Dienstag, 20. Januar 2026

Keine Bergung bei Nordlicht

 

Sondentyp: DFM17
SN: 
21(323)064178
Produktionsdatum: 19.11.2021
Frequenz:
403.11 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Munster Süd
 (WMOID:-)
Flugdatum:19.01.2026 19:05ZL
Track : Radiosondy/Sondehub
Maximale Höhe: 14706m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 6.06
m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.2 m/s
Landestelle: Hamburg Wandsbek, LAT, LON: 
53.56645,10.08711, Google Maps
Status: Geborgen, Stangenbergung aus Straßenbaum
Methode: Extrapolation aus wettersonde.net-Daten

Ich bin abends gerade in Schmalenbeck. Die Idee ist, das klare Wetter für ein paar Astrofotos zu nutzen. Am Ende der Nacht könnte es nach einem X1,7-Flare auch Polarlicht geben. Ich baue ein Teleskop auf dem Balkon auf. Da erreicht mich eine Nachricht via Whatsapp: Eine DFM17 aus Munster-Süd scheint nach nach Hamburg-Wandsbek zu verschlagen. Ich denke, ich wäre relativ schnell bei der U-Bahn-Haltestelle Wandsbek Markt, und von da könnte ich rasch die Sonde in dem betreffenden Wohngebiet mindestens lokalisieren, vielleicht auch auflesen. Das Teleskop steht sicher und trocken und kann auch ohne mich Fotos machen. Ich packe ein paar Sachen zusammen. Axel fragt auf Whatsapp: "Hartwig fährst Du?". 

Als ich gerade antworten möchte, bekomme ich aus der Astroszene eine Whatsapp von dem GvA-Nordlichtexperten Ulli Rieth: "CME Impakt. Magnetfeld über 90 nT...!!!!". An die Radiosondengruppe schreibe ich daher: "Könnte hinfahren, warte aber lieber auf Polarlicht..Noch ist aber nix los". Das änderte sich geradezu umgehend. Jetzt ist auch die Radiosondenszene angefixt und postet jede Menge Bilder mit hellen Nordlichtbeamern. Ist schon erstaunlich, was man in so einer Situation auch mit Handys hinbekommt. Ich habe mich auch lieber auf eine nahe Wiese mit freier Sicht nach Norden gestellt als eine DFM17 nachts im Wohngebiet aufzuspüren. 

 




 

Am nächsten Morgen führt mich der Arbeitsweg mit der U-Bahn an der Sonde vorbei. Ich nehme also etwas Zeit und eine Stange mit. Alles in den Rucksack, und los geht es. Am Wandsbek Markt kann ich noch etwas Fußweg sparen, indem ich den Bus nehme. Die Landestelle befindet sich auf oder nahe der Oktaviostraße. Groß suchen muss ich nicht. Denn aus 200m Entfernung leuchtet unübersehbar ein roter Fleck in einem Straßebäume. 

Leider muss ich entdecken, dass die Spule meiner Stangenschnur zerbrochen ist, so dass  noch etwas Schnurgetüdel erforderlich wird.  Ich werde tatkräftig durch eine erstaunte und interessierte Anwohnerin angefeuert. Das Komische ist, dass Sonde, Schirm und der winzige Ballonhals direkt nebeneinander im Baum hängen. Von dort aus verläuft die Schnur 30m in luftiger Höhe weiter gegen die Flugrichtung und verschwindet in einem anderen Straßenbaum. Die ganze Anordnung ist schon etwas merkwürdig. Ich kann sie mir zunächst nicht erklären.



So etwas habe ich eigentlich noch nie gesehen, und man sieht ja im Laufe der Zeit viel. Aber irgendwie hab ich auch keine Zeit, die Wunder der Bundeswehr-Topologie zu analysieren. 

Also schnell mal die Sonde vom Baum geholt, dabei auf die Müllwagen, Krankenwagen und sonstigen Straßenverkehr geachtet. An der Schnur gezogen, und mit etwas Hauruck auch noch den Abroller am anderen Ende der Sondenschnur geborgen, eingesackt und wieder zum Bahnhof Wandsbek Markt gelaufen. Busfahren in Gegenrichtung geht gerade nicht wegen massiver Straßenbaustellen. 

Später am Tag fragen Leute aus der Gruppe nach, denen die Bilder und die Anordnung der Komponenten ebenfalls komisch vorkommen. Um herauszufinden, was da los ist, entwirre ich die Schnüre der Beute und komme aus dem Staunen nicht heraus. 

Normalerweise besteht so ein Manöversonden-Handstartgespann à la BW sinnvollerweise aus folgender Anordnung:  

 

Ballon -> Fallschirm ->Abroller -> 30m Sondenschnur auf Spule ->Sonde. 

 

Und nun gucke man sich mal dieses Exemplar an. 

 

Der Abroller ziert jedenfalls als lustiger Bommel das innovative Setup. 

Jetzt wird auch die merkwürdige Landesituation verständlich: Der Abroller hängt ganz unten und verheddert sich als erstes in einem Baum. Da die Sonde entlang der Straße flog, enden die ganzen anderen Sachen - Schirm, Ballonrest und Sonde -  30m weiter zusammen 2 Bäume weiter. Bergungsfreundlich ist das auf jeden Fall, denn man konnte den Abroller ohne Probleme durch 3 Bäume ziehen und alles bergen. 

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Freitag, 16. Januar 2026

Öffentlichkeits-Rasterfahndung im Wohngebiet

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
X2652533
Produktionsdatum:2025-06-27
Frequenz: 403.9 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
De Bilt
(WMOID: 06260))
Flugdatum: 16.
1.2026 00:00Z
Track
radiosondy

Maximale Höhe:
 33236m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.15 m/s

Landegeschwindigkeit:
 2.6m/s

Fundstelle: Itzehoe
LAT, LON:
 
53.94971,9.489264  Google Maps
Status: Geborgen am 16.1.2026,13:55
 UT.
Methode: 
Extrapolation  nach Radiosondy/Sondehub-Daten 

Am 16.1. landet ganz unerwartet eine Sonde der niederländischen Station De Bilt mitten in Itzehoe. Sobald ich mich vom Job loseisen kann, sitze ich im Regionalzug nach Itzehoe. Die Landeregion kenne ich schon, weil ich vor fast 10 Jahren meine erste Kaltsonde hier erbeutet habe, keine 500m von der heutigen Landestelle entfernt. Damals hing die Sonde allerdings in einem Knick an einem Feldrand. Heute erlauben Bernds Daten via Radiosondy und wettersonde.net eine viel bessere Eingrenzung der Landestelle. Allerdings fürchte ich, dass die Chancen 12 Stunden nach der Landung mitten in einem Wohngebiet mit Einzelhausbebauung  bereits drastisch vermindert sind.  

Die Bushaltestelle "Käthe-Kollwitz-Straße" befindet sich direkt vor Ort. Als erstes streife ich durch den Kirchweg und den Rundweg der  Gertrud-Bäumer-Straße. Ich lasse meine Blicke schweifen. Fehlanzeige. Allerdings versperren hier und dort Hecken und Verschläge den Blick in die Gärten. Aber im Großen und Ganzen ist das Gelände recht übersichtlich, so dass mein Optimismus schwindet. Zur Wahrung der Restchance hilft nur eine Öffentlichkeitsfahndung.

An einem der Häuser in der "heißen Landezone" spreche ich einen jungen Mann an, der gerade seine Eltern besucht - denen ist nichts aufgefallen. Das Nachbarhaus liegt direkt auf der Extrapolationslösung, und das Gespräch mit seinem Besitzer ist typisch für die folgenden Interaktionen mit den Anwohnern: 

Dingdong
 

Ein älterer Herr öffnet, ich mache den Erklärbär.

"Was? Nein ich war heute noch gar nicht im Garten, sie können aber ruhig mal rumgucken, ich komme auch gleich gucken".

In dem Garten gibt es leider nichts Erhellendes zu sehen.  

Ich gehe einmal um den Block - und gewinne keine weiteren Erkenntnisse. An der statistisch immer aussichtsreichen 75% Extrapolation steht exakt ein Haus am Kirchweg. Dort vollzieht sich wiederum das Standardgespräch (siehe oben). Der Inhaber ist etwas älter, aber sehr fit und ungemein dynamisch. Jedenfalls kann ich ihn nicht davon abhalten, dass er sofort in den Garten läuft, eine Leiter ergreift und aufs Dach seiner Garage klettert.  Von oben kann er auch nichts erkennen. In seinem Garten und in den Bäumen auf dem Grundstück finden sich keine Spuren des Gespanns. Merkwürdig eigentlich, denn die Fallschirme aus De Bilt sind ja eigentlich groß, rot und unübersehbar. 

Er lässt sich auch die Karte zeigen und meint "Was ist, wenn sie kürzer geflogen ist? Ich kenn die Nachbarin auf der gegenüber liegenden Straßenseite gut, wir gehen da mal gucken." Die Nachbarin hat aber  nichts bemerkt, und in ihrem Garten ist aber auch nichts zu finden. Der Hund des Hauses ist von der Idee, dass es etwas zu suchen gibt, relativ begeistert. 

Das ist doch etwas merkwürdig. Angesichts der Gewohnheit der Bewohner, erst in der zweiten Tageshäfte die Gärten zu erkunden, ist ein Verschwinden des Gespanns durch Entsorgung gar nicht so wahrscheinlich. Also drehe ich noch ein weitere Runde um die Gertrud-Bäumer-Straße - aber da gibt es nichts zu sehen. Ich bin wieder am Beginn der Straße. Ein letztes Mal lasse ich die Blicke schweifen. Aber was ist das? 100m entfernt glänzt in einem Zwischenraum zwischen Büschen, Hecken und einer Garage etwas Helles. Von der Größe her könnte das hinkommen, aber stimmt auch die Form?  Ich krame ein Fernglas aus meinem Rucksack. Ich muss mich etwas hin- und herbewegen, um wirklich durch die Lücke im Buschwerk gucken zu können. Dann steht es fest: In einem Busch hinter der besagten Garage hat sich eine RS41 verhakt. Sie ist also etwas weiter geflogen als erwartet. Im Vorbeigehen stelle ich fest, dass man die Sonde notfalls vom Parkplatz aus greifen könnte. Aber wo sind Fallschirm und Ballonrest? Und wie konnte ich sie übersehen?

Die stramm gespannte Schnur quert die Straße an der Biegung in 3m Höhe und verschwindet unauffällig an einem Hausdach. Ich bin tatsächlich bei meiner Suche dreimal darunter durchgelaufen. Mit der mitgebrachten Stange ist vom Gehweg aus die Leine schnell geangelt. Bei Schnurzug kommt hinter dem Dach ein Ballonrest zum Vorschein! 



Dann hakt die Schnur. Ich bemerke, dass in dem Garten der Besitzer werkelt. Ich spreche ihn an. Wie alle kennengelernten Anwohner erweist auch er sich als superfreundlich und hilfbereit.  Gemeinsam erkunden wir die Lage. 

Der Schirm ist deshalb nicht vom Dach zu befördern, weil er gar nicht auf dem Dach liegt. Sondern auf dem Balkon im ersten Stock des Hauses. Da ist er natürlich von der Straße aus nicht zu sehen. Und dort hat sich der Abroller im Balkongitter verklemmt. Der Bewohner verschwindet im Haus und muss erst einmal den Rollladen hochdrehen - er war heute noch nicht auf dem Balkon. Er befreit den Abroller und wirft  die guten Sachen herunter.  Der Rest ist einfach. 

Jetzt muss ich  noch rasch mit dem Besitzer des Sondengrundstücks Kontakt aufnehmen, diesmal handelt es sich um einem jungen Mann. Er hat es etwas eilig, weil er seinen Flieger kriegen muss, aber meine Sondenbergung ist reine Formsache und schnell gemacht. Mangels Schnurzug ist die Sonde von dem Busch heruntergefallen und muss nur vom Boden aufgesammelt werden.

 

Der Besitzer des Hauses am Kirchweg ist im Garten zugange. Ich kann ihm noch die Auflösung des Rätsels berichten. 

Nun wird es Zeit, die Heimreise anzutreten. In dem Lidl an der Bushaltestelle "Kirchweg Nord" hab ich nach meiner Sondenjagd 2016 schon mal eingekauft. Dort entspann sich damals ein unvergesslicher Wortwechsel mit der Kassiererin:

"Was raschelt denn da in Ihrer Tüte?" "Ach wissen Sie, das ist nur der Fallschirm eines Wetterballons." "Ach so, na dann, schönen Tag!" 

Heute werde ich dort weder einkaufen noch an der Kasse rascheln. Denn da kommt schon der Bus, der mich zurück zum Bahnhof Itzehoe bringt. 

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Sonntag, 28. Dezember 2025

Eine Sonde aus GREIFSWALD - Stangenmikado im Grenzbereich

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
X0425034
Frequenz: 402.3 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
 Greifswald (WMOID:
10184)
Flugdatum:
25.12.2025 12:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.03 m/s
Maximale Höhe:
 27931m
Landegeschwindigkeit:
 2.3m/s
Track  radiosondy/TOWER
Landestelle:Sixte ,
LAT, LON  
53.21383,11.03892 Google Maps
Status:
  Komplexe Stangenbergung der Sonde 27.12.2025 13:37UT, des Schirms um 14:34UT

 Sonden aus Greifswald sind im weiteren Umkreis Hamburgs sehr selten. Immerhin liegt die Station von uns gesehen weit östlich. Die meisten Sonden verschlägt es daher nach Polen, in den Berliner Raum oder in die Ostsee. Weihnachten 2025 haben wir eine ungewöhnliche Wetterlage mit massiven und starken Ostwinden. 

X0425036, die Mittagssonde vom Heiligabend, landete in den Weiten zwischen Wittingen und Salzwedel. Die Nachtsonde vom ersten Weihnachtstag (X0415095) ging südlich von Uelzen nieder. Leider habe ich nicht geschaltet und daher beide Landungen nicht mit dem Tower mitgeschnitten. Da alle Sonden einen extrem guten Fallschirm hatten und bei großer Windgeschwindigkeit landeten, sind sämtliche Extrapolationsversuche extrem ungenau, so dass eine Kaltsondenbergung sehr viel Glück erfordert. 

X0425034, die Mittagssonde vom Weihnachtstag, landete bei Sixte im Wald. Mit dem Tower gab es auch nach der Landung ein fettes Signal, so dass ich die rechnerische Höhe von 4 Metern über dem Boden nicht glaubte.  Immerhin gab es eine exakte Position. Die Nachtsonde vom 26.12. landete in normalerem Greifswald-Zielgebiet bei Parchim. Harry wohnt dort, und so habe ich die Sache mit dem Tower mitgeschnitten. Ich hatte Positionen bis fast zum Boden. Harry hat 2 Tage später nachgeschaut und an der Stelle nichts mehr entdecken können. 

Ich beschließe am 27.12.2025 in Sixte vorbeizuschauen. Ich nutze ein Auto, denn die Bahn nach Brahlstorf fährt ja bekanntlich auf Grund der Generalsanierung bis Mai 2026 nicht. Ein paar weitere Kaltsondenpositionen werden auch aufgeschrieben, bei denen werde ich auch vorbeischauen. Denke ich. 

Am Parkplatz an den Sixter Wanderdünen wird das Auto abgestellt. Da ich eine Landung hoch im Baum vermute, nehme ich die DX-Wire 15m Stange mit auf die Wanderung. Die ist schwer, aber wahrscheinlich nötig. Die Landestelle liegt direkt an einem Weg, der durch die mit Kiefern bewachsenen Dünen führt. 

Vor Ort sehe ich sofort den Fallschirm hoch im Baum hängen und bei bestem Sonnenwetter die Schnur am Himmel glänzen.  An den Fallschirm kommt man mit Glück mit der Stange heran, aber wo ist die Sonde? Ich sehe sie nicht, obwohl der Baum durch die GPS-Koordinaten und die Schnur am Himmel feststeht. Wahrscheinlich ist die RS41 im Kieferngeäst verhakt.

Soll ich doch mit der Stange am Schirm ziehen? Als ich die Situation am Schirm erkunden will, sehe ich aus einiger Distanz die Sonde frei am Baum hängen.



Die Sonde ist mindestens 15m hoch. Ob die Stange reicht? Die Bedingungen für eine Stangenbergung im Grenzbereich sind eigentlich gar nicht so schlecht: Es ist windstill, und es stören keine Äste zwischen mir und der Sonde. Bloß ist es reichlich hoch! Ich stelle mich direkt darunter, fahre die Stange Segment für Segment aus. Ich kann die Sonde mit dem Haken berühren und zum Pendeln bringen! Dann kriege ich sie auch runter! Allerdings zählt am Ende des Tages kein Antippen, sondern nur solides Einhaken. Offenbar fehlen ein paar Zentimeter bis zur Sondenschnur.

Da es sehr knapp ist, versuche ich durch Hochstemmen, was aber sehr schwierig ist. Die Stange schaukelt sich nämlich gerne auf und schwingt oben wild umher. Erfahrungsgemäß klappt das nur nach etlichen Fehlversuchen. Um die Sache abzukürzen, schiebe ich alles wieder zusammen und tape einen GFK-Stab an das oberste Segment. Damit komme ich klar ÜBER die Sonde und kann die Stange immer noch auf dem Boden abstützen. Dadurch habe ich gute Kontrolle über den Vorgang. 

Nach einigen Fehlversuchen kann ich sie erstmals in die Schnur einhaken. Aber nicht fest genug, der Haken hält nicht. Noch ein Versuch. Und noch einer. Dann habe ich sie besser eingefangen. Es gibt ziemlichen Widerstand auf Zug. Der Haken flutscht programmgemäß von der Stange. Jetzt kann ich aber an der Leine ziehen. Und damit gelingt es, die Sonde in Bodennähe zu befördern. 


 

Mit der Aktion habe ich den Schirm drüben natürlich deutlich höher gezogen, und zwar über einen Ast hinweg, auf dem die Schnur lose auflag. Das war der zwischenzeitliche Widerstand, den ich beim Herunterbefördern der Sonde bemerkt hatte. Danach ist der Schirm ein wenig heruntergefallen. Aber da ich die Schnur beim Einholen der Sonde um etliche Meter verkürzt habe, hängt er jetzt dennoch höher als vor der Sondenbergung. 

 




 

 

Ich kann mit der Stange und Einsatz der Körperlänge den Schirm gerade so berühren - aber nicht einhaken.

Ich schneide drüben die Sonde ab und ziehe vorsichtig an der Schnur. Da ist viel zu viel Reibung. Ich kann den Fallschirm ohne weiteres etwas höher ziehen, aber da bleibt er stecken. Abwärts mag er nicht. 

Die Schnur läuft locker über zwei weitere Äste. Vielleicht kommt der Schirm etwas tiefer, wenn ich ihn auch über diese Äste ziehe? Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich dabei Ballonrest, Rolle oder Schirm in den Nadeln der Kiefern unrettbar verfangen. Aber mit der derzeitigen Situation kann ich nichts anfangen - viel schlimmer machen kann ich es nicht. Und tatsächlich gelingt es. Die Hoffnung, den Schirm jetzt abseilen zu können, erfüllt sich leider nicht. 

Ein letzter Stangenbergungsversuch! Jetzt hängen die Sachen immer noch hoch, aber vielleicht 2 Meter tiefer als eben.  Und die 2 Meter sind entscheidend. Ich brauche nicht einmal die ganze Stangenlänge, und der Haken hängt fest in den Fallschirmseilen. Viel Zugkraft ist nicht nötig um alles nach unten zu befördern. 






 

Jetzt wird noch die Schnur aufgerollt, und ich habe dieses Gespann tatsächlich komplett geborgen - was ich zu Anfang nicht erwartet habe. 

Die Idee, noch weitere Kaltsonden in der Region anzusteuern, ist eine reine Illusion. Als ich am Auto bin, ist die Sonne bereits untergegangen. Die Heimfahrt im Dunkeln erfordert etwas Konzentration. Einige Male versperren unvermittelt auftauchende dicke Nebelschwaden die Sicht, und überfrierende Nässe ist ein fühlbarer Faktor bei Bremsungen. So bin ich froh, mit meiner ersten Greifswald-Sonde an Bord sicher nach Hause zu kommen. 

 

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Samstag, 27. Dezember 2025

Nach 1258 Tagen am Boden

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
T3350325 
Frequenz:
402.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Schleswig (WMOID:
10035)
Flugdatum:
17.7.2022 12:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.35 m/s
Maximale Höhe:
 27931m
Landegeschwindigkeit:
3.6m/s
Track  wettersonde
Landestelle:Fredeburg ,
LAT, LON  
53.66335,10.71741 Google Maps
Status:
  Geborgen. Sonde lokalisiert von Bernd am Flugtag, 30m hoch im Baum. Am Boden aufgelesen am 26.12.2025, 13:04UT

 Diese Sonde landete im Sommer 2022 in einem Wald bei Fredeburg nahe Mölln. Bernd konnte sie umgehend nach der Landung im Wald lokalisiern und die Koordinaten sichern. Außer einigen Mückenstichen brachte ihm die Tour nichts ein - die Sonde hing 30m hoch in einer Eiche.

 

Foto: Bernd

Ich selber habe die Sonde diverse Male besucht, meist auf dem Weg von oder zu einer Radiosonde, und die Liste ist wahrscheinlich nicht komplett.

24.2.2023
29.10.2023
31.12.2023
31.3.2024
6.7.2024
20.4.2025 
 

Da die Landestelle direkt an der B207 liegt, war das Vorbeigucken auf dem Weg ja kein Umstand. 

Ich war mit dem Auto da, ich war mit dem Rad da, ich war mit anderen Sondenjägern da. Bernd hat sicherlich auch mehrfach vorbeigeschaut. Dieser Baumlander war hartnäckig! Schöne Fotos konnte man nur im Winter machen; im Sommer war man froh, die Sonde durch Blattlücken überhaupt zu sichten.

 

24.2.2023
24.2.2023

 

20.4.25

 


20.4.25

Am 26.12.2025 ist mir nach einem Weihnachtsspaziergang. Das Wetter ist schön, es ist kalt, aber es liegt noch kein Schnee? Warum sollte man nicht den Wald bei Fredeburg erkunden? Also steuere ich mit dem Auto diesmal einen offiziellen Waldparkplatz an der B207 an und nicht eine der bisher genutzten Waldeinfahrten. Das Abbiegen ist auch hier wieder nervig, weil nur ortskundige Fahrer hinter einem den Grund des Blinkens und Langsamfahrens begreifen. 

Ich entdecke, dass der neue Zugang zur Landestelle zwar weiter, aber viel angenehmer ist als von den bisher genutzen Einfahrten. Tatsächlich führt ein Pirschpfad direkt bis zu der Eiche. Am Ziel fällt sofort die Decke der diesjährigen Laubschicht auf. Von der Sonde fehlt am Boden auf den ersten Blick zu meiner Enttäuschung jede Spur. Ich weiß ja exakt, wo die Sonde hing. Ich will gerade das Fernglas herausholen, um den Baum zu untersuchen, da sehe ich an der passenden Stelle eine kleine weiße Struktur im Laub, die sich farblich von der Umgebung unterscheidet und sich bei genauerer Untersuchung als komplett einsedimentierte Sonde entpuppt.



Kommentar von Axel via Whatsapp: Schönes Suchbild - ich sehe nix. 🤔(das Bild hatte natürlich keinen gelben Pfeil).

 


Die Sonde ist in einem Klumpen von Eis und Laub festgefroren, und sie ist gar nicht so einfach freizulegen.



 

 

 

 

So bin ich froh, diese Geschichte nach 1258 Tagen zu einem glücklichen Abschluss gebracht zu haben. 

 

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Sonntag, 7. Dezember 2025

Schnelle Sonntagsbergung am Deich

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
X0524938
Produktionsdatum:2025-1-28
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Norderney (WMOID:
10113)
Flugdatum: 7.
12.2025 0:00UT
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
 28481m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.68 m/s

Landegeschwindigkeit:
1.8m/s

Fundstelle: HH-Overwerder 
LAT, LON:
 
53.52610,10.54765  Google Maps
Status: Geborgen am 7.12.2025
, 8:55 UT gemeinsam mit Axel (
DB7XO)
Methode:
 GPS Position nach der Landung sichtbar auf Wettersonde.net

Diese Sonde landet am Sonntagmorgen am Ufer der Tideelbe bei Overwerder. Ich verfolge die Sonde bis in Baumwipfelhöhe. Zeitweise droht sie in die Elbe, später in den Hohendeicher See zu fallen. Sascha vom Team Seevetal kann die Sonde auch nach der Landung noch empfangen und streamt die Daten nach Wettersonde.net. Sie befindet sich eingeklemmt zwischen Deich und Seeufer in einem Baum. 

 Nach dem Frühstück überlege ich eine schnelle Tour zur Landestelle. Die Sonde sendet immer noch. Axel hat laut der Whatsappgruppe die gleiche Idee wie ich: Von Altona die S-Bahn bis Tiefstack nehmen und dann mit dem 120er Bus direkt hinfahren. Die Bushaltestelle "Overwerder" liegt direkt an der Landestelle. Ich frage nach: "Wir sehen uns im Bus?". 

Tatsächlich sehen wir uns schon in der S-Bahn in Altona. Beide haben wir eine Teleskopstange unter dem Arm. Axel hat schon die ganzen Höhendaten gemittelt und kommt rechnerisch auf 15 Meter über Grund. Dennoch sind wir optimistisch. 

Schon aus dem fahrenden Bus sehen wir den Schirm von einem Baum herunterhängen.


Wir haben rasch auch den Baum mit der Sonde lokalsiert. Axels Höhenberechnung passt sehr gut. Die Sonde liegt locker auf der reisigartigen Krone auf, so dass ein Schnurzug kaum zum Verklemmen in einer Astgabel führen kann.  Zu zweit geht die Bergung sehr gut. Axel verfolgt, was die Sonde macht, während ich 50m entfernt vorsichtig mit immer mehr Kraft mit der Stange am Schirm ziehe.

 

 

 Beim ersten Versuch  flutscht die eine Box einen Ast weiter, beim zweiten segelt sie im hohen Bogen vom Baum. 




Wir raffen unsere Ausrüstung und die Sonde zusammen und gehen zurück zur Haltestelle, wo der Bus uns sehr bald mitnimmt. 

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