Sonntag, 31. Oktober 2021

Einmal Göhrde, immer Göhrde

 

Die knapp außerhalb der Reichweite meiner 10m Stange hängende DFM17 von letzter Woche schrieh nach einer Rückkehr mit besserer Hardware. Die 15m-Stange kann ich zwar an meinem Faltrad befestigen. Dann aber kann man keine Fronttasche mehr anbringen. Ein Rucksack, eine 1.5m lange Stange und ein Faltrad sind nervige Gegenstände beim Umsteigen. Daher habe ich heute mein altes, sauschweres Fahrrad (ein echtes Stahlroß eben) dabei. 

 

 Beim Umsteigen ist man auf der Suche nach Fahrstühlen, aber dafür hat man nur einen Gegenstand, nicht drei. Auch muss man für 3,29 Euro eine Fahrrad-Tageskarte erstehen. Alles Dinge, an die ich mich wieder gewöhnen muss. Dafür kommen die größeren und breiteren Räder bei schlechten Feld- und Waldwegen etwas besser durch. So erreiche ich wieder mal den Bahnhof Göhrde. Von dem es zum Ort Göhrde weitergeht, wo damals der Kaiser jagen ging. Das erste Ziel ist natürlich die letztes Mal nicht erbeutete DFM17.

 

Sondentyp: DFM17
SN:
20037063
Frequenz:
402.011 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 14.20.2021 12:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 25546m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 
4.53 m/s 
Landegeschwindigkeit: 13.1 m/s
Landestelle: Papendorf, LAT, LON:
53.117341,10.913529, Google Maps
Status: Baumlander, 12m hoch. Stangenbergung am 30.10.2021, 10:46 UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten

 Die hängt natürlich noch am Baum, ca. 12m hoch.



 Mit der 15m-Stange ist es kein nennenswertes Problem. 


Aber was macht man nun? Ich habe mich ein wenig vorbereitet und noch zwei weitere Radiosonden auf der Liste. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
S3140888
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 27.9.2021 12:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 33822m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.39 m/s 
Landegeschwindigkeit: 9.7 m/s
Landestelle: Kollase
, LAT, LON:
53.12471,10.88685 Google Maps
Status: Baumlander, 30m hoch in einer Kiefer. Ballonrest, Abroller, Schirm und etwas Schnur geborgen

Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

Die hatte Andreas, ein Mitglied unserer Whatsapp-Gruppe, bereits einmal besucht. Leider kam er nicht an die Landestelle heran, weil ein hoher Zaun das Gelände vom Weg abtrennte. Viele Chancen rechne ich mir daher nicht aus, aber da es nur 1km von der Straße entfernt ist, kann man ja mal vorbeischauen.

Ich bin sehr erstaunt, dass ich die Sondenschnur schon vom Weg aus problemlos sehen kann - es hängen ein paar Latexfetzen darin, die sie auffällig markieren. Von der Position aus macht es mir den Eindruck, dass die Landestelle vielleicht sogar diesseits des Zaunes liegt, der an der Stelle vom Weg abknickt und nach Norden verläuft. Und zu meinem großen Erstaunen ist der Zaun über weite Strecken beim letzten Sturm durch umgestürzte Baumriesen beseitigt worden. So ist es leicht möglich, zu der Schnur vorzudringen, die ohnehin nur ein paar Meter jenseits des ehemaligen Zauns liegt. Leider hängt daran keine Sonde, sondern ein riesiger Ballonrest, ein nur halb abgewickelter Abroller und ein eingeklemmter Fallschirm.

 

Die Schnur verschwindet in einer riesigen Kiefer. Die Sonde hängt in 30m Höhe sehr weit oben im selben Baum. Leider kommt sie nach Abtrennen der Schnur nicht herunter. Da sie zwischen Ästen verklemmt ist, dürfte sie noch Sturm-Saisons oben bleiben. Immerhin ist sie lokalisiert. Eine gute Nachricht: Wenn sie herunterfällt, dann wohl knapp auf der zugänglichen Seite des Zaunes. 

Weiter geht es die Straße vorbei zurück nach Pommoisel. Ich möchte noch einer weiteren Sonde vom selben Tag einen Besuch abstatten. Auch hier handelt es sich um eine Landung im Wald.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
S3140888
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 27.9.2021 18:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 35261m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.95 m/s 
Landegeschwindigkeit: 13.5 m/s
Landestelle: Pommoisel
,
LAT, LON: 53.18147,10.89355 Google Maps
Status:
Baumlander, 25m hoch in einer Kiefer. Ballonrest, Abroller, Schirm und etwas Schnur geborgen.
Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

Die Anfahrt erfolgt über schlechte Feldwege. Das Rad wird am Waldrand angekettet. Man sieht nicht nur die Spuren der Wildschweine, man riecht sie auch mancherorts. Im Gegensatz zur vorigen Sonde ist die Suche schwierig. Ich durchstreife das Gelände links und rechts und bin nach einer Stunde. Ich höre das Tuten der Wendlandbahn. Das ist der Zug, den ich eigentlich hätte kriegen müssen - der nächste fährt erst in 4 Stunden. Öffentlicher Nahverkehr am Rande der Erdscheibe. Also habe ich viiiel Zeit, um noch gründlicher zu suchen. 

Plötzlich liegt ein undefinierbarer weißer Fetzen vor mir. Man mag sowas ja nicht so gerne anfassen - aber es ist Latex eines Wetterballons. Ich weiß also, dass ich hier richtig bin. Ich sehe mich gründlich um -nichts. Erst nach geraumer Zeit bemerke ich die sehr unauffällige Schnur am in einem Brombeergestrüpp enden. 



Ich bin an der Stelle mehrfach vorbeigelaufen. Leider ist es wie bei der anderen Sonde. Der Fallschirm und der Ballonrest liegen gut getarnt am Boden...


... und die Sonde hängt ziemlich fest in 25m Höhe 3 Kiefern weiter. Die Position wird erfasst, die erreichbaren Reste werden mitgenommen. Mehr kann an nicht machen. Es ist erstaunlich, wie unterschiedlich die Auffälligkeit einer Radiosonde im Gelände bei gleicher Situation doch sein kann.

Am Ende kann ich 1.5 Stunden am Bahnhof Göhrde warten, bis das Tuten der Wendlandbahn in der Ferne erschallt. Das Radfahrabteil eignet ich für vielleicht 3 Räder, jetzt sind es 12 und ein Handwagen. Letzterer gehört einem in Afrika zu verortenden Menschen, der eifrig mit einem Laptop arbeitet und mir freundlich hilft, das Rad auch noch dazuzubänzeln. In Lüneburg und am Hauptbahnhof muss ich wieder auf die ungewohnte Jagd nach Fahrstühlen gehen, und dann sitze ich im Zug nach Ahrensburg. Hier treffe ich wieder auf den Handwagenbesitzer. Wir hatten offenbar beide die gleiche Route vom hintersten Wendland in das nordöstliche Umland Hamburgs. Wir wünschen uns noch gegenseitig eine schöne Heimfahrt, als er in Rahlstedt aussteigt. 


Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier






Montag, 25. Oktober 2021

Sondenbergung durch Fellträger

Das Wendland ist ziemlich weit weg. Aber das Aboticket erlaubt mir am Wochenende eine Gratisfahrt in entlegene Gegenden am Rand der HVV-Erdscheibe. Wenn sich die Zahl der dort aufgelaufenen Kaltsonden die Schmerzgrenze übersteigt, fahre ich los. Allerdings zieht sich die Radtour umso mehr in die Länge, je weiter die Landestelle im Osten liegt. Da die Wendlandbahn nur alle 3 Stunden fährt, ist es oft schlauer, für die Rückfahrt nach Bevensen zu radeln. Zwar eine Riesenstrecke, aber besser 2 Stunden radeln als 3 Stunden warten. In der Region Dannenberg ist diese Fluchtroute aber zu weit. Weiter östlich und südlich gibt es keinen HVV und praktisch keinen öffentlichen Nahverkehr (mehr). P2150822 ist so ein Fall eines Baumlanders, der aus solchen Gründen ungecheckt blieb.

Am 24.10. kommt alles zusammen: Wochenende, bestes Radfahrwetter und jede Menge Sonden entlang der Strecke Bahnhof Göhrde -> Dannenberg. Also geht es mit dem ersten Zug nach zum "Bahnhof" Göhrde. Dort wird das Klapprad entfaltet und los gehts. 

Gleich hinter dem Schloss Göhrde liegt die Bergener Sonde S3131488. Die hatte ich schon vor längerer Zeit probiert und nicht gefunden. Ich gucke noch einmal schnell an der Landestelle vorbei, für den Fall, dass ich sie damals übersehen habe und sie jetzt auf dem Waldboden liegt. Tut sie nicht. Weiter. 

Nicht weit weg ist irgendwo im Wald die Sonde D617856 gelandet. Openwx hatte sie bis 800m Höhe, aber durch die große Endhöhe ist die Prediction extrem ungenau. Die Vorhersageposition liegt fast auf der Straße. Ich durchstreife den Wald auf beiden Seiten meiner Route, kann aber nichts finden. Leider sind die Bäume sehr hoch und noch belaubt, und vielerorts gibt es viel Unterholz. Also widme ich auch dieser Sonde nur wenig Zeit und radel weiter. 

Wesentlich mehr Chancen rechne ich mir bei der Pinneberger DFM17 vom 14.10.2021 aus. 

Sondentyp: DFM17
SN:
20037063
Frequenz:
402.011 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 14.20.2021 12:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 25546m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 
4.53 m/s 
Landegeschwindigkeit: 13.1 m/s
Landestelle: Papendorf, LAT, LON:
53.117341,10.913529, Google Maps
Status: Baumlander, 12m hoch
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten

Die Sonde ist am Waldrand heruntergekommen. Die Extrapolation ist auf dem Maisfeld, die Tawhiri-Prediction knapp im Wald. Der Rand des Maisfeldes ist geerntet. Dort liegen keine Trümmer. In die Reihen der Maispflanzen kann man hineinsehen. Da ist nichts zu erkennen. Also mache ich ein paar Exkursionen in den Randbereich des Waldes und finde nach einigem Hin- und Her die Sonde in einer Kiefer hängen. Etwas hoch für meine 10m Stange. 



Vielleicht kann man von der Ballonrestseite aus die Sonde herunterlassen? Es stellt sich heraus, dass die straff gespannte Schnur im Nachbarbaum verschwindet und es dort keine Fortsetzung gibt. Offenbar ist der Rest beim kürzlichen Sturm abgerissen. Die Stange erweist sich als zu kurz. Ein paar Versuche der Verlängerung scheitern. Hier muss ich mit der 15m Stange noch mal ran. 

Weiter geht es zu einer alten Bekannten, einem hartnäckigen Baumhänger im Wald von Plubohm. Der Flug aus Bergen war im August 2019. Dg5sux hatte die Sonde am Tag der Landung verhakt hoch im Baum lokalisiert und in Radiosondy als "Verloren" eingetragen. Dabei hat er die Ballonreste und den Schirm aus der Umwelt entfernen können. Ich habe den Ort des Geschehens am 20.3.2020 besucht und die Situation unverändert vorgefunden. Danach kam ich nie mehr in die Gegend. Heute aber liegt die Landestelle auf dem Weg.

Nachtrag: Sonde mit 15m-Stange geborgen. Mehr hier

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2150822
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 17.08.2019 6Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen/Polen
Landestelle Plumbohn, LAT LON: 53.109595,10.957153 Google Maps
Status: Reste geborgen am 24.10.2021
Methode: Koordinaten von dg5sux aus Radiosondy.info

Ich knote das Faltrad an bewährter Stelle an einen Baum und stratze Richtung Sonde. Wie letztes Mal finde ich auf dem Hinweg nicht den optimalen Zugang, so dass es durch übles Brombeergestrüpp den Hügel aufwärts geht. An der Kiefer ist nichts zu erkennen, offenbar ist die Sonde nicht mehr da. Ich versuche, unter die Brombeeren zu schielen, kann aber keine weiße Box erkennen. Da ist wohl nichts mehr zu machen. Ich weiß, dass der angenehmere Rückweg oben über den Hügel geht. Kaum bin ich angekommen, liegt da ein größeres Styroporstück herum.


Da hinten liegt noch mehr. 



Ein wenig Suche ergibt noch ein paar kleinere Styroporflocken und die Hauptplatine...


Ich packe die Sachen ein und mache mich auf den Rückweg. 30m entlang des Weges liegt etwas Glänzendes


Batterien, noch im Batteriehalter. Offenbar hat ein Fell tragender Sondenjägerkollege die ganze Sonde nach der "Bergung" den Hang hochgeschleppt, dort geknackt und die Reste weiträumig verteilt. 

So kann man diesen Fall auch endlich abhaken...

Weiter geht es nach Pudripp, wo es mal einen Bahnhof gab. Einen Kilometer weiter könnte man das Schicksal der vermissten Bergener Sonde S3140224 aufklären. Ein Waldweg führt unter der ehemaligen Bahnlinie hindurch direkt auf die Prediction-Position zu. Zwar war die letzte Position mehr als 500m hoch, aber dennoch sollte die Vorhersage recht gut stimmen. Leider kann ich trotz intensiver Suche nichts finden. Das Gras ist allerdings recht hoch, und wenn die Sonde etwas kürzer geflogen ist, könnte sie im dichten Unterholz liegen. Leider fehlt mir die Zeit, den Wald gründlich auf links zu drehen. Es ist nicht empfehlenswert, in Dannenberg nach der Abfahrt des letzten Wendlandexpress zu stranden. Und etwas Zeitreserve für eventuelle Vorkommnisse ist hier nützlich.

Der weitere Weg ist deshalb sehr angenehm, weil es fortwährend bergab geht. Direkt am Bahnhof Dannenberg ist kürzlich eine DFM09 herunterrgekommen. Wahrscheinlich dürfte sie schon weg sein, weil es ja in dicht besiedeltem Gebiet ist. Da ich aber noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Zuges habe, vertreibe ich mir mit der Erkundung die Zeit. Die Landeregion der D617664 (DFM09 vom Flugplatz Hungriger Wolf) erweist sich als recht unübersichtlich. Eine Reitschule mit Sichtblenden, ein Industriegebiet, Bahngelände. Die Sonde ist nicht zu sehen. Es ist schon dunkel, als mich die Wendlandbahn nach Hause schaukelt.


 

Samstag, 16. Oktober 2021

Trümmer und ein roter Totex-Schirm in Sottrum

Die roten Totex-Schirme des DLR aus Krummendeich haben es mir angetan, was aber auch nicht zu einer erfolgreichen Bergung dieser Teile beitrug. Alle bisherigen Krummendeich-Bergungsversuche liefen auf ungewöhnliche Extremvorfälle heraus. Man wurde von besorgten Bürgern für eine hilflose Person gehalten, bekam es mit Schirmabschneidern (wtf!) und Fakern zu tun. Zwei Sonden konnte ich immerhin mit viel Aufwand einsacken. Die Schirme aber sind weg oder hängen noch immer unerreichbar in 25m Höhe.

Am erfreulichsten war noch immer die Aktion in Sottrum. Da war so eine Krummendeich-Sonde im Maisfeld heruntergekommen. Nicht, dass wir bei der massiven Suchaktion tags darauf da irgend etwas geborgen hätten.  Ich bin zwar einige Treckerspuren abgelaufen und hätte von Rechtswegen die Schnur mehrfach kreuzen müssen. Es ist so wie immer im Mais: Die Chancen sind sehr vermindert. Dennoch war die Aktion sehr nett, denn ich erhielt, als ich gerade aufgeben wollte, einen Anruf von Lauritz. Der ist ein Teilnehmer unserer Whatsappgruppe. „Hier ist so ein Faltrad an einem Baum am Feldweg angekettet, das ist doch sicher Deins?“. So kam es zu einem netten Schwätzchen unter Sondenjägern, eine schöne Entschädigung für die erfolglose Suche. Lauritz kannte ich bisher „live“ noch nicht, hatte ihn aber schon mal predictionbasiert über Whatsapp direkt in die Landeregion einer Ozonsonde gelotst, wo er Minuten nach der Landung zuschlagen konnte.

Irgendwie war ich nicht der Meinung, dass die Sonde eine Beute eines anonymen Kollegen geworden sein konnte. Meine kürzliche Erfahrung mit einer Essener Sonde sagte mir, dass sich die Schnüre, wenn sie sich in Höhe der Maispflanzen weit über den Köpfen eines Sondensuchers erstrecken, kaum gegen den Himmel abheben. Man muss exakt im richtigen Winkel zur Sonne und zur Schnur stehen, dann glänzt sie und ist unübersehbar. Das war mein Glück bei der Essener Sonde. Auch standen in dem Maisfeld bei Sottrum die Pflanzen noch höher und dichter, so dass sich meist keine gute Sicht nach oben ergab. Diese Sonde können wir locker übersehen haben. Lauritz hat übrigens in den Folgetagen das Maisfeld mit einer Drohne abgeflogen und konnte auch nichts erkennen. Aber das sagt auch nichts, wenn der Totex-Schirm nicht oben auf den Pflanzen aufliegt. Irgendwie war ich der Meinung, die Sonde sei noch da. Ich machte mir diesmal eine Extrapolation, die etwas kürzer war als die Tawhiri-Prediction. Da die Landegeschwindigkeit unsicher war, rechnete ich verschiedene Versionen, um den möglichen Bereich abzustecken und die Fallschirmpositionen zu ermitteln. Dazwischen gab es einen Bereich von einigen Dutzend Metern, wo man auf den Pflanzreihen auf jeden Fall die Schnur kreuzen müsste. Der Plan war nun, die 10m Stange auf mehr als Maispflanzenhöhe auszuziehen und damit durch die Pflanzreihen zu stolzieren. Irgendwann müsste man sich ja in der Schnur verfangen. Auch könnte man mit der Stange die Drohne des kleinen Mannes starten - in Gestalt einer Actioncam an der Stangenspitze.

Dann landete am 23.9. eine Norderney-Sonde in Sottrum, und zwar direkt an meiner Radroute vom Bahnhof zum Maisfeld. Leider auf der Grenze Feld/Wohngebiet in einem Gewirr von Hochspannungsleitungen. Da niemand die Bergung der Sonde meldete, gab es nun einen weiteren Grund, in Sottrum noch einmal vorbeizugucken.

Leider kam ich an den folgenden Wochenenden nicht dazu. Am 16.10. war der Norderney-Flug schon mehr als 3 Wochen her, was die Chance auf eine Bergung stark vemindert. Auch sind schon viele der Maisfelder abgeerntet. Wenn man bei der Krummendeich-Sonde noch etwas machen will, muss man es JETZT tun, wenn es nicht schon zu spät ist.

Also auf nach Sottrum. Am Wochenende gilt meine Abokarte bis an den Rand der HVV-Erdscheibe. Diese Sondentour ist auf jeden Fall umsonst, mit etwas Glück aber nicht vergebens. Nach etwas mehr als 1 1/2 Stunden bin ich wieder in Sottrum. Eindrucksvoll sind ungewohnte Dinge wie komische Fahrkartenautomaten und die im HVV unbekannten Fahrkartenentwerter. Tatsächlich ist Sottrum eigentlich im Verkehrsverbund der anderen Hansestadt. Fahrrad ausklappen, losfahren und Beute machen.

Es geht auf der bekannten Strecke Richtung Maisfeld. Da ist der Kreisverkehr, da ist die Hochspannungsleitung. Bei dem Mast da vor mir sollte irgendwo die Norderneysonde vom 23.9. herumliegen. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T1250309
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 23.09.2021 12:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 22795m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.67 m/s
Landegeschwindigkeit: 6.3 m/s
Landestelle: Sottrum LAT, LON:
53.107144,9.240102, Google Maps
Status: Kaltsonde gefunden auf dem Acker 16.10.2021 11:55 UT, Schirm fehlt
Methode: Tawhiri-Prediction nach wettersonde.net-Daten

Die Wohnhäuser und Gärten sehen wie geleckt aus. Keine Chance, dass da etwas vom Himmel fällt und drei Wochen im Garten rumoxidiert. Auch ist unwahrscheinlich, dass so dicht an den Wohnhäusern niemand neugierig wird und das Gespann einsammelt. In der Leitung hängt nichts.

 


Aber auf dem Feld liegt - gegen alle Wahrscheinlichkeit - der Fallschirm. Nein, beim Näherkommen ist es eindeutig eine Plastiktüte. Erstaunlich viel Kunststoffmüll auf dem Acker. Die Tüte da vorne, die da links, der Joghourtbecher. Das  weiße Ding Richtung Straße ist auch nur Müll. Oder? Ja ähm äh, nö, das ist doch....

 





An der Sonde hängt nur ein kurzes Schnurstück, all die weißen Gegenstände, die in Flugrichtung auf dem Acker liegen, sind Kunststoffmüll. Wahrscheinlich ist die Sonde in der Leitung gelandet, wobei die Schnur durchtrennt wurde und die Sonde runterfiel und der Schirn weiterflog. Egal, wie auch immer, ich bin angenehm überrascht, denn damit ist die Tour schon mal nicht komplett erfolglos. Also Sonde einsacken und weiter zum Maisfeld.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3451330
Frequenz:
403.97 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Krummendeich (WMOID:-)
Flugdatum: 18.9.2021 09:00Z
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
28864m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.51 m/s

Landegeschwindigkeit:
3.2 m/s

Landestelle: Sottrum,
LAT, LON:
53.121057,9.250096 Google Maps
Status:
Reste und Trümmer geborgen am 16.10.2021, 13:00UT

Methode:
Extrapolation aus wettersonde-Daten


Das Feld ist nicht nur abgeerntet, sondern auch in der interessanten Gegend bereits geeggt. Ich habe schon mehrfach Sonden auf geernteten Feldern gefunden, so dass man da nicht gleich aufgeben sollte. Ich trete auf den Acker - aber komme nicht weit. Da am Waldrand liegt etwas. Ein Blick durchs Fernglas: Unverkennbar der Spreizring eines Totex-Schirms. Aus der Nähe ist zu sehen, dass der Schirn zwar beschädigt, aber einigermaßen vollständig ist. Na also, das ist doch schon mal was. Der Schirm liegt nicht an der Landestelle. Entweder hat ihn ein Landwirt da hingepfeffert, oder er wurde von einer Landmaschine bis zur nächsten Wendung mitgezogen.





Jetzt beginnt die Suche. Man muß sich von dem üblichen Beuteschema lösen. Zwar habe ich schon auf geernteten Feldern intakte Sonden gefunden, aber hier muss man froh sein, wenn noch kleine Trümmer an der Oberfläche liegen.  Auch hier befindet sich wahnsinnig viel Kunststoffmüll auf dem Acker. Und Feuersteine mit Kreidehülle. Das Gebiet, in dem nach meiner neueren Analyse die Sonde liegen sollte, ist recht klein. Mehrfach falle ich auf das selbe weiße Folienstück rein, welches exakt auf der neuen Prediction liegt. Ich gehe das Feld ab - nichts, nur Pseudosonden. Ich weite meine Suche etwas aus - vielleicht wurde auch die Sonde mitgeschleppt. Nach ca. 30 Minuten komme ich wieder an der Prediction vorbei, nachdem ich alles abgegrast habe. Da vorne ist wieder das bekannte weiße Folienstück. Jetzt gehe ich hin und nehme es mit, jedes Mal versetzt es mir einen Adrenalinschub. Aber das ist keine Folie,  das ist doch....

 




Ich sammel die paar Trümmer ein, der Rest ist entweder mitgehäxelt worden oder wurde untergepflügt. Man sollte den Acker ausheben und die Erde nach Archäologenart sieben, dann wird man vielleicht noch weitere Fragmente finden können. 




Zuhause lege ich mal den Track von unserer Suche über die Karte mit der Sondenposition. Und wie vermutet, sind wir bei der ersten Suche mindestens 3mal unter der Fallschirmschnur hindurchgelaufen....


Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier

 

Sonntag, 10. Oktober 2021

Fake News oder "Wissen Sie eigentlich, wo Sie hier sind und was Sie tun?"

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3321140

Frequenz:
403.97 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Krummendeich (WMOID:-)
Flugdatum: 21.9.2021 17:00Z
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
27527m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.73 m/s

Landegeschwindigkeit:
3.7 m/s

Landestelle: Wilsede,
LAT, LON:
53.16636, 9.99338 Google Maps
Status:
Geborgen am 9.10.2021, 14:40UT durch komplexe Stangenbergung aus > 15m Höhe

Methode:
Extrapolation aus Radiosondy-Daten

 

21.9.2021: Erster Anlauf:  Die Sonde fliegt von dem ungewöhnlichen Startort Krummendeich und landet nahe dem Heidedorf Wilsede. Der wunderschöne rote Totex-Schirm hat es mir angetan. Ich schaffe es mit Öffis und Faltrad nur bis Buchholz. Aber da fällt der Heidesprinter wegen technischer Probleme erst einmal aus. Ich bin rückblickend froh, dass dem so war, denn der Weg war komplizierter als gedacht. Ich hätte die Sonde niemals im Dunkeln bergen können. Den letzten Zug heimwärts hätte ich auch nicht mehr bekommen - der Plan war dann eine Übernachtung in der Sternwarte meines Astrovereins in Handeloh. Gut, dass diese Crash-Aktion nicht zustandekam.

22.9.2021: Zweiter Anlauf: Die Aktion der Nahverkehrsanbieter erlaubt eine Gratis-Anreise nach Wintermoor. Das Faltrad bringt mich nach Nieder-Haverbeck und von dort aus nach Wilsede. Dieses romantische Heidedorf hat den Flair von 1850 eingefroren. Die Straße ist eine für mein Faltrad brutale Kopfsteinpflasterpiste. Rechterhand brutale ausgefahrene Spuren der Touri-Pferdekutschen, links namibiaartiger Schotter, Stichwort "die Pad". Kurz vor Wilsede ein nettes Stück Asphalt, aber die Strecke zur Landestelle ist wieder schlimm. Mehr schieben als Fahren, und das über Kilometer. Aber die Landschaft ist die Wucht.




Die mäßig genaue Prediction liegt in einem Kiefernwald. Ich habe große Schwierigkeiten, die Sonde zu finden. Zudem steht die Sonne wegen der länger als geplanten Anreise schon sehr tief, so dass die Bäume schlecht beleuchtet sind. Nach ca. 1 Stunde Suche sehe ich aus der Ferne die Schnur im Fernglas glänzen. Aber schon nach Minuten verliere ich die Sichtung, weil die Sonne untergeht. Ich gehe in die ungefähre Richtung - nichts ist erkennbar. Erst bei einem längerern Scan der Bäume aus einiger Distanz mit dem Fernglas habe ich irgendwann mehr zufällig die Sonde im Gesichtsfeld.

 


 

 

Die Schnur geht über die Kiefer herüber, auf der anderen Seite kann ich weder den begehrten roten Totex-Schirm noch die Fortsetzung erkennen. Einen kurzen Versuch mit der 10m Stange mache ich gegen bessere Einsicht - die Stange ist viel zu kurz. Hier müsste man mit der 15m Stange wiederkommen. 

Immerhin  versöhnt die der Naturgenuss in der abendlichen Heide auf der Rückfahrt nach Wilsede mit der ernüchternden Erfahrung.



Wie komme ich zurück? Die Straße nach Niederhaverbeck ist echt heftig. Geht es vielleicht über Undeloh besser? Man könnte die Bahnstation in Handeloh erreichen. Man kann ja mal testhalber ein paar Meter in Wilsede auf diese Route abbiegen. 

Ich biege also im Dorf rechts ab, aber 30m zu früh. Ich bemerke meinen Irrtum. Hofeinfahrt, Feldweg. Muss zurück aber bergauf schieben, weil der Weg die erwähnte Beschaffenheit hat. Oben kommen mir ein paar Leute entgegen. Die strahlen mir sofort mit ihrer ultrahellen LED-Taschenlampe direkt ins Gesicht und fragen mich, ob sie mir helfen können. Ich bitte Sie, die Lampe  woanders hin zu richten, worauf die Gegenfrage "Wieso?" erschallt. "Das blendet". Dieser Hinweis hat erst nach quälenden 30 Sekunden einen Effekt. "Sie können mir vielleicht aber wirklich helfen. Können Sie mir sagen, wie der Weg nach Undeloh ist?" "Hä?" "Naja, ist das auch Kopfsteinpflaster oder asphaltiert?". "Kopfsteinpflaster, die ganze Strecke". "Können wir Ihnen nicht doch helfen, Sie brauchen doch Hilfe!" "Haben mir schon geholfen, die Auskunft war schon eine gute Hilfe". "Wissen Sie eigentlich, wo Sie hier sind und was Sie hier tun?" "Ja, ich bin in Wilsede und fahre gleich über Neu-Haverbeck nach Wintermoor". "Wissen Sie überhaupt, wie Sie da hinkommen?" "Ja." "Woher denn?" "Na, ich habe eine digitale Karte, mit der bin ich ja auch hergekommen". Allmählich merke ich woher der Wind weht: Wer im Dunkeln ein Fahrrad durch ein Heidedorf schiebt, ist eindeutig eine hilflose Person. Ich versichere, dass ich exakt weiß, was ich mache. "Wirklich? Wir haben gerade überhaupt nicht den Eindruck". Mir wird es langsam zu blöd und ich verabschiede mich.

Die ersten 2 Kilometer sind Asphalt. Irgendwann bemerke ich, dass mir in einigem Abstand ein Auto folgt. Sehr langsam, immer den Abstand wahrend. Das kann nur ein Dorfbewohner sein, denn Wilsede ist für fremde Autofahrer gesperrt. Nach 2km, am Ende der Asphaltstrecke, macht es einen U-Turn und fährt nach Wilsede zurück. Bergab geht es besser auf der Schotterpassage als auf dem Hinweg, und ich erreiche problemlos Wintermoor.

 25.9.2021: Real News? Fake News?: In unserer Whatsappgruppe werde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich mir den Tripp mit der 15m-Stange nach Wilsede auch schenken kann....Tatsächlich, die folgende Eintragung in  Radiosondy ist eindeutig:




Ein paar Tage später gucke ich mir das noch mal genauer an und bekomme einige Zweifel. Von dem Kollegen habe ich noch nichts gehört, was nichts besagen muss. Ich guck mal in Radiosondy nach: Das ist seine zweite Sonde, beide weit von seinem Wohnort gefunden. Hmmm. Also ich habe schon ein paar Sonden mehr auf der Uhr und fand es extrem schwer, diese Sonde überhaupt zu sichten. Ohne Spezialequipment kommt man bei einem Bergungsversuch in diesem Fall gar nicht weiter. Ich besaß sowas bei meiner zweiten Sondenbergung nicht, und selbst mit einer langen Teleskopstange wird das gewiss nicht einfach gewesen sein. Beeindruckend gut sind diese Null-Einsteiger heutzutage, Respekt. Aber dann: "Lüneburger Heide, Wald"??? Also Wilsede liegt in der Lüneburger Heide, das stimmt. So nennt man gemeinhin die Gegend zwischen Hamburg und Hannover. Dass da ein Wald ist, sagt einem Google Maps. Wenn ich eine Sonde nach einer extrem schwierigen technischen Bergung erbeute, schreibe ich doch ein paar konkretere Stichworte zu den Fundumständen dazu. So eine Aktion an der Grenze der Reichweite der längsten Teleskopstangen ist nicht ganz einfach, und wenn einem sowas zum ersten Mal gelingt, ist man stolz wie Bolle, oder? Ist das jetzt norddeutsches Understatement oder Maulfaulheit? Für die Story spricht, dass die Koordinaten auf ca. 16m mit meinen übereinstimmen. Vielleicht kennt er aber meine Homepage? Irgendwann verdichtet sich da ein Verdacht, dem man eigentlich gar nicht näher nachgehen möchte. Hinfahren, nachgucken? Hmm, weiß nicht, ich mag das Misstrauen nicht an mich ranlassen. Und dem Misstrauen würde ich ja nachgeben, wenn ich fahre.

9.10.2021 Dritter Anlauf: In unserer Außensternwarte in Handeloh findet der Sternwarten-Workshop statt. Ich werde mit dem Auto hinfahren, und was spricht gegen einen kleinen Umweg über Wilsede? Wenn die Sonde weg ist - ich kenne da noch 2-3 Kaltsonden. Ich parke das Auto in Döhle. Der Weg nach Wilsede ist für Privat-PKW gesperrt. Also die 15m-Stange geschultert und losgewandert. Nach 2,5 km bin ich vor Ort. Erste Überraschung: Im Wipfel einer Kiefer sehe ich schon auf dem Hinweg den wunderschönen roten Totexschirm in der Sonne glänzen.Wie konnte ich den letztes Mal übersehen? Was für einen Unterschied eine vernünftige Beleuchtung macht!

 


 


Leider unerreichbar hoch. 

Ich muss etwas herumsuchen, um den richtigen Baum zu finden, aber an dem hängt  definitiv eine RS41......

DEWIS9, wissen Sie eigentlich, wo Sie sind, was Sie tun und was "geborgen" bedeutet?

Die Bergung erweist sich als extrem kompliziert. Ich brauche mehr als eine Stunde. Die Sonde hängt ziemlich genau 15m hoch. Immer wieder verfängt sich die Stange im Gestrüpp. Sie ist auch etwas zu kurz. Zwar kann ich die Sonde antippen, aber nicht die Schnur darüber ergreifen. Stemmt man die Stange hoch, hat man zu wenig Kontrolle über die schwankende Mastspitze. Ich verlängere sie mit einem Totastzweig und etwas Tape und stelle einen Holzstumpf darunter. Das bringt 25cm. Erst im ca. 10. Versuch kann ich die Sondenschnur einhaken. Die Hoffnung, dass man mit dem Schnurzug auch den wunderschönen Totexschirm aus dem Baumwipfel ziehen kann, erfüllt sich leider nicht. Aber die Sonde kommt runter. Hier das Beweisfoto:

 

  

Das ist der zweite Fall von Sondenbergungsfake in diesem Jahr in unserer Region. Beide Fälle betreffen übrigens schwierige Baumlander. Auf beide sind wir nicht reingefallen. Traurig! Leute, was soll das? Es fallen massenhaft Sonden vom Himmel, ehrliche Sondenjagd ist machbar, Herr Nachbar. 

Beim Zusammenpacken habe ich Schwierigkeiten, das oberste Segment der Teleskopstange wieder einzuschieben. Obwohl ich die Schnur-Haken-Technik verwendet habe, war der Zug wohl etwas zu stark. Da ich mein Fahrradwerkzeug wegen Auto-Anreise nicht dabei habe, kann ich mir nicht helfen. Also stolziere ich mit dem extrem langen Teil durch die Heide. Immerhin passt das Konstrukt noch in meinen Polo, so dass die Heckklappe gerade noch zugeht. 

Weiter geht es nach Handeloh zu unserem Workshop. Der erste seit langer Zeit. In der Sternwarte habe ich Zugriff auf Werkzeug und kann das Problem mit der Stange rasch  beheben. 

 
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Donnerstag, 7. Oktober 2021

Eine ungewöhnliche Bergen-Sonde

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
S3141090
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 06.10.2021 09:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 18468m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.03 m/s 
Landegeschwindigkeit: 5.5 m/s
Landestelle: Rausdorf
, LAT, LON:
53.58528,10.33688 Google Maps
Status: geborgen 06.10.2021, 
15:00 UT
Methode: Tawhiri-Prediction aus Radiosondy-Daten

Seit ein paar Tagen startet Bergen zwischen den regulären Flügen immer mal wieder eine Zusatzsonde. Sie kommt nur auf 18km Höhe; manchmal mit verkürztem Killtimer. Am 6.10. flog die Zusatzsonde um 9:00 UT und landete direkt am Ortsrand von Rausdorf direkt an der Hauptstraße nach Witzhave. Den Tag über ist Jürgen, der nicht weit weg wohnt,  stark mit den ebenfalls außerhalb der Reihe fliegenden DFM09-Sonden aus Celle befasst. Ich bin am Abend nach der Arbeit in Schmalenbeck. Da noch niemand die Sonde als geborgen gemeldet hat, schnapp ich mir das Auto und fahr mal schnell hin. Direkt am Ortsausgang befindet sich ein netter Waldparkplatz. Von da aus sind es ca. 200m. Die Stange werde ich nicht brauchen und lass sie im Auto. Das Ding liegt entweder auf der Straße oder direkt am Rand auf der Wiese, und die Schnur könnte die Straße kreuzen. Ich rechne eher damit, dass ich die Sonde in Form von Verkehrstod-Trümmern vorfinde. 

Aus der Distanz sehe ich, dass die Koppel links von der Straße ein frisch bestelltes Getreidefeld ist. Rechterhand befindet sich eine Wiese. Auf beiden ist aus der Distanz nichts zu sehen.  Dafür gibt es am Straßenrand Bäume, die ich auf Google Maps nicht gesehen hatte. 

An der Prediction angekommen, lasse ich meine Blicke schweifen. Da sehe ich die Sonde über mir in 8m Höhe im Wind rotieren. Die Prediction stimmt auf weniger als 10 Meter.


 

 Schon ärgere ich mich, dass ich die Stange im Auto gelassen habe. Auf dem Feld befindet sich kein Fallschirm; wahrscheinlich hängt der in dem kleinen Wäldchen in Flugrichtung. Ein Fernglas habe ich auch nicht dabei. 

Mit der rasch geholten Stange ist die Bergung dann eine einfache Sache.



An der Schnur gibt es kaum Widerstand, wenn man daran zieht. Besser aber gucke ich mal im Wald nach. Da die Sonne scheint, kann ich die Schnur hoch am Himmel glänzen  sehen. Sie verläuft direkt in Richtung auf den Wald. Ich betrete den Wald und kann oben etwas Metallisches glänzen sehen. Wahrscheinlich ist das aber nicht mein Objekt, sondern einer dieser metallisierten Spielzeugballons. Da muss man wohl einen Schnurzug von der Straße aus riskieren. Es raschelt und klötert in den Bäumen. Ich kriege den kleinen roten Schirm ohne nennenswerte Gewaltanwendung problemlos frei, und er segelt herunter. Die letzten Meter braucht es noch einmal etwas Hilfe von der Stange.







Der kleine rote Ballonhals sieht aus wie von einer der kleinen Manöversonden, nur dass diesmal eine RS41 verwendet wurde. Wollen die die Eignung einer RS41 als Manöversonde testen?

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