Samstag, 19. September 2026

Der Fallschirm an der Kita

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
X3812010
Produktionsdatum:2025-9-15
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Norderney (WMOID:
10113)
Flugdatum:19.9.2026
 00:00UT
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
 33251m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.27 m/s

Landegeschwindigkeit:
2.4m/s

Fundstelle: HH-Heimfeld 
LAT, LON:
 
53.46708,9.96395  Google Maps
Status: Geborgen am 19.9.2026
, 15:30 UT

Methode:
 GPS Position nach der Landung decodiert mit TTGO (RDZsonde). Bergung im Garten einer Wohnanlage unter aktiver Mithilfe der Bewohner

Die Sonde aus Norderney erreichte eine Höhe von 33km, der Ballon platzte im Weser-Jade-Bereich. Der Fallschirm funktionierte hervorragend, und ein starker Wind wehte die Sonde bis nach Hamburg-Heimfeld. Ich kriege das nach dem Aufwachen am Samstagmorgen mit. Eine schnelle Prediction zeigt, dass die Sonde, obwohl die letzte Position sie nur 30m über dem Grund zeigte, sie noch mehr als 100m geflogen sein dürfte. Wahrscheinlich sollte sie auf der Nobléestraße niedergegangen sein. Urban Rescue erfordert sofortige Aktion. Ich greife die Stange, einen TTGO und springe in die S-Bahn. Die Landestelle liegt direkt an der Station Heimfeld. 

Dort wird der TTGO aktiviert. Zunächst ist da kein Signal zu empfangen. Wahrscheinlich ist die Sonde ein Verkehrsopfer geworden, aber vielleicht kann man noch die Trümmer auf der Straße einsammeln. Dann, ich bin schon fast vor Ort, ist da doch ein Signal. Nach den GPS-Koordinaten hat es die Sonde über die Straße geschafft und liegt im Bereich der Innenhöfe der angrenzenden Wohnanlagen. Die sind unzugänglich. Da klingelt man besser nicht am Samstagmorgen um 8 Uhr. 

Eine kurze Erkundung der Umgebung ergibt auch keinen weiteren Aufschluss. Ich breche die Suche ab. Immerhin ist vor dem Ende der Batterien die Position ermittelt. Vielleicht geht da am Nachmittag noch etwas. 

Ich bin ich wieder vor Ort. Diesmal traue ich mich zu klingeln. Und ich stoße auf einen supernetten und interessierten Bewohner, der mich in den Garten lässt. Wir suchen zu zweit alles ab. Keine RS41, keine Schnüre, nichts. Da die GPS-Positionen nahe der Hauswand unsicher sind und auch manchmal in den Nachbargarten streuten, kann die Sonde auch drüben liegen. Der Bewohner ermutigt mich dringend, dort auf jeden Fall zu klingeln.

Der Nachteil an dieser Idee ist nur, dass da niemand aufmacht. Dabei sieht es ganz danach aus, als ob die Bewohner da sind. Hmm, für so einen Fall haben wir unser Infoblatt. Das stecke ich in den Briefkasten. Dann drehe ich noch eine Runde zur gründlicheren Erkundung der Gegend.

Sehr zu meinem Erstaunen entdecke ich den Fallschirm, der an der Fassade der nahen Kita herunterhängt!

 





 

Da aber die Tore verrammelt sind, kann ich die Situation nicht aus der Nähe erkunden. Etwas erstaunlich ist die große Distanz zur Landestelle - das sind mehr als 70 Meter. Die Schnur einer RS41 ist bekanntlich nur 50m lang. Was ist hier los?

Ich finde, dass die Innenhöfe einiger Nachbarhäuser der Landestelle als Parkplätze genutzt werden - und die sind zugänglich. Von hier aus kann ich die Schnur verfolgen - von der Kita bis zum Boden. Das passt alles überhaupt nicht zu den Positionen von heute Morgen! Mit dem Fernglas kann ich dann aber erkennen, dass die Schnur blind endet - daran hängt keine Sonde. Hat da jemand an der Schnur gezerrt? Umso dringender wird es, mit dem Nachbarn zu reden.

Ich klingel noch einmal. Zu meiner Überraschung öffnet er sofort. Der Grund: Er hat inzwischen den Infozettel gelesen. Yeah, public outreach hilft. Und er schließt sogar den Zugang zum Garten auf.

Wir suchen alles ab. Und zwar erfolglos - keine Spur von Schnüren oder Sonden. Da erspäht seine Frau vom Balkon aus einen weißen Schimmer UNTER einem Busch, der da nicht hingehört. Der Busch steht direkt an der Grenze zu dem anderen Grundstück. Ich krieche fast darunter und muss einen langen Arm ausstrecken. Tatsächlich liegt da eine RS41. Ich heb sie vorsichtig an, um nicht noch ein Chaos mit der Schnur anzurichten. Aber da ist keine Schnur. Da fehlt sogar auch der Befestigungsmast. Der ist glatt herausgebrochen.

 

 


Langsam wird mir klar, was da passiert sein dürfte. Die Sonde hat sich bei der Landung irgendwo am Gebäude verhakt und wurde dabei beschädigt.  Angesichts der hohen Windgeschwindigkeit ist dann der Sondenarm abgebrochen und der Schirm noch ein ganzes Stück weitergeflogen. Und die Sonde hat sich wohl bei dieser recht gewaltsamen Landung auch losgerissen und ist dann irgendwie unter dem Busch geschleudert worden. Es braucht jedenfalls einiges an Gewalt, um den Schnurmast in dieser Form von der Sonde abzubrechen. Menschliche Einwirkung ist auszuschließen, denn die GPS-Position, die GPS-Höhen und die geringe Signalstärke am Morgen passen gut zu der Fundsituation. 

Ich verabschiede mich von den freundlichen Bergungshelfern und kläre auch seinen Nachbarn über die erfolgte Bergung auf. Die Tochter des Hauses weiß jetzt jedenfalls, warum an ihrer Kita ein Fallschirm hängt.

 

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Altlasten im Stuvenwald

 Am Freitag habe ich unerwartet etwas Zeit, und da beschließe ich spontan eine Tour durch den Stuvenwald. Dort gibt es einige Kaltsonden, die noch niemand besucht hat oder deren Status unklar ist. Die Fraktion der automobilisierten Sondensucher ist aufgrund der extremen Preise nicht mehr so sehr geneigt, für einen wertlose weiße Box - oder gar für einen unsicheren Baumlander - Sprit zu verschwenden . Meine Sondenjagd mit  Faltrad und Deutschlandticket erfordert mitunter Frustrationstoleranz, ist aber vergleichweise preiswert. So bringt mich der Bus zu der bewährten Haltestelle "Kirchenwald" in Elstorf-Bachheide. Von dort geht es 3 Kilometer auf dem Radweg der Straße bis zu einer Abzweigung in den Wald. Direkt am Weg ist im Mai eine Bergener Sonde gelandet. Jetzt im September ist sie mein erstes Ziel.

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V1121405
Produktionsdatum: 2023-3-14
Timerkill: 5h:00m

Startstation: Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 18.5.2026 (00:00Z)
Track wettersonde.net/Sondehub

Maximale Höhe:
 34915m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.23 m/s

Landegeschwindigkeit: 5.8m/s

Landestelle: Stuvenwald, LAT, LON: 
53.40047,9.82924 Google Maps
Status:
geborgen am 18.9.2026, 11:53UT
Methode:
 Extrapolation aus Tower-Daten (via wettersonde.net)

Vom Weg geht es einige Meter einen Hang hoch. Und was soll ich sagen: 4 Meter neben der Extrapolationslösung hängt das da am Baum in ca. 8m Höhe:





Erst einmal versuche ich den Fallschirm zu lokalisieren, aber erfolglos. Offenbar hängt der sehr weit oben. In Erwartung einer unkomplizierten schnellen Stangenbergung mache ich mich ans Werk. Aber das ist nicht so einfach: Die Sonde ist direkt von unten nicht erkennbar - dichte Fichtenzweige blockieren die Sicht. Also muss ich sehr schräg von der Seite ansetzen. 



 

Ich kann die Stange auf einem Zweig ablegen, so dass sie sich nicht unter ihrem eigenen Gewicht verbiegen kann. Die richtige Orientierung kann ich nur erreichen, indem ich Druck auf den Zweig ausübe, wodurch die Stangenspitze nach oben biegt. Das ist ziemlich fummelig, aber irgendwann klappt es. Die Schnur ist bereits durchtrennt, also kann ich mit der Schnurzug-Raschel-Methode nichts über die Lokalisation des Schirms in Erfahrung bringen. Ansonsten ist die Sonde recht gut erhalten, obwohl sie ja schon 5 Monate im Wald hing.  

 


Alles wird wieder eingepackt. Der Weg führt direkt nach Süden, er bietet in schneller Folge phantastischen Asphalt, tückischen Sand, Beton mit tiefen senkrecht verlaufenden Riefen und Kopfsteinpflaster. Irgendwann erreiche ich eine Abzweigung. Auf einem mir gut bekannten Weg geht es nach Osten. Hier passiere ich relativ dicht eine mir bekannte Landestelle. Große Chancen rechne ich mir nicht aus, aber wenn ich schon mal vor Ort bin, kann ich da ja mal vorbeischauen. 

Sondentyp: DFM17 und RS41-SGP (Tandem)
SN:
 
U3260320 & 23055899
Frequenzen: 
405.1 MHz (RS41) und 403.05MHz (DFM17)
Timerkill: keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Produktionsdatum: 2024-03-13 (RS41) und 
2023-??-?? (DFM)
Flugdatum: 5.4.2024 11:00Z
Track radiosondy.info (DFM17)
Maximale Höhe: 24943m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.62m/s 
Landegeschwindigkeit: 6.2m/s
Landestelle:Stuvenwald
 LAT, LON: 
53.36235,9.839862  Google Maps
Status: RS41 geborgen am 18.9.2026, 13:10UT; DFM17 bisher nicht geborgen

Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

 

Hier ist 2024 ein Tandem aus DFM17 und RS41 in einem recht unwegsamen Waldgebiet niedergegangen. 2 Tage später war ich mit dem Auto in der Gegend - auf dem Weg zur Sternwarte Handeloh. Es gelang mir damals, die Sonde trotz der nicht allzu guten Prediction zu lokalisieren. Die Situation war allerdings suboptimal: Der Fallschirm hatte wohl am Boden gelegen, war aber nicht mehr vorhanden. Jemand hatte offensichtlich daran gezogen und wahrscheinlich erst dadurch die Sonden in den absoluten Wipfel einer hohen Fichte platziert, 35m hoch. Die Schnur da oben war wie ein Flitzebogen gespannt, und zwischen zwei Zweigen hing waagerecht die DFM17. 

 
Foto von 2024

Foto von 2024

 

Wie üblich war die RS41 mit einem kurzen Schnurstück und Tape an der DFM17 befestigt. Man sah die Schnur im Gezweig verschwinden - die RS41 habe ich trotz längerer Inspektion des Baumes mit dem Feldstecher aus verschiedenen Richtungen nicht erkennen können. Zu dicht waren Nadeln und Geäst.

Am 30.8.2024 war ich wegen einer anderen Meppen-Sonde erneut im Stuvenwald unterwegs. Also habe ich mal nachgeschaut. Das Ergebnis war frustrierend. Weder Sonden noch Schnüre waren in den Bäumen zu sehen.  

Und heute? Wieder kämpfe ich mich zur Landestelle durch und finde sofort anhand der Koordinaten und der alten Fotos den fraglichen Baum. Und diesmal liegt dort ziemlich eingewachsen eine RS41 auf dem Boden. Die seh ich heute zum ersten Mal. 

 

 

 



Die DFM17 kann ich weder am Boden noch im Baum entdecken. Da sich, wie am Beispiel der RS41 gesehen, in den Zweigen großer Nadelbäume Sonden gut verstecken können und die Schnüre der DFMs ja leider nicht verrotten, könnte sie nach mehr als 2 Jahren noch oben hängen. Oder sie ist heruntergefallen und tief im Moos eingewachsen.  Leider kann ich diesen Fall nicht schließen. 

Genauso wenig wie den der dritten Sonde: X0534908, der Nachtsonde aus Norderney vom 19.2.2026. Sie sendete laut wettersonde.net aus einem Baum am Südrand des Waldes.  Die Daten kamen vor allem vom Wendland-Tower. Der ist nicht gerade um die Ecke. Rechnerisch ergaben sich 28m über dem Boden. Etwas überrascht war ich über eine Meldung von DN9MOO. Der hat die Sonde erst als geborgen eingetragen und sich dann nach ACHTUNG korrigiert. Die Sonde hängt nach seinem Bericht in der Spitze einer 15m hohen Fichte. Sollte da doch was gehen? Aber vor Ort zeigt sich, dass die betreffende Fichte eher 35m hoch ist. Die Sonde kann ich mit dem Fernglas nicht lokalisieren. Auch vom Schirm fehlt jede Spur. Da müssen wir auf Fallobst hoffen. 

Ich lege dann noch mit dem Rad die letzten Kilometer zum Bahnhof Buchholz zurück, wo sofort der Metronom nach Hamburg eintrifft. Den hätte ich fast verpasst, weil ich den Fahrstuhl benutzen wollte. Einsteigen: Klappt. Der Fahrstuhl spricht zum User: "Tür schließt". Auch diese Operation klappt. Dann meint der Sprachchip: "Dieser Fahrstuhl ist defekt, bitte steigen sie aus!" Da ich die Durchdringung der Materie nicht beherrsche, ist das angesichts der geschlossenen Tür nicht möglich. Erst nach 40-50 Sekunden erschallt das erlösende "Tür öffnet"...Jetzt rasch das beladene Faltrad die Treppe herunter gewuchtet und rasch in den Metronom eingestiegen. Erst dort wird alles auseinander gebaut und zusammengeklappt. Auf dem Hamburger Hauptbahnhof herrscht mittelstarkes S-Bahn-Chaos - wegen einer technischen Störung. Dennoch komme ich vergleichsweise glatt nach Hause. 

 

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Dienstag, 15. September 2026

Meppen-Sonde am Zuckerberg

Sondentyp:  RS41-SGP 
SN:
 
W1120540
Frequenzen: 
404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Produktionsdatum: 2024-03-12

Flugdatum: 8.9.2026 10:00Z
Track wettersonde.net und Sondehub
Maximale Höhe: 25282m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.9m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.7m/s
Landestelle: Deinste
 LAT, LON: 
53.53897,9.495491 Google Maps
Status: Geborgen am 14.9.2026, 15:48UT

Methode: Extrapolation aus Sondehub-Daten

Die Meppener Sonden vom 8.9. wurden alle von Mitgliedern unserer Gruppe geborgen. Nr. 1 am frühen Morgen von Klaus zwischen Krempe und Kremperheide bei Itzehoe. Nr. 2 von mir im Wohngebiet nördlich Hausbruch. Bis auf eine. Meppen 3 ging bei Deinste am Rand des Feener Moors nieder. Womöglich eine feucht-fröhliche Sache, wobei laut Google Earth ein paar Bäume die Sonde vor dem eigentlichen Moor aufgehalten haben könnten. Sehr niedrige finale Positionen lieferte auf Sondehub die Station "Mobil DZTTGO". Klingt nach jemandem, der hinter den Sonden mobil hinterherfährt. Ich erinnere aber, das ich schon mal eine Sonde nach den Daten des Kollegen auf einer Wiese einsammeln konnte. Offenbar wohnt der in der Gegend und speist Daten ein, ohne selber die Sonden zu bergen. Danke schon mal im Voraus für die schönen Daten. 

Diese Sonde ist  durchaus reizvoll. Spannend ist, ob man da überhaupt rankommt. Da aber unweit eine Bergener Sonde seit eineinhalb Jahren an einer Fichte abhängt und dringend mal heruntergefallen sein könnte, hätte man bei einer Radtour gleich zwei Eisen im Feuer. Ich habe allerdings erstmal keine Zeit für eine Tour dorthin. 

Am 14.9. bin ich wieder in Hamburg. Die Sonde ist immer noch nicht in Radiosondy eingetragen. Also geht werden Teleskopstange und Faltrad gegriffen, und ab geht es in die S-Bahn. Von Horneburg führen bekannte Wege zur Landestelle des  Baumlanders U3260237. Diese Sonde vom April 2025 hatte ich am Tag nach der Landung hoch in einer Fichte im Rustjer Forst lokalisiert, den Fallschirm geborgen und danach noch ein paarmal besucht. Im Sommer gab es einige Sturmereignisse, so dass es Sinn macht, da noch einmal vorbeizugucken.  Aber die Sonde tut mir den Gefallen nicht - sie hängt hartnäckig oben. 

Weiter geht es, wieder zurück zur Straße. Auf ihr erreiche ich das mir ebenfalls gut bekannte Dorf Helmste. Dort hing einst eine Meppener Sonde im Baum, die ich mit einer 15-Meter Stange von unten anstupsen, aber nicht einhaken konnte. Später hing sie nicht mehr im Baum, lag aber auch nicht unten. Hoffentlich geht es mir diesmal nicht auch so. 

Hinter dem Dorf geht es zum Zuckerberg. Ein 28m hoher Bergriese, der noch auf seine Erstbesteigung mit Sauerstoff wartet. 


  

Gleich dahinter gibt es eine Gelegenheit, das Fahrrad anzuschließen. Dort liegt schon ein weiteres Rad im Gras. Den Besitzer sehe ich auf einer umliegenden Koppel. Mit meiner Frage, ob er wegen der Radiosonde da wäre, kann er nichts anfangen. Er ist checkt die Elektrozäune und sieht bei den Pferden nach dem Rechten. Ich erkläre ihm meine Anwesenheit, er wünscht mir Glück, und ich stapfe los. Glücklicherweise kann ich direkt am Rand der Pferdekoppeln entlanglaufen und so direkt zur Landestelle gelangen. Für die Pferde ist das offenbar eine willkommene Abwechselung. 

Aus einiger Distanz kann ich die Lage an der Landestelle gut überblicken. Einige nicht allzu hohe Birken, Kiefern und Fichten stehen direkt am Rand der Koppel. Ich brauche kein Fernglas - da hängt die Sonde. Sie ist tatsächlich gleich nach der letzten Position am ersten Hindernis hängen geblieben. 


 

Die Höhe macht aus der Nähe einen stangentechnisch beherrschbaren Eindruck, vielleicht 8-10m. Ich zerre wenn möglich nicht an den Sachen, bevor ich nicht die Lage des Gespanns verstanden habe. In diesem Fall noch weniger, weil ganz in der Nähe und in Flugrichtung diese nette Leitung verläuft. 


 

Nein, in der Leitung stecken Ballon und Schirm nicht. Die Suche  erweist sich als komplizierter als die nach der schon Weitem gesichtete Sonde. Erst nach längerem Herumirren entdecke ich sie in einem anderen Baum, noch niedriger. 

Dennoch ist die Lage ein wenig diffizil: Ich möchte nicht an dem Fallschirm ziehen, weil ich damit womöglich die Sonde in unerreichbare Höhen befördere. Umgekehrt lieber auch nicht. Also wird das Rasierklingen-Schneidetool an der Stangenspitze befestigt und die Schnur gleich am Abroller gekappt. Danach wird das Tool gegen den Haken ausgetauscht und der Fallschirm zu Boden befördert. Meppen-typisch ist die Schnur mal wieder nicht komplett abgerollt. 

 


Jetzt geht es zurück zu dem Baum, in dem die Sonde unverändert hängt. Sie lässt sich ziemlich einfach einhaken und herunterziehen.

 

 




 


 

Jetzt wird es Zeit, die Ausrüstung zusammenzupacken und zurück zu wandern. Beim Befestigen der Stange am Rad werde ich von den Pferden, die mich schon auf dem Weg begleitet hatten, neugierig beäugt.

Der schnellste Weg zur Bahn führt nach Agathenburg: 6 km, überwiegend bergab. Unterwegs beobachte ich eine Wolke von Finkenvögeln und Staren, die offenbar schon in Zuglaune sind und sich in den Büschen ein Nachtquartier suchen wollen. Umkreist werden sie von einigen Falken, die auch gerne auch ein Abendbrot hätten, und  versuchen, durch synchrone und unvorhersehbare Flugmanöver dem Zugriff zu entziehen. 

Gemütlich radel ich Richtung Bahn. Dass ich den Zug verpasse, ist egal. Der nächste fährt in 15 Minuten. Nein. Natürlich wissen die Apps nicht, dass es eine größere Schrankenstörung im Bereich Stade gibt. So muss ich noch etwas warten - was mir ein Zeitfenster gibt, in die neueste Folge von  "Astro&Co" auf Youtube hereinzuhören, heute über den immer noch nicht explodierenden T CrB. Dann kommt schon die S-Bahn. Den Rest des Vortrags muss ich mir mangels Kopfhörer zuhause hören.     

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Mittwoch, 9. September 2026

Landung in Neugraben

Sondentyp:  RS41-SGP 
SN:
 
W1120579
Frequenzen: 
405.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Produktionsdatum: 2024-03-12

Flugdatum: 8.9.2026 8:00Z
Track wettersonde.net und Sondehub
Maximale Höhe: 20920m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.79m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.7m/s
Landestelle: HH-Neugraben
 LAT, LON: 
53.45762,9.86705 Google Maps
Status: Geborgen am 8.9.2026, 10:40UT

Methode: Decodierung des Sondensignals per TTGO (RDZsonde)

 

Diese Meppener Sonde erreicht nur 20km Höhe, hat dann eine extrem schwankende Abstiegsgeschwindigkeit und landet am Hang der Harburger Berge. Hier führt eine von früheren Sondenbergungen wohlbekannte Straße die Harburger Berge hinauf. Sondehubs letzte Position liegt über Privatgrundstücken. Sie dürfte es aber in den angrenzenden Wald geschafft haben.

Zwecks Anreise muss ich nur mit der S-Bahn bis Neugraben fahren. Von dort fährt ein Bus die Straße herauf. Ich steige an der Station Lüttmattensteed aus. Der TTGO hat sofort Empfang. 

Die Sonde liegt nicht im Wald, sondern ist auf einem Privatgrundstück direkt an der Straße niedergegangen. Und in der Kartendarstellung wird sofort erkennbar, daß sie dort nicht stationär herumliegt, sondern sich langsam bewegt.

 


 

Ich klingel an dem Haus. Die nette Besitzerin hat die Sonde, wie sie mir erklärt, gerade eben aus ihrem Bambusbusch geklaubt. Kräftiger Schnurzug führte zu Schnurriss. Sie hat bereits den QR-Code des Aufklebers analysiert und weiß auch, dass sie die Sonde entsorgen soll. Sie lässt sich alles gründlich erklären und überlässt mir das gute Stück. 

Die Fortsetzung der Schnur ist von der Straße aus auf dem Nachbargrundstück zu sehen. Auch hier frage ich wieder, auch hier darf ich mich um die Sache kümmern. Ich kann viel Schnur einsammeln. Fallschirm und Ballonrest scheinen noch ein Grundstück weiter zu liegen. Bei Schnurzug reißt die Schnur erneut. Verwirrenderweise hängt eine Wäscheklammer am sondenseitigen Schnurende. Die Grundstücksbewohner können sie nicht zuordnen. Ob die aus Meppen stammt und da beim Start irgendeine Rolle spielt? 

 Von der Straße aus kann ich Fallschirm und einen großen Ballonrest auffällig vor einer Garage auf dem Nachbargrundstück liegen sehen. Aber da macht niemand auf. Die Leute werden aber mit der Bergung der Sachen keine Probleme haben. 

 



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Sonntag, 30. August 2026

Mal wieder in Unterlüss

Die Gegend um Unterlüss eignet sich ziemlich für Kaltsondenjagden. Riesige Kiefernwälder sind hinreichend abschreckend für lokale Kollegen. Die Südheide ist einigermaßen schnell mit dem Metronom erreichbar - wozu gibt es das Deutschlandticket. Im Sommer kam es allerdings zu wochenlangen Streckensperrungen. Auch ist das Gelände derart weitläufig, dass man mit einer Tour nicht alle infrage kommenden Sonden absammeln kann. Zuletzt war ich im April 2026 vor Ort. Seither hat sich allerhand angesammelt. Zuletzt ging am 24.8. eine Sonde südlich von Unterlüss nieder, so dass ich 5 Tage später mich auf den Weg mache. 

Die Kaltsondenjagd in der Gegend wird durch den db0dan-SDR heute einigermaßen erleichtert. Wenn man das Signal selber mitschneidet, kann man die Sonden bis fast zur Grasnarbe decodieren. Wenn nicht, speist der SDR inzwischen seine Daten in wettersonde.net ein. 

Hängt die Sonde im Baum, kann man über den SDR das Signal auch nach der Landung erfassen. An der Signalstärke nach der Landung kann man die Höhe über dem Boden ganz gut abschätzen. 

 Bei der Sonde vom 24.8. lauten meine Notizen: "kein Signal nach der Landung". Das bedeutet, dass ich die Sonde auf dem Boden erwarte. Ferner habe ich nur die letzte Position vermerkt, "maximale weitere Flugstrecke 4 Meter". 

Die Anreise erfolgt für 2026er-Öffi-Verhältnisse erfreulich glatt. Am Bahnhof angekommen, trage ich das Rad die steile Treppe herab - Barrierefreiheit gibt es hier nicht. Ich will gerade losfahren, da bemerke ich, dass eine junge Mutter an der Treppe struggelt. Sie kann unmöglich ihr Kind tragen und ihren über 20kg schweren Kinderwagen die Treppe herunter asten. 

Danach geht es los. Entlang der mir gut bekannten Brandschneise führt ein wunderbarer Radweg direkt Richtung Sonde Nr.1.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V1220834
Produktionsdatum: 2023-3-21
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 24.8.2024 (12:00Z)
Track
wettersonde.net/Tower

Maximale Höhe:
 34217m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.33 m/s

Landegeschwindigkeit:
 7.9m/s

Landestelle: Unterlüß, 
LAT, LON: 
52.79324,10.3115 Google Maps
Status:
geborgen am 29.8.2026, 12:21
Methode:
 Extrapolation aus Tower-Daten

Die Situation vor Ort ist wie erwartet. Die Sonde liegt exakt an der letzten Position am Boden.



 

Der Schirm hängt ca. 16m hoch im Baum. Ich versuche noch, mit Tape und Zweigen meine Teleskopstange zu verlängern, aber selbst so kann ich nur die äußersten Latexfetzen anstupsen, aber nichts einhaken.



 

 

Das ist ärgerlich. Sonde und fast die gesamte Schnur kann ich aber einstecken. 

Nur 800m entfernt gibt es die Landestelle von V1030753, einer Sasel-Sonde aus dem letzten November. Die Landestelle ist aus Tower-Daten auf wenige Meter genau bekannt und liegt auf einem Forstacker. Da der Acker seit der Landung mindestens einmal bestellt wurde, sind die Chancen vermindert, aber wo ich schon mal vor Ort bin... Der Acker erweist sich als begehbares Raps-Stoppelfeld. Irgendwelche Reste des Gespanns liegen dort nicht herum.  

Zurück geht es nach Unterlüss. Nicht weit weg befindet sich  die Landestelle von U3250253  . Die hatte ich schon im April besucht. Ich konnte den bodennah verhakten Fallschirm entfernen, aber die Sonde hing hoch im Baum. Leider tut sie das heute immer noch. 

Direkt unter der Sonde sitzt ein junger Mann und massiert seine Füße. Mit meiner Frage, ob er wegen der Sonde hier ist, kann er nichts anfangen. Er macht eher den Eindruck, dass er nicht angesprochen werden möchte. Auf dem Pfad bewegen sich im Übrigen inzwischen ganze Scharen von Menschen, zum Teil mit Rucksäcken, Spezialschuhen und Trinkblasen versehen. 2 Mädels blicken auf ein Handydisplay und rufen sich zu "Das ist erstaunlich, die sind ja HINTER uns!" Hier findet offenbar irgendeine Form von organisiertem Kampfwandern statt. Eine Google-Recherche nach der Rückkehr liefert die Erklärung: Es handelt sich um den "Ultramarsch Südheide". Teilnehmer haben die Wahl zwischen Strecken von 60, 75 oder 120km, letztere soll in 26 Stunden zurückgelegt werden. Keine Gnade für die Wade. Ist das gesund?

Ich habe andere marternde Probleme, nämlich die Qual der Wahl zwischen mehreren Kaltsonden. Am nächsten gelegen ist V0921426, auch eine Bergener Sonde aus dem Juni. Der Weg zu ihrer Landestelle führt über den Weg "Siedenholzbahn", der wieder mit einer schönen Radfahrspur versehen ist. Rechts neben ziemlich zerfallenen Hofgebäuden geht es in den Wald. 

Die Sonde hatte ich nicht mitgeschnitten, sondern muss mich auf die Daten in wettersonde.net verlassen. Die kommen auch vom Web-SDR auf dem Turm im Wendland. Offenbar kann die Sonde nicht hoch im Baum hängen, denn es gab nach der Landung keine Decodierung. 

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V0921426
Produktionsdatum: 2023-2-28
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 2.6.2024 (0:00Z)
Track
wettersonde.net/Tower

Maximale Höhe:
 36468m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.94 m/s

Landegeschwindigkeit:
 7.0m/s

Landestelle: Unterlüß, 
LAT, LON: 
52.81159,10.24266 Google Maps 
Status:
geborgen am 29.8.2026, 15:42
Methode:
 Extrapolation aus Wettersonde.net-Daten (db0dan)
 

 

 Ich schlage mich also durch den Wald und werde nicht enttäuscht. Unmittelbar an der Extrapolationslösung hängt die Sonde 3 Meter hoch am Baum. 




 

Die ziemlich lädierte Schnur verschwindet im Baum. Ich fahnde länglich, aber erfolglos nach Ballonrest und Schirm. Die Schnur lässt sich abziehen und mitnehmen. 

Zurück in Unterlüss wird klar, dass man in absehbarer Zeit wiederkommen muss, da es in der Region mehrere weitere Kandidaten gibt. Zurück geht es über Uelzen nach Hamburg. Im Zug bekomme ich als Passivraucher meine Jahresdosis Hanf verpasst, die Herren sind schon reichlich zugelötet. Ansonsten läuft öffitechnisch alles einigermaßen glatt, außer dass der RE3 heute in Harburg endet. Die S-Bahn wird mich rasch nach Hause bringen. Aber so leicht ist das Leben in ÖPNV-Land 2026 nicht.

Chaos auf dem rappelvollen S-Bahnsteig. "Technische Störungen auf der Strecke". Die Durchsagen sind auch für einen Kenner des S-Bahnsystems inhaltlich unverständlich. Offenbar fährt derzeit nur ein Pendelzug zwischen irgendwo und Wilhelmsburg. Der wird soll laut Display wahlweise "sofort", in 2 Minuten, in 10 Minuten angekündigt oder soll sogar in einer Minute in Gegenrichtung verkehren. Immer mehr sieht es danach aus, dass in Wahrheit gar keine S-Bahnen fahren.

Also guckt man, ob man mit den Regionalzügen weiter kommt. Der nächste fährt in 5 Minuten auf Gleis 3. Ich bin natürlich nicht der einzige, der diese Idee hat. Auf dem Bahnsteig herrschen bereits indische Verhältnisse. Ich entdecke auf der App, das 2 Minuten später ein weiterer Zug auf Gleis 2 fährt und wechsel den Bahnsteig. Inzwischen läuft der  Zug auf Gleis 3 ein, was die wenigen an Gleis 2 wartenden Fahrgäste zu einem Sprint auf den anderen Bahnsteig  motiviert. Das scheint mir nicht schlau zu sein. Mittlerweile läuft der fast leere Zug auf meinem Gleis ein. Eine Handvoll Fahrgäste steigen mit mir ein, während sich drüben die Masse Mensch in den anderen Zug quetscht. Mein Zug fährt als erster ab. 

Am Hauptbahnhof steige ich in eine fast leere S-Bahn. Daraus ist zu folgern, dass die Volksmassen vom S-Bahnsteig in Harburg noch unterwegs sind. In jedem Fall bin ich froh, als ich zuhause ankomme.