Freitag, 26. Juli 2019

Saseler Sonde im Wohngebiet

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3430713
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID:10141) 
Flugdatum: 26.07.2019 13:00Z
Track Wetterson_de
Landestelle Hedendorf bei Neukloster  LAT LON:53.4750,9.60982 Google Maps
Status: Gefunden am 26.7.2019, 15:29Z, durch GPS-Decodierung des Sondensignals

Mit etwa einer Stunde Verspätung gegenüber der normalen Startzeit erhob sich am heutigen Freitag über Sasel eine RS41. Ich hatte damit gar nicht gerechnet, weil sonst Dienstag und Donnerstag die typischen Sasel-Tage sind. Aufgrund der geringen Windgeschwindigkeit kam sie nicht weit. Die Landestelle lag in einem Wohngebiet unweit der S-Bahnstation Neukloster bei Buxtehude. Trotz der extremen Hitze beschloss ich, dort mal nachzugucken.

Im Landegebiet in Hedendorf gab es prächtigen Empfang und saubere Dekdierung des Signals. An dem entspechenden Haus öffnete eine ältere Dame, die mir sofort Zutritt in ihren Hintergarten gewährte und dann ihren Mann vorschickte. Der hatte die Nachricht seiner Frau so verstanden, ein Heißluftballon sei gelandet, und er wollte als erstes gucken, ob die Besatzung einen Krankenwagen braucht. In sofern war er kolossal erleichtert über die tatsächliche Lage und unterstützte die Bergung sofort mit Rat und Tat. Das war extrem hilfreich.

Ich sah als erstes eine waagerechte Schnur im Garten seines Nachbarn verschwinden, dann über eine Hecke auf ein weiteres Grundstück laufen, und dort auf dem Dach eines Bugalows in der Nähe des Schornsteins enden.



 Die Sonde war nicht sofort zu entdecken, hing aber in einer dichten Buchenhecke in bequemer Pflückhöhe.



 Nach Abschneiden der Sonde konnte man die Schnur gut ergreifen und einholen. Nach einiger Zeit hörte man es auf der anderen Seite einer Hecke klötern - das klang nach dem Abroller. Leider konnte ich den Fallschirm nicht über die Hecke ziehen, aber praktisch die gesamte Schnur einholen.

Das Jagdfieber des Grundstücksbesitzers war damit endgültig geweckt. Da er das Ding seinem Sohn zeigen wollte, behielt er natürlich die Sonde. Er hatte meine Aktion von seinem Dachfenster aus verfolgt, und meinte "den Rest kriegen wir auch noch. Ich komm einfach mal mit". Eine ortskundige Begleitung ist in einem verwinkelten Wohngebiet mit neuen Baustellen extrem hilfreich.

Wir konnten von einem Baugrundstück aus den großen Ballonrest und den verschnürten Fallschirm in der Hecke hängen sehen. Bei dem betreffenden Bungalow-Grundstück wurde also ebenfalls geklingelt, und die Besitzer erlaubten uns, auch noch den Rest zu bergen.







Ich verabeschiedete mich dankend von meiner wirklich extrem konstruktiv agierenden Begleitung.

Was fing man mit dem angebrochenen Tag an? Die Temperaturen waren immer noch sehr hoch, wurden aber ganz langsam etwas erträglicher.  Ich beschloss, wenn ich schon mal in der Nähe war, noch einen Baumlander bei Helmste zu kontrollieren. Der hing im Wald zuletzt in ca. 25m Höhe. Ich fuhr also eine Station nach Horneburg und dann ein paar Kilometer in den Wald. Dort war es angenehm kühl. Und zu meiner großen Freude lag die Sonde inzwischen am Boden. Die Story dazu gibt es hier.


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Der Keiler und der Baumlander

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3450423
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 31.03.2019 00:00Z
Track Bremen
Landestelle Helmste bei Horneburg
Sonde im Baum, 26m über Grund, LAT LON: 53.50891, 9.520738 Google Maps
Fallschirm im Baum, LAT LON: 53.50853, 9.521124, Google Maps
Status: Geborgen am 26.7.2019, 17:11Z unter dem Baun



  
Origial-Post vom 31.3.2019
Diese Sonde habe ich am frühen Morgen des 31.3. besucht. Anreise mit Regionalzug bis Horneburg und weiter mit dem Rad bis zur Landestelle. Sie sendete noch, und die GPS-Koordinaten zeigten leider eine deutliche Höhe über dem Grund an. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich die Sonde von unten im Baum die im Licht der aufgehenden Sonne glänzende Sonde entdecken konnte. Sie hängt laut GPS 26m hoch.



Da ich nur eine Handy mithatte, musste für eine Teleaufnahme ein afokales Bild durch das Fernglas genügen:

Etwas stromabwärts direkt am Weg fand sich in etwa 15-18m Höhe der Schirm.



Direkt an der Sondenlandestelle gelang doch noch ein überraschender Fund:





Update am 26.7.2019
Die Sonde wurde unter dem Baum aufgesammelt. Mehr hier. 150m entfernt fand ich die Unterkiefer eines Rehs direkt auf dem Weg. Letztes Mal hatte ich direkt an der Sonde einen vermoosten Keiler-Unterkiefer gefunden. Sonstige Knochen waren beide Male nicht zu sehen. Was bitte ist da los?


Aber der Reihe nach: Am 26.7. war ich in einem Wohngebiet bei Neukloster zur Bergung der Saseler Sonde P3450423.Von da aus ist es nur eine S-Bahnstation bis Horneburg. Also habe ich die Gelegenheit genutzt und trotz des extrem warmen Wetters noch einmal im Wald vorbeigeschaut. Im Wald war es auch angenehm kühl. Rehe und ein Marder liefen über den Weg. Reife Heidelbeeren waren ein willkommener Snack. Der Fußweg, der direkt zur Landesstelle führt, war dieses Mal frei begehbar - letztes Mal lag ein umgestürzter Baum direkt darüber. Die Unterkiefer fand ich in den Boden eingetreten auf den letzten 100m direkt auf dem Weg. Der Fallschirm war unverändert. Da ich wieder nur eine 10m Stange dabei hatte, konnte ich da auch nichts tun. Zu  meiner großen Freude lag die Sonde unter dem Baum, zusammen mit ca. 10m Schnur. Das muss auch schon etwas länger so sein, denn die Schnur war deutlich in das Moos eingewachsen.



Der Sensorarm war etwas korrodiert. Erstaunlich war, dass sich die Sonde einschalten ließ und nicht einmal einen "Error" blinkte.







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Mittwoch, 24. Juli 2019

Eingemehlt von Maispollen

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3430425
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID:10141) 
Flugdatum: 23.07.2019 12:00Z
Track Wetterson.de/eigene Daten 
Landestelle Schulendorf bei Müssen  LAT LON:53.47725,10.55278 Google Maps
Status: Gefunden am 23.7.2019, 18:45Z, durch GPS-Decodierung des Sondensignals

An diesem Tag war die Windgeschwindigkeit in allen Höhen recht gering. Daher flog die Sonde aus Hamburg-Sasel nicht weit. Unweit Schwarzenbek, wo Jürgen und ich schon vor zwei Wochen eine Saseler Sonde von einem Weizenfeld gezogen haben, war Schluss.
Während des Fluges ging auf einer Whatsappgruppe eine lebhafte Kommunikation los. Bernd teilte mit, dass er technische Probleme habe und es daher seine bewährten Daten aus Baumwipfelhöhe nicht geben würde. Also wurde eine Yagi aus dem Laborfenster gehalten und die Endphase bis in eine GPS-Höhe von 295 Metern mitgeschnitten.
Auf die resultierende Tawhiri-Prediction gab ich keinen Pfifferling. Denn die Positionsdaten der letzten 5 Frames waren bis auf die Höhe bis auf die letzte Dezimalstelle identisch. Da herrschte absolute Windstille. P3430425 musste man sicher nicht  etliche 100m weiter östlich, sondern unmittelbar neben der letzten Position aufsammeln. Daher schrieb ich auf Whatsapp, dass die Sonde erheblich weiter westlich zu suchen sei.

Jürgen wohnt nicht weit weg von der Position und würde am Spätnachmittag vorbeigucken. Kurz nach 18:00 meldete er einen Misserfolg. Das Signal war zu schwach für eine Decodierung mit RS41-Monitor. Die Sonde lag zudem in einem undurchdringlichen Maisfeld. 

Ich bin dann zu einer spontanen Suchaktion aufgebrochen. Hierbei wollte ich mein selbst zusammenhgedengeltes Raspby-Dingens ausprobieren. Hier empfängt rtl-fm das Signal, und die Demod-Version von Zilog decodiert. Sicherheitshalber hatte ich ein Notebook im Rucksack, falls das nicht reichen würde. 

Es war erstaunlich heiß. Wegen eines Schienenersatzverkehrs war ich die 7km von der Arbeit zurück geradelt. Da war es warm, aber jetzt schlug es mir heiß entgegen. Gottlob waren es vom Regionalbahnhof Müssen bis zur Landestelle nur 3 Kilometer. 
Durch Google Maps genarrt hielt ich eine auf OSM gestrichelte Linie für eine Hochspannungsleitung und nicht für einen asphaltierten Fahrweg. Daher fand mein Empfangsversuch etwa 500m von der Landestelle entfernt statt. Das Signal war, wie Jürgen schon berichtet hatte, extrem schwach. Zur Kontrolle gab es bei meinem Konstrukt nur den Kopfhörer. Aber immerhin konnte ich ein paar Frames mit dem Raspby decodieren.
Durch eine Treckerspur schob ich das Rad auf die näher an der Landestelle liegende Parallelstraße. Dort befand sich das von Jürgen berichtete doppelt mannshohe Maisfeld. Warum wachsen die Dinger so schnell? Scheiß PEP-Carboxylase! Da musste ich wohl rein.
Eine Treckerspur brachte mich 50m an die Position heran, ab da musste ich mich durch den Urwald zwängen. Das Display des Handys war bereits von einer dicken Schicht von Maispollen bedeckt. Zuklappen, wegstecken. Locus gibt bei Annäherung an einen Zielpunkt einen kurzen Piepton aus. Die Frequenz wird immer schneller, und endlich gab es den Dauerton. Entfernung zur Sonde: 0 Meter. Aber wo war sie? 

Ich brauchte etwa 15 Minuten, um in einem Umkreis von ca. 10 Metern die Gegend abzusuchen. Nichts! Meinen Rucksack am Boden abzustellen, traute ich mich nicht. Würde ich ihn wiederfinden?  Inzwischen war ich komplett von Maispollen eingemehlt. Da sah ich endlich am Boden etwas Weißes glänzen. War es ein Stein? Nein! Es war eine RS41.





 



Es erwies sich als erstaunlich einfach, die 50-Meter-Schnur einzuholen und Fallschirm und Ballonrest zu bergen. Grund: Es lag alles oben auf den Pflanzen, und die Schnur war auch nur teilweise abgewickelt.

Die Rückfahrt war in der Hitze dann etwas hektisch, weil ich den Zug um 21:11 noch kriegen wollte - so spannend ist der Bahnsteig in Müssen doch nicht. Erst zuhause unter Dusche wurde das gelbe, etwas reizende Pulver, das mich bedeckte abgewaschen. Das, was noch an meiner Ausrüstung klebt, ist ein Job für den Staubsauger morgen. 






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Sonntag, 21. Juli 2019

The Eagle has landed

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  P2140329
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 20.07.2019 18Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen
Landestelle Artlenburg, LAT LON: 53.365833, 10.488056  Google Maps
Status: GEFUNDEN am 21.07.2019, 7:47Z
Methode: Tawhiri-Prediction aus wetterson.de Daten

Ziemlich genau 50 Jahre nach der Mondfähre landete diese Radiosonde. An Bord befand sich wahrscheinlich mehr Rechnerpower als damals. Der Himmelskörper war allerdings nicht der Mond, sondern die Erde. Hätte das Bremstriebwerk der Mondfähre etwa so schlecht funktioniert wie der Fallschirm der Sonde, wäre es tragisch ausgegangen. Dennoch hält diese Sonde von allen von mir gefundenen weißen Schachteln den Rekord für die bisher größte Flughöhe: 38050 Meter.

 Am Morgen nach dem Flug unternahm ich einen Kaltsondenbergungs-Ausflug. Bei schönstem Wetter brachte mich der Zug nach Lauenburg und das Fahrrad nach Artlenburg. Bei der Feuerwehr links abbiegen, und dann waren es nur ein paar 100m. Die Prediction konnte - das hatte ich gestern schon gesehen, nicht stimmen. Die Sonde lag mit Sicherheit deutlich nördlich der Vorhersageposition, entweder auf einem in Ost-West-Richtung verlaufenden Feldweg oder nördlich davon. Laut Google Maps war fast die ganze Gegend freies Gelände ohne Bäume. Noch vor Erreichen des besagten Wegs sah ich vom Rad aus links von mir den kleinen roten Fallschirm und großen Ballonrest im Gras liegen. So einfach geht das heute!


Das Ganze war eine Pferdekoppel; Pferde waren nicht zu sehen, aber das Gras war kurz. Man sah von draußen klar, dass die Schnur über den Zaun auf die ebenfalls mit einem Elektrozaun gesicherte Nachbarkuppel verlief. Dort musste die Sonde liegen. Auf der Koppel mit der Sonde  war das Gras so hoch, dass dort garantiert keine Pferde waren. Ich habe mich dann unter dem Zaun hindurchgerollt und konnte so zum Fallschirm gelangen. Das fanden zwei Pferde auf einer entfernt gelegenen  Nachbarkoppel ganz interessant und kamen neugierig angelaufen. Beim Aufrollen der Schnur bemerkte ich, dass es von dort einen Durchgang  gab. Mit dem umgehenden Eintreffen der herantrabenden Pferde war also zu rechnen.

Also besser schnell an der Schnur entlanglaufen und auch unter dem nächsten Zaun durchrollen. Dort konnte ich in Ruhe die Sonde bergen.



Die Pferde hatten derweil das Interesse verloren und sich lieber unter einen Unterstand in den Schatten gestellt.  Daher bemerkten sie auch nicht meinen schnellen Rückzug.





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Freitag, 12. Juli 2019

Schwierigkeiten bei der Decodierung

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3410573
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID:10141) 
Flugdatum: 11.07.2019 12:00Z
Track Wetterson.de 
Landestelle Bartelsdorf bei Schwarzenbek LAT LON:53.487096,10.535765 Google Maps
Status: Gefunden, Landestelle lokalisiert Tawhiri-Prediction nach radiosondy.info Daten

Die Saseler Sonde kam  aufgrund geringer Windgeschwindigkeiten kaum vom Fleck. Dennoch hätte sie es bis Mecklenburg schaffen sollen, aber ein nicht funktionierender Fallschirm führte zu einer rasanten Landung bei Schwarzenbek. Ich machte auf unserer Whatsappgruppe auf die Sonde aufmerksam. Es kam aber keine Antwort - waren wohl noch alle am Arbeiten. Als ich von der Arbeit zurückgeradelt war, packte ich daher meine Sachen. Der Regionalzug würde mich nach Schwarzenbek und das Rad in den Wald bringen, in dem die Prediction lag. Dort würde SondeFinder, die Raspberry-App, das Sondensignal schon decodieren. Angesichts der hohen Landegeschwindigkeit könnte man die Sonde mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit am Waldboden auflesen können. Das war der Plan. 

Dann passierten mehrere Dinge: Jürgen, der nicht weit weg wohnt,  berichtete, dass er der Landestelle bereits einen Besuch abgestattet hat - erfolglos. Mit Notebook und RS41-Tracker hatte er das Signal nicht decodiert bekommen. Das war ungewöhnlich, denn neulich war ich dabei, wie er mit seinem Setup eine Sonde lokalisieren konnte. Nach diesem Fehlschlag hatte er das Wäldchen an der Landestelle erfolglos nach der Sonde abgesucht und war dann nach Hause gefahren. 

Am Rand des Wäldchens startete ich mein Sondefinder-Setup. Ich kam gar nicht so weit wie Jürgen: Das Touchscreen-Display des Raspberrys konnte nicht per Touch bedient werden. Hatte ich die Konfiguration versehentlich zerschossen? Egal, es wurde ein Mauscursor angezeigt, und man konnte nur Icons am Rand des Displays anklicken. Ich war sehr sicher, dass eine USB-Maus die Situation retten würde. Aber sowas hatte ich nicht im Gepäck. 

Jürgen meldete sich auf meinen kurzen Report.  Er meinte, er könne in einer Viertelstunde da sein. Ich schrieb zurück, dass jede Hilfe hochwillkommen wäre. Insbesondere könnte eine USB-Maus hilfreich sein. 

Ansonsten hilft immer das rechtzeitige Umschalten in den Kaltsonden-Modus. Auf Google-Maps hatte ich einen Weg gesehen, der direkt bis zur Prediction führte. Dort könnte ich mich bis Jürgens Ankunft ja mal umgucken. Westlich der Position ein Wald aus hohen Buchen, östlich dichte Fichten, südlich schon Waldrand und Tümpel. Aber genau wie Jürgen konnte ich da nichts entdecken. Das Wäldchen war recht klein, und wenn man der Flugrichtung folgte, kam man rasch an den Waldrand. Dahinter ein schmaler Streifen Wiese und dahinter ein gottlob mit mit CCCC besprühtes Weizenfeld. Auf dem wunderbar obenauf ein teilweise entfalteter, aber unten verschnürter Fallschirm lag. Die Sonde war viel weiter geflogen als erwartet. Die Situation erinnerte sehr an die gestrige Sondenbergung im Duvenstedter Brook. Vermutlich hat sich in letzter Sekunde der Fallschirm doch noch teilweise entfaltet und für etwas mehr Bremswirkung gesorgt. 





Jürgen meldete sich per Telefon, und während ich die Sonde am Rand der Wiese lokalisierte, tauchte er von einer anderen Seite her kommend auf.  Ich konnte dann filmen, wie man einen Fallschirn schonend aus einem Weizenfeld entfernt:






Zurück an Jürgens Auto mussten wir anhand der noch sendenden Sonde erst einmal unsere technischen Probleme bei Sondenempfang analysieren. Offenbar war Jürgen Opfer des neuesten großen Windows-Updates geworden - hierbei werden gerne mal die Audioeinstellungen auf Werkseinstellungen zurückgesetzt. Und meinen Raspby konnte ich mit der von Jürgen mitgebrachten USB-Maus bedienen, und Sondefinder lieferte einwandfreie Daten. Nächsten Morgen ging der Raspby wieder normal, dann zeigte er aber wieder das gleiche Problem: Meine derzeitige Idee ist, dass es statische Elektrizität oder Dreck auf dem Display gewesen sein könnte; ich verfolge es weiter.  Eine kleine USB-Maus gehört jedenfalls in Zukunft ins Sondenjägergepäck. Ich bin sowieso gerade am Experimentieren mit einem Zilog/GQRX basierten System, und dafür würde man eh eine kleine kompakte Tastatur mit Mauspad benötigen. 

Mein Faltrad verschwand nach den Tests in Jürgens Kofferraum. Auf den auch aus anderen Gründen erfreulichen Tag haben wir dann in Schwarzenbek noch angestoßen, und dann trennten sich unsere Wege. 


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Donnerstag, 11. Juli 2019

Landung im Duvenstedter Brook

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3620553
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035) 
Flugdatum: 10.07.2019 12:00Z
Track Wetterson.de 
Landestelle Duvenstedter Brook LAT LON:53.730585,10.176274 Google Maps

Status: Gefunden, Landestelle lokalisiert Tawhiri-Prediction nach radiosondy.info Daten (danke, Bernd)


Ein paar Piepsignale auf meinem Handy. Auf unserer Whatsappgruppe tat sich etwas. Bestimmt ein paar Off-Topic-Diskussionen. Ich konnte arbeitsbedingt erst nach einiger Zeit nachgucken. Bernd meinte: "Da kommt etwas auf uns zu. Ich schaffe es aber nicht". Jürgen war es zu weit weg. Eigentlich erwartete ich heute keine Sonde in unserem Bereich. Der Ballon der Schleswiger Mittagssonde war schon geplatzt, und die Nutzlast am Schirm schwebte, als ich meinen ersten Blick auf die Internetdaten warf,  noch 6000 Meter hoch auf Kayhude zu. Kurze Zeit später veschob sich die Landestelle in den laufenden Vorhersagen auf das Dorf Wiemerskamp. Für mich war das alles recht weit weg, zumal ich derzeit mobilitätstechnisch  etwas durch diesen Schienenersatzverkehr ausgebremst werde: Da der wirklich furchtbar ist, fahre ich jetzt 7 km pro Richtung täglich mit dem Rad zur Arbeit - das ist schneller und weniger nervig als ein Gelenkbus voller mies gelaunter Grumpftypen. 

Als ich zuhause ankam, war die Sonde gelandet und Wetterson.de gerade down. Radiosondy.info hatte die Sonde bis in 113m Höhe. Wenn man 27m Geländehöhe und 40m Geoidhöhe abzieht, ist das fast Baumwipfelhöhe. Allerdings hatte die Sonde einen ausgezeichneten Fallschirm und sank nur mit 2-3 Metern pro Sekunde. Dadurch war die Landestelle doch immer noch recht weit weg von der letzten Position. Das Landegebiet hatte sich weiter Richtung Südosten verschoben. Ich kenne es gut: Duvenstedter Brook, ein Naturschutzgebiet im äußersten Norden Hamburgs. Für jeden naturbegeisterten Hamburger ist die Beobachtung der Hirschbrunft im Brook ein Highlight des Jahres. Naturschutzgebiet bedeutet aber auch: Teile des Geländes sind nur begrenzt zugänglich. 

"Ach was, ich fahre da jetzt hin, zumindest kann ich die präzisen Landekoordinaten ermitteln, bevor die Batterie alle ist" - war der Entschluss. Also Faltrad wieder aus dem Keller, rein in die Bahn, Ziel die Endstation der U1 in Ohlstedt. Von da aus 7km in den Brook. 

Dort kam sofort das "Brook-Feeling" auf: Trompetende Kraniche auf den Wiesen. Der Brook ist Wald, Moor, Wiese, durchzogen von Gräben und schnurgeraden Wegen. Auf den Wiesen läuft im August/September die Hirschbrunft, und es sind überall Beobachtungsstände eingerichtet. Die Vorhersage lag in einem lockeren Wald, direkt am Rand einer der großen Wiesen. 

Angekommen, ca. 150m von der Prediction entfernt piept mein Handy-Navy. Erst einmal eine Stelle finden, wo man das Rad abparken kann. Vor dem Auspacken der Empfangsausrüstung empfiehlt sich bekanntlich immer erst einmal ein gründlicher Rundumblick. Auf der Wiese wird wohl nichts sein - aber was ist das??- Yes!!  Da liegt doch glatt 100m weit weg ein vom Weg aus gut sichtbarer schneeweißer Fremdkörper von  Fallschirmgröße. 

Zu schön um wahr zu sein? Statt der Antenne wird das Fernglas ausgepackt. Weißer DWD-Schirn, kein Irrtum möglich! Die Schnur war auch zu sehen. Sie geht in eine Birke am Rand der Wiese und verschwindet danach aus dem Baumwipfel irgendwo im Gras. Ganz offenbar war die Sonde weiter geflogen als erwartet.  Weiterer Glücksfall: Die Wiese war frisch gemäht! Um ein ein paar Bereiche, die man stehen gelassen hatte, musste man etwas Slalom laufen, und schon war ich am Schirm. 




Die ganze Bergung: Kein Problem. Die Sonde hing hinter der Birke in einem Strauch in bequemer Pflückhöhe.








 Rasch noch die Kranichstolperfalle - die 50-Meter-Schnur - entschärft und auf nach Hause.



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Samstag, 6. Juli 2019

Abgerissene Sonden - das Werk von RUSH?



In Hamburgs Südosten gibt es einen anonymen Sondenjäger, den wir intern "RUSH" nennen, für "Rapid Unidentified Sonde Hunter". Typische Anzeichen: Sonde weg, obwohl man schnell vor Ort ist und die Lage übersichtlich ist. Einmal erzählten mir Anwohner, dass "ein Kollege von Ihnen" die Sonde bereits "abgeholt" habe. Von den üblichen Verdächtigen war das keiner. 

Aktiv ist RUSH im Gebiet zwischen Hamburg-Harburg, Lüneburg und Geesthacht, generell eher südlich der Elbe. In diesem Gebiet ist meine Erfolgsquote unnatürlich gering. In Foren oder in Radiosondy trägt er keine Fundmeldungen ein. Dabei würden wir uns gerne über seine Erfolge mitfreuen. Den Misserfolg meiner letzten Sondenjagd in einem Wald bei Adendorf führe ich auf ihn zurück. Und ein paar Tage vorher hatte ich ein Gespräch mit einer Person, die möglicherweise in Wahrheit an anonymer Sondenjäger war, der aber in diesem Fall, genau wie ich, wohl auch zu spät kam). Wenn mein Verdacht zutrifft, gab er trotzdem seine Anonymität nicht auf. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2410248
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035) 
Flugdatum: 28.06.2019 06:00Z
Track Wetterson.de 
Landestelle Drochtersen LAT LON:53.4318, 10.277874 (Fallschirm) Google Maps
Status: Sonde verloren, Landestelle lokalisiert Tawhiri-Prediction nach wetterson.de Daten

Die Schleswiger Morgensonde vom 28.6.2019 landete bei Altengamme. Ich konnte arbeitsbedingt erst am Abend hinfahren. Eine Bushaltestelle war nicht weit entfernt. Die Vorhersage lag in einem Gerstenfeld. Auf dem Feld war nichts zu sehen. Um mir einen Überblick zu verschaffen, nahm ich meine 10m-Stange, hängte eine Actioncam dran und konnte dadurch die Gegend von oben inspizieren. Außer deutlichen Sturmschäden war nichts zu bemerken. Ich ging den Altengammer Bahndamm (heute  ein asphaltierter Fahr- und Wanderweg)  entlang, um die weiter in Flugrichtung liegenden Felder zu inspizieren. Ich fand nichts. Als ich zurückwanderte, stand direkt an der Prediction ein älterer Herr, der eindeutig und hartnäckig vom Weg aus das Gerstenfeld nach etwas absuchte. Ich fragte ihn direkt, ob er auch die Radiosonde suchte. Antwort zu meinem Erstaunen: "Nein, die such ich nicht". Er fragte aber von sich aus nicht nach.  Er erzählte von dem sehr lokalen Unwetter letzten Donnerstag, das ich auch erlebt hatte (als ich die Sonde im nicht weit entfernten Curslack geborgen habe). Er wolle jetzt die Schäden im Gerstenfeld fotografieren, einfach nur so. Der Besitzer des Feldes war er aber auch nicht. Er kam auch von weiter weg, da er ein Fahrrad dabei hatte. Komische Geschichte, mir schien irgendwie, dass ihn die Sache mit de Sonde gar nicht weiter erstaunte.

Es kam noch besser: Während ich mit ihm redete, sah ich plötzlich in einem nahen Baum den Fallschirm hängen, ca. 100m weiter westlich! Die Sonde war weit kürzer geflogen als prognostiziert. Ich machte ihn auf den Fund aufmerksam, er griff cool, aber scheinbar gelangweilt,  zu seiner kompakten Digicam, fotografierte das Ding umgehend und zeigte mir das Foto auf dem Display. Trotz der geringen Größe fuhr die Kamera eine erstaunliche Telebrennweite aus. Das ganze lief ruhig und routiniert ab, und das Foto zeigte alle wesentlichen Teile des Gespanns in bester Schärfe - nicht mehr und nicht weniger. Meinen Erklärungen folgte er relativ passiv. Auf meinen Vorschlag, wir könnten ja jetzt die Sonde einsammeln gehen, zuckte er die Schultern und machte sich des Weges. Norddeutsch dröge, irgendwie. 

Ich ging also allein Richtung Fallschirm. Leider war die Schnur durchtrennt und die Sonde abgerissen. Angesichts der bekannten Flugrichtung und der Länge einer Sondenschnur ließ sich die ungefähre Landestelle gut abschätzen. Sie lag allerdings auch mitten auf dem Weg oder sogar auf einer Grundstückseinfahrt. Da wird sie jemand, wahrscheinlich schon vor Stunden, gefunden und abgerissen haben, nicht notwendigerweise mein Gesprächspartner von eben. Bei dem fraglichen Grundstück war niemand zuhause. Mit der 10m-Stange kam ich knapp nicht an den Schirm. Die Schnur hing aber bis zum Boden, und ich konnte sie größtenteils bergen.

Auf dem Rückweg dachte ich ein wenig über meinen Gesprächspartner nach. War der wirklich so zufällig vor Ort? Ich bin nicht 100% sicher, aber es würde mich nicht wundern, ihn unter einer der nächsten Sonden wieder anzutreffen...


Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2120799
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238) 
Flugdatum: 21.06.2019 12Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen
Fundstelle  LAT LON: 53.2991710.42606 Google Maps
Status: Verloren, Landestelle lokalisiert am 28.06.2019, 10:35Z
Methode:  Tawhiri-Prediction auf Basis der Daten von wetterson.de


Am Sonntag war es extrem warm. Meine Idee war, noch vor der größten Hitze eine Bergener Mittagssonde vom 21.6. im Wald bei Adendorf einzusammeln. Ich fuhr also mit dem Zug nach Bardowick und radelte zur Landestelle.  Die lag laut Karte unweit der Straße im Wald., mitten in RUSHs Revier. Vor Ort erwies sich der Zugang allerdings als kompliziert. Der Wald war weglos, der moorige Grund ausgetrocknet. Viel Gestrüpp, unwegsames Gelände. Die eigentliche Landestelle befand sich in einem etwas besser begehbaren Kiefernwaldstück. Mein Optimismus stieg, denn  obwohl der Sondenflug schon eine Woche her war, würden sich zufällige Spaziergänger hierher nicht verirren. 

An der vorhergesagten Landestelle - ich rechnete wegen der geringen Endhöhe und der sehr schnellen Abstiegsgeschwindigkeit mit einer sehr genauen Prediction - war auf den ersten Blick nichts zu sehen. Ich bin dann ein 100 Richtung letzter Position gelaufen:  Nichts. Wieder zurück: Nichts. In Gegenrichtung: Nichts. Weiter flugbahnabwärts lag ein dichtes unübersichtliches Gestrüpp, in dem ebenfalls auf den ersten Blick kein roter Fallschirm hing. Ich stand dann wieder an der Straße bei meinem Rad.

Beim Versuch, vielleicht von der Straße aus etwas zu erkennen fiel auf, dass man wahrscheinlich etwas nördlich leichter zur Landestelle gelangt. Die Hoffnung, dass man von dort von etwas erhöhter Position das Gestrüpp mit dem Fernglas absuchen konnte, erfüllte sich nicht. Der Zugang zur eigentlichen Landeregion führte allerdings auch hier über unwegsames Gelände. Diesmal kam ich aus einer etwas anderen Richtung und sah plötzlich zwischen den Bäumen hoch oben eine Schnur, in der sich jede Menge Ballonrest verfangen hatte. Erstaunlich, dass ich das eben übersehen hatte: Die tatsächliche Landestelle befand sich nur 35 Meter von der Prediction entfernt. 




Die Inspektion des Fundes war dann aber ernüchternd. Ich konnte die Schnur sowohl sondenseitig als auch ballonseitig verfolgen.An beiden Enden hing... NICHTS. Jemand hatte sowohl Sonde als auch Fallschirm abgerissen und sich um den Rest nicht gekümmert. Ich halte es für komplett unwahrscheinlich, dass dieser Jemand hier zufällig vorbeigekommen ist. 

Da die Suchaktion unerwartet lange gedauert hatte, musste ich jetzt die 5 Kilometer doch in der Mittagshitze in der brennenden Sonne zurücklegen und mich dabei noch beeilen, um in Bardowick nicht eine Stunde warten zu müssen. Im gut klimatisierten Metronom-Zug wurde die Wasserflasche endgültig geleert, und trotz der vergeblichen Aktion sah danach das Leben schon wieder anders aus. 

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