Baumlander. Es geht jetzt ein paar Meter durch den Wald. Das Rad wird an einem Gatter angeschlossen. Ein Pirschweg führt bis fast zur Landestelle, und da hängt die Sonde  auch sofort auffällig im Baum. Vielleicht sind es keine 21m, aber sie ist sicher außerhalb der Reichweite meiner mitgebrachten 10m-Stange. Auch eine Rückkehr mit einer 15m Stange würde wohl keinen Sinn machen.


Kommt man vielleicht über den Fallschirm weiter? Immerhin ist es derzeit fast windstill, und die Landung ist noch nicht lange her. Womöglich hat sich die Schnur noch nicht weiter verhakt. Der Wald ist allerdings ein Urwald, und man muss sich durchs dichte Unterholz kämpfen. Die hoch am Himmel glänzende Schnur weist den Weg


 Tatsächlich liegen der schwere Ballonrest und der Schirm am Boden, und die gespannte Schnur zeigt senkrecht nach oben. 



Ich schneide die Reste ab, aber die Schnur hängt beim Anheben leider durch. Offenbar ist die Reibung doch zu groß, damit die Sonde am anderen Ende herunterkommt. Mit ein paar Seilmanövern gelingt es mir, die Schnur aus ersten drei Kontaktstellen mit Ästen auszuhaken. Jetzt hakt sie auf meiner Seite nur noch im Baumwipfel. Das hilft. Die Schnur spannt sich, wenn man das Schnurende entlastet. Ich lasse die Schnur los. Sie schnellt umgehend in die Höhe, und  der raschelnde Knall aus Richtung Sonde ist Musik in meinen Ohren. 






Erstaunlich ist, dass eigentlich alle Bergen-Sonden der letzten Zeit riesige Ballonreste aufweisen. 

Zurück quere ich die Bahn über eine andere Brücke. Die HVV-App verrät, dass der stündlich verkehrende Zug in Stelle ziemlich bald fährt, also muss ich etwas in die Pedale treten. Bei der Rückkehr nach Hamburg ziert ein Regenbogen den Himmel.

 




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