Montag, 25. Oktober 2021

Sondenbergung durch Fellträger

Das Wendland ist ziemlich weit weg. Aber das Aboticket erlaubt mir am Wochenende eine Gratisfahrt in entlegene Gegenden am Rand der HVV-Erdscheibe. Wenn sich die Zahl der dort aufgelaufenen Kaltsonden die Schmerzgrenze übersteigt, fahre ich los. Allerdings zieht sich die Radtour umso mehr in die Länge, je weiter die Landestelle im Osten liegt. Da die Wendlandbahn nur alle 3 Stunden fährt, ist es oft schlauer, für die Rückfahrt nach Bevensen zu radeln. Zwar eine Riesenstrecke, aber besser 2 Stunden radeln als 3 Stunden warten. In der Region Dannenberg ist diese Fluchtroute aber zu weit. Weiter östlich und südlich gibt es keinen HVV und praktisch keinen öffentlichen Nahverkehr (mehr). P2150822 ist so ein Fall eines Baumlanders, der aus solchen Gründen ungecheckt blieb.

Am 24.10. kommt alles zusammen: Wochenende, bestes Radfahrwetter und jede Menge Sonden entlang der Strecke Bahnhof Göhrde -> Dannenberg. Also geht es mit dem ersten Zug nach zum "Bahnhof" Göhrde. Dort wird das Klapprad entfaltet und los gehts. 

Gleich hinter dem Schloss Göhrde liegt die Bergener Sonde S3131488. Die hatte ich schon vor längerer Zeit probiert und nicht gefunden. Ich gucke noch einmal schnell an der Landestelle vorbei, für den Fall, dass ich sie damals übersehen habe und sie jetzt auf dem Waldboden liegt. Tut sie nicht. Weiter. 

Nicht weit weg ist irgendwo im Wald die Sonde D617856 gelandet. Openwx hatte sie bis 800m Höhe, aber durch die große Endhöhe ist die Prediction extrem ungenau. Die Vorhersageposition liegt fast auf der Straße. Ich durchstreife den Wald auf beiden Seiten meiner Route, kann aber nichts finden. Leider sind die Bäume sehr hoch und noch belaubt, und vielerorts gibt es viel Unterholz. Also widme ich auch dieser Sonde nur wenig Zeit und radel weiter. 

Wesentlich mehr Chancen rechne ich mir bei der Pinneberger DFM17 vom 14.10.2021 aus. 

Sondentyp: DFM17
SN:
20037063
Frequenz:
402.011 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Pinneberg (WMOID:-)
Flugdatum: 14.20.2021 12:00Z
Track Radiosondy
Maximale Höhe: 25546m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 
4.53 m/s 
Landegeschwindigkeit: 13.1 m/s
Landestelle: Papendorf, LAT, LON:
53.117341,10.913529, Google Maps
Status: Baumlander, 12m hoch
Methode: Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Daten

Die Sonde ist am Waldrand heruntergekommen. Die Extrapolation ist auf dem Maisfeld, die Tawhiri-Prediction knapp im Wald. Der Rand des Maisfeldes ist geerntet. Dort liegen keine Trümmer. In die Reihen der Maispflanzen kann man hineinsehen. Da ist nichts zu erkennen. Also mache ich ein paar Exkursionen in den Randbereich des Waldes und finde nach einigem Hin- und Her die Sonde in einer Kiefer hängen. Etwas hoch für meine 10m Stange. 



Vielleicht kann man von der Ballonrestseite aus die Sonde herunterlassen? Es stellt sich heraus, dass die straff gespannte Schnur im Nachbarbaum verschwindet und es dort keine Fortsetzung gibt. Offenbar ist der Rest beim kürzlichen Sturm abgerissen. Die Stange erweist sich als zu kurz. Ein paar Versuche der Verlängerung scheitern. Hier muss ich mit der 15m Stange noch mal ran. 

Weiter geht es zu einer alten Bekannten, einem hartnäckigen Baumhänger im Wald von Plubohm. Der Flug aus Bergen war im Mai 2019. Dg5sux hatte die Sonde am Tag der Landung verhakt hoch im Baum lokalisiert und in Radiosondy als "Verloren" eingetragen. Dabei hat er die Ballonreste und den Schirm aus der Umwelt entfernen können. Ich habe den Ort des Geschehens am 20.3.2020 besucht und die Situation unverändert vorgefunden. Danach kam ich nie mehr in die Gegend. Heute aber liegt die Sonde auf dem Weg.

Nachtrag: Sonde mit 15m-Stange geborgen. Mehr hier

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P2150822
Frequenz: 405.7 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 17.08.2019 6Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen/Polen
Landestelle Plumbohn, LAT LON: 53.109595,10.957153 Google Maps
Status: Reste geborgen am 24.10.2021
Methode: Koordinaten von dg5sux aus Radiosondy.info

Ich knote das Faltrad an bewährter Stelle an einen Baum und stratze Richtung Sonde. Wie letztes Mal finde ich auf dem Hinweg nicht den optimalen Zugang, so dass es durch übles Brombeergestrüpp den Hügel aufwärts geht. An der Kiefer ist nichts zu erkennen, offenbar ist die Sonde nicht mehr da. Ich versuche, unter die Brombeeren zu schielen, kann aber keine weiße Box erkennen. Da ist wohl nichts mehr zu machen. Ich weiß, dass der angenehmere Rückweg oben über den Hügel geht. Kaum bin ich angekommen, liegt da ein größeres Styroporstück herum.


Da hinten liegt noch mehr. 



Ein wenig Suche ergibt noch ein paar kleinere Styroporflocken und die Hauptplatine...


Ich packe die Sachen ein und mache mich auf den Rückweg. 30m entlang des Weges liegt etwas Glänzendes


Batterien, noch im Batteriehalter. Offenbar hat ein Fell tragender Sondenjägerkollege die ganze Sonde nach der "Bergung" den Hang hochgeschleppt, dort geknackt und die Reste weiträumig verteilt. 

So kann man diesen Fall auch endlich abhaken...

Weiter geht es nach Pudripp, wo es mal einen Bahnhof gab. Einen Kilometer weiter könnte man das Schicksal der vermissten Bergener Sonde S3140224 aufklären. Ein Waldweg führt unter der ehemaligen Bahnlinie hindurch direkt auf die Prediction-Position zu. Zwar war die letzte Position mehr als 500m hoch, aber dennoch sollte die Vorhersage recht gut stimmen. Leider kann ich trotz intensiver Suche nichts finden. Das Gras ist allerdings recht hoch, und wenn die Sonde etwas kürzer geflogen ist, könnte sie im dichten Unterholz liegen. Leider fehlt mir die Zeit, den Wald gründlich auf links zu drehen. Es ist nicht empfehlenswert, in Dannenberg nach der Abfahrt des letzten Wendlandexpress zu stranden. Und etwas Zeitreserve für eventuelle Vorkommnisse ist hier nützlich.

Der weitere Weg ist deshalb sehr angenehm, weil es fortwährend bergab geht. Direkt am Bahnhof Dannenberg ist kürzlich eine DFM09 herunterrgekommen. Wahrscheinlich dürfte sie schon weg sein, weil es ja in dicht besiedeltem Gebiet ist. Da ich aber noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt des Zuges habe, vertreibe ich mir mit der Erkundung die Zeit. Die Landeregion der D617664 (DFM09 vom Flugplatz Hungriger Wolf) erweist sich als recht unübersichtlich. Eine Reitschule mit Sichtblenden, ein Industriegebiet, Bahngelände. Die Sonde ist nicht zu sehen. Es ist schon dunkel, als mich die Wendlandbahn nach Hause schaukelt.


 

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