Montag, 31. August 2020

Die DFM09 - Ein echter Wertstoff

 

Sondentyp: DFM09
SN:19032566
Frequenz: 402.608 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 31.08.2020 12:00
Track  Radiosondy und wetterson.de
Landestelle LAT LON: 53.49707,10.253472 Google maps
Gefunden am 31.8.2020 13:10UT
Methode: Decodierung des Sonden-GPS und Peilung (TTGO)
 
Diese Sonde startet in Pinneberg und sendet auf der ungewöhnlichen Frequenz 402.608 MHz. Weshalb sie im Internet nur von wenigen Stationen verfolgt wird. Selbst habe ich auch keine Daten produziert, weil ich ohnehin Richtung Bergedorf unterwegs bin. Die Sonde ist gerade gelandet, als ich am S-Bahnhof Reinbek die S-Bahn verlasse. Die Landestelle ist nur 1,6 Fahrradkilometer entfernt. Es geht aber fast die ganze Strecke für norddeutsche Verhältnisse aber stramm bergauf - die Hänge des Billetals. Unterwegs wird der TTGO gestartet und liefert auch recht bald Positionsdaten der Sonde. Und schon bin ich da. Und ich bin ratlos. 
Ein Fahrweg führt an Wohnblockhäusern vorbei. Extremer Baulärm. Überall wird gebaut. Bevor ich mich orientieren kann, kommt eine nette Dame Typ Bauingenieur angelaufen und fragt mich nach dem Grund meines Auftritts und wünscht viel Glück. Dann taucht noch ein ebenso netter Mann Typ praktischer Handwerker/Hausmeister auf. Auch dem wird alles erklärt. Nun aber mal die Sonde suchen.
 
Rechts in Richtung Mietshaus ist alles recht übersichtlich. Im üblichen GPS-Fehlerkreis stehen links zwei Bäume. Da ist aber nichts zu erkennen. Ich inspiziere sie von der Straße aus. Nichts. Das Sondensignal ist auch noch da und stabil an der gleichen Stelle. Harry empfiehlt über Whatsapp bereits das Putzen der Brille. Das kann doch nicht sein.
 
Ist vielleicht das Ding dicht bei den Häusern und hat da mal wieder schlechten GPS-Empfang? Aber da liegt auch nichts herum.  Da hilft nur Peilen. Ich habe ja den TTGO dabei, und der zeigt ja die Signalstärke. Ich hatte mal ein paar Peil-Tests gemacht, die ließen sich ganz gut an. Das hier ist jetzt der Ernstfall. 

Antennenstummel ab, Moxon ran. Und das Ding erweist sich sofort als tolles Peilgerät, und zwar auch im Nahbereich. Einfach drauf zulaufen. Die Quelle des Signals steht unweit der GPS-Position und lässt sich einfach identifizieren.


Deckel aufmachen. Die Mülltonne ist rappelvoll und ganz obenauf liegt, surprise,  eine ganz entzückende DFM09! Die Sache ist luschig eingeworfen worden. Die Ballonreste sind von dem gehäuften Müll heruntergerutscht und liegen jetzt am Boden vor dem Müllbehälter. Ich komme überhaupt nicht dazu, sie an der Schnur hochzuziehen, denn Hausmeister-Man ist schon zur Stelle und öffnet mir mit seinem Vierkantschlüssel die Frontklpappe. Und schwupp ist er wieder weg, ich komme kaum dazu, mich verdattert zu bedanken. 

Auf jeden Fall habe ich gelernt, dass man mit einem TTGO bei Bedarf auch peilen kann. Und zwar bin ich komplett erstaunt, wie gut das auch im extremen Nahbereich geht - viel besser als mit irgendeinem SDR-Stick. Und wieder bestätigt sich, dass frühes Erscheinen im Wohngebiet hilft. 20 Minuten nach der Landung kann das Ding schon entsorgt sein.

 

Und die Ballons aus Pinneberg sind jetzt wieder rot.

 





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Dienstag, 25. August 2020

Das Moor am Flugplatz

 

Sondentyp: RS41-SGP  
SN:  R2810144 
Frequenz: 402.5 MHz 
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)  
Flugdatum: 07.05.2020 0Z
Timerkill: Keiner
Landestelle  Heist/Uetersen,  LAT LON: 53.642,9.70361 Google maps 
Status: geborgen am 25.8.2020, 12:44 UT 
Methode: Positionsdaten nach der Landung aus radiosondy.info (danke, Kurt)

Diese Sonde landete im Mai 2020 direkt südlich vom Flugplatz Stenkelfeld. Kurt aus Uetersen konnte sie dank seines Antennenturms auch nach der Landung im Moor noch empfangen, daher war eine exakte Position bekannt. Hein, ein lokaler Funkamateur, hat natürlich versucht, die Sonde zu finden. Er konnte sich bis auf 60 Meter der Landeposition nähern - aber dann stoppte ihn das Moor. Wir hatten jetzt eine wochenlange extreme Dürreperiode - vielleicht geht da inzwischen was. In den letzten Tagen regnete es allerdings zum Teil wieder heftig. Wenn überhaupt noch etwas ging, dann bald nicht mehr. Da Hein im Urlaub ist, habe ich heute spontan beschlossen, eine Bergung zu versuchen. 

Es war trotz der Trockenperiode und trotz meiner Vertrautheit mit solchem Gelände nicht ganz einfach. An der Stelle, wo Hein aufgeben musste, wäre ich beinahe auch umgedreht. Aber dann sah ich einen schmalen Zugang zwischen zwei Moortümpeln oder Torfstichen, und dahinter konnte man auf einem Sphagnum-Teppich, einigen Wildpfaden folgend, bis zur Landestelle gelangen. Etwas mehr Feuchtigkeit, und da geht gar nichts. Die Sonde lag abgerissen exakt auf Kurts Koordinaten am Boden. Von Fallschirm, Ballonrest und Schnur war nichts zu erkennen. Da überall drumrum der Boden ungemütlich nachgiebig war, habe ich auch nicht näher nachgeforscht und habe den Rückweg angetreten. Glücklicherweise hatte ich die GPS-Koordinaten des Ausgangs noch gespeichert.

Zurück habe ich noch darüber nachgedacht, mich am Flugplatzimbiss zu stärken - sie warben mit einem leckeren Grillteller. Rechtzeitig fiel mir aber diese Warnung ein und habe lieber den Magen knurren lassen. Alles ziemlich militärisch dort - vor dem Flugplatz steht ein ausgemusterter Kampfjet.  Bedrohlich wirkte das Geballer auf dem Bundeswehrstandort nebenan, und links und rechts vom Heimweg ist alles mit weißen Schildern gesperrt. Ich komme auch an der extrem eigenartigen Landestelle von N4220144 vorbei. Merkwürdige Gegend, also Maske aufsetzten und bloß rein in den Bus nach Wedel.




Montag, 10. August 2020

Operation Urban Rescue

Wir haben hier eine lustige Whatsappgruppe, die die Entwicklung am Radiosondenhimmel im Großraum Hamburg verfolgt und grundsätzlich humorig kommentiert. 

"Pinneberg hat soeben eine DFM09 gestartet. Zielgebiet Hamburg-Eimsbüttel"
"Urban Rescue. Das ist Dein Spezialgebiet 😀."

Sondentyp: DFM09
SN:19032102
Frequenz: 402.01 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 10.08.2020 12:37LZ
Track  Radiosondy und eigener Empfang
Landestelle LAT LON: 53.53745,10.0105  Google maps
Gefunden am 10.8.2020 13:48UT
Methode: kreatives Befragen von Anwohnern / Decodierung des Sonden-GPS (TTGO)

 

Bei der derzeitigen Flaute wird die Sonde nicht weit kommen. Eine Yagi wird auf dem Balkon aufgestellt und die Landephase mitgeschnitten. 

Die Sonde droht anfangs in die Elbe zu fallen und  landet dann aber 5km entfernt direkt am Ufer. Ich kann sie bis in 64m Höhe verfolgen. Die Landestelle liegt nicht in Eimsbüttel, sondern in der Hafencity, also in jenem politisch stark gewollten Stadtteil der Hansestadt, zu dem mir bisher jegliche innere Einstellung fehlt. Auf Google Maps sieht die Gegend nach einer Baustelle aus. Aussteigen an der Station "Hafen City Universität". Schon beim Verlassen des Tunnels kriegt der TTGO ein GPS-Signal der Sonde. Erfreulicherweise nicht auf dem Baustellengelände, sondern direkt an der Straße, dort, wo am Kai eine Art Museumsschiff rumdümpelt. Das passt nicht zur Prediction, aber wer will sich beschweren, wenn es einfacher wird als gedacht? Bei 33°C ist eine einfache Sondenbergung doch auch sehr schön. Zumal eine weitere Pinneberger Sonde hinterkommt und angesichts der Windlage auch irgendwo in der Nähe landen dürfte. 

Schon bin ich bei der GPS-Position. Aber wo ist die Sonde? Die Baustelle ist fertig -  das einzige fertige Wohnhaus. Alle anderen Häuser sind noch im Bau. Aber an der TTGO-Position liegt weit und breit keine Sonde. Schwimmt sie im Wasser? Liegt sie auf dem Schiff oder hängt sie in den Masten? NEIN. Das kann doch nicht sein.

Sendet sie überhaupt noch? Ja, meint der TTGO. Ich lasse mir 20 Positionen auf Locus anzeigen. OK, das streut etwas, passt aber zu der ersten Position. Im ganzen Bereich liegt keine Sonde. Was ist hier los?

Mir fällt ein, dass DFMs und RS41 bei extrem eingeschränkter Himmelssicht allen möglichen Bullshit anzeigen, DOP sei Dank. Die angezeigte Höhe spricht auch gegen einen akkuraten GPS-Fix. 36m ist an der angezeigten Position nichts hoch. Bei der nächsten Sturmflut steht die Straße unter Wasser....Vielleicht liegt sie im Innenhof des fertiggestellten Hauses? DORT hätte sie eindeutig keinen guten GPS-Empfang.

Der Innenhof ist eine eine nette gartenartige Freianlage hoch über der Ufermauer, die ich aber von unten nicht einsehen kann. Oben laufen ein paar Eltern und Kinder herum. Ich rufe zu ihnen hoch, ob sie die Radiosonde gesehen hätten. "Wie sieht das denn aus?" "Weiße Styroporbox, 30m Schnur, Latexreste". "Wie groß, wie ein Schuhkarton?". "Kleiner", und ich deute den Umriss einer DFM09 an. "Da!, ist das...?". Der Mann hält eine DFM09 und einen Haufen Schnur über die Mauer! Yess, das Ding lag offenbar 40m von der GPS-Position der Sonde entfernt. Ich muss über die Baustelle ca. 200m laufen, dann finde ich nach 3 Fehlversuchen von der anderen Seite Zugang zu dem Garten der netten Bergungshelfer. "Ich hatte schon gedacht, dass es ein neues Spielzeug der Kids wäre, denn es lag zwischen lauter Spielsachen". Nach der üblichen Erklärung kann ich meines Weges gehen. Vorher guck ich noch mal auf mein Handy-GPS - es zeigt auch nur Unfug an.

 

Inzwischen ist die zweite DFM gelandet - in Hamburg-Horn. Die hatte ich bei der verzweifelte Suche nur am Rand mitgekriegt. Hein - er macht gerade Urlaub in Polen - und Bernd haben mir aber passende Predictions per Whatsapp geschickt. Das ist extrem praktisch, weil ich nur noch die Koordinaten in Locus einhacken muss. 

  

Sondentyp: DFM09
SN:19031941
Frequenz: 402.308 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 10.08.2020 13:32LZ
Track  Radiosondy
Landestelle LAT LON: 53.55043,10.06755  Google maps
Gefunden am 10.8.2020 14:30UT
Methode: Decodierung des Sonden-GPS (TTGO)

Bernds Korrdinaten liegen AUF einer vielbefahrenen Einbiegung auf die Eiffestraße, nicht weit weg von der früheren Residenz des Astroshops. Wenn das stimmt, ist es höchste Zeit für Urban Rescue. Im glücklicherweise klimatisierten U-Bahnwagen kann ich mir Kurts Landedaten in Radiosondy angucken und gehe von einer Landung in der benachbarten Kleingartenkolonie aus. Die U-Bahn fährt direkt hin, ich kann gerade noch den TTGO auf 402.308 MHz umstellen und muss auch schon an der U-Bahn-Station "Rauhes Haus" raus. Der TTGO schlägt erneut an - die Position liegt in der Kleingartensiedlung. Beruhigend: Patient 19031941 geht es gut, und der urbane Rettungsdienst ist gleich am Absturzort.

 

 

Ich gehe durch die Kleingartensiedlung bis zu dem Südende des Weges. Dort steht ein junger Mann. Dem erkläre ich die Sachlage. "Kein Problem, der Kleingarten mit der Sonde gehört meiner Mutter". Quer durch den Garten verläuft sofort sichtbar die Schnur, geht eine Telefonleitung und verschwindet in der Hecke. Per Schnurzug lässt sich der Ballonrest wie eine Fahne hissen, und ein anderer Schnurzug befördert eine DFM09 vom Dach. 

 


Wieder muss ich meinem Bergungshelfer und seinen herbeigeeilten Freunden die Sonde erklären. Was in beiden Fällen neu ist: Pinneberg geht wieder zu weißen Ballons über. 

Beim genaueren Betrachten der Beute fiel mir bei einer Sonde ein Fehler im Label auf. Es gibt einen kleinen Label auf dem Styroporgehäuse und einen großen auf der Schutzhülle. Offenbar steckt die richtige Sonde in dem falschen Gehäuse.

Bei der anderen Sonde ist alles korrekt



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Dienstag, 4. August 2020

Sondenmagnet in Vögelsen

In Lüneburg habe ich mal eben schnell von der Firma Panasonic eine Radiosonde (R2320566 ) abgeholt. Sie war am Sonntag gelandet. Ich hatte auf den Anrufbeantworter gesprochen, sie hatten die Sonde unter dem Baum eingesammelt - die Schnur ging über den Baum - und mich mit der Frage "Sollen wir das wegschmeißen, oder wollen Sie die haben?" zurückgerufen.
Am Morgen ist bei Vögelsen auf einer freien Fläche die Bergener Morgesonde R2320582 gelandet. Die sendet jetzt natürlich nicht mehr. Die erste Bahnstation auf dem Weg von Lüneburg nach Hamburg ist Bardowick. Von dort sind es nur 3km bis zur Landestelle - und ich habe ja mein Faltrad mit.
Die Mittagessonde aus Bergen (R2320605) ist in der Luft und will im Auge behalten werden. Vielleicht landet sie auf dieser Seite der Elbe? Es stellt sich heraus, dass ihr Fallschirm verheerend schlecht funktioniert und sie in der Gegend, in der ich gerade unterwegs bin, herunterkommt. Als ich an der Landestelle der Morgensonde ankomme, ist die Mittagssonde nur 800m entfernt niedergegangen. Die Landestelle der Morgensonde liegt auf einem doppelt mannshohen Maisfeld. Das wird anstrengend. Wichtiger erscheint mir eine sofortige Aktion bei der frisch gelandeten Sonde!

Sondentyp: RS41-SGP
SN:   R2320605
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 3.8.2020 12Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Vögelsen, LAT LON: 53.299618,10.324543  Google Maps
Status: geborgen am 03.08.2020, 13:30 UT
Methode: GPS-Decodierung mit TTGO

Wieder brauche ich keine Prediction selber zu machen - ein Screenshot der Satellitenansicht kommt von Hein per Whatsapp. Die Landestelle kenne ich gut. In der Gegend habe ich diverse teilweise auch erfolglose Radiosondensuchen erlebt:

Zuletzt habe ich am  28.6. dort die Bergener Mitternachtssonde R2340071 eingesammelt. 200m entfernt hatte ich auch im November 2019 eine erfolglose Kaltsondensuche durchgeführt. Damals hatte ich mein Rad an ein Verkehrsschild angeschlossen. Das Schild tut heute wieder seinen Dienst.


Der TTGO lässt Koordinaten sprudeln. Die Sonde liegt wenige Meter im Maisfeld, allerdings stellt sich heraus, dass die Schnur über einen Knickbaum verläuft. Der Rest ist einfach....






 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2320582
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 3.8.2020 6Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Vögelsen, LAT LON: 53.300268,10.337678  Google Maps
Status: Nicht gefunden
Methode: Tawhiri Prediction aus Radiosondy-Daten


Nach der erfolgreichen Bergung geht es zurück zu dem Maisfeld mit der kalten Morgensonde. Das Resultat, nach dem Ablaufen einiger Treckerspuren: Sondensucher komplett gelb mit Maispollen.Weitere Erkenntnisse: Keine. Eigentlich verläuft die Schnur quer zu den Spuren, und ich müsste sie mehrfach gekreuzt haben. Ich habe speziell auf Maisfeldern die Erfahrung gemacht, dass die Sonden, sofern sie auf dem Boden liegen, auch nach der Ernte noch abgeholt werden können.

Egal, die Ausbeute an Bergen-Sonden der letzten Tage ist einigermaßen zufriedenstellend. Bin richtig froh, dass sich der Wind gerade dreht.


Update zu R2320582: War am 31.10. noch mal an dem Maisfeld. Inzwischen ist es geerntet, aber es wurde leider in einem Abwasch sofort geeggt. Keine Reste der Sonde gefunden.

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Montag, 3. August 2020

Drei Bergener Sonden und ein Déjà-Vue-Erlebnis

2.8.2020 - ein Sonntag. Es lockt schönes Wetter, dazu noch Freie Fahrt mit dem Abo-Ticket im HVV Gesamtbereich: Die Mitternachtssonde aus Bergen veschlug es in einen Wald bei Neetze östlich von Lüneburg. Die Prediction lag am Rande einer wahrscheinlich eingezäunten Schonung. Die Morgensonde landete IN Lüneburg im Gewerbegebiet; vielleicht würde der Fallschirm aber von der Straße aus zugänglich sein. Ich beschließe hinzufahren. Vom Bahnhof Lüneburg aus radel ich zur Landestelle der Morgensonde.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R2320566
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 2.8.2020 6Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Lüneburg, LAT LON: 53.245564,10.461927  Google Maps
Status: geborgen am 3.8.2020 durch Mitarbeiter der Firma Panasonic, die mir die Sonde übergaben. DANKE!
Methode: GPS-Decodierung mit TTGO


Das Gelände gehört der Firma Panasonic. Durch den Zaun ist schnell die Schnur ausgemacht; nach der TTGO-GPS-Höhe liegt die Sonde am Boden.





Am Werkstor ist der Klingelknopf defekt. Die Telefonnummer des Sicherheitsdienstes ist angeschlagen. Leider ist niemand vor Ort, und der Typ von der Zentrale kann und will nicht helfen. Da ist erst einmal kein Rankommen. Bei der Firma Panasonic selbst geht nur ein Anrufbeantworter ran. Hier ist erstmal nix zu machen.


Also auf zur Mitternachtssonde! Eine Recherche mit der HVV-App ergibt, dass der Bus nach Neetze alle 2 Stunden fährt. Und der nächste in ein paar Minuten; er würde an der Schule, an der ich eben vorbeigefahren bin, halten. Also brauch ich die radwegfreie Strecke nicht zu radeln. Von Neetze aus bringt mich das Faltrad zur Landestelle. Obwohl die Sonde laut wetterson.de keinen Killtimer hatte, sendet nichts mehr. Und wie schon vermutet, stehe ich wieder mal vor einem Zaun.
Sondentyp: RS41-SGP
SN:   R2320560
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 2.8.2020 0Z
Timerkill: keiner
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Neu-Neetze, LAT LON: 53.286078,10.636859  Google Maps
Status: geborgen am 2.8.2020, 11:35UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy.info-Daten




Die Schonung erweist sich als Zwetschgenplantage. Allerdings liegt die nicht besonders genaue Prediction nur wenige Meter auf diesem Gelände. Ich gehe also im Wald und immer am Zaun entlang. Das abgesperrte Gelände ist gut einsehbar, da liegt auf den ersten Blick nichts. Ich hatte schon vermutet, dass es die Sonde etwas südlich der Prediction geweht hat - also in den Wald. Aber in den Bäumen um mich herum auch nach längerer Inspektion ist nichts zu erkennen.  Ich gucke mir die Daten in Radiosondy noch mal auf dem Handy-Display an. Eine Extrapolation ergibt eine Position 40-50m südlich von mir. Dort führt ein Weg durch den Wald, und ich muss nicht lange suchen. Direkt südlich vom Weg fällt sofort in einem von dichtem Unterholz umgebenen Bau ein Ballonrest auf. Da ist auch der rote Fallschirm.





Das Verfolgen der Schnur führt zur Sonde, die in einem Klumpen Ballorest in 3 Metern Höhe in einem Baum direkt am Wegrand auf den Ästen aufliegt.


Die Sonde wird eine leichte Beute für die 10m-Stange. An der Schnur kann ich den Ballonrest und den Fallschirm mit Seilmanövern befreien. Ich schlage mich durchs Unterholz und kann alles einsammeln.



Der ursprüngliche Plan ist jetzt, nach Lüneburg über Sülbeck zu radeln. Dort muss eine Baumlander-DFM nachkontrolliert werden. Ein kurzer Check auf wetterson.de ergibt aber, dass die Mittagssonde aus Bergen ggf. in meine Nähe kommt. Zurück in Neetze hat sich deren Landegebiet auf den Raum Büchen stabilisiert. Das ist nicht gerade um die Ecke. Aber da gibt es doch diese Regionalbahn, mit der man prima von Lüneburg nach Büchen kommt? Und der Bus von Neetze nach Lüneburg fährt in 10 Minuten! Also wird der Plan ein weng modifiziert.
Sondentyp: RS41-SGP
SN:   R2320577
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 2.8.2020 12Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Witzeetze, LAT LON: 53.463161,10.635098  Google Maps
Status: geborgen am 02.08.2020, 14:50 UT
Methode: GPS-Decodierung mit TTGO

Unterwegs erhalte ich von Hein die neueste Prediction der inzwischen gelandeten Sonde via Whatsapp. Welch ein Support. Danke nochmal! Die Position wird in Locus gehackt - und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Sie liegt bei Witzeeze, am Ufer der Stecknitz, direkt am Elbe-Lübeck-Kanal. Nur 400m südlich habe ich vor 11 Tagen eine Bergener Sonde aus einem als Angelteich genutzten Baggersee gezogen. Den Weg kenne ich also schon: Über die Kanalbrücke, dann an besagtem Angelteich vorbei und ein paar hundert Meter nach Norden. Schon vor der Kanalbrücke kommt die Straße 700m an die Landestelle heran. Etwas alarmierend die Tatsache, dass ich dort kein Signal am TTGO sehen kann. Direkt vor den Uferwiesen der Delvenau habe ich aber Empfang.

Ein Blick auf die Karte ergibt, dass die Delvenau, ein schönes naturbelassenes Bächlein, im Weg liegt. Wahrscheinlich würde ich also den Zugang von der anderen Seite erkunden müssen. Aber es spricht ja nichts dagegen, mir die Sache von meiner Seite aus anzugucken, denn es handelt sich nur um wenige Meter. Und? Wie schon ihre Vorgängerin vor 2 Wochen schwimmt auch diese Sonde mit der Antenne nach unten im Wasser. Ein paar Prachtlibellen flattern um sie herum...




Die 10m-Stange tut wieder ihren Dienst, und Schnurzug erlaubt es mir, die Sonde und auch das komplette Gespann auf meine Seite des Baches zu befördern.

Zurück in Büchen bin ich angesichts der schwarzen Wolkenwand im Westen froh, dass es jetzt heimwärts geht.




UPDATE, 3.8.2020: Firma Panasonic ruft zurück! Ich kann den Ballon abholen! Wie toll ist das denn!
Ich bin dann am Nachmittag noch mal nach Lüneburg gefahren und konnte auf dem Rückweg eine weitere Bergener Sonde abfangen. VIELEN DANK an die freundlichen Bergungshelfer.


 
Und dank der freundlichen Hilfe der Firma Panasonic gibt es hier als Nachschlag doch noch das Foto aller drei Sonden. Ein echter Bergen-Hattrick, weil drei aufeinander folgende Sonden eingesammelt werden konnten.



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