Samstag, 23. Juni 2018

RS41 Nr. 50

Am Freitag sollte laut Vorhersage die Schleswiger Radiosonden im Hamburger Raum landen. Die Morgensonde, P0930394, fiel wie ein Stein vom Himmel, dann berappelte sich der Schirm und ließ die Sonde in Kellinghusen landen - viel zu weit für einen schnellen Ausflug vor der Arbeit. So habe ich sicherheitshalber Sondenjägerrucksack und Faltrad rasch ins Lab mitgenommen, um nach getaner Arbeit schnell handlungsfähig zu sein für die Mittagssonde. Ich hatte wegen einer Prüfung nicht die Zeit, sie nebenher auf der Bremer Seite zu verfolgen, geschweige denn die Landephase durch eigenen Empfang zu verfolgen. Gegen 15:30 war ich erstaunt, dass P0930499 schon am Boden war. Nach der Bremer Prediction lag die Landestelle bei Kaltenkirchen. Die Kürze des Fluges war auf die geringe erreichte Höhe von nur 19000 Metern zurückzuführen.

Der Bremer Empfang endete bei 587 Metern. Noch etwas tiefer, nämlich 490m, kam diesmal die polnische Seite radiosondy.info, die seit einiger Zeit eine Empfangsstation in Schleswig-Holstein in ihrem Netz hat. Die DWD-eigene Seite RasMon kam sogar noch tiefer, nämlich auf 264 Meter. Leider weisen deren Positionen einen merkwürdigen Fehler auf, der im Laufe eines Sondenfluges ansteigt und in diesem Fall im Landegebiet etwa 90 Meter betrug. Sonst wären diese Daten eine ideale Ausgangsbasis für eine selbst gerechnete Prediction gewesen.


Also ging es sofort los nach Kaltenkirchen Süd, einer Haltestelle der AKN. Zwischendurch wurde per Whatsapp mit André kommuniziert, der seit einigen Monaten in Norderstedt - gar nicht weit weg - wohnt. Er meinte, dass er ist ab kurz nach 17:00 eintreffen könnte. "Viel früher bin ich auch nicht da", war meine Antwort. Daher beschlossen wir, dass wir uns treffen und die Sonde gemeinsam suchen würden.

Beim Ausgangspunkt eines Feldweges in Richtung Bremer Prediction wartete ich auf André und nutzte die Zeit für einen Empfangsversuch. Tolles Signal, prima Dekodierung. Die Position war sehr viel günstiger als erwartet: Direkt am Feldweg, nur ca. 300 Meter von mir entfernt, und die sonst so zuverlässige Bremer Prediction lag heute über 500 Meter daneben. Sowas ist sehr sehr ungewöhnlich. Und mehr als ein paar Meter konnte die Sonde nicht hoch sein. Also ging ich von einer einfachen Sache aus.

André wollte in 5 Minuten da sein. Nach 15 Minuten ein besorgter Rückruf. Er hatte sich navitechnisch irgendwie verfranst. Ich whatsappte ihm einen Kartenausschnitt der Open Streetmap und beschrieb ihm am Telefon meine Position und die des nächstgelegenen Parkplatzes und stellte mich als Blickfang in die Einfahrt. Diverse Autos kamen und fuhren weg, denn ein Altglascontainer stand auch auf dem Parkplatz. Dann endlich tauchte Andrés Auto am Horizont auf.

Das hatte etwas gedauert. Jetzt konnten wir uns aber aufmachen, und wir waren auch gleich an der Position, die links vom Weg lag. Nichts Auffälliges war zu sehen. Wo war die Sonde? Der Knick, in dem die GPS-Position verortet war, war ein ziemliches Dickicht. Auf der anderen Seite eine Streuobstwiese mit hohem Grasbewuchs. Das Gras war an einigen Stellen frisch niedergetreten, und es war völlig klar, wo sich die Trampelspuren konzentrierten: Direkt vor der Sondenposition. Da hatte ganz offensichtlich jemand kürzlich peilend gesucht. An mir war seit dem Empfang zwar niemand antennenschwingend vorbeigelaufen, aber wir hatten auf dem Weg auch gesehen, dass es da noch einen anderen Zugang gab. Dieser Sondenjägerkollege war uns wahrscheinlich zuvorgekommen. Seit meinem letzten Sondenempfang war es auch bald 30 Minuten her.

Also rasch den Rechner herausgeholt, noch ein Empfangsversuch. Und, welch Glück,  die Sonde war noch da, und zwar wie erwartet im absoluten Nahfeld. Peilversuche auf der Oberwelle bestätigten den Baum, der auch der GPS-Position entsprach. Die Polarisationsrichtung deutete auf einen Baumhänger, und nach dem Sonden-GPS konnte er  nur wenige Meter über dem Grund hängen. Auf Basis dieser Erkenntnisse suchten wir einen Baum ab. Da erspähte André die Sonde. Sie war auch aus wenigen Metern Entfernung nicht einfach zu sehen und hing ca. 4 Meter hoch.

Wo war aber der ganze Rest? Nach einigem Suchen sah ich dann die Schnur, die fast waagrecht am Himmel verlief und sich kontrastmäßig  vom grauen Gewölk nicht abhob. Sie streifte den Wipfel eines Apfelbaums, und dahinter lagen  der Schirm und ein ziemlich großer Ballonrest am Boden.



Wir hielten kurz Kriegsrat und beschlossen, mal testhalber mit dem Fallschirm Richtung Sonde zu laufen. Andre rief mir zu: "Das funktioniert. Die Sonde kommt runter". So konnten wir sie ohne Aufwand abseilen, die Schnur durchschneiden und aufwickeln. André war natürlich begeistert, seine erste RS41 vom noch seltenen neuen Typ. Für mich war es Nr. 2 von der neue Bauart, und insgesamt die fünfzigste RS41.

 Da ich keine Lust hatte, eine weitere Ergänzungskarte zu erstehen, radelte ich zur ersten Station des Großbereiches, Tanneneck. Danach musste ich noch mal kurz nach Flottbek, um meinen normalen Laptoprucksack mitzunehmen.

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