Im Frühjahr 2026 hatte ich etwas Pech mit den Sonden. Kontrollierte Baumlander hingen standhaft im Baum. Man fährt 40km bei strammem Gegenwind durch die Göhrde, besucht 4 Sondenlandestellen. Drei sind einfach weg, eine hängt 20m hoch im Baum. Man fährt zur Sonde, und ein neuer, unbekannter Sondenjäger ist schneller.
Am Morgen des 13.4. startet der Truppenübungsplatz Bergen eine DFM17. Eine Manöversonde kommt selten allein, und tatsächlich starten die Sonden im Stundentakt. Es ist klar, dass sie den Großraum Hamburg ansteuern. Die ersten Sonden landen in Stormarn - eine am Ortsrand von Sandesneben, die nächste mitten in Lütjensee. Ich kann mich arbeitsbedingt erst am frühen Nachmittag ins Getümmel stürzen. Mein erster Impuls ist ein Tripp zu meinem Zweitwohnsitz in Schmalenbeck - von dort böte sich eine Autofahrt an. Als ich mich loseisen kann, landet gerade eine Sonde in Oststeinbek, mitten in einem Gewerbegebiet. Sowas erfordert schnelles Handeln, und ich ändere meinen Plan. Vielleicht sollte ich erst einmal ein Faltrad schnappen und einen kurzen Tripp dorthin starten und danach nach Schmalenbeck aufbrechen?
Sondentyp: DFM17
SN: 23(243)053737
Produktionsdatum: 31.8.2023
Frequenz:403.8 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Truppenübungsplatz Bergen (WMOID:-)
Flugdatum:13.04.2026 10:52L
Track : wettersonde.net
Maximale Höhe: 13358m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 6.26m/s
Landegeschwindigkeit: 2.8 m/s
Landestelle: Oststeinbek, LAT, LON: 53.54966,10.15334, Google Maps
Status: Geborgen am 13.4.2026, 12:17UT, Stangenbergung aus von Hallendächern
Methode: Empfang des GPS-Signals nach Landung mit TTGO
Gedacht, getan. Von der U-Bahn-Station Steinfuhrter Allee sind es keine 2km bis zur Landestelle. Die Sonde sendet noch. Auf Rand eines Hallendachs einer Firma liegt die Sonde - unsichtbar von unten. Ein Angestellter fragt mich gleich, ob er was helfen kann. Er holt seinen Chef, der gibt mir das Go für eine weitere Suche. Genauere Betrachtung der Lage ergibt, dass die Schnur von dem Dach über einen Baum auf das Hallendach der Nachbarfirma verläuft, wo - ebenfalls unsichtbar - der Schirm liegen muss. Besonders hoch ist das alles nicht. So kann ich die Schnur mit der Teleskopstange einhaken und die Sonde über die Dachtraufe heben. Der Rest ist einfach.
Unter der Anfeuerung einiger Firmen-Angestellten gelingt es, durch Schnurzug den Fallschirm von dem anderen Firmendach zu befördern...
Was macht man nun? Erst einmal mit der U-Bahn zurück zum Hauptbahnhof. Dort könnte ich in die U1 nach Schmalenbeck umsteigen. Ich entscheide mich anders, denn die reguläre RS41 aus Bergen landet gerade im Raum Aumühle. Also steige ich in die S-Bahn, und auf geht es wieder nach Osten.
So ein Manöversondenschwall hat seine eigene Dynamik. In der S-Bahn habe ich etwas Muße, mir die Lage auf den Internet-Seiten genauer anzuschauen. Was ist das? Da ist gerade eine weitere DFM17 direkt südlich der Autobahn bei Allermöhe heruntergekommen! Meine S-Bahn fährt gerade unweit davon vorbei! Wie kommt man zur Landestelle? Mit dem Rad vom Bahnhof "Mittlerer Landweg" aus! Das ist die Station, an der die S-Bahn gerade hält! Sofort die Sachen zusammengerafft und ausgestiegen.
Sondentyp: DFM17
SN: 21(342)069256
Produktionsdatum: 8.12.2021
Frequenz:403.47 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Truppenübungsplatz Bergen (WMOID:-)
Flugdatum:13.04.2026 13:32L
Track : wettersonde.net
Maximale Höhe: 17366m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.61m/s
Landegeschwindigkeit: 7.6 m/s
Landestelle: Allermöhe, LAT, LON: 53.49019,10.10203, Google Maps
Status: Geborgen am 13.4.2026, 14:30 UT
Methode: Empfang des GPS-Signals nach Landung mit TTGO
Die Radfahrt ist etwas nervig. Die ganze Gegend ist von Logistikunternehmen zugebaut, und riesige LKW-Gespanne machen es dem Radfahrer nicht ganz einfach. Der Weg zur einzigen Unterführung unter der Autobahn und über den angrenzenden Moorfleeter Sammelgraben führt nur wenige 100m an der Landestelle vorbei. Ich halte rasch einen TTGO in die Luft und kann tatsächlich die Landeposition ermitteln.
Auf der anderen Seite schließe ich mein Faltrad an. Ein auf den Karten nicht verzeichneter Fußweg führt direkt am Sammelgraben entlang und wird vor allem von Reitern genutzt.
Nach 800m kann ich auf der trockenen Weide die Sonde einsammeln. Die Schnur ist kaum vom Abroller abgewickelt, und daher liegen die Einzelkomponenten des Gespanns ziemlich auf einem Haufen.
Mit dem Rad bin ich schnell zurück am S-Bahnhof und kann meine Tour nach Aumühle fortsetzen. Allmählich wird das ein Wettlauf mit dem Killtimer. Die S-Bahn passiert die Landeposition in einer Entfernung von 600m, und ich kann mit dem TTGO tatsächlich ein paar Frames empfangen. Leider ist das Signal aber sehr schwach. Die Framenummer und die Sondennummer lassen sich zwar erkennen, aber keine Koordinaten. Wenn ich mit dem Rad am Ziel sein werde, hat der Killtimer sicher bereits zugeschlagen. Aber das macht keine Probleme, weil die Extrapolationslösung auf wenige Meter stimmen sollte. Immerhin weiß ich, dass die Sonde noch da ist.
Sondentyp: RS41-SGP
SN: V1220855
Produktionsdatum: 2023-03-21
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h:00m
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 13.4.2026 (12:00Z)
Track wettersonde.net/sondehub
Maximale Höhe: 32712m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.24m/s
Landegeschwindigkeit: 12.3m/s
Landestelle: Krabbenkamp, LAT, LON: 53.53058,10.29526 Google Maps
Status: Geborgen am 14.04.2026 16:30UT
Methode: Extrapolation nach Wettersonde.net Daten
Vom Bahnhof Aumühle sind es weniger als 2km. Die ganze Gegend ist sehr Bismarck. Der Herr hatte ja im nahen Friedrichsruh seinen Altersruhesitz. Also passiere ich im leichten Nieselregen rechterhand die "Fürst-Bismarck-Quelle", eine Fabrik zur Abfüllung des gleichnamigen Mineralwassers. Der Bismarck-Personenkult war Ende des 19. Jahrhunderts schon bedenklich. An der Landestelle steht doch tatsächlich ein Bismarck-Turm. Ursprünglich konnte man ihn wohl besteigen, was zur Fahndung nach einer Sonde auf einer abgezäunten Weihnachtsbaumplantage sehr nützlich gewesen wäre. Heute ist der Zugang aber vergittert.
Vom Rand der Plantage kann ich die Schnur der Sonde im Fernglas erkennen. Ich finde einen Zugang und kann die RS41 komplett bergen. Der Fallschirm ist in allerlei Latexresten eingequetscht - das erklärt die enorme Landgeschwindigkeit.
Nach der Bergung geht es in stärker werdendem Nieselregen zurück zum Bahnhof Aumühle, von wo aus ich die Rückreise antrete. Ein schönes Erfolgserlebnis nach langer Sondendürre.
Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier













