Freitag, 26. Oktober 2018

Gut geduscht ist halb gewonnen...

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0930679
Frequenz: 404.10 MHz
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 26.10.2018 12Z
Track  Polen (radiosondy.info)       eigene Daten
Landestelle  Klein-Offenseth-Sparrieshoop, LAT LON:53.802931, 9.692940  Google maps
Funddatum 26.10.2018, 16:30Z
Gefunden durch Sonden-GPS der gelandeten Sonde

Diese Mittagssonde konnte ich durch eine aus dem Bürofenster einer Kollegin gehaltene Antenne bis in eine Höhe von 339m verfolgen. Erst nach der Bergung erfuhr ich, dass Radiosondy.info dank Bernds (DL1XH) Empfang die Sonde noch weiter bis in 299m erfasst hatte. Die Prediction auf Basis meiner Daten sah die Sonde auf einem Hof bei Sparrieshoop direkt an der Rosenstraße. Da noch eine ganze Strecke zwischen letzter Position und Aufschlagpunkt lag, war die Prediction nicht sehr genau. Die Sonde konnte genauso gut auf einem der Felder unmittelbar um den Hof liegen oder in der auf Google Maps erkennbaren Hochspannungsleitung hängen. 

Ich bin also mit Regionalzug nach Elmshorn und mit der AKN weiter nach Sparrieshoop gefahren. Von da aus brachte mich mein Faltrad zur Landestelle, die ja direkt an der Straße liegen sollte. Die Mitnahme von Regenhose und Regenjacke machten heute  ausgesprochenen Sinn. Direkt auf der gegenüberliegenden (östlichen) Straßenseite, von besagtem Bauernhof aus betrachtet, lag zu meiner großen Freude ein schon vom Rad aus unübersehbaer weißer Fleck: Ballonrest und Schirm. Wunderbar. Ich war sehr dankbar, Rechner, Antenne und SDR bei dem Regen nicht aus dem Rucksack holen zu müssen, sprinte frohgemut, aber gut geduscht zur Landestelle.


Fotografieren des Schirms war nur schwer möglich. Mein durchaus outdoorfähiges Handy ist zwar sehr wasserdicht und hart im Nehmen, aber leider kann man ein nasses Touch-Screen-Display nicht wirklich bedienen. So musste ich es alle paar Sekunden wieder mit einem Tuch trocken reiben. Ich verfolgte die Schnur, die in Richtung Straße und Hof lief. Und zu meiner Enttäuschung endete sie im Nichts - die Sonde war abgeschnitten. 

Wo war die Sonde? Hatte sie ein Passant mitgenommen? Erst einmal eine halbwegs trockene Stelle unter einer Eiche gesucht. Rechner raus, Antenne raus, alles hochfahren, lauschen. Ja, da war die Sonde. Handy Display trockenwischen und die Koordinaten in Locus gehackt. Die Position lag laut Open Streetmap AUF der Straße, bei genauem Hinsehen auf dem westlichen Straßenrand. Also alles einigermaßen wasserdicht einpacken, Zielführung ein und los. Vom Radweg aus gesehen liegt 1m neben der Fahrbahn an der fraglichen Position eine Sonde im Gras. 

Daran ein paar Meter Schnur. Die Sonde war wohl direkt neben der Fahrbahn auf dem Grünstreifen gelandet und die Schnur war von passierenden Autos durchtrennt worden. Die Sonde war klitschnass, sehr gut erhalten, sendete wie gesehen noch, meldete nach An- und Abschalten einen Sensorfehler durch Blinken.

Ein paar Male zwischen Sonde, Fahrrad und Fallschirm im strömenden Regen hin- und hergerannt und alles eingesackt. Zurück gings zum AKN Bahnhof Sparrieshoop.

Bein Ausbauen der Batterien fiel auf, dass eine der Batterien im Tester fast leer und die andere noch die volle Spannung hatte. Viel später hätte ich wohl nicht eintreffen dürfen. 

Samstag, 20. Oktober 2018

Dass ich das noch erleben durfte....meine erste DFM06

Sondentyp: DFM06
SN: 314932
Frequenz: 402.7 MHz
Startstation: Putlos
Landezeit: 17.10.2018 8:39Z
Track  Polen   eigene Daten 
Landestelle Malkendorf, LAT LON: 53.961321, 10.65048  Google maps
Funddatum 19.10.2018, 16Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction aus eigenem Empfang bis 325m

Die GRAW-DFM06 war eigentlich zu ihrer Zeit eine Feld- Wald- und Wiesensonde. Allerdings begann ich meine Sondensuche im Jahr 2016, und da war sie schon fast überall durch die neuere DFM09 ersetzt. 2017 machte ich, als Bergen doch noch mal eine uralte DFM06 startete, eine erfolglose Expedition ins tiefste Mecklenburg - ohne Erfolg. Dass irgendwann eine DFM06 bei mir direkt vor der Tür landen würde, war unwahrscheinlich. Tatsächlich konnte ich die im Hamburger Raum fast niemals vorkommende Ozonsonde, aber niemals eine DFM06 erbeuten. Irgendwann  rechnete nicht mehr ernstlich mit so einer Sonde. Dies war einfach ein Sondentyp von vor meiner Zeit.

Dabei scheint die Bundeswehr tief in ihren Beständen noch etliche von den Dingern zu lagern, die sie aber selten ausgraben.  Hier im Norden fliegen ausschließlich DFM09. Vor kurzem ließ die Bundeswehr bei einem Manöver in Sachsen etliche DFM06 fliegen. Im Forum schrieb ich den Kollegen, sie mögen doch mal ein paar Exemplare rüberschicken.

Der Ruf wurde erhört. In Ostholstein gibt es direkt an der Ostsee den Truppenübungsplatz Putlos, und da ließen sie ein paar Tage später zu Manöverzwecken Mitte Oktober 2018 außer einigen DFM09 doch tatsächlich ein paar der seltenen Vögel fliegen. Die ersten flogen nach Norden ins Meer, aber am 16. und 17.10. landeten sie an verschiedenen Punkten Ostholsteins. Das ließ immerhin eine Expedition außerhalb meines eigentlichen Jagdgebiets lohnend erscheinen.

Was wo flog, war durch die Bremer Seite wegen des bekannten DFM-Problems nicht zu ermitteln. Da half nur, vom privaten Balkon oder durch ein Laborfenster auf Arbeit eine Antenne in die fragliche Richtung zu halten. Dann war mit dem Zilog-Decoder leicht zu erkennen, ob es eine DFM09 oder eine DFM06 war. Meist war es eine DFM06. Manchmal gab es Mus, weil es Überschneidungen mit den auf den gleichen Frequenzen sendenden Sonden aus Sasel gab. Arbeitsbedingt konnte ich auch nicht alle Sonden verfolgen.

Links RS41_N3930261 aus Sasel, rechts DFM06_315115, unten Zilog-Decoding der DFM

314886 landete am 16.10. mitten im Dorf Danlos bei Lensahn. Allerdings war meine letzte Höhe 1585m, die Prediction daher ungenau, und eine Expedition ein paar Tage später wäre aussichtslos gewesen. Etwas besser sah es bei 315115 aus, die in einen Wald bei Kassau herunterkam, nordwestlich von Neustadt in Holstein. Die hatte ich noch in 814m Höhe erfasst. Aber für eine weite Anreise schien mir auch das nicht aussichtsreich genug.

Am 17.10. konnte ich zwei Sonden verfolgen, die mir sofort wesentlich spannender erschienen. 314932 landete gegen 8:32 UT. Ich hatte Empfang bis 325m Höhe aus einem Fenster auf Arbeit. Die Prediction sah mir gut aus. Landeplatz war ein Streifen Brachland zwischen Feldern, direkt am Flüsschen Curau bei Malkendorf. Eine kleine Brücke ging direkt am vorhergesagten Landeplatz über den Bach. Und um 11:21 schlug 314964 nicht weit weg ebenfalls in freier Feldmark ein. Wieder hatte ich einen guten Empfang und eine vertrauenswürdige Prediction. Wenn man mit dem Zug nach Pansdorf fahren würde, könnte man eine Runde mit dem Rad drehen und innerhalb kurzer Zeit beide Landeplätze besuchen. Das schien sehr aussichtsreich.

Doof bloß, dass ich an dem Tag erst nach 18:00 hätte losfahren können - und dann wäre das eine Nachtaktion geworden. Am Donnerstag hatte ich einen Termin am Abend. Ich hätte mich auf Arbeit am mit Krampf am frühen Nachmittag loseisen können. Wegen des Abendtermins wäre es zeitlich sehr hektisch geworden, und zudem zeigte die Bundesbahn-App eine  Signalstörung und Zugausfälle auf der Strecke an. Und spätabends ereilte mich der klassiche Gorbatschow: Da meldete DL1XH  die Bergung von 314964 auf radiosondy.info. 314932 hatte er offenbar nicht gefunden. Vielleicht hatte er sie nicht auf dem Schirm, oder sie war, als er sie suchte, schon weg *)?

Am  Freitag, den 19.10. hatte ich ab kurz nach 15:00 Zeit. Allerdings würde man nicht vor 16:45 in Pansdorf sein, und von da aus müsste man zur Bergung der verbliebenen 314932 je nach Anreiseweg 6-8km radeln müssen. Um 18:15 ist Sonnenuntergang. Das würde reichen. Wäre vielleicht eine längere Samstagsaktion besser? Dann könnte man mit einem Schleswig-Holstein-Ticket auch noch im Wald von Kassau vorbeigucken, oder sogar zusätzlich in Danlos, um die Chancen zu maximieren. Aber irgendwie hatte ich Angst, dass doch noch ein Abendspaziergänger die Sonde 314932, die immer noch bei weitem am aussichtsreichsten war, wegschnappen könnte. Ich entschloss mich zu einer schnellen Freitagsaktion.

Die Anreise war fast zu problemlos. Es stellte sich heraus, dass man in Lübeck gar nicht umsteigen brauchte, weil dieser Zug ausnahmsweise weiter nach Kiel fuhr, und er in Pansdorf halten würde. Dort wurde das Rad ausgeklappt, Tasche und Rucksack befestigt, und los ging es durchs ostholsteinische Hügelland. Ich kam gut voran. Die Karte zeigte mehrere Zugangsmöglichkeiten zur Landestelle. Ich wählte die direkte über einen Rübenacker. Das war gut möglich, da breite Treckerspuren eine zerstörungsfreie Passage erlaubten und exakt auf die Landestelle zuliefen. Vor Ort eine schnelle Orientierung: Da war die Brachfläche, der Bach. Wo war die Brücke, an der die Sonde liegen sollte? Ah, die Brücke ist der Betondeckel über dem Bach.  Und direkt daneben stach komplett unübersehbar eine weiße Box ins Auge, keine 30 Meter neben der Prediction:

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Es war kein Plastikabfall, es war eine DFM06. Die aufwändige Anfahrt hatte sich gelohnt.

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Die Schnur verlief über einen kleinen Busch, und ein paar Meter weiter, bereits auf dem Rübenacker, fanden sich der kleine rote Ballonrest, der kleine rote Fallschirm und der Abroller. Alles war, wie man es von den DFM09-Manöversonden her kennt. Einen Begleitzettel gab es nicht. Dafür war an der Telemetrieantenne kunstvoll ein Gummiband befestigt, wozu auch immer.

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Als ich wieder auf die Straße kam, hielt neben mir ein Auto an. Sehr interessierter und superfreundlicher Mensch, der einfach fragen wollte, was ich da hatte. Es stellte sich heraus, dass ihm der Acker gehörte. Er stellte viele Fragen und wünschte mir gute Heimfahrt. Die konnte ich gemütlich angehen, da der Zug in Pannsdorf sowieso schon weg war. Also fuhr ich langsam in die schöne Abenddämmerung hinein, mit meiner ersten DFM06 in der Tasche...

Baujahr 2013. Anklicken: Größere Darstellung

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*) Hatte heute ein sehr informatives und nettes Telefongespäch mit Bernd, und er erzählte mir ausführlich von seiner Bergung. Er hatte sich auf der Bremer Seite orientiert, und 314932 war ihm nicht bekannt.


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Freitag, 12. Oktober 2018

Bergen Hattrick

Da Bergen alle 6 Stunden eine Sonde startet, kann man manchmal mit sehr viel Glück drei aufeinander folgende Sonden einsammeln. Die letzten Male scheiterte das immer an einer der drei Sonden, die dann doch z.B. im Wasser oder auf einem unzugänglichen Spülfeld niederging. Am 11/12.10.2018 gelang mir so ein Hattrick. 


Ich hatte damit gerechnet, dass allerlei Manöversonden dazukommen könnten, aber die flogen genau wie die Bergener Morgensonde alle sehr weit nach Norden, z.T in die Nordsee. Dafür taten mir die reguläre Mittagssonde, die Abendsonde und die Mitternachtssonde aus Bergen den Gefallen, in erreichbarer Nähe zu landen.  Das hing damit zusammen, dass alle drei einen schlecht funktionierenden Fallschirm und riesige Ballonreste hatten und steinartig niedergingen. Der Killtimer aller Sonden war auf 5 Stunden eingestellt, was in 2 von 3 Fällen eine rechtzeitige Anreise erlaubte. In einem der beiden Fälle war allerdings die Prediction so genau, dass auch im Dunkeln kein Empfang vor Ort versucht werden musste. Auch die dritte Sonde wurde rein per Prediction gefunden.  Aber der Reihe nach:

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2310680
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 11.10.2018 12Z
Track  Bremen 
Landestelle Seester, LAT LON: 53.71918, 9.58848  Google maps
Funddatum 11.10.2018, 14Z
Gefunden durch Sonden-GPS der gelandeten Sonde


N2310680, die Bergener Mittagssonde kam in Seester herunter. Ich konnte sie wegen der Bebauung nur bis 1200m Höhe verfolgen, aber die Bremer Seite hatte sie bis in 467m Höhe erfasst. Die letzte Sinkgeschwindigkeit betrug 12m/s. Ich sprang in den Zug nach Elmshorn und von da brachte mich ein Bus bis Seester. An der Bushaltestelle in 700m Entfernung gab es KEINEN Empfang, was meinen Optimismus deutlich dämpfte. Also schnell das Rad entfaltet und an eine Stelle gefahren, an der laut Karte eine Brücke über den breiten Fleet Rönwettern führte. Ein weiterer Empfangsversuch ergab einen schwachen Empfang und auch eine Dekodierung. Die Position war AUF dem Fleet, aber direkt am Ufer. Dort fand ich die Sonde schwimmend vor.
 



Wo war der bei Bergener Sonden auffällige Fallschirm? Ich verfolgte die Schnur, die entlang der relativ  steilen Uferböschung verlief. An einer Stelle konnte man sie ergreifen, was die weitere Bergung sehr erleichterte. Im Uferbewuchs versteckte sich der riesige Ballonrest und der total eingeschnürte Fallschirm. Ich war direkt daran vorbeigelaufen.













Von der Landestelle aus brachte mich das Rad zur Bushaltestelle in Klein-Nordende, die ich schon kannte. Sie war nämlich Ausgangspunkt so mancher Radiosondenexpedition gewesen. Tatsächlich führte mich meine Radtour direkt an der Landestelle einer Radiosonde aus Pinneberg (N3930599) vorbei, zu deren Bergung ich im Juni bei tropischen Temperaturen und stechender Sonne etliche Kilometer zu Fuß gelaufen war. Mit dem Rad war die gleiche Strecke sehr viel angenehmer. 

Die Rettung dieser Radiosonde qualifiziert nicht ansatzweise für die „DLRG-Seenot-Medaille“. Hierfür gibt es zwei überlegene Kandidaten: Patrick, der neulich eine verlorene Radiosonde nach stundenlanger Driftverfolgung aus der Weser fischte, und vor allem dieses Prager Team

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2310681
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 11.10.2018 18Z
Track  Bremen   eigene Daten 
Landestelle Neuwiedenthal, LAT LON: 53.476139, 9.866125  Google maps
Funddatum 11.10.2018, 20Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction aus eigenem Empfang bis 78m

Kaum war ich zuhause, war schon N2310681 unterwegs. Diese 18Z-Sonde landete schon im Dunkeln. Ich entschloss mich kurz zu einer Stelle in meiner Nachbarschaft zu gehen, wo es eine prima Horizontsicht nach Süden mit Blick über den Hafen gibt. Hier konnte uch die Landung bis in  eine GPS-Höhe von 78m verfolgen, das sind ca. 30m über dem Grund. Die Landestelle war auf Basis einer Prediction und etwas Hirnschmalz sehr genau festgelegt. Sie lag genau auf einem Weg, der an einem Schulgelände in Neuwiedenthal vorbeiführte, 8 Gehminuten vom gleichnamigen S-Bahnhof entfernt. Google Earth zeigte an der Stelle ein paar Bäume. Also Stange und Empfangsequipment eingesteckt und ab in die S-Bahn.

Vor Ort war ich zu faul, Recher und Antenne auszupacken. Der 5 Stunden Timerkill gab genug Zeit. Also erst einmal so suchen, die Position musste sehr genau sein. Im Licht einer Weglaterne sah ich als erstes den Ballonrest und den Schirm im Baum hängen. Verfolgen der Schnur, zum Teil mit einer hellen Taschenlampe, führte zur am Boden direkt am Wegrand liegenden Sonde. Ich war direkt dran vorbeigelaufen.

Ich holte den Schirm mit der 10m-Stange vom Baum und musste ständig Hundespaziergänger von meiner Harmlosigkeit überzeugen. Was macht der mysteriöse Typ da an dem dunklen Fußweg? Die fanden das recht spannend. Leider war ich einmal kurz unaufmerksam, wodurch ich die äußerste Spitze der Stange beschädigte.  Ich konnte aber das gesamte Gespann aus dem Baum holen.








  





 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2310683
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 12.10.2018 0Z
Track  Bremen  eigene Daten
Landestelle Tangendorf, LAT LON: 53.286066, 10.096056  Google maps
Funddatum 12.10.2018, 14:30Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction aus eigenem Empfang bis 186m

Kaum zuhause, war auch schon die Mitternachtssonde N2310683 gestartet. Auch hier ging ich wieder an den guten Standort und konnte die Landung bis in eine Höhe von 185m verfolgen. Eine Prediction zeigte die Landung bei Tangendorf. Aber jetzt musste erst einmal geschlafen werden. An eine Bergung mit Empfang vor Ort war wegen des Killtimers danach natürlich nicht zu denken. Dennoch: Die Empfangsaktion hatte mir die relativ genaue Kenntnis der Landestelle eingebracht.

Was macht man, wenn der Bus am Ziel alle 3 Stunden fährt und man doch irgendwann ankommen will? Man klappt an einem schönen Oktobernachmittag sein Rad zusammen und fährt zu einer Bahnstation, wo der Zug alle Stunde fährt. Die ist zwar 12km vom Ziel entfernt, aber man kennt ja den Weg. Der führte nämlich über Pattensen, wo ich ja gerade erst wegen des Meppener Tandems war. Von da ging es weiter nach Tangendorf. Ich wählte Fahrwege, da ich die verkehrsreiche Landstraße mangels Radweg in nerviger Erinnerung hatte. Die Sonde lag wenige Meter neben der erwarteten Landestelle; der Ballonrest war sofort leicht auf dem Winterweizenfeld erkennbar. Der Rückweg musste im Turbomodus erfolgen, da ich in Ashausen nicht eine ganze Stunde auf den nächsten Zug warten wollte.












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Donnerstag, 11. Oktober 2018

Wenn es Dir hier nicht passt, dann geh doch rüber...

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N3930747
Frequenz: 403.0 MHz
Startstation: Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 09.10.2018 12Z
Track  Bremen 
Landestelle LAT LON: 53.490851,10.777986  Google maps
Funddatum 9.10.2018, 12Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction auf Basis der letzten Bremer Position


Wer als Wessi nicht irgendwann zu Zeiten der Teilung diesen komplett bescheuerten Spruch zu hören bekam, hat m.E. definitiv etwas falsch gemacht. Heute kommt er mir immer in den Sinn, wenn ich über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze gehe. Weil man nämlich inzwischen, wenn es einem passt, einfach rüber gehen kann. Sogar wieder zurück. Sogar zwischen Langenlehsten und Greven. Das war die Gegend, wo es mir heute passte.

Sie war mir auch zu Teilungszeiten sehr gut vertraut. Hier hatte ich, weil es am Ende der Welt war, Vogelstimmen auf Tonband aufgenommen. Autolärm gab es hier nämlich keinen. Dafür gab es hier Pirole. Der unvermeidliche Blick auf den Metallgitterzaun war allerdings gewöhnungsbedürftig.

Die Radiosonden neigen dazu, direkt hinter dem alten Grenzzaun niederzugehen. So tat es N0720273. Sie landete 200m hinter der Grenze. Gestern war es mal wieder soweit. 

Jürgen Wruck erwähnte beim GvA-Treff am 9.10. nebenher, dass sowohl Sasel als auch Pinneberg Sonden gestartet hatten, und sie beide in Mecklenburg heruntergekommen seien. Das war komplett an mir vorbei gegangen. Ich guckte mir die Situation am Abend zuhause an. Vor allem N3930747, die Pinneberger Sonde, erschien mir aussichtsreich. Sie lag gleich hinter der alten Grenze, bei Langenlehsten. Den Weg kannte ich bestens. Allerdings hatte niemand zeitnah auf der Bremer Seite den Predict-Button gedrückt. Es gab zwar einen Aufruf viele Stunden nach dem Flug, aber naja. Die meisten Leute wissen eben nicht, dass auf der Bremer Seite T0 die Zeit ist, zu der man auf den Button drückt. Und 5 Stunden später müssen die Winde nicht aus der gleichen Richtung geweht haben. Tatsächlich hat sogar noch jemand 24 Stunden nach dem Flug heute nachmittag draufgedrückt....Zu dem Zeitpunkt war ich aber schon unterwegs zur Landstelle.

Ich habe kurz vor Mitternacht "händisch" eine Tawhiri-Prediction beider Sonden mit den letzten Bremer Daten aufgerufen. Ich hatte Glück - es war noch nicht zu spät. Bei der Pinneberger Sonde kamen die letzen Positionen aus einer GPS-Höhe von 738m. Da die fallschirmlose Sonde wie ein Stein mit 15m/s herunterfiel, war die Distanz von dort zum Einschlagpunkt kurz - und damit schien die Prediction ziemlich verlässlich. Auch war das Gelände frei - und das riesige Feld war höchstwahrscheinlich abgeerntet. Ein Zufallsfund durch Spaziergänger war unwahrscheinlich. Erstmal sind Pinneberger Sonden im Gelände nicht auffällig, und außerdem war die Stelle 400m vom Feldweg entfernt. Auf der polnischen Radiosondenseite war die Sonde als noch nicht gefunden eingetragen; eine Bergung durch einen Radiosondenjäger war somit auch unwahrscheinlich. Ein klarer Fall für eine  "Hin-Einsacken-Weg-Radtour" an einem sonnigen Mittwochnachmittag. Die 10m Stange bleibt zuhause.

Also rein mit dem Faltrad in den RE1 nach Büchen und von  dort auf den vertrauten Wegen nach Langenlehsten. An einer Stelle ein mir noch nicht bekanntes  gruseliges Schild: Ein Wegweiser zum Gartenschläger-Eck. Und eine Stichstraße in Langenlehsten hieß doch glatt "Zollhof". Ich hatte damals nie ganz verstanden, wieso außer dem BGS der Zoll auch an dieser Grenze Wache schob. Schmuggler gab es da jedenfalls eher nicht. 

Rechts brachte mich einer der alten Feldwege zur Grenze, von der man im Gelände nichts mehr erkennt. Die Sonde lag 400m auf der anderen Seite. Heute einfach zu erreichen. Das Aufspüren der Sonde war unkompliziert, da die Prediction nur 50m daneben lag. Aus etwa 100m Distanz lag da ein leuchtender schneeweißer Punkt auf dem Feld. Die letzte, auf den Bremer Daten nicht mehr registrierte Kurve nach Norden war im richtigen Leben etwas weniger ausgeprägt, aber im Grunde korrekt vorhergesagt.

Die Sonde war im Gelände unauffällig, zumal ein Ballonrest fehlte. 



Ansonsten das typische Setup: Kein Schirm und Ballon statt mit Schnüren mit Kabelbindern verschlossen.


Danach passte es mir erneut. Was stellte man jetzt mit dem angebrochenen Nachmittag an? Zurück nach Büchen? Eine schnelle Weiterfahrt von ca. 8km nach Gallin, wo die Saseler Sonde im Wald gefunden werden kann? Diese Suche würde aber aufwändiger werden, und die Sonne stand schon tief. Aber die Zeit reichte, um den Zugang zu der Baumlander-Sonde N2230327 von Osten zu erkunden. Der Weg erwies sich als wesentlich einfacher als der bisher genutzte Weg von Westen. Die Sonde hing aber unverändert im Baum. 

Von Langenlehsten hätte man mit dem Bus nach Büchen fahren können, aber ich entschied mich für die Radversion. Auf dem Weg sah ich irgendwann aber nicht ein, deswesgen eine Stunde in Büchen auf dem Bahnsteig herumzuhängen. Also tüchtig in die Pedale getreten. Es ging gut voran, und tatsächlich erreichte ich 3 Minuten vor dem Zug den Bahnsteig.

Übersicht über alle Sondenfunde hier
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