Die Tatsache, dass ich vorgestern die DFM09 D18051710 in der Göhrde zwar lokalisiert, aber nicht habe bergen können, ärgert mich ziemlich. Das alles nur, weil ich auf die Mitnahme einer Stange verzichtet hatte. Das Wetter am 1.4.2025 ist super, und ich kann mir gerade einen freien Tag organisieren.
Als zweites Ziel bietet sich die ebenfalls in der Göhrde gelandete Norderney-Sonde W1240564 an. Neulich erwies sich dort die Otwo-13m Stange als knapp zu kurz. Für die 15m DXWire-Stange habe ich seit einiger Zeit eine Angelrutentasche, die man auch gut auf das Brompton schnallen kann. Also kann man heute mit einer kleinen Rad-Rundtour beide Probleme lösen. Mit etwas Glück schaffe ich die Runde in 4 Stunden, dann passt das zeitlich für die Rückfahrt. Die Wendlandbahn fährt ja nur alle 3 Stunden.
Also bin ich nach 2 Tagen erneut am Bahnhof Göhrde.
Los geht es. An dem Sonden-Archäologe-Site kette ich,wie so häufig, das Rad an den üblichen Baum.
Natürlich durchstreife ich das Fundgebiet der alten Fallschirmreste mit entsprechender Aufmerksamkeit. Vielleicht kann ich heute bei anderer Beleuchtung doch noch eine RS92-BGP entdecken? Nein, aber das war nach der extrem intensiven Suche vorgestern auch nicht zu erwarten. Aber heute bin ich ja wegen der DFM09 von 2022 hier.
Sondentyp: DFM09
SN: D18051710
Produktionsdatum: 2018
Frequenz: 403.33 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum:10.10.2022 (9:30-11:20L)
Track radiosondy
Maximale Höhe: 17557m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.96m/s
Landegeschwindigkeit: 2m/s
Landestelle: Röthen, LAT, LON: 53.14912,10.80713 Google Maps
Status: Fallschirm- und Ballonreste geborgen am 30.3.2025 12:12UT, Sonde geborgen am 1.4.2025 10:19 UT
Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten, Stangenbergung
Diese Sonde hatte ich am 29.10.2022 vergeblich gesucht. Am 22.3.2025 war ich nach langer Zeit mal wieder in der Göhrde unterwegs und kam auf der Straße nach Röthen mit dem Rad an der alten Landestelle vorbei. Ich beschloss mal kurz in der Gegend der Extrapolationslösung nachzusehen - in der Hoffnung, dass sie jetzt am Boden liege. Ich fand exakt auf der Extrapolationslinie tatsächlich stark zerfallene Fallschirmreste. Die DFM09 war nirgends zu sehen. Eine genaue Untersuchung der gefundenen Reste ergab Erstaunliches: Sie stammten überhaupt nicht von der DFM09, sondern von einem Radiosondenaufstieg von Anfang 2014 oder waren sogar noch älter. Die Aussicht, vielleicht eine RS92-BGP am Waldboden aufsammeln zu können, war so verlockend, dass ich am 30.4. bei Schauerwetter die Region 50m um den Fundort gründlichst abgesucht habe. Leider konnte ich nichts finden.
Bevor ich aufgegeben habe, bin ich noch einmal auf der Suche nach der DFM09 von 2022 deren Extrapolationslinie nach Süden weiter gelaufen und sah dann sofort einen Fremdkörper an einem Baumstamm hängen.
Ich habe mich geärgert, dass ich die Stange bewusst zuhause gelassen habe - für archäologische Untersuchungen am Boden braucht man sowas nicht. Die Lehre mal wieder: "Never leave home without it." Deshalb bin ich heute wieder vor Ort.
Die Stangenbergung ist ganz einfach. Zwar habe ich Schwierigkeiten, die Sonde einzuhaken - aber nach ein paar Manipulationen hängt sie nicht mehr an der Borke, sondern pendelt an einem Schnurrest. Und da fällt sie ohne weitere Aktion meinerseits einfach so vom Baum! Das war einfach. Der Grund: Die Kunstsoffhülle, die die Sonde mit der Schnur verbindet, ist durch die jahrelange UV-Strahlung so marode, dass sie bei etwas Belastung einfach zersplittert ist.
Ich packe meine Sachen ein, lasse bei Durchquerung der Landeregion von 2014 noch einmal vergeblich meine Blicke schweifen und bin wieder beim Fahrrad.
Dies ist ein ausgesprochener Sondenmagnet. Nur 800m weiter die Straße herunter ist am 19.3. 2025 eine DFM09 Manöversonde niedergegangen, D17052124 Deren Landestelle hatten Sylvio und ich am 22.3. identifiziert. Sie war damals in einer Astgabel mehr als 20m hoch eingeklemmt. Wegen der Windböen am Wochenende guck ich besser schnell mal nach. Immerhin hängt sie jetzt besser sichtbar an der Schnur und steckt nicht mehr fest. DFM-Schnüre sind aber leider sehr wetterfest, wie wir gesehen haben.
Nun fahre ich zügig weiter zum zweiten Ziel der heutigen Tour, W1240564. Dies ist die Nachtsonde aus Norderney vom 19.2.2025, die bei Pommoissel auf einem Waldhügel im Baum hängt.
Sondentyp: RS41-SGP
SN: W1240564
Produktionsdatum:2024-03-21
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 19.2.2025 00:00
Track wettersonde/TOWER Zernien
Maximale Höhe: 32647m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.31 m/s
Landegeschwindigkeit: 3.5m/s
Fundstelle: Pommoissel LAT, LON: 53.15287,10.87466 Google Maps
Status: Baumlander in 16m Höhe, Fallschirm > 20m hoch, geborgen am 1.4.2025, 13:04UT
Methode: Landekoordinaten via Tower Zernien. Stangenbergung mit verlängerter 15m-Stange
Per Tower war die Position exakt bekannt. Am 16.3. hatte ich diesen Baumhänger besucht. Mit der 13m Stange und Einsatz der gesamten Körperlänge hatte ich die Sonde anstupsen, aber nicht einhaken können. Nach 2 Stunden Bergungsversuchen flutschte die Sonde etwas höher und war völlig unerreichbar. Aus diesem Grund habe ich heute die 15m Stange in die Göhrde geschleppt.
Diesmal nähere ich mich dem Landegebiet von Westen. Auf der B216 kann ich die Höhe auf einem bequemen Radweg erklimmen und bin dann angenehm überrascht, dass der weitere Waldweg eben verläuft und auch besser befahrbar ist als der von der anderen Seite. Am Landeplatz der Sonde angekommen, ist der blaue Fallschirm noch da, aber die Sonde ist weg. Nach einiger Suche sehe ich sie 15m hoch am Nachbarbaum hängen. Sie ist wohl durch den Wind am Wochenende herübergependelt.
Jetzt muss ich rasch meinen Kram zusammenpacken und auf die Uhr blicken. Oha, es ist im wahrsten Sinne des Wortes höchste Eisenbahn. Ich habe keine Lust, drei Stunden auf dem Bahnhof Göhrde auf den nächsten Zug zu warten. Die Fahrt über den neu entdeckten Zugang zur Landestelle ist glückicherweise sehr zügig zu bewältigen, und auf der Straße geht es steil den Hügel abwärts. In rasanter Fahrt erreiche ich den Ort Pommoissel und 1km weiter auch den Bahnhof. Nach 10 Minuten kommt die Wendlandbahn und bringt mich relativ problemarm nach Hause.
Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier