Montag, 20. April 2026

Letzte Gelegenheit: Radiosonden bei Unterlüß

Unterlüß liegt ziemlich weit weg von Hamburg. Wie man es auch aus der Göhrde kennt, werden auch die undurchdringlichen Wälder der Südheide von vielen Radiosondensammlern eher gemieden. Und wie in der Göhrde erlaubt der Tower in Zernien seit einiger Zeit präzise Lokalisierungen der Landestellen. Also hat es mich in der Vergangenheit mitunter dorthin verschlagen. Und derzeit haben sich auf meiner Liste eine Reihe von Sonden angesammelt, denen man einmal nachstellen sollten. Die Dringlichkeit wird gesteigert, weil allmählich das Laub sprießt, was in absehbarer Zeit die Suche in den Baumwipfeln erschweren dürfte. 

Und meine Anreisemethode mit Bahn und Rad wird demnächst auch nicht mehr möglich sein. Denn ab Mai führt die Bahn eine Qualitätsoffensive durch. Das Lexikon Bahnisch-Deutsch, Deutsch-Bahnisch bietet folgende Übersetzungen an: 

Q

Qualitätsoffensive (die): Chaos (das), Stress (der, pur), Ersatzbus-Terror (der), Gratis-PR für Autohäuser (die).

Konkret wird gesamte Strecke jenseits von Lüneburg bis Celle für (mindestens) 10 Wochen gesperrt - übrigens zur Vorbereitung einer kommenden Generalsanierung, die die Einstellung des Verkehrs auf der Strecke Hannover-Hamburg für mehr als 9 Monate bedeuten wird. Daher sollte man die Kaltsonden der Region südlich von Lüneburg noch im April angehen. 

Am Sonntag komme ich erst recht spät los, so dass ich erst um 15:30 den Bahnhof Unterlüß erreiche. Die Anfahrt ist unerwartet stressfrei, weil der Zug abweichend nicht nur bis Uelzen, sondern sogar bis Göttingen durchfährt und somit ein Umsteigen in Uelzen entfällt. Ich werde bis Sonnenuntergang ein paar Landestellen abklappern und danach den Bahnhof Eschede oder Unterlüß ansteuern. Ich checke routinemäßig die Bahn-App, um von vornherein zu wissen, wann die stündlichen Züge zurückfahren. Ooops! Heute verkehrt der letzte Zug in die Heimat tatsächlich bereits um 20:24. Gut zu wissen! An einem Sonntag, wo viel Rückreise-Verkehr tobt, wird das die Reisepläne etlicher Bahnkunden durchkreuzen! Also streiche ich zwei nicht übertrieben chancenreiche Sonden von meiner Liste und konzentriere mich auf die restlichen drei.  Eine hängt nur 1,5km entfernt im Baum, gleich am Ortsrand von Unterlüß und direkt am Weg. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U3250253
Produktionsdatum: 2022-12-18
Frequenz: 405.9 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 16.2.2026 (8:00Z)
Track
wettersonde.net/sondehub

Maximale Höhe:
 6969m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.3 m/s

Landegeschwindigkeit:
 4.4m/s

Landestelle: Unterlüß, 
LAT, LON: 
52.83559,10.2808 Google Maps
Status:
nicht geborgen, lokalisiert am 19.4.2026, 14:21 UT, Fallschirm geborgen
Methode:
 Decodierung der gelandeten Sonde via Tower

 Diese Sonde war am 16.2.2026 gegen 8:00 geflogen. Morgenflüge aus Bergen gab es früher täglich, sind aber heute selten. An dem Tag gab es gleich 2 Sonden dieser Art. Dies war die zweite, die auf der Bergener Ersatzfrequenz sendete und keine 7km Höhe erreichte. Der Tower speiste die Daten damals bereits direkt nach wettersonde.net ein. Mir gelang es zusätzlich, ein paar Frames aus dem Tower-Signal zu decodieren und dadurch sogar die Position der gelandeten Sonde zu ermitteln. Rechnerisch hing sie 15m über dem Boden. Das Signal war aber recht schwach, und so weit ist der Tower nicht von Unterlüß weg. Und so hoffte ich, dass die Sonde vielleicht in Wahrheit ein gutes Ziel für meine Teleskopstange abgeben würde. 

Als ich ankomme, checke ich die infrage kommenden Bäume: Auf den ersten Blick ist da nichts zu entdecken. Am Boden darunter liegt auch nichts. Auf der anderen Wegseite glänzt nahe am Boden ein Gegenstand im Buschwerk - es ist der Fallschirm. Die Machart erinnert an eine Manöversonde - roter kleiner Ballon, aber eben mit RS41 statt mit einer DFM. 


 

 

So etwas hatte ich schon einmal erbeutet. Die Schnur verschwindet in einer hohen Fichte. Im Feldstecher kann ich in deutlich mehr als 25m Höhe die Sonde entdecken. 

Vorsichtiger Schnurzug erweckt nicht den Eindruck, dass die Sonde frei an einer durchgehenden Schnurverbindung hängt. Ich kappe erfolglos die Schnur per Teleskopstange und Schneidetool in der Hoffnung, dass das gute Stück trotzdem herunterkommt.  Ansonsten kann ich hier nicht viel machen und muss auf die Herbststürme hoffen. Ich berge den Schirm, packe die Sachen und fahre zurück nach Unterlüß. 

 Die mir bekannte Unterführung bringt mich auf die andere Seite der Bahntrasse. Auf der Straße nach Weyhausen genieße ich mal wieder den schlechtesten Radweg Norddeutschlands. Obwohl er asphaltiert ist, bietet die (denkmalgeschützte?) verwitterte originale Bausubstanz von 1960 den Komfort eines Feldwegs. Nach ca. 6km geht des links in eine als "Daller Weg" bezeichnete Waldspur. Die ist deutlich besser befahrbar als der Radweg an der Straße. Dann geht es rechts zur Landestelle der Sonde. Ein nicht eingezeichneter Weg bringt mich sogar bis 80m an die Landestelle heran. 

Ich hatte damals die Endphase des Fluges mit dem Zernien-Tower-SDR mitgeschnitten. Es war nach der Landung nur ein schwaches Signal erkennbar, das man nicht decodieren konnte. Da der Turm sehr hoch ist und Zernien nicht so weit entfernt liegt, kann man eine hoch im Baum hängende Sonde im Raum Unterlüß ohne weiteres mit etwas Geduld decodieren.  Daher ist eine bodennahe Position zu erwarten.

Sondentyp: RS41-SGP
SN: 
V1220835
Produktionsdatum: 2023-3-21
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 6.3.2026 (18:00Z)
Track
wettersonde.net/Tower

Maximale Höhe:
 24933m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.54 m/s

Landegeschwindigkeit:
 11.4m/s

Landestelle: Weyhausen, 
LAT, LON: 
52.82942,10.38798 Google Maps
Status: GEBORGEN am 19.4.2026, 15:42UT 
 

Methode:
 Extrapolation von Tower-Daten
 

Ich stelle das Rad ab und laufe auf die von Kiefern und niedrigen Fichten bewachsene Landestelle zu.  Die Sonde liegt wie erhofft am Boden. 





Sie ist von Wildschweinen angeknabbert:

 


 

Offenbar haben die Tiere die Sonde abgerissen. Aber wenige Meter entfernt hängt ein Schnurstück lose vom Baum. Mit dem Fernglas kann ich 30m hoch in einer Kiefer Ballonrest und Schirm erkennen. Auf Schnurzug folgt Schnurriss. Ich wickle den größeren Teil der Leine auf einen Holzpflock auf und kann sie so aus der Umwelt entfernen.

 

 

 

Was mach ich jetzt? Angesichts der späten Uhrzeit und des Bahn-Problems stellt sich vor allem die Frage: Reicht die Zeit zur Bergung der dritten Sonde und zur rechtzeitigen Rückkehr zu einem Bahnhof? Ich möchte nicht in der Südheide stranden. Wenn die Wege gut sind, und wenn die Suche nach der Sonde wenig Zeit erfordert, sollte es knapp ausgehen. Am Ende siegt Optimismus über Vernunft.

Denn nach einigen 100m sind die Wege schlecht. Und sie werden im Laufe der folgenden 4km immer schlechter. Teilweise kann ich nur schieben, zweimal muss ich das Rad sogar tragen. Das kostet Zeit. 16-Zoll-Räder sind für so eine Strecke suboptimal. Immerhin wäre ein Wanderer insgesamt etwas langsamer unterwegs. Irgendwann bin ich da. Vom Waldweg zur Sonde sind es wiederum nur 80m. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: 
V1110349
Produktionsdatum: 2023-3-13
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 24.9.2025 (00:00Z)
Track
wettersonde.net/Tower

Maximale Höhe:
 33097m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.6 m/s

Landegeschwindigkeit:
 5.6m/s

Landestelle: Weyhausen, 
LAT, LON: 
52.80595,10.41521 Google Maps
Status: GEBORGEN am 19.4.2026, 16:56UT 
 

Methode:
 Extrapolation von Tower-Daten
 

Diese Sonde ist am 24.9.2025 geflogen. Auch hier gelang nach der Landung keine Decodierung, was wieder auf eine bodennahe Position schließen lässt. Also nehme ich wieder keine Ausrüstung mit. Sonde am Boden einsammeln und dann gleich weiterfahren, ist das Motto der Stunde. Zeit habe ich eh keine. Da stehen allerlei Fichten und Kiefern im Landegebiet, viel Holzabfälle liegen herum. Wo ist die Sonde? Und dann sehe ich sie 4-6m über mir im Baum pendeln! Damit habe ich jetzt nicht gerechnet! 

 Also zurück zum Rad, die Stange holen. Derart ausgerüstet ist die Bergung reine Formsache. 


 

An der Sonde hängen nur wenige Meter Schnur. Ich kann den Fallschirm und übrige Reste nicht entdecken, suche aber angesichts des Zeitmangels auch nicht lange danach. Lieber laufe ich zurück zum Rad und mache mich reisefertig.

Bis zur Straße sind es nur wenige Meter. Der exzellente Radweg der Straße nach Eschede und Celle ist erreicht. Es geht überwiegend bergab und ich komme mit dem Rad erstmals seit längerer Zeit bequem und schnell voran!

Bei Weyhausen zweigt die kürzere Verbindungsstraße nach Unterlüß ab. Ich weiß ja, dass deren Radweg schlecht ist, aber der Weg ist 4km kürzer als der nach Eschede. Wahrscheinlich würde der Umweg kaum Zeit kosten und Kraft sparen. Ich halte den direkteren Weg aber für besser, zumal der letzte Zug nach Hause in Unterlüß ein paar Minuten später fährt. Also trete ich massiv in die Pedale.  

Unterwegs checke ich die Bahn-App, ob vielleicht der Zug um 20:24 heute Abend zu guter Letzt auch noch ausfällt.  Erstaunlicherweise wird jetzt sogar eine Verbindung eine Stunde später wieder angezeigt. Das ist eine entspannende Information: Die Heimfahrt ist im worst case gesichert. Kurz vor 20:00 bin ich nach problemloser Radfahrt auf dem Bahnsteig in Unterlüß, und es beginnt wenig später eine ebenso glatte und angenehme Heimfahrt.

 


 

 

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Dienstag, 14. April 2026

Sondenschwall aus Bergen

Im Frühjahr 2026 hatte ich etwas Pech mit den Sonden. Kontrollierte Baumlander hingen standhaft im Baum. Man fährt 40km bei strammem Gegenwind durch die Göhrde, besucht 4 Sondenlandestellen. Drei sind einfach weg, eine hängt 20m hoch im Baum. Man fährt zur Sonde, und ein neuer, unbekannter Sondenjäger ist schneller.

Am Morgen des 13.4. startet der Truppenübungsplatz Bergen eine DFM17. Eine Manöversonde kommt selten allein, und tatsächlich starten die Sonden im Stundentakt. Es ist klar, dass sie den Großraum Hamburg ansteuern. Die ersten Sonden landen in Stormarn - eine am Ortsrand von Sandesneben, die nächste mitten in Lütjensee. Ich kann mich arbeitsbedingt erst am frühen Nachmittag ins Getümmel stürzen. Mein erster Impuls ist ein Tripp zu meinem Zweitwohnsitz in Schmalenbeck - von dort böte sich eine Autofahrt an. Als ich mich loseisen kann, landet gerade eine Sonde in Oststeinbek, mitten in einem Gewerbegebiet. Sowas erfordert schnelles Handeln, und ich ändere meinen Plan. Vielleicht sollte ich erst einmal ein Faltrad schnappen und einen kurzen Tripp dorthin starten und danach nach Schmalenbeck aufbrechen?

Sondentyp: DFM17
SN: 
23(243)053737
Produktionsdatum: 31.8.2023
Frequenz:
403.8 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Truppenübungsplatz Bergen
 (WMOID:-)
Flugdatum:13.04.2026 10:52L
Track : wettersonde.net
Maximale Höhe: 13358m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 6.26
m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.8 m/s
Landestelle: Oststeinbek, LAT, LON: 
53.54966,10.15334, Google Maps
Status: Geborgen am 13.4.2026, 12:17UT, Stangenbergung aus von Hallendächern
Methode: Empfang des GPS-Signals nach Landung mit TTGO
 

Gedacht, getan. Von der U-Bahn-Station Steinfuhrter Allee sind es keine 2km bis zur Landestelle. Die Sonde sendet noch. Auf dem Rand eines Hallendachs einer Firma liegt die Sonde - unsichtbar von unten. Ein Angestellter fragt mich gleich, ob er was helfen kann. Er holt seinen Chef, der gibt mir das Go für eine weitere Suche. Genauere Betrachtung der Lage ergibt, dass die Schnur von dem Dach über einen Baum auf das Hallendach der Nachbarfirma verläuft, wo - ebenfalls unsichtbar - der Schirm liegen muss. Besonders hoch ist das alles nicht. So kann ich  die Schnur mit der Teleskopstange einhaken und die Sonde über die Dachtraufe heben. Der Rest ist einfach. 

 

Unter der Anfeuerung einiger Firmen-Angestellten gelingt es, durch Schnurzug den Fallschirm von dem anderen Firmendach zu befördern...






...
...und dann mit der Stange ebenfalls zu bergen. 

Was  macht man nun? Erst einmal mit der U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof. Dort könnte ich in die U1 nach Schmalenbeck umsteigen. Ich entscheide mich anders, denn die reguläre RS41 aus Bergen landet gerade im Raum Aumühle. Also steige ich in die S-Bahn, und auf geht es wieder nach Osten.

So ein Manöversondenschwall hat seine eigene Dynamik. In der S-Bahn habe ich etwas Muße, mir die Lage auf den Internet-Seiten genauer anzuschauen. Was ist das? Da ist gerade eine weitere DFM17 direkt südlich der Autobahn A25 bei Allermöhe heruntergekommen! Meine S-Bahn fährt gerade nördlich daran vorbei!  Wie kommt man schnell zur Landestelle? Mit dem Rad vom Bahnhof "Mittlerer Landweg" aus! Das ist die Station, an der die S-Bahn gerade hält! Sofort die Sachen zusammengerafft und ausgestiegen.

Sondentyp: DFM17
SN: 
21(342)069256
Produktionsdatum: 8.12.2021
Frequenz:
403.47 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Truppenübungsplatz Bergen
 (WMOID:-)
Flugdatum:13.04.2026 13:32L
Track : wettersonde.net
Maximale Höhe: 17366m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.61
m/s 
Landegeschwindigkeit: 7.6 m/s
Landestelle: Allermöhe, LAT, LON: 
53.49019,10.10203, Google Maps
Status: Geborgen am 13.4.2026, 14:30 UT
Methode: Empfang des GPS-Signals nach Landung mit TTGO
  


Die Radfahrt ist etwas nervig. Die ganze Gegend ist aufgrund der Nähe zur Autobahn von Logistikunternehmen zugebaut, und riesige LKW-Gespanne machen es dem Radfahrer nicht ganz einfach. Der Weg zur einzigen Unterführung unter der Autobahn und über den angrenzenden Moorfleeter Sammelgraben führt nur wenige hundert Meter an der Landestelle vorbei. Ich halte rasch einen TTGO in die Luft und kann tatsächlich die Landeposition ermitteln.

Auf der anderen Seite schließe ich mein Faltrad an. Ein auf den Karten nicht verzeichneter Fußweg führt direkt am Sammelgraben entlang und wird vor allem von Reitern genutzt.


 



Nach 800m kann ich auf der trockenen Weide die Sonde einsammeln. Das ist insoweit bemerkenswert, als dass der Bot von Radiosondy mal wieder meint:



VERLOREN

: Probably lost in the water [BOT]AUTO-STATUS...



Die Schnur ist kaum vom Abroller abgewickelt, und daher liegen die Einzelkomponenten des Gespanns ziemlich auf einem Haufen.





 

 

Mit dem Rad bin ich schnell zurück am S-Bahnhof und kann meine Tour nach Aumühle fortsetzen. Allmählich wird das ein Wettlauf mit dem Killtimer. Die S-Bahn passiert die Landeposition in einer Entfernung von 600m, und ich kann mit dem TTGO tatsächlich ein paar Frames empfangen. Leider ist das Signal aber sehr schwach. Die Framenummer und die Sondennummer lassen sich zwar erkennen, aber keine Koordinaten. Bevor ich mit dem Rad am Ziel sein werde, wird der Killtimer zuschlagen. Aber das macht keine Probleme, weil die Extrapolationslösung auf wenige Meter stimmen sollte. Immerhin weiß ich, dass die Sonde noch da ist.  

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V1220855
Produktionsdatum: 2023-03-21
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 13.4.2026 (12:00Z)
Track
wettersonde.net/sondehub

Maximale Höhe:
32712m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.24m/s

Landegeschwindigkeit:
12.3m/s

Landestelle: Krabbenkamp,
LAT, LON: 
53.53058,10.29526 Google Maps
Status:
Geborgen am 14.04.2026 16:30UT
Methode:
 Extrapolation nach Wettersonde.net Daten

Vom Bahnhof Aumühle sind es weniger als 2km. Die ganze Gegend ist sehr Bismarck. Der Herr hatte ja im nahen Friedrichsruh seinen Altersruhesitz. Also passiere ich im leichten Nieselregen rechterhand die "Fürst-Bismarck-Quelle", eine Fabrik zur Abfüllung des gleichnamigen Mineralwassers. Der Bismarck-Personenkult war Ende des 19. Jahrhunderts schon bedenklich. An der Landestelle steht doch tatsächlich ein Bismarck-Turm. Ursprünglich konnte man ihn wohl besteigen, was zur Fahndung nach einer Sonde auf einer abgezäunten Weihnachtsbaumplantage sehr nützlich gewesen wäre. Heute ist der Zugang aber vergittert.

 

Vom Rand der Plantage kann ich die Schnur der Sonde im Fernglas erkennen. Ich finde einen Zugang und kann die RS41 komplett bergen. Der Fallschirm ist in allerlei Latexresten eingequetscht - das erklärt die enorme Landgeschwindigkeit. 

 

 



 

 

 

 

  

Nach der Bergung geht es in stärker werdendem Nieselregen zurück zum Bahnhof Aumühle, von wo aus ich die Rückreise antrete. Ein schönes Erfolgserlebnis nach langer Sondendürre. 

 


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Donnerstag, 19. März 2026

Sasel-Sonde: Der Fallschirm fehlt

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 V2940382

Produktionsdatum: 2023-07-20
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Sasel
(WMOID:10141)
Flugdatum: 18.3.2026 (12:00Z)
Track
Wettersonde.net und Sondehub
Maximale Höhe:
24057m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.89m/s

Landegeschwindigkeit:
 15.6m/s

Landestelle: Buxtehude (Heitmannshausen)  
LAT, LON: 
53.47426,9.660998 Google Maps
Status:
 
Geborgen am 18.3.2026, 14:51UT
Methode: Extrapolation nach Sondehub-Daten

Seit einiger Zeit fallen Sasel-Sonden wie Steine vom Himmel. Ich habe bisher die Ballonreste und Fallschirme dieser Exemplare nicht in die Hände bekommen. Ich weiß aber, dass an der Sasel-Sonde vom 4.3. überhaupt kein Fallschirm vorhanden war. Den Abroller habe ich aber nicht aus dem Baum bergen können, sondern nur aus der Ferne gesehen. Ich hatte den Eindruck, dass weder Fallschirm noch Ballonrest vorhanden waren und ging von einem Hakenbruch aus. Bei der Sonde vom 4.2. konnte ich bei Bargteheide nur die Sonde, aber nicht den Abroller bergen - und letzteren im weißen Schnee auch nicht entdecken. Vielleicht muss ich da noch einmal nachschauen. 

Am 18.3. startet Sasel eine weitere Sonde. Wieder stürzt sie nach Platzen des Ballons ab und schlägt mit fast 16m/s im Bereich Buxtehude auf. Ich schnappe mir das Faltrad und fahre hin.

Die Landestelle liegt 2km vom Bahnhof entfernt in Heitmannshausen. Das Faltrad bringt mich rasch hin. Reihenhaussiedlung. Zu meinem Missfallen gibt es keinen Empfang mit dem TTGO.  Aber die Sonde liegt unweit der Vorhersageposition mitten auf dem öffentlich zugänglichen Fußweg, der an den Eingängen der Reihenhäuser entlang führt. Offenbar hat sie sich beim Aufschlag auf den Gehwegplatten abgeschaltet. Am nächstgelegenen Eingang reagiert keiner auf mein Klingeln. Sonde, Ballonrest und Abroller lassen sich jedenfalls leicht bergen. 

 




Es handelt sich um einen ganz normalen Startautomaten-Ballon mit dem entsprechenden Ventil. Der Abroller sieht intakt aus, der kleine Ballonrest ist vorhanden, aber es fehlt der Fallschirm. Ein Hakenbruch ist es in diesem Fall also nicht. Offenbar fliegt Sasel jetzt ohne Schirm!

Ansonsten ist jetzt auch in Sasel die Ära der gelben DWD-Label zuende gegangen - hier gibt es erstmals den modernen blauen Aufkleber mit dem QR-Code für die Entsorgungshinweise.



   
 

 

Hab mal in Sondehub und Radiosondy gecheckt, seit wann Sasel ohne Fallschirm arbeitet. Am 14.6.2025 flog Sasel eine ganz normale Automatenstart-Sonde. Das war am Tag der offenen Tür, ich habs gefilmt, der Schirm ist durch die Ballonhülle erkennbar. Am 25.6.25 ist die Sonde mit 5m/s gelandet - also mit Schirm. Und seither haben wir diese hohen Landegeschwindigkeiten. Am 4.7. sieht man einen ersten Fundbericht in Sondehub, dass kein Fallschirm vorhanden war. Die Sonde am 30.7. ist in meinem Heimatort gelandet - die Sonde- aber nicht der Ballon - wurde mir von Anwohner übergeben. So hab ich das nicht bemerkt. Am 13.8. wieder ein expliziter Fundbericht in RS ohne Fallschirm. Für eine DWD-Station mit Startautomaten ist das sehr ungewöhnlich.

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Donnerstag, 5. März 2026

Hakenbruch am Sülzbrack

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V3010161
Produktionsdatum: 2023-07-24
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Sasel
(WMOID:10141)
Flugdatum: 4.3.2026 (12:00Z)
Track
Wettersonde.net
Maximale Höhe:
25018m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.96m/s

Landegeschwindigkeit:
 12.6m/s

Landestelle: Zollenspieker (Sülzbrack)  
LAT, LON: 
53.40363,10.17591 Google Maps
Status:
 
Geborgen am 4.3.2026, 14:30UT
Methode: Decodierung nach der Landung mit TTGO (RDZsonde)

Diese Sonde fällt  aus 25km Höhe wie ein Stein vom Himmel. Bei Sonnenuntergang erreiche ich die Busstation Sülzbrack am Zollenspieker, dem südlichsten Punkt der Vier-und Marschlande und eile die gleichnamige Straße nordwärts zur Landestelle. Der TTGO empfängt das Sondensignal schon aus großer Entfernung, danach soll sich de Sonde 15m über dem Boden in einem Baum befinden. Der Fallschirm sollte direkt an der Straße liegen - ich kann aber nichts erkennen. Von einer Wiese kann ich die Sonde tatsächlich immer Schummerlicht am Baum hängen sehen - zu meiner großen Erleichterung in nur 6m Höhe. 



 Ich kann sie mit der Teleskopstange problemlos bergen. 

 



 

Von dem Fallschirm fehlt aber jede Spur. Ich entschließe mich an der Schnur zu ziehen. Es gibt fast keinen Widerstand. Irgendwann höre ich ein leises Klötern und sehe hoch in den Bäumen die Spule des Abrollers - jede Art von Ballonrest oder Schirm fehlen. Da ist klar, was passiert ist: Nach Hakenbruch am Abroller hat sich die Sonde vom Ballon getrennt. Das erklärt die hohe Einschlaggeschwindigkeit. 

Derartige Fälle hatten wir vor ein paar Jahren bei Ballons aus Norderney.  Ich bin auch sicher, dass V2950964, eine Saseler Sonde vom 4.2.2026, ein ähnlicher Kandidat war. Hier war die Einschlaggeschwindigkeit noch höher, und auch hier konnte ich keinen Fallschirm finden. Ich schob das damals auf den Schnee, aber der Grund dürfte auch hier Hakenbruch gewesen sein.

Ich kann die Spule an der Schnur ohne viel Gewalt durch mehrere Bäume ziehen. Aber leider verhakt sie sich hoch im letzten Baum, und die Schnur reißt. So berge ich zwar am Ende die Sonde und praktisch die gesamte Schnur, kann aber leider den Schaden am Abroller nicht begutachten. 

Nach erfolgter Bergung wandere ich zurück zur Busstation, wo ich alsbald die Heimreise antreten kann. 

Nachtrag: Ich glaube derzeit nicht mehr an einen Hakenbruch. Meine letzten 3 Saselsonden hatten alle keinen Fallschirm. Bei V2940382 habe ich den Abroller in die Hände bekommen - der sah intakt aus, aber es fehlt der Fallschirm. Bei V2950964 habe ich den Abroller gestern hoch im Baum mit dem Feldstecher inspiziert: Ballonrest war dran, alles sah intakt aus. Offenbar startet Sasel gerade fallschirmlose Ballons, was sie und andere DWD-Stationen bisher nie taten. Oder es ist bei dieser Serie der Fallschirm aufgrund eines Fertigungsfehlers nicht mit dem Abroller verknotet und geht beim Platzen des Ballons verloren. 

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