Samstag, 22. Februar 2020

Minimalistisches Design ist der letzte Schrei in Seedorf

Sondentyp: DFM09
SN: 17005017
Frequenz: 402.01 MHz
Startstation: Seedorf (Fallschirmjägerkaserne)
Flugdatum: 18.2.2020 20Z
Timerkill: -
Track Radiosondy und eigene Daten
Landestelle Bleckede, LAT LON: 53.330895,10.715491 Google Maps
Status: geborgen am 22.2.2020, 8:40Z
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von radiosondy.info


Sonden von der Fallschirmjägerkaserne Seedorf bei Zeven sind selten und sind ungewöhnlich. Sie erreichen selten einmal zweistellige Höhen und fallen dann wie ein Stein vom Himmel. Daher stand zu vermuten dass kleine Ballons verwendet werden und man anders als bei den Manöversonden auf Fallschirme verzichtet. Heute haben sich diese Vorhersagen bestätigt.

Ich habe noch nie eine solche Sonde geborgen. Einmal versuchte ich es am Abend in der Gegend um Schneverdingen, aber das Objekt war schon weg, als ich kam. Das andere Mal fiel die Sonde unweit meines Elternhauses. Ich konnte sie sogar noch empfangen, aber sie sendete nur noch einen 1-2 Sekunden dauernden Puls, und das in Abständen von 1-2 Minuten. Sowas kann ich nicht peilen, und zu dekodieren war da auch nichts mehr. Eine DFM am Ende der Batterielebensdauer. Ich habe das zugehörige Rapsfeld gründlich durchsucht, konnte aber nichts finden. Auch nach der Ernte keine Trümmer. 

Am Dienstag, den 18.2.2020 flog abends eine solche Zevener Sonde.  Ich konnte sie bis in 526m Höhe tracken. Radiosondy.info hatte noch eine Position aus 287m Höhe. Eine Tawhiri-Prediction sollte relativ genau sein, die vorhergesagte Position lag auf einem freien Feld. "Hoffentlich wird sie geborgen", schrieb Chrischan Bützow alias AA1 im Radiosondenforum. 

Leider hatte ich die ganze Woche relativ viele berufliche und private Termine am Nachmittag und Abend, so dass eine Sondensuche nicht möglich schien.  Als sie am Freitag Abend nicht als gefunden gemeldet ist, fange ich an, über die Sache nachzudenken.

Am Wochenende sieht das Wetter bedenklich aus: Sturmböen und Regenschauer. Am Samstag Vormittag ergibt sich ein Zeitslot, an dem es zwar windig, aber nicht sooo nass sein würde. Also rein in den Zug. Hier soll ein Bus mich nach Bleckede bringen und dann das Faltrad zur 5 Kilometer entfernten Landestelle. Züge fahren nach Bleckede gar nicht mehr - nur der örtliche Kleinbahnverein macht da noch Dampf. Die sind auch am Bahnhof sehr aktiv und fahren knatternd mit einem Baggerwagen spazieren.
Das Wetter ist wie erwartet windig, und eine Regenjacke muss übergezogen werden. Dennoch, auf der Hinfahrt kommt der Wind von hinten. Die erste Lerche steigt singend auf, überall stehen Graugänse auf den Wiesen. An der Einbiegung zur Sonde schiebt ein Schwanenpaar Wache. Gleich hinter dem letzten Abzweig soll die Sonde auf dem Winterweizenfeld liegen. Auf den dritten Blick liegt da ein weißer Klecks in der Landschaft, 150m entfernt. Ein Blick durchs Fernglas zeigt: Das ist kein Joghourtbecher, sondern hat mit etwas Phantasie die grobe Form einer DFM09. Bin zu 85% sicher. Was mich besorgt stimmt: Außer dem weißen Fleck ist da keinerlei Beiwerk zu erkennen. 


Die Auffahrt über den Graben auf das Feld ist derart matschig, dass ich auch mit Gummistiefeln da nicht durchwaten mag. Also zurück - da hatte ich noch einen anderen Aufgang gesehen. Von dort geht es zu Fuß auf Grasbewuchs wieder den Graben entlang. Dort ist wieder der weiße Fleck sichtbar. Eine Treckerspur bringt mich hin. Der Boden ist fester als gedacht.

Kein Zweifel, das ist die DFM! So eine Minimalkonfiguration kannte ich bisher noch nicht einmal aus Pinneberg, aber minimalistisches Design soll ja modern sein. Alles, was man nicht unbedingt zum Fliegen braucht, ist bloß Firlefanz und kann weg. Wir nehmen also den kleinsten denkbaren Ballon, mindestens eine Nummer kleiner als die übliche Manöverversion. Der kann wohl nicht mehr als die Sonde hochbefördern und ist ja auch bereits in 8100m Höhe geplatzt. Dass das Ding keinen Fallschirm hat, war zu erwarten, aber dass die Schnur nur 60cm lang ist, überrascht doch. Aus unbekannten Gründen hat jemand eine Schlaufe reingeknotet und sie dadurch noch verkürzt. Dann braucht man natürlich auch keinen Abroller. Und auf Bundeswehr-Begleitzettel wird in Seedorf ebenfalls verzichtet.  Das ist alles.








Auf dem Rückweg mache ich die Erfahrung, dass Windböen Stärke 9 mit Graupeln das Vorankommen "etwas" erschweren. Der Regen hört am Bahnhof Zeven auf, wo ich etwas auf den Bus warten muss. Da mein Provider am Rand der Erdscheibe keine Sendemasten betreibt, kann ich auch keine Fundmeldung abgeben.

Sondentyp: DFM09
SN: 17008862
Frequenz: 402.01 MHz
Startstation: Seedorf (Fallschirmjägerkaserne)
Flugdatum: 18.2.2020 20Z
Timerkill: -
Track Radiosondy und eigene Daten
Landestelle Sülbeck, LAT LON: 53.330895,10.715491 Google Maps
Status:Baumlander, von unten sichtbar, 25m hoch
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis eigener Daten
Auf der Hinfahrt habe ich bemerkt, dass der Bus an einigen Exemplaren meiner Kaltsondenliste in geringem Abstand vorbeifährt. Unter anderem hängt da wahrscheinlich irgendwo eine Manöver-DFM namens 17008862 seit dem 22.8.2018 in einem Kiefern-Buchen-Lärchenwald  hoch im Baum. Ich checke die Landestelle immer, wenn ich dort sowieso vorbeikomme. Bei meinem ersten Auftritt 9 Tage nach dem Flug konnte ich nichts Verdächtiges erkennen, weil das Laubdach der Buchen den Blick nach oben stark behinderte. Am 30.12.2018 kam ich wieder mal an der Stelle vorbei. Jetzt, nach dem Blattfall, konnte ich in einer Fichte den Fallschirm entdecken. Die Schnüre verschwanden im Nachbarbaum und dann im Nichts. Am 7.9.2019 war ich erneut vor Ort.  Aber nein, am Boden lag auch mehr als ein Jahr nach dem Flug nichts herum, und der Fallschirm im Baum war nicht mehr rot, sondern komplett ausgeblichen.  
Die letzten Male hatte ich die Strecke nach Lüneburg bzw. Echem komplett per Rad zurückgelegt - bei dem Wetter da draußen habe ich heute dazu keine Motivation. Aber auf der Hinfahrt war mir die Bushaltestelle "Sülbeck, An Den Eichen" aufgefallen. Die liegt nur 500m Luftlinie von der Landestelle entfernt. Die Busse fahren alle Stunde, Zeit genug, um sich zur Sonde durchzuschlagen, schnell nachzugucken und zur Station zurückzufahren. Aber sollte man das bei Sturm und Regen wirklich machen?  Das Wetter wird während der Busfahrt etwas besser. Kurz hinter der Neetzebrücke siegt Neugier über Bedenken. Ich  drücke beherzt den "Halt"-Knopf und steige an besagter Bushaltestelle aus. O.K., der Regen macht gerade eine Pause, aber der Wind ist immer noch stürmisch. Ich muss schnell machen, denn das hält bestimmt nicht lange an.

Gut, dass ich den Weg kenne. Ein Pirschweg zweigt rechts ab, er ist es mit dem  Faltrad nicht mehr befahrbar. Ich schiebe und trage es bis zu dem vertrauten Jagdstand und schließe es wie üblich an dessen Gerüst an. Zu Fuß geht es weiter. Ein Baum da vorne ist umgestürzt, leider hängt keine DFM in den Ästen. Da hinten muss nach GPS der Fallschirm-Baum sein. Da erkenne ich auf den ersten Blick nichts mehr. In der Richtung, in der ich die Sonde vermute, habe ich wieder kein Glück. Da liegt keine weiße Box am Boden. Zweifel kommen auf. Immerhin habe ich bei meinen vorigen Versuchen alle Bäume gründlich mit dem Fernglas von allen Seiten inspiziert - jeweils mehr als eine Stunde lang - und nichts gesehen. Nach den ganzen Stürmen der 2018/19 und jetzt 2020 ist es unwahrscheinlich, dass sie noch oben hängt. Und unten liegt sie nicht. Ob sie vielleicht damals auf den Boden durchgefallen ist und sofort andere Liebhaber gefunden hat?

Eigentlich ist die Position der Sonde aufgrund der damaligen Flugrichtung, der DFM-Schnurlänge und der Position des Fallschirms gut einzugrenzen. Ohne große Erwartung lasse ich den Blick durch  die infragekommenden Bäume schweifen. WAS IST DAS? Eindeutig eine DFM, die relativ gut sichtbar im Baum schaukelt. Geschätzt 25 Meter hoch, und 20 Meter von meiner ersten Prediction entfernt.

Des Rätsels Lösung: Das Ding hängt in einer Lärche. Das kenne ich schon. Ich hatte mal eine RS41 im Klecker Wald, die ebenfalls unsichtbar in einer Lärche hing. Da ich sie noch sendend angetroffen hatte, kannte ich ihre exakten Koordinaten. Ein anderer Sondenjäger und seine Freundin brachen plötzlich durchs Unterholz, erpeilten den gleichen Baum mit der Yagi, und dann starrten wir uns zu dritt die Augen aus dem Kopf. Ich checkte in der Folgezeit die Position in unregelmäßigen Abständen. Irgendwann zeigte ich Uli (alias Asohen) die Landestelle. Und der meinte sofort: "Da oben hängt sie doch". Lärchen werfen erst in der 2. Winterhälfte alle Nadeln ab, und durch die dichte Benadelung kann man vorher nicht hindurchgucken. Uli hat die Landestelle öfter mit seinem Mountainbike besucht, irgendwann die Sonde eingesammelt und mir das Ding dann bei einem Sondenjägertreffen grinsend überreicht.

Genau der gleiche Fall hier. Rasch noch mal ein paar afokale Fotos mit dem Handy und dem Feldstecher improvisiert, und dann geht es schnell zurück zum Rad und zur Bushaltestelle. Zwar fahre ich nicht mit einer zweiten DFM nach Hause. Aber immerhin weiß ich jetzt nach dem 4. Besuch, wo sie ist und dass sie noch da ist. Auf Dauer kommt sie sicherlich runter. DFM-Schnüre sind stabiler als die von Vaisala, aber die im Baum erkennbaren Schnüre sind rott und stehen nicht mehr mit der Sonde in Verbindung.  Sie hängt nur an einem ganz kurzen Schnurstück. Hoffen wir auf ein paar weitere Stürme, dann wird sie geborgen. Und einen etwas schnelleren Weg in die Landeregion kenne ich jetzt auch.





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Samstag, 15. Februar 2020

Die schwere Sonde - endlich geborgen.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  P2221024
Frequenz: 402.5 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 07.01.2019 12Z
Timerkill: Keiner
Track  Bremen
Landestelle Wald bei Westergellersen, LAT LON: 53.25846,10.25481 Google maps
Status:  Baumlander, 20m hoch. Geborgen am 15.2.2020, 14:00
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von radiosondy.info-Daten

Diese Sonde steht im Ruf, ansonsten erfolgreiche Sondenjäger zum Aufgeben zu zwingen, weil die Landestelle zu unübersichtlich ist. Die Sonde liegt tief in einem sehr dichten Wald, man muss da erst einmal hinkommen. Eine Anreise nur per KFZ ohne längeren Fußmarsch ist unmöglich. Und dennoch war schon kurz nach der Landung am 7.1.2019 ein Sondenjäger vor Ort: Clemibunge, der die Sonde noch sendend antraf. Er war durch das dichte Gestrüpp negativ beeindruckt und konnte sie trotz ernster Versuche nicht lokalisieren. Wahrscheinlich ging ihm bei den kurzen Januartagen auch irgendwann das Tageslicht aus. Sein Fazit in radiosondy: "Sehr dichter Wald, schwer zu finden... zu schwer für mich".

Clemibunges Statement zum Schwierigkeitsgrad hat mich neugierig gemacht, so dass sie auf meine Kaltsondenliste kam. Am Ende erforderte diese Sonde 3 weitere Suchaktionen. Ich war zwei  Male dicht am Aufgeben, aber beide Male kam ich in letzter Minute einen Schritt weiter. Und am Ende konnte ich P2221024 am 15.2.2019, 1 Jahr und 39 Tage nach dem Flug, einfach einsammeln.

Nach dem komplett unrealistischen Motto "Wald wird überbewertet, so kompliziert kann das doch nicht sein" gab ich der Sonde am 15.8.2019 anlässlich einer Suchfahrt nach mehreren Kaltsonden eine Chance. Die Story ist im Detail hier beschrieben. Und ich musste Clemibunge sofort recht geben: Dieses Gelände kann man nicht im üblichen Sinne durchsuchen, erst recht nicht im Sommer: Einzelne hohe Fichten und Kiefern, darunter aber ein extrem dichtes Unterholz aus Laubbäumen, überwiegend Buchen. Ich entdeckte allerdings etwas, was man auf den ersten Blick nicht sah: Mit Reisighaufen zugestellte schmale, nur teilweise zugewachsene Pirschwege, die das Gelände schachbrettartig durchzogen. Allerdings nützten die nur bedingt etwas, weil man von diesen Pfaden nicht weit ins Gelände gucken konnte, und schon gar nicht durch das extrem dichte Laubdach nach oben. Eine GPS-Position der Landestelle hatte ich nicht, wohl aber meine am Tag der Landung auf radiosondy-Datenpunkten basierende Tawhiri-Vorhersage. Obwohl der Fallschirm am Ende nur 20 Meter von der Prediction entfernt in kommoder Pflückhöhe in einer Astgabel hing, brauchte ich zu seiner Auffindung mehr als eine Stunde. Und dieser Fund kurz vor der frustrationsbedingten Aufgabe machte es auch nicht besser: Mangels Blick nach oben konnte ich den Verlauf der Schnüre nicht verfolgen und  nach längerer Erkundung nicht einmal herausfinden, in welchem Baum die Sonde hing. Am Ende habe ich den Schirm abgeschnitten. Zwar schnellte die Schnur nach oben, aber es wurde deutlich, dass die Astgabel nicht der einzige Verankerungspunkt der Sonde war. Es fiel nichts aus den Bäumen. Ich beschloss nach 2 Stunden aber, nach dem Laubfall wieder zu kommen.

Kaisermantel







Meine zweite Tour zu dieser Sonde fand am 24.11.2019 statt. An der Ballonlandestelle finde ich im Schirm-Baum meine Markierung. Jetzt ohne Laub ist es sehr viel einfacher, die Wipfel der Kiefern mit dem Fernglas nach Schnurresten abzusuchen. Ich brauche dennoch eine ganze Weile, bis ich welche erkenne, und noch wesentlich länger, bis ich endlich die Sonde entdecke. Ich bin ein wenig nervös, da irgendwo in der Nähe eine Jagd stattfindet und sich die Schüsse offenbar langsam nähern.   Hoch im Baum, leider zwischen den Nadeln so verhakt, dass sie auch nach den Frühjahrsstürmen nicht unbedingt schnell zu Boden gehen dürfte. Schnell ein paar Fotos gemacht und weg.



Immerhin ist die Sonde damit lokalisiert, und man kann, wie bei anderen Baumlandern, gelegentlich vorbeigucken.

Am 15.2.2020 scheint die Sonne. Ruhe vor dem nächsten Sturm, ideal für eine Radtour. Der richtige Zeitpunkt, nach dem Frühjahrssturm "Sabine" die Baumlanderliste durchzugehen. Um die Chance zu erhöhen, ist es immer ratsam, mehrere Kaltsonden abzuklappern und mit den dringlichsten anzufangen.  Dringlich ist einmal die Meppener Sonde P2310341. Die ist erst seit ein paar Tagen oben, aber nach Kappen der Schnur und einem Sturm könnte sie herunterfallen - im Zweifel in den Neetzekanal. Bevor sie wegschwimmt, sollte man dort ein weiteres Mal nach dem Rechten sehen. Und dann natürlich  die schwere Waldsonde P2221024, vielleicht liegt die ja unten. Beide Landestellen sind ja vorerkundet; man kann sie mit etwas Stress mit einer Tour besuchen. Ich purzel mit dem Faltrad in den Metronom nach Lüneburg und quäle unterwegs meine Fahrplan-App. Es wird relativ stressig, beide Sonden bei Tageslicht zu besuchen und stundenlange Wartezeiten auf Regionalbahnhöfen zu vermeiden. Bei der Meppener Sonde gibt es zwar eine Bushaltestelle, aber da fahren die Busse nur alle 2 Stunden. Das verfügbare Zeitfenster wird etwas länger, wenn ich mit Clemibunges Sonde im Wald anfange. Und kaum ist das ermittelt, hält der Zug bereits in Radbruch. Also nichts wie raus aus der Bahn und rein in den Wald.


Forstfahrzeuge und Pferdehufe haben den Weg zerstört, und so komme ich auf dem letzten Kilometer  viel schlechter voran als gedacht. Vor Ort fehlt die Birke, an der ich das Rad angeschlossen hatte, ich muss eine andere suchen. Denn das Rad behindert beim unvermeidlichen Ausflug in das Unterholz.
Dank der Ergebnisse der beiden letzten Aktionen kann ich diesmal wenigstens direkt auf ein Ziel zulaufen. Und wer beschreibt die Freude über diesen Anblick:



Der DWD-Label ist ausgeblichen, der Sensorarm erkennbar beschädigt und verrostet, aber die Sonde lässt sich noch anschalten und blinkt Error. 

Die Aktion läuft schnell über die Bühne. Ich benutze einen anderen Weg durch den Wald und kann dann mit Rückenwind bei Sonnenschein den Bahnhof Radbruch rechtzeitig für den nächsten Zug nach Lüneburg erreichen. Nach einer Station verlasse ich den Zug wieder und radel die 8,8km von Bardowick nach Brietlingen. Die Sonde dort hängt aber noch im Baum. Allerdings ist eine Birke in den Neetzekanal gefallen - an der dürfte sie hängenbleiben, sollte sie eines schönen Tages ins Wasser fallen. 

Die Hoffnung, ich könnte um 17:02 einen dieser raren Busse nach Lüneburg erwischen, ist unrealistisch. Also heftigst in die Pedale getreten, um um 17:38 wieder in Bardowick zu sein. Ich will keine volle Stunde auf dem zugigen Bahnsteig verbringen. So ein Faltrad ist kein Rennrad und ich bin kein Rennfahrer;  ich bin um 17:37 auf dem Bahnsteig. Der Zug ist pünktlich.
Immer wieder gibt es Diskussionen, ob die perfekten Dekodiertechniken und Predictions das ganze Hobby langweilig machen, weil alles so einfach geworden sei. Andersrum hört man die Klage, dass durch die gestiegene Anzahl von Sondenjägern alles so schwer geworden sei.  Es ist schon so, dass man heute viele neue Möglichkeiten hat. Aber Mutter Natur streut Sonden nicht nur auf frisch gemähte Stoppelfelder, sondern auch in entlegene Wälder und andere undurchdringliche oder unübersichtliche Regionen. Und dann steigt der Schwierigkeitsgrad. Ohne eine genaue Prediction hätte man diese Sonde überhaupt nicht lokalisieren können, aber selbst mit habe ich sicher rund drei Stunden im Gelände vor Ort verbracht, um überhaupt die Sonde zu lokalisieren. Aber heute war dann eben Erntezeit. 

Und Clemibunge, falls Du das liest, mail mir mal Deine Anschrift, dann kriegst Du Deine Sonde. 
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Sonntag, 9. Februar 2020

Eine echte Kaltsondenjagd nach 276 Tagen

In der ersten Februarwoche landeten zwei Sonden in einer meiner Lieblings-Suchgegenden im Bereich Büchen-Schwanheide-Langenlehsten, also im Grenzgebiet zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Zunächst kam die Saseler Sonde vom 4.2.2020. Die war ein Frühplatzer und kam nur 4647m hoch. Landung bei Nostorf auf freiem Feld. Tags drauf landete die Schleswiger Mittagssonde direkt bei Greven. In der Gegend habe ich schon mehrere Sonden gefunden.
Ursprünglich wollten Jürgen und ich gemeinsam die Sache erkunden. Aber er hatte am Samstag keine Zeit, und am Sonntag war eine Suche wegen des kommenden Sturms nicht empfehlenswert. Am Samstag war trockenes Sonnenwetter - kalt, trocken, sonnig. Beide Sonden lagen auf freiem Gelände unweit von Wegen - wenn das mal alles nicht zu spät ist. Also beschließe ich eine spontane Tour im Faltrad-Stil. Vormittags muss ich noch schnell etwas auf Arbeit erledigen, so dass ich erst um 12:03 die S-Bahn nehmen und losfahren kann. Die Radtour wird über 40km lang. Bei der Planung sehe ich auf der Handy-Karte der Locus-App eine alte Notiz einer Vorhersagelandestelle für P0520245. Das ist die Bergener Mittagssonde vom 8.5.2019. Die nicht besonders genaue Prediction liegt im Wald, aber meine Route führt direkt dran vorbei. Damals hatte ich auf Basis der letzten Position von radiosondy.info eine Tawhiri-Prediction gerechnet und auch die letzten Positionen abgespeichert. Ein Check auf radiosondy ergibt den Status "unbekannt". Ob die Zeit für einen Besuch bei den drei Landestellen noch bei Tageslicht reichen wird?

In Büchen wird das Rad entfaltet, und ab geht es Richtung Witzeetze und danach bei Dalldorf über den Elbe-Lübeck-Kanal. Das erste Dorf auf der mecklenburgischen Seite ist Zweedorf. Danach kommt Nosdorf, gelegen direkt an der Landestelle der Saseler Sonde.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:P2531062
Frequenz: 402.7 MHz
Startstation: Sasel (WMOID:10141)
Flugdatum: 04.02.2020 12Z
Track  Bremen/eigene Daten
Landestelle Nostorf, LAT LON: 53.41061,10.66827 Google maps
Status: Suche erfolglos am 8.2.2019
Methode: Tawhiri-Prediction nach wetterson.de-Daten

Die Vorhersage der Landeprediction ist nicht allzu genau, aber die infrage kommenden Felder sind abgeerntet, übersichtlich und von Rehen bevölkert. Ich suche die Gegend weiträumig ab. Die Flugrichtung war geradelinig, allenfalls die Reichweite könnte fraglich sein. Nach einer Stunde bin ich recht sicher, dass da nichts mehr zu holen ist. Wahrscheinlich muss die Sonde mit einem großen Ballonrest heruntergekommen sein. So etwas ist auffällig,  und in den vergangenen 4 Tagen hatten Jäger, Bauern, Spaziergänger reichlich Zeit, das Ding einzusacken - alle diese Spezies sind heute reichlich unterwegs. Oder sie wurde von einem anonymen Sondenjäger geborgen, der in Radiosondy nichts einträgt. Ich gebe auf, immerhin ist der Weg noch weit, und ich will auch die letzte Sonde noch bei Tageslicht erreichen.

Weiter geht es nach Schwanheide. Das kennt jeder, der mal vor der Wende einen Transitzug nach Berlin (West)  benutzt hat. "SCHWANHEIDE,HIER IST SCHWANHEIDE, WILLKOMMEN IN DER DEUTSCHEN DEMOKRATISCHEN REPUBLIK". Bloß, dass außer DDR-Grenzern keiner ein- oder ausstieg. An dem Bahnhof steht noch der Plattenbau der alten Kaserne. Eine niegelnagelneue Unterführung unter der Bahn. Jetzt muss ich scharf abbiegen. Links ist schon der Wald mit der extrem kalten Sonde.

Soll ich die Kaltsonde im Wald wirklich suchen gehen? Priorität hätte die frische Sonde, die ich unbedingt noch bei Tageslicht suchen möchte. Für eine lange Suche im Wald ist keine Zeit. Aber vielleicht kann ich mal gaaanz kurz nachgucken. Die Neugier ist stärker als die Vernunft.

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0520245
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 08.05.2019 12Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen/Polen
Landestelle Schwanheide, LAT LON: 53.451095,10.716679 Google Maps
Status: gefunden am 9.2.2020,14:34Z
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von radiosondy.info

Ich habe Glück: Ein auf der Karte nicht verzeichneter Weg geht exakt auf die vorhergesagte Landestelle im Kiefernwald zu. Hier parke ich mein Rad. "Landestelle wahrscheinlich etwas nördlich" hatte ich im Mai 2019 notiert. Hmmm, dann gehe ich doch mal bis zu dem Jagdstand da vorne. Ich schaue mich um. Fallschirm? Ballonrest? Fehlanzeige. Wahrscheinlich liegt die Sonde auch schon am Boden, und dann dürfte sie in dem dichten Heidelbeerenteppich schwer zu erkennen sein. Also lieber auf Fallschirme in den hohen Bäumen achten. Aber da sind keine. Ziemlich hoffnungslos, die Aktion. Besser aufgeben und schnell nach Greven fahren.

Aber das da ganz hinten, das ist doch merkwürdig. Da schwebt ein kleiner schneeweißer Punkt frei in der Luft und blinkt in regelmäßigen Abständen! Echt markant. Ein Blick durch den Feldstecher lässt keinen Zweifel: Das Blinklicht ist eine RS41, die in kommoder Pflückhöhe am Faden rotiert. Damit hätte ich nicht ernstlich gerechnet.


Der Faden geht über ein paar Nachbarbäume. Der Ballonrest da oben hängt völlig fest. Vom Fallschirm keine Spur.







Ich ziehe an der Schnur, die sofort ganz oben am Ballon abreißt. So kann ich zumindest die ganze Schnur  bergen. Die Sonde sieht 276 Tage nach der Landung erstaunlich frisch aus. Ein Test: Ja, sie startet, blinkt Error und verlischt: Batterie ist fast leer, und der Sensor hat wohl auch einen Hau. Eine echte Kaltsonde eben.




Frohgemut ob dieses unerwarteten Erfolgs laufe ich zurück zum Fahrrad, packe alles ein und mache mich auf den Weg. Ob ich in Greven genau so viel Glück habe?

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R2830740
Frequenz: 404.3 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 06.02.2020 0Z
Track  Bremen
Landestelle Greven, LAT LON:53.482792,10.784376 Google maps
Status: Suche erfolglos am 8.2.2019
Methode: Tawhiri-Prediction nach wetterson.de-Daten

Die Landestelle erreiche ich kurz vor Sonnenuntergang. Kurz gefasst: Ein Replay der Aktion in Nostorf. Die Prediction liegt genau auf dem Weg. In den Bäumen hängt nichts. Zwischen mir und dem Bauernhof liegt ein übersichtliches Maisfeld. Nichts. Auf der anderen Seite ist eine Weide. Um die genauer zu inspizieren, überquere ich einen kleinen Bach über einen Steg. Auf der Weide: Nichts. Weiter flugbahnaufwärts wieder ein Maisfeld. Auf den ersten Blick nichts. Wenn die Sonde kürzer geflogen wäre, könnte ich den Rest des Feldes besser auf dem Weiterweg erkunden, denn der führt genau daran vorbei. Auch dort: Nichts. Auch bei dieser Sonde war jemand schneller.

Den mir bekannten Hohlweg nach Langenlehsten kann ich noch in der hellen Dämmerung passieren. Venus leuchtet im Westen. Die letzten 10km nach Büchen lege ich in der Nacht zurück.

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Dienstag, 4. Februar 2020

An der alten Flakstellung....

Sondentyp: RS41-SGP
SN:R2820442
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 04.02.2020 00:00Z
Track wetterson.de
Landestelle: Tötensen, LAT, LON: 53.39543,9.91154, Google Maps
Status: geborgen am 04.02.2020 um 5:09 UT
Methode:GPS-Decodierung des Sondensignals am Boden



Diese Sonde landete am Morgen des 4.2. südlich von Hamburg. Ich bekam es erst nach der Landung mit. Laut Bremer Vorhersage sah das nach einer einfachen Bergung aus. Allerdings erscheint Tötensen eine schnelle Aktion vor der Arbeit etwas zu weit weg zu sein.

Ein Blick auf due HVV-App erlaubt eine etwas differenziertere Einschätzung. Denn die Bushaltestelle "Tötensen-Auf der Schanze" lag nur etwa 400m neben der Vorhersageposition entfernt. Würde ich inn 15 Minuten, also um 4:37 in die S-Bahn springen, wäre ich um 5:46 in Tötensen und könnte nach erfolgreicher Bergung um 6:20 wieder im Bus sitzen. Falls die Bergung länger dauert und ich erst den Bus um 7:02 erwische, wird allenfalls das Frühstück hektisch. Da geht was! Also schnell Sachen zusammenraffen und los!

Eine geometrisch regelmäßige Struktur auf Google-Maps ist auch auf der Open Streetmap verzeichnet. Auf einer Darstellung wird deutlich, dass es sich um die Reste einer Flakbatterie  aus dem 2. Weltkrieg handelt. Ob man da wohl ein paar mit Röhren bestückte Manöversonden aus brauner Vorzeit aufsammeln kann?

Am Bahnhof Harburg wechsel ich in einen Bus Richtung Buchholz. War es beim Aufbruch in Altona ruhig und sternenklar gewesen, geht jetzt ein heftiger Graupelschauer mit stürmischen Winden nieder. Als ich den Bus in Tötensen verlasse, leuchten schon wieder die Sterne.

Ein Feldweg führt Richtung Sonde. Links waren kurze Heckenabschnitte, aber immer wieder Zugänge zu den Feldern. Ich rechne fest damit, aus 200m Entfernung im Leuchtkegel den weißen DWD-Fallschirm zu sehen - aber da liegt nichts.   



Da hilft nur ein Empfangsversuch. Der ist zunächst erfolglos. War da einer schneller? Erst als ich die Moxon etwas hochhalte und besser ausrichte, ist da ein Signal - für 200m Distanz ist es immer noch erstaunlich schwach. Aber der Zilog-Decoder spuckt ein paar Frames heraus. Die Sonde liegt nur ca. 80m neben der erwarteten Position. Also rasch die Koordinaten in die Locus-App eintippen und los geht es Richtung Sonde.


Es geht über ein Wintergetreidefeld. In der fraglichen Richtung liegt kein weißer Schirm herum. Die Sonde befindet sich in einem Zwischensaatfeld. Ich bin nur noch 30m weg, 10m, 8m, 5m. Nirgends eine Spur - keine Schnüre, keine Schirme, keine Sonde. Aus zwei Metern Entfernung sehe ich etwas Weißes tief in der Vegetation liegen. Die Sonde.




Ich hangel mich an der Schnur entlang. Auch der Fallschirm und der zerfaserte  Ballonrest liegen tief im Gemüse.


Die Schnur aufrollend nähere ich mich wieder der Sonde. Das Paket wird zusammengepackt. Jetzt gilt es, den Bus zu erreichen.  Für die Erforschung der alten Flakstation fehlt eindeutig die Zeit. Es fängt wieder an zu regnen, und der eisige Wind macht mir zu schaffen. Als ich im Dauerlauf die Bushaltestelle erreiche, ist auch gleich der Bus vor Ort.









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Samstag, 1. Februar 2020

Meppener Sonde im Baum

Sondentyp: RS41-SGP
SN:P2310341
Frequenz: 405.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum: 28.01.2020 9:00Z
Track Bremen und eigene Daten
Landestelle: Brietlingen-Moorburg, LAT, LON: 53.31119, 10.46387, Google Maps
Status: Lokalisiert am 1.2.2020 durch Tawhiri-Prediction aus eigenen Daten; Baumlander, 20m hoch, von unten sichtbar


Diese Radiosonde landete nördlich von Lüneburg. Ich konnte sie vom Balkon aus bis in eine Höhe von 100m (GPS) empfangen. Eine korrigierte Tawhiri-Prediction ergab eine Landestelle in einem Wäldchen direkt am Neetze-Kanal. Am Samstag gab es noch keine Fundmeldung, und so brachten mich Bahn und Bus zur Busstation Brietlingen-Schierenweg und von dort aus das Faltrad zur Landestelle. Der rote Fallschirm hing etwa 12m hoch gut sichtbar im Baum.







Die straff gespannte Schnur verlief direkt zu einem Baum, der am Nordufer des Neetzekanals steht. Mit dem Fernglas konnte ich die Sonde in 20-25m Höhe hängen sehen und afokal per Handy fotografieren.











Vielleicht kann man die Verbindung zum Schirm mit der 15m Stange. trennen, möglicherweise kommt dann die Sonde schneller runter. Aber die Stange lag zuhause im Keller, und da lag sie gut. Hier war nichts weiter zu unternehmen.


Da an der Bushaltestelle nur alle 2 Stunden etwas fährt, bin ich mit dem Rad bis zur Regionalbahnstation Bardowick auf  bekannten Wegen gefahren.

Update 2.2.2220
Einen Tag später war ich mit der 15m Stange vor Ort. Es stellte sich heraus, dass der Fallschirm deutlich höher als 16m hoch hängt - die Sonde hängt noch viel höher. Ich konnte die Stange gerade so hoch stemmen, dass ich den Haken direkt hinter dem Schirm einhängen konnte. Es gelang mir, die Schnur zu kappen, aber nicht, den Schirm zu bergen - er hängt unerwartet extrem fest im Gezweig. Leider hat sich die Situation auf der Sondenseite nicht geändert. Die Schnur ist noch an etlichen Punkten verhakt.


 Etwas suboptimal ist, dass die Sonde direkt über der Uferböschung  des Neetzekanals hängt. Wenn sie einmal runterkommt, besteht die Aussicht, dass sie in den Kanal fällt und von der Strömung davon getrieben wird.



Update 15.2.2020
Nach dem Sturm "Sabine" war ich zur Kontrolle eines anderen Baumlanders in der Gegend und habe noch rasch eine Radtour Bardowick-Sonde-Bardowick drangehängt. Die Situation ist unverändert. Die Schnur ist bereits stark in Auflösung begriffen. Wenn die Sonde wirklich in den Neetzekanal fallen würde, wäre jetzt Rettung möglich. Denn wenige Meter stromabwärts ist eine Birke in den Kanal geweht worden, und daran würde die Sonde sich wahrscheinlich verfangen.


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Sonntag, 26. Januar 2020

Sonntagstour in neuen Gefilden

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3350184
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 26.1.2020 0Z
Timerkill: keiner
Track Bremen
Landestelle Altenmedingen, LAT LON: 53.139478,10.59724  Google Maps
Status: gefunden am 26.1.2020,13:01Z
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von wetterson.de


Der Hamburger Verkehrsverbund wurde im Dezember Richtung Niedersachsen erweitert. So gehören jetzt Cuxhaven, Uelzen, Bodenteich, Schnega (das liegt genauso weit weg von Magdeburg wie von Hamburg) zum HVV.  Einige ganz peripheren Zonen lassen sich allerdings nur mit speziellen Zeitkarten (für die Bewohner dieser Gefilde am Rande der Erdscheibe) erreichen - Normalmenschen brauchen doch ein Bahnticket. Aber am Wochenende darf ich mit meiner Abo-Karte den Gesamtbereich (!) ohne Aufpreis befahren und könnte sogar noch jemanden mitnehmen. Das habe ich heute erstmals ausgenutzt. Ich finde das ganz prima, denn diese Gegenden sind für eine Tour unter der Woche recht weit entfernt, aber am Wochenende eröffnet das neue Möglichkeiten.

Dieses Wochenende sind keine Landungen im Raum Hamburg angekündigt. Mitten in der Nacht zum Sonntag sehe ich zu meinem Erstaunen auf wetterson.de, dass die Bergener Mitternachtssonde offenbar in geringer Höhe geplatzt war und daher nicht bis weit nach Osten fliegt. Vielmehr ist sie gerade im Landeanflug auf den Raum Bienenbüttel / Bad Bevensen. Die Landung erfolgt in übersichtlichem Gelände. Normalerweise wäre mir das zu weit, aber angesichts des Wochendendes will die neue Regelung ausgenutzt sein. Ich überlege kurz, ob ich den Nachtzug, der kurz nach 2:00 losfährt, nehmen sollte für eine nächtliche Sondentour in die neuen Gefilde. Eine starke Taschenlampe habe ich ja...Aber ein gewisses Schlafdefizit fordert sein Recht. Man kann ja auch gegen 5 Uhr hinfahren, da würde die Sonde immer noch senden. Denn ungewöhnlicherweise ist dieses Mal der bundeswehrtypische Killtimer nicht aktiviert. 

Wieder ist das Schlafbedürftnis stärker. Also erst einmal ausschlafen - immerhin ist ja Sonntag. Und dann gemütlich lange spätstücken. Ein Blick auf Radiosondy - ist das Ding doch wohl hoffentlich inzwischen als gefunden gemeldet? Nö! Also wann fährt der nächste Zug? Normalerweise alle Stunde. Aber die Verbindung um 10:42 fällt heute wohl aus. Eine Stunde später, um 11:42 müsste ich die S-Bahn erwischen und könnte kurz vor 12 Uhr am Hauptbahnhof in den Regionalzug springen.  

Was kommt in den Rucksack? Google Earth zeigt keinen Baum weit und breit, und die Sonde ist bestimmt längst aus. Also können Stange und Empfangsgeraffel zuhause bleiben. Wichtig ist ein Fernglas, denn die Prediction ist nur begrenzt genau. Faltrad aus dem Keller holen und rein in die S-Bahn. Der Zug am Hauptbahnhof  lässt sich nur mit einem Sprint erreichen. Und dann rattert er los. Und diesmal über Lüneburg hinaus bis Bienenbüttel. Ich überlege kurz, ob die Radtour von Bad Bevensen aus nicht noch kürzer ist. Auch da gilt heute mein Ticket. Aber die etwas längere Strecke von Bienenbüttel aus sieht angenehmer aus.

Immer öfter erfolgt inzwischen meine typische Radiosonden-Radtour mindestens zum Teil auf  vertrauten Pfaden. Diesmal nicht. Völliges Neuland. Wichmannsburg und Edendorf erscheinen aus dem kalten, feuchten Nebel und gleiten vorbei.  Eine Brücke über den Elbe-Seitenkanal, dahinter kommt ein kleines Wäldchen. Da klingelt mein Handy. Rainer aus Heppenheim hat ein kleines Bildkalibrierproblem mit seinen Astrofotos. Bei meiner Telefon-Ferndiagnose fische  ich im Trüben, passend zu dem Nebelwetter.

Weiter gehts. Da vorne sind schon die Häuser von Altenmedingen, und dahinter muss die Sonde liegen. Natürlich verfranse ich mich im Dorf, bemerke meinen Fehler aber schon beim Ortsausgang. Und dann folgt der schon auf der Karte erwartete Feldweg. Der war wohl mal asphaltiert, aber jetzt ist Straßenbelag  eher "orginal Namibian taste". Links sollte gut sichtbar die Sonde liegen. Sehr übersichtliches Winterweizenfeld mit kurzem zarten Grün. Ein verdächtiges Objekt wird mit dem Fernglas inspiziert - irgendwas Landwirtschaftliches. Dafür stehen auf der anderen Wegseite ein Schwarm Dohlen und zwei Kraniche. 

Eine Treckerweg führt zweigt vom Feldweg ab und verläuft grob in die richtige Richtung. Das gefällt mir gut, denn aufgrund der Tawhiri-Karte rechne ich mit einer Landestelle etwas nördlich der Vorhersageposition - das wäre direkt auf diesem Pfad. Da liegt weit und breit nix. Aber der rötliche Knubbel  vorne links, der erscheint immerhin verdächtig. Ein Blick durchs Fernglas bestätigt: Fallschirm, Ballonrest. Yeah. Die Sonde ist tatsächlich nördlich geflogen, aber  200m kürzer als gedacht.  Alles im Rahmen der erwartbaren Genauigkeit. Der Rest ist einfach.









Einsacken, fertig. Zurück fahre ich diesmal nach Bad Bevensen, um noch einen neuen Weg kennenzulernen. Wieder stehen Kraniche auf den Feldern. Bad Bevensen kennt nur ein Thema: Den Kurgast. Der hält mich für ortskundig und frag mich nach dem Weg, als ich nach selbigem auf der Handykarte suche. Am Bahnhof läuft ein paar Minuten nach meinem Eintreffen der Zug nach Hamburg ein. 




Übersicht über alle Sondenfunde hier
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Mittwoch, 22. Januar 2020

Schleswiger Sonde bei Sievershütten


Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R2410258
Frequenz: 402.5 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 20.01.2020 12Z
Track  Bremen
Landestelle Sievershütten, LAT LON:53.845474,10.092685 Google maps
Status: geborgen am 22.01.2020, 15:50 UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach wetterson.de-Daten

Im Januar 2020 hatte ich anfangs des Monats beruflich viel zu tun und wenig Zeit zur Sondenjagd. Die Jagd auf  R2811026, die Norderney-Mittagssonde vom Samstag, dem 18.1.2020, war erfolglos. Zwar konnte ich das Objekt der Begierde vom Bahnhof aus empfangen und decodieren. Die Position erwies sich dann als die Linksabbiegerspur direkt vor einer Ampel. Offenbar sendete die Sonde aus dem Kofferraum des Finders (laut Radiosondy: DL6LAY), als der an besagter Ampel stand...😁

Diese Schleswiger Mittagssonde vom 20.1.2020 landete bei Sievershütten. Etwas schlecht erreichbar. Ich hatte an dem Tag keine Zeit, ebenso die üblichen Verdächtigen. Die Prediction war recht genau, denn Bernds Daten endeten in 146m GPS-Höhe. Offenbar ein freies Feld. Am 22.1. hatte ich ein wenig Zeit. Die Sonde war zwar noch nicht als gefunden gemeldet, aber da war das ungute Gefühl, dass die Sonde auf dem Präsentierteller lag. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Bauer, Spaziergänger oder Jäger das Ding einsammeln würde, zumal die Häuser des Dorfes Sieverhütten nur 250 Meter entfernt waren.

22.1.2020: Der freie Nachmittag bei gutem Wetter lädt zu einer Aktion ein. Also Faltrad schultern und rasch zur S-Bahn! 100m von meiner Wohnung entfernt ist erst einmal Schluss:



Leute, da fehlen Mitarbeiter! Schickt denen hier Eure Initiativbewerbungen als S-Bahn-Fahrer in der schönsten Stadt der Welt und bezieht Euch auf den obigen Screenshot aus dem HVV-Streckenagenten.

Immerhin erreiche ich trotzdem noch in Eidelstedt die AKN nach Henstedt-Ulzburg, weil die auch verspätet ist. Eine momentane mentale Fehlleistung führt dazu, dass ich bereits eine Station zu früh in Ulzburg-Süd aussteige. Als ich meinen Irrtum bemerke, sind die Türen schon zu. Kurz mal überlegen: Die nächste Bahn fährt in 15 Minuten; bis dahin bin ich auch mit dem Rad am eigentlichen Ausgangspunkt der geplanten Tour.  Von dort aus führen mich Locus und Brouter die 11km nach Sievershütten. Das Radeln auf der für norddeutsche Verhältnisse ziemlich hügeligen Route ist unerwartet nervig: Zum Teil muss ich im Berufsverkehr auf der Straße fahren, weil es keine Radwege gibt. Zwar sind das alles Nebenstraßen und Schleichwege, aber die Autos fahren auch hier Stoßstange an Stoßstange. Dennoch habe ich mich kurz nach Sonnenuntergang  bis zu dem Ackeraufgang durchgekämpft.

Aufgrund der einigermaßen zuverlässigen Prediction bleiben eigentlich nur zwei spannende Fragen: Auf welcher Seite des tiefen Grabens liegt  die Sonde? Und ist sie überhaupt noch da? 

Beide Fragen sind durch einfaches Betrachten des Winterweizenfeldes leicht zu beantworten. Denn da liegt eindeutig unübersehbar ein weißer Fallschirm nebst Ballonrest herum:

wie üblich: Anklicken für gößere Ansicht
 


Der Rest ist ziemlich einfach:




Diese Bergung ist fast schon unsportlich easy: Einsacken und nach Hause fahren. Im Prinzip könnte man mit dem Bus von Sieverhütten zurückfahren, aber der fährt erst in einer Stunde, und bis dahin bin ich auch mit dem Rad in Henstedt-Ulzburg. Der Rückweg im Dunkeln ist wegen der inzwischen normalen Verkehrslage wesentlich angenehmer als der Hinweg, außer dass mit Fernlicht fahrende KFZs auf dem  Radweg entgegen kommende Radfahrer wie üblich nicht als legitime Verkehrsteilnehmer betrachten und ich ein paar Male anhalten muss.


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