Sonntag, 6. August 2023

Pech und Glück im Wendland

Die Morgensonde U1240625 vom 30.7. aus Bergen landete in meinem speziellen Lieblingsjagdgebiet - der Göhrde. Da dort in der Gegend niemand Daten ins Netz einspeist, handelt es sich wie üblich um einen Waldlander mit schlechter Prediction. Weiter südlich waren im Mitte Juli zwei weitere Sonden gelandet. Allerdings haben Anita und Axel, die inzwischen regelmäßig sondensuchenderweise die Göhrde mit Falträdern bereisen, der Sonde schon einen Besuch abgestattet. Ergebnis: Die Sonde war definitiv nicht mehr da. Sie vermuteten eine Bergung durch Jäger (solche mit Knarre). Ich habe mir daraufhin mal die Prediction angeguckt und verstand nicht ganz, wie sie da so sicher sein konnten. Mitten im Wald gibt es viele Verstecke. Vielleicht sollte man das mal checken und auf dem Wege ein paar andere Kaltsondenlandeplätze besuchen.  Die Anreise sollte von Süden aus erfolgen. Auf dem Weg liegen zwei andere Landestellen, allerdings beide mit unsicherer Prediction. Drei weitere Kaltsonden aus dem Vorjahr mit schlechten Fundchancen habe ich im Raum Hohenfier noch auf der Liste - allerdings dürfte für 6 Versuche und 50km Strecke nicht viel Zeit bleiben. Erwähnen muss man natürlich nicht, dass alle Landestellen im tiefen Wald liegen. 

Also fahre ich mit dem Metronom nach Uelzen und von dort mit dem 7000er Bus Richtung  Lüchow. Das ist außerhalb des HVV - klarer Vorteil des Deutschlandtickets. In the middle of nowhere steige ich aus - Klein Gaddau. Ich radel nordwärts. Nach wenigen Kilometern geht es rechts in den Wald zur Landestelle von U1240487. Dies ist die Bergener Mittagssonde vom 11.7.2023 - bisher nicht geborgen. Die Landegeschwindigkeit war hoch, aber leider auch die Windgeschwindigkeit. Und da in der Gegend niemand ins Internet einspeist, liegt die letzte Höhe mehr als 500m über dem Boden. Eigentlich ist das mögliche Landegebiet dennoch nicht allzu groß. Ein kleiner Teil ist allerdings niedriges, dichtes Laubgestrüpp. Der wahrscheinlichere  Rest ist von Nadelwald bestanden - überwiegend hohe Kiefern. Eine massive Suche - 2 Stunden - ist erfolglos. Sogar das Gestrüpp durchstreife ich zweimal. Das sollte man bei Gelegenheit nach dem Laubfall wiederholen - wenn man sich das denn überhaupt noch einmal antun wollte. Ich gebe auf. Denn die Tour ist noch lang, und wer weiß, wie suchintensiv die weiteren Ziele sich gestalten?

Weiter geht es nordwärts,  über die winzigen Siedlungen Sallahn, Sareitz nach Rademoißel. Dort im Wald soll am 10.7.2023 die Bergener Sonde U1240489 niedergegangen sein. Wieder das selbe Bild: Große Endhöhe, große Landgeschwindigkeit, demzufolge unsichere Landeprognose. Allerdings liegen Tawhiri und meine Extrapolation sehr nahe beieinander, so dass ich relativ optimistisch an die Sache herangehe. Wieder verbringe ich 2 Stunden im sehr unwegsamen Wald - nichts. Dabei würde ich vermuten, dass beide Sonden am Boden liegen. Möglicherweise sind aber die Schnüre bereits zerrissen, und wenn eine RS41 in dem flächendeckenden Blaubeerteppich liegt, sieht man aus der Ferne nichts, man muss schon direkt drüber stolpern.


Bisher habe ich erst 10 der 50km zurückgelegt, und die Uhr tickt erbarmungslos. Ich entscheide mich für den 10km kürzeren Weg direkt durch die Göhrde. Der Tripp ist etwas anstrengend, weil es etliche für norddeutsche Verhältnisse recht steile Anstiege gibt. Irgendwann erreiche ich Zernien. Bei Riebrau beginnt mein Abkürzungsweg. Plant man eine Route durch den Wald, ist das immer ein Griff in die Wundertüte. Von Fahrradautobahn bis Schlammwüste ist alles drin. Hier beginnt das ganze mit erträglichem Untergrund, der immer schlechter wird. Aber ich kann fast die ganze Strecke radelnd zurücklegen. Unmittelbar bevor die Abkürzung auf den Göhrde-Highway (L253) einbiegt, liegt die vermutete Landestelle von U1240625. Wieder das gleiche Spiel. Hohe Landegeschwindigkeit, diesmal aber eine bessere Endhöhe. Wieder ein schütterer Kiefernwald, einigermaßen übersichtlich. Eigentlich bessere Rahmenbedingungen als bei den beiden bisherigen Fehlversuchen. Wäre da bloß nicht die erfolglose Suche von Anita und Axel vor ein paar Tagen. Die meinten mit großer Sicherheit, dass jemand vor ihnen die Sonde gefunden hat. Da die Tawhiri-Prediction aus Wettersonde.net komplett unplausibel ist, wähle ich die Extrapolationslösung als Zielpunkt in Locus aus und stratze in den Wald.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U1240625
Produktionsdatum: 2022-03-24

Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 29.7.2023 12:00Z
Track wettersonde
Maximale Höhe: 3
7319m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.62 m/s 
Landegeschwindigkeit: 14.9 m/s
Landestelle:Uelzen,
LAT, LON:
53.106682,10.830903 Google Maps
Status:
Geborgen am 5.8.2023 17:29UT
Methode: Extrapolation nach wettersonde.net-Daten. 

Ich bin nur noch 80m von der vermuteten Landestelle entfernt. Soll ich vielleicht mal langsam das Fernglas auspacken? Nein, nicht nötig! Denn da hängt sehr nahe der Prediction eine weiße Box an einer Schnur von einer Kiefer! In bequemer Stangen-Pflückhöhe von vielleicht 3-4m. Mit sowas hatte ich jetzt nicht gerechnet.



Kein Problem für die Teleskopstange. Der massive Latexklumpen hoch oben im Baum am Ende der Schnur hat sich leider derart verhakt, dass man da nichts machen kann, aber ca. 20m Schnur kann ich bergen.

Es stellte sich bei einer Nachbetrachtung auf unserer Whatapp-Gruppe heraus, dass die Anita und Axel die Tawhiri-Prediction benutzt hatten und dass diese auf einer nahen großen Lichtung lag. Die ist natürlich sehr übersichtlich, was die Sicherheit erklärte, mit der sie meinten, die Sonde wäre nicht dort und daher bereits geborgen. Das habe ich erst nach der Rückkehr verstanden, als ich mir die Landestelle in Google Maps angeguckt habe. In Open Streetmap ist die Lichtung nicht verzeichnet, und im Gelände habe ich sie nicht bemerkt. 

Unweit Hohenfier kenne ich noch 3 weitere Kaltsonden-Landestellen. Alle habe ich schon mal erfolglos probiert, aber meistens war es wie heute: Die Sonne geht bald unter und man hat nicht genug Zeit. So ist es auch diesmal. Ich spule die letzten 15km bis Bad Bevensen ab, wo der Zug nach Hamburg gut erreicht wird.

Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier


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