Donnerstag, 25. Mai 2017

Begegnung mit Sondenjäger

Am 25. und 26.5.2017 flogen die Schleswiger Sonden in Richtung Hamburg. Leider wählten sie in allen Fällen recht ungünstige Landeplätze aus, und alle Sonden flogen erheblich weiter als von Habhub vorhergesagt.

Die 0Z-Sonde vom 25.5.2017, N0220338  landete bei Klecken in einem stark bewaldeten Wohngebiet. Da ich kaum am frühen Morgen eines Feiertages (Himmelfahrt) dort anklopfen konnte und das Gelände extrem unübersichtlich wirkte, habe ich es mir verkniffen, dort hinzufahren. Außerdem musste ich an dem Tag  noch am Vormittag zur Arbeit.

Dorthin nahm ich aber meinen gesamten Sondenjägerkram und mein Fahrrad mit. Es galt, handlungsfähig zu sein. Denn die 12Z Sonde sollte laut Habhub in der unmittelbaren Nähe meines Arbeitsplatzes herunterkommen.

Nebenher konnte ich den Flug von N0110293 auf der Bremer Seite im Auge behalten und die Landephase aus einem Fenster mit bester Horizontsicht mit eigenem Empfang mitschneiden. Leider landete die Sonde nicht wie vorhergesehen im Jenischpark, 300m entfernt, sondern flog viiiel weiter bis in die Nordheide. Eine schnell gerechnete Habhub-Prediction zeigte die Landestelle bei Itzenbüttel auf einem waldigen Gelände nahe einer Kurklinik o.ä.. OK, Fahrrad und Sondenjägerequipment geschultert und mit dem Zug auf nach Klecken. Von dort aus ging es mit dem Rad zur Landestelle. Auf einer Bank am Rande des Klinikgeländes wurde das Geraffel ausgepackt. N0110293 sendete laut und deutlich, und die GPS-Position war in unmittelbarer Nähe. Der Fallschirm war auch bei Annäherung an die Sonde sofort  erkennbar.






Die Schnur konnte man über einen Waldweg bis zu einen Baumwipfel verfolgen. Weiter aber nicht. Auf dem Waldboden an der GPS-Position - nichts. In den Baumwipfeln - nichts. Also musste gepeilt werden. Diesmal habe ich ausprobiert, die Oberwelle auf der doppelten Frequenz zu erfassen. Die war ziemlich schwach, aber extrem eindeutig peilbar. Der Baum war rasch identifiziert, er stand noch etwas von dem Baum, in dem die Schnur verschwand, entfernt. Irgendwann hatte ich die Sonde senkrecht über mir. Aber sie blieb komplett unsichtbar. Auch ein Absuchen der Wipfel mit dem Fernglas war erfolglos. Offenbar hing die Sonde im höchsten Wipfel fest.

 Ich habe dann versucht, mit der GFK Stange den Schirm von dem ersten Baum über eine Astgabel zu ziehen, um die Schnur zu entlasten. Aber das führte nur dazu, dass die der Schirm abriss. Am anderen Ende war die Situation unverändert.

Also gab ich auf. Sachen packen, Rucksack schultern und los. Ich wollte gerade gehen, als es im Unterholz auf der anderen Seite raschelte - ein Mann mit Yagiantenne und seine nette weibliche Begleitung, beide mit Handempfängern,hielten direkt auf mich zu! Michael war mit dem Auto aus Hamburg angereist und wollte jetzt die Sonde im klassischen Peilverfahren erbeuten. Ich konnte ihm die ungünstige Lage schildern und dann mal zugucken, wie das Peilen mit einem Handempfänger so geht. Auch er musste im Nahfeld auf die doppelte Frequenz umschalten (wo sein Handempfänger sehr viel empfindlicher war als mein RTL-SDR), und am Ende identifizierte er den Baum neben "meinem" Baum als den Baum der Bäume.  Da die Kronen beider Bäume sich durchdringen, ist das als das gleiche Ergebnis zu betrachten. Die Sonden-GPS-Position war übrigens auch +-5m mit den Peilergebnissen kompatibel.

Bisher war es eigentlich immer so, dass bei Waldlandungen irgendein Teil des Gespanns erreichbar war und man dann weiterkam. Durch die neuerdings noch längeren 55m-Schnüre wurde es noch besser. Hier aber half nichts. Ich verabschiedete mich von den netten Kollegen und radelte nach Klecken zurück. Dort hatte ich noch etwas Zeit, um mir die Landestelle von N0220338 anzugucken. Aber das Gelände war so, wie ich es erwartet hatte. Große Einzelhausgrundstücke, extrem dichte und hohe Bäume, unübersichtlich. Viel versprochen hatte ich mir von der Nachsuche natürlich nicht, und am Ende musste ich in Klecken in die Pedale treten, um nicht noch eine Stunde auf dem Bahnhof zuzubringen.

Das Positive war der Klönsnack mit den netten Sondenjäger-Kollegen. Nach 62 Sonden wurde es auch mal dringend Zeit, dass so eine Begegnung "an der Sonde" stattfindet. 

Die folgende Mitternachtssonde flog auch sehr viel weiter als vorhergesagt. Die Bremer Seite zeigte sie bis 13m über Grund, und die Landestelle ist ganz offenkundig hochspannend: Eine Überlandleitung bei Scheeßel.

Update: 25.9.2017
Ich war heute bei der Sonde, in der Hoffnung, dass die Sonde eventuell unten liegen könnte. Nichts da. Der Schirm ist schwieriger zu sehen , da er noch höher hängt als im Mai. Die Schnur ist noch da; es hängt ein Tannenzapfen drin. Sie ist wohl auch mit einer 15m-Stange nicht zu sehen. Ich habe die Schnur jetzt bis in besagten Baum verfolgen können, aber von der Sonde ist vom Boden aus nichts zu erkennen. Hoffen wir auf die Herbststürme....


Übersicht über alle Sondenfunde hier

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