Dienstag, 18. September 2018

Radiosondy Polska (jippii)

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2310586
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 18.09.2018 12Z
Track eigene Daten  Bremen.
Landestelle LAT LON: 53.49833 10.36888 Google maps
Status: Gefunden durch eigene Prediction

Auf einem Youtubekanal aus Polen endet jede Sondenbergung mit diesem Ausruf. Dieses Mal waren bei der Sondenbergung in Dassendorf zwei Sondenjäger und ein Dutzend freundliche Polen anwesend, so dass mir dieser Spruch ständig durch den Kopf ging.  Aber der Reihe nach:



N2310586 war die Mittagssonde aus Bergen, die direkt auf Hamburg zuflog. Ich konnte sie bereits vor dem Platzen durch eigenen Empfang verfolgen und bei klarem Himmel den Ballon mit freiem Auge in über 30km Höhe verfolgen. Die Helligkeit schätze ich mal auf -7mag, bei Kenntnis der Position war das Objektt extrem auffällig. Im 20X60 Feldstecher konnte ich das Platzen verfolgen. Die Sonde hatte einen schlecht funktionierenden Fallschirm und landete bei Dassendorf. Ich konnte von Hamburg aus den Flug bis in eine GPS-Höhe von 190m verfolgen. Die vorhergesagte Landestelle lag direkt auf der Grenze zwischen einem Feld und einer Obstplantage. Und nicht, wie laut Bremer Prediction, auf dem benachbarten Golfplatz. 

Ich fuhr also nach Aumühle. Dort stand an der Haltestelle ein Bus nach Dassendorf. Direkt am Großsteingrab spuckte der mich aus. Jetzt musste ich keine 2km radeln, und dann war ich an Ort und Stelle. Direkt dort stand ein Auto, aber von seinem Besitzer war nichts zu erkennen. 

Auf dem Rübenacker lag die Sonde nicht. Ich wollte gerade meinen Rechner auspacken und einen Empfangsversuch starten, da sah ich jemanden auf das besagte Auto zulaufen. Ein Blick durchs Fernglas ergab: Es war Jürgen! Dem hatte ich meine Absicht, nach Dassendorf zu fahren, per Whatsapp mitgeteilt, aber er hatte nicht geantwortet. Er hatte auf Basis der Bremer Prediction den Golfplatz inspiziert und war fest davon ausgegangen, mich dort zu treffen.

Gemeinsam beratschlagten wir das weitere Vorgehen. Erst einmal war es ratsam, einen Empfangsversuch zu starten. Der Killtimer würde erst um 17:51 zuschlagen, und es war kurz nach 17:00. Aber da war kein Empfang. War da jemand schneller gewesen?

Dennoch gaben wir nicht auf, sondern fragten die polnischen Arbeiter, die fleißig auf der anderen Seite des Zaunes die Birnen ernteten. Einer konnte gut Englisch, ein weiterer Deutsch. Fachwörter wie „Radiosondy“ und „Sznurek“ kannten wir ja auch aus den besagten Videos. Nö, sowas hatten sie  nicht gesehen. Schade. Da ziemlich viele Leute auf der Plantage waren, sprach das irgendwie gegen eine Landung dort. Die Sonde musste andernfalls direkt über ihren Köpfen eingeschwebt und direkt neben ihnen eingeschlagen sein.Mit 14m/s.

Wir sind dennoch die Straße entlang gelaufen und haben mit Ferngläsern die Schneisen zwischen den Obstbaumreihen inspiziert. Und tatsächlich erspähte Jürgen die Schnur, die in 200m Entfernung quer über die Schneise verlief.
Wir liefen zurück an den Zaun zu den polnischen Erntehelfern. Die Kommunikation war kompliziert, und sie mochten uns auch nicht so einfach auf die Plantage lassen. Sie erzählten uns aber, wo die Auffahrt war, und dass man dort am Hof fragen konnte. Dort trafen wir den netten Apfelbauern, der uns sofort freie Hand auf seinem Land gab. Wir sind dann die Reihen abgelaufen, und irgendwann sahen wir unsere Schnur, den großen Ballonrest und den verschnürten roten Schirm (es war zu meinem Erstaunen das große Modell). Die Schnur war nicht komplett abgewickelt. Die Sonde fand sich 7 Obstbaumreihen weiter. Offenbar war durch den harten Aufschlag unsere RS41 abgeschaltet worden. 








Wir haben dann die Sonde den Erntehelfern und auch noch dem Apfelbauern gezeigt. Dann hat mich Jürgen noch rasch bis Aumühle mitgenommen, denn das zusammenfaltete Rad passte prima in seinen Kofferraum.
Wir verabschiedeten uns bis zum morgigen Radiosondenworkshop und freuten uns wie die Schneekönige über die bereits verloren geglaubte Sonde. Es war meine vierte Sonde, die ich am Himmel gesehen und danach am Boden gefunden habe. 

Und in der S-Bahn erlebte ich dann ein Lehrstück zur praktischen Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung: Tatsächlich fragte mich Google, wie ich denn meinen Besuch beim Golfclub Sachsenwald so bewerte….Soll ich da reinschreiben, dass ich einen Golfclub fast so schlimm finde wie ein Maisfeld  und viel schlimmer als einen Wald?

Bisher haben die Radiosonden um das großflächige Golfclubgelände gottlob einen Bogen gemacht. Sie landeten bei netten Apfelbauern, wie unserem heutigen, bzw. bei seinem genauso netten Kollegen und direkten Nachbarn. Dort war nämlich, nur 325m von der heutigen Landestelle entfernt, am 6.5.2017 eine DFM niedergegangen.  Und vor wenigen Wochen landete, ebenfalls in Dassendorf, eine RS41, 1500m entfernt bei freundlichen Gartenbesitzern. 

Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier