Samstag, 23. Juni 2018

RS41 Nr. 50

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0930499
Frequenz: 402.5 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 22.06.2018 12Z
Track  Polen (radiosondy.info) 
Landestelle  Kaltenkirchen,  LAT LON: 53.81431, 9.95937  Google maps
Funddatum 22.06.2018, 15:30Z
Gefunden durch eigenen Empfang, gemeinsame Bergung mit André Wulff


Am Freitag sollte laut Vorhersage die Schleswiger Radiosonden im Hamburger Raum landen. Die Morgensonde, P0930394, fiel wie ein Stein vom Himmel, dann berappelte sich der Schirm und ließ die Sonde in Kellinghusen landen - viel zu weit für einen schnellen Ausflug vor der Arbeit. So habe ich sicherheitshalber Sondenjägerrucksack und Faltrad rasch ins Lab mitgenommen, um nach getaner Arbeit schnell handlungsfähig zu sein für die Mittagssonde. Ich hatte wegen einer Prüfung nicht die Zeit, sie nebenher auf der Bremer Seite zu verfolgen, geschweige denn die Landephase durch eigenen Empfang zu verfolgen. Gegen 15:30 war ich erstaunt, dass P0930499 schon am Boden war. Nach der Bremer Prediction lag die Landestelle bei Kaltenkirchen. Die Kürze des Fluges war auf die geringe erreichte Höhe von nur 19000 Metern zurückzuführen.

Der Bremer Empfang endete bei 587 Metern. Noch etwas tiefer, nämlich 490m, kam diesmal die polnische Seite radiosondy.info, die seit einiger Zeit eine Empfangsstation in Schleswig-Holstein in ihrem Netz hat. Die DWD-eigene Seite RasMon kam sogar noch tiefer, nämlich auf 264 Meter. Leider weisen deren Positionen einen merkwürdigen Fehler auf, der im Laufe eines Sondenfluges ansteigt und in diesem Fall im Landegebiet etwa 90 Meter betrug. Sonst wären diese Daten eine ideale Ausgangsbasis für eine selbst gerechnete Prediction gewesen.


Also ging es sofort los nach Kaltenkirchen Süd, einer Haltestelle der AKN. Zwischendurch wurde per Whatsapp mit André kommuniziert, der seit einigen Monaten in Norderstedt - gar nicht weit weg - wohnt. Er meinte, dass er ist ab kurz nach 17:00 eintreffen könnte. "Viel früher bin ich auch nicht da", war meine Antwort. Daher beschlossen wir, dass wir uns treffen und die Sonde gemeinsam suchen würden.

Beim Ausgangspunkt eines Feldweges in Richtung Bremer Prediction wartete ich auf André und nutzte die Zeit für einen Empfangsversuch. Tolles Signal, prima Dekodierung. Die Position war sehr viel günstiger als erwartet: Direkt am Feldweg, nur ca. 300 Meter von mir entfernt, und die sonst so zuverlässige Bremer Prediction lag heute über 500 Meter daneben. Sowas ist sehr sehr ungewöhnlich. Und mehr als ein paar Meter konnte die Sonde nicht hoch sein. Also ging ich von einer einfachen Sache aus.

André wollte in 5 Minuten da sein. Nach 15 Minuten ein besorgter Rückruf. Er hatte sich navitechnisch irgendwie verfranst. Ich whatsappte ihm einen Kartenausschnitt der Open Streetmap und beschrieb ihm am Telefon meine Position und die des nächstgelegenen Parkplatzes und stellte mich als Blickfang in die Einfahrt. Diverse Autos kamen und fuhren weg, denn ein Altglascontainer stand auch auf dem Parkplatz. Dann endlich tauchte Andrés Auto am Horizont auf.

Das hatte etwas gedauert. Jetzt konnten wir uns aber aufmachen, und wir waren auch gleich an der Position, die links vom Weg lag. Nichts Auffälliges war zu sehen. Wo war die Sonde? Der Knick, in dem die GPS-Position verortet war, war ein ziemliches Dickicht. Auf der anderen Seite eine Streuobstwiese mit hohem Grasbewuchs. Das Gras war an einigen Stellen frisch niedergetreten, und es war völlig klar, wo sich die Trampelspuren konzentrierten: Direkt vor der Sondenposition. Da hatte ganz offensichtlich jemand kürzlich peilend gesucht. An mir war seit dem Empfang zwar niemand antennenschwingend vorbeigelaufen, aber wir hatten auf dem Weg auch gesehen, dass es da noch einen anderen Zugang gab. Dieser Sondenjägerkollege war uns wahrscheinlich zuvorgekommen. Seit meinem letzten Sondenempfang war es auch bald 30 Minuten her.

Also rasch den Rechner herausgeholt, noch ein Empfangsversuch. Und, welch Glück,  die Sonde war noch da, und zwar wie erwartet im absoluten Nahfeld. Peilversuche auf der Oberwelle bestätigten den Baum, der auch der GPS-Position entsprach. Die Polarisationsrichtung deutete auf einen Baumhänger, und nach dem Sonden-GPS konnte er  nur wenige Meter über dem Grund hängen. Auf Basis dieser Erkenntnisse suchten wir einen Baum ab. Da erspähte André die Sonde. Sie war auch aus wenigen Metern Entfernung nicht einfach zu sehen und hing ca. 4 Meter hoch.

Wo war aber der ganze Rest? Nach einigem Suchen sah ich dann die Schnur, die fast waagrecht am Himmel verlief und sich kontrastmäßig  vom grauen Gewölk nicht abhob. Sie streifte den Wipfel eines Apfelbaums, und dahinter lagen  der Schirm und ein ziemlich großer Ballonrest am Boden.



Wir hielten kurz Kriegsrat und beschlossen, mal testhalber mit dem Fallschirm Richtung Sonde zu laufen. Andre rief mir zu: "Das funktioniert. Die Sonde kommt runter". So konnten wir sie ohne Aufwand abseilen, die Schnur durchschneiden und aufwickeln. André war natürlich begeistert, seine erste RS41 vom noch seltenen neuen Typ. Für mich war es Nr. 2 von der neuen Bauart, und insgesamt die fünfzigste RS41.

 Da ich keine Lust hatte, eine weitere Ergänzungskarte zu erstehen, radelte ich zur ersten Station des Großbereiches, Tanneneck. Danach musste ich noch mal kurz nach Flottbek, um meinen normalen Laptoprucksack mitzunehmen.

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Sonntag, 17. Juni 2018

Ausflug ins Wendland

Bergens Mitternachtssonde am 17.6.2018 fiel aus, aber die Morgensonde startete, wenngleich leicht verspätet, um 6:55 MESZ. Ich habe es nicht geschafft, die Sonde selber zu empfangen, aber die Bremer Seite verfolgte die Sonde bis in eine Höhe von 504 Metern. Die Prediction sah recht gut aus, und der Killtimer war heute auf großzügige 6 Stunden eingstellt. Ich entschloss mich spontan zu einem Ausflug ins Wendland. Ein Fahrrad brauchte ich nicht mitzunehmen, denn die vorhergesagte Landestelle lag nur 600m Luftlinie vom Bahnhof Varstorf der Wendlandbahn entfernt.

Die Wendlandbahn ist die absolute Peripherie des Hamburger Verkehrsverbunds. Gegen 12:00 war ich dort. Ich habe nicht viel Zeit verloren und gleich mal eine Position der noch sendenden Sonde zu sichern.  Diese lag nur 32 Meter von der Bremer Prediction entfernt auf einem Acker.

Eine Wanderung von 1.5 Straßenkilometern brachte mich an die Landestelle auf einem Kartoffelacker, direkt am Rand der Straße. Man hätte diese Sonde auch leicht ohne eigenen Empfang gefunden, denn der große rote Fallschirm war unverkennbar.


Die Sonde lag in einer breiten Treckerspur, so dass man ohne jeden Flurschaden die Sonde bergen konnte.



Die Sonde habe ich entgegen der Gewohnheit nicht abgeschaltet. Ich habe mich stattdessen auf einen Knickwall gesetzt und mal ausprobiert, wie der Killtimer so funktioniert. Dabei war erstaunlich, dass die Framenummer schon lange die 6 Stunden hinter sich gelassen hat, in diesem Fall fast eine Stunde. Um 10:57:28 UT verstummte die Sonde schlagartig beim Frame 24950. Daraus kann man ableiten, dass der Killtimer knapp 56 Minuten nach dem Einschalten der Sonde aktiviert wurde. Um 4:57:28 UT hatte nach der Bremer Seite die Sonde im Aufstieg ca. 830 Meter Höhe erreicht. In dieser Höhe wird offenbar der Timer gestartet.

Eine andere Besonderheit, die mir schon gestern auffiel: Die Sonde wird durch den Timer nicht ausgeschaltet, sondern es wird nur der Sender deaktiviert. Man muss ZWEIMAL auf den An-Aus-Knopf drücken, um die Sonde wieder in Betrieb nehmen.

Wie gestern gab es außer dem sehr großen Ballonrest wieder einen kompakten Klumpen von Ballonmüll, der sich diesmal in den Fallschirmleinen verfangen hat...




 

  

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Samstag, 16. Juni 2018

Timerkill einfach wegignorieren

Bergen startet ja seit einiger Zeit die Sonden mit einem Timerkill. Die Zeit ist immer unterschiedlich. Alles zwischen 6 Stunden und weniger als 2 Stunden haben wir schon erlebt. Typisch sind derzeit 3:20 Stunden und 4:00 Stunden. Ersteres gibt dem Sondenjäger nur ein paar Minuten, die Sonde noch sendend anzutreffen. Letzteres geht schon eher, wenn der Weg nicht zu lang ist. Mit Bahn und Faltrad und einer Landung im Raum Lüneburg ist beides aussichtslos. Da hilft dann nur eine gute Prediction. Und selbst damit wird es spannend.

Am 16.6. startete Bergen die 0 Uhr-Sonde N2120263 mit 3:20 Burstkill. Ich konnte sie von Hamburg aus mit RTL-Stick und 5-Element-Selbstbauyagi bis in 155m Höhe verfolgen. Dann wurde mit der Predict API und meinen typischen Parametern eine Prediction gerechnet, die super in der Verlängerung der Flugbahn lag und die ich auf +- 20m genau einschätzte. Das sollte reichen, trotz der Bäume vor Ort. Nach all dieser dürren Wochen mit Sonden, die auf ihren Startplatz zurückfielen, endlich mal etwas Spannendes! Dafür lohnte es, um 5:43 am Samstag die S-Bahn zum Hauptbahnhof zu nehmen. Zumal im Zielgebiet laut Habhub weitere Sonden landen sollten.

Die Landestelle war in einem Industriegebiet am Ostrand von Lüneburg. Eine breite Straße durchzieht das Gebiet in Nord-Süd-Richtung, und auf beiden Seiten grenzt ein schmaler Waldstreifen die Betriebe von der Straße ab. Die Prediction sah die Sonde im östlichen Waldstreifen. Sicher nicht auf dem Industriegelände, vielleicht aber auch auf der Fahrbahn.

Vom Bahnhof Lüneburg war es wirklich nicht weit bis zur Landestelle. Keine Sonde(ntrümmer) auf der Fahrbahn. Auf den ersten Blick auch nichts in den Bäumen. Gründlichst inspizierte ich mit dem Fernglas jeden Zweig - nichts. Die Straße verlief auf einem Damm, nach beiden Seiten ging die bewaldete Böschung steil herunter, und nach einigen weiteren Metern Wald kam dann der jeweilige Industriezaun.

Von unten war das Ganze etwas übersichtlicher. Da war aber auch nichts zu sehen. Ich bin dreimal in verschiedenen Abständen durch dieses Gestrüpp gelaufen. Nichts.

Also wird die andere Straßenseite inspiziert. Hier ist der Streifen noch schmaler, so dass es keinen Sinn macht, herunterzuklettern. Aber NICHTS ist zu sehen. Dreimal, viermal beide Seiten aus verschiedenen Richtungen inspiziert. NICHTS.

Allmählich schien es, dass die Sonde doch vor meiner Ankunft auf der Straße oder dem Radweg herunterkekommen ist und andere Liebhaber gefunden hat. Ich wollte gerade aufgeben, zumal inzwischen die nächste Bergener Sonde im Landeanflug Aufmerksamkeit verdiente. Einen letzten Blick auf das westliche Gestrüpp wollte ich aber noch machen. DA ist etwas Rotes! Der Fallschirm. Große Bundeswehrversion. Schwer zu entdecken, UFF.



Ich verfolgte die Schnur. Das war durch das Fichten- und Ebereschengestrüpp kompliziert. Dann sah ich im Fernglas, dass die Schnur in 8-10 Metern Höhe die Straße überquerte und dann auf einen Baum genau AUF meiner Prediction zulief und dort verschwand. Sie lief dann weiter auf eine benachbarte Fichte zu. Da hing statt der erwarteten Sonde  ein großes, plüschig-federiges Etwas, das teilweise durch Zweige verdeckt war. Ballonrest?  Was macht der AM ENDE der Sondenschnur? Oder  schon wieder ein toter Vogel? Ich war, je länger ich das im Fernglas anguckte, ziemlich sicher, dass es wieder letzteres war. Da er sich nicht bewegte, kam da wohl jede Hilfe zu spät.

Wieder die Böschung runter. Stangenbergung von unten war aussichtslos, viel zu hoch. Das Objekt war auch aus der Perspektive teilweise verdeckt, aber dafür war jetzt auch die Sonde klar sichtbar. Die hing nicht an der Schnur, sondern war 30cm unter dem Vogelobjekt zwischen Ästen verklemmt.

Aber die Schnur über der Straße konnte ich mit der 10m Stange tatsächlich greifen, indem ich mich ganz lang machte, denn die Straße lief ja auf einem Damm. Ich musste dabei aufpassen, dass ich den Straßenverkehr mit meinem Stangenmikado nicht behinderte. Ich habe die Schnur durchgeschnitten und an den Leitplanken angebunden, so dass keine Schnur über der Straße hing.

Auf der Fallschirmseite war die Sache aussichtslos. Ich konnte mit Schnurmanövern die Leine von etlichen Ästen freibekommen, aber am Ende riss das Teil. Dennoch habe ich wohl einen großen Teil der  Schnur entfernt.

Wieder über die Straße, zum eigentliche Hauptobjekt. Und das ließ sich gut an! Ein kräftiger Zug befreite die Sonde, ein weiterer beförderte sie in eine wesentlich besser zugängliche Fichte. Und man konnte sie an der Schnur jetzt auf- und abseilen.  Also Schnur lösen, und die Sonde fiel herunter. Aber leider nicht bis zum Boden. Jetzt hatte sich der "Vogel"  im Geäst verhakt. Man konnte immerhin erkennen, dass es kein Vogel war. Sondern doch ein ziemlich großer und kompakter Klumpen von Ballonrest, der sehr fest mit der Schnur verwoben war.

Vom Straßendamm aus gesehen war die Sonde jetzt auf Augenhöhe, aber knapp 10 Meter weg. Waagerechtes Stangenmikado kannte ich zur Sondenbergung bisher nicht. Da ich direkt hinter der Leitplanke stand, musste ich immer sorgfältig darauf achten, dass die Stange nicht auf die Fahrbahn geriet. Aber dann hatte ich endlich die Sonde in der Hand.




UFF. Das hatte gedauert. Was war jetzt mit der 6Z-Sonde? Laut Bremen war sie nur noch 1800m hoch. Vielleicht könnte ich sie aus der Nähe ein paar Meter tiefer kriegen als die Bremer! Schnell Rechner und Antenne aus dem Rucksack und los. Als alles gut lief, war sie nur noch 650 Meter hoch, und ich konnte sie immerhin bis 336m Höhe verfolgen. Die Landestelle war in einem Wohngebiet in Lauenburg. Würde es Sinn machen, da hinzufahren? Da die 12Z auch im Lauenburgischen herunterkommen sollte, könnte man ja zumindest auf dem Weg in Lauenburg aussteigen und nachgucken.

Also wurde rasch (immer noch am Straßenrand) die erste Hilfe gegen den Timertod geleistet - eine Prediction gemacht. Alles wurde eingepackt, und dann ging es wieder zurück zum Bahnhof. Rein in den Zug nach Lauenburg. Den Elbhang hochgekeucht und ab zur Stettiner Straße. Meine Prediction sah hier die Landestelle AUF der Straße. Die Suche dauerte nur wenige Minuten, denn auf einem komplett ungegrabenem ackerartigen Vordergarten direkt am Gartenzaun sehr nahe der erwarteten Stelle lag eine RS41. Die Schnur war auch da und endete auf der Fahrbahn, aber der Fallschirm, Abroller, Ballonrest waren abgerissen und nicht zu sehen.  Die direkten Nachbarn auf der anderen Haushälfte, mit der Lage vertraut gemacht, meinten, sie hätten zur fraglichen Zeit einen Knall gehört, als wenn ein Vogel gegen die Fensterscheibe fliegt. Sie vermuteten, dass das Ding vor der Landung ihre Satellitenschüssel getroffen hat.

Die eindrucksvolle Lage der Sonde hatte ich eigentlich geglaubt, fotografiert zu haben, aber leider habe ich wohl nicht richtig auf den Auslöser gedruckt.

Völlig neuartig war die Befestigung des Begleitzettels. Der war diesmal nicht auf dem Boden, sondern auf dem Rücken der Sonde befestigt, und zwar so sorgfältig gefaltet und festgeklebt, dass man ihn nicht wahrnimmt. Die andere Sonde hatte sie auf dem Boden, und so gefaltet, dass die Worte "Mitteilung an den Finder" intelligenterweise nach oben zeigen.

Durch die sehr schöne, aber radfahrfeindliche Stadt Lauenburg ging es zurück zum Bahnhof und weiter nach Büchen. An diesem Eisenbahnkreuz fahren Züge in alle Richtungen. Dort wollte ich die 12Z-Sonde aussitzen. Ich suchte mir ein nettes Plätzchen am Elbe-Lübeck-Kanal außerhalb der Funklöcher und legte mich ins Gras. Sehr schöne Gegend: Perlmutterfalter, singende Pirole, was will man mehr? Den Überflug der Sonde habe ich per eigenem Empfang verfolgt, aber bald wurde klar, dass dieses Ding einen wahnsinnig wirksamen Schirm hatte. Als die Prediction weit hinter Lübeck ankam, beschloss ich, den Heimweg anzutreten. Immerhin mit zwei Timerkill-Sonden mit fortlaufender Nummerierung im Gepäck.







 
Ein kleiner Umweg musste aber dennoch sein. Der galt zur Landestelle von M0310463, einer Saseler Sonde vom 20.4. Die war nur 1.5km von meinem Rastplatz entfernt. Aber unerwartet schwer erreichbar, weil eine umgestürzte Weide den Weg blockierte. Der Schlenker war zwar umsonst, aber auch vergebens. Die genaue Predictionstelle liegt gerade noch auf einem Maisfeld, die Sonde könnte auch in ein komplett unübersichtliches Gestrüpp oder einen Teich gefallen sein. Eine sehr kurze Inspektion der Gegend ließ es sinnvoller erscheinen, das Ding auf die Liste der hoffnungslosen Fälle zu verbannen.



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Mittwoch, 6. Juni 2018

Gesamte Reichweite: 1,1 km


Sondentyp: RS41-SGP
SN: N3930589
Frequenz: 403.0 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 06.06.2018  12Z
Track  Bremen
Landestelle Pinneberg LAT LON: 53.67695, 9.824436  Google Maps
Funddatum 06.06.2018, 15Z
Gefunden durch Peilung


Die RS41-Sonde N3930589 aus Pinneberg flog am 6.6.2018. Der Wind war derartig flau, dass die Sonde zwar in eine Höhe von 20000m gelangte, aber nur 1100m vom Startplatz auf eine Wiese fiel.

Ich bin am Spätnachmittag mit dem Regionalzug nach Pinneberg gefahren und dann 6km zur Landestelle geradelt. Die Sendemaste  der Seewettersendestelle waren weithin sichtbar, und direkt dort war auch der Startplatz der Sonde. Ich konnte das Signal der Sonde aus 200m Distanz prima dekodieren. Obwohl auch diesmal das Gespann im hohen Gras gut getarnt war,  musste nicht gepeilt werden, da ich mich fast in der Schnur verheddert hätte. Der Rest war einfach.


Unten der Ballonrest, die Pfeile markieren die Sendemastem. Zur Vollansicht einfach anklicken.






Nach der erfolgreichen Bergung ging es zurück nach Thesdorf - Pinneberg ist für den Radfahrer ein etwas nerviges Pflaster.

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Dienstag, 5. Juni 2018

Ist das überhaupt noch ein Sondenfund?


Am 5.6. sah man auf der Bremer Seite eine DFM09 über dem Hamburger Hafen. Ein Blick auf das Hafen-Schiffsradar zeigte mal wieder an der üblichen Stelle die Atlantic Sail, eines der Containerschiffe, von denen aus Radiosonden aufsteigen. 


Ich hatte auf Arbeit keine Zeit zur Verfolgung der Landephase durch eigenen Empfang. Die Bremer Vorhersage sah aus 324 Metern Höhe die Landestelle auf einer Wiese bei Neu-Wulmstorf. Die Google Maps Satelliten-Darstellung ließ auf eine problemlose Wiesenbergung hoffen. Insbesondere, wenn man so rechtzeitig erschien, dass die Sonde noch sendete.

Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit habe ich zuhause die Stange aus dem Rucksack geschmissen, Rechner, Antenne und RTL-SDR eingepackt, das Faltrad geschultert, um die S-Bahn nach Neu-Wulmstorf zu besteigen. Dort wurde in die Pedale getreten, und es ging es rasch zur Landestelle. Die sah aber völlig anders aus als auf Google-Maps! Der Feldweg führte auf einen riesigen Erdwall hin, davor stand ein Bauzaun mit Verbotsschildern. Dahinter befand sich eine riesige tiefe Grube mit einer riesigen Wasserfläche – auf der zu meinem Erstaunen ein ausgewachsener Schwimmbagger (Marke Elbvertiefung) dahindümpelte und Krach machte! Empfang der Sonde vor Ort: Null. Meine erste Idee: Diese Sondenbergung war buchstäblich ins Wasser gefallen. Richtung Norden knickte der hohe Erdwall ab. Dort drehte „Bauer Harms“ auf einer Wiese seine Runden mit seinem Trecker und wendete das Heu. Um nach getaner Arbeit fluchtartig die Szene zu verlassen. Der hatte wohl Feierabend.

Im Schatten eines Baumes wurde erst einmal die Lage durchdacht. Wo genau war die Sonde, wenn man sie überhaupt noch finden konnte? Es gab gutes 4G-Netz. Die Landegegend auf Google Maps: Wiese. Die Landegegend auf der SAT-Ansicht der Bremer Seite: erste lokale Erdarbeiten. Die Landestelle auf Google Earth: Grube fertig, Erdwall gut sichtbar und das Innere geflutet! Und da wurde klar: Die Bremer Vorhersage lag eben nicht auf diesem hoffnungslosen Gelände, sondern gerade eben noch eben auf „Bauer Harms“ frisch gewendeter Wiese. Wenn die Sonde nicht aus Versehen ein paar Meter weiter geflogen war, gab es noch Resthoffnung. 

Obwohl die Zeit knapp wurde – ein Vereinstermin in der Stadt rief - beschloss ich, einfach mal nachzugucken. An der Bremer Vorhersage lag etwas Weißes im frisch gewendeten Heu: Plastikmüll. Ich wollte gerade aufgeben und weggehen, da sah ich noch einen kleinen weißen Fleck im Heu. Sicherheitshalber wurde auch dieses Objekt erkundet. Beim Näherkommen war die charakteristische Form einer DFM09 evident. Bei genauerem Hingucken wurde aber deutlich, dass nur der hintere Styropor-Deckel des Gehäuses und die Kunststoffverkleidung noch vorhanden waren. Der Rest – inklusive Ballonrest, Schnüren und Sondenelektronik – waren nirgends zu erkennen. 



Offenbar hatte der Bauer das Ding mit der Wendemaschine zerlegt und die meisten Teile mitgenommen – aber aus irgendeinem Grund aber die Hülle und den Gehäusedeckel liegen lassen. Sehr merkwürdig. Aber das erklärte, warum es keinen Sondenempfang mehr gab, und zeigte, dass die Bremer Prediction auf ca. 50m genau stimmte.

Gegen 18:00 war ich wieder am Bahnhof in Neu-Wulmstorf. Ich konnte noch sehr bequem meinen Termin in Allermöhe um 19:30 erreichen.

Ach so, ich habe beschlossen, dass Ding als Sondenfund zu werten, weil ja immerhin minimale Teile der eigentlichen Nutzlast eingesammelt wurden.

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Sonntag, 3. Juni 2018

Sonntagstour nach Drochtersen

Am Freitag, den 1.7. wurde erneut in Pinneberg eine RS41 (N3930599) gestartet, die, ähnlich ihrer Zwillingssonde vom Vortag, nicht weit kam. Diesmal konnte ich aber selber die Sonde nicht tracken; jobbedingt konnte ich auch nach der Landung nicht zur Landestelle nach Drochtersen aufbrechen - was auch wegen der tropischen Hitze und der abendlichen Unwetter nicht weise gewesen wäre. So machte ich mich mit einer durch einfaches Nachdenken leicht korrigierten Version der Bremer Prediction am Sonntag auf den Weg. Faltrad und Sondenjäger fanden Platz in einem Regionalzug nach Cuxhaven, der sie nach Hammah brachte. In der Gegend ist die Sondenversorgung bekanntlich der Hammah, und ich hatte dort noch eine schöne Sondensammeltour in Erinnerung, bei der ich drei DFMs einsammeln konnte, zwei davon bei Hammah.

Auf der bekannten Route ging es über Groß-Sternebek und Ritschermoor weiter nach Norden. Diesmal lag die Landestelle südlich von Drochtersen an einem breiten Kanal, dem Gauensieker Schleusenfleth. Der Weg verlief auf der gegenüberliegenden Seite. Die Felder gegenüber waren in Form schmaler, aber mehr als 1km langer Streifen angeordnet. Der erste Streifen war ein uferloses Rapsfeld, in dem man nichts hätte erkennen können. Der Streifen dahinter war Brachland (bzw. der verunglückte Versuch, Sommergetreide anzubauen). Dahinter kam ein hoch stehendes Gerstenfeld. Die Bremer Prediction sah die Sonde immerhin auf dem Brache-Streifen. Dort wollte ich unbedingt nachgucken. In jedem anderen Fall wäre es nach den Erfahrungen vom Vortag, wo ja nicht einmal eine GPS der gelandeten Sonde ausreichte, ziemlich hoffnungslos geworden. Mit dem Fernglas konnte ich auf Höhemeiner korrigierten Version ein  mysteriöses weißes Objekt erkennen. Ein eindeutiger Fremdkörper, welcher aber von tiefen Ackerfurchen teilweise verdeckt war und nicht allzu sonden- oder ballonrestartig aussah.

600m nördlich führte eine Brücke über den Kanal. Gleich dort stand ein Baum, der voll von Krähen war, die mein Erscheinen mit lautem Protest kommentierten. Rasch das Rad am Geländer der Brücke angeschlossen und los! Man konnte gut am Rande des Brachfeldes entlanggehen, ohne Flurschaden anzurichten. Aus dem Raps guckten mitunter Ohren und Geweihe von Rehen heraus. Auf Höhe der Bremer Prediction sah ich auf einmal wieder das weiße Objekt - den Ballonrest - und dann auch eine eindeutige RS41 rechts von mir liegen.


 





 Nach der Sondenbergung ging es dann nicht direkt zurück, sondern zur Bremer Vorhersageposition der  Landestelle von N4220147, einer Schleswiger Mittagssonde vom 22.3.. Wenn man schon mal in der Gegend ist...Allzu viel Hoffnung habe ich mir nicht gemacht, und so war ich auch nicht wirklich enttäuscht über den erwartbaren Ausgang der Suche. Das Gelände war in der Realität noch unübersichtlicher als es auf Google Earth erscheint. Jedenfalls hatte ich am Ende 33km zurückgelegt, zwei Sonden von der "Kaltsondenliste" entfernt und nur eine davon die "Liste der hoffnungslosen Fälle" geschoben.

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