Freitag, 14. Januar 2022

Immer sauber bleiben!

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S0620467
Frequenz:
402.5 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 12.10.2021 12:00Z
Track
wettersonde.net
Maximale Höhe:
33320m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.31 m/s

Landegeschwindigkeit:
3.3 m/s

Landestelle: Fredeburg,
LAT, LON: 
53.6666,10.72705, Google Maps
Status:
Geborgen am 14.1.2022, 11:26UT

Methode:
Extrapolation nach Radiodondy-Daten. Stangenbergung nach Baumlandung, 12m

 Diese Sonde landete direkt im Wald. Die Gegend ist interessant: Wisentgehege, die westliche Hälfte des Waldes ist ein Friedwald. Nach der Landung hat sich irgendwie niemand für das Objekt interessiert. Irgendwann landete sie auf meiner Kaltsondenliste. Wenn ich in der Gegend bin, kann ich ja mal vorbeigucken. Das habe ich auf dem Rückweg von erfolgreichen Bergungen zweimal getan. Am 6.11. konnte ich nichts finden. Hier gibt es aber auch hohe Bäume, und das Laub war noch teilweise noch oben. Am 14.12. war ich wieder vor Ort. Aber anders als in der Umgebung war der Schnee noch nicht getaut, und weiße Sonden auf weißem Grund sind nauch nicht leicht zu entdecken. Beide Male wurde meine erfolglose Suche von der einbrechenden Dunkelheit beendet.

In solchen Fällen hat man 3 Möglichkeiten: a) Sonde hat andere Liebhaber gefunden, b) sie oxidiert irgendwo unauffällig im Wald herum, oder c) die Prediction ist falsch.

Variante a) ist unwahrscheinlich. Niemand hat eine Bergung eingetragen. Bei einer Sinkgeschwindigkeit von 3.3m/s werden Schirm und
/oder Sonde  mit hoher Sicherheit im Baum hängen, wo sie ein Spaziergänger weder entdecken noch bergen kann. Variante b) ist möglich, aber beim zweiten Versuch hätte man zumindest einen Fallschirm im Baum sehen müssen. Bleibt Variante c).
Also rechne ich mal zur Überprüfung der damaligen Prediction eine stumpfe Extrapolation. Und sofort wird klar, warum die Sonde nicht gefunden wurde. Nach der nisher verwendeten Tawhiri-Prediction wäre die Sonde  150m weiter geflogen als nach der neuen Extrapolation!! Das kann kaum stimmen. Der Wind  weht in 158m Höhe im Zweifel stärker als am Boden.
Irgendwie müssen die Windgeschwindigkeiten im Wettermodell viel zu hoch gewesen sein. Das erklärt meine vergeblichen Suchen. Ich markiere mir die neue Version in Locus.  

 

Am 14.1. habe ich etwas Zeit. Bei einer Inzidenz von fast 900 im Hamburger Raum habe ich auf meine üblichen Öffi-Rad-Aktionen keine rechte Lust. Welche Sonde lohnt eine Autofahrt?  Natürlich die im Wald bei Fredeburg.


Schnell vor der Abfahrt noch mal eine gründliche Datenanalyse: Wie gesagt: Die Sonde ist mit Sicherheit viel kürzer geflogen, und zwar sehr wahrscheinlich sogar etwas kürzer als nach der neuen Lösung. Dafür spricht auch, dass die Sinkgeschwindigkeit nur in der absoluten Endphase so extrem niedrig lag.  Da es in den Kursdaten einen Trend nach Osten gibt, ergänze ich den Locus-Eintrag mit "wahrscheinlich kürzer, wahrscheinlich mehr NO".  Derart gerüstet bin ich recht optimistisch, diesmal die Sonde zumindest lokalisieren zu können.

15m Stange und das übliche Geraffel in den Kofferraum und hin. Am Parkplatz des Friedwaldes ist ungewöhnlich viel Betrieb. Ein heranrollender schwarzer Kombi gibt die traurige Erklärung: Im Friedwald findet eine Beerdigung statt. Die Wisente in den Gehegen sind auch recht aktiv. An der Wegkreuzung am Waldeingang liegt die letzte Position der Sonde. Rechts geht es zum Friedwald, links zur Sonde. Gar nicht weit weg sollte die neue Lösung liegen. Und diesmal dauert es keine drei Sekunden, bis ich weiß, dass ich hier richtig bin.


Ich drehe mich ein wenig um 180 Grad und starre angestrengt in alle Richtungen. Ohne die übliche Schnurverfolgung erkenne ich eine RS41 12m hoch  im Nachbarbaum.






Missionsziel Nr. 1, die Loklalisierung der Landestelle, ist erreicht. Aber hier geht heute mehr.  Beide Objekte sind in der Reichweite der 15m-Stange. Beide sind aber nicht einfach. Die Sonde erfordert allerlei Stangen-Mikado durch dünne Unterholz-Zweige. 




Der Schirm ist auch nicht ohne. Er hängt etwas niedriger, aber hat sich extrem im Geäst verhakt. Mit der Schur-Hakentechnik beschädigt mein extremes Gezerre glücklicherweise nicht die Stange. Leider reißt die Sondenschnur gleich am Abroller, so dass ich diesmal leider fast keine Schnur aus der Umwelt entfernen kann.

Ein Mitarbeiter des nahen Friedwaldes hat meine Aktion aus der Ferne mitbekommen und kommt mal gucken. Er stellt viele gute Nachfragen nach dem Sinn und der Technik der Radiosonden und findet das Ganze offensichtlich ziemlich spannend.

Am Weg zum Friedwald finde ich auch das folgende Schild:




Und nimm auch den Elektroschrott anderer Leute mit.

 

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Samstag, 8. Januar 2022

Eine Sonde fährt davon

Die erste Meppener Sonde am Freitag landet bei Bendestorf auf einem freien Feld. Niemand der üblichen Verdächtigen traut sich ran.  Ich beschließe am Samstag morgen einen Tripp von Ahrensburg aus. Am Hauptbahnhof rasch in den RE31 umgestiegen, und schon bin ich in Klecken. Das Faltrad bringt mich schnell zur Landestelle. Auf einem Rapsfeld liegt das Objekt der Begierde. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S3121009
Frequenz:
404.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
7.1.2022 6:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.64 m/s
Maximale Höhe: 24187 m
Landegeschwindigkeit: 2.6 m/s
Track  Radiosondy-wettersonde-Mix
Landestelle: Bendestorf,
LAT, LON 
53.33732,9.98634 Google Maps
Status:
Geborgen am 8.1.2022, 10:41 UT
Methode:
Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten

Die Sonde ist schnell aufgefunden, denn sie liegt nur 7m von der Prediction entfernt. Der kleine Fallschirm hatte für eine sehr langsame Landung gesorgt, es gibt wenig Ballonrest. 

 






Zurück fahre ich bis zur bekannten Kreuzung am Klecker Großsteingrab, und weiter geht es zur Landestelle von N3340159, der Norderney-Mittagssonde vom 9.12.2017. Vier Jahre hängt sie eisern im Baum, man nennt sie auch "die Naturkonstante". Ich muss nur rasch nach oben gucken; Naturkonstanten sind eben konstant. 

Den Zug in Klecken könnte ich nur mit viel Stress vielleicht noch erreichen. Gleich weit weg liegt Buchholz, was den Vorteil hat, dass hier auch nach Hamburg durchfahrende Züge halten. Bequem müsste ich dort in einen Zug einsteigen können und kaum später in Hamburg eintrudeln.

Ich sehe, dass die Norderney-Mittagssonde auf Hamburg zusegelt. Es sieht so aus, als würde sie irgendwo in den Marschen östlich von Harburg landen. Also verlasse ich in Hamburg-Harburg den Zug.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:T1841511

Frequenz: 405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 08.1.2022 12:00Z
Track wettersonde/radiosondy-Mix
Maximale Höhe:
32384m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.34 m/s

Landegeschwindigkeit: 9.2m/s
Landestelle: Allermöhe LAT, LON
=
53.4919, 10.1164, Google Maps
Status: geborgen durch Holger am 8.1.2021, 13:35 UT
Methode: Empfang des Sondensignals mit TTGO


Die Sonde fliegt aber weiter Richtung Moorfleet oder Allermöhe. Wieder hat niemand von der Whatsappgruppe großes Interesse. Als ich am Hauptbahnhof ankomme, habe ich die Wahl: Gleich nach Hause fahren oder in die S-Bahn springen und zur Station Mittlerer Landweg fahren. Das sind nur 10 Minuten, und inzwischen ist die Sonde in einem Gewerbegebiet 1300m vom Bahnhof entfernt niedergegangen. Ob man rankommt ist sehr die Frage. Ich bin aber neugierig und fahre in. Vom Bahnhof Mittlerer Landweg geht es in wenigen Minuten direkt auf guten Straßen zur Landestelle. Direkt sehen kann ich nichts, aber ich habe Glück: Die Sonde sendet noch.


Ich übertrage die Position auf Locus und bin etwas erstaunt. Die Sonde liegt unweit der Straße und deutlich von der Prediction entfernt.  Links ist eine Firma, die als Covid-Testzentrum fungiert, mit ein paar Parkplätzen davor. Dort liegt ...nichts. 

Die Sonde sendet immer noch, jetzt aber 80m südlich, diesmal auf Höhe der Prediction, wieder direkt auf der Straße. Ich also hin. Da hatte ich doch meinen ersten Empfangsversuch unternommen. Dort ist ...nichts. Ich bin auch sehr sicher, dass ich bei der Bedienung von RDZsonde nichts falsch gemacht habe und finde den "Hüpfer" der Sonde ein wenig merkwürdig. Inzwischen sendet auch nichts mehr. Um auszuschließen, dass ein Auto die Sonde mitgeschleift hat, fahre ich bis zur nächsten Kreuzung. Da liegen keine Trümmer herum.

Zurück an der ersten Position entdecke ich in einer Parkbucht einen einsamen Latexstreifen. Mir ist inzwischen klar, was passiert ist. Jemand hat hier sein Auto geparkt und saß schon, als ich aufschlug, abfahrbereit mit der sendenen Sonde im parkenden Auto. Vielleicht hat er mich sogar gesehen. Bei meiner zweiten Peilung war er bereits auf dem Weg nach Hause. Er muss an mir vorbeigefahren sein.

Der Verdacht wird bestätigt. Kurz darauf hat Holger die Sonde bei Radiosondy eingetragen. Sei es ihm gegönnt. Schade aber, wenn ich zwei Minuten eher aufgetaucht wäre, hätte es für einen Sondenjäger-Smalltalk mit dem mir unbekannten Kollegen gereicht.

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Sonntag, 2. Januar 2022

2022: das Jahr fängt gut an...

Zum Jahreswechsel schnellen die Temperaturen von -10°C auf +12°C. Irgendwann ist das Eis auf den Feldwegen so weit abgetaut, dass man an eine Radtour denken kann. Zielgebiet ist mal wieder die Göhrde, wo sich im Dezember allerlei Kaltsonden angesammelt haben. Am 1.1. ist trockenes warmes Wetter angesagt. Ich plane eine Runde, die  vom Bahnhof Göhrde 40km durch den Wald und über Felder zum Bahnhof Neetzendorf führen soll. Spontan beschließe ich, den Zug schon in Neetzendorf zu verlassen und die Runde anders herum zu fahren. Die aussichtsreichsten Sonden würden so am Beginn der Tour angesteuert, was bei den kurzen Tagen sinnvoll sein könnte. Dieser Spontanbeschluss hat sich am Ende ausgezahlt. 

So ist die Schleswiger Sonde vom 16.12.2021 das erste Ziel der Tour. Der Weg vom Dorf Boitze aus führt fast exakt nordwärts direkt auf die Tawhiri-Prediction zu. Das auf der Karte verzeichnete Großsteingrab am Wegesrand erweist sich leider als ein durch den Bewuchs von uralten Eichen zerstörter Steinhaufen. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T1241009
Frequenz:
402.5 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 16.12.2021 12:00Z
Track
wettersonde.net und eigener Empfang
Maximale Höhe:
31037m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.48 m/s

Landegeschwindigkeit:
3.0 m/s

Landestelle: Boize,
LAT, LON:
53.13689,10.74929, Google Maps
Status:
Geborgen am 1.1.2022, 9:51UT

Methode:
Extrapolation nach eigenen-Daten. Stangenbergung nach Baumlandung, 7m

Im Wald, direkt am Weg, soll die Sonde laut Tawhiri gelandet sein. Ich habe mir gestern die Prediction glücklicherweise noch mal genauer angesehen. Unter anderem war mir aufgefallen, dass die Tawhiri-Prediction viel weiter zielte als eine stumpfe Extrapolation. Da der Wind in 300m Höhe im Allgemeinen eher  STÄRKER weht als am Boden, konnte das nicht stimmen. Offenbar war die Windgeschwindigkeit im Wettermodell nicht korrekt. Also schließe ich mein Rad an einem Baum an und stratze direkt zur Extrapolationslösung am Waldrand. Ein passender Waldweg führt direkt dort hin.


Auf dem Feld liegt nichts. In den Bäumen hängt auf den ersten Blick auch nichts. Ich beschließe in Flugrichtung in den Wald zu gehen, sehe mich aber noch einmal um. Da sehe ich 100m weiter südlich an einem Baum am Waldrand einen weißen Fleck. Im Fernglas hängt da  unmübersehbar eine RS41!  Die Sonde ist in bequemer Reichweite für meine 10m-Stange.



Ich mache wie üblich erst einmal nichts, sondern verfolge die Schnur und finde einige Meter im Wald Ballonrest und Schirm am Boden.





Natürlich hoffe ich, dass nach Abschneiden dieser Last die Sonde am anderen Ende herunterfällt. Leider ist die Reibung etwas zu groß, so dass ich doch die Stange bemühen muss. 



Weiter geht es. Am Wegesrand steht eine Schwanenfamilie. 


Das kann nicht sein. Höckerschwäne ziehen so lange nach der Brutzeit nicht mit dem Nachwuchs herum! Ein Blick durchs Fernglas ergibt: Das sind Singschwäne! Wow! Die kommen aus der Taiga und sind hier Wintergäste. 

Weiter geht es nach Kettelsdorf. Dort muss dringend ein Baumhänger kontrolliert werden, eine Norderneysonde vom 8.5.2021, die außerhalb der Stangenreichweite am Baum hing. Ich hatte sie am Tag nach dem Flug lokalisiert. Beim letzten Check im Oktober war sie in den Nachbarbaum gependelt, hing aber immer noch 20m hoch, mit ziemlich zerfallener Schnur. Ich habe Glück - sie liegt auf dem Boden, lässt sich sogar noch anschalten.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S2330369
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 08.05.2021 12:00Z
Track radiosondy.info
Maximale Höhe: 34907m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.90 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 5.8 m/s 
Landegeschwindigkeit: 2,6 m/s
Landestelle: Kettelstorf LAT, LON: 
53.11575,10.738148, Google Maps
Status: Baumlander, von unten sichtbar in 20m Höhe, Schirm in 13m Höhe. Vom Baum gefallene Sonde geborgen am 1.1.2022.11:20UT
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten, vom Baum gefallen.




Bei weiter frühlingshaften Temperatur geht es duch das wellige Wendland über Himbergen weiter. Hier möchte ich meine Tradition mit der Weihnachtssonde aus Norderney wieder fortsetzen.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3350288
Frequenz: 405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 24.12.2021 00:00Z
Track wettersonde.net und eigener Empfang
Maximale Höhe: 21926 m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.90 m/s
Landegeschwindigkeit: 4.5 m/s
Landestelle: Hohenflier/Göhrde  LAT, LON:
53.095362,10.7957720, Google Maps
Status: Nicht geborgen. Baumlander, von unten sichtbar in 25-30m Höhe, Schirm in 2m Höhe geborgen.
Methode: Tawhiri-Prediction und Extrapolation nach eigenen Daten.


Die Internetdaten enden in über 700m Höhe. Glücklicherweise hat mein Raspby in Schmalebeck die Sonde bis in 395m verfolgt. Prediction und Extrapolation liegen in der gleichen Gegend, aber bestimmt beträgt die Unsicherheit der Prediction trotzdem noch über 300m. Das Gelände lässt sich gut durch ein Netz von auf den Karten nicht eingezeichneten Wegen durchstreifen. Ich sehe nach kurzer Suche ein längliches weißes Objekt an einem Baumstamm kleben. Ein Blick durchs Fernglas: Es ist der Ballonrest! Vor Ort erweist sich die Situation allerdings als kompliziert.




Die Sonde hängt 40m weit weg in 25-28m Höhe im Baum, direkt unter der Astgabel. Den Fallschirm herunterzuziehen trau ich mich nicht. So fasse ich den Entschluss, die straff gespannte Schnur mit dem Schneidwerkszeug an der Stange durchzuschneiden. Zwar schnellt die Schnur in die Höhe, aber drüben ertönt kein Klötern. Die Lage dort ist unverändert. Ich berge Schirm und Ballonrest, die sich in der Borke extrem verhakt haben und kann hier nichts weiter tun. Meine heutige Baumlanderbilanz: Einen von der Liste gestrichen, ein Neuzugang. Also bleibt alles beim Alten.


Allmählich wird es Zeit den Rückweg zu konzipieren. Da gibt es immer mehrere Varianten für den Radfahrer: Wendlandbahn oder Bad Bevensen. Der kürzere Weg zur Wendlandbahn führt an einer weiteren Kaltsonde vorbei, T3311648. Man muss hier aber immer auf die Uhr gucken, denn die Wendlandbahn fährt nur alle 3 Stunden. Auch ist die Prediction sehr unsicher, und wahrscheinlich ist eine längere Suche in einem kombinierten Gelände aus Wald  und Feldmark, direkt an der Straße, nötig. Die Wendlandbahn um 16:35 in Göhrde würde zeitlich ausgehen, aber rumbummeln darf ich auch nicht. Also  fahre ich bei Sprühregen wieder einmal komplett durch den großen Wald, am Forsthaus Röthen bei Richtung Oldendorf. Von der Straße aus checke ich, ob die Sonde dort auffällig herumliegt. Ich klettere auf einen Höhenzug und suche mit dem Fernglas Äcker und Waldränder ab. Nichts. Also muss man diese Sonde aufgeben oder noch einmal mit mehr Zeit wiederkommen. Um 16:20 trudel ich am Bahnhof Göhrde ein, packe alles zusammen, und da kommt auch schon der Zug. Im Gegensatz zur Hinfahrt, wo ich kaum Mitreisende hatte, war der Zug recht voll. Kreatives Bahnfahren erlaubt mir eine sehr gemütliche Rückfahrt von Lüneburg nach Ahrensburg.


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Mittwoch, 29. Dezember 2021

Matschackerlandung und Baumbergungsfrust

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3440480
Frequenz: 405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 28.12.2021 12:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe:
32912m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.26 m/s

Landegeschwindigkeit: 2.6 m/s
Landestelle: Gut Lanken LAT, LON:
q=53.54154,10.50984, Google Maps
Status: geborgen am 14.12.2021, 13:01 UT
Methode: Tawhiri-Prediction und Extrapolation nach Internetdaten

Die Mittagssonde aus Norderney sollte laut Vorhersage im Hamburger Westen landen. Das war gut, ich war gerade arbeitsbedingt in der Gegend unterwegs. Am Ende hatte sie einen hervorragenden Fallschirm, flog daher weiter und ging auf einem Acker bei Gut Lanken nördlich von Schwarzenbek nieder. Jürgen wohnt nicht weit entfernt und war zur Stelle. Er konnte trotz intensiver Suche keine Sonde entdecken. Es war aber auch schwierig, denn der hartgefrorene Acker war teilweise schneebeckt. Man kennt das: Weiße Sonde und weißer Schirm im Schnee - das wird untrivial. Leider hatte er auch kein Empfangsequipment dabei. Am Ende war er sicher: Die Sonde ist weg, da war jemand schneller.

Als am nächsten Morgen kommt mir die Sache komisch vor: Von unserer Whatsappgruppe war es keiner. Eingetragen hatte es auch keiner, das spräche gegen einen Sondenjäger namens Sven. RUSH (Rapid Unidentified Sonde Hunter) trägt zwar nie was ein, man hat aber auch länger nichts von seinen Aktivitäten bemerkt. Auch ist er mit dem Rad unterwegs, die Radwege waren gestern noch ziemlich vereist. Ich verorte ihn im Raum Geesthacht, und da war Jürgen im Zweifel viel schneller vor Ort. Jürgen ist allerdings ein erfahrener Kaltsondenjäger und übersieht so schnell nichts.

Könnte die Sonde etwas weiter geflogen sein und daher gar nicht auf dem Acker gelandet sein? Die Landegeschwindigkeit war mit 2.6m/s sehr langsam und schwankte recht stark von Frame zu Frame. Eine stumpfe Extrapolation mit 2.6m/s bringt die Landestelle etwas mehr Richtung Ackerrand, aber selbst mit 1.8m/s läge die Sonde noch eindeutig auf dem Acker. Aber die Schnurlänge beträgt ja 50 Meter. Wenn sie in der absoluten Endphase nur wenig langsamer gewesen ist,  liegt der  Fallschirm nicht, wie von Jürgen erwartet, auf dem Feld, sondern hängt in den Bäumen der Knicks links und rechts der Straße. Und wenn man das nicht erwartet, übersieht man es. Auf dem Acker ist dann nur eine weiße Sonde auf weißem Schnee, und die ist, wie gesagt, untrivial zu erspähen. 

Ich habe an der B207 weiter nördlich eh eine Kaltsonde im Wald, die nach dem Laubfall einen Besuch bekommen soll. Was spricht dagegen, mit dem Auto hinzufahren und vorher noch bei Gut Lanken vorbeizuschauen?

Ich parke das Auto nahe der Biogasanlage, denn die Straße Richtung Gut ist eine Eisbahn. Das von Jürgen erwähnte Maisstoppelfeld ist umgepflügt, aber gefroren. Der Schnee und das Eis sind aber weitesgehend aufgetaut. Ein Blick über den Knick lässt sofort einen kleinen gelben Fleck erkennen. Der Feldstecher zeigt: Das ist der DWD-Label, das meiste von der Sonde liegt aber gut getarnt hinter einem Erdwall. Gestern, wo das alles weiß war, hatte Jürgen kaum Chancen.

Der Rest der Arbeitshypothese bestätigt sich durch einen Blick von der Landestelle zum Knick ebenfalls:



Die Bergung der Sonde ist natürlich ziemlich einfach. Jetzt noch rasch den Schirm aus dem Baum holen und gut. Die Sachen sind in Reichweite meiner Stange, also wird das eine einfache Nummer. Interessant ist, dass sich der Abroller bereits von dem Ballon losgerissen hat. Beide Teile sind allerdings massiv im relativ knorrigen Geäst der Knickeiche verhakt. Weder kann ich den Abroller an der Schnur herausreißen. An dem Fallschirm beiße ich mir mit der Stange komplett die Zähne aus. Einmal kann ich zwar die Fallschirmschnur  einhaken. Da ich mit der Schnur-Haken Technik arbeite, kann ich dann an einer stabilen Leine statt an der Teleskopstange reißen, aber der Schirm geht bei aller Gewalt nicht los. Außer, dass ich den Haken kaputtmache, hat mein Reißen keinen Effekt. Inzwischen hat sich der gefrorene Acker in eine Matschhölle verwandelt - erstaunlich, wie schnell das geht. Irgendwann gebe ich genervt auf. Immerhin habe ich praktisch die gesamte Schnur geborgen.

Meine anschließende Suche nach einer Schleswiger Sonde nördlich von Mölln im Wald ist übrigens komplett erfolglos.Hier bin ich zum zweiten Mal. Das erste Mal konnte ich wegen des dichten Laubdach kaum etwas sehen. Dieses Mal ist der Wald noch total verschneit. Zwar kann ich gut die Zweige der z.T. extrem hohen Bäume durchsuchen, aber darin hängt kein weißer Schirm. Vielleicht liegen die Teile auch alle auf dem Boden. Wegen des verschneiten Waldbodens geht es mir möglicherweise so wie Jürgen gestern. Auch schwindet langsam das Tageslicht. Hier braucht man Sonnenschein, kein Laub und keinen Schnee, wenn da überhaupt noch etwas zu holen sein sollte. Vor dem Austreiben der Blätter muss ich wohl noch mal vorbeigucken.

Die Rückfahrt im Dunkeln ist phasenweise ein interessanter Blindflug durch such rasch verdichtenden  Nebel.

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Samstag, 18. Dezember 2021

Von Sophienthal nach Boize und zurück

Dieses Gebiet kenn sich seit meiner Jugend, als ich viel Ornithologie betrieben habe und Vogelstimmen auf Tonband aufgenommen habe. Das Gute: Direkt an der DDR-Grenze war das Ende der Welt, und da gab es keine Störgeräusche. Die Gegend östlich von Gudow war mein beliebtestes Revier. Es gab sogar Kraniche am Segrahner See. Die Ausschilderung war so, als gäbe es die Grenze nicht. "Zarrentin 6 km". Die Straße war aber merkwürdig schlecht, und bald stand man an einer Straßensperre. Eine kaputte Brücke ging über den Grenzgraben. "Halt Bachmitte Grenze" Drüben ging nach ein paar 100m Ödland die Straße weiter. Links der Straße ein Wachturm, vor dem ein Kolonnenweg abbog, auf dem Trabant-Geländewagen und Motorräder patrollierten.


Kurz vor der Grenze gab es auf West-Seite ein Dorf namens Sophienthal, und drüben konnte man aus der Feldmark ein noch kleineres, ähnliches  Dorf namens Boize sehen. So dicht an der Grenze war ich selten zugange, aber die Region ist mir vertraut. 

Die Bergener Morgensonde vom 8.12. landete in der Feldmark bei ...Boize (Mecklenburg). Die Morgensonde vom 9.12. landete direkt an der Straße nach Zarrentin gleich hinter Sophienthal (Schleswig-Holstein). Als die Sonden nach 10 Tagen noch immer nicht als geborgen gemeldet waren, habe ich meinen Samstagsausflug ins Landegebiet gemacht. Ich kenne noch den Parkplatz am Segrahner Wald. Von da aus geht es zu Fuß weiter, so wie damals. Kraniche wie damals - aber inzwischen sind sie keine Seltenheit mehr. Wacholderdrosseln in Schwärmen in der Luft. Gänse. Wow! Die Sonde West liegt gleich in der Nähe, wenn sie noch da ist. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
T1230406
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 09.12.2021 06:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe:33232m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.02 m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.7 m/s
Landestelle: Sophienthal
, LAT, LON:
53.55825,10.81591 Google Maps
Status: geborgen18.12.2021, 
10:45 UT
Methode:
Tawhiri-Prediction aus Radiosondy.Info-Daten

Man muss nur zur Hauptstraße zurückgehen, links laufen, und dann sollte sie gleich vorne auf dem Feld liegen. Jawoll, Fallschirm und Sonde sind sofort auffällig zu sehen. Die Sonde liegt nur 5 Meter neben der (von mir gar nicht so genau eingschätzten) Prediction. Das ist ja heute einfach. 





Auf dem matschigen Acker mag ich nicht zum Fallschirm laufen, also ziehe ich den Schirm und den minimalen Ballonrest zu mir. Die West-Sonde ist geborgen. Luftlinie zu Sonde Ost sind weniger als 2km. 

Erstmal die alte Grenze überqueren. 




Gleich vor den Eichen geht der damals schon erspähte Kolonnenweg in die grobe Richtung Sonde.

 

 



Ich komme an der Stelle vorbei, an der ein gewisser Frank Möller  und seine Freunde ihre Spezialleiter und Spezialsteigeisen bei ihrer Wanderung von Boize nach Sophienthal  zur Aufführung gebracht haben - sie hatten die Sachen da hinten in einem Schuppen in Boize angefertigt. Nur Wochen nach dieser damals vielbeachteten Aktion traf Frank Möller seine Freunde aus Boize in Mölln auf dem Marktplatz - der mit so viel Risiko und Hirnschmalz bezwungene Zaun war nämlich unerwartet verschwunden.

Der Grenzstreifen zwischen den im Osten riesigen Feldern und der Grenze sind naturbelassene Brache, heute Teil des "Grünen Bandes". Die Landestelle liegt auf einem der weitläufigen Flächen die der Kolonnenweg, der Grenze folgend, umrundet. Schwerer Lehmboden. Ich finde einen einigermaßen sinnvollen Zugang, wo ich zwischen Feldern und Gräben bis fast an die Position rankomme. Insgesamt gibt es hier aber keine der vielen Feldwege, die im Westen die Landschaft durchziehen, und die fast überall einen schnellen Zugang mit Fahrrädern oder zu Fuß erlauben. Tatsächlich kommt man hier nur auf der Straße und auf dem Lochplattenweg voran.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
T1230402
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 08.12.2021 06:00Z
Track radiosondy
Maximale Höhe:26192m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.02 m/s 
Landegeschwindigkeit: 9 m/s
Landestelle: Sophienthal
, LAT, LON:
53.5682,10.83960 Google Maps
Status: geborgen 18.12.2021, 
12:15 UT
Methode:
Tawhiri-Prediction aus Radiosondy.Info-Daten

Der furchtbare Radiosondy-Bot meinte zu der Sonde folgendes:

VERLOREN
0, 0AUTO STATUS: Probably lost in the water[BOT]AUTO-STATUS - 2021-12-08 07:10:30z

Das lag nur daran, dass die letzte Position der Sonde über einem kleinen Tümpel lag....

Die Landschaft ist recht hügelig. Man steht auf einem Hügel und meint, eine gute Rundumsicht zu haben, aber da liegt weit und breit nichts. Man unterschätzt die Wirkung von kleinen Erhebungen und Mulden. Eigentlich habe ich alles gesehen - offenbar ist diese Sonde weg. Ich will mich gerade nach links drehen, da erpähe ich  hinter dem Hügel ein extrem weißes, ziemlich riesiges Objekt - unverkennbar ein vollständiger Ballonrest. Der Ballon ist nur an einer Stelle aufgeplatzt und ansonsten komplett. Der Fallschirm ist darunter begraben. 


 







Die Ost-Sonde liegt 100m von der Prediction entfernt. Der Rucksack ist voll mit ziemlich verdrecktem Gummizeugs. Almählich geht es zurück, den langen verwundenen Grenzverlauf zur Straße. Insgesamt habe ich fast 10km zurückgelegt, obwohl die Sonden keine 2km auseinander lagen. Ich habe noch zwei Sonden auf der Liste. Eine könnte man auf dem Rückweg versuchen,  ein Baumlander, den ich im Laubdach bei einem anderen Besuch nicht finden konnte. Das erfordert noch etwas Tageslicht, aber ich könnte erst bei Sonnenuntergang dort ankommen. Also beschließe ich, dass 2 Sonden für heute genug sind, gehe zurück zum Auto und fahre heimwärts. 

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Dienstag, 14. Dezember 2021

Irrational und instinktgesteuert im Beimoorwald

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3310800

Frequenz: 405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 14.12.2021 00:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe:
28512m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.76 m/s

Landegeschwindigkeit: 3.4 m/s
Landestelle: Hammah LAT, LON: 53.613,9.38687, Google Maps
Status: geborgen am 14.12.2021, 13:01 UT
Methode: Stangenbergung des Fallschirms und Ablassen der Sonde.

Der Beimoorwald ist ein mir seit Kindesbeinen vertrautes Stück Heimat. Radiosonden landen hier gerne einmal, und meistens bleiben sie in den hohen Bäumen hängen. Als die 0Z-Sonde aus Norderney direkt nördlich des Waldhauses landete, war ich in Hamburg. Ich wollte an dem Tag ohnehin nach Schmalenbeck fahren. Am Vormittag hatte da aber noch eine berufliche Zoom-Sitzung zu erledigen und kam daher erst am frühen Nachmittag los. Mittagessen wird überbewertet. Erst einmal schnell nachgucken, was die Sonde im Wald macht. Dann auf dem Rückweg ein paar  Vorräte in Großhansdorf einkaufen, das dürfte ja schnell gehen. Welch ein Irrtum. 

Das Auto parke ich am bekannten Platz südlich des Molchsteichs. Der Weg zur Landestelle ist mir absolut vertraut. Leider ist es eine in dem Wald eher untypische dichte Fichtenplantage mit 30m höhen Bäumen. Die Sonde hatte sich nach der Landung - Bernds Station in Oldesloe sei Dank - noch im APRS und in wettersonde.net verewigt. 

 


Daher ist die Landestelle exakt bekannt. Die Höhe über dem Boden soll ca. 30m betragen. Also im Wipfel eines der höheren Exemplare. Heute dürfte es sich darum drehen, die Lage zu erkunden - die Chancen auf eine Bergung sind eher mau. Aber wo hängt der weiße Kasten? Ich suche von allen Seiten die Landeregion ab. Wo man überhaupt mal in die Wipfel gucken kann, wird alles mit dem Fernglas inspiziert. Wo ein Stück des Himmels zu sehen ist, wird es nach der Schnur abgesucht. Nichts, nichts, nichts. Schnell noch mal checken, ob sie schon jemand eingetragen hat - Resultat negativ. Also ist sie noch da - ein Zufallsfinder wird hier nichts beschicken.

Vielleicht kommt man auf der Fallschirmseite weiter - die Bäume scheinen in Flugrichtung  lockerer zu stehen als an der Sondenposition. Ich tippe in die Geochache-Tools von Lokus den letzten Kurs der Sonde ein und lasse mir einen Punkt in 50m Entfernung ausgeben - Schnurlänge einer RS41. Ich gehe dort hin. Und EXAKT dort hängt der weiße DWD-Fallschirm 13 m hoch im Baum. Die erste Spur der Sonde! Aber wegen der dichten Bewaldung lässt sich die Schnur nicht zurück verfolgen.



Nun ist ja hochgradig unweise, an einem Fallschirm zu reißen, also suche ich, in Kenntnis der Geometrie, noch mal an der Landestelle. Aber nach einer weiteren halben Stunde Fernglasinspektion der Bäume gebe ich das auf. Warum rational handeln, wenn instinktgesteuert auch eine Option ist?

Also die 15m-Stange ausfahren und den Schirm angeln. Da ist kaum eine Kraft zu überwinden. Ich habe ohne nennenswerte Friktion den Schirm zu 2/3 heruntergefahren, da klötert es in Sondenrichtung. Ooops, vielleicht sollte man innehalten und da mal nachgucken? Stange an einen Stamm lehnen und auf zur Sondenposition! Da ist weiträumig NICHTS. Hmm. Ich habe sie doch eindeutig klappern gehört! Was tun? Instinktgesteuert und irrational die Stange ganz einfahren! Der Verstand sagt, dass man sie dadurch nur höher in den Baum zieht. Aber Unlogik gewinnt. Ich ziehe die Stange ganz ein. Immer noch gibt es keinen Widerstand. Ich schneide den Schirm ab - vielleicht kommt ja drüben die Sonde ganz runter. 

Ein kurzer Test. Da ist viel Reibung im System! Wenn man die Schnur loslässt, gleitet sie laaangsam nach oben. Noch einmal greifen, das ganze wiederholen. Diesmal gleitet da leider nichts. Vorsichtig an der Schnur ruckeln, vielleicht kann man den Widerstand überwinden? Zwei weitere Versuche - die Schnur bewegt sich nicht. Noch einmal ziehen und entspannen. Diesmal hat sich etwas verändert; man könnte sich einbilden, dass die Schnur mit ein paar Gramm nach oben zieht. . Mir fällt der blöde Spruch ein: "Man muss auch loslassen können". Also... diesmal bewegt sich die Schnur. Erst langsam, dann immer schneller werdend, flutscht sie aus meiner Reichweite. Drüben wieder dieses Klötern - diesmal lauter! Also laufe ich wieder zurück zur Sondenposition, wo ich die Sonde auf dem Boden erwarte. 

Sehr zu meiner Bestürzung liegt da .... nichts! Auch nicht im näheren Umkreis. Aber ich habe sie doch  klötern gehört! Frustriert wandere ich zurück zum Fallschirm. Kurz bevor ich da bin, liegt da etwas Weißes. Das kann sie nicht sein, sagt der Verstand. Denn das Objekt liegt nicht wirklich auf der Verbindungslinie APRS-Posittion-Fallschirm. Aber ich ändere meine Laufrichtung und werde nicht enttäuscht....



Der Sensor ist beschädigt, ansonsten ist sie in guter Verfassung. Nun wird alles zusammengepackt und fertig. Das Einziehen der Schnur auf der Sondenseite ist ebenfalls merkwürdig. Die Schnur lässt sich problemlos aufrollen. Das letzte Schnurstück verhakt sich dann aber hoch oben im Baum und kann nur mit extremer Gewalt nach unten befördert werden. Oben biegen sich die Zweige so sehr, dass ich fürchte, ich könnte sie abreißen.


Was ist da passiert? Zuerst habe ich Zweifel an der APRS-Position, aber die dürfte gestimmt haben. Die Sonde hing offensichtlich ca. 30m hoch an besagter Stelle und war nicht zu sehen. Offenbar war sie im Wipfel eines Baumes nur ganz lose verhakt. Jetzt zieh ich an der Schnur - die Sonde löst sich  und pendelt 35m weit in den nächsten Baum. Das erste Klötern! Dort angekommen, hätte man sie wahrscheinlich von unten auch sehen können - aber ich rechnete ja nicht damit, dass sie dort sein könnte. Beim weiteren Herunterziehen des Fallschirms habe ich die Sonde sicher 5m hoch gezogen und kann von Glück reden, dass ich sie da nicht in der Astgabel verklemmt habe. Nach dem Losruckeln fiel die Sonde dann wie erhofft herunter, bloß nicht da, wo ich sie vermutete. Das gab dann das zweite Klötern.

Der Verstand war jedenfalls diesmal für den Jagderfolg unerheblich und erlaubte allenfalls eine Rekonstruktion der instinktgesteuerten Abläufe. 

 

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