Mittwoch, 15. Juli 2020

Slalomlauf um eine Rotte Wildschweine

Sondentyp: RS41SGP
SN:R1840651
Frequenz: 403.0 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 14.07.2020 6:00Z
Track  Radiosondy
Landestelle LAT LON: 53.829151,10.361931  Google maps
Gefunden am 14.07.2020 11:00UT
Methode: GPS-Decodierung der gelandeten Sonde (TTGO)

Am 14.7.2020 lamdete die Pinneberger RS41 R1840651 unweit von Bad Oldesloe bei Altfresenburg. Als niemand sonst eine Suche plante, habe ich mich zu einer schnellen Tour entschlossen und bin mit dem Regionalzug nach Bad Oldesloe gefahren. Von dort brachte mich das Faltrad wie üblich Richtung Landestelle.  Altfresenburg ist ein altes Herrenhaus; am Ortsausgangsschild wurde das Rad angeschlossen.




Die Landestelle lag auf einem riesigen Feld. Die linke Hälfte war Weizen, die rechte bereits mehr als mannshoher Mais. An der Grenze beider Felder bin ich dann Richtung Sonde gestiefelt. Irgendwelche Tiere liefen aus dem Mais in den Weizen. Beim Näherkommen stellte sich heraus, dass es  4 oder mehr Wildschweine waren, die ihre Mittagsmahlzeit im Weizen einnahmen. Ich kam gegen die Windrichtung, und sie ließen sich überhaupt nicht stören, obwohl ich nur 30 Meter entfernt stand und auch keineswegs geräuschlos war. Erstaunlich war, wie viel Weizen so ein Schwein innerhalb kurzer Zeit wegfressen kann.

Ich habe dann doch lieber einen Bogen um die Rotte gemacht und mich ins Maisfeld verdrückt. Ein paar Meter weiter boten eine Treckerspur und ein Zwischenfruchtstreifen besseres Vorankommen. An einem hohen Baum ging es dann weiter durchs Maisfeld in Richtung Landeposition. Der TTGO decodierte die Position erst aus kurzer Distanz. Das war aber nützlich. Direkt an der Landestelle war nichts zu erkennen. Ich ging also auf Tauchstation; unter dem Blätterdach hat man bessere Sicht, und da lag die Sonde.





Typisches Pinnebergsetup: Roter Ballon, kein Fallschirm, kein Label, Kabelbinder.


Die Rückfahrt nach Oldesloe ging durch den Regen. Inzwischen hatte mich Bernd gewhatsappt: "Bleib doch gleich da, die nächste Sonde ist unterwegs". Tatsächlich flog da eine Pinneberger DFM09 Richtung Bad Segeberg. Eigentlich hatte ich am Nachmittag noch etwas zu erledigen und nach hinten raus wenig Zeit. Also beschloss ich, nicht zur Sonde zu fahren. Am Bahnhof stand aber abfahrbereit der Zug nach Bad Segeberg. Hmmm. Als dann aber wegen einer Weichenstörung sich die Abfahrt meines Zuges nach Hamburg immer weiter verzögerte, habe ich mich umentschieden.

Sondentyp: DFM09
SN:19031884
Frequenz: 402.0 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 14.07.2020 11:00Z
Track  Radiosondy
Landestelle LAT LON: 53.944889,10.388771  Google maps
Gefunden am 14.07.2020 13:28UT
Methode: GPS-Decodierung der gelandeten Sonde (TTGO)



Die Landestelle lag nicht weit von Segeberg bei dem Dörfchen Schieren. Und dort lag die Sonde abholbereit auf der Grenze zwischen einem Acker und einem Privatgrundstück...




Ich wollte eigentlich den Zug um 17:03 in Segeberg bekommen. Jetzt, wo die Sondenbergung so schnell funktioniert hatte, hätte ich auch den Zug um 16:03 erwischen können. Das hätte auch fast geklappt, aber einmal habe ich mich in Segeberg verfranst. Und am Bahnhof war dann die Schranke bereits zu. Ich konnte dort länger warten und dann den Zug davonfahren sehen. So hatte ich eine ganze Stunde Zeit auf dem Bahnhof zur Dokumentation der Funde. Zum Ausgleich erwischte ich einen direkten Zug nach Hamburg, der mich innerhalb einer Stunde nach Hause brachte.




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Mittwoch, 1. Juli 2020

Ungeplante Sondenbergung

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2340094
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 29.06.2020 0Z
Timerkill: 5:00h
Track  wetterson.de
Landestelle Schwarzenbek, LAT LON:53.511326,10.496148  Google Maps
Status: geborgen am 30.6.2020, 18:15UT
Methode:Tawhiri-Prediction auf Basis von Wetterson.de-Daten

Als R2340072 nördlich von Schwarzenbek bei dem Dorf Möhnsen landet, sitze ich gerade im Zug nach Hause. Das Nachbardorf heißt Basthorst, und da wohnt Jürgen. Ich gehe davon aus, dass er die Sonde im Vorbeigehen einsacken wird. Tatsächlich hofft Jürgen auf seine erste Fahrradbergung, und er radelt beherzt los. Die vorhergesagte Landestelle entpuppt sich als Rapsfeld. Er gibt auf, fährt nach Hause. Unmittelbar vor dem Ziel gleitet er mit dem Fahrrad hin, stürzt übel, Verstauchungen, Prellungen,  Hautabschürfungen, das ganze Programm..... Und muss dann noch auf Radiosondy lesen, dass ein neuer Sondensucher namens Sputnik die Sonde inzwischen als geborgen gemeldet hat.

Es kommt schlimmer für Jürgen: So richtig mobil ist er jetzt nicht mehr. Und ausgerechnet jetzt landet eine weitere Sonde in seiner Nachbarschaft, nämlich besagte R2340094, diesmal mitten in Schwarzenbek. Er kann nichts unternehmen. Die gute Vorhersage sieht die Landestelle in einem Gestrüpp zwischen einem Wanderweg und einer Reihenaussiedlung. Da man so etwas da nicht lange liegen lassen sollte, bin ich geneigt hinzufahren.

Allerdings gibt es gerade eine Streckensperrung der S-Bahn nach Bergedorf. Das führt regelmäßig dazu, dass die Regionalzüge, die auch in Bergedorf halten, brechend überfüllt sind. Das möchte ich angesichts der inzwischen grenzwertigen Maskendisziplin etlicher Mitbürger nicht riskieren. Am Abend des 30.6., nach Ende des Berufsverkehrs, beschließe ich, mir die Sache mal anzusehen. Es ist wie immer: Sardinensitutation hinten im Wagen, und gähnende Leere vorne. Ich beschaffe mir schnell ein Ergänzungsticket und steige ein.

Das Rad bringt mich schnell vom Bahnhof zur Landestelle: Undurchdringliches Gestrüpp. Der Fallschirm hängt direkt an der Prediction 3m hoch in einer Kiefer. Raufklettern werde ich nicht (hallo Caro!), aber meine 10m Stange hat damit kein Problem.

Die Sonde liegt auf dem Boden tief in der Vegetation verborgen. Leider kann ich ein paar Meter Schnur nicht bergen, weil sie hoch oben in einer Birke unrettbar verhakt sind und die Schnur von beiden Seiten abreisst.






Ich erwäge noch kurz einen Krankenbesuch bei Jürgen, wobei ich ihm "seine" Sonde gleich mitbringen würde, muss das aber abbrechen, da mein Rad ein kleines Problem mit der Schaltung hat und ich mir das zuhause in Ruhe ansehen möchte.

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Montag, 29. Juni 2020

Schnell mal eben nach Winsen

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2340112
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 29.06.2020 6Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radiosondy
Landestelle Vögelsen, LAT LON: 53.37589,10.26996  Google Maps
Status: geborgen am 29.6.2020, 08:57UT
Methode:GPS-Decodierung der gelandeten Sonde (TTGO)

Diese Sonde landet direkt an der Straße Tönnhausen-Hunden nordöstlich von Winsen. Da schnelle Regionalzüge vom Hauptbahnhof direkt nach Winsen fahren, entschließe ich mich zu einer spontanen Suche. Von Winsen sind es nur 6 Fahrradkilometer bis zur Landestelle. Nach einer schnellen Prediction liegt die Sonde auf freiem Feld gleich nördlich der Straße.

Das freie Feld entpuppt sich als Wiese mit hohem Gras. Der TTGO spuckt brav Koordinaten der sendenden Sonde aus; die Prediction liegt nur wenige Meter daneben. Die Sonde ist schnell gefunden und eingesackt. Der Ballonrest ist groß, aber im Gegensatz zu den gestrigen Sonden hat sich diesmal der kleine rote Fallschirm vernünftig entfaltet, so dass die Landegschwindigkeit auch niedrig war.






Nach der Bergung fahre ich mit dem Rad noch bis Ashausen zurück; so spare ich mir den Erwerb einer weiteren Ergänzungskarte.

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Sonntag, 28. Juni 2020

Morgens nach Westergellersen

Nach einer längeren Pause fliegen die Bergen-Sonden mal wieder in unsere Gegend. Die erste erreichbare Sonde ist R2340070, die Abendsonde vom 27.6.2020. Ich kann sie vom Balkon aus verfolgen, und zwar tiefer als die Internetdaten. Die Windrichtung der Prediction sieht unplausibel aus, aber wenn man darauf nicht reinfällt, habe ich eine gute Vorstellung von der Landestelle bei Westergellersen. Was nun? Hinfahren und im Schein der Taschenlampe die Sonde bergen, bevor der Killtimer zuschlägt? Das Wetter erscheint schlimm: Wolkenbruchartige Gewitter gehen über Hamburg nieder - da schickt man doch keinen Sondensuchhund vor die Tür. Die Radarprognose sieht für das Zielgebiet etwas besser aus, aber als ich massenhaft Blitze in der fraglichen Gegend auf der Karte sehe, verwerfe ich sofort die Idee einer abendlichen Sondenjagd. Dabei wird es jetzt sehr spät dunkel, und außerdem fahren die Züge am Wochenende die ganze Nacht. Auch sind die Züge fast menschenleer und auch in Corona-Zeiten nicht sehr gruselig.

Nach ein paar Stunden Schlaf wache ich auf und gucke auf die Sondenseite. R2340071, die Mitternachtssonde, landet gerade in der gleichen Gegend, bei Vögelsen. Die Gewitter haben sich verzogen. Also warte ich die Landung gar nicht ab, greife mir Sondenjägerrucksack und Faltrad und springe in die nächste S-Bahn. Eine entspannte Runde drehen und zwei Sonden einsacken - das lockt. Diese Flexibilität hat sonst nur ein Autofahrer. 

Vom Regionalbahnhof  Bardowick sind es nur 4km bis zur aktuellen Landestelle, die direkt an der Straße auf freiem Feld liegen soll. Der TTGO ist sinnlos mitgenommen worden, denn Fallschirm und Ballonrest liegen unübersehbar oben auf dem Weizenfeld.
Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2340071
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 28.06.2020 0Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radisondy
Landestelle Vögelsen, LAT LON:53.2990528,10.3306227  Google Maps
Status: geborgen am 28.6.2020, 02:45UT
Methode:Tawhiri-Prediction auf Basis von Wetterson.de-Daten


Die Schnur verläuft überhaupt nicht in der erwarteten Windrichtung, aber praktischerweise parallel zu einer Teckerspur. Das macht die Bergung einfach.

Aber statt einer Sonde hängt ein Klumpen aus Latex am Ende der Schnur....

... aus dem man die Sonde erst einmal freipräparieren muss.


Das Gebiet ist zentrales RUSHland. Ich lasse die Sonde noch ein wenig senden, aber der Unbekannte erscheint nicht. Dann bleibe ich noch eine ganze Weile, denn der Sonnenaufgang ist fast kitschig. Außerdem schlägt da eine Wachtel.

Weiter geht es 12km zur gestrigen Landestelle. Jahrelang sehe ich auf meinen Tour keine Füchse. Jetzt ist es der vierte in wenigen Wochen: Zwei bei einer erfolgrand Kaltsondenjagd neulich, einen bei einem Spaziergang letzten Samstag, und da vorne läuft schon wieder einer über die gemähte Wiese.

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2340070
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 27.06.2020 18Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radisondy
Landestelle Vögelsen, LAT LON:53.226924,10.23  Google Maps
Status: geborgen am 28.6.2020, 04:33UT
Methode:Tawhiri-Prediction auf Basis von eigenem Empfang

Das Gelände wird hügeliger. Endlich erreiche ich die Landestelle und kette das Rad an eine Birke. Drei schmale Feldstreifen sind in der fraglichen Gegend: Gerste, Zwischensaat, Kartoffel. Die Sondenposition ist offensichtlich auf dem Kartoffelacker. Der ist wieder in beiden Richtungen von Treckerspuren durchzogen. Auf den ersten Blick ist nichts zu sehen. Aber da links liegt die Schnur. Sie ist in sich verzwirbelt und daher sehr kurz. Zwei Griffe befördern Sonde und den wiederum großen Ballonrest aus der Vegetation.












Zurück geht es nach Bardowick. Da ich die nächste Bahn ohnehin nicht mehr erreichen werde, ist es gemütliches Genussradeln im Morgenlicht. Inzwischen hat der Bäcker in Dachtmissen auf. Ich erstehe mir ein paar Brötchen, und der Biobauernhof im selben Dorf liefert die Eier für das Spätstück. Im Papierkorb der Bushaltestelle hatte ich die Latexreste des ersten Ballons entsorgt. Und jetzt muss ich in dem Radrucksack wieder etwas Platz schaffen, so dass jetzt zwei Fallschirme im gleichen Abfalleimer liegen.

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Dienstag, 23. Juni 2020

Mais, Rasen oder Raps?

Sondentyp: RS41-SGP
SN:  R2810051
Frequenz: 402.5 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 23.06.2020 0Z
Timerkill: Keiner
Track  wetterson.de
Landestelle Bargfeld-Stegen,  LAT LON: 53.769465,10.20683 Google maps
Status: geborgen am 23.6.2020, 11:43 UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach Daten von wetterson.de

Am Morgen des 23.6.2020 habe ich einen ernsten Termin in Schmalenbeck. Ich habe keine Muße, die Sondenaktivität zu verfolgen und rechne auch nicht mit Einschlägen in unmittelbarer Nähe. Aus Coronagründen fahre ich dorthin eher mit dem Regionalzug nach Ahrensburg und dann mit dem Faltrad. Jetzt geht es in strammem Tempo zurück nach Ahrensburg - ich will den Zug nach Hamburg noch kriegen. Die ganze Zeit sondert mein Handy Whatapp-Pieps ab. Bloß ignorieren: Die lese ich, wenn ich im Zug sitze. Irgendwann bin ich dann aber neugierig. Offenbar macht sich die Sondenjäger-Community gerade einen Kopf. Kurzes Diagonallesen: Ooops! Die machen sich gerade MEINEN Kopf 😀.

Was ist los? An mir ist völlig vorbeigegangen, dass die Mitternachtssonde aus Schleswig auf einem Acker bei Bargfeld-Stegen gelandet ist. Hmmm. Bernd, der nicht weit weg in Oldesloe wohnt, hat keine Zeit. Allgemeine Meinung: Ich könnte aber ja zufällig am dichtesten dran sein. WIE dicht ich dran bin, können die Diskutierenden gar nicht absehen. Als ich in Ahrensburg einrolle, rollt auch gerade der Regionalzug nach Bargteheide ein. Von da wären es nur 8 Fahrradkilometer zur Landestelle. Kurzes Abschätzen der Zeit: Um 17:00 habe ich einen beruflichen Termin in Hamburg, aber das reicht, wenn ich ein wenig schnell mache. Also los.

Zum Empfangen habe ich nix dabei, und außerdem sendet die RS41 ca. 10 Stunden, und die sind deutlich verstrichen. Bernd hat aber Daten bis in 92m GPS-Höhe, das sind knapp 10m über dem Boden. Mit der schnell im Zug gerechneten Tawhiri-Prediction sollte das kein Problem sein. Sofern der Bewuchs nicht zu hoch ist. Letzte Woche waren die Maispflänzchen noch ganz klein. Mais ist also kein Problem. Wenn es aber Raps oder Roggen ist, sieht die Sache anders aus.

Eine Whatsapp von Bernd: Er hat EXAKT die gleichen Gedanken. Und wünscht mir "einen Golfrasen".

In Bargteheide also in die Pedale getreten. Hmmm, die Maisfelder sind zwar immer noch besser als Raps, aber (C4-Photosynthese sei Dank) sind die Maispflanzen unfassbar stramm am Wachsen. Sooo einfach würde es auch in einem Maisfeld nicht werden.

Erstmal das Faltrad am nächsten Verkehrsschild anschließen und los. Kein Golfrasen, aber immerhin ein Maisfeld. Eine Treckerspur zielt exakt auf die vorhergesagte Landestelle. Die letzten Meter kann man vorsichtig zwischen den Reihen der Pflanzen zerstörungsfrei vorankommen. Gelegentlich schweift der Blick über das Feld. Keine Schnur, kein Schirm. Aber ein Ruf hinter mir: "Haaallooo!".

Da steht ein Auto, und ein Mann kommt auf mich zu. Sondenjägerkollege? Nein: Der Besitzer. Es ist wie immer: Nach kurzer Erklärung der Lage freut er sich der supernette Landwirt, dass ich ihm den Elektroschrott vom Acker hole und wünscht mir viel Glück.  Die Erntemaschinen haben Metalldetektoren, und wenig Metall stoppt sofort die Maschine. Er notiert sich meine Nummer, ich nenn ihm die URL meiner Homepage, für den Fall, dass einer von uns die Sonde findet.

Sekunden, nachdem er sich "vom Acker" macht, steht fest, dass ER mit der Sonde kein Problem haben wird.


Da ist die Schnur, direkt neben der Treckerspur ist die Sonde.


Seilzug befördert den Schirm und den kleinen Ballonrest zu mir, und die Treckerspur bringt mich auch vom Feld.





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Dienstag, 9. Juni 2020

Zwei Bergener Sonden im Wohngebiet

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2331465
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 08.06.2020 0Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radisondy
Landestelle Rissen, LAT LON: 53.573223,9.74834  Google Maps
Status: Stangenbergung am 8.6.2020, 09:00UT
Methode: GPS-Koordinaten nach der Landung auf Radiosondy sichtbar; danke Kurt für die schönen Daten

Diese Sonde landete in der Nacht in einem Wohngebiet im Hamburger Stadtteil Rissen zwischen Wohnhäusern. Der Empfangsturm in Uetersen konnte das Sondensignal noch nach der Landung decodieren. Die Höhe über dem Boden betrug 6m. Da die Landekoordinaten ja nun definitiv bekannt sind und sicherlich die Kontaktaufnahme mit den Bewohnern nötig sein würde, ist ein sofortiger Aufbruch nicht nötig. Also habe ich am späten Vormittag einen Ausflug ins Landegebiet durchgeführt. Die Landestelle befindet sich an einem Baum. Eine ältere Dame lässt mich in ihren Garten. Man sieht sofort die Sonde an der Schnur hängen, allerdings ein paar Meter auf dem Nachbargrundstück. Also muss ich im Nachbarhaus fragen.

Die Bewohnern dort befindet sich, wie sie mir erzählt, im Homeoffice und beschult ihre Kinder. Ich erkläre ihr den Sachverhalt, und gemeinsam erkunden wir die Lage. Die 15m-Stange ist zur Sondenbergung kompletter Overkill, und wir haben die Sonde schnell herunterbekommen.



Die Kinder haben derweil den roten Fallschirm und den Ballonrest hoch im Baum entdeckt. Von der Höhe würde ich mit der 15m-Stange herankommen, aber die Reste sind hoffnungslos im  Geäst verhakt und zudem direkt von unten durchs Laubdach nicht sichtbar. Der Versuch, an der Schnur zu zerren, endet leider mit Schnurriss.

Die Besitzer behalteb die Sonde, da sich einige technikaffine Familienmitglieder dafür bestimmt interessieren würden.

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2331468
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 08.06.2020 12Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radisondy
Landestelle: Neuwulmstorf, 53.459322,9.779704, Google Maps

Status: Von Anwohnerin geborgen am Nachmittag des 8.6.2020
Methode: unkonventionelle Mischung aus GPS-Decodierung und Prediction unter Mithilfe von Bewohnern

 Auch diese Sonde landete in einem Wohngebiet, diesmal in Neuwulmstorf. Die Uetersener habe die Sonde wieder bis in Baumwipfelhöhe. Die vorhergesagte Landeposition liegt am Eingang eines Wohnhauses. Ich bin etwas zu spät dran, als ich mit dem Faltrad die kurze Strecke vom Bahnhof Neu-Wulmstorf zurücklege. Ich biege um die Ecke, und sehe sofort einen kleinen roten Fallschirm und den großen Ballonrest.

Die Schnur ist allerdings zerrissen, es hängt keine Sonde daran. In solchen Lagen hilft normalerweise zuverlässig ein Blick auf den TTGO. Der hat auch Empfang des Signals und zeigt GPS-Koordinaten an. Die Position liegt - im nahen Wäldchen, 250m weg! Ich rufe das Signal mehrfach ab. Die Positionen sind jetzt in der näheren Umgebung,  springen aber bei jedem Abruf im weiten Umfeld der Landeregion hin- und her. So etwas kenne ich sonst nicht. Offenbar hat diese Sonde einen ganz miesen  GPS-Empfang. Nehme ich nur die Werte, bei denen mindestens 6 Satelliten angezeigt werden, streuen die Werte immer noch um 30-50m und clustern nahe den Reihenhäusern links von mir. Ich vermute: Die sendet innerhalb eines Hauses und empfängt kaum GPS-Satelliten.

Wieder haben Nachbarn meine Aktivitäten bemerkt und helfen fleißig mit. Da öffnet sich eine Tür. Die nette Bewohnerin hat in ihrer Hand eine RS41, in der anderen den Begleitzettel. Behalten will sie sie nicht, und so erbe ich das leicht demolierte Prachtstück.

Als sie mit dem Auto nach Hause kam und das Garagetor  öffnete, fiel ihr das Ding aus einem Baum neben der Garage direkt vor das Auto...




Auf unserer Whatsappgruppe lösten die Stadtbergungen eine Diskussion aus, was schöner ist: Eine spannende Jagd im Wohngebiet oder eine Bergung in freier Natur? Einige Teilnehmer finden die Stadtjagd insbesondere in der Hauptverkehrszeit stressig. Ich bin mit Öffis unterwegs und dann mit dem Rad, das entschleunigt etwas. Mitunter kommt man zu spät, aber oft erwischt man die Sonde auch, wenn man es ernsthaft versucht und nicht zu spät ankommt. Kommunikativer ist die Wohngebietssuche in jedem Fall, weil man oft auf die Mithilfe von Bewohnern angewiesen ist. Bei einer längeren Kaltsondenjagd mit 40km Radfahrt über Land wiederum ist der Erfolg gar nicht so wichtig - das Naturerlebnis steht im Vordergrund.

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Sonntag, 7. Juni 2020

Baumbergung in der Stadt

Sondentyp: RS41-SGP
SN: R2331320
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 07.06.2020 6Z
Timerkill: 5:00h
Track  Bremen und Radisondy
Landestelle Farmsen, LAT LON: 53.600124,10.13443  Google Maps
Status: Stangenbergung am 7.6.2020, 08:43UT
Methode: Decodierung des Sondensignals mit TTGO


Die Bergener Morgensonde an diesem Sonntag hat einen sehr schlechten Fallschirm und schwebt daher nicht Richtung Lübeck, sondern geht mitten in Hamburg-Farmsen nieder. Da bei Stadtlandungen Eile geboten ist, sitze ich noch während des Fluges in der S-Bahn. Die Regionalbahn nach Rahlstedt ist wegen Streckensperrung keine Option, also muss die U-Bahn nach Farmsen genügen. In der Bahn lässt sich die Landestelle mit dem Handy mittels Tawhiri-Prediction abschätzen. Sie liegt mitten auf der Scharbeutzer Straße, vielleicht hängt die Sonde auch in den Bäumen am Straßenrand. Ca. 50 Minuten nach der Landung biege ich mit dem Faltrad auf den direkt an die Straße grenzenden Parkplatz der Wohnanlage Kühlungsborner Straße 13-17 ein, über dem laut TTGO sich die Sonde befindet. Sofort erblicke ich eine lose durchhängende Schnur, die vom Dach der Wohnanlage in einen Baum am Südrand des Parkplatzes verläuft. Ich kann das Ding aber dort nirgends hängen sehen. 

Bewohner der Anlage sitzen auf dem Balkon, haben mich bemerkt und wohl auch begriffen, dass meine Aktivitäten etwas mit der eigenartigen Schnur zu tun hat. Sie geben mir Zeichen, dass das Ding auf dem Dach des Hauses liegt. Sie können nicht wissen, dass da der Schirm liegt und mich die Sonde vorläufig mehr interessiert. "Was ist das für ein Ding?" rufen sie mir zu. "Wetterballon". "Aaah so!" Damit bin ich als durchgeknallt, aber harmlos erkannt; das ist ganz in meinem Sinne.

Irgendwann kann ich die Sonde tatsächlich im Baum ausmachen. Leider kann man sie nicht direkt von unten durchs Laubdach erkennen, sondern nur von einiger Distanz aus. Ich versuche, mit der 10m Stange Maß zu nehmen. Ergebnis: Die Stange ist wohl knapp zu kurz. 

Kann man vielleicht von der Schnur aus was werden? Die hängt halbwegs zwischen Baum und Dach durch. Ich kann sie mit Haken und Stange problemlos zu Boden bringen. Den kleinen roten Schirm und den minimalen Ballonrest befördert ein Seilzug vom Dach zu mir. Vielleicht kann man jetzt durch Schnurmanöver die Sonde herunter am Baum freibekommen? Ich kann die Schnur aus einigen Ästen ausklinken, aber nicht von dem entscheidenden Ast ganz oben am Baum. Die Sonde bewegt sich zwar  nach oben, wenn man an der Schnur zieht, aber nur gaaaaanz träge nach unten, wenn man loslässt. Auf diese Weise könnte die Sonde am Ende nur noch weiter nach oben geraten. Zu gefährlich scheint mir auch die Option, die Sonde über den Baum zu zerren. 

Was tun? Nach Hause fahren, 15m Stange holen? Nein, erst einmal versuche ich, ob es nicht doch auch mit der 10m-Stange geht. Nach einigem Gesuche finde ich direkt unter der Sonde ein winziges Areal, wo man die Sonde doch zwischen Astgewirr und Blättern erkennen kann. Ein Test mit der Stange: Ich kann ihr, wenn ich mich langmache, von unten ans Gehäuse klopfen. Dann muss das auch gehen, wenn ich zusätzlich auf den Bordstein des Parkplatzes steige

Also wieder Schnur und Haken an die Stange gebastelt. Ich muss etwas suchen, bis ich die Sonde in der kleinen Lücke im Laubdach wiederfinde. Wenn man seinen Kopf ein wenig dreht, verliert man die Sicht. Jetzt mit dem Haken muss ich mich supervorsichtig durch das Astgewirr manövrieren, kann dann die Schnur mehr schlecht als recht einhaken.

Die Sonde sackt mit etwas Zug nach unten und entschwindet meinen Blicken. Erst nach einiger Zeit sehe ich sie 3 Meter neben mir hängen. Ich habe die Schnur offenbar immer noch an der Angel. Wenn ich mit der Stange nach unten fahre, entschwindet die Sonde nach oben, da die Schnur über einen Ast umgelenkt wird. 


Also Stange wieder ganz nach oben, Sonde ergriffen, abgeschnitten, Stange und somit Schnur eingefahren, Schnur zu 90% geborgen - am Ende reißt sie doch. Alles einpacken und bestgelaunt abgerückt. Sowas macht doch mehr Spaß als eine leichte Wiesenlandung. Das beste ist, dass ich gleich einen Familienbesuch in Schmalenbeck anhängen kann, denn von Farmsen aus ist man schon mehr als halb dort.









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