Sonntag, 26. Juli 2026

Drive-In am Sportweg

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V0921502
Produktionsdatum: 2023-2-28
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 25.7.2026 (12:00Z)
Track
wettersonde.net/Tower

Maximale Höhe:
 
32478m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.62 m/s

Landegeschwindigkeit:
 10.3m/s

Landestelle: Holdenstedt bei Uelzen, 
LAT, LON: 
52.93699,10.50731 Google Maps
Status: Geborgen am 25.7.2026, 16:20UT

Methode:
 Extrapolation aus Tower-Daten (Web-SDR db0dan)

Die Mittagssonde aus Bergen landet unweit von Uelzen im Wald. Ich bemerke das erst nach der Landung. Auf der Tower-Seite des Web-SDR gibt es unter "Files" die decodierten Sondenfiles der letzten Stunden. Der Web-SDR streamt auch nach wettersonde.net, aber in den Archivfiles direkt an der Quelle findet man meistens noch niedrigere Positionen. So ist es auch heute. Ich gucke auf das Wasserfalldiagramm der Seite. Von dem Sondensignal ist dort nichts zu sehen. Im Raum Uelzen bedeutet das: Sonde am Boden. Das ist auch angesichts der Tatsache, dass die Sonde mit 10m/s eingeschlagen ist, plausibel. Die letzte Position liegt nur wenige Meter über dem Boden; diese Sonde kann laut kurzer Überschlagsrechnung nur ca. 3m weit geflogen sein. 

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass es im Umkreis noch zwei weitere Kaltsonden gibt: Eine Manöversonde mit Tower-Empfang nach der Landung vom 13.7., und einen Baumlander von 2025, der allmählich am Boden liegen sollte. Es ist noch lange hell, also spricht nichts gegen eine spontane Radtour. Für die aktuelle Sonde werde ich erst unmittelbar nach dem Killtimer auftauchen können.

Die Anreise ist angenehm, und der Zug ist erstaunlich leer. In Uelzen wird das Rad aufgeklappt und los geht es. Die Landeposition befindet sich direkt am Weg. Da er an einem Sportplatz vorbeiführt, heißt er Sportweg. Er ist sogar bis in den Wald hinein asphaltiert.

Ich erwarte eine leichte Drive-In-Situation. Das trifft auch im Wesentlichen zu, aber das Unterholz am Wegrand ist etwas dicht. Auch ist von der Sonde zunächst nichts zu sehen. Dafür hängt  gleich linkerhand jede Menge Latex vom Baum.

 

 

 


Die Sonde? Wo ist sie denn? Sie sollte nach aller Logik am Boden liegen. Tut sie auch, aber sie versteckt sich ein wenig. 



 

Von der anderen Seite sieht es schon viel besser aus....






Der Abstand zwischen Schirm und Sonde beträgt nur wenige Meter, aber die Schnur verläuft über mehrere hohe Baumwipfel     und ist im Geäst verhakt. Ich muss sie erst einmal durch kreative Schnurmanöver befreien, um das Gespann komplett bergen zu können. 



 


 

Jetzt gilt es ein beiden nahen Kaltsonden zu suchen. In beiden Fällen gibt es exakte Landepositionen - Tower sei Dank. 

Die erste ist U3160301. Die hängt seit März 2025 hoch in einer Kiefer im Wald am nahen Königsberg. Sie war eine der ersten Sonden, die ich mit dem Zilog-Decoder aus dem Tower-Signal decodiert hatte. Sowohl die GPS-Höhe als auch die Signalstärke ließen auf eine Position hoch im Baum schließen. Ich habe sie im Februar 2026 schon mal besucht, in der Erwartung, dass sie inzwischen vom Baum gefallen sein sollte. Am Boden lag sie nicht. Die Lokalisation erforderte damals etwas Fernglasakrobatik. 

Heute finde ich einen erheblich besseren Zugang. Wieder liegt am Boden keine Sonde, wieder muss ich mit dem Fernglas den Wipfel absuchen. Die Sonde hängt immer noch hoch im Baum, aber wohl nicht mehr lange. Die Schnur ist schon sehr verrottet. Hier lohnt heute kein langer Aufenthalt. Lieber fahre ich zu der zweiten Kaltsonde, die nur 3km entfernt liegen sollte - wenn sie noch da ist. 

Es ist eine Manöversonde vom Truppenübungsplatz Bergen, die vor 12 Tagen nahe am Elbe-Seitenkanal heruntergekommen ist. Der Tower hatte sogar Post-Landing-Positionen an wettersonde.net gestreamt, und ich hatte die Landephase zusätzlich per Zilog mitgeschnitten. Das Signal nach der Landung war relativ schwach, aber decodierbar. Google-Maps zeigte an der Stelle einen Knick, der aber offenbar genau an der Sondenposition durch einen Feldaufgang durchbrochen war.  

Sondentyp: DFM17
SN: 
21(321)063207
Produktionsdatum: 17.11.2021
Frequenz:
403.81 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Truppenübungsplatz Bergen
 (WMOID:-)
Flugdatum:13.07.2026 11:50L
Track : wettersonde.net/TWR
Maximale Höhe: 18303m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.27
m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.1 m/s
Landestelle: Uelzen, LAT, LON: 
52.94502,10.59528, Google Maps
Status: Geborgen am 25.7.2026, 18:30 UT
Methode: Empfang des Sondensignals nach der Landung via Web-SDR (db0dan)

 

Da ist es natürlich möglich, dass die Sonde bereits vom Landwirt entsorgt ist. Aber Nachgucken kostet nichts. Nach wenigen Kilometern zweigt links der Feldweg ab, der direkt zur Landestelle führt. Der ist ziemlich zugewuchert und mit dem Rad nur durch Schieben zu bewältigen. Am Ende des Weges vorne kommt der besagte Feldaufgang in Sicht.  Nach der Vegetation zu urteilen, ist hier in den letzten Wochen kein Trecker gefahren. Und da liegt auch schon gut sichtbar die Schnur, die quer über den Weg verläuft! Die Sonde wird an der erwarteten Stelle abgegriffen, und die Schnur weist den Weg zum Fallschirm im benachbarten Haferfeld. 





 

Nach dieser einfachen Bergung geht im Abendlicht zurück nach Uelzen. Dort entdecke ich, dass dort einige Metronom-Linien Richtung Süden von DB-Regio übernommen wurden. Die haben das Wagenmaterial übernommen und natürlich als erstes die Gepäck-Gestelle durch Sitze ersetzt. Das dürfte die allgemeine Rollenkoffer-Krise in den Regionalzügen weiter verschärfen. Mein Zug nach Hamburg wird noch von Metronom betrieben. Mein Faltrad verschwindet unter dem hier noch vorhandenen Gepäckgestell. Dafür endet der Zug mal wieder Metronom-typisch außerplanmäßig in Hamburg Harburg. Aber dieses Problem ist mit der S-Bahn zu bewältigen. 

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Donnerstag, 23. Juli 2026

Auf Feuchtwiesen bei Itzehoe...

 ...landet am 21.7.2026 die Schleswiger Mittagssonde. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
X3452413
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Schleswig (WMOID:
10035)
Flugdatum:
21.7.2026 12:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.55 m/s
Maximale Höhe:
 27644m
Landegeschwindigkeit: 4.8m/s
Track  wettersonde
Landestelle: Itzehoe-Wellenkamp ,
LAT, LON  53.91397,9.48727
 Google Maps
Status:
  Geborgen am 22.7.2026, 14:10UT
Methode: Extrapolation aus wettersonde.net-Daten (Danke Bernd für die schöne letzte Position)
 

 

Einen Tag später beschließe ich eine Tour dorthin. Nicht ganz einfach, denn der Zug nach Itzehoe fährt weiter nach Westerland auf Sylt. Und kurz nach Ferienausbruch ist der natürlich rappelvoll. Strategischer Fehler meinerseits, der Bummelzug (RE61) wäre sinnvoller gewesen. Die Bahn verfährt mal wieder nach dem Motto: "Ferienzeit ist Baustellenzeit". Dadurch fährt der Zug je nach Tagesform ab Pinneberg oder Elmshorn und nicht in Hamburg los. Heute ist es Pinneberg. Dadurch ist auch die S-Bahn rappelvoll. 

Durch sinnvolle Wahl des Eingangs (man vermeide die ersten Wagen)  gibt es im RE6 immerhin so viel Platz, dass es möglich ist, Faltrad und Equipment sozialverträglich in eine Ecke zu quetschen. Den Rest des vorhandenen Volumens belegt eine sehr freundliche Lady, die ihren absolut entzückenden Schoßhund in einen großen Kinderwagen transportiert. Gottseidank müssen wir in Itzehoe nicht links, sondern rechts aussteigen. Sie hatte schon Panik geschoben, was wohl passiert, wenn jetzt jemand aussteigen möchte. Erstmals im Leben Bahn fahren...

In Itzehoe wird das Rad aufgefaltet und bestückt, und auf gehts Richtung Wellenkamp zur bestens lokalisierten Landestelle. Bernd hat gestern finale Koordinaten ins Netz gepustet, die eine verlässliche Extrapolationslösung liefern sollten. Ich kette das Rad an einen Straßenbaum, quetsche mich durch den Knick auf die Feuchtwiese. Die ist aufgrund der vergangenen Hitzewetterlage nicht wirklich feucht. Nur einige leicht matschige Gräben erfordern einen beherzten Sprung. 

Noch 50m bis zur Extrapolation. Rechterhand liegt in einiger Entfernung etwas Weißes...

 


 

Die Strecke zur Sonde ist immer noch unwegsam, aber einfach. Denn die Schnur weist den Weg. Zudem stimmt die Extrapolationslösug auf 2 Meter. Danke Bernd für die schönen Koordinaten.

 

 

 

 

 

 

 






Nach der erfolgreichen Bergung muss ich einen guten Rat, den Axel auf Whatsapp gab, beherzigen.


 

X3444129 ist eine Radiosonde aus Norderney. Axel und Anita hatten sie damals lokalisiert. Ich schlage mich mit dem Rad  bis zur Landestelle durch. Das erfordert etwas Schiebung. Auf dem Weg liefert die Vogelwelt mal wieder....


 

Am Ziel liegt unten leider nichts Weißes am Boden, und nach oben kann man kaum gucken, weil das Laub des relativ dichten Unterholzes die Sicht blockiert. An einer Fichte passender Höhe hängt das hier: 

 

Rückfrage bei Axel ergibt, dass diese Markierung nicht von den beiden stammt. Es ist auch nicht unbedingt sicher, dass das Zeichen etwas mit der Sonde zu tun hat, da die Entfernung zu Axel und Anitas  Koordinaten volle 17 Meter beträgt und an der offiziellen Stelle eine passende Fichte steht. Naja, nach dem Laubfall wird sicherlich jemand vorbeigucken, und dann kann man sie hoffentlich aufsammeln oder zumindest mit dem Fernglas lokalisieren. 

Auf dem Rückweg sind die Züge fast leer. Dennoch kann man auch in so einer Lage Gruppenkuscheln erzwingen, indem man kollektiv den letzten Wagen der S-Bahn entert - am besten durch die letzte Tür. Neu ist eine Dame, die offenbar meint, dass ich gefälligst  an dieser Aktion beteiligen müsse, als ich sie bitte, mich vorbeizulassen, damit ich weiter vorne einsteigen könne. 

 

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Dienstag, 14. Juli 2026

Endlich am Boden!

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
W1917532
Frequenz: 402.5 MHz
Produktionsdatum: 6.5.2024
Timerkill:
keiner
Startstation:
Schleswig (WMOID:
10035)
Flugdatum:
16.1.2025 00:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.78 m/s
Maximale Höhe:
 31845m
Landegeschwindigkeit: 2.3m/s
Track  wettersonde und sondehub
Landestelle: Reinbek,
LAT, LON  
53.50236,10.23783 Google Maps
Status:
  Geborgen am 14.7.2026, 9:58UT
Methode: Empfang nach der Landung per TTGO

16.1.2025: Diese Nachtsonde aus Schleswig landet im Wald bei Reinbek. Bereits aus der fahrenden S-Bahn habe ich Empfang mit dem TTGO. Vom Bahnhof geht es dann zu Fuß zur Landestelle im waldigen Billetal. Schon aus der Distanz ist der Fallschirm gut zu sehen.

 

 



Damals werden für kurze Zeit testweise blaue Schirme verwendet. Dies ist der erste Schirm dieser Art, den ich zu Gesicht bekomme. Ran komme ich nicht - denn er hängt ca. 17m hoch im Baum über umgestürzten Bäumen und sumpfigem Gelände. 

Auf der anderen Seite des Weges hängt die Sonde in einer Lärche - 30m hoch. 


 

Am 2.2.2025 bin ich wieder da. Der Schirm ist jetzt weiter herabgesackt. Von matschigen Boden aus kann ich ihn mit der Stange bergen. Die Sonde pendelt dabei auf die andere Seite der Lärche und hängt immer noch in gleicher unerreichbarer Höhe an langer Schnur. Ungünstig ist, dass sie direkt über einem von Hunde-Spaziergängern extrem frequentierten Wanderweg baumelt. Irgendwann wird sie herunterfallen, aber dann eventuell Passanten vor die Füße. 

Daher bin ich in den kommenden 18 Monaten immer mal wieder vor Ort, vor allem nach Stürmen. Immer nach dem gleichen Schema: Schritt 1: Vom Bahnhof Reinbek die kurze Strecke bis zum Baum. Schritt 2: Nö, da liegt sie nicht. Schritt 3: Mit dem Fernglas checken, ob sie noch oben hängt - was im Sommer aufgrund von Laub anderer Bäume kompliziert ist. Schritt 4: Nach erfolgter Sichtung wieder zurückradeln. 

Ab Mai 2026 gelingt es mir nicht mal mehr, die Sonde zu sichten - zu dicht ist das Laub. Am 16.6.26 kann ich im Fernglas an den fraglichen Zweigen nur noch isolierte Schnurstücke erkennen und bin daher fast sicher, dass die Sonde nicht mehr oben hängt. Unten liegt sie auch nicht (mehr?). Meine Zuversicht, das Ding irgendwann mal in den Händen halten zu können, schwindet deutlich. 

Nach einigen heftigen Sommerunwettern frage ich mich am 14.7.2026, ob ein Check der Sonde einen Sinn macht. Etwas Zeit ist vorhanden, aber viel Chancen habe ich ja nicht. Am Ende siegt die Neugier, und die hilft häufig. Denn dieses Mal sehe ich  schon von Weitem neben dem Baumstamm eine RS41 am Boden liegen. 




 

 

 

 

 

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Montag, 13. Juli 2026

Was ich nicht weiß...

 ...lehrt mich der Mais (alte Pflanzenphysiologen-Weisheit)

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
X3453140
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Schleswig (WMOID:
10035)
Flugdatum: 10
.7.2026 00:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.94 m/s
Maximale Höhe:
 34360m
Landegeschwindigkeit: 1.0m/s
Track  wettersonde und sondehub
Landestelle: Brande-Hörnerkirchen ,
LAT, LON  
53.84747,9.711652 Google Maps
Status:
  Geborgen am 12.7.2026, 17:27UT
Methode: Extrapolation aus sondehub-Daten
 

Die Nachtsonde aus Schleswig landet am 10.7. in der Feldmark bei Brande-Hörnerkirchen. Die niedrigste Position hat Sondehub. Die Prediction ist aus verschiedenen Gründen ungenau: Die Sonde schwingt entlang ihrer Flugrichtung hin und her, so dass man sich eine Flugrichtung auf der Karte ausmessen muss. Die Abstiegsgeschwindigkeit ist gering und schwankend, und der Wind bläst heftig. Die wahrscheinlichste Position liegt auf einer Koppel, die nach den in Google Maps sichtbaren Treckerspuren stark nach einem permanenten Maisfeld aussieht. Ein Knick verläuft quer zur Flugrichtung, allerdings dürfte der Schirm nicht bis dorthin reichen. Am Sonntag Abend fahre ich zum Bahnhof Dauenhof. Von dort sind es 2.5km mit dem Faltrad, so dass man mit dem Fernglas von der nahen Straße aus die Sache inspizieren kann. Vielleicht sieht man ja etwas, und im wahrscheinlichen Misserfolgsfall kann man die nächste Regionalbahn zur Rückreise nutzen.

Vor Ort führt eine Schneise durch den Mais; hier ist mit dem Fernglas keine quer verlaufende Schnur zu erkennen. Auch meine erste Inspektion des besagten Knicks ist erfolglos. Auf der anderen Seite des Knicks wächst Roggen. Da ist ein Durchgang bei einer Gasleitungs-Markierung, durch den man den Knick  einsehen kann. Und ja, da ist die Schnur, sie hängt von dem Knick herunter! Glück muss man eben auch mal haben. Die Sonde ist erfreulich weit geflogen, so dass der Fallschirm  auf dem Roggenfeld liegt. Ich bewege mich entlang des Knicks, und die Schnur weist den Weg zum Fallschirm und zum Ballonrest. 

 



 Soweit, so einfach. Ein bequemer Durchgang erlaubt einen Zugang zum Maisfeld. Dort gelingt schnell die Bergung der Sonde. 





Ich habe sogar noch genug Zeit, stressfrei den nächsten Zug nach Hause zu erreichen. An der Schranke muss ich allerdings 6 Minuten warten, bis ein Gespann von 4 Lokomotiven und ein Regionalzug durchbrausen, und trotzdem geht es locker aus. 

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Sonntag, 12. Juli 2026

Kaltsonden östlich von Ratzeburg

Sondentyp: RS41-SGM
SN:
W5024003
Produktionsdatum: 2024-12-10
Frequenz: 403.0 MHz
Timerkill:
 keiner

Startstation:
 Munster Süd

Flugdatum: 1.7.2026 (12:00Z)
Track
wettersonde.net/Tower

Maximale Höhe:
 24214m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 3.3 m/s

Landegeschwindigkeit:
 13.6m/s

Landestelle: Rögelliner Holz, 
LAT, LON: 
53.71985,10.97676 Google Maps
Status: Nicht geborgen, lokalisiert am 11.7.2026, 30m hoch in Fichte

Methode:
 Extrapolation aus wettersonde.net-Daten

RS41-SGMs sind seltene Vögel, und noch seltener werden sie erbeutet. Das liegt daran, dass ihr Datenstrom normalerweise verschlüsselt ist. Am 1.7. startete vom Truppenübungsplatz Munster Süd ein Exemplar, bei dem die Verschlüsselung netterweise ausgeschaltet war. Das Ding landete im Rögelliner Holz, 20km östlich von Ratzeburg. Normalerweise ist mir das etwas zu weit. Ich schnitt das ganze via Wendland-Tower mit. Bernd in Oldesloe hatte noch einen niedrigeren Frame, den man auch in wettersonde.net sieht. Die Prediction ist aufgrund der geringen letzten Bodenhöhe und des rasanten Abstiegs auf wenige Meter genau. 

DIMA, ein Sondenjäger aus dem Raum Schwerin, macht  ein paar Tage später dann eine Eintragung in Sondehub. Ich werde aus seinem Bericht nicht 100%ig schlau. Fest steht aber, dass er da war und die Sonde und den Fallschirm nicht gesichtet hat. (Die Sonde war höchstwahrscheinlich ohne Schirm unterwegs). DIMA vermutet sie auf hohen Kiefern und hält (wenn ich das richtig verstehe) das Gelände offenbar für schwierig. Auch erzählt er was von Spuren (anderer Sondenjäger?). Anyway, das sollte man sich doch mal näher angucken. Vielleicht kann man ja doch noch feststellen, ob die Sonde noch da ist und wo sie steckt. Und irgendwie hoffe ich angesichts der völligen Funkstille nach dem Aufschlag und der großen Landegeschwindigkeit auf eine unauffällige Sonde in Bodennähe. 

Am Samstag soll es warm werden, und bei den Zügen nach Büchen wird in der Bahn-App vor hoher Auslastung gewarnt. Da nimmt man am besten den Zug um 7:00. In Büchen wird nach Ratzeburg umgestiegen. Eine Minute vor der Ankunftszeit wird mal kurz das Gleis geändert. Und seit der Generalsanierung erstrahlt zwar alles in neuem Glanz, aber es existiert die praktische Fußgängerschranke zwischen den beiden Gleisen nicht mehr. Also: Wieder raus aus dem Bahnhof, rein in die Unterführung, rauf auf die Treppe (Rucksack, Teleskopstange und Rad müssen auch schnell mit). Denn da vorne kommt auch schon der Zug. 

In Ratzeburg gibt es einen praktischen Bus nach Gadebusch, der auch an der Breesener Chaussee hält. Von dort führt ein Weg in den Wald mit der Sonde.  Es sind nur 2km, aber das Kopfsteinpflaster stammt aus der frühen Bronzezeit! Nichts für meine 16-Zoll-Räder. Also muss ich über weite Strecken schieben. Rechts soll ich abbiegen - der Weg ist besser. 100m weiter soll ich links abbiegen. Große Pfützen, die von Fröschen bevölkert werden, versperren da ein Weiterkommen. Macht nichts - ich bin fast am Ziel. Also kette ich das Rad an einen Baum und laufe das letzte Stück. 

Auf Pirschpfaden geht es die letzten Meter zur Landestelle. Ich stelle das Geraffel exakt auf die Extrapolationsposition. Zwischen der und der letzten bekannten Position liegen keine 30m. Leider ist dort nichts zu sehen. Das Gelände ist harmlos, aber etwas zugewachsen.  Da stehen hohe Fichten, in deren hohe Wipfel kann man vor lauter Laub-Unterholz kaum einen Blick werfen kann. Die Sonde könnte auch sich durchaus auch bodennah  in dem Unterholz verstecken. Aber angesichts der Flugrichtung vermute ich, dass DIMA recht hat: Irgendwann ist da immer eine der Fichten im Weg. Das Ding hängt wohl eher in den hohen Bäumen. 

Von dem Pfad, auf dem ich gekommen bin, kann man einige der infrage kommenden Wipfel inspizieren. Da steht die Sonne aber exakt in der Richtung. Da ein Blick in die Sonne mit  dem Fernglas bekanntlich das Augenlicht kostet, bin ich da vorsichtig. Ich suche Baum für Baum ab und wechsel jedes Mal die Blickrichtung, um die Sonne zu vermeiden. Irgendwann blitzt da oben ein kurzes Schnurstück auf. 30 Minuten später habe ich den Verlauf so weit rekonstruiert, dass ich die Schnur am Stamm einer hohen Fichte abwärts verfolgen kann. Die verschwindet hinter einem Ast, aber darunter kommt keine Schnur zum Vorschein. Ich wechsel die Blickrichtung etliche Male, bis ich das Ende der Schnur erfassen kann - und an dem hängt tatsächlich eine RS41, ca. 30 Meter hoch. Irgendwann kommt die runter, aber heute nicht. Immerhin sehen die Schnüre 10 Tage nach der Landung bereits erfreulich ramponiert aus. Bigshotmäßig wird da wohl eher nichts gehen. Zumindest nicht mit meinen diesbezüglichen Fähigkeiten. Den Ballonrest und den Abroller kann ich nicht ausmachen. Wahrscheinlich hängen die Sachen ebenfalls hoch oben. Die Schnüre machen auch nicht den Eindruck, dass man über die Ballonseite weiterkommen würde. 

Immerhin ist die Sonde lokalisiert. Ich messe noch die genaue Landestelle ein, mehr ist hier heute nicht zu machen.

 Zurück werde ich den Umweg über das Dorf Breesen nehmen und hoffe, dass der Weg dorthin besser ist. Auf den ersten 200m sieht es gut aus, danach ist leider wieder Schieben angesagt.  Am Ortseingang Breesen ein eisiges Willkommen: Jemand hat seinen Gartenzaun mit Warnschildern von einem Militärgelände dekoriert. Kein Irrtum möglich, hier wird man sofort erschossen! Ein Schild sagt immerhin: "Jedes Lachen beseitigt ein Problem". Merkwürdiger Humor trotzdem. 

Weiter geht es auf erträglichen Straßen zurück zum Ausgangspunkt. Dort hat ein Imker einen Honigstand aufgestellt, wo ich zwei Gläser kaufe. Ich beschließe eine Rückfahrt per Rad nach Ratzeburg und den Check einer 2025er Kaltsonde.

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V1050700
Produktionsdatum: 2023-3-10
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 28.8.2025 (12:00Z)
Track
wettersonde.net/Tower

Maximale Höhe:
 35790m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.17 m/s

Landegeschwindigkeit:
 10.3m/s

Landestelle: Ziethen, 
LAT, LON: 
53.67747,10.85108 Google Maps
Status: Geborgen am 11.7.2026, 11:46UT

Methode:
 Extrapolation aus Tower-Daten

Diese Sonde hatte ich damals mit dem Tower bis in Baumwipfelhöhe mitgeschnitten. Diesmal gab es ein schwaches, nicht decodierbares Signal nach der Landung, was angesichts der Distanz zum Wendland auf einen Baumlander schließen ließ. Auf der Whatappgruppe gab es eine größere Diskussion - immerhin Naturschutzgebiet, wahrscheinlich moorig. Es wurde im weiteren Verlauf ermittelt, dass dort hohe Buchen stehen, dass dieser Teil des Waldes nicht moorig ist und dass Google Earth einen Weg zeigt, der praktischerweise exakt auf die Prediction zuläuft und der womöglich einen legalen Zugang erlaubt. Aber niemand von uns hat da jemals vorbeigeschaut, und auch auf Radiosondy gibt es keine Einträge. Da ich nur 2km nördlich vorbeifahre, beschließe ich einen kurzen Check der Lage. 

Am Eingang des Waldes wird das Rad angeschlossen, und weiter geht es zu Fuß.  Der Weg führt durch hügeliges Gelände an einigen Stellen über umgestürzte Bäume. Der damals schon diskutierte in Google Earth, aber nicht in OSM eingezeichnete Zugang erweist sich als komfortable Doppel-Fahrspur. Die Prediction liegt tatsächlich AUF dem Weg. Am Wegrand wartet im Buchenlaub DAS DA verzweifelt auf vorbeikommende Sondenfans:

 


 

Ich versuche noch, irgendwo Schirm und Schnüre zu erkennen und inspiziere mit dem Fernglas die hohen Buchenwipfel und den Waldboden. Ich kann aber vom Weg aus nichts entdecken. Erst nach dem Laubfall hätte man da Chancen.

Nun radel ich weiter bis Ratzeburg. Allmählich wird es wirklich heiß. Die Ortsdurchfahrt habe ich aus Radfahrerperspektive als nervig in Erinnerung. Inzwischen hat man aber eine sehr fahrradfreundliche Umgehung der Innenstadt am Ufer des Sees eingerichtet. Dahinter geht es auf den letzten Kilometern bis zum Bahnhof steil bergauf, was mich angesichts meiner leeren Wasserflasche ein wenig ausbremst. Dass ich den Zug doch nicht erwischen werde, ist nicht weiter schlimm. Ich kann die Zeit sinnvoll zur Befriedigung elementarer Bedürfnisse nutzen: Bei einem Netto erstehe ich ein paar Bananen, Brötchen und Mineralwasser und muss dann eben am Bahnhof den Rest des Stündchens warten. In Büchen erweist sich der angeblich hoch ausgelastete Zug nach Hamburg als völlig harmlos und bringt mich sicher in die Heimat. 

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