Samstag, 20. Oktober 2018

Dass ich das noch erleben durfte....meine erste DFM06

Sondentyp: DFM06
SN: 314932
Frequenz: 402.7 MHz
Startstation: Putlos
Landezeit: 17.10.2018 8:39Z
Track  Polen   eigene Daten 
Landestelle Malkendorf, LAT LON: 53.961321, 10.65048  Google maps
Funddatum 19.10.2018, 16Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction aus eigenem Empfang bis 325m

Die GRAW-DFM06 war eigentlich zu ihrer Zeit eine Feld- Wald- und Wiesensonde. Allerdings begann ich meine Sondensuche im Jahr 2016, und da war sie schon fast überall durch die neuere DFM09 ersetzt. 2017 machte ich, als Bergen doch noch mal eine uralte DFM06 startete, eine erfolglose Expedition ins tiefste Mecklenburg - ohne Erfolg. Dass irgendwann eine DFM06 bei mir direkt vor der Tür landen würde, war unwahrscheinlich. Tatsächlich konnte ich die im Hamburger Raum fast niemals vorkommende Ozonsonde, aber niemals eine DFM06 erbeuten. Irgendwann  rechnete nicht mehr ernstlich mit so einer Sonde. Dies war einfach ein Sondentyp von vor meiner Zeit.

Dabei scheint die Bundeswehr tief in ihren Beständen noch etliche von den Dingern zu lagern, die sie aber selten ausgraben.  Hier im Norden fliegen ausschließlich DFM09. Vor kurzem ließ die Bundeswehr bei einem Manöver in Sachsen etliche DFM06 fliegen. Im Forum schrieb ich den Kollegen, sie mögen doch mal ein paar Exemplare rüberschicken.

Der Ruf wurde erhört. In Ostholstein gibt es direkt an der Ostsee den Truppenübungsplatz Putlos, und da ließen sie ein paar Tage später zu Manöverzwecken Mitte Oktober 2018 außer einigen DFM09 doch tatsächlich ein paar der seltenen Vögel fliegen. Die ersten flogen nach Norden ins Meer, aber am 16. und 17.10. landeten sie an verschiedenen Punkten Ostholsteins. Das ließ immerhin eine Expedition außerhalb meines eigentlichen Jagdgebiets lohnend erscheinen.

Was wo flog, war durch die Bremer Seite wegen des bekannten DFM-Problems nicht zu ermitteln. Da half nur, vom privaten Balkon oder durch ein Laborfenster auf Arbeit eine Antenne in die fragliche Richtung zu halten. Dann war mit dem Zilog-Decoder leicht zu erkennen, ob es eine DFM09 oder eine DFM06 war. Meist war es eine DFM06. Manchmal gab es Mus, weil es Überschneidungen mit den auf den gleichen Frequenzen sendenden Sonden aus Sasel gab. Arbeitsbedingt konnte ich auch nicht alle Sonden verfolgen.

Links RS41_N3930261 aus Sasel, rechts DFM06_315115, unten Zilog-Decoding der DFM

314886 landete am 16.10. mitten im Dorf Danlos bei Lensahn. Allerdings war meine letzte Höhe 1585m, die Prediction daher ungenau, und eine Expedition ein paar Tage später wäre aussichtslos gewesen. Etwas besser sah es bei 315115 aus, die in einen Wald bei Kassau herunterkam, nordwestlich von Neustadt in Holstein. Die hatte ich noch in 814m Höhe erfasst. Aber für eine weite Anreise schien mir auch das nicht aussichtsreich genug.

Am 17.10. konnte ich zwei Sonden verfolgen, die mir sofort wesentlich spannender erschienen. 314932 landete gegen 8:32 UT. Ich hatte Empfang bis 325m Höhe aus einem Fenster auf Arbeit. Die Prediction sah mir gut aus. Landeplatz war ein Streifen Brachland zwischen Feldern, direkt am Flüsschen Curau bei Malkendorf. Eine kleine Brücke ging direkt am vorhergesagten Landeplatz über den Bach. Und um 11:21 schlug 314964 nicht weit weg ebenfalls in freier Feldmark ein. Wieder hatte ich einen guten Empfang und eine vertrauenswürdige Prediction. Wenn man mit dem Zug nach Pansdorf fahren würde, könnte man eine Runde mit dem Rad drehen und innerhalb kurzer Zeit beide Landeplätze besuchen. Das schien sehr aussichtsreich.

Doof bloß, dass ich an dem Tag erst nach 18:00 hätte losfahren können - und dann wäre das eine Nachtaktion geworden. Am Donnerstag hatte ich einen Termin am Abend. Ich hätte mich auf Arbeit am mit Krampf am frühen Nachmittag loseisen können. Wegen des Abendtermins wäre es zeitlich sehr hektisch geworden, und zudem zeigte die Bundesbahn-App eine  Signalstörung und Zugausfälle auf der Strecke an. Und spätabends ereilte mich der klassiche Gorbatschow: Da meldete DL1XH  die Bergung von 314964 auf radiosondy.info. 314932 hatte er offenbar nicht gefunden. Vielleicht hatte er sie nicht auf dem Schirm, oder sie war, als er sie suchte, schon weg *)?

Am  Freitag, den 19.10. hatte ich ab kurz nach 15:00 Zeit. Allerdings würde man nicht vor 16:45 in Pansdorf sein, und von da aus müsste man zur Bergung der verbliebenen 314932 je nach Anreiseweg 6-8km radeln müssen. Um 18:15 ist Sonnenuntergang. Das würde reichen. Wäre vielleicht eine längere Samstagsaktion besser? Dann könnte man mit einem Schleswig-Holstein-Ticket auch noch im Wald von Kassau vorbeigucken, oder sogar zusätzlich in Danlos, um die Chancen zu maximieren. Aber irgendwie hatte ich Angst, dass doch noch ein Abendspaziergänger die Sonde 314932, die immer noch bei weitem am aussichtsreichsten war, wegschnappen könnte. Ich entschloss mich zu einer schnellen Freitagsaktion.

Die Anreise war fast zu problemlos. Es stellte sich heraus, dass man in Lübeck gar nicht umsteigen brauchte, weil dieser Zug ausnahmsweise weiter nach Kiel fuhr, und er in Pansdorf halten würde. Dort wurde das Rad ausgeklappt, Tasche und Rucksack befestigt, und los ging es durchs ostholsteinische Hügelland. Ich kam gut voran. Die Karte zeigte mehrere Zugangsmöglichkeiten zur Landestelle. Ich wählte die direkte über einen Rübenacker. Das war gut möglich, da breite Treckerspuren eine zerstörungsfreie Passage erlaubten und exakt auf die Landestelle zuliefen. Vor Ort eine schnelle Orientierung: Da war die Brachfläche, der Bach. Wo war die Brücke, an der die Sonde liegen sollte? Ah, die Brücke ist der Betondeckel über dem Bach.  Und direkt daneben stach komplett unübersehbar eine weiße Box ins Auge, keine 30 Meter neben der Prediction:

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Es war kein Plastikabfall, es war eine DFM06. Die aufwändige Anfahrt hatte sich gelohnt.

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Die Schnur verlief über einen kleinen Busch, und ein paar Meter weiter, bereits auf dem Rübenacker, fanden sich der kleine rote Ballonrest, der kleine rote Fallschirm und der Abroller. Alles war, wie man es von den DFM09-Manöversonden her kennt. Einen Begleitzettel gab es nicht. Dafür war an der Telemetrieantenne kunstvoll ein Gummiband befestigt, wozu auch immer.

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Als ich wieder auf die Straße kam, hielt neben mir ein Auto an. Sehr interessierter und superfreundlicher Mensch, der einfach fragen wollte, was ich da hatte. Es stellte sich heraus, dass ihm der Acker gehörte. Er stellte viele Fragen und wünschte mir gute Heimfahrt. Die konnte ich gemütlich angehen, da der Zug in Pannsdorf sowieso schon weg war. Also fuhr ich langsam in die schöne Abenddämmerung hinein, mit meiner ersten DFM06 in der Tasche...

Baujahr 2013. Anklicken: Größere Darstellung

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*) Hatte heute ein sehr informatives und nettes Telefongespäch mit Bernd, und er erzählte mir ausführlich von seiner Bergung. Er hatte sich auf der Bremer Seite orientiert, und 314932 war ihm nicht bekannt.


Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier