Samstag, 19. September 2026

Altlasten im Stuvenwald

 Am Freitag habe ich unerwartet etwas Zeit, und da beschließe ich spontan eine Tour durch den Stuvenwald. Dort gibt es einige Kaltsonden, die noch niemand besucht hat oder deren Status unklar ist. Die Fraktion der automobilisierten Sondensucher ist aufgrund der extremen Preise nicht mehr so sehr geneigt, für einen wertlose weiße Box - oder gar für einen unsicheren Baumlander - Sprit zu verschwenden . Meine Sondenjagd mit  Faltrad und Deutschlandticket erfordert mitunter Frustrationstoleranz, ist aber vergleichweise preiswert. So bringt mich der Bus zu der bewährten Haltestelle "Kirchenwald" in Elstorf-Bachheide. Von dort geht es 3 Kilometer auf dem Radweg der Straße bis zu einer Abzweigung in den Wald. Direkt am Weg ist im Mai eine Bergener Sonde gelandet. Jetzt im September ist sie mein erstes Ziel.

 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
V1121405
Produktionsdatum: 2023-3-14
Timerkill: 5h:00m

Startstation: Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 18.5.2026 (00:00Z)
Track wettersonde.net/Sondehub

Maximale Höhe:
 34915m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.23 m/s

Landegeschwindigkeit: 5.8m/s

Landestelle: Stuvenwald, LAT, LON: 
53.40047,9.82924 Google Maps
Status:
geborgen am 18.9.2026, 11:53UT
Methode:
 Extrapolation aus Tower-Daten (via wettersonde.net)

Vom Weg geht es einige Meter einen Hang hoch. Und was soll ich sagen: 4 Meter neben der Extrapolationslösung hängt das da am Baum in ca. 8m Höhe:





Erst einmal versuche ich den Fallschirm zu lokalisieren, aber erfolglos. Offenbar hängt der sehr weit oben. In Erwartung einer unkomplizierten schnellen Stangenbergung mache ich mich ans Werk. Aber das ist nicht so einfach: Die Sonde ist direkt von unten nicht erkennbar - dichte Fichtenzweige blockieren die Sicht. Also muss ich sehr schräg von der Seite ansetzen. 



 

Ich kann die Stange auf einem Zweig ablegen, so dass sie sich nicht unter ihrem eigenen Gewicht verbiegen kann. Die richtige Orientierung kann ich nur erreichen, indem ich Druck auf den Zweig ausübe, wodurch die Stangenspitze nach oben biegt. Das ist ziemlich fummelig, aber irgendwann klappt es. Die Schnur ist bereits durchtrennt, also kann ich mit der Schnurzug-Raschel-Methode nichts über die Lokalisation des Schirms in Erfahrung bringen. Ansonsten ist die Sonde recht gut erhalten, obwohl sie ja schon 5 Monate im Wald hing.  

 


Alles wird wieder eingepackt. Der Weg führt direkt nach Süden, er bietet in schneller Folge phantastischen Asphalt, tückischen Sand, Beton mit tiefen senkrecht verlaufenden Riefen und Kopfsteinpflaster. Irgendwann erreiche ich eine Abzweigung. Auf einem mir gut bekannten Weg geht es nach Osten. Hier passiere ich relativ dicht eine mir bekannte Landestelle. Große Chancen rechne ich mir nicht aus, aber wenn ich schon mal vor Ort bin, kann ich da ja mal vorbeischauen. 

Sondentyp: DFM17 und RS41-SGP (Tandem)
SN:
 
U3260320 & 23055899
Frequenzen: 
405.1 MHz (RS41) und 403.05MHz (DFM17)
Timerkill: keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Produktionsdatum: 2024-03-13 (RS41) und 
2023-??-?? (DFM)
Flugdatum: 5.4.2024 11:00Z
Track radiosondy.info (DFM17)
Maximale Höhe: 24943m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.62m/s 
Landegeschwindigkeit: 6.2m/s
Landestelle:Stuvenwald
 LAT, LON: 
53.36235,9.839862  Google Maps
Status: RS41 geborgen am 18.9.2026, 13:10UT; DFM17 bisher nicht geborgen

Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

 

Hier ist 2024 ein Tandem aus DFM17 und RS41 in einem recht unwegsamen Waldgebiet niedergegangen. 2 Tage später war ich mit dem Auto in der Gegend - auf dem Weg zur Sternwarte Handeloh. Es gelang mir damals, die Sonde trotz der nicht allzu guten Prediction zu lokalisieren. Die Situation war allerdings suboptimal: Der Fallschirm hatte wohl am Boden gelegen, war aber nicht mehr vorhanden. Jemand hatte offensichtlich daran gezogen und wahrscheinlich erst dadurch die Sonden in den absoluten Wipfel einer hohen Fichte platziert, 35m hoch. Die Schnur da oben war wie ein Flitzebogen gespannt, und zwischen zwei Zweigen hing waagerecht die DFM17. 

 
Foto von 2024

Foto von 2024

 

Wie üblich war die RS41 mit einem kurzen Schnurstück und Tape an der DFM17 befestigt. Man sah die Schnur im Gezweig verschwinden - die RS41 habe ich trotz längerer Inspektion des Baumes mit dem Feldstecher aus verschiedenen Richtungen nicht erkennen können. Zu dicht waren Nadeln und Geäst.

Am 30.8.2024 war ich wegen einer anderen Meppen-Sonde erneut im Stuvenwald unterwegs. Also habe ich mal nachgeschaut. Das Ergebnis war frustrierend. Weder Sonden noch Schnüre waren in den Bäumen zu sehen.  

Und heute? Wieder kämpfe ich mich zur Landestelle durch und finde sofort anhand der Koordinaten und der alten Fotos den fraglichen Baum. Und diesmal liegt dort ziemlich eingewachsen eine RS41 auf dem Boden. Die seh ich heute zum ersten Mal. 

 

 

 



Die DFM17 kann ich weder am Boden noch im Baum entdecken. Da sich, wie am Beispiel der RS41 gesehen, in den Zweigen großer Nadelbäume Sonden gut verstecken können und die Schnüre der DFMs ja leider nicht verrotten, könnte sie nach mehr als 2 Jahren noch oben hängen. Oder sie ist heruntergefallen und tief im Moos eingewachsen.  Leider kann ich diesen Fall nicht schließen. 

Genauso wenig wie den der dritten Sonde: X0534908, der Nachtsonde aus Norderney vom 19.2.2026. Sie sendete laut wettersonde.net aus einem Baum am Südrand des Waldes.  Die Daten kamen vor allem vom Wendland-Tower. Der ist nicht gerade um die Ecke. Rechnerisch ergaben sich 28m über dem Boden. Etwas überrascht war ich über eine Meldung von DN9MOO. Der hat die Sonde erst als geborgen eingetragen und sich dann nach ACHTUNG korrigiert. Die Sonde hängt nach seinem Bericht in der Spitze einer 15m hohen Fichte. Sollte da doch was gehen? Aber vor Ort zeigt sich, dass die betreffende Fichte eher 35m hoch ist. Die Sonde kann ich mit dem Fernglas nicht lokalisieren. Auch vom Schirm fehlt jede Spur. Da müssen wir auf Fallobst hoffen. 

Ich lege dann noch mit dem Rad die letzten Kilometer zum Bahnhof Buchholz zurück, wo sofort der Metronom nach Hamburg eintrifft. Den hätte ich fast verpasst, weil ich den Fahrstuhl benutzen wollte. Einsteigen: Klappt. Der Fahrstuhl spricht zum User: "Tür schließt". Auch diese Operation klappt. Dann meint der Sprachchip: "Dieser Fahrstuhl ist defekt, bitte steigen sie aus!" Da ich die Durchdringung der Materie nicht beherrsche, ist das angesichts der geschlossenen Tür nicht möglich. Erst nach 40-50 Sekunden erschallt das erlösende "Tür öffnet"...Jetzt rasch das beladene Faltrad die Treppe herunter gewuchtet und rasch in den Metronom eingestiegen. Erst dort wird alles auseinander gebaut und zusammengeklappt. Auf dem Hamburger Hauptbahnhof herrscht mittelstarkes S-Bahn-Chaos - wegen einer technischen Störung. Dennoch komme ich vergleichsweise glatt nach Hause. 

 

Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier
  
 

 

 

 

  

 

 

 


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