Dienstag, 4. August 2020

Sondenmagnet in Vögelsen

In Lüneburg habe ich mal eben schnell von der Firma Panasonic eine Radiosonde (R2320566 ) abgeholt. Sie war am Sonntag gelandet. Ich hatte auf den Anrufbeantworter gesprochen, sie hatten die Sonde unter dem Baum eingesammelt - die Schnur ging über den Baum - und mich mit der Frage "Sollen wir das wegschmeißen, oder wollen Sie die haben?" zurückgerufen.
Am Morgen ist bei Vögelsen auf einer freien Fläche die Bergener Morgesonde R2320582 gelandet. Die sendet jetzt natürlich nicht mehr. Die erste Bahnstation auf dem Weg von Lüneburg nach Hamburg ist Bardowick. Von dort sind es nur 3km bis zur Landestelle - und ich habe ja mein Faltrad mit.
Die Mittagessonde aus Bergen (R2320605) ist in der Luft und will im Auge behalten werden. Vielleicht landet sie auf dieser Seite der Elbe? Es stellt sich heraus, dass ihr Fallschirm verheerend schlecht funktioniert und sie in der Gegend, in der ich gerade unterwegs bin, herunterkommt. Als ich an der Landestelle der Morgensonde ankomme, ist die Mittagssonde nur 800m entfernt niedergegangen. Die Landestelle der Morgensonde liegt auf einem doppelt mannshohen Maisfeld. Das wird anstrengend. Wichtiger erscheint mir eine sofortige Aktion bei der frisch gelandeten Sonde!

Sondentyp: RS41-SGP
SN:   R2320605
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 3.8.2020 12Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Vögelsen, LAT LON: 53.299618,10.324543  Google Maps
Status: geborgen am 03.08.2020, 13:30 UT
Methode: GPS-Decodierung mit TTGO

Wieder brauche ich keine Prediction selber zu machen - ein Screenshot der Satellitenansicht kommt von Hein per Whatsapp. Die Landestelle kenne ich gut. In der Gegend habe ich diverse teilweise auch erfolglose Radiosondensuchen erlebt:

Zuletzt habe ich am  28.6. dort die Bergener Mitternachtssonde R2340071 eingesammelt. 200m entfernt hatte ich auch im November 2019 eine erfolglose Kaltsondensuche durchgeführt. Damals hatte ich mein Rad an ein Verkehrsschild angeschlossen. Das Schild tut heute wieder seinen Dienst.


Der TTGO lässt Koordinaten sprudeln. Die Sonde liegt wenige Meter im Maisfeld, allerdings stellt sich heraus, dass die Schnur über einen Knickbaum verläuft. Der Rest ist einfach....






 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2320582
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 3.8.2020 6Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Vögelsen, LAT LON: 53.300268,10.337678  Google Maps
Status: Nicht gefunden
Methode: Tawhiri Prediction aus Radiosondy-Daten


Nach der erfolgreichen Bergung geht es zurück zu dem Maisfeld mit der kalten Morgensonde. Das Resultat, nach dem Ablaufen einiger Treckerspuren: Sondensucher komplett gelb mit Maispollen.Weitere Erkenntnisse: Keine. Eigentlich verläuft die Schnur quer zu den Spuren, und ich müsste sie mehrfach gekreuzt haben. Ich habe speziell auf Maisfeldern die Erfahrung gemacht, dass die Sonden, sofern sie auf dem Boden liegen, auch nach der Ernte noch abgeholt werden können.

Egal, die Ausbeute an Bergen-Sonden der letzten Tage ist einigermaßen zufriedenstellend. Bin richtig froh, dass sich der Wind gerade dreht.



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Montag, 3. August 2020

Drei Bergener Sonden und ein Déjà-Vue-Erlebnis

2.8.2020 - ein Sonntag. Es lockt schönes Wetter, dazu noch Freie Fahrt mit dem Abo-Ticket im HVV Gesamtbereich: Die Mitternachtssonde aus Bergen veschlug es in einen Wald bei Neetze östlich von Lüneburg. Die Prediction lag am Rande einer wahrscheinlich eingezäunten Schonung. Die Morgensonde landete IN Lüneburg im Gewerbegebiet; vielleicht würde der Fallschirm aber von der Straße aus zugänglich sein. Ich beschließe hinzufahren. Vom Bahnhof Lüneburg aus radel ich zur Landestelle der Morgensonde.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R2320566
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 2.8.2020 6Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Lüneburg, LAT LON: 53.245564,10.461927  Google Maps
Status: geborgen am 3.8.2020 durch Mitarbeiter der Firma Panasonic, die mir die Sonde übergaben. DANKE!
Methode: GPS-Decodierung mit TTGO


Das Gelände gehört der Firma Panasonic. Durch den Zaun ist schnell die Schnur ausgemacht; nach der TTGO-GPS-Höhe liegt die Sonde am Boden.





Am Werkstor ist der Klingelknopf defekt. Die Telefonnummer des Sicherheitsdienstes ist angeschlagen. Leider ist niemand vor Ort, und der Typ von der Zentrale kann und will nicht helfen. Da ist erst einmal kein Rankommen. Bei der Firma Panasonic selbst geht nur ein Anrufbeantworter ran. Hier ist erstmal nix zu machen.


Also auf zur Mitternachtssonde! Eine Recherche mit der HVV-App ergibt, dass der Bus nach Neetze alle 2 Stunden fährt. Und der nächste in ein paar Minuten; er würde an der Schule, an der ich eben vorbeigefahren bin, halten. Also brauch ich die radwegfreie Strecke nicht zu radeln. Von Neetze aus bringt mich das Faltrad zur Landestelle. Obwohl die Sonde laut wetterson.de keinen Killtimer hatte, sendet nichts mehr. Und wie schon vermutet, stehe ich wieder mal vor einem Zaun.
Sondentyp: RS41-SGP
SN:   R2320560
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 2.8.2020 0Z
Timerkill: keiner
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Lüneburg, LAT LON: 53.286078,10.636859  Google Maps
Status: geborgen am 2.8.2020, 11:35UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy.info-Daten




Die Schonung erweist sich als Zwetschgenplantage. Allerdings liegt die nicht besonders genaue Prediction nur wenige Meter auf diesem Gelände. Ich gehe also im Wald und immer am Zaun entlang. Das abgesperrte Gelände ist gut einsehbar, da liegt auf den ersten Blick nichts. Ich hatte schon vermutet, dass es die Sonde etwas südlich der Prediction geweht hat - also in den Wald. Aber in den Bäumen um mich herum auch nach längerer Inspektion ist nichts zu erkennen.  Ich gucke mir die Daten in Radiosondy noch mal auf dem Handy-Display an. Eine Extrapolation ergibt eine Position 40-50m südlich von mir. Dort führt ein Weg durch den Wald, und ich muss nicht lange suchen. Direkt südlich vom Weg fällt sofort in einem von dichtem Unterholz umgebenen Bau ein Ballonrest auf. Da ist auch der rote Fallschirm.





Das Verfolgen der Schnur führt zur Sonde, die in einem Klumpen Ballorest in 3 Metern Höhe in einem Baum direkt am Wegrand auf den Ästen aufliegt.


Die Sonde wird eine leichte Beute für die 10m-Stange. An der Schnur kann ich den Ballonrest und den Fallschirm mit Seilmanövern befreien. Ich schlage mich durchs Unterholz und kann alles einsammeln.



Der ursprüngliche Plan ist jetzt, nach Lüneburg über Sülbeck zu radeln. Dort eine Baumlander-DFM nachkontrolliert werden. Ein kurzer Check auf wetterson.de ergibt aber, dass die Mittagssonde aus Bergen ggf. in meine Nähe kommt. Zurück in Neetze hat sich deren Landegebiet auf den Raum Büchen stabilisiert. Das ist nicht gerade um die Ecke. Aber da gibt es doch diese Regionalbahn, mit der man prima von Lüneburg nach Büchen kommt? Und der Bus von Neetze nach Lüneburg fährt in 10 Minuten! Also wird der Plan ein weng modifiziert.
Sondentyp: RS41-SGP
SN:   R2320577
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 2.8.2020 12Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Witzeetze, LAT LON: 53.463161,10.635098  Google Maps
Status: geborgen am 02.08.2020, 14:50 UT
Methode: GPS-Decodierung mit TTGO

Unterwegs erhalte ich von Hein die neueste Prediction der inzwischen gelandeten Sonde via Whatsapp. Welch ein Support. Danke nochmal! Die Position wird in Locus gehackt - und ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Sie liegt bei Witzeeze, am Ufer der Stecknitz, direkt am Elbe-Lübeck-Kanal. Nur 400m südlich habe ich vor 11 Tagen eine Bergener Sonde aus einem als Angelteich genutzten Baggersee gezogen. Den Weg kenne ich also schon: Über die Kanalbrücke, dann an besagtem Angelteich vorbei und ein paar hundert Meter nach Norden. Schon vor der Kanalbrücke kommt die Straße 700m an die Landestelle heran. Etwas alarmierend die Tatsache, dass ich dort kein Signal am TTGO sehen kann. Direkt vor den Uferwiesen der Delvenau habe ich aber Empfang.

Ein Blick auf die Karte ergibt, dass die Delvenau, ein schönes naturbelassenes Bächlein, im Weg liegt. Wahrscheinlich würde ich also den Zugang von der anderen Seite erkunden müssen. Aber es spricht ja nichts dagegen, mir die Sache von meiner Seite aus anzugucken, denn es handelt sich nur um wenige Meter. Und? Wie schon ihre Vorgängerin vor 2 Wochen schwimmt auch diese Sonde mit der Antenne nach unten im Wasser. Ein paar Prachtlibellen flattern um sie herum...




Die 10m-Stange tut wieder ihren Dienst, und Schnurzug erlaubt es mir, die Sonde und auch das komplette Gespann auf meine Seite des Baches zu befördern.

Zurück in Büchen bin ich angesichts der schwarzen Wolkenwand im Westen froh, dass es jetzt heimwärts geht.




UPDATE, 3.8.2020: Firma Panasonic ruft zurück! Ich kann den Ballon abholen! Wie toll ist das denn!
Ich bin dann am Nachmittag noch mal nach Lüneburg gefahren und konnte auf dem Rückweg eine weitere Bergener Sonde abfangen. VIELEN DANK an die freundlichen Bergungshelfer.


 
Und dank der freundlichen Hilfe der Firma Panasonic gibt es hier als Nachschlag doch noch das Foto aller drei Sonden. Ein echter Bergen-Hattrick, weil drei aufeinander folgende Sonden eingesammelt werden konnten.



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Dienstag, 28. Juli 2020

Kiesgruben, Spülfelder und DAS GRAUEN:

Drei Meppener Sonden steuerten heute das Grenzgebiet zwischen Hamburgs Südwesten und Niedersachsen an. Alle drei wurden von großräumigen Erdbewegungen bzw. deren Spuren magnetisch angezogen.
Es ging am Morgen mit R2330826 los

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R2330826
Frequenz: 404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum: 28.07.2020 5:00Z
Track Bremen/Polen
Landestelle: Spülfeld Moorburg-Mitte, LAT, LON ca.: 53.488084,9.926544, Google Maps
Status: Spüfeld eben.....

Die Sonde landete am Ende im weltberühmten Spülfeld Moorburg Mitte und gesellte sich zu ihrer Bergener Kollegin N1340567. Damals hatte ich dieses Foto aufgenommen....

Die nächste Sonde landete südlich von Buxtehude und Apensen. Ich stürzte mich also in den öffentlichen Nahverkehr und sollte es bald bereuen.

Sobald die Sommerferien ausbrechen, werden die sowieso bereits immer aktiven Baustellsperrungen so weit ausgedehnt, dass eigentlich nichts mehr geht. 3-4 gleichzeitige wochenlange Sperrungen zentraler Linien sind die Regel. Nach Buxtehude fährt eine S-Bahn alle Stunde. Und natürlich der allseits beliebte und proppenvolle Schienen-Ersatzverkehr. Das alles begleitet von der mehrsprachigen Durchsage "Tragen sie eine Maske und halten Sie Abstand".

Konkret läuft das heute so ab: Neugraben aussteigen, Bahnsteig wechseln. 12 Leute vor mir in der Schlange, alle mit schweren Rollenkoffern. Auch ich bin relativ bepackt. Die Rolltreppe ist natürlich defekt. Die Idee "In den Sommerferien kann man sowas ja machen, da sind ja alle verreist" ist selbst in der Pandemie kaum realisitisch, denn Hamburg ist ein Touristenziel, und die Menschen verreisen jetzt innerhalb Deutschlands. Warten warten warten. Buxtehude: Hier kann man normalerweise auf dem gleichen Gleis umsteigen. Heute aber nicht. Durchsage im anschließenden Regionalzug: "Aufgrund von Bauarbeiten fährt der Zug heute (und in den kommenden 4 Wochen) nur bis Harsefeld". Aber keine Bange: Es ist ja ein Ersatzverkehr.......Wer aus Richtung Bremervörde auf die Verbindung nach Hamburg angewiesen ist, muss sich wohl ein Auto kaufen.  Mich betrifft diese weitere Sperrung nicht - ich steige 2 Stationen vorher aus.

Eines steht fest: Mein Rückweg muss anders organisiert werden. Der Plan: "Sonde einsammeln, einen Baumlander in der Nähe kontrollieren, und dann zurück nach Apensen", hat sich ohnehin erledigt. Also radel ich ruhig und planlos Richtung Landestelle - wie entspanned das ist!  Angesichs der Zustände würde ich danach entscheiden, wohin der Rückweg geht: Nach Tostedt oder nach Neugraben - vierfache Strecke, aber egal. 


Auf meinem Handy kommen ständig Nachrichten aus der Gruppe an. Sicher dreht es sich um die in der Luft befindliche dritte Meppener Sonde. Die dürfte bei Zeven runterkommen, wahrscheinlich leichte Beute für Rainer. Das Handy piept immer häufiger. Die Neugier siegt. Anhalten und nachgucken, was da los ist. Ooops, die nächste Sonde fliegt nicht nach Zeven, sondern  viel weiter. Sie steuert einen Landeplatz 10km östlich von mir an. Eine nette Prediction haben die Kollegen auch schon beigelegt.

Erst einmal die erste Sonde abfrühstücken und dann die neue Lage analysieren. Aus 300m Distanz ist das Signal im TTGO decodierbar. Auf dem Feldweg zur Landestelle stehen große Beregnungsanlagen. An denen werkelt ein freundlicher Landwirt. Der wird über mein Ansinnen informiert und lässt mich machen. Die Sonde liegt auf  freiem Feld am Rande einer großen Sandgrube.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:   R2330827
Frequenz: 405.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum: 28.07.2020 8:00Z
Track Bremen/Polen
Landestelle: Goldbeck bei Apensen, LAT, LON ca.: 53.393471,9.626965, Google Maps
Status: Geborgen am 28.7.2020, 12:37 UT
Methode: Decodierung des Sonden-GPS per TTGO






Nach der Bergung muss ich ihm die Sache gründlich erklären. Er hat früher schon mehrfach auf seinem Land Radiosonden gefunden, die aber anders aussahen. Offenbar RS92. Wir kommen auf die Metalldetektoren in den Erntemaschinen zu sprechen. Er klärt mich darüber auf, weshalb man die benötigt, und zwar nur für Maisfelder.
Es gibt militante Ökofuzzis, die vernünftigerweise etwas gegen den flächendeckenden Maisanbau haben. Diese hier sind aber von der garstigen Sorte und stellen Stahlstangen ins Maisfeld, mit dem Ziel, die sündhaft teuren Erntemaschinen zu schrotten. Also rüstet der wackere Landwirt mit Metalldetektoren nach. Wieder was gelernt: Da draußen ist Krieg.
 
Nach diese aufschlussreichen Gespräch muss dringend die Lage gepeilt und ein Plan gemacht werden. Die dritte Radiosonde hat sich nämlich eine total grauenhafte Landestelle ausgesucht.
Wenn man Heins Prediction traut, liegt die Landestelle wiederum gleich neben einer Kieskuhle, und wiederum auf freiem Feld. Die von Locus/Brouter  vorgeschlagene Strecke liegt unweit des angedachten Rückwegs nach Neugraben, wo die S-Bahnen normal verkehren. Den Ausflug zur Waldsonde streiche ich für heute. Damit ist die herrlich planlose Phase der Tour vorbei. Auf geht es.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:R2340303
Frequenz: 404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum: 28.07.2020 11:00Z
Track Bremen/Polen
Landestelle: Grauen, LAT, LON ca.: 53.408157,9.748815, Google Maps
Status: Geborgen am 28.7.2020, 14:07 UT
Methode: Decodierung des Sonden-GPS per TTGO

Diese Sonde kann ich schon aus 1000m Entfernung decodieren. Sie liegt in Wahrheit nicht auf freiem Feld, sondern hängt in 3m Höhe in einem Baum direkt am Rand der Kiesgrube.




Die Schnur geht über 3 Baumwipfel, und der Fallschirm hat sich am Boden an einem Stock verhakt

Ich schneide den Schirm ab, was dazu führt, dass auf der anderen Seite die Sonde zeitlupenartig zu Boden sinkt. Die Teleskopstange kann diesmal eingepackt bleiben.


Die Schnur ist nur teilweise abgewichelt





Das Grauen hat ein Ende:


Die Straße kommt mir seltsam vertraut vor. Tatsächlich hatte ich sie schon einmal passiert, und zwar mitten in der Nacht auf der Fahrt zu einer Bergener Radiosonde. Deren Landestelle lag nur 600m von der heutigen entfernt. Nun geht es dann über Neu-Wulmstorf nach Neugraben, von wo aus die Heimat bequem per S-Bahnen erreichbar ist.

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Dienstag, 21. Juli 2020

Sonden angeln im Angelteich

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R2411321
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 20.07.2020 6Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Witzeetze, LAT LON: 53.459976, 10.63215  Google Maps
Status: geborgen am 21.07.2020, 11:50 UT
Methode: Tawhiri-Prediction aus Radiosondy.info-Daten

Diese Sonde landete am Morgen des 20.7. im Bereich des Elbe-Lübeck-Kanals südlich von Büchen. Die Daten aus Uetersen zeigen die Sonde bis in 198m GPS-Höhe. Als tags darauf noch keine Fundmeldung vorliegt, gucke ich im Öffii-Faltrad-Stil nach. Der Kanal wird von einer Reihe von Kiesseen flankiert, die heute als Angelteiche benutzt werden. Direkt an einem dieser Teiche befindet sich die Landestelle. Ich erkläre den anwesenden Anglern, weshalb ich da bin und mache mich auf die Suche. Die Angler wünschen mir viel Glück. 

Die Uferbereiche sind von hohen Bäumen und undurchdringlichem Unterholz bewachsen. Überall singen Pirole. Wenn die Sonde hier liegt, wird man wohl nach dem Laubfall wiederkommen müssen. Nach einiger Zeit der erfolglosen Suche gehe ich einen Weg am Nordrand des Sees entlang. Von einer Stelle aus kann man die Front der Bäume an Ufer betrachten. Ich scanne sie mit dem Fernglas ab - nichts. Aber da schwimmt ein kleines weißes Objekt auf dem Wasser, unweit des Ufers.

Eine Inspektion vor Ort bestätigt den Verdacht:





Kommt man vom Ufer aus an den Fallschirm heran? Das genauer zu erfahren, erfordert die Kommunikation mit weiteren Anglern. Auch die sind supernett und wünschen mir viel Glück. Wenn ich mit der Stange nicht rankäme, würden sie einen Drillingshaken einwerfen.

Der Schirm hängt oben in einer hohen Birke. Ich kann die Sonde mit der 10m-Stange aus dem Wasser fiscben, aber leider reißt die Schnur beim Versuch der Bergung der Ballonreste und des Schirms.






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Donnerstag, 16. Juli 2020

Finkenriek

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R1320653
Frequenz: 402.5 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 16.07.2020 0Z
Timerkill: Keiner
Track  wetterson.de und radiosondy.info
Landestelle HH-Wilhelmsburg,  LAT LON: 53.47784,10.00236 Google maps
Status: geborgen am 16.7.2020, 04:44 UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach Daten von radiosondy.info (danke, Kurt)

Man lernt immer neue Gegenden kennen. Finkenriek war mir bisher kein Begriff. So heißt der südlichste Teil des Hamburger Stadtteils Wilhelmsburg. Dort landete die Nachtsonde aus Schleswig.  Ich kriegte das erst am frühen Morgen mit. Kurt aus Uetersen spielt ja seine extrem guten Daten in Radiosondy.info ein. Die Prediction war sehr gut; es war klar, dass die Sonde auf der Auffahrt eines Einzelhauses liegt. Also spring ich mit Faltrad in die S3 und bin in 20 Minuten in Wilhelmsburg. Durch Wohngebiete radel ich zur Landestelle. Auf der Auffahrt liegt die RS41. Die Schnur verschwindet über einem Dach.


Der Grundstücksbesitzer hat nichts dagegen, dass ich mich darum kümmer. Leider hängt der Fallschirm auf dem Nachbargrundstück verhakt in einem Busch. Da dort niemand wach zu sein scheint, habe ich mich dann als Sondenabschneider betätigt, aber ca. 90% der Schnur mitgenommen. Die Gartenbesitzer werden keine Probleme mit der Entsorgung haben.

Leider habe ich irgendwie vergessen, Fotos zu machen, da ich dem Besitzer das ganze natürlich erklären musste.

Auf dem Rückweg werden noch Brötchen gekauft und vor der Arbeit ein Kaffee gekocht.






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Eier und Sonden von Schoer

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2540440
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID:10141) 
Flugdatum: 15.07.2020 12:00Z
Track wetterson.de und radiosondy.info
Landestelle  Sasel, LAT,LONG = 53.629803,10.313122, Google Maps.
Status: Geborgen am 15.7.2020, 14:58 Z



Ich komme aus Schmalenbeck (- nein, das ist was anderes als Großhansdorf). Das Nachbardorf heißt Siek. Beim Frau Schoer kauften meine Eltern, als ich so 6 Jahre alt war, frische Eier.

Diese Radiosonde drehte ein paar Kreise über meiner Heimat, hätte es aber wohl normalerweise bis Linau geschafft, wo Jürgen sie erbeutet hätte. Dann stürzt sie aber rasend schnell ab und schlägt in Siek ein, gleich südlich vom Hof Schoer. Das Ding ist inzwischen ein Reiterhof, und die ganze Gegend südlich der Wandsequelle ist jetzt ein Golfplatz... Naja, der Nicht-Radiosondenjäger aus der Stadt langweilt sich eben und will auf dem Land bespaßt werden.

Also hin. Ich steige Kiekut aus der U1. Und dann fahre ich zu Schoer. Mein Handy-GPS brauche ich irgendwie so gar nicht.

Dennoch erweist sich das Heimspiel als schwieriger als erwartet. Die Idee, einfach den mir bekannten Feldweg westlich vom Hof Schoer herunterzulaufen und dann durch das mir bekannte Wäldchen zur Sonde vorzustoßen, kann man vergessen. Denn das Wäldchen ist jetzt ein komplett undurchdringliches Urwäldchen. Ich bin nur 200m von der Sonde weg, aber komme nicht ran.

Also zurück. Auf dem Schoer-Gelände rennt ein Mädel rum. Einen Weg auf das Gelände gibt es nicht, alles elektromäßig abgezäunt. Sie rät mir, beim Hof zu fragen.

Der Schoer-Hofbesitzer würde mich auch sofort auf sein Gelände lassen, aber das wäre zu einfach. Guckt auf die Karte und bestätigt, dass das schon auf dem Rapsfeld seines Nachbarn liegen muss. Das hatte ich befürchtet.

Ich bedanke mich herzlich bei den Nachfahren der Eierverkäuferin und mache mich auf den Weg. Auf das Gelände muss man von der Straße nach Großensee kommen. Gottseidank führen Treckerspuren direkt zur Landeposition, und die Schnur liegt oben auf dem Raps auf. Die Treckerspuren gabeln sich praktischerweise sogar - eine geht zur  Sonde, die andere zum Fallschirm.



Am Ende der Schnur ist die Sonde gut versteckt.



Auf der Schirmseite sieht das ganze so aus:



Die Schnur lässt sich einholen auf aufwickeln. Es ist erstaunlich, dass sich der Schirm nicht geöffnet hat. Denn normalerweise findet an einen original zusammengefalteten Schirm bei den DWD-Sonden vor allem dann, wenn er einfach nicht aus dem Ballon herauskommt, weil der Ballonrest ihn daran hindert. Hier gibt es aber keinen Ballonrest.




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Mittwoch, 15. Juli 2020

Slalomlauf um eine Rotte Wildschweine

Sondentyp: RS41SGP
SN:R1840651
Frequenz: 403.0 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 14.07.2020 6:00Z
Track  Radiosondy
Landestelle LAT LON: 53.829151,10.361931  Google maps
Gefunden am 14.07.2020 11:00UT
Methode: GPS-Decodierung der gelandeten Sonde (TTGO)

Am 14.7.2020 lamdete die Pinneberger RS41 R1840651 unweit von Bad Oldesloe bei Altfresenburg. Als niemand sonst eine Suche plante, habe ich mich zu einer schnellen Tour entschlossen und bin mit dem Regionalzug nach Bad Oldesloe gefahren. Von dort brachte mich das Faltrad wie üblich Richtung Landestelle.  Altfresenburg ist ein altes Herrenhaus; am Ortsausgangsschild wurde das Rad angeschlossen.




Die Landestelle lag auf einem riesigen Feld. Die linke Hälfte war Weizen, die rechte bereits mehr als mannshoher Mais. An der Grenze beider Felder bin ich dann Richtung Sonde gestiefelt. Irgendwelche Tiere liefen aus dem Mais in den Weizen. Beim Näherkommen stellte sich heraus, dass es  4 oder mehr Wildschweine waren, die ihre Mittagsmahlzeit im Weizen einnahmen. Ich kam gegen die Windrichtung, und sie ließen sich überhaupt nicht stören, obwohl ich nur 30 Meter entfernt stand und auch keineswegs geräuschlos war. Erstaunlich war, wie viel Weizen so ein Schwein innerhalb kurzer Zeit wegfressen kann.

Ich habe dann doch lieber einen Bogen um die Rotte gemacht und mich ins Maisfeld verdrückt. Ein paar Meter weiter boten eine Treckerspur und ein Zwischenfruchtstreifen besseres Vorankommen. An einem hohen Baum ging es dann weiter durchs Maisfeld in Richtung Landeposition. Der TTGO decodierte die Position erst aus kurzer Distanz. Das war aber nützlich. Direkt an der Landestelle war nichts zu erkennen. Ich ging also auf Tauchstation; unter dem Blätterdach hat man bessere Sicht, und da lag die Sonde.





Typisches Pinnebergsetup: Roter Ballon, kein Fallschirm, kein Label, Kabelbinder.


Die Rückfahrt nach Oldesloe ging durch den Regen. Inzwischen hatte mich Bernd gewhatsappt: "Bleib doch gleich da, die nächste Sonde ist unterwegs". Tatsächlich flog da eine Pinneberger DFM09 Richtung Bad Segeberg. Eigentlich hatte ich am Nachmittag noch etwas zu erledigen und nach hinten raus wenig Zeit. Also beschloss ich, nicht zur Sonde zu fahren. Am Bahnhof stand aber abfahrbereit der Zug nach Bad Segeberg. Hmmm. Als dann aber wegen einer Weichenstörung sich die Abfahrt meines Zuges nach Hamburg immer weiter verzögerte, habe ich mich umentschieden.

Sondentyp: DFM09
SN:19031884
Frequenz: 402.0 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 14.07.2020 11:00Z
Track  Radiosondy
Landestelle LAT LON: 53.944889,10.388771  Google maps
Gefunden am 14.07.2020 13:28UT
Methode: GPS-Decodierung der gelandeten Sonde (TTGO)



Die Landestelle lag nicht weit von Segeberg bei dem Dörfchen Schieren. Und dort lag die Sonde abholbereit auf der Grenze zwischen einem Acker und einem Privatgrundstück...




Ich wollte eigentlich den Zug um 17:03 in Segeberg bekommen. Jetzt, wo die Sondenbergung so schnell funktioniert hatte, hätte ich auch den Zug um 16:03 erwischen können. Das hätte auch fast geklappt, aber einmal habe ich mich in Segeberg verfranst. Und am Bahnhof war dann die Schranke bereits zu. Ich konnte dort länger warten und dann den Zug davonfahren sehen. So hatte ich eine ganze Stunde Zeit auf dem Bahnhof zur Dokumentation der Funde. Zum Ausgleich erwischte ich einen direkten Zug nach Hamburg, der mich innerhalb einer Stunde nach Hause brachte.




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