Sondentyp: RS41-SGP
SN: X3812010
Produktionsdatum:2025-9-15
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum:19.9.2026 00:00UT
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 33251m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.27 m/s
Landegeschwindigkeit: 2.4m/s
Fundstelle: HH-Heimfeld LAT, LON: 53.46708,9.96395 Google Maps
Status: Geborgen am 19.9.2026, 15:30 UT
Methode: GPS Position nach der Landung decodiert mit TTGO (RDZsonde). Bergung im Garten einer Wohnanlage unter aktiver Mithilfe der Bewohner
Die Sonde aus Norderney erreichte eine Höhe von 33km, der Ballon platzte im Weser-Jade-Bereich. Der Fallschirm funktionierte hervorragend, und ein starker Wind wehte die Sonde bis nach Hamburg-Heimfeld. Ich kriege das nach dem Aufwachen am Samstagmorgen mit. Eine schnelle Prediction zeigt, dass die Sonde, obwohl die letzte Position sie nur 30m über dem Grund zeigte, sie noch mehr als 100m geflogen sein dürfte. Wahrscheinlich sollte sie auf der Nobléestraße niedergegangen sein. Urban Rescue erfordert sofortige Aktion. Ich greife die Stange, einen TTGO und springe in die S-Bahn. Die Landestelle liegt direkt an der Station Heimfeld.
Dort wird der TTGO aktiviert. Zunächst ist da kein Signal zu empfangen. Wahrscheinlich ist die Sonde ein Verkehrsopfer geworden, aber vielleicht kann man noch die Trümmer auf der Straße einsammeln. Dann, ich bin schon fast vor Ort, ist da doch ein Signal. Nach den GPS-Koordinaten hat es die Sonde über die Straße geschafft und liegt im Bereich der Innenhöfe der angrenzenden Wohnanlagen. Die sind unzugänglich. Da klingelt man besser nicht am Samstagmorgen um 8 Uhr.
Eine kurze Erkundung der Umgebung ergibt auch keinen weiteren Aufschluss. Ich breche die Suche ab. Immerhin ist vor dem Ende der Batterien die Position ermittelt. Vielleicht geht da am Nachmittag noch etwas.
Ich bin ich wieder vor Ort. Diesmal traue ich mich zu klingeln. Und ich stoße auf einen supernetten und interessierten Bewohner, der mich in den Garten lässt. Wir suchen zu zweit alles ab. Keine RS41, keine Schnüre, nichts. Da die GPS-Positionen nahe der Hauswand unsicher sind und auch manchmal in den Nachbargarten streuten, kann die Sonde auch drüben liegen. Der Bewohner ermutigt mich dringend, dort auf jeden Fall zu klingeln.
Der Nachteil an dieser Idee ist nur, dass da niemand aufmacht. Dabei sieht es ganz danach aus, als ob die Bewohner da sind. Hmm, für so einen Fall haben wir unser Infoblatt. Das stecke ich in den Briefkasten. Dann drehe ich noch eine Runde zur gründlicheren Erkundung der Gegend.
Sehr zu meinem Erstaunen entdecke ich den Fallschirm, der an der Fassade der nahen Kita herunterhängt!
Da aber die Tore verrammelt sind, kann ich die Situation nicht aus der Nähe erkunden. Etwas erstaunlich ist die große Distanz zur Landestelle - das sind mehr als 70 Meter. Die Schnur einer RS41 ist bekanntlich nur 50m lang. Was ist hier los?
Ich finde, dass die Innenhöfe einiger Nachbarhäuser der Landestelle als Parkplätze genutzt werden - und die sind zugänglich. Von hier aus kann ich die Schnur verfolgen - von der Kita bis zum Boden. Das passt alles überhaupt nicht zu den Positionen von heute Morgen! Mit dem Fernglas kann ich dann aber erkennen, dass die Schnur blind endet - daran hängt keine Sonde. Hat da jemand an der Schnur gezerrt? Umso dringender wird es, mit dem Nachbarn zu reden.
Ich klingel noch einmal. Zu meiner Überraschung öffnet er sofort. Der Grund: Er hat inzwischen den Infozettel gelesen. Yeah, public outreach hilft. Und er schließt sogar den Zugang zum Garten auf.
Wir suchen alles ab. Und zwar erfolglos - keine Spur von Schnüren oder Sonden. Da erspäht seine Frau vom Balkon aus einen weißen Schimmer UNTER einem Busch, der da nicht hingehört. Der Busch steht direkt an der Grenze zu dem anderen Grundstück. Ich krieche fast darunter und muss einen langen Arm ausstrecken. Tatsächlich liegt da eine RS41. Ich heb sie vorsichtig an, um nicht noch ein Chaos mit der Schnur anzurichten. Aber da ist keine Schnur. Da fehlt sogar auch der Befestigungsmast. Der ist glatt herausgebrochen.
Langsam wird mir klar, was da passiert sein dürfte. Die Sonde hat sich bei der Landung irgendwo am Gebäude verhakt und wurde dabei beschädigt. Angesichts der hohen Windgeschwindigkeit ist dann der Sondenarm abgebrochen und der Schirm noch ein ganzes Stück weitergeflogen. Und die Sonde hat sich wohl bei dieser recht gewaltsamen Landung auch losgerissen und ist dann irgendwie unter dem Busch geschleudert worden. Es braucht jedenfalls einiges an Gewalt, um den Schnurmast in dieser Form von der Sonde abzubrechen. Menschliche Einwirkung ist auszuschließen, denn die GPS-Position, die GPS-Höhen und die geringe Signalstärke am Morgen passen gut zu der Fundsituation.
Ich verabschiede mich von den freundlichen Bergungshelfern und kläre auch seinen Nachbarn über die erfolgte Bergung auf. Die Tochter des Hauses weiß jetzt jedenfalls, warum an ihrer Kita ein Fallschirm hängt.
Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier



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