Sondentyp: RS41-SGM
SN:W5024003
Produktionsdatum: 2024-12-10
Frequenz: 403.0 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Munster Süd
Flugdatum: 1.7.2026 (12:00Z)
Track wettersonde.net/Tower
Maximale Höhe: 24214m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 3.3 m/s
Landegeschwindigkeit: 13.6m/s
Landestelle: Rögelliner Holz, LAT, LON: 53.71985,10.97676 Google Maps
Status: Nicht geborgen, lokalisiert am 11.7.2026, 30m hoch in Fichte
Methode: Extrapolation aus wettersonde.net-Daten
RS41-SGMs sind seltene Vögel, und noch seltener werden sie erbeutet. Das liegt daran, dass ihr Datenstrom normalerweise verschlüsselt ist. Am 1.7. startete vom Truppenübungsplatz Munster Süd ein Exemplar, bei dem die Verschlüsselung netterweise ausgeschaltet war. Das Ding landete im Rögelliner Holz, 20km östlich von Ratzeburg. Normalerweise ist mir das etwas zu weit. Ich schnitt das ganze via Wendland-Tower mit. Bernd in Oldesloe hatte noch einen niedrigeren Frame, den man auch in wettersonde.net sieht. Die Prediction ist aufgrund der geringen letzten Bodenhöhe und des rasanten Abstiegs auf wenige Meter genau.
DIMA, ein Sondenjäger aus dem Raum Schwerin, macht ein paar Tage später dann eine Eintragung in Sondehub. Ich werde aus seinem Bericht nicht 100%ig schlau. Fest steht aber, dass er da war und die Sonde und den Fallschirm nicht gesichtet hat. (Die Sonde war höchstwahrscheinlich ohne Schirm unterwegs). DIMA vermutet sie auf hohen Kiefern und hält (wenn ich das richtig verstehe) das Gelände offenbar für schwierig. Auch erzählt er was von Spuren (anderer Sondenjäger?). Anyway, das sollte man sich doch mal näher angucken. Vielleicht kann man ja doch noch feststellen, ob die Sonde noch da ist und wo sie steckt. Und irgendwie hoffe ich angesichts der völligen Funkstille nach dem Aufschlag und der großen Landegeschwindigkeit auf eine unauffällige Sonde in Bodennähe.
Am Samstag soll es warm werden, und bei den Zügen nach Büchen wird in der Bahn-App vor hoher Auslastung gewarnt. Da nimmt man am besten den Zug um 7:00. In Büchen wird nach Ratzeburg umgestiegen. Eine Minute vor der Ankunftszeit wird mal kurz das Gleis geändert. Und seit der Generalsanierung erstrahlt zwar alles in neuem Glanz, aber es existiert die praktische Fußgängerschranke zwischen den beiden Gleisen nicht mehr. Also: Wieder raus aus dem Bahnhof, rein in die Unterführung, rauf auf die Treppe (Rucksack, Teleskopstange und Rad müssen auch schnell mit). Denn da vorne kommt auch schon der Zug.
In Ratzeburg gibt es einen praktischen Bus nach Gadebusch, der auch an der Breesener Chaussee hält. Von dort führt ein Weg in den Wald mit der Sonde. Es sind nur 2km, aber das Kopfsteinpflaster stammt aus der frühen Bronzezeit! Nichts für meine 16-Zoll-Räder. Also muss ich über weite Strecken schieben. Rechts soll ich abbiegen - der Weg ist besser. 100m weiter soll ich links abbiegen. Große Pfützen, die von Fröschen bevölkert werden, versperren da ein Weiterkommen. Macht nichts - ich bin fast am Ziel. Also kette ich das Rad an einen Baum und laufe das letzte Stück.
Auf Pirschpfaden geht es die letzten Meter zur Landestelle. Ich stelle das Geraffel exakt auf die Extrapolationsposition. Zwischen der und der letzten bekannten Position liegen keine 30m. Leider ist dort nichts zu sehen. Das Gelände ist harmlos, aber etwas zugewachsen. Da stehen hohe Fichten, in deren hohe Wipfel kann man vor lauter Laub-Unterholz kaum einen Blick werfen kann. Die Sonde könnte auch sich durchaus auch bodennah in dem Unterholz verstecken. Aber angesichts der Flugrichtung vermute ich, dass DIMA recht hat: Irgendwann ist da immer eine der Fichten im Weg. Das Ding hängt wohl eher in den hohen Bäumen.
Von dem Pfad, auf dem ich gekommen bin, kann man einige der infrage kommenden Wipfel inspizieren. Da steht die Sonne aber exakt in der Richtung. Da ein Blick in die Sonne mit dem Fernglas bekanntlich das Augenlicht kostet, bin ich da vorsichtig. Ich suche Baum für Baum ab und wechsel jedes Mal die Blickrichtung, um die Sonne zu vermeiden. Irgendwann blitzt da oben ein kurzes Schnurstück auf. 30 Minuten später habe ich den Verlauf so weit rekonstruiert, dass ich die Schnur am Stamm einer hohen Fichte abwärts verfolgen kann. Die verschwindet hinter einem Ast, aber darunter kommt keine Schnur zum Vorschein. Ich wechsel die Blickrichtung etliche Male, bis ich das Ende der Schnur erfassen kann - und an dem hängt tatsächlich eine RS41, ca. 30 Meter hoch. Irgendwann kommt die runter, aber heute nicht. Immerhin sehen die Schnüre 10 Tage nach der Landung bereits erfreulich ramponiert aus. Bigshotmäßig wird da wohl eher nichts gehen. Zumindest nicht mit meinen diesbezüglichen Fähigkeiten. Den Ballonrest und den Abroller kann ich nicht ausmachen. Wahrscheinlich hängen die Sachen ebenfalls hoch oben. Die Schnüre machen auch nicht den Eindruck, dass man über die Ballonseite weiterkommen würde.
Immerhin ist die Sonde lokalisiert. Ich messe noch die genaue Landestelle ein, mehr ist hier heute nicht zu machen.
Zurück werde ich den Umweg über das Dorf Breesen nehmen und hoffe, dass der Weg dorthin besser ist. Auf den ersten 200m sieht es gut aus, danach ist leider wieder Schieben angesagt. Am Ortseingang Breesen ein eisiges Willkommen: Jemand hat seinen Gartenzaun mit Warnschildern von einem Militärgelände dekoriert. Kein Irrtum möglich, hier wird man sofort erschossen! Ein Schild sagt immerhin: "Jedes Lachen beseitigt ein Problem". Merkwürdiger Humor trotzdem.
Weiter geht es auf erträglichen Straßen zurück zum Ausgangspunkt. Dort hat ein Imker einen Honigstand aufgestellt, wo ich zwei Gläser kaufe. Ich beschließe eine Rückfahrt nach Ratzeburg und den Check einer 2025er Kaltsonde.
Sondentyp: RS41-SGP
SN:V1050700
Produktionsdatum: 2023-3-10
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h:00m
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 28.8.2025 (12:00Z)
Track wettersonde.net/Tower
Maximale Höhe: 35790m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.17 m/s
Landegeschwindigkeit: 10.3m/s
Landestelle: Ziethen, LAT, LON: 53.67747,10.85108 Google Maps
Status: Geborgen am 11.7.2026, 11:46UT
Methode: Extrapolation aus Tower-Daten
Diese Sonde hatte ich damals mit dem Tower bis in Baumwipfelhöhe mitgeschnitten. Diesmal gab es ein schwaches, nicht decodierbares Signal nach der Landung, was angesichts der Distanz zum Wendland auf einen Baumlander schließen ließ. Auf der Whatappgruppe gab es eine größere Diskussion - immerhin Naturschutzgebiet, wahrscheinlich moorig. Es wurde im weiteren Verlauf ermittelt, dass dort hohe Buchen stehen, dass dieser Teil des Waldes nicht moorig ist und dass Google Earth einen Weg zeigt, der praktischerweise exakt auf die Prediction zuläuft und der womöglich einen legalen Zugang erlaubt. Aber niemand von uns hat da jemals vorbeigeschaut, und auch auf Radiosondy gibt es keine Einträge. Da ich nur 2km nördlich vorbeifahre, beschließe ich einen kurzen Check der Lage.
Am Eingang des Waldes wird das Rad angeschlossen, und weiter geht es zu Fuß. Der Weg führt durch hügeliges Gelände an einigen Stellen über umgestürzte Bäume. Der damals schon diskutierte in Google Earth, aber nicht in OSM eingezeichnete Zugang erweist sich als komfortable Doppel-Fahrspur. Die Prediction liegt tatsächlich AUF dem Weg. Am Wegrand wartet im Buchenlaub DAS DA verzweifelt auf vorbeikommende Sondenfans:
Ich versuche noch, irgendwo Schirm und Schnüre zu erkennen und inspiziere mit dem Fernglas die hohen Buchenwipfel und den Waldboden. Ich kann aber vom Weg aus nichts entdecken. Erst nach dem Laubfall hätte man da Chancen.
Nun radel ich weiter bis Ratzeburg. Allmählich wird es wirklich heiß. Die Ortsdurchfahrt habe ich aus Radfahrerperspektive als nervig in Erinnerung. Inzwischen hat man aber eine sehr fahrradfreundliche Umgehung der Innenstadt am Ufer des Sees eingerichtet. Dahinter geht es auf den letzten Kilometern bis zum Bahnhof steil bergauf, was mich angesichts meiner leeren Wasserflasche ein wenig ausbremst. Dass ich den Zug doch nicht erwischen werde, ist nicht weiter schlimm. Ich kann die Zeit sinnvoll zur Befriedigung elementarer Bedürfnisse nutzen: Bei einem Netto erstehe ich ein paar Bananen, Brötchen und Mineralwasser und muss dann eben am Bahnhof den Rest des Stündchens warten. In Büchen erweist sich der angeblich hoch ausgelastete Zug nach Hamburg als völlig harmlos und bringt mich sicher in die Heimat.
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