Montag, 21. September 2026

Sondendeponie Röthen

Um das aus kriminalhistorisch relevante Forsthaus Röthen in der Göhrde häufen sich die Landungen von Radiosonden. In wenigen hundert Metern Radius gingen 2026 Sonden aus Schleswig und  Bergen nieder. Direkt nebenan hängt eine Manöversonde aus Munster Süd seit März 2025 in einer Fichte. Auf der anderen Straßenseite habe ich letztes Jahr eine Bergener Manöversonde von 2022 lokalisiert und geborgen. Während dieser Suche fand ich Schirm, Ballonrest und Fragmente eines Abrollers einer uralten RS92, möglicherweise von 2014 aus Meppen. Langsam wird es Zeit für eine Nachschau und für die Inspektion der Neuzugänge. Am Sonntag komme ich erst relativ spät weg, aber für einen Check der Sonden müsste die Zeit reichen, zumal zwischen den Landestellen nur wenige hundert Meter Distanz zu überwinden ist.  

Der Metronom bringt mich nach Lüneburg und fährt dann nicht mehr weiter. Als Grund wird ein "gefährliches Ereignis" angegeben. Was ist darunter zu verstehen? Google weiß die Antwort. Im Bahndeutsch ist das ein Überbegriff für alle möglichen Notlagen - über kleinere Unfälle bis zu einem größeren Eisenbahnunglück. Am Ende stellt sich heraus, dass bei Bad Bevensen Pferde auf den Gleise herumliefen und mit einem ICE kollidiert sind. Jetzt ist die Strecke gesperrt.

Meine Tour betrifft das nicht, denn ich steige in Lüneburg in die Wendlandbahn um. Vom Bahnhof Göhrde geht es bei starkem Gegenwind mit dem Faltrad über Oldendorf zum Forsthaus Röthen. Dort angekommen sind die Wege kurz. 


 

Zunächst ist da die Schleswig-Sonde vom 7.4.2026. Diese Sonde sendete nach der Landung aus dem Baum, und der Wendland-Tower konnte sie stundenlang decodieren. Rechnerisch ergab sich eine Höhe von 18m über Grund, so dass mein Optimismus begrenzt ist. Aber vielleicht liegt sie ja schon unten oder hängt in Reichweite der Teleskopstange. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
X3453137
Produktionsdatum: 22.8.2025
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Schleswig (WMOID:
10035)
Flugdatum:
7.4.2026 12:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.12 m/s
Maximale Höhe:
 32463m
Landegeschwindigkeit: 2.0m/s
Track  wettersonde
Landestelle: Göhrde (Röthen) ,
LAT, LON  
53.14517,10.81417 Google Maps
Status:
  Baumlander, hängt in ca. 22m Höhe
Methode: Koordinaten aus Sondensignal nach der Landung  (db0dan via wettersonde.net)

Vor Ort muss ich ein wenig suchen, um die Sonde, die leider ca. 22m hoch am Baum hängt, zu erfassen. Die Schnur ist schon ziemlich rott, und vom Fallschirm kann ich nichts endecken. Hier kann ich erstmal nichts unternehmen. Immerhin ist die Sonde lokalisiert. 

 

 





Weiter geht es zu  D17052124, einer DFM09-Manöversonde vom 19.3.2025. Die hatte ich zusammen mit Sylvio bei einer Tour durch die Göhrde letztes Jahr lokalisiert und zuletzt im August 2025 gecheckt. Sie hängt auch immer noch hoch in der Fichte und ist derzeit sogar besser sichtbar als damals. Leider verrotten die Schnüre der Firma Graw praktisch überhaupt nicht, so dass es viele Jahre dauern kann, bis so eine Sonde unter dem Baum aufgelesen werden kann. Das ist schlecht für die Umwelt. Die neuen bioabbaubaren Schnüre könnten in der Zukunft Abhilfe bringen. 

Am Forsthaus stelle ich fest, dass die Straße Röthen-Himbergen neuerdings für den KFZ-Verkehr gesperrt ist. Offenbar mag man die Straße nicht mehr instand halten. Mich als Radfahrer betrifft das nicht, und ohnehin biege ich rechts auf den schlecht befahrbaren Sandweg Richtung Neetzendorf ab. Nach wenigen Metern erreiche ich die dritte Landestelle dieser Sondendeponie - ein Neuzugang aus Bergen von Anfang August. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V1220911
Produktionsdatum: 2023-3-21
Timerkill: 5h:00m

Startstation: Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 4.8.2026 (00:00Z)
Track wettersonde.net/db0dan

Maximale Höhe:
 35646m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.25 m/s

Landegeschwindigkeit: 8.2m/s

Landestelle: Göhrde (Röthen), LAT, LON: 
53.14287,10.79789 Google Maps
Status:
geborgen am 20.9.2026, 12:20UT
Methode:
 Extrapolation aus Tower-Daten (via wettersonde.net)

Hier gab es nach der Landung keine decodierbaren Daten über den nahen db0dan-Tower. Ich hatte mich nach der Landung kurz auf den Web-SDR aufgeschaltet. Da war nur ein sehr schwaches Signal im Wasserfalldiagramm erkennbar. Also rechne ich mit einer Bodenlandung. Und der Befund vor Ort bestätigt die Erwartung.



 

Fallschirm und großer Ballonrest hängen in guter Stangenreichweite in einer großen Kiefer. 

 

 

 

 



Nach dieser leichten Bergung fragt sich, was man weiter macht. Die Wendlandbahn fährt nur alle 3 Stunden, und wenn ich die nächste um 16:35 noch erreichen will, muss ich langsam den Rückweg zum Bahnhof antreten. Ich könnte natürlich die letzte Bahn um 19:35 nehmen, dann wäre noch etwas Zeit für ein paar weitere Baumlander in dem riesigen Wald. Aber der Wind erreicht langsam in Böen Sturmstärke, und da möchte man nicht lange im Wald herumlaufen. Ich checke also noch kurz den Fundort des alten Fallschirms. Die Wildschweine haben dort zwar kürzlich umgegraben, aber leider keine RS92 freigelegt. Auch habe ich für eine wirklich gründliche Suche keine Zeit. Mit starkem Rückenwind geht es rasch und bequem zurück zum Bahnhof Göhrde. 

Auf der Rückfahrt gibt es eine Verzögerung, weil der Wind einen Baum umgeworfen hat. Der liegt jetzt auf dem Gleis. Typischerweise würde sowas eine stundenlange Streckensperrung verursachen. Auf der urigen eingleisigen Wendlandstrecke lösen Lokführer und ein kräftiger Fahrgast das Problem mit der "Hau-Ruck"-Methode in wenigen Minuten. In Lüneburg erreiche ich sogar noch den Zug nach Hamburg.  

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Samstag, 19. September 2026

Der Fallschirm an der Kita

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
X3812010
Produktionsdatum:2025-9-15
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Norderney (WMOID:
10113)
Flugdatum:19.9.2026
 00:00UT
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
 33251m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.27 m/s

Landegeschwindigkeit:
2.4m/s

Fundstelle: HH-Heimfeld 
LAT, LON:
 
53.46708,9.96395  Google Maps
Status: Geborgen am 19.9.2026
, 15:30 UT

Methode:
 GPS Position nach der Landung decodiert mit TTGO (RDZsonde). Bergung im Garten einer Wohnanlage unter aktiver Mithilfe der Bewohner

Die Sonde aus Norderney erreichte eine Höhe von 33km, der Ballon platzte im Weser-Jade-Bereich. Der Fallschirm funktionierte hervorragend, und ein starker Wind wehte die Sonde bis nach Hamburg-Heimfeld. Ich kriege das nach dem Aufwachen am Samstagmorgen mit. Eine schnelle Prediction zeigt, dass die Sonde, obwohl die letzte Position sie nur 30m über dem Grund zeigte, sie noch mehr als 100m geflogen sein dürfte. Wahrscheinlich sollte sie auf der Nobléestraße niedergegangen sein. Urban Rescue erfordert sofortige Aktion. Ich greife die Stange, einen TTGO und springe in die S-Bahn. Die Landestelle liegt direkt an der Station Heimfeld. 

Dort wird der TTGO aktiviert. Zunächst ist da kein Signal zu empfangen. Wahrscheinlich ist die Sonde ein Verkehrsopfer geworden, aber vielleicht kann man noch die Trümmer auf der Straße einsammeln. Dann, ich bin schon fast vor Ort, ist da doch ein Signal. Nach den GPS-Koordinaten hat es die Sonde über die Straße geschafft und liegt im Bereich der Innenhöfe der angrenzenden Wohnanlagen. Die sind unzugänglich. Da klingelt man besser nicht am Samstagmorgen um 8 Uhr. 

Eine kurze Erkundung der Umgebung ergibt auch keinen weiteren Aufschluss. Ich breche die Suche ab. Immerhin ist vor dem Ende der Batterien die Position ermittelt. Vielleicht geht da am Nachmittag noch etwas. 

Ich bin ich wieder vor Ort. Diesmal traue ich mich zu klingeln. Und ich stoße auf einen supernetten und interessierten Bewohner, der mich in den Garten lässt. Wir suchen zu zweit alles ab. Keine RS41, keine Schnüre, nichts. Da die GPS-Positionen nahe der Hauswand unsicher sind und auch manchmal in den Nachbargarten streuten, kann die Sonde auch drüben liegen. Der Bewohner ermutigt mich dringend, dort auf jeden Fall zu klingeln.

Der Nachteil an dieser Idee ist nur, dass da niemand aufmacht. Dabei sieht es ganz danach aus, als ob die Bewohner da sind. Hmm, für so einen Fall haben wir unser Infoblatt. Das stecke ich in den Briefkasten. Dann drehe ich noch eine Runde zur gründlicheren Erkundung der Gegend.

Sehr zu meinem Erstaunen entdecke ich den Fallschirm, der an der Fassade der nahen Kita herunterhängt!

 





 

Da aber die Tore verrammelt sind, kann ich die Situation nicht aus der Nähe erkunden. Etwas erstaunlich ist die große Distanz zur Landestelle - das sind mehr als 70 Meter. Die Schnur einer RS41 ist bekanntlich nur 50m lang. Was ist hier los?

Ich finde, dass die Innenhöfe einiger Nachbarhäuser der Landestelle als Parkplätze genutzt werden - und die sind zugänglich. Von hier aus kann ich die Schnur verfolgen - von der Kita bis zum Boden. Das passt alles überhaupt nicht zu den Positionen von heute Morgen! Mit dem Fernglas kann ich dann aber erkennen, dass die Schnur blind endet - daran hängt keine Sonde. Hat da jemand an der Schnur gezerrt? Umso dringender wird es, mit dem Nachbarn zu reden.

Ich klingel noch einmal. Zu meiner Überraschung öffnet er sofort. Der Grund: Er hat inzwischen den Infozettel gelesen. Yeah, public outreach hilft. Und er schließt sogar den Zugang zum Garten auf.

Wir suchen alles ab. Und zwar erfolglos - keine Spur von Schnüren oder Sonden. Da erspäht seine Frau vom Balkon aus einen weißen Schimmer UNTER einem Busch, der da nicht hingehört. Der Busch steht direkt an der Grenze zu dem anderen Grundstück. Ich krieche fast darunter und muss einen langen Arm ausstrecken. Tatsächlich liegt da eine RS41. Ich heb sie vorsichtig an, um nicht noch ein Chaos mit der Schnur anzurichten. Aber da ist keine Schnur. Da fehlt sogar auch der Befestigungsmast. Der ist glatt herausgebrochen.

 

 


Langsam wird mir klar, was da passiert sein dürfte. Die Sonde hat sich bei der Landung irgendwo am Gebäude verhakt und wurde dabei beschädigt.  Angesichts der hohen Windgeschwindigkeit ist dann der Sondenarm abgebrochen und der Schirm noch ein ganzes Stück weitergeflogen. Und die Sonde hat sich wohl bei dieser recht gewaltsamen Landung auch losgerissen und ist dann irgendwie unter dem Busch geschleudert worden. Es braucht jedenfalls einiges an Gewalt, um den Schnurmast in dieser Form von der Sonde abzubrechen. Menschliche Einwirkung ist auszuschließen, denn die GPS-Position, die GPS-Höhen und die geringe Signalstärke am Morgen passen gut zu der Fundsituation. 

Ich verabschiede mich von den freundlichen Bergungshelfern und kläre auch seinen Nachbarn über die erfolgte Bergung auf. Die Tochter des Hauses weiß jetzt jedenfalls, warum an ihrer Kita ein Fallschirm hängt.

 

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Altlasten im Stuvenwald

 Am Freitag habe ich unerwartet etwas Zeit, und da beschließe ich spontan eine Tour durch den Stuvenwald. Dort gibt es einige Kaltsonden, die noch niemand besucht hat oder deren Status unklar ist. Die Fraktion der automobilisierten Sondensucher ist aufgrund der extremen Preise nicht mehr so sehr geneigt, für einen wertlose weiße Box - oder gar für einen unsicheren Baumlander - Sprit zu verschwenden . Meine Sondenjagd mit  Faltrad und Deutschlandticket erfordert mitunter Frustrationstoleranz, ist aber vergleichweise preiswert. So bringt mich der Bus zu der bewährten Haltestelle "Kirchenwald" in Elstorf-Bachheide. Von dort geht es 3 Kilometer auf dem Radweg der Straße bis zu einer Abzweigung in den Wald. Direkt am Weg ist im Mai eine Bergener Sonde gelandet. Jetzt im September ist sie mein erstes Ziel.

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V1121405
Produktionsdatum: 2023-3-14
Timerkill: 5h:00m

Startstation: Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 18.5.2026 (00:00Z)
Track wettersonde.net/Sondehub

Maximale Höhe:
 34915m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.23 m/s

Landegeschwindigkeit: 5.8m/s

Landestelle: Stuvenwald, LAT, LON: 
53.40047,9.82924 Google Maps
Status:
geborgen am 18.9.2026, 11:53UT
Methode:
 Extrapolation aus Tower-Daten (via wettersonde.net)

Vom Weg geht es einige Meter einen Hang hoch. Und was soll ich sagen: 4 Meter neben der Extrapolationslösung hängt das da am Baum in ca. 8m Höhe:





Erst einmal versuche ich den Fallschirm zu lokalisieren, aber erfolglos. Offenbar hängt der sehr weit oben. In Erwartung einer unkomplizierten schnellen Stangenbergung mache ich mich ans Werk. Aber das ist nicht so einfach: Die Sonde ist direkt von unten nicht erkennbar - dichte Fichtenzweige blockieren die Sicht. Also muss ich sehr schräg von der Seite ansetzen. 



 

Ich kann die Stange auf einem Zweig ablegen, so dass sie sich nicht unter ihrem eigenen Gewicht verbiegen kann. Die richtige Orientierung kann ich nur erreichen, indem ich Druck auf den Zweig ausübe, wodurch die Stangenspitze nach oben biegt. Das ist ziemlich fummelig, aber irgendwann klappt es. Die Schnur ist bereits durchtrennt, also kann ich mit der Schnurzug-Raschel-Methode nichts über die Lokalisation des Schirms in Erfahrung bringen. Ansonsten ist die Sonde recht gut erhalten, obwohl sie ja schon 5 Monate im Wald hing.  

 


Alles wird wieder eingepackt. Der Weg führt direkt nach Süden, er bietet in schneller Folge phantastischen Asphalt, tückischen Sand, Beton mit tiefen senkrecht verlaufenden Riefen und Kopfsteinpflaster. Irgendwann erreiche ich eine Abzweigung. Auf einem mir gut bekannten Weg geht es nach Osten. Hier passiere ich relativ dicht eine mir bekannte Landestelle. Große Chancen rechne ich mir nicht aus, aber wenn ich schon mal vor Ort bin, kann ich da ja mal vorbeischauen. 

Sondentyp: DFM17 und RS41-SGP (Tandem)
SN:
 
U3260320 & 23055899
Frequenzen: 
405.1 MHz (RS41) und 403.05MHz (DFM17)
Timerkill: keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Produktionsdatum: 2024-03-13 (RS41) und 
2023-??-?? (DFM)
Flugdatum: 5.4.2024 11:00Z
Track radiosondy.info (DFM17)
Maximale Höhe: 24943m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.62m/s 
Landegeschwindigkeit: 6.2m/s
Landestelle:Stuvenwald
 LAT, LON: 
53.36235,9.839862  Google Maps
Status: RS41 geborgen am 18.9.2026, 13:10UT; DFM17 bisher nicht geborgen

Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

 

Hier ist 2024 ein Tandem aus DFM17 und RS41 in einem recht unwegsamen Waldgebiet niedergegangen. 2 Tage später war ich mit dem Auto in der Gegend - auf dem Weg zur Sternwarte Handeloh. Es gelang mir damals, die Sonde trotz der nicht allzu guten Prediction zu lokalisieren. Die Situation war allerdings suboptimal: Der Fallschirm hatte wohl am Boden gelegen, war aber nicht mehr vorhanden. Jemand hatte offensichtlich daran gezogen und wahrscheinlich erst dadurch die Sonden in den absoluten Wipfel einer hohen Fichte platziert, 35m hoch. Die Schnur da oben war wie ein Flitzebogen gespannt, und zwischen zwei Zweigen hing waagerecht die DFM17. 

 
Foto von 2024

Foto von 2024

 

Wie üblich war die RS41 mit einem kurzen Schnurstück und Tape an der DFM17 befestigt. Man sah die Schnur im Gezweig verschwinden - die RS41 habe ich trotz längerer Inspektion des Baumes mit dem Feldstecher aus verschiedenen Richtungen nicht erkennen können. Zu dicht waren Nadeln und Geäst.

Am 30.8.2024 war ich wegen einer anderen Meppen-Sonde erneut im Stuvenwald unterwegs. Also habe ich mal nachgeschaut. Das Ergebnis war frustrierend. Weder Sonden noch Schnüre waren in den Bäumen zu sehen.  

Und heute? Wieder kämpfe ich mich zur Landestelle durch und finde sofort anhand der Koordinaten und der alten Fotos den fraglichen Baum. Und diesmal liegt dort ziemlich eingewachsen eine RS41 auf dem Boden. Die seh ich heute zum ersten Mal. 

 

 

 



Die DFM17 kann ich weder am Boden noch im Baum entdecken. Da sich, wie am Beispiel der RS41 gesehen, in den Zweigen großer Nadelbäume Sonden gut verstecken können und die Schnüre der DFMs ja leider nicht verrotten, könnte sie nach mehr als 2 Jahren noch oben hängen. Oder sie ist heruntergefallen und tief im Moos eingewachsen.  Leider kann ich diesen Fall nicht schließen. 

Genauso wenig wie den der dritten Sonde: X0534908, der Nachtsonde aus Norderney vom 19.2.2026. Sie sendete laut wettersonde.net aus einem Baum am Südrand des Waldes.  Die Daten kamen vor allem vom Wendland-Tower. Der ist nicht gerade um die Ecke. Rechnerisch ergaben sich 28m über dem Boden. Etwas überrascht war ich über eine Meldung von DN9MOO. Der hat die Sonde erst als geborgen eingetragen und sich dann nach ACHTUNG korrigiert. Die Sonde hängt nach seinem Bericht in der Spitze einer 15m hohen Fichte. Sollte da doch was gehen? Aber vor Ort zeigt sich, dass die betreffende Fichte eher 35m hoch ist. Die Sonde kann ich mit dem Fernglas nicht lokalisieren. Auch vom Schirm fehlt jede Spur. Da müssen wir auf Fallobst hoffen. 

Ich lege dann noch mit dem Rad die letzten Kilometer zum Bahnhof Buchholz zurück, wo sofort der Metronom nach Hamburg eintrifft. Den hätte ich fast verpasst, weil ich den Fahrstuhl benutzen wollte. Einsteigen: Klappt. Der Fahrstuhl spricht zum User: "Tür schließt". Auch diese Operation klappt. Dann meint der Sprachchip: "Dieser Fahrstuhl ist defekt, bitte steigen sie aus!" Da ich die Durchdringung der Materie nicht beherrsche, ist das angesichts der geschlossenen Tür nicht möglich. Erst nach 40-50 Sekunden erschallt das erlösende "Tür öffnet"...Jetzt rasch das beladene Faltrad die Treppe herunter gewuchtet und rasch in den Metronom eingestiegen. Erst dort wird alles auseinander gebaut und zusammengeklappt. Auf dem Hamburger Hauptbahnhof herrscht mittelstarkes S-Bahn-Chaos - wegen einer technischen Störung. Dennoch komme ich vergleichsweise glatt nach Hause. 

 

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Dienstag, 15. September 2026

Meppen-Sonde am Zuckerberg

Sondentyp:  RS41-SGP 
SN:
 
W1120540
Frequenzen: 
404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Produktionsdatum: 2024-03-12

Flugdatum: 8.9.2026 10:00Z
Track wettersonde.net und Sondehub
Maximale Höhe: 25282m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.9m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.7m/s
Landestelle: Deinste
 LAT, LON: 
53.53897,9.495491 Google Maps
Status: Geborgen am 14.9.2026, 15:48UT

Methode: Extrapolation aus Sondehub-Daten

Die Meppener Sonden vom 8.9. wurden alle von Mitgliedern unserer Gruppe geborgen. Nr. 1 am frühen Morgen von Klaus zwischen Krempe und Kremperheide bei Itzehoe. Nr. 2 von mir im Wohngebiet nördlich Hausbruch. Bis auf eine. Meppen 3 ging bei Deinste am Rand des Feener Moors nieder. Womöglich eine feucht-fröhliche Sache, wobei laut Google Earth ein paar Bäume die Sonde vor dem eigentlichen Moor aufgehalten haben könnten. Sehr niedrige finale Positionen lieferte auf Sondehub die Station "Mobil DZTTGO". Klingt nach jemandem, der hinter den Sonden mobil hinterherfährt. Ich erinnere aber, das ich schon mal eine Sonde nach den Daten des Kollegen auf einer Wiese einsammeln konnte. Offenbar wohnt der in der Gegend und speist Daten ein, ohne selber die Sonden zu bergen. Danke schon mal im Voraus für die schönen Daten. 

Diese Sonde ist  durchaus reizvoll. Spannend ist, ob man da überhaupt rankommt. Da aber unweit eine Bergener Sonde seit eineinhalb Jahren an einer Fichte abhängt und dringend mal heruntergefallen sein könnte, hätte man bei einer Radtour gleich zwei Eisen im Feuer. Ich habe allerdings erstmal keine Zeit für eine Tour dorthin. 

Am 14.9. bin ich wieder in Hamburg. Die Sonde ist immer noch nicht in Radiosondy eingetragen. Also geht werden Teleskopstange und Faltrad gegriffen, und ab geht es in die S-Bahn. Von Horneburg führen bekannte Wege zur Landestelle des  Baumlanders U3260237. Diese Sonde vom April 2025 hatte ich am Tag nach der Landung hoch in einer Fichte im Rustjer Forst lokalisiert, den Fallschirm geborgen und danach noch ein paarmal besucht. Im Sommer gab es einige Sturmereignisse, so dass es Sinn macht, da noch einmal vorbeizugucken.  Aber die Sonde tut mir den Gefallen nicht - sie hängt hartnäckig oben. 

Weiter geht es, wieder zurück zur Straße. Auf ihr erreiche ich das mir ebenfalls gut bekannte Dorf Helmste. Dort hing einst eine Meppener Sonde im Baum, die ich mit einer 15-Meter Stange von unten anstupsen, aber nicht einhaken konnte. Später hing sie nicht mehr im Baum, lag aber auch nicht unten. Hoffentlich geht es mir diesmal nicht auch so. 

Hinter dem Dorf geht es zum Zuckerberg. Ein 28m hoher Bergriese, der noch auf seine Erstbesteigung mit Sauerstoff wartet. 


  

Gleich dahinter gibt es eine Gelegenheit, das Fahrrad anzuschließen. Dort liegt schon ein weiteres Rad im Gras. Den Besitzer sehe ich auf einer umliegenden Koppel. Mit meiner Frage, ob er wegen der Radiosonde da wäre, kann er nichts anfangen. Er ist checkt die Elektrozäune und sieht bei den Pferden nach dem Rechten. Ich erkläre ihm meine Anwesenheit, er wünscht mir Glück, und ich stapfe los. Glücklicherweise kann ich direkt am Rand der Pferdekoppeln entlanglaufen und so direkt zur Landestelle gelangen. Für die Pferde ist das offenbar eine willkommene Abwechselung. 

Aus einiger Distanz kann ich die Lage an der Landestelle gut überblicken. Einige nicht allzu hohe Birken, Kiefern und Fichten stehen direkt am Rand der Koppel. Ich brauche kein Fernglas - da hängt die Sonde. Sie ist tatsächlich gleich nach der letzten Position am ersten Hindernis hängen geblieben. 


 

Die Höhe macht aus der Nähe einen stangentechnisch beherrschbaren Eindruck, vielleicht 8-10m. Ich zerre wenn möglich nicht an den Sachen, bevor ich nicht die Lage des Gespanns verstanden habe. In diesem Fall noch weniger, weil ganz in der Nähe und in Flugrichtung diese nette Leitung verläuft. 


 

Nein, in der Leitung stecken Ballon und Schirm nicht. Die Suche  erweist sich als komplizierter als die nach der schon Weitem gesichtete Sonde. Erst nach längerem Herumirren entdecke ich sie in einem anderen Baum, noch niedriger. 

Dennoch ist die Lage ein wenig diffizil: Ich möchte nicht an dem Fallschirm ziehen, weil ich damit womöglich die Sonde in unerreichbare Höhen befördere. Umgekehrt lieber auch nicht. Also wird das Rasierklingen-Schneidetool an der Stangenspitze befestigt und die Schnur gleich am Abroller gekappt. Danach wird das Tool gegen den Haken ausgetauscht und der Fallschirm zu Boden befördert. Meppen-typisch ist die Schnur mal wieder nicht komplett abgerollt. 

 


Jetzt geht es zurück zu dem Baum, in dem die Sonde unverändert hängt. Sie lässt sich ziemlich einfach einhaken und herunterziehen.

 

 




 


 

Jetzt wird es Zeit, die Ausrüstung zusammenzupacken und zurück zu wandern. Beim Befestigen der Stange am Rad werde ich von den Pferden, die mich schon auf dem Weg begleitet hatten, neugierig beäugt.

Der schnellste Weg zur Bahn führt nach Agathenburg: 6 km, überwiegend bergab. Unterwegs beobachte ich eine Wolke von Finkenvögeln und Staren, die offenbar schon in Zuglaune sind und sich in den Büschen ein Nachtquartier suchen wollen. Umkreist werden sie von einigen Falken, die auch gerne auch ein Abendbrot hätten, und  versuchen, durch synchrone und unvorhersehbare Flugmanöver dem Zugriff zu entziehen. 

Gemütlich radel ich Richtung Bahn. Dass ich den Zug verpasse, ist egal. Der nächste fährt in 15 Minuten. Nein. Natürlich wissen die Apps nicht, dass es eine größere Schrankenstörung im Bereich Stade gibt. So muss ich noch etwas warten - was mir ein Zeitfenster gibt, in die neueste Folge von  "Astro&Co" auf Youtube hereinzuhören, heute über den immer noch nicht explodierenden T CrB. Dann kommt schon die S-Bahn. Den Rest des Vortrags muss ich mir mangels Kopfhörer zuhause hören.     

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