Sonntag, 4. November 2018

Komplett unerwartete Begegnung an der Landestelle

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N4220065
Frequenz: 402.50 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 03.11.2018 6Z
Track  Polen (radiosondy.info;  DL1XH)   (eigene Daten enden höher)
Landestelle  Bad Oldesloe, LAT LON:53.795730, 10.359460  Google maps
Funddatum 03.11.2018, 09:00Z
Gefunden durch Sonden-GPS der gelandeten Sonde

Die Sonde N4220065 war die Morgensonde aus Schleswig. Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass sie in meine Nähe kommen würde. Umso erstaunter war ich beim morgendlichen Blick auf wetterson.de. Die Sonde befand sich im Landeanflug auf Bad Oldesloe.

Ich hatte an dem Tag vor, meiner Mutter (90) mit ein paar Dingen im Haushalt zur Hand zu gehen und wollte daher nach Schmalenbeck fahren. Das liegt, von meinem Wohnort aus gesehen, auf dem Weg nach Bad Oldesloe. Also wäre es möglich gewesen, die Sonde einzusammeln und dann nach Schmalenbeck zu fahren.

Bernd, ein relativ neuer, sehr aktiver Radiosondenjäger, wohnt nur wenige Kilometer von der Landestelle entfernt. Er hat dort und auch an einem anderen Standort Raspberry-Pie- basierte Empfangsstationen, die Daten auf die polnische Seite liefern. Diese Stationen schließen ein Loch in der Abdeckung der Internetdaten in Schleswig Holstein. Das wurde heute wieder deutlich: Die Bremer Seite verlor die Sonde in 1014 Metern Höhe.  Ich selber konnte von meinem Balkon die Sonde bis in 231m Höhe verfolgen, er konnte sie noch in 89m Höhe empfangen. Ich schnappte mir also seine letzten Positionen und rechnete damit rasch eine Tawhiri-Prediction. Danach befand sich an der Landestelle ein kleines Wäldchen und in demselben ein kleiner Tümpel. Die Sonde sollte am Ostrand des Tümpels im Gestrüpp liegen. Die polnische Seite selber macht auch eine Prediction, und die lag viel weiter flugbahnabwärts auf der Wiese neben dem Wäldchen. Die Diskrepanz ist erstaunlich, weil doch beide Vorhersagen auf der gleichen Endposition basierten.

Bernd, der Mann auf der Pole Position, und auch Jürgen, der  ebenfalls nicht weit von Bad Oldesloe wohnt,  erhielten per Whatsapp meine Prediction Und auch die Anfrage, ob sie was planen, ob man sich unter der Sonde treffen wollte oder ob sie die Sonde vielleicht schon vor meiner Abfahrt eingesackt haben könnten. Bernd morste zurück, dass er dieses Wochenende an der Westküste sei und leider selber nichts unternehmen könne. Also war der Plan: Nach Oldesloe, von  dort aus mit dem Rad zur Landestelle, die direkt an der Straße lag. Dann zurück zum Bahnhof, mit dem Zug nach Ahrensburg, und von da aus wieder  per Rad 6km zu meiner Mutter.

Teil 1 und 2 des Plans liefen auch ungefähr so ab. Von der Straße aus war der Tümpel prima zu sehen, aber weder in den Bäumen noch am Teichufer war auf den ersten Blick etwas zu auszumachen. Allerdings blendete in der Richtung die niedrig stehende Sonne enorm. Also nicht lang gefackelt: Rechner aus dem Rucksack, alles zusammengestöpselt und gelauscht. Das Signal war klar und deutlich.  Nach der GPS-Position schwamm die Sonde direkt am Nordostufer im Tümpel, ca. 30m von der Prediction entfernt. Und tatsächlich konnte man sie jetzt bei genauem Hinsehen erkennen.



Auf dem Weg durchs Gestrüpp und durch ein Mikado aus umgestürzten Bäumen um den Teich herum stolperte ich dann über den Schirm und den großen Ballonrest.

Die Schnur verlief senkrecht nach oben, dann über zwei hohe Bäume und endete, senkrecht von oben kommend,  bei der Sonde, die mit dem Sensorarm nach unten im Wasser schwamm. Die Sonde befand sich unweit des Ufers, aber die Schnur war außer Griffweite.











Während ich mit der Stange die Schnur ans Ufer zog, sah ich auf dem Radweg der nahen Straße zwei Gestalten. Die hatte ich schon vorher kurz bemerkt, jetzt war aber evident, dass sie mein Treiben interessiert verfolgten. Ich rief ihnen zu, was ich da mache. Aber sie nickten, guckten freundlich und staunten weiter. Dass Radiosondenjagd Zuschauer ins Stadion lockt, kannte ich jetzt noch nicht.

Nach dem Abschneiden der Sonde ging es zurück zum Schirm, und dann wurde die Schnur aufgerollt. Als ich mich zurück zum Radweg stapfte, waren die beiden immer noch da. Ein Senioren-Ehepaar auf dem Samstag-Morgen-Tripp wollte das doch mal genauer erklärt haben. Das macht man doch gerne. Ihre Reaktion war aber irgendwie anders als bei vorherigen vergleichbaren Situationen. Als wäre ihnen das alles selbstverständlich. Und dann sprach mich der nette Herr plötzlich mit meinem Namen an.  Es stellte sich heraus - das waren Bernds Eltern. Sie hatten über den Sondenjägerkollegen von meinen Plänen erfahren und waren gleich losgefahren. Bernds Vater hatte sogar schon diesen Blogg gelesen.  Diese nette Begegnung war doch mal eine wirklich gelungene Überraschung.

 Mein Plan für die Weiterfahrt war ja: Zurück nach Oldesloe und dann nach Ahrensburg. Bereits auf dem Weg Richtung Bahnhof zeigte ein kurzer Blick auf die HVV-App aber, dass ich den nächsten Zug nach Ahrensburg verpassen würde und der übernächste erst in mehr als einer Stunde fahren würde. Also entschloss ich mich spontan zu einem U-Turn auf dem Radweg und zu einer 23km-Radtour bei bestem Herbst-Sonnenwetter nach Schmalenbeck.

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