Dienstag, 20. Januar 2026

Keine Bergung bei Nordlicht

 

Sondentyp: DFM17
SN: 
21(323)064178
Produktionsdatum: 19.11.2021
Frequenz:
403.11 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Munster Süd
 (WMOID:-)
Flugdatum:19.01.2026 19:05ZL
Track : Radiosondy/Sondehub
Maximale Höhe: 14706m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 6.06
m/s 
Landegeschwindigkeit: 2.2 m/s
Landestelle: Hamburg Wandsbek, LAT, LON: 
53.56645,10.08711, Google Maps
Status: Geborgen, Stangenbergung aus Straßenbaum
Methode: Extrapolation aus wettersonde.net-Daten

Ich bin abends gerade in Schmalenbeck. Die Idee ist, das klare Wetter für ein paar Astrofotos zu nutzen. Am Ende der Nacht könnte es nach einem X1,7-Flare auch Polarlicht geben. Ich baue ein Teleskop auf dem Balkon auf. Da erreicht mich eine Nachricht via Whatsapp: Eine DFM17 aus Munster-Süd scheint nach nach Hamburg-Wandsbek zu verschlagen. Ich denke, ich wäre relativ schnell bei der U-Bahn-Haltestelle Wandsbek Markt, und von da könnte ich rasch die Sonde in dem betreffenden Wohngebiet mindestens lokalisieren, vielleicht auch auflesen. Das Teleskop steht sicher und trocken und kann auch ohne mich Fotos machen. Ich packe ein paar Sachen zusammen. Axel fragt auf Whatsapp: "Hartwig fährst Du?". 

Als ich gerade antworten möchte, bekomme ich aus der Astroszene eine Whatsapp von dem GvA-Nordlichtexperten Ulli Rieth: "CME Impakt. Magnetfeld über 90 nT...!!!!". An die Radiosondengruppe schreibe ich daher: "Könnte hinfahren, warte aber lieber auf Polarlicht..Noch ist aber nix los". Das änderte sich geradezu umgehend. Jetzt ist auch die Radiosondenszene angefixt und postet jede Menge Bilder mit hellen Nordlichtbeamern. Ist schon erstaunlich, was man in so einer Situation auch mit Handys hinbekommt. Ich habe mich auch lieber auf eine nahe Wiese mit freier Sicht nach Norden gestellt als eine DFM17 nachts im Wohngebiet aufzuspüren. 

 




 

Am nächsten Morgen führt mich der Arbeitsweg mit der U-Bahn an der Sonde vorbei. Ich nehme also etwas Zeit und eine Stange mit. Alles in den Rucksack, und los geht es. Am Wandsbek Markt kann ich noch etwas Fußweg sparen, indem ich den Bus nehme. Die Landestelle befindet sich auf oder nahe der Oktaviostraße. Groß suchen muss ich nicht. Denn aus 200m Entfernung leuchtet unübersehbar ein roter Fleck in einem Straßebäume. 

Leider muss ich entdecken, dass die Spule meiner Stangenschnur zerbrochen ist, so dass  noch etwas Schnurgetüdel erforderlich wird.  Ich werde tatkräftig durch eine erstaunte und interessierte Anwohnerin angefeuert. Das Komische ist, dass Sonde, Schirm und der winzige Ballonhals direkt nebeneinander im Baum hängen. Von dort aus verläuft die Schnur 30m in luftiger Höhe weiter gegen die Flugrichtung und verschwindet in einem anderen Straßenbaum. Die ganze Anordnung ist schon etwas merkwürdig. Ich kann sie mir zunächst nicht erklären.



So etwas habe ich eigentlich noch nie gesehen, und man sieht ja im Laufe der Zeit viel. Aber irgendwie hab ich auch keine Zeit, die Wunder der Bundeswehr-Topologie zu analysieren. 

Also schnell mal die Sonde vom Baum geholt, dabei auf die Müllwagen, Krankenwagen und sonstigen Straßenverkehr geachtet. An der Schnur gezogen, und mit etwas Hauruck auch noch den Abroller am anderen Ende der Sondenschnur geborgen, eingesackt und wieder zum Bahnhof Wandsbek Markt gelaufen. Busfahren in Gegenrichtung geht gerade nicht wegen massiver Straßenbaustellen. 

Später am Tag fragen Leute aus der Gruppe nach, denen die Bilder und die Anordnung der Komponenten ebenfalls komisch vorkommen. Um herauszufinden, was da los ist, entwirre ich die Schnüre der Beute und komme aus dem Staunen nicht heraus. 

Normalerweise besteht so ein Manöversonden-Handstartgespann à la BW sinnvollerweise aus folgender Anordnung:  

 

Ballon -> Fallschirm ->Abroller -> 30m Sondenschnur auf Spule ->Sonde. 

 

Und nun gucke man sich mal dieses Exemplar an. 

 

Der Abroller ziert jedenfalls als lustiger Bommel das innovative Setup. 

Jetzt wird auch die merkwürdige Landesituation verständlich: Der Abroller hängt ganz unten und verheddert sich als erstes in einem Baum. Da die Sonde entlang der Straße flog, enden die ganzen anderen Sachen - Schirm, Ballonrest und Sonde -  30m weiter zusammen 2 Bäume weiter. Bergungsfreundlich ist das auf jeden Fall, denn man konnte den Abroller ohne Probleme durch 3 Bäume ziehen und alles bergen. 

Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier

 






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