Sonntag, 22. Oktober 2023

Sondenjagd mit dem ÖPNV 2017 und 2023: Das sind die Unterschiede

Am Sonntag nutze ich die Zeit für einen kurzen Abstecher nach Medingen bei Bad Bevensen. Dort hängt seit einem Jahr ein Baumlander ab, den ich nach langer Suche Weihnachten 2022 lokalisieren konnte. Also steige ich frohgemut in den Regionalexpress nach Hannover - der bietet das größte Abenteuer des 21. Jahrhunderts.

Seit dem 49-Euro-Ticket sind alle für Langstreckenfahrten geeigneteneten Regionalzugrouten an Wochenenden grundsätzlich krass überfüllt. Warum? Um eine Fernbeziehung in Kassel, Magdeburg, Bochum oder Berlin zu pflegen, fährt man nicht mehr mit dem ICE, sondern gratis. Man hat aber nach einem halben Jahr nicht gelernt, dass es für kleiderschrankgroße Rollenkoffer keinen Platz im Regionalzug gibt. Also stapelt man sie in den Sitzreihen, so dass es ganz schnell nur Stehplätze gibt. Wohin weicht der verzweifelte Fahrgast aus? In den Fahrradwagen. Die dort vorhandenen Sitzplätze für Leute mit Kinderwagen, Rädern oder anderem Sperrgepäck sind sofort von Leuten, die Handys und Handtäschchen dabei haben, belegt. Für den intendierten User gibt es nur noch Stehplätze. Das ist problematisch, weil ein Schild darauf hinweist, dass es in diesem Bereich keine Haltestangen gibt und der Aufenthalt auf eigene Gefahr erfolgt. Die Gestelle, an denen man eigentlich sein Rad anschließen soll (um sich dann woanders einen Sitz zu suchen), werden sofort von der Handy/Handtaschen-Fraktion als (extrem unbequeme) Hocker missbraucht. 

So sah es an einem Karfreitag 2017 in einem ganz normalen Fahrradwagen des Metronom aus:


So sieht es heute an einem frühen Sonntagnachmittag 2023 aus - das ist eine derzeit eher harmlose Belegung eines Fahrradwagens eines Metronoms; die Heimreisezeit Sonntag Abend hat noch nicht begonnen.


Mein Fahrrad ist das einzige, was weniger Platz frisst als 2017. Der Kollege im Hintergrund musste ernsthaft kämpfen, dass er sein Rad in die Halterung einhängen durfte. Sondenjagd mit Öffis und Rädern ist inzwischen sehr sehr nervig geworden. Man muss sich sehr genau überlegen, wann und mit welchem Zug man dem Chaos am besten ausweichen kann, und da sind die Fragen "Wohin will ich?" und "Wie komm ich da schnell hin?" drittrangig. Wenn man nicht am Startpunkt des Zuges zusteigt (auf dem Rückweg), hat man schon verloren. Events in Hamburg oder in einer der gratis erreichbaren Metropolregionen bringen das Fass dann schnell zum Überlaufen. Mir stellt sich langsam die Frage, ob die politisch motivierte Verramschung von Mobilität wirklich zielführend ist, insbesondere, wenn die vorhandene Infrastruktur ja schon vor dem 49-Euro-Ticket überfordert war.

So, nun zu Inhaltlichem: 

Ziel war die Radiosonde aus Bergen vom 10.10.2022 bei Medingen: 


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
T1330884
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 10.10.2022 00:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe:
18761m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.63 m/s 
Landegeschwindigkeit: 9.4 m/s
Landestelle: Medingen
,
LAT, LON: 
53.09447,10.5702  Google Maps
Status:
Baumlamder in 25m, lokalisiert  am 26.12.2022, 14:00 UT. Am 22.10.2023, 12:22 UT geborgen.
Methode: Extrapolation nach Wettersonde.net-Daten. 

Diese Sonde war mit nicht allzu guter Prediction am Rande eines Waldes am Ufer der Ilmenau gelandet. Ich war am 23.10.2022 vor Ort, konnte aber die Sonde trotz zweistündiger Suche nicht lokalisieren. Am 2. Weihnachtsfeiertag 2022 konnte ich nach langer weiterer Suche die Sonde hoch in einem Baum an der Böschung des Urstromtals entdecken: 

26.12.2022

Der Fallschirm fand sich in 9m Höhe in einem anderen Baum . Ich traute mich nicht, ihn mit der Stange herunterzuholen, weil dann vermutlich die Sonde in die Astgabel gezogen worden wäre.

Am 25.2.2023 landete nur 280m entfernt eine Radiosonde aus Schleswig auf den Uferwiesen der Ilmenau. Ich bin mit dem Auto dort gewesen und habe die Gelegenheit genutzt, den Baumlander im nahen Wald zu checken. Leider hing sie jetzt NOCH höher im Baum und war zudem in den Ästen der Buche verhakt. Fallschirm und Ballonrest waren hingegen heruntergefallen und konnten nebst Schnurresten geborgen werden.



25.2.2023

22.10.2023: Genau ein Jahr nach der ersten vergeblichen Suche bringt mich das Faltrad vom Bahnhof Bad Bevensen nach Medingen auf den bekannten Wegen. Wieder kette ich das Rad an den Baum. Ich bin mir eigentlich sicher, dass sie, wenn sie heruntergefallen ist, den Hang heruntergekullert sein müsste. Als ich heraufsteige, bin ich enttäuscht, weil sie nirgends herumliegt. Von oben kann ich Sonde aber sofort entdecken. Zu meiner Freude hängt sie diesmal in bester Pflückhöhe; die Schnur hat sich im Geäst verhakt. Die langwierigen Vorarbeiten haben sich endlich gelohnt!






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Karte aller Sondenfunde hier


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