Montag, 10. Mai 2021

DFM-Abroller live in Aktion!

Sondentyp: RS41-SGP

SN:17050846
Typ: DFM09
Frequenz: 403.468 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Bergen (Manöver)
Flugdatum: 10.5.2021 07:57Z (Landezeit)
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 16831m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.17 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 4.07 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.2 m/s
Landestelle: Siek (Siekerberg), LAT, LON: 
53.63382,10.30993, Google Maps
Status: Geborgen am 10.5.2021, 11:50 UT
Methode: Decodierung des GPS mit TTGO
 
Seit ein paar Tagen gibt es mal wieder ein Manöver auf dem Truppenübungsplatz Bergen. Bei solchen Gelegenheiten werden DFM09-Sonden in Massen aufgelassen. Diesmal ist allerdings die Windrichtung suboptimal. Am Montag dreht der Wind nach Norden, und plötzlich sind wir im Zielgebiet. Allerdings fliegen die meisten DFMs sehr viel weiter nach Norden. Dann aber schlägt es direkt in meiner Heimat ein: Die fahrplanmäßige RS41-Morgensonde landet in Hoisdorf, und eine DFM mit schlechtem Fallschirm in Siek. Beides fußläufig von meinem Elternhaus zu erreichen. Doof bloß, dass ich gerade in Altona bin und auch noch auf Arbeit was zu erledigen habe. Das kann ich aber abkürzen. Jetzt könnte ich meines Sachen packen, mein Faltrad zusammenklappen und für das weitere Homeoffice nach Schmalenbeck fahren. Da auch laut Whatsapp niemand unterwegs ist, könnte ich kurz mal in Siek und Hoisdorf vorbeifahren. Also wird in Schmalenbeck allerlei für die Arbeit notwendiges Zeugs abgeladen, und der Sondenrucksack und die 10m-Stange bleiben gleich am Faltrad. Ich kenne die Landestelle in Siekerberg ganz gut, und da braucht man definitiv so etwas. 

Bei meinem Eintreffen vor Ort sendet die DFM noch, und der TTGO lässt sich nicht länger bitten. Wie erwartet liegt die Landestelle in dem kleinen bewaldeten Bereich östlich des Kreisels südlich der Straße nach Lütjensee. Nur wenige Meter von der Prediction entfernt. Wo ist die Sonde? Plötzlich sehe ich sie in 4m Höhe an einem kleinen Baum verhakt. Schütteln löst sie von der jungen Buche. Jetzt hängt sie frei an einer langen Schnur, die im Baumwipfel endet. Da sind auch Schirm und Abroller unübersehbar.
 

 
 
Für die 10m-Stange ist die Sonde eine leichte Beute. Der Fallschirm ist da schon etwas komplizierter. Als ich an der Schnur zerre, passiert etwas, das ich noch nicht kannte. Da ist kaum Widerstand! Ein großer Teil der Schnur hat sich beim Start offenbar nicht abgewickelt. So kann ich erstmals bestaunen, wie der sagenhafte Abroller der Firma Graw mit seinem kleinen Brems-Kinderballon funktioniert! Der kleine Ballon schwirrt beim Abrollen beachtlich durch die Gegend. Oben im Wipfel passiert sonst nichts, und mit der Zeit sammelt sich unten ein großer Schnurhaufen an. Jetzt ist die Schnur komplett aberollt. Ganz freiwillig will der Schirm nicht aus der Natur! Also Handschuhe an, und kräftig gezogen. Die Schnüre der DFM09 sind ja wesentlich reißfester als die von Vaisala, und so kann ich den Schirm tatsächlich herunterbekommen. Aber nicht ganz: Er verhakt sich in der kleinen Buche, die auch schon bei der Sondenbergung im Weg war. Also muss die Stange noch einmal ran, und schon habe ich das ganze Gespann am Boden. 
 

 
Das Whatsappklingeln meines Handys hat während dieser Bergungsaktion fast durchgehend gepiept. Zeit mal nachzugucken, was da los ist. Stellt sich heraus, dass Jürgen die RS41 in Hoisdorf und eine weitere DFM09 eingesammelt hat. In Siekerberg war er auch, aber ohne Stange konnte er nichts unternehmen. Er zeigt auch ein Foto, und danach hing die Sonde etliche Meter höher als bei meiner Auffindesituation. Offenbar hat sich die Schnur nach Jürgens Weiterfahrt  mehr und mehr abgerollt, bis sich die Sonde in besagter kleiner Buche verhakt hat. Andere Sondenjäger kümmern sich um die weiter nördlich gelandeten Sonden und um die reguläre Bergener Mittagssonde. 

Also ist eine Weiterfahrt nach Hoisdorf nicht mehr nötig, so dass ich nach Schmalenbeck zurückradeln kann und mir dort vor dem Weiterarbeiten einen Kaffee genehmige. 


Sonntag, 9. Mai 2021

Die durchgebissene Sonde

Nach Sturm und kalten Tagen glaubte keiner an den Wetterbericht. "Sommersonntag, fast 30°C, Sonnenschein". Nach dem unerwarteten Sturm ist es dringend an der Zeit, ein paar Baumlander im Raum Lüneburg zu kontrollieren. Hartes Brot, denn die sind hartnäckig. Dann fliegt am Samstag eine Norderney-Mittagssonde herein. Platzen tut sie westlich von Bremervörde. Vielleicht wird es was für Rainer?. Nö, der Fallschirm ist zu gut. Vielleicht doch eher was für Uli in Buchholz? Nö, der Fallschirm ist zu gut. Das Ding kommt weit nach Osten voran und landet am Ende in dem berühmt-berüchtigten Waldgebiet der Göhrde. Etwas weit weg, aber vielleicht genau richtig für die Sonntagsradtour? Ich gucke mir die Sache in Locus an. Und was entdecke ich da? Im gleichen Waldabschnitt sind nur 1500m nördlich auf der digitalen Karte eine Reihe von Markierungen eingetragen: Ein paar niedrige Positionen einer Radiosonde, und eine Tawhiri-Prediction. Die Sondennummer passt zur Bergener Mitternachtssonde vom 29.4.2020. Mehr als ein Jahr ist es her, seit ich das da notiert habe, und inzwischen ist der Fall aus dem Gedächtnis gelöscht.

Ein Blick auf Radiosondy ergibt: "Status: UNBEKANNT". Naja, da gibt es noch einen Grund zu einer Radtour. 29.4.2020: Ein im Wendland ansässiger Freund erzählte mir neulich, dass das Pilzesuchen in der Göhrde sich nach dem Auftauchen von Wölfen jetzt so richtig lohnt.  Mein Bekannter würde ja gerne mal einen Wolf in freier Wildbahn sehen, aber die Spaziergänger und Pilzsucher schreckt das irgendwie ab. Die alte Landestelle liegt sowieso etwas abseits der Wanderwegen. Normale Sondenjäger hätten einen Fund eingetragen. Die ganzen Neusondenjäger sind kein Faktor; das war vor ihrer Zeit. Die Prediction macht einen guten Eindruck, also stehen die Chancen gar nicht so schlecht. 


Die Idee ist eine Anreise mit der Wendlandbahn nach Dahlenburg. Von da sind es mit dem Rad nach Groß-Thondorf 10km. Dort wird dann der Wald nach den beiden Sonden auf den Kopf gestellt, und je nach Uhrzeit könnte die Rückfahrt auch von Bad Bevensen aus erfolgen. Am Morgen ist die Norderney-Sonde nicht eingetragen, also los. Irgendwie scheint laut Internet-Fahrplanauskunft die erste Fahrt der Wendlandbahn auszufallen. Also geht die Radtour direkt von Bad Bevensen los. Das ist 3km länger - auch kein Problem, zumal man eine Stunde früher losfahren kann. Es geht über die Dörfer auf schmalen Straßen. Nachtigallen, Dorngrasmücken, Baumpieper in den Knicks, Kraniche auf den Feldern. Ich bin komplett overdressed. Es ist wirklich bereits in der Frühe sommerlich warm, obwohl die Sonne noch niedrig steht. Der Anorack wird zusammengerollt auf den Gepäckträger geklemmt. Als es hinter Kettelstorf in den Wald geht, singt da doch glatt ein Pirol - nur einmal ganz kurz, aber eindeutig. Und schon bin ich bei der Norderney-Landestelle.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S2330369
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 08.05.2021 12:00Z
Track radiosondy.info
Maximale Höhe: 34907m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.90 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 5.8 m/s 
Landegeschwindigkeit: 2,6 m/s
Landestelle: KettelstorfLAT, LON: 
53.11575,10.738148, Google Maps
Status: Baumlander, von unten sichtbar in 20m Höhe, Schirm in 13m Höhe
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten

Die formale Prediction liegt wenige Meter südlich vom Weg. Ich kette das Rad an eine Eiche und los gehts. Die Sonde dürfte etwas westlich liegen, und eher ein paar Meter nördlich vom Weg. Ich versuche zunächst, vom Weg aus etwas zu erkennen. Ein Weg geht nach Norden, das ist meiner! Die niedrig stehende Sonne blendet ziemlich. Plötzlich steht direkt rechts von mir eine mit einer Antenne ausgestattete Wildkamera. Ich drehe um, bevor da noch jemand die seltene Spezies Sondenjäger in seinem natürlichen Habitat filmen kann. Und da sehe dann rechterhand den Schirm 12-13m hoch im Baum hängen. Die Schnur leuchtet hell im Morgenlicht und verschwindet in einem Baum.   Hier kann man mit einer 10m Stange nichts weiter machen als die Koordinaten zu erfassen. Gestern flog eine Baumlandersonde von der Liste, heute kommt eine neue dazu. So ist das Leben, hart aber ungerecht.


Eine kurze Radtour über Waldwege bringt mich zu der alten Bergener Landestelle. Radfahrer lieben Reiter, die die Wege so zerstören, dass man sie kaum begehen und schon gar nicht befahren kann. So muss ich die letzten 200m schieben. Von meinem "Parkplatz" muss ich aber jetzt 200m nach Süden laufen. Ein paar umgestürzte Baumriesen werdenn umlaufen, aber dann ist das Ziel erreicht.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
R2330182
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 29.4.2020 0:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 21591m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.41 m/s 
Landegeschwindigkeit: 9.6  m/s
Landestelle: Groß-Thondorf, LAT, LON:
53.12708,10.724011, Google Maps
Status: Kaltsondenbergung ; 9.5.2021, 13:09 UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten

Auch hier stehen locker hohe Kiefern herum, ein paar kleinere Fichten, und nur an einigen wenigen Stellen macht etwas Unterholz die Situtation unübersichtlich. Ich gehe davon aus, dass die Sonde mit sehr großer Wahrscheinlichkeit am Boden liegt. Die damalige Landegeschwindigkeit war hoch, und so dürfte sie bis zum Boden durchgeschlagen sein. Und wenn sie wirklich jemals in einem der nicht allzu dicht stehenden Bäume hing, wird sie sehr wahrscheinlich inzwischen heruntergefallen sein. So direkt sehe ich nichts. Ich suche mehr als eine halbe Stunde.  Also verfolge ich die ungefähre Flugrichtung. Ein Weg führt mich etwas zu weit nördlich, und so muss ich wieder durchs Unterholz. Das weiße Ding da was ist das? Eindeutig liegt da hinten eine Radoiosonde! Sofort erkenne ich aus der Ferne den Sondenhalter. Aber die Form sieht vertraut aus, aber stimmt irgendwie nicht....Der Grund: Jemand hat diese Sonde glatt durchgebissen, und es handelt sich nur um die obere Hälfte eines RS41-Gehäuses....Die wildschweintypischen Zahnabdrücke sind nur mit viel Phantasie zu zu erkennen, so dass der Täter nicht mit letzter Sicherheit ermittelt werden kann.



 

In 10m Umkreis finde ich die Platine und weitere Styroporteile. Die zweite Batterie fehlt. Hoffentlich endete die nicht im Verdauungstrakt eines Fellträgers. 




Von Schnüren und Fallschirmen ist nichts zu sehen. Das Klebeband, mit dem der Begleitzettel befestigt ist, ist noch da, und tatsächlich hat sich die Druckerschwärze des Aufdrucks übertragen.


 

Die abgenagten Reste landen im Rucksack und gut. 

Die Idee, über Dahlenburg zurück zu fahren, geht nicht auf, weil die Wendlandbahn bekanntlich im 3-Stunden-Takt verkehrt. Also geht es durch das hügelige Wendland bei strammen Gegenwind und inzwischen unangenehm schwüler Hitze zurück nach Bad Bevensen und von dort per Bahn nach Hamburg.



Samstag, 8. Mai 2021

Nach dem Sturm

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S0610858
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 01.11.2021 00:00Z
Track radiosondy.info und wetterson.de
Maximale Höhe: 34840m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.95 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 8.01 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3,8 m/s
Landestelle: Neukloster LAT, LON: 
53.47815,9.63502, Google Maps
Status: Geborgen am 8.5.2021, 16:23UT
Methode: GPS-Koordinaten nach der Landung in Radiosondy, danke Kurt!
 
 
Diese Sonde landete am Sondenmagneten Neukloster im Wald. Dass es ein Baumlander war, wussten wir sofort, denn Kurt konnte mit seiner Turmantenne die Sonde nach der Landung empfangen. Ich habe die Landestelle mehrfach aufgesucht, oft auf der Rückfahrt von anderen Sondenjagden. Vom S-Bahnhof Neukloster sind es nur 500m. Zuletzt war ich nach den Frühjahrsstürmen am 28.2. vor Ort. Die Sonde hing 30m hoch und war recht hoffnungslos in den Zweigen verhakt, und auch der Fallschirm war hoch am Baum.



Anfang Mai passierte etwas sehr seltenes: Ein langanhaltender Maisturm. Jetzt wird es Zeit, die Baumhängerliste abzuarbeiten. Begonnen habe ich heute bei kaltem Wetter und beginnendem Nieselregen mit dieser Sonde. Hin, einsammeln und mit der nächsten S-Bahn zurück - das ist der Plan. Den Baum  hat es glatt umgehauen! Wird dies meine erste horizontale Baumbergung? Nein. Ein Check der GPS-Position und des alten Fotos zeigt, dass dies nicht der Baum mit der Sonde ist. Aber die Sonde liegt tatsächlich unter dem richtigen. Der Sensorarm ist schon mächtig angerostet, und die Batterien sind auch tiefenentladen.





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Montag, 26. April 2021

Schlickrutschen im Angesicht des Atomkraftwerks

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
17050766
Frequenz: 403.505 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Flugplatz Hungriger Wolf
Flugdatum: 20.4.2021 14:30Z
Track radiosondy.info
Maximale Höhe: 10057m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 3.67 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 4.13 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.9 m/s
Landestelle: Brokdorf, LAT, LON:
53.838310,9.358426, Google Maps
Status: Geborgen am 25.4.2021, 13:13 UT
Methode: Tawhiri-Prediction auf Basis von Radiosondy-Daten

Der bereits erwähnte Schwall von DFM09-Sonden aus der Airbase "Hungriger Wolf" ging am Dienstag an mir vorbei. Keine Sonde kam für mich in erreichbare Nähe, und alle wurden sofort von fleißigen Sondenjägern abgesammelt. Nur eine nicht. Diese Sonde landete direkt am Elbdeich, nicht weit weg von dem legendären, einstmals heiß umkämpften Atomkrafwerk Brokdorf. "Diese geht wohl ins Watt oder Schilf, fahr da auf jedenfalls nicht mehr hin", schrieb DL1LAJ auf Whatsapp. Die Prediction sah mir nicht sehr genau aus. Genauso wahrscheinlich war eine Landung auf dem Deich, auf den Höfen nördlich davon oder in der Elbe selbst. Irgendwie ist mir nach Impfung am Donnerstag, allerlei Beruflichem am Freitag und NAFT am Samstag nach einer netten Radtour bei bestem Wetter am Sonntag. D17050766 ist in Radiosondy immer noch als "Status unbekannt" eingetragen.
 
Glückstadt liegt knapp außerhalb des HVV; ich muss also eine Bahnfahrkarte für sagenhafte 3,20€ erstehen. Von dort sind es 10 Faltrad-Kilometer bis zur Landestelle. Ideale Radfahrstrecke, flaches Land. Die einzige Erhebung ist die Klappbrücke des Stör-Sperrwerkes. Hier ziehen Wolken aus Grau- und Ringelgänsen auf gleicher Höhe in  nächster Nähe parallel zu mir dahin. Sehr eindrucksvoll! 
 
 Links geht es über Deiche, von denen Schafe heruntergucken. Immer Richtung Brokdorf, die Kuppel des AKW immer im Blick. Irgendwann ist die Landestelle erreicht. Links liegt  die Elbe. Davor Schilf und blühende Weiden. Mit dem Fernglas ist das Schilf schwer zu durchdringen. Einige Teile sind gemäht, aber da liegt nichts verdächtiges. Es ist Flut oder leicht ablaufendes Wasser - kein Watt. Wenn es die Sonde auf die Elbe herausgetragen hat, ist sie jetzt weg. 
 
Auf dem Deich selbst ist nichts zu sehen. Vielleicht auf der anderen Seite? Von der Deichkrone hat man auch einen besseren Überblick über den Schilfgürtel. Sorgfältiges Absuchen mit dem Fernglas...Fehlanzeige. Auf der anderen Seite liegt auch nichts auf dem Deich. Es ist auch sehr fraglich, ob das typische DFM-Bundeswehrgespann mit dem roten Schirm dort angesichts der vielen Spaziergänger dort eine nennenswerte Halbwertszeit haben würde. Vielleicht hängt sie in den hohen Bäumen um den Hof? Da hängt tatsächlich ein heller Ballonrest, hoch oben. Kein Irrtum möglich. Aus der Nähe sieht er noch besser aus. Sollte ich die Bauern fragen? Aber dann kommen Zweifel: Keine Schnüre. Und überhaupt: Ich habe ja schon ein Gespann vom "Hungrigen Wolf" erbeutet: Winziger Ballonrest, kleiner roter Fallschirm. Dies Ding hier würde eher zu einer Norderney-Sonde passen, aber es fehlen Abroller, Schirm, Schnur. Nein, das ist irgendeine Plastikfolie, vom Wind in den Baum geweht. 

Vielleicht ist die Sonde noch kürzer geflogen? Auf der Wiese links von den Häusern liegt nichts. Also zurück auf den Deich: Auch von oben ist auf den Wiesen nördlich des Hofs nichts erkennbar. Also muss ich doch wieder zum Elbuferweg und noch einmal genauer den Schilfgürtel inspizieren. Aus mehreren Winkeln such ich noch mal die Schilfflächen mit dem Fernglas ab. Hier muss man wohl aufgeben. 

Vielleicht gehe ich aber noch einmal 100m stromabwärts. Da sind größere gemähte Schilfflächen. Etwas weit weg von der Prediction, aber übersichtlicher. Ein kurzer betonnierter Zugang geht ein paar Meter Richtung Ufer. Noch einmal mit dem Fernglas gucken. Was schwimmt denn da draußen? Das ist doch sicher nichts! Oder?




 
Ist das überhaupt aus Styropor? Größe könnte hinkommen. Eher doch ein Holzstück? Hmmm. Nö! Nix! Oder? Ich stake über die Schilfstoppeln Richtung Ufer. Man muss noch etwas näher ran. Dann noch mal genau nachsehen. 
 
Aus 20m Distanz sieht es etwas mehr nach DFM aus. Eindeutig aus Kunststoff. Wegen einer Getränkeflasche mach ich hier allerdings keine Akrobatik.  Nein, PE ist es nicht. Eher schon wirklich Styropor. Kastenförmig ist es auch, aber nur ein Teil des Objekts ragt aus dem Wasser. Stimmt die Form? Irgendwann sehe ich tatsächlich eine blickweise dunkel grisselige Struktur an der Flanke des Objekts. Ein Aufdruck. Mir dämmert, was das ist: Ein Graw-Label. Jaaa, das ist sie. Diesmal ist wirklich kein Irrtum möglich. Aber komme ich ran?

Vorsichtig stake ich Richtung Objekt. Richtung Elbe werden die Schilfstoppeln lichter. Was ist in den Zwischenräumen? Schlick, in dem man versinkt? Sand, auf dem man laufen kann? Diagnose nach Belastungstests ergibt: Sandiger Schlick, relativ fest, prinzipiell begehbar. Der Test ergibt aber auch nasse Socken. Gummistiefel habe ich nicht dabei. 17m bis zur Sonde. Ich muss für einen ernsten Versuch viel näher ran. Ich habe eine 10m Stange beim Rad liegen, die kann helfen. 

Zurück am Rad wird die Stange ausgepackt und Schuhe und Socken ausgezogen. Durchs Watt läuft man gerne barfuß, aber auf Schilfstoppeln ist das eher schmerzhaft. Also wie ein Storch auf den Zehenspiten staken und die kleinen Lücken im Bewuchs nutzen. Irgendwann bin ich wieder in dem etwas schütterer bewachsenen Bereich. Hier gibt es Flächen, wo man die Füße unterbringen kann. Schritt für Schritt. Ein Test. Noch reicht die Stange nicht. Noch 3 Meter. Das Wasser ist nicht wirklich tief, Jeans hochkrempeln und weiter.

Jetzt sollte es reichen. Mit dem Haken rühre ich in der Elbe herum, ich kann endlich die Schur erfassen und die Sonde angeln. Was ist das? Die Schnur geht ja gar nicht entlang der Flugbahn auf die Elbe hinaus. Sondern sie parallel zum Ufer ins Schilf. 
 

 
Schnurzug befördert Schirm und Ballonrest zu mir, das erspart eine weitere Wataktion. Die ganze Sonde ist wohl mit der Strömung getrieben und dann im Schilf hängen geblieben. An der Schnur hängen irgendwelche Ectocarpus-artigen Algenfäden. Der Sensorarm zeigt nach 5 Tagen Brackwasser deutliche Korrosionserscheinungen. Der Ausschalter lässt sich kaum noch bewegen. Aber das angegammelte Ding ist für den Moment die schönste DFM09 der Welt. Ein paar letzte schmerzhafte Schritte über die Stoppeln bis zum Fahrrad und zu den Schuhen. Mit Saugpapier die Schuhe und die Füße getrocknet; die Socken ausgewrungen und angezogen, alles einsacken und ab nach Hause.




 



 
 
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Mittwoch, 21. April 2021

Hä ????

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
17050766
Frequenz: 403.505 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Flugplatz Hungriger Wolf
Flugdatum: 21.4.2021 07:00Z
Track radiosondy.info
Maximale Höhe: 11013m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 3.64 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 4.07 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.2 m/s
Landestelle: Zarpen bei Reinfeld, LAT, LON: 
53.87653,10.50288, Google Maps
Status: Geborgen am 21.4.2021, 10:00 UT
Methode: Decodierung des GPS mit TTGO
 
 
Der Flugplatz "Hungriger Wolf" ist ein Heeresfliegerhorst. Mitunter kommt es hier zu Fallschirmsprungübungen. Die dafür nötigen Winddaten holt man sich, ähnlich wie in Seedorf, von Radiosondenaufstiegen. Diese gehen nur knapp über 11km hoch. Schon in der letzten Woche hatten die Sondenjäger hier in der Gegend ihren Spaß mit den DFM09, die zum Teil uralte Nummern hatten. Manche flogen mit Fallschirm, manche auch ohne. Von meinen Wohnorten aus waren sie nicht gut erreichbar. Am 21.4. ist es anders. Diesmal kommt eine der Sonden bei Reindfeld nahe dem Dorf Zarpen herunter. Bernd, der in der Gegend wohnt, ist nicht vor Ort, und so spring ich in Schmalenbeck ins Auto und fahre über die Autobahn rasch hin. Von der Seitenstraße, wo ich das Auto abgeparkt habe, bis zur Landestelle, sind es nur 500m. Der TTGO decodiert brav das Signal. Da die Sonde offenbar am Boden liegt, lasse ich Stange und Rucksack im Kofferraum - was sich als falsche Entscheidung  erweisen sollte. Ein Feldweg führt durch hügeliges Gelände direkt zur Landestelle. Die Sonde ist von Weitem sichtbar, sie hängt ca. 4m hoch in einer Knickeiche.
 

Aber wo sind Ballonrest und Fallschirm? Vielleicht könnte man die Sonde daran abseilen? Der Flugrichtung nach müssten sie doch auf dem Feld liegen! Da liegt aber nichts.

Gucken wir uns doch mal um! Da liegt etwas Rotes direkt am Knick - ah ja, ein kleinroter BW-Schirm und ein minimaler Ballonrest eines ganz kleinen Ballons. Das Modell kenn ich schon von einem Seedorf-Ballon. Es ist sofort deutlich, dass dies nicht der originale Landeplatz des Ballons ist. Jemand hat den Kram dort abgelegt. Und direkt neben dem Fallschirm liegt, mit den Zähnen nach oben, ein Rehschädel....
 
Die Schnur hatte der Vorfinder in Schleifen drapiert....
 



Aber es geht noch weiter....Offenbar hat der Finder an der Schnur die Sonde hochgezogen und, damit sie auch brav oben bleibt, die Schnur an einem herumliegenden Ast fixiert. Hä? Was ist hier eigentlich los?


Naja, für mich ist es ein leichtes, die Fixierung zu lösen und die Sonde herunterzulassen, sie hängt nur in einer einzelnen Astgabel. Dass ich den Rucksack nicht dabei habe, rächt sich: Das Schneidwerkzeug liegt gut im Rucksack. Also muss ich die Schnur mit einem Schlüssel aufrubbeln und kann dann beide Schnurhälften aufrollen und das Gesamtpaket mitnehmen. Wer auch immer das gemacht hat, war sicher nicht wegen der Sonde dort vorbeigekommen. Wahrscheinlich ein neugieriger Spaziergänger. Anyway, mal nach langer Zeit wieder eine DFM09. Ich drappiere die diversen Fundgegenstände rasch zu einem Stilleben und wundere mich über die bizarre Fundsituation.


Eine weitere Sonde ist nach Lüderdorf in Mecklenburg geflogen, die andere ist in der Luft, und die Prediction des TTGO sieht die Landestelle ebenfalls jenseits der Landesgrenze. Das wäre mit dem Auto eigentlich erreichbar, und ich bin in Zarpen ja schon auf dem halben Weg. Und Lüdersdorf habe ich in guter Erinnerung - dort habe ich 2016 meine erste RS41 gefunden; das war damals ganz was Besonderes. Ich habe aber heute eh zu wenig Zeit, und die Einreise nach MeckPomm ist zudem derzeit für Nicht-Landeskinder verboten. Und am  Autokennzeichen erkennt auch jeder sofort den  Auswärtsspieler. Wird Zeit, dass die abnormen Zeiten enden. Es gibt immerhin ein ganz zartes Licht am Ende des Tunnels: Morgen werde ich geimpft....

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Montag, 5. April 2021

Landung am schwarzen Loch des ÖPNV

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S2251305
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 5.4.2021 00:00Z
Track radiosondy.info
Maximale Höhe: 29536m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.15 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 12.2 m/s 
Landegeschwindigkeit: 7.5 m/s
Landestelle: Delingsdorf, LAT, LON: 
53.40554,10.06584, Google Maps
Status: Geborgen am 5.4.2021, 6:03UT
Methode: Decodierung des GPS mit TTGO
 

Am Ostermontag landete die Morgensonde aus Norderney direkt nördlich des funktionslosen Bahnhofs Maschen auf einer Wiese.  Da ich ohnehin nach Hamburg musste, beschloss ich, gleich loszufahren. Das Wetter war am frühen Ostermontag allerdings grausam: Eisiger Wind und starker Regen. Ich beschloss, zum Bahnhof Schmalenbeck zu gehen, statt mit dem Faltrad über Ahrensburg zu fahren. 

Der Bahnhof Maschen und die Decatur-Brücke ist überregional bekannt durch eine der größten Possen der deutschen Verkehrspolitik. Die Reaktion auf die Whatsapp-Meldung, dass ich auf dem Weg zur Mitternachtssonde aus Norderney sei, war auch die, dass ich doch mal nachsehen sollte, ob die Brücke inzwischen wieder passierbar sei. Ich konnte das sofort beantworten: "Natürlich nicht."

Die Brücke ist aber auch nicht das einzige Problem der Gemeinde Seevetal. Man wird das Gefühl nicht los, dass da ein gestörtes Verhältnis zum ÖPNV vorliegt, oder es sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Bahn, Gemeinde, Bund und Land durch die Brückenkrise soweit erschüttert, dass nichts mehr geht. Jedenfalls sind die Regionalbahnhöfe der Gemeinde immer sofort daran erkennbar, dass dort seit den 1970er Jahren niemand etwas renoviert hat, offenbar weil niemand für die Kosten aufkommen möchte. Rührend sind auf allen 3 Bahnhöfen die Versuche der umliegenden Schulen, etwas zu verbessern, indem die durchaus hochniveauigen Produkte des Kunstunterrichts dort ausgehängt werden. Aber ein vergammelter Bahnhof bleibt ein vergammelter Bahnhof, und die Bilder verdienen ein schöneres Ambiente.

 





Da die Brücke seit 2016 gesperrt ist, ist Maschen ein Geisterbahnhof und der Ortsteil Horsten abgeschnitten. Außer ein paar Bahnbediensteten vom Rangierbahnhof und einem durchgeknallten Sondenjäger steigt da praktisch niemand mehr ein und aus, weil niemand mehr den Bahnhof erreichen kann. 

 



Der TTGO hatte die Sonde schon aus dem Zug erfasst. Es wäre aber auch ohne gegangen, weil der weiße Fallschirm schon von Weitem auffiel. Zur Sonenbergung musste ich nur über die Straße gehen, auf die Wiese. Die Sonde lag auf der einen, der Fallschirm auf der anderen Seite eines Grabens, und die Schnur verlief über einige niedige Weidenbüsche. Die Weidenkätzchen blühen auf.

 






 

Da das sehr schnell vonstatten ging, hatte ich noch 45 Minuten Zeit bis zum Einrollen des Zugs nach Hamburg, und so konnte ich noch die eigenartige Stimmung an diesem merkwürdigen Ort ein wenig auf mich einwirken lassen. 

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Sonntag, 4. April 2021

Radtour zur Kaltsonde

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
R2331412
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 7.6.2020 12:00Z
Track wetterson.de
Maximale Höhe: 32765m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.57 m/s 
Landegeschwindigkeit: 11.2 m/s
Landestelle: Stubben, LAT, LON:
53.739094, 10.456219, Google Maps
Status: Kaltsondenbergung ; 03.04.2021, 15:15UT
Methode: Positionen nach der Landung aus wetterson.de (danke Bernd)

 Am Karsamstag hatte ich das dringende Bedürftnis nach etwas Bewegung im Freien, der Sonnenschein lockte. Wieder mal war ein Blick auf meine Baumlanderliste fällig. Da war noch die Sonde bei Stubben, eine Bergener Sonde, die dort 20-30m hoch im Wald hing. Bernds Empfangsstation ist nicht weit weg, und so hatte er damals jede Menge Positionen der gelandeten Sonde via Wetterson.de ins Netz gepustet. Ich hatte die in ein Excelsheet gezogen und gemittelt. Jetzt sah ich auf Locus den Landepunkt und fand den Kommentar: "Mittelwert aus 1802 Frames, 26m über Grund". Ich beschloss, da mal nachzugucken. Immerhin war die Sonde nicht in Radiosondy eingetragen, und kürzlich hatten wir ein paar interessante Frühjahrsstürme. Von Schmalenbeck aus waren es 20km Radtour hin, 20km zurück. 

Der Weg ging durch den Beimoorwald nach Todendorf, vorbei an den Landestellen von S3131505,  R2331007 und P3430712.  Von dort weiter über Mollhagen nach Stubben. Hinter dem Dorf ging es in den Wald. Der Waldweg führte 50m an der Landestelle vorbei. 2 Männer mit einem Hund kamen auf mich zui. Der Hund mochte  mich definitiv nicht, war aber ausreichend erzogen.

Also rein in den Wald. 2 Meter neben Bernds Position lag die Sonde auf dem Boden. Der Sensor war total verrostet und die Batterien offenbar tief entladen. 


 Auf dem Rückweg zum Fahrrad entdeckte ich hoch im Baum den arg vergammelten Ballonrest und den total verblichenen Schirm. Ich sah aber nirgends eine Schnur in Bodennähe, so dass ich da auch mit der mitgebrachten 15m-Stange nichts bergen konnte. 





Bei der anschließenden Whatapp-Diskussion stellte sich heraus, dass Bernd offenbar häufiger die Landestelle kontrolliert hat, aber nicht in den letzten Monaten. Das war mir nicht bewusst, sonst hätte ich sie liegen gelassen; es wäre eine schöne Eiersuche gewesen. 

Zurück ging es diesmal nicht durch den Beimoorwald, sondern über Ötjendorf und Hoisdorf, wo ich direkt an der Landestelle von  R2810059 vorbeiradelte.