Montag, 22. Februar 2021

Sondenbergung mit schwerem Gerät

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:S2260388
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 17.02.2021 12:00Z
Track wetterson.de und radiosondy.info

Maximale Höhe: 33365m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.237 m/s
Durchschnittliche Fallgeschwindigkeit: 5.41 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.5 m/s
Landestelle: Delingsdorf, LAT, LON: 
53.71228,10.26416, Google Maps
Status: Baumbergung vom Feinsten powered by Sputnik am 21.2.2021, 9:34UT
Methode: Decodierung des GPS mit TTGO

 Am 17.2. fliegt die RS41 aus Norderney Richtung Osten. Erst sieht es aus, als ob sie es vielleicht über die Elbe schafft. Dann erweist sich der Fallschirm als exzellent - Zielgebiet Kaltenkirchen. Und wenig später zeigte sich, wozu eine Sonde mit exzellentem Schirm in der Lage ist - Zielgebiet zwischen Ahrensburg und Bargteheide. Da ich gerade in Schmalenbeck, also direkt vor Ort bin, schwing ich mich aufs Rad, nehme sicherheitshalber eine Stange mit, und bin nicht lange nach der Landung vor Ort. 



Der weiße Fallschirm ist sofort gesichtet, aber die Sonde ist nicht so leicht zu erblicken. Straße, Feldrand oder Knick sind im Fehlerbereich des Sonden-GPS. Die Schnur geht vom Fallschirm nach oben in eine Knickeiche. Die Position des TTGO ist ein Stück weiter, ich denke auf dem Boden. Da liegt keine Sonde, und von oben kommt auch keine Schnur zu Boden. Ich checke beide Seiten des Knickwalls. Dann guck ich mal nach oben und sehe die Sonde ca. 8m über mir hängen. Mit der 8m Stange sollte das knapp klappen, vor allem, wenn man auf den Knickwall klettert. Vielleicht kann man auch mit dem Fallschirm auf den Baum zulaufen und die Sonde ablassen. Rasch die Stange vom Rad geholt und losgelegt. Ich wende der Szene 30 Sekunden den Rücken zu und höre es hinter mir klötern. Ich drehe mich um - da zieht ein Mann nach Leibeskräften am Fallschirm. Offenbar ist er wegen der Sonde da und macht gerade die Fehler, die ich bei meiner ersten Sonde auch gemacht habe. Ich rufe ihm zu, dass er das mal besser lassen möge - kein Effekt. Es knallt oben im Baum, und die Sonde ist oben im Wipfel der Eiche unrettbar im Geäst verankert. That is pretty shitty. Im selben Augenblick beginnt Bernd im nahen Oldesloe das Sondensignal wieder zu empfangen. Er wird es in wetterson.de bis zum Ende der Batterie einspeisen.

Sven, ein enthusiastischer neuer Sondenjäger (von denen es derzeit viele gibt), erweist sich als nett und wird kurz darüber aufgeklärt, dass die Lage jetzt hoffnungslos, aber nicht ernst ist. Viel kann man da nicht mehr machen. Mir gelingt es, die gerissene Sondenschnur mit einer Angel wieder einzufangen, aber wir kriegen die Sonde nicht freigeschüttelt - denn die Schnur reisst erneut. Die Chancen sind da auch sehr schlecht. Sven ist Angler und von hoher Frustrationstoleranz. Der gibt nicht auf. Er kann mit einer Rute eine Schnur im dritten Versuch über die Eiche werfen. Ich staune nicht schlecht. Er muss dann aber aus Familiengründen schnell weg. Mir gelingt es danach zwar, an Svens Schnur eine stabilere Leine über den Baum zu ziehen, aber die Schnur reißt außerhalb der Reichweite meiner Stange. Ärgerlich. Auch wird es dunkel. Wir telefonieren noch am Abend und beschließen einen Versuch mit der 15m Stange. Damit sollten wir die Schnur runter bekommen. 

Eckhard, im Netz auch unter dem Namen Sputnik bekannt, hört über Whatsapp von unserem Problem und meint, dass er da helfen würde. Dazu muss man wissen, dass er in einer Firma arbeitet, die Steiger verleiht...Sven und ich sind anfangs etwas skeptisch, ob sein Geschoss in die enge Straße passt, aber Sputnik lässt sich von der großen Lösung nicht abhalten. Und behält recht. 

Wir sind um 10 Uhr verabredet. Ich habe sicherheitshalber die 15m Stange dabei und versuche noch vorher, meine Schnur aus dem Baum zu Boden zu bringen. Jetzt bei Tageslicht staune ich nicht schlecht über den Wurf von Sven, meine Schnur verläuft direkt über der Sonde. Obwohl ich sie einhaken kann, ist das nicht so einfach möglich, denn das Ende hängt nicht mehr herunter, sondern wurde vom Wind  mehrfach um einen Ast gewickelt. Prinzipiell wäre sogar die Sonde knapp in der  Reichweite der Stange, aber die hakigen, knorrigen und dichten Eichenäste würden ein extremes Mikado verlangen. Ich will auch der Sonde nicht zuleibe rücken, bevor die anderen da sind. 

 

 

Und als Sputnik mit seinem professionellen Baumbergegerät anrauscht, ist sowieso klar, wie wir weitermachen. Kurz vorher sind auch Sven und Andre aufgeschlagen. Später kommt auch Bernd hinzu. Bevor man irgendeinen Stress macht, gibt es das in Hamburger Sondenjägerkreisen traditionelle "Käffchen" und dann geht es los. Es stellt sich heraus, dass das Vehikel gut positioniert werden kann, so dass der Verkehr nicht behindert wird. Jetzt kriegen wir eine Lehrstunde, wie Profis zu Wege gehen: Eckhard fährt seelenruhig mit seinem Korb himmelswärts und kann mit einer Teleskopstange die Sonde abreißen. Danach gelingt es ihm, meine Schnur freizubekommen, was komplexer ist als die eigentliche Sondenbergung. Wir quatschen noch eine ganze Weile über alles mögliche, Sven kriegt natürlich die Sonde, und danach machen wir uns fröhlich auf den Weg gen Heimat.






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