Donnerstag, 31. Mai 2018

Meine erste Pinneberger RS41

Traditionell startet Pinneberg Testnutzlasten für die Verwendung auf Seeschiffen. Als Radiosonden wurden bisher DFM09 und RS92 verwendet. Ohne Label, ohne Fallschirm. Seit Ende Mai 2018 werden statt RS92 auch hier die neuen RS41-Radiosonden verwendet.
Am 31.5. stieg N3930542, eine dieser ersten RS41 aus Pinneberg auf. Da schon seit Wochen wenig Bewegung in der Hochatmosphäre ist, kam sie nicht weit. Ich konnte aus einem Laborfenster das Signal bis 257m GPS-Höhe empfangen. Der Landeplatz der offensichtlich fallschirmlosen Sonde lag zwischen Kurzenmoor und Seester auf freiem Feld. Ich konnte noch kurz vorbeigucken, hatte aber abends einen weiteren Termin in Allermöhe. Also würde ich rasch per Regionalexpress nach Elmshorn und von dort per Bus zur Station Kurzenmoor - Schulsteig fahren. Von dort wären es nur 500m bis zur Sonde.

Der Plan scheiterte bereits beim Start, da die S-Bahn nach Altona direkt ausfiel. Also nahm ich den Gegenzug nach Wedel. Von dort würde man mit einem anderen Bus in 45 Minuten nach Groß-Nordende (Am Brehn) gelangen können. Dort wartete eine Wanderung von über 3km bis zur Sonde. Diese mussten schnell zurückgelegt werden, weil ich ja meinen Termin in der Stadt halten wollte. Bei stechendem Sonnenschein und schwülwarmen 30 Grad. Und ohne Wasserflasche.

Am Eingang zum Schulsteig - einer schnurgeraden Landstraße - fand ich ein schattiges Plätzchen, wo ich schnell mal eben die Landestelle anpeilen und das GPS-Signal dekodieren konnte. Die Landesstelle lag auf einem Weizenfeld. Zwar mit Wachstumsverzögerern besprüht, aber bei der hohen Landegeschwindigkeit war auch aus kürzester Distanz nichts zu sehen, denn die Sonde war offenbar bis zum Erdboden durchgeschlagen und tief in der Vegetation versteckt. Nach einigen Minuten vergeblicher Suche im engsten Umkreis wurde es mir zu bunt. Peilung auf der Oberwelle wies mir die Richtung. Nach wenigen Schritten sah ich erstmals ein Stück Schnur...


 und gleich auch tief im Weizen die Sonde.



Vom Rest der Schnur und vom Ballonrest war nichts zu sehen. Ich konnte aber an der Schnur die restlichen Gegenstände zu mir hinziehen, was unnötiges Trampeln durchs Feld vermied.




Obwohl meine Prediction nicht schlecht war, hätte sie alleine nicht gereicht, wo doch nicht einmal die Kenntnis der GPS-Position der gelandeten Sonde ausreichend war. Aber solche unerwarteten Schwierigkeiten machen ja den Reiz der Sondenjagd aus.

Das Setup an sich ist wie üblich. Kein Fallschirm, Befestigung am Ballon mit Kabelbinder.

Zurück ging es mit dem Bus nach Elmshorn und von dort aus mit Regionalzug und S-Bahn nach Allermöhe, wo ich pünktlich mit Sonde im Rucksack eintraf.


 
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Sonntag, 13. Mai 2018

Dead Center in Linau

Am 7.3.2018 flog ziemlich spät am Nachmittag die Saseler Sonde M0310469. Bremen verlor die Sonde in über 1000m Höhe. Ich konnte eine Antenne aus einem Laborfenster halten und das Signal bis in 187m GPS-Höhe verfolgen. Eine API-Prediction war schnell gemacht und  versprach angesichts der geringen Endhöhe auch eine einigermaßen gute Zuverlässigkeit. Ich hatte aber nie die Zeit zu einem Ausflug nach Linau-Diekkaten. Hier würde die Sonde an einem Waldrand hängen, vermutlich gut sichtbar von der Straße Linau Busch aus. So stellte ich mir das jedenfalls vor.

Meine Mutter wohnt ja nicht so weit weg, und ich besuche sie sehr regelmäßig, aber irgendwie ergab sich nie die Gelegenheit, sich  das Auto für einen Ausflug nach Linau auszuleihen. Und als es sich mal ergab, habe ich dann die Baumlander-Sonde in Trittau vorgezogen und zusammen mit Jürgen aus 15m Höhe geborgen. Also hatte ich die Sonde ständig auf der Liste, und die Suche wurde immer wieder verschoben.

Am 13.5. habe ich mich spontan entschlossen, den Platz aufzusuchen. Nachdem ich Freitag Abend von einer DFM bei Lauenburg, die ebenfalls am 7.3. gelandet war,  bei einer ähnlich zuverlässigen Prediction keine Spur hatte finden können, war mein Optimismus aber etwas gedämpft.

Also rein mit dem Faltrad und der 10m-Stange in den Zug nach Ahrensburg und von dort aus mit dem Bus nach Schönberg. Dort erstmal entdeckt, dass der Vorderreifen platt war. Ich stand vor einem Rätsel, denn das kam sehr plötzlich, und nach Aufpumpen gab es beim Weiterfahren keine Probleme. Ventilproblem? Murphys Law of Thermodynamics: Things get worse under pressure? Egal, die Strecke nach Linaubusch war schnell zurückgelegt. Und was soll ich sagen: Obwohl die Gegend keinen verlassenen Eindruck machte, war das erste, was ich von der Straße an praktisch der erwarteten Stelle sah, das hier:








Schnell das Rad am Gitter der Brücke über die Obek angeschlossen und los ging es. Ich bin um die Wiese herumgegangen und habe unterwegs mal die Schnur mit dem Fernglas verfolgt. Sie endete im Wipfel einer Eiche. Meine Angst vor einem weiteren Eintrag auf der Baumlanderliste (die gerade so schön leer ist) war unbegründet. Denn schon vom Waldrand aus war die Sonde klar sichtbar:


Alles easy  heute. Zwar befand sich zwischen mir und dem Objekt der Begierde ein Graben, über den aber jemand mit zwei Latten eine stabile Brücke improvisiert hatte. Von der anderen Seite aus erwies sich die Sondenbergung als extrem einfach. "Ostereiersammeln für Erwachsene" hat neulich mal ein jemand dieses Hobby genannt, und dieses Ei war noch nicht einmal richtig versteckt. 12 Meter neben der Prediction und in jeder Hinsicht leicht zu finden. Erstaunlich, dass es dort nach mehr als 2 Monaten noch war. Bis auf ein paar aufgeplusterte Stellen an der Schnur sah alles so aus, als wäre die Sonde heute Mittag gelandet.




Screenshot der Handyapp Locus, Open Streetmap. Der Kreis markiert die Sondenposition laut Handy-GPS, das "i" die Vorhersage. Abstand 12 Meter. Dead Center. Was will man mehr?

Die Sonde sieht aus wie neu, ist aber nach einem Test zuhause offenbar dennoch defekt. Neulich hatte ich eine Sonde mit einem angerosteten Sensor, die sich ohne weiteres nach etlichen Monaten mit ihren Originalbatterien einschalten ließ. Andere sehen aus wie neu, sind aber komplett tot, auch wenn man ihnen neue Batterien spendiert.

Leider war die Bergung des Fallschirms, obwohl auch dies auf den ersten Blick sehr einfach aussah, nicht möglich.





Der Abroller hatte sich vom Ballonrest gelöst und war in dem Laub, das seit der Landung ausgetrieben war, extrem fest eingewachsen. Ich konnte zwar mit der Stange und mit Haken den Schirm und auch die Schnur zum Ballonrest ergreifen. Den Ballonrest mit dem Startautomatenventil habe ich auch mit ziemlichen Krafteinsatz geborgen und den Schirm ziemlich ramponiert, aber der Abroller ist komplett verklemmt und ließ sich nicht befreien. Und damit hatte ich auch keinen Zugang zu der Sondenschnur und konnte sie diesmal leider nicht, wie grundsätzlich angestrebt, aus der Umwelt entfernen. Vielleicht muss man das mal im Herbst probieren.

Nach einem weiteren Reifenproblem - diesmal hinten - erreichte ich die Busstation Grönwohld-Schule (Stichwort: Büttenwarder), von der es schnell über Rahlstedt nach Hause ging.

Ach so:  Kraniche gesehen und Kuckucke gehört, Rehe gesehen. Bestes Wetter, Natur Pur.

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Dienstag, 1. Mai 2018

Bergener Sondenschwall

Am 30.4.2018 hatte ich einen freien Tag. Und an dem Tag flogen die 4 Bergener Sonden in den Hamburger Raum ein. Bergen hatte ja kürzlich auf  RS41 umgestellt, und seither hatte ich keine Bergener Sonde mehr gefunden. Es begann mit der Nachtsonde N1730036. Ohne Timerkill. Ich konnte sie bis in 118m GPS-Höhe (das entspricht 78m über NN) verfolgen und hatte daher eine gute Idee von der Landestelle in Kirchwerder (Grünerdeich). An der Bushaltestelle Teufelsort hatte ich sofort Empfang und somit GPS-Koordinaten. Es war eine Ackerlandung, und der Fallschirm war gut aus der Ferne erkennbar.




Auf der anderen Seite lag die Sonde. Der andere weiße Punkt ist ein Fetzen des Ballonrests






Ein Begleitzettel fehlte. Der Fallschirm war von der kleinen Variante und völlig mit dem Ballonrest verzwirbelt.

Zuhause hatte ich kaum Zeit, die Beute genauer unter die Lupe zu nehmen.





Denn N1340567,  Bergen 6Z, war schon unterwegs. Bremen warf als Landestelle eine ganze Zeitlang den Botanischen Garten aus. Das wäre es gewesen. Die Aktion wäre wegen einer Streckensperrung der S-Bahn in die besagte Richtung stressig geworden.  Sicherheitshalber wurde das Faltrad klargemacht und der Sondenjäger-Rucksack gepackt, da mit einer Landung in nächster Nähe zu rechnen war. Auf dem S-Bahnhof noch schnell ein Blick auf die Bremer Seite. Inzwischen war eindeutig klar: Die Sonde würde die Elbe nicht überqueren. Also rasch umdisponiert: Raus aus den Bahnhof, in die Pedale getreten und hin zum Aussichtspunkt "Altonaer Balkon". Hier hat man einen weiten Blick vom Elbtalrand über den Hafen. Der Empfang war bis zum Einschlag prächtig, und diesmal riß die Verbindung in 78m GPS-Höhe ab. Die Landestelle war auf einer freien Fläche bei Moorburg, die von Straßen durchzogen war. Dass ich das Faltrad dabei hatte, erwies sich als extrem günstig. Minuten später war ich schon am Busbahnhof Altona und in einem Bus, der durch den Elbtunnel nach Moorburg fuhr. Vor Ort war ich natürlich auch sehr mobil, was allerdings dazu führte, dass ich die Sinnlosigkeit meines Tuns schneller erkannte.

Empfang von der Bushalstelle: Keiner. War das der Timerkill? Kann nicht sein, denn der war laut Bremer Seite auf 4:20 Stunden eingestellt, und die waren lange nicht um.

Die freie Fläche war leider das Spülfeld Moorburg-Mitte. Alles komplett unzugänglich, da man auf dem Spülfeld leicht auch mal versinkt. Dieses Schild war noch eines der freundlichen Sorte.

Ein Empfangsversuch am Zaun war doch noch erfolgreich. Das Signal war sehr sehr schwach, aber irgendwann hatte Zilog ein Einsehen. Die Landestelle sah in Google Maps nicht wirklich gut aus.