Mittwoch, 1. August 2018

Wettrennen gegen den Timerkill Part 2 und 3

31.7.2018


Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2220570
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum:31.7.2018 12Z
Track Bremen  Track eigene Daten
Landestelle LAT LON: 53.55038 10.18699 Oststeinbek Google Maps
Gefunden am 31.7.2018 17:20
 
Und wieder eine Bergener Sonde im Anflug auf den Großraum Hamburg. Natürlich wieder mit diesem Timerkill, diesmal nicht auf asoziale 3h20m, sondern auf 4 Stunden eingestellt. Manchmal frage ich mich  ja, ob die uns Sondenjäger testen wollen. Egal, diese Art von Herausforderung gilt es anzunehmen, und zwar durch Prediction und/oder Schnelligkeit.

Aus einem Laborfenster ein schneller Empfang. RS41Tracker dekodiert ja die Kill-Einstellungen und sagt, dass die Sonde um 17:01:31MESZ ausgehen sollte. Um 15:44 geht die Sonde bei Oststeinbek nieder. Letzte Höhe 202m, deutlich niedriger als wetterson.de.

Ein schneller Blick auf die Google-Earth Darstellung der Bremer Seite und auf die HVV-App zeigt, dass man sich beeilen muss. Eine Abfahrt in Flottbek um 15:57 ergibt eine Ankunft an der nächstgelegenen Bushaltestelle Oststeinbek-Kampstraße um 16:47.  Noch schnell Sondenjäger-Geraffel zuhause abholen verbietet sich wegen des drohenden Timerkills. Also nehme ich meinen im Labor deponierten RTL-Stick und die etwas unhandliche Yagi mit und stratze zur S-Bahn. Dauerlauf zum Bahnhof bei 32°C. Unterwegs treffe einen der Studenten, die damals die Radiosonde im Mammutbaum geborgen hatten, mit der alles anfing. Wir grinsten beide  mächtig, als ich die mit einer Antenne unterm Arm ihm entgegen kam.

Auf der Fahrt rasch einen mobilen Hotspot machen und eine Prediction auf Basis meiner Daten gerechnet. Leider lag die Position noch tiefer in dem Wäldchen als laut Bremer Seite. Doch noch nach Hause, die Stange holen? Nein! Ein Bus später dürfte  zu knapp werden. Wenn sie im Baum hängt, ist es wichtiger, vor dem Timerkill noch eine exakte Position zu haben und die Lage vor Ort zu erkunden. Wenn eine Stange braucht, muss man eben später noch mal wiederkommen. Da ist es auch kühler. Fataler als das Fehlen einer Stange war es, dass ich meine Wasserflasche im Labor vergessen hatte.

Einmal quer durch Hamburg mit S- und U-Bahn, und dann ab Steinfurther Allee weiter mit dem 133er Bus. Zwischendurch ein paar Whatspps mit Jürgen getauscht. Der kann sich zuhause nicht loseisen, obwohl er gar nicht so weit weg wohnt. Ich hatte gehofft, dass man sich vor Ort treffen könnte. An der Busstation KEIN Empfang irgendwelcher Art aus 1100m Distanz. Vielleicht ist es etwas zu weit? Also alles verstauen und schnell losstratzen. Gleich hinter Oststeinbek ist das Gelände flach und etwas erhöht, und ich habe freien Blick auf das Wäldchen. Distanz 660m, und auf der Wiese lassen sich zwei Rehe durch meine Hektik nicht stören. Als alles wieder zusammengestöpselt ist, ist es 17:00:02. Und da ist ein Signal, und Zilog lässt die Koordinaten sprudeln. Yeah! Das ist schon mal der halbe Sieg.

Die GPS-Höhen von Handy und Sonde schwanken um identische Werte herum. Das Signal ist ok, aber schwächer als aus Flottbek, was gegen eine Baumlandung spricht. Und um 17:01:35 verstummt die Sonde mit Frame 18494, 4 Sekunden später als angekündigt. UFF. Das war knapp!

Also los! Durch das Wäldchen führen laut Open Streetmap Wege, einer sogar nur ein paar Meter an der Position vorbei. Vor Ort musste ich dennoch etwas suchen, aber dann lag da eine RS41 auf dem Waldboden.

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Die Schnur verschwindet in einem Baumwipfel. Keine Fortsetzung zu erkennen. Irgendwann hab ich versucht, durch rabiates Ziehen an den Schirm heranzukommen, aber es riss die Schnur, von der ich immerhin 20-30m erbeuten konnte.

Bei noch immer drückender Hitze mache ich mich auf den Heimweg. Zuhause sehe ich, dass die Bergener Abendsonde westlich von Schwarzenbek landet, diesmal mit 4h20m Timerkill. Zu weit für eine weitere Aktion, sichere Prediction aus 188m Höhe auf freiem Feld. Einige Sondenjägerkollegen haben Urlaub und erwägen sich drum zu kümmern *).

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*) Jürgen Wruck hat die Sonde nach meiner Prediction gefunden. Die war aber ungenauer als erwartet. 

1.8.2018
Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2240718,
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum:1.8.2018 0Z
Track Bremen  Track eigene Daten
Landestelle LAT LON: 53.4432 10.03151 Groß Moor Google maps
Gefunden am 1.8.2018 5:11

Die Nachtsonde hatte den etwas großzügeren Timerkill von 4:20 Stunden. Sie hatte einen guten Fallschirm und schwebte nach Groß Moor ein, einem kleinen Dorf der Gemeinde Sevetal. Ich hatte exzellenten Empfang bis 156 Meter GPS-Höhe. Es regnete und donnerte, aber das Regenradar zeigte, dass der Regen abzog. Mit der ersten S-Bahn ging es zum Hauptbahnhof. Kreatives Bahnfahren war gefordert, weil wieder einmal ein wochenlanger Schienenersatzverkehr die Weiterfahrt nach Harburg stoppte. Glücklicherweise  konnte ich auf einen Regionalzug ausweichen.Von da aus brachte mich das Faltrad ins Zielgebiet. Um 5:05:30 hatte ich Empfang und Dekodierung des Sondensignals, und der Killtimer würde um 5:09:13 zuschlagen.

Ich hätte die Sonde aber (wie wohl auch die vorige) auch im kalten Zustand noch gefunden. Genau an der vorhergesagten Stelle lag der diesmal große rote Fallschirm auf einer Wiese. Die Schnur verlor sich in einem Graben im Kraut und war leicht zu bergen. Die Schnur dazwischen verlief über zwei hohe Straßenbäume und war leicht komplett zu bergen.Nach Hause fahren, frühstücken und zur Arbeit sind die weiteren Pläne.












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