Am frühen Sonntagmorgen bemerke ich auf wettersonde.net, dass die Nachtsonde aus Schleswig im Hafengebiet in Wilhelmsburg gelandet ist. Eine genauere Analyse ergibt allerdings geringe Chancen für eine Bergung. Die letzte Position befindet sich über den Hallendächern des DPD-Depots in nur 24m Bodenhöhe. Zunächst vermute ich eine Landung auf dem Dach. Eine Extrapolationsrechnung ergibt aber, dass es die Sonde über das Dach geschafft haben dürfte. Dann liegt sie also auf dem wahrscheinlich eingezäunten und somit unzugänglichen Gelände des DPD. Ein Blick auf Google Maps Satellitenansicht zeigt Abstellplätze für LKWs und Container. Open Streetmap deutet ein Werkstor an - ob mich da am Sonntag Morgen jemand reinlassen würde? Immerhin kann man ja mal einen Versuch wagen - es ist nicht weit. Die Sonde wird noch ein paar Stunden senden.
Sondentyp: RS41SGP
SN: W3350075
Produktionsdatum: 2024-8-16
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum:17.8.2025 0Z
Track wettersonde
Maximale Höhe: 33333m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.39m/s
Landegeschwindigkeit: 3.2m/s
Landestelle: HH-Wilhelmsburg, LAT, LON: 53.50949,9.97558 Google Maps
Status:Geborgen am 17.8.2025 6:52 UT
Methode: Decodierung des Sondensignals mit TTGO
Die S-Bahn bringt mich nach Wilhelmsburg. Direkt neben der Landestelle befindet sich eine Bushaltestelle, aber der Bus, der dorthin fährt, verkehrt nur alle halbe Stunde, und ich sehe ihn vom Bahnhof aus abfahren. Plan B ist der Bus Nr. 13, der alle 10 Minuten fährt und mich zur Veringstraße bringt. Von da aus sind es 900m zu Fuß. Von einer Fleetbrücke hat man erstaunlichen Weitblick auf Teile der Hamburger Skyline auf der anderen Elbseite.
An der Kreuzung zum Reiherstieg-Hauptdeich blinkt mein TTGO. Offenbar ist die Sonde noch nicht von den LKWs plattgefahren worden! Ein genauer Blick auf die Koordinaten offenbart Erstaunliches. Normalerweise markiert die Extrapolationslösung die maximale Strecke, die die Sonde gemacht haben kann. Diese Sonde ist doppelt so weit geflogen wie gedacht und hat es knapp über den Zaun des Werksgeländes geschafft. Laut RDZsonde-Software soll sie sich 3m über dem Grund befinden. Das lässt hoffen.
Da liegt auch schon der blaue Fallschirm auf der Deichkrone!
Ich mache mich mit der Beute auf den Weg nach Hause. Wieder geht es mit dem Bus zurück nach Wilhelmsburg zur S-Bahn und von dort aus problemfrei nach Hause.
In der Whatsappgruppe werden einige Ideen vorgetragen, warum die Sonde so unerwartet weit geflogen ist. Auf jeden Fall muss es lokale Winde über dem Hallendach gegeben haben, die die Landung ein wenig verzögerten. Vorgeschlagen wurden Windwirbel an der Hallenwand in der ansonsten laminaren Strömung, Luftausstoß aus den Lüftungslöchern im Dach oder Thermik aufgrund der Restwärme des Dachs. All das erscheint plausibel, in jedem Fall war das Resultat für mich sehr erfreulich.
Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier



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