Donnerstag, 5. März 2026

Hakenbruch am Sülzbrack

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V3010161
Produktionsdatum: 2023-07-24
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Sasel
(WMOID:10141)
Flugdatum: 4.3.2026 (12:00Z)
Track
Wettersonde.net
Maximale Höhe:
25018m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.96m/s

Landegeschwindigkeit:
 12.6m/s

Landestelle: Zollenspieker (Sülzbrack)  
LAT, LON: 
53.40363,10.17591 Google Maps
Status:
 
Geborgen am 4.3.2026, 14:30UT
Methode: Decodierung nach der Landung mit TTGO (RDZsonde)

Diese Sonde fällt  aus 25km Höhe wie ein Stein vom Himmel. Bei Sonnenuntergang erreiche ich die Busstation Sülzbrack am Zollenspieker, dem südlichsten Punkt der Vier-und Marschlande und eile die gleichnamige Straße nordwärts zur Landestelle. Der TTGO empfängt das Sondensignal schon aus großer Entfernung, danach soll sich de Sonde 15m über dem Boden in einem Baum befinden. Der Fallschirm sollte direkt an der Straße liegen - ich kann aber nichts erkennen. Von einer Wiese kann ich die Sonde tatsächlich immer Schummerlicht am Baum hängen sehen - zu meiner großen Erleichterung in nur 6m Höhe. 



 Ich kann sie mit der Teleskopstange problemlos bergen. 

 



 

Von dem Fallschirm fehlt aber jede Spur. Ich entschließe mich an der Schnur zu ziehen. Es gibt fast keinen Widerstand. Irgendwann höre ich ein leises Klötern und sehe hoch in den Bäumen die Spule des Abrollers - jede Art von Ballonrest oder Schirm fehlen. Da ist klar, was passiert ist: Nach Hakenbruch am Abroller hat sich die Sonde vom Ballon getrennt. Das erklärt die hohe Einschlaggeschwindigkeit. 

Derartige Fälle hatten wir vor ein paar Jahren bei Ballons aus Norderney.  Ich bin auch sicher, dass V2950964, eine Saseler Sonde vom 4.2.2026, ein ähnlicher Kandidat war. Hier war die Einschlaggeschwindigkeit noch höher, und auch hier konnte ich keinen Fallschirm finden. Ich schob das damals auf den Schnee, aber der Grund dürfte auch hier Hakenbruch gewesen sein.

Ich kann die Spule an der Schnur ohne viel Gewalt durch mehrere Bäume ziehen. Aber leider verhakt sie sich hoch im letzten Baum, und die Schnur reißt. So berge ich zwar am Ende die Sonde und praktisch die gesamte Schnur, kann aber leider den Schaden am Abroller nicht begutachten. 

Nach erfolgter Bergung wandere ich zurück zur Busstation, wo ich alsbald die Heimreise antreten kann. 

 

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Samstag, 28. Februar 2026

Bevor der Bauer im Märzen...

Sondentyp: DFM17 und RS41-SGP (Tandem)
SN:
 
W1130420&23(136)032329
Frequenzen: 
405.1 MHz (RS41) und 403.05MHz (DFM17)
Timerkill: keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Produktionsdatum: 2024-03-13 (RS41) und 
2023-05-16 (DFM)
Flugdatum: 12.2.2026 9:00Z
Track wettersonde.net und Tower
Maximale Höhe: 32286m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.51m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.7m/s
Landestelle: 
Hohenbunstorf LAT, LON: 53.05093,10.48228 Google Maps
Status: Geborgen am 27.2.2026, 15:00UT

Methode: Extrapolation aus Tower-Daten

Seit einiger Zeit startet Meppen wieder einmal Tandems aus DFM17 und RS41. Ich hatte zunächst kein Glück eines davon zu erbeuten. Schnee und Eis erschweren jede Radtour.  W1130423&D23031875 landen bei Bienenbüttel. Die DFM versagt während des Flugs, aber die RS41 sendet nach der Landung aus einem Baum und kann mittels Zernien-Tower lokalisiert werden. Ich bin mit der Bahn hingefahren und dann zu Fuß in den tief verschneiten Wald aufgebrochen. Leider liegt die RS41 auf einem Zweig auf, die DFM17 ist im Geäst verhakt - in 20m Höhe. Da ist kein Herankommen.

Zwei weitere Sondenpaare sind in erreichbarer Nähe im Raum Ebstorf/Bad Bevensen gelandet. Nach dem extremen Frühjahrseinbruch und dem massiven Tauwetter nutze ich einen Freitagnachmittag für eine Radtour bei schönstem Wetter. Sie startet am Bahnhof Ebstorf. Nach 7km ist die erste Landestelle erreicht. Sie liegt auf einem Feld unweit der Straße. Da im Märzen der Bauer sehr aktiv werden dürfte, ist die Sache dringlich. Sehr zu meiner Freude liegt die Landestelle auf einem noch nicht bearbeiteten Stoppelfeld, und die Sonden sind noch da!










 
 

 

 

 

 

Ganz unweit der Landestelle liegt das Dorf Hohenbunstorf. Hier habe ich mit dem Tower am 24.1. die Landung einer Bergener Sonde bis fast zum Einschlag mitgeschnitten. Das Haus liegt direkt am Weg, ich kann aber nichts entdecken. So lange nach dem Flug ist das kein Wunder. Die Bewohner sind nicht da, aber ein Infoblatt wird in den Briefschlitz geworfen.

 

Weiter geht es nach Bad Bevensen. Ich durchquere den Kurort. Auf der anderen Seite liegt im Wald  die Landestelle eines weiteren Meppen-Tandems D23030913 & W1130296. Dieses sendete im Baum am 13.2.2026. Seit neuestem streamt der Tower auch direkt nach wettersonde.net. Rechnerisch sollen die Sonden 8m über dem Boden hängen. Aber wie so oft narrten auch hier die Baumwipfel das Satelliten-Radar, so dass die Geländehöhe in der Karte zu hoch lag. Da es rapide dämmert, kann ich weder Sonde noch Schirme im dichten Nadelwald entdecken. Wahrscheinlich hängen sie irgendwo hoch im Wipfel.

Ich radle zurück nach Bad Bevensen und erreiche problemlos den Zug nach Hause.

 

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Donnerstag, 12. Februar 2026

Angeln in den Dornen von Schenefeld

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
X0534012
Produktionsdatum:2025-1-29
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Norderney (WMOID:
10113)
Flugdatum:11.2.2026
 12:00UT
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
 28481m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.28 m/s

Landegeschwindigkeit:
4.3m/s

Fundstelle: Schenefeld 
LAT, LON:
 
53.61147,9.83252  Google Maps
Status: Geborgen am 11.2.2026
, 16:23 UT

Methode:
 GPS Position nach der Landung decodiert mit TTGO (RDZsonde). Komplexe Stangenbergung vom Straßenrand aus

Diese Sonde erwarten wir "irgendwo zwischen Fuhlsbüttel und Trittau". Der Ballon platzt dann aber unterhalb der 30000m-Marke. Ich kann die Landung durch ein Bürofenster in Flottbek mit dem TTGO mitschneiden. Sondehub hat die Sonde noch niedriger, bis in 167m GPS-Höhe. Eine Extrapolation ist schnell gerechnet. Danach liegt die Sonde direkt neben der Straße "Kameruner Weg". Open Streetmap zeigt das Gelände wie eine Apfelplantage/Baumschule an, aber die Satellitendarstellung lässt einen gewöhnlichen Acker erkennen. Das sollte also leicht werden.

Etwas später am Tag breche ich von Altona aus ins Landegebiet aus. Die Anreise ist einfach. Der Schnee und das Glatteis sind weggeschmolzen, so dass eine Anfahrt mit dem Faltrad erfolgt. Vom S-Bahnhof Krupunder sind es nur 3.5km. Der TTGO kann die Sonde direkt am Straßenrand auf freier Fläche lokalisieren, nur 20 Meter von der Straße entfernt. Die Augenscheinnahme ist ernüchternd: Alles sieht sofort sehr viel komplizierter aus als erwartet.

Die Gelände auf beiden Seiten der Straße sind mit hohen Maschendrahtzäunen versperrt. Die Gatter sind extra mit Zäunen gesichert. Da will jemand eindeutig das Betreten durch Passanten verhindern. Der matschige Fußweg verläuft parallel zur Straße direkt am Zaun entlang. Drüben liegt unübersehbar der Fallschirm und ein großer Ballonrest. 

 


Die Schnur verläuft über einen Baumwipfel in luftiger Höhe über die Straße. Drüben befindet sich ein aus dichtem Dornengestrüpp bestehender Knick und dahinter...ein weiterer Zaun! Durch das Gestrüpp kann ich die Sonde unweit des Zauns auf dem Acker am Boden liegen sehen, auch nur ein paar Meter auf dem abgesperrten Gelände. 

 Es ist kein Problem, auf dem Fußweg stehend, die Schnur einzuhaken und den Schirm über den Zaun zu ziehen. Aber wie komme ich an die Sonde heran?

 

 

Es gelingt, die Sonde durch Schnurzug an den Zaun heranziehen und sogar auch den Zaun hoch befördern. Die Aktion ist kompliziert, weil selbst der Fußweg von der Straße durch Dornengesträuch getrennt ist und man den Fortschritt jedes Mal drüben kontrollieren muss. Ein Knoten im Zaun verhindert, dass die Sonde drüben wieder auf den Acker fällt. Man könnte die Sonde ohne weiteres durch die großen Maschen greifen, aber es ist schwierig, überhaupt durch das Dornengestrüpp an den Zaun zu gelangen. Wo kein Rotdorn wächst, wird das Volumen durch Brombeeren aufgefüllt.


 

Vielleicht ist es besser, die Sonde mit der Stange an der Schnur über das Gestrüpp zu heben und dann von der Straße aus abzupflücken? Das erweist sich als schlechte Idee, zumal wenig Platz zwischen Gestrüpp und Fahrbahn ist und der schmale Kameruner Weg offenbar Ortskundigen als viel befahrener Schleichweg im Berufsverkehr dient. Leider verhakt sich bei den Manövern die Sonde im Geäst. 

Also muss ich mich doch durch die stacheligen Sträucher auf die Krone des Knickwalls quetschen. Mit der Stange kann ich im 5. Versuch die Sonde aus dem Busch zerren.

 

 

Jetzt muss ich mich zwischen den Dornen um 180 Grad drehen, wieder durch das Gebüsch kämpfen und beim Sprung auf die Straße auf den Verkehr achten. Aber ich habe die Sonde. 





 

Bei beginnendem Nieselregen kann ich im Dunkeln schnell den Bahnhof Krupunder erreichen und die Heimfahrt antreten. 

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Donnerstag, 5. Februar 2026

Eisige Suche nach einem Fallschirm

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V2950964
Produktionsdatum: 2023-07-21
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Sasel
(WMOID:10141)
Flugdatum: 4.2.2026 (12:00Z)
Track
Wettersonde.net
 
Maximale Höhe:
24962
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.11m/s

Landegeschwindigkeit:
 15.3m/s

Landestelle: Hammoor
LAT, LON: 
53.71039,10.29183 Google Maps
Status:
 
Geborgen am 4.2.2026, 13:26UT
Methode: Decodierung nach der Landung mit TTGO (RDZsonde), Position auch in wettersonde.net sichtbar (Bernd)

Nach dem Start in Sasel platzt der Ballon in knapp 25km Höhe über dem Beimoorwald. Die Sonde fällt dann wie ein Stein von Himmel. Eine Einschlaggeschwindigkeit von 15m/s ist für eine RS41 schon extrem hoch. Die Position ist auch nach der Landung in wettersonde.net von Bernds Station bei Oldesloe sichtbar. Da ich in Schmalenbeck bin, fahre ich mit dem Auto hin. Die Straßen sind verschneit und außerhalb der Hauptstraßen auch glatt. Es weht ein eisiger Ostwind. Vom Parkplatz aus sind es 500m bis zur Landestelle. Diese liegt an einem Waldrand. Die Sonde ist rasch gefunden; die vom Baum herunter hängende Schnur weist den Weg. 



 

Die Sonde hat sich in Brombeerzweigen verhakt und liegt am Boden.  Leider kann ich den Schirm nirgends entdecken, habe aber kein Fernglas dabei. Das erschwert die Verfolgung der Schnur. In den Wipfeln der 30m hohen Buchen kann ich mit freien Auge nichts erkennen. Vielleicht liegen die Reste im verschneiten dichten Brombeergestrüpp. Ich muss wohl nach Abtauen des Schnees und bei Sonnenschein einmal wiederkommen. 

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Dienstag, 20. Januar 2026

Keine Bergung bei Nordlicht

 

Sondentyp: DFM17
SN: 
21(323)064178
Produktionsdatum: 19.11.2021
Frequenz:
403.11 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Munster Süd
 (WMOID:-)
Flugdatum:19.01.2026 19:05ZL
Track : Radiosondy/Sondehub
Maximale Höhe: 14706m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 6.06
m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.2 m/s
Landestelle: Hamburg Wandsbek, LAT, LON: 
53.56645,10.08711, Google Maps
Status: Geborgen, Stangenbergung aus Straßenbaum
Methode: Extrapolation aus wettersonde.net-Daten

Ich bin abends gerade in Schmalenbeck. Die Idee ist, das klare Wetter für ein paar Astrofotos zu nutzen. Am Ende der Nacht könnte es nach einem X1,7-Flare auch Polarlicht geben. Ich baue ein Teleskop auf dem Balkon auf. Da erreicht mich eine Nachricht via Whatsapp: Eine DFM17 aus Munster-Süd scheint nach nach Hamburg-Wandsbek zu verschlagen. Ich denke, ich wäre relativ schnell bei der U-Bahn-Haltestelle Wandsbek Markt, und von da könnte ich rasch die Sonde in dem betreffenden Wohngebiet mindestens lokalisieren, vielleicht auch auflesen. Das Teleskop steht sicher und trocken und kann auch ohne mich Fotos machen. Ich packe ein paar Sachen zusammen. Axel fragt auf Whatsapp: "Hartwig fährst Du?". 

Als ich gerade antworten möchte, bekomme ich aus der Astroszene eine Whatsapp von dem GvA-Nordlichtexperten Ulli Rieth: "CME Impakt. Magnetfeld über 90 nT...!!!!". An die Radiosondengruppe schreibe ich daher: "Könnte hinfahren, warte aber lieber auf Polarlicht..Noch ist aber nix los". Das änderte sich geradezu umgehend. Jetzt ist auch die Radiosondenszene angefixt und postet jede Menge Bilder mit hellen Nordlichtbeamern. Ist schon erstaunlich, was man in so einer Situation auch mit Handys hinbekommt. Ich habe mich auch lieber auf eine nahe Wiese mit freier Sicht nach Norden gestellt als eine DFM17 nachts im Wohngebiet aufzuspüren. 

 




 

Am nächsten Morgen führt mich der Arbeitsweg mit der U-Bahn an der Sonde vorbei. Ich nehme also etwas Zeit und eine Stange mit. Alles in den Rucksack, und los geht es. Am Wandsbek Markt kann ich noch etwas Fußweg sparen, indem ich den Bus nehme. Die Landestelle befindet sich auf oder nahe der Oktaviostraße. Groß suchen muss ich nicht. Denn aus 200m Entfernung leuchtet unübersehbar ein roter Fleck in einem Straßenbäume. 

Leider muss ich entdecken, dass die Spule meiner Stangenschnur zerbrochen ist, so dass  noch etwas Schnurgetüdel erforderlich wird.  Ich werde tatkräftig durch eine erstaunte und interessierte Anwohnerin angefeuert. Das Komische ist, dass Sonde, Schirm und der winzige Ballonhals direkt nebeneinander im Baum hängen. Von dort aus verläuft die Schnur 30m in luftiger Höhe weiter gegen die Flugrichtung und verschwindet in einem anderen Straßenbaum. Die ganze Anordnung ist schon etwas merkwürdig. Ich kann sie mir zunächst nicht erklären.



So etwas habe ich eigentlich noch nie gesehen, und man sieht ja im Laufe der Zeit viel. Aber irgendwie hab ich auch keine Zeit, die Wunder der Bundeswehr-Topologie zu analysieren. 

Also schnell mal die Sonde vom Baum geholt, dabei auf die Müllwagen, Krankenwagen und sonstigen Straßenverkehr geachtet. An der Schnur gezogen, und mit etwas Hauruck auch noch den Abroller am anderen Ende der Sondenschnur geborgen, eingesackt und wieder zum Bahnhof Wandsbek Markt gelaufen. Busfahren in Gegenrichtung geht gerade nicht wegen massiver Straßenbaustellen. 

Später am Tag fragen Leute aus der Gruppe nach, denen die Bilder und die Anordnung der Komponenten ebenfalls komisch vorkommen. Um herauszufinden, was da los ist, entwirre ich die Schnüre der Beute und komme aus dem Staunen nicht heraus. 

Normalerweise besteht so ein Manöversonden-Handstartgespann à la BW sinnvollerweise aus folgender Anordnung:  

 

Ballon -> Fallschirm ->Abroller -> 30m Sondenschnur auf Spule ->Sonde. 

 

Und nun gucke man sich mal dieses Exemplar an. 

 

Der Abroller ziert jedenfalls als lustiger Bommel das innovative Setup. 

Jetzt wird auch die merkwürdige Landesituation verständlich: Der Abroller hängt ganz unten und verheddert sich als erstes in einem Baum. Da die Sonde entlang der Straße flog, enden die ganzen anderen Sachen - Schirm, Ballonrest und Sonde -  30m weiter zusammen 2 Bäume weiter. Bergungsfreundlich ist das auf jeden Fall, denn man konnte den Abroller ohne Probleme durch 3 Bäume ziehen und alles bergen. 

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Freitag, 16. Januar 2026

Öffentlichkeits-Rasterfahndung im Wohngebiet

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
X2652533
Produktionsdatum:2025-06-27
Frequenz: 403.9 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
De Bilt
(WMOID: 06260))
Flugdatum: 16.
1.2026 00:00Z
Track
radiosondy

Maximale Höhe:
 33236m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.15 m/s

Landegeschwindigkeit:
 2.6m/s

Fundstelle: Itzehoe
LAT, LON:
 
53.94971,9.489264  Google Maps
Status: Geborgen am 16.1.2026,13:55
 UT.
Methode: 
Extrapolation  nach Radiosondy/Sondehub-Daten 

Am 16.1. landet ganz unerwartet eine Sonde der niederländischen Station De Bilt mitten in Itzehoe. Sobald ich mich vom Job loseisen kann, sitze ich im Regionalzug nach Itzehoe. Die Landeregion kenne ich schon, weil ich vor fast 10 Jahren meine erste Kaltsonde hier erbeutet habe, keine 500m von der heutigen Landestelle entfernt. Damals hing die Sonde allerdings in einem Knick an einem Feldrand. Heute erlauben Bernds Daten via Radiosondy und wettersonde.net eine viel bessere Eingrenzung der Landestelle. Allerdings fürchte ich, dass die Chancen 12 Stunden nach der Landung mitten in einem Wohngebiet mit Einzelhausbebauung  bereits drastisch vermindert sind.  

Die Bushaltestelle "Käthe-Kollwitz-Straße" befindet sich direkt vor Ort. Als erstes streife ich durch den Kirchweg und den Rundweg der  Gertrud-Bäumer-Straße. Ich lasse meine Blicke schweifen. Fehlanzeige. Allerdings versperren hier und dort Hecken und Verschläge den Blick in die Gärten. Aber im Großen und Ganzen ist das Gelände recht übersichtlich, so dass mein Optimismus schwindet. Zur Wahrung der Restchance hilft nur eine Öffentlichkeitsfahndung.

An einem der Häuser in der "heißen Landezone" spreche ich einen jungen Mann an, der gerade seine Eltern besucht - denen ist nichts aufgefallen. Das Nachbarhaus liegt direkt auf der Extrapolationslösung, und das Gespräch mit seinem Besitzer ist typisch für die folgenden Interaktionen mit den Anwohnern: 

Dingdong
 

Ein älterer Herr öffnet, ich mache den Erklärbär.

"Was? Nein ich war heute noch gar nicht im Garten, sie können aber ruhig mal rumgucken, ich komme auch gleich gucken".

In dem Garten gibt es leider nichts Erhellendes zu sehen.  

Ich gehe einmal um den Block - und gewinne keine weiteren Erkenntnisse. An der statistisch immer aussichtsreichen 75% Extrapolation steht exakt ein Haus am Kirchweg. Dort vollzieht sich wiederum das Standardgespräch (siehe oben). Der Inhaber ist etwas älter, aber sehr fit und ungemein dynamisch. Jedenfalls kann ich ihn nicht davon abhalten, dass er sofort in den Garten läuft, eine Leiter ergreift und aufs Dach seiner Garage klettert.  Von oben kann er auch nichts erkennen. In seinem Garten und in den Bäumen auf dem Grundstück finden sich keine Spuren des Gespanns. Merkwürdig eigentlich, denn die Fallschirme aus De Bilt sind ja eigentlich groß, rot und unübersehbar. 

Er lässt sich auch die Karte zeigen und meint "Was ist, wenn sie kürzer geflogen ist? Ich kenn die Nachbarin auf der gegenüber liegenden Straßenseite gut, wir gehen da mal gucken." Die Nachbarin hat aber  nichts bemerkt, und in ihrem Garten ist aber auch nichts zu finden. Der Hund des Hauses ist von der Idee, dass es etwas zu suchen gibt, relativ begeistert. 

Das ist doch etwas merkwürdig. Angesichts der Gewohnheit der Bewohner, erst in der zweiten Tageshäfte die Gärten zu erkunden, ist ein Verschwinden des Gespanns durch Entsorgung gar nicht so wahrscheinlich. Also drehe ich noch ein weitere Runde um die Gertrud-Bäumer-Straße - aber da gibt es nichts zu sehen. Ich bin wieder am Beginn der Straße. Ein letztes Mal lasse ich die Blicke schweifen. Aber was ist das? 100m entfernt glänzt in einem Zwischenraum zwischen Büschen, Hecken und einer Garage etwas Helles. Von der Größe her könnte das hinkommen, aber stimmt auch die Form?  Ich krame ein Fernglas aus meinem Rucksack. Ich muss mich etwas hin- und herbewegen, um wirklich durch die Lücke im Buschwerk gucken zu können. Dann steht es fest: In einem Busch hinter der besagten Garage hat sich eine RS41 verhakt. Sie ist also etwas weiter geflogen als erwartet. Im Vorbeigehen stelle ich fest, dass man die Sonde notfalls vom Parkplatz aus greifen könnte. Aber wo sind Fallschirm und Ballonrest? Und wie konnte ich sie übersehen?

Die stramm gespannte Schnur quert die Straße an der Biegung in 3m Höhe und verschwindet unauffällig an einem Hausdach. Ich bin tatsächlich bei meiner Suche dreimal darunter durchgelaufen. Mit der mitgebrachten Stange ist vom Gehweg aus die Leine schnell geangelt. Bei Schnurzug kommt hinter dem Dach ein Ballonrest zum Vorschein! 



Dann hakt die Schnur. Ich bemerke, dass in dem Garten der Besitzer werkelt. Ich spreche ihn an. Wie alle kennengelernten Anwohner erweist auch er sich als superfreundlich und hilfbereit.  Gemeinsam erkunden wir die Lage. 

Der Schirm ist deshalb nicht vom Dach zu befördern, weil er gar nicht auf dem Dach liegt. Sondern auf dem Balkon im ersten Stock des Hauses. Da ist er natürlich von der Straße aus nicht zu sehen. Und dort hat sich der Abroller im Balkongitter verklemmt. Der Bewohner verschwindet im Haus und muss erst einmal den Rollladen hochdrehen - er war heute noch nicht auf dem Balkon. Er befreit den Abroller und wirft  die guten Sachen herunter.  Der Rest ist einfach. 

Jetzt muss ich  noch rasch mit dem Besitzer des Sondengrundstücks Kontakt aufnehmen, diesmal handelt es sich um einem jungen Mann. Er hat es etwas eilig, weil er seinen Flieger kriegen muss, aber meine Sondenbergung ist reine Formsache und schnell gemacht. Mangels Schnurzug ist die Sonde von dem Busch heruntergefallen und muss nur vom Boden aufgesammelt werden.

 

Der Besitzer des Hauses am Kirchweg ist im Garten zugange. Ich kann ihm noch die Auflösung des Rätsels berichten. 

Nun wird es Zeit, die Heimreise anzutreten. In dem Lidl an der Bushaltestelle "Kirchweg Nord" hab ich nach meiner Sondenjagd 2016 schon mal eingekauft. Dort entspann sich damals ein unvergesslicher Wortwechsel mit der Kassiererin:

"Was raschelt denn da in Ihrer Tüte?" "Ach wissen Sie, das ist nur der Fallschirm eines Wetterballons." "Ach so, na dann, schönen Tag!" 

Heute werde ich dort weder einkaufen noch an der Kasse rascheln. Denn da kommt schon der Bus, der mich zurück zum Bahnhof Itzehoe bringt. 

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