Samstag, 3. August 2019

Unerwartete Begegnung unter der Sonde


Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3430712
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID:10141) 
Flugdatum: 02.08.2019 12:00Z
Track Wetterson_de
Landestelle  Beimoorwald, LAT,LONG = 53.688922, 10.325465, Google Maps. Baumlander, 23m hoch im Baum
Status: Geborgen am 28.2.2020, 17:30 Z


2.8.2019
 Diese Saseler Sonde flog über meiner engeren Heimat und landete in dem mir seit Kindesbeinen sehr vertrauten Beimoorwald. Ich war  sowieso unterwegs zu meiner Mutter in Schmalenbeck und lieh mir  mir ca. 30 Minuten vor der Landung ihr Auto, in der Hoffnung, vielleicht die Landung beobachten zu können. Bei Oetjendorf hielt ich an und verfolgte die letzten Meter des Fluges. Ich war im entscheidenden Augenblick etwa 1700m von der Landestelle entfernt. Es gab guten Empfang, im Fernglas war aber nichts zu erkennnen. Die Landestelle lag auf dem kleinen Teil des Waldes östlich der Autobahn, unweit der Autobahnraststätte Buddikate. 108 Meter GPS-Höhe bedeuteten leider 23 Meter über dem Boden. Bernd whatsappte mir, dass die Sonde auf wetterson.de nach der Landung noch zu sendete. Das ist immer ein sicheres Zeichen für eine Baumlandung.

Ich bin über Todendorf so weit ich konnte gefahren, parkte das Auto vor einem Privathaus, nicht ohne den Bewohnern bescheid zu sagen, was das Auto da soll. Lautes Donnergrollen versprach nichts Gutes. Die Bewohner machten sich einige Sorgen: "Sehen Sie bloß zu, dass Sie bis zum Gewitter wieder aus dem Wald raus sind!"

Ein Weg führte bis fast zur Landestelle. Ich habe mich rücklings unter den Baum gelegt und konnte im Fernglas die Sonde direkt über mehr sehen. Ich habe mich dann aufgerichtet, versuchte dann eine ganze Weile vergeblich, das Objekt erneut zu erfassen. Aber irgendwie hatte ich es verloren, und offenbar war der Blick von Zweigen und Blättern versperrt.

Ein Rascheln und Knacken verriet die Annäherung von Spaziergängern! Ein junges Paar erschien. "Na? Sonden suchen?" war meine Begrüßung. Er meinte gleich "Astrohardy, so lernt man sich kennen!" und rief mir seine Amateurfunkkennung zu. Die ich als Nicht-Amateurfunker natürlich nicht zuordnen konnte. Sein Name war Tycho. Den Namensvetter des epochalen Astronomen kannte ich von der Facebookgruppe und von gelegentlichen Fundmeldungen aus dem Raum Flensburg. Ziemlich erstaunlich, die beiden wenige Minuten nach der Landung einer Sonde hier anzutreffen.

Des Rätsels Lösung: Sie hatten auf der Heimfahrt nach Norden auf dem Rasthof Buddikate Pause gemacht. Tychos Freundin war dann wohl auf den Gedanken gekommen, mal auf wetterson.de  die Lage zu peilen. Da sahen sie, dass nur ein paar hundert Meter entfernt eine Radiosonde frisch gelandet war und noch sendete. Sie nahmen spontan den selben Waldweg wie ich, und jetzt waren sie da.

Leider konnte ich ihnen die Sonde nicht im Fernglas zeigen, weil es mir immer noch nicht gelungen war,  sie zwischen den Blättern wiederzufinden. Offenbar muss man da noch mal wiederkommen, nach den Herbsttürmen bzw. nach dem Blattfall.

Auch Ballonrest und Fallschirm, die in unserer Anmarschrichtung liegen müssen, konnten wir so schnell nicht erspähen. Da das Donnergrollen immer lauter wurde, sahen wir auch zu, schnell zu unseren jeweiligen Autos zu kommen und haben nicht mehr lange Nachforschungen im Gelände angestellt. Die Sonde schaltete übrigens am Abend nach mehr als 10 Stunden exakt bei Frame 37000 ab. 

Update vom 28.2.2020
Am 28.2. kümmerte ich mich mal wieder um meine Mutter (91). Als ich fragte "Kann ich mir mal Dein Auto leihen? Ich guck mal rasch nach, ob die Radiosonde im Beimoorwald inzwischen runtergefallen ist", meinte sie "Ich komm mit". Also fuhren wir zu besagtem Waldeingang. Sie ist leider  nicht mehr so gut zu Fuß, dass sie die 400m bewältigen konnte, und wartete also auf meine Rückkehr.

Es war bereits dunkel, als wir ankamen. Ich hatte nur meine Handy-Funzel, um den Weg zu finden. Teile des Geländes waren überflutet, und etliche von bei den kürzlichen Stürmen umgeworfene Bäume erschwerten das Vorankommen. Der Sondenbaum stand noch. Und exakt unter der letzten Position lag die Sonde, wenn auch arg von Wildtieren zerkaut. Vaisala RS41 ist offenbar die finnische Antwort auf Wriggleys.

Ich habe schnell ein paar Fotos gemacht und bin dann zurückgestratzt, wo meine Mutter die Sondenbergung begeistert feierte. Bei meiner allerersten echten eigenen Sondenbergung 2016 war sie ja ähnlich spontan mitgekommen.

 






Der Täter konnte identifiziert werden. Bei der Bergung von P3450423 habe ich ja diverse Unterkiefer von Waldbewohnern gefunden. Und, naja, der Zahnabstand vom Keiler passt wie Arsch auf Eimer. Erstaunlich, wie tief die Schweine so eine RS41 in den Mund nehmen und darauf rumkauen...Lecker.


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Karte aller Sondenfunde hier