Samstag, 20. Mai 2017

Zweitschlagkapazität!

K5024398 war die 6Z-Sonde aus Bergen am 19.7.2017. Diese Sonde habe ich einen Tag nach dem Flug im 2. Anlauf im Wald gefunden.

Ich hatte am Freitag nicht viel Zeit, daher bin ich unmittelbar nach der Bergung der Bergener Mitternachtssonde schon losgefahren, als die Sonde noch schwebte, es in Bremen aber schon eine Prediction gab. Also ging es mit der S-Bahn nach Neuwiedenthal, von dort aus zu Fuß weiter. Die Landeposition lag am Waldrand auf der Waldseite. Unter in einem Baum meinen Kram ausgepackt und losgelegt. Sofort Super Empfang, irres Signal. Ohne Antenne kein nennenswerter Signalverlust. Signal aufgezeichnet, durch Zilog gejagt: NIX. Nochmal: NIX. Peilversuche mit Körperpeilung zeigte die (wie sich später rausstellte) völlig richtige Richtung, und nach 30-40m kam das Signal von der anderen Seite. In der fraglichen Gegend die Bäume inspiziert, Fehlanzeige. Hilft eben nicht weiter, wenn man einfach Tomaten auf den Augen hat.

Auch musste ich die Hühner satteln, - ein Job-Termin rief. Also bin ich unverrichteter Dinge weggegangen.

Am Abend ließ mir der frustrierende Ausgang der Aktion keine Ruhe. Es gab nicht nur die 2 Sequenzen, die ich gleich im Wald analysiert hatte und die keine GPS-Daten enthielten. Vielmehr hatte ich bei den Peilversuchen natürlich eine WAV-Datei aufzeichnet. Zu der gab Zilog allerdings noch weniger als nichts raus - einen Ausgabefile von 0 byte Länge... Dabei hörte sich der Sound eigentlich ganz gut an.

Also habe ich einen Versuch mit Sondemonitor gestartet. Der konnte natürlich mit dem Kram auch GPS-technisch nichts anfangen, zeigte aber die Wetterdaten an und machte brav eine RAW-Datei. Und die konnte Zilog mit der rawin-Option dekodieren. Fast alle Frames waren wieder ohne Positionen, aber in den 9 Minuten gab es 33 Frames mit GPS-Koodinaten. Der DOP-Wert von 9.7 ist suboptimal, der d-Wert betrug immerhin 2.9 auf Basis von 4 Satelliten. Die Positionen streuten ein wenig doller als sonst, aber ich habe die Daten mal gemittelt, und am Ende erwies sich dieser Mittelwert als Volltreffer. Der Mittelwert lag auch sehr nahe an meiner Peil-"Lösung" vom Morgen.

Und Sondemonitor lieferte ja auch die Luftdruckdaten. Auf Kachelmannwetter die entsprechenden Daten rausgezottelt, rumgerechnet und erkannt: Diese Sonde hängt nicht wie erwartet hoch im Baum, sondern liegt auf dem Boden!! Dazu passte auch die Höhe der GPS-Lösung. Also musste ich am Samstag morgen nochmal HIN.

Naja, und an der entsprechenden Stelle hing der Schirm im Baum. Wieso ich das Freitag nicht gesehen habe, ist mir unklar. Es kann sein, dass der Schirm ursprünglich höher im Baum hing, denn in der Nacht hatten wir heftigste Gewitter mit Sturmböen, und die Schnur der Sonde sah ziemlich ramponiert und zerfasert aus.



 Die Schnur ging über mehrere Bäume, und die Sonde lag wie erwartet AUF DEM BODEN, allerdings zwischen Heidelbeergestrüpp.



Der schlechte GPS-Empfang hatte auch Gründe: Mein Handy-GPS hatte über dem Laubdach ebenfalls ein paar Probleme und mitunter eine schlechte Genauigkeit, wieso sollte ein Primitiv-GPS der Jahrtausendwende mit waagerecht auf dem Boden liegender Helixantenne damit besonders gut klarkommen.

Dann gab es noch die Bergung des Schirms mit einer 8m GFK-Stange, die einfach einen halben Meter zu kurz war. Ich versuchte erst, den Schirm über die Bäume zu ziehen, wodurch sie noch einen Meter höher geriet und dann die (zefasert ramponierte) Schnur riss. Ich war beim Einpacken, als ein Windstoß den Fallschirm bewegte und wieder nach unten gleiten ließ. Jetzt war der Schirm wieder FAST in Reichweite meiner Stange.


Aber eben nur fast. Am Ende wurde die Stange mit einem herumliegenden Ast, 2 Kabelbindern und ganz viel Tape verlängert

Mit diesem wilden Konstrukt konnte ich nach ein paar Fehlversuchen den Fallschirm erfassen und zu Boden bringen. Ich lasse ungern eine Schnur in der Natur.

 



Was kann man daraus lernen? Man sollte für Zilog nicht unbedingt nur WAV-Dateien probieren, sondern ruhig Sondemonitor mitlaufen lassen, damit man RAW-Dateien bekommt. Oder WAV-Dateien, die gar nicht gehen, abspielen und so in Sondemonitor feeden. Selbst bei tollem Empfang kann das besser funktionieren als eine WAV-Datei direkt in Zilog. Peilen führt auch zum Ergebnis , und man sollte Zeit mitbringen, damit man nicht einen im Baum hängenden Fallschirm übersieht. Auf der anderen Seite war ich froh über meine stressige Freitagsaktion, denn nur die gab die Daten für die erfolgreiche Samstagssuche.

Ansonsten: Die Sonde hatte, wie üblich bei 6Z und 18Z, einen kleinen Fallschirm und winzigen Ballonrest. Und der Zettel war von der sorgfältigen Schicht angebracht (mit Plastikumschlag).

Ich war anschließend noch bei der Landestelle der Bergener 18Z-Sonde vom Donnerstag. Da habe ich aber sofort aufgegeben, denn die Sonde lag bei Moorwerder in einer Gegend, in der viele Gemüsebauern eine recht intensive Form von Landwirtschaft betreiben. Zugang gab es nur über die Bauernhöfe, auf den Gemüsegärten wimmelte es nur so von Hilfskräften. Die Brachländer waren hoch bewachsen. Und meine Information war allein die Bremer Prediction, die an dem Abend auch nicht sehr genau gewesen sein dürfte. Wenn man nicht einmal weiß, auf dem Gelände welchen Hofes die Sonde niederging, ist auch Fragen nicht zielführend. Das Treiben der Lämmer auf dem Deich sorgte für eine kurzweilige Wartezeit auf den Bus *).

Liste aller Sondenfunde hier

*)  Jürgen Wruck hat die Sonde am 22.5. doch geborgen; sie lag erheblich weiter südlich als vermutet, und er konnte den roten Schirm von Süden, also vom Moorwerder Hauptdeich aus, im Gelände ausmachen.

Freitag, 19. Mai 2017

Sonde auf der Autobahnbaustelle

Am 18. und 19.5.2017 landeten die Bergener Sonden in meinem Hamburger Jagdgebiet. Wieder aufeinander folgende Nummern: K5024387, die 12Z Sonde, landete südlich von Stelle, nicht weit weg von der Landestelle von  M0730459 . Ich konnte das Signal bis in Baumwipfelhöhe verfolgen. Leider konnte ich die sehr genau lokalisierte Landestelle bisher nicht besuchen. Am Abend flog dann K5024388 und landete bei Heukenlock. Die Mitternachtssonde war K5024389. Ich stellte am frühen Morgen auf der Bremer Seite fest, dass sie in Eidelstedt heruntergekommen war, und zwar bei oder auf der A7. Also schnell mit der S-Bahn zur Elbgaustraße und von da per Bus zum Eidelstedter Platz. Der Rest war eine kurze Wanderung. Konnte beobachten, wie eine Kohlmeise zwei sich paarende Maikäfer plattmachte. Auf der Autobahnbrücke am Niendorfer Gehege hatte ich eine gute Übersicht über die Landegegend. Die linke Seite der Autobahn war eine einzige Baustelle.Und die Antenne und der Rechner brauchten gar nicht erst ausgepackt werden:  Denn auf einer halbfertigen Spur, auf er einige Baufahrzeuge standen, lag ein roter Fallschirm!

Die Auffahrt zur Baustelle - stand sperrangelweit offen. Typische Baustellenschilder a la "Eltern haften für ihre Sondenjäger"? Nichts derartiges. Also nichts wie rauf. War irgendwo ein Bauarbeiter, den man hätte um Erlaubnis fragen können? Nö! Der Straßenbelag auf der im Bau befindlichen Spur war... steinhart. Also wurde rasch gehandelt. Fotos machen, einsacken, fertig.







Die 6Z Sonde K5024398 landete nördlich von Neudwiedental - eine Waldlandung . Ich konnte die Sonde zwar vor Ort recht sicher  erpeilen, aber in den hohen Baumwipfeln nicht erkennen. Ich hatte aber vor Ort nicht viel Zeit, denn die Arbeit rief. Inzwischen gelang es mir mit Trick, die GPS-Position doch noch zu dekodieren, und das Ergebnis deckt sich weitgehend mit meinem Peilergebnis. Vielleicht muss ich noch mal hin und genauer suchen.

Liste aller Sondenfunde hier

Dienstag, 9. Mai 2017

Hochspannende Sondenbergung

Angesichts der Windlage war klar, dass heute noch mehr aus Richtung Schleswig eintreffen würde. Ich konnte die Landephase von  N0320215, der 12Z-Sonde aus Schleswig, mit einer auf Arbeit aus dem Fenster gehaltenen kleinen Selbstbau-Yagi bis 80m über Grund verfolgen. Eine schnell daraus gerechnete Habhub-Prognose erwies sich am Ende als fast perfekt. Sie sah die Landestelle auf einem Flachdach in SASEL. Die S-Bahn brachte mich nach Wellingsbüttel, und vom 500m entfernten Bahnhof hatte ich prima Empfang und somit die Koordinaten der Landestelle. Ein kleiner Spaziergang brachte mich zur Landestelle. Und je näher ich kam, umso sicherer war ich, dass die 100kV-Leiutung da vor mir ziemlich genau auf den GPS-Koordinaten der Sonde lag. Leider bestätigte sich diese Vermutung: Fallschirm und Ballonrest lagen auf dem Flachdach, die Schnur ging über die Leitung und die Sonde baumelte 20-30m über dem Grund.






Ich hielt es für weise, den Häuschenbesitzer auf die Lage aufmerksam zu machen. Weder er noch ich waren der Meinung, dass man die Schnur einfach durchschneiden sollte. Er rief dann mal die Feuerwehr an, die stellten auch die nötigen Connections zum Netzbetreiber her.

Im Endeffekt kam die Feuerwehr, ließ sich alles erklären.


Wo die Feuerwehr ist, sind auch sofort Reporter ("Ich bin freischaffend und werde diese Story verkaufen, an wen, weiß ich nicht"). Offenkundig hatte er den Funk der Feuerwehr abgehört.


Um es kurz zu machen, am Ende kamen die Leute vom Netzbetreiber. Die haben erstmal mit dem Fernglas herausgefunden, welche Leitungen betroffen sind - und nur die werden freigeschaltet. Die anderen führen noch Strom. Dadurch können Stromausfälle vermieden werden. Am Ende kletterte einer der Leute auf das Fachdach und kappte die Schnur. N0320215 fiel auf Nachbars Grundstück. 

Der rüstige Rentner hätte die Sonde gerne als Souvenir behalten, aber die Leute vom Stromversorger wollten das Ding als "Beweismittel" (vielleicht schreiben sie dem DWD eine Rechnung, wer weiß?), und auch für Ausbildungszwecke haben. So bleibt uns von dieser denkwürdigen Sonde nur ein Foto.

Meine Frage, wie viele Radiosonden sie schon geborgen hatten, wurde mit "etliche" beantwortet. Nur getoppt von Drachen, und seit neuestem Modellflugzeuge und Drohnen.

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Landung in Kleingartenkolonie

Heute morgen sah ich zufällig auf der Bremer Seite, dass die 0Z-Sonde aus Schleswig direkt Kurs auf Hamburg nahm. N0340088 konnte ich in den letzten Minuten des Fluges von meiner Wohnung aus empfangen - bis in eine GPS-Höhe von 143m. Das sind 80m über Grund. Eine Habhub-Predichtion zeigte den Landeplatz in einer Kleingartenkolonie am Bahnhof Elbgaustraße. Noch fuhren keine S-Bahnen, so habe ich mal kurz die 8km mit dem Rad zurückgelegt. Empfangsversuche vor Ort waren nicht nötig, denn direkt auf der Hecke am Wegrand lag weithin sichtbar das hier:




Die Sondenschnur lief über eine Elektroleitung der Beleuchtung und endete in einem der Gärten. Ich konnte sie an der Schnur auf den Weg befördern.


Zurück ging es dann mit der S-Bahn, die inzwischen verkehrte....


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Samstag, 6. Mai 2017

Apfelbauer Nr. 2

 Am Samstag rechnete ich eigentlich nicht mit irgendeiner Sondenjägeraktion. Aber da erschien plötzlich eine DFM09 mit der Nummer 502994 in der Geged um Lauenburg auf der Bremer Seite. Der Startplatz mochte irgendwo im Raum Bleckede gelegen haben. Die Richtung war opitmal für einen  Empfangsversuch vom Balkon. Der Empfang war klar und deutlich. Offenbar war es ein Bundeswehr-Exemplar an den kleinen Ballons, jedenfalls platzte es in 16000m Höhe und schwebte dann abwärs, immer mehr Richtung Hamburger Osten. Ich konnte die Sonde bis in 171m GPS-Höhe lokalisieren, das sind nur 71m über dem Boden. Eine eigene Habhub-Prediction zeigte die Landestelle in Dassendorf, gleich neben der Straße.

Wie kommt man nach Dassendorf? Erst dachte ich an Bahn und Bus, entschied mich dann aber für S-Bahn und Rad, weil der Bus am Samstag nur alle 2 Stunden fährt, die S-Bahn in Aumühle aber alle 20 Minuten. Der Transport eines Fahrrads in der S-Bahn am Hafengeburtstag ist das ultimative Abenteuer des 21 Jahrhunderts. Von Aumühle aus ging es immer nur bergab, und sehr schnell waren die 5km zurückgelegt. Dass im Wahlkampf in Schleswig Holstein alle Register gezogen werden, war unterwegs insbesondere an den Plakaten eines nach eigener Aussage "sehr guten" "Politikanbieters im Premiumbereich" mit seinen im Parteien-Vergleich ausgesprochen konkreten Sachaussagen deutlich erkennbar:



Direkt neben der theoretischen Landestelle platzierte ich das Notebook auf dem Verteilerkasten und bastelte meine Yagi zusammen. Und sofort hatte ich ein Signal bis zum Mond. Erst jetzt bemerkte ich, dass der Antennenstecker noch gar nicht eingestöpselt war. Sondemonitor lieferte mir sofort eine Position. Die lag, wie erwartet, auf der anderen Straßenseite, und zwar exakt AUF dem  Haus direkt gegenüber. Es war .... erneut ein OBSTHOF. Da auf dem Dach oder vor dem Haus von der Straße aus keine roten Fallschirme, Schnüre, Abroller oder DFMs erkennbar waren, ahnte ich gleich, was da los war: Die Sonde befand sich inzwischen IM Haus und sendete von dort aus ihre Position. Und offenbar war der GPS-Empfang innerhalb des Gebäudes super, und an der Sendeleistung haperte es bei den  DFMs ja noch nie.

Anders als gestern gab es am Tor aber KEINE Klingel. Dafür eine biologische Alarmanlage in Form eines Hundes, der sofort angelaufen kam und sehr deutlich machte, dass man sich mit ihm besser nicht anlegen möge. Sein Problem: Er konnte nicht raus. Mein Problem: Ich konnte nicht rein. Irgendwann kamen aber die Besitzer heraus. Ich fragte sie, ob ihnen bewusst sei, dass ein Wetterballon bei ihnen gelandet war. "Klar, den können Sie haben, wenn sie wollen."  Der Bauer und seine Frau hatte die Sonde tatsächlich landen sehen, direkt neben dem Hof, und er berichtete begeistert von dem Anblick des Fallschirms in der Luft. Erst nach der Landung entdeckte er die Schnur und die Sonde, aber dann alles recht fachmänisch geborgen.  Einen Bundeswehr-Begleitzettel gab es diesmal nicht. Wie erwartet, war es das typische Bundeswehr-Manöver-Setup: Kleiner roter Ballon, die kleine Sorte Fallschirm, DFM09. Schon im Januar waren mehrfach solche Flüge erfolgt, die damals im Raum Lüneburg starteten.

Und auch dieser Bauer war wie sein Kollege gestern ein lebhafter, freundicher und interessierter Zeitgenosse. Er hatte bereits im Netz gesurft - nach dem, was er berichtete, hatte er schon radiosonde.eu. entdeckt und ein paar basale Infos über die DFM in Erfahrung gebracht. Den Rest erzählte ich ihm live am Objekt und durfte den Fund behalten. Was er noch nicht herausgefunden hatte war, wie man eine DFM abschaltet. Das war mein Glück.

Und im übrigen bin ich weiterhin dafür, dass mehr Sondenspürhunde ausgebildet werden sollten. Das heutige Exemplar sichert auch Ozonsonden oder das DWD-Monster aus Lindenberg effektiv gegen unerwartet auftauchende Mitinteressenten ab und garantiert so eine angenehme und entspannte Bergung.
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Freitag, 5. Mai 2017

Bauer-Power


M0310184 war eine RS41, die am Freitag Mittag in Sasel startete, um dann bei Steinkirchen im Alten Land zu niederzugehen. Ich hatte den Flug zunächst gar nicht verfolgt, aber dann sonderte mein Handy diesen Wetterson.de-Alarmton ab. Ich konnte auf der Bremer Seite die Landung verfolgen. Die erste Prediction, noch aus 5000m Höhe, war hoch erstaunlich, denn die Sonde bewegte sich unmittelbar danach um 180 Grad in die Gegenrichtung! In der eigentlichen Landephase machten die Vorhersagen einen besseren Eindruck. Das Alte Land ist das nördlichste zusammenhängende Obstanbaugebiet der Erde (zumindest hat das mal in der Schule mein Geographielehrer behauptet). Laut Bremer Prediction mitten auf dem Gelände des Obsthofes Cordes, und auf Google Maps waren die Obstbaumreihen eindrucksvoll auszumachen. Also ging es mit der Bahn nach Stade und von da aus mit dem Bus nach Steinkirchen. Von der Straße aus hatte ich zunächst gar keinen, dann einen schlechten und schließlich einen verwertbaren Empfang. Und den hätte ich nicht gebraucht, denn die Bremer Prediction und die Sonden-GPS-Positionen waren praktisch deckungsgleich.

Also guckte ich beim Obsthof Cordes über den Zaun. Eine Klingel hing am offenen Hofeingangstor. Offenbar war die Gegensprechanlage mit dem Handy des Inhabers verbunden, nach einigen Besetztzeichen meldete sich eine Stimme. Ich trug mein Anliegen vor. "Bleiben Sie, wo sie sind, ich komme gleich rüber". Nach einiger Zeit ertönte ein Motorgeräusch, von hinten näherte sich ein Auto. Am Steuer der Obstbauer himself, auf dem Rücksitz ein terrierartiger kleiner Hund. Nach kurzer Erklärung der Landeposition meinte er. "Steigen Sie ein, wir fahren da am besten gleich mal hin; woher wissen Sie eigentlich so genau, wo die Sonde liegt?".  Die Sonde lag  laut GPS gleich rechterhand neben einem Fahrweg, und nach wenigen Sekunden waren wir vor Ort. Wir sprangen aus dem Auto. Mir fiel die Schnur auf, an derem Ende die Sonde in Pflückhöhe am Baum hing.


 Der Landwirt entdeckte derweil auf der anderen Wegseite Fallschirm und den kleinen Ballonrest.  Die ganze Zeit wurde ich recht tiefschürfend nach meiner Motivation befragt. Er äußerte freundlich, aber deutlich gewisse Zweifel an meiner Aussage, dass ich das alles rein aus Spaß mache. Mehrfach musste ich versichern, dass es auch keinen Finderlohn gäbe. Mein Statement, er könne das Ding auch gerne behalten, wir hätten es ja jetzt gefunden und fotografiert, fand er, glaube ich, recht eigenartig. Er erzählte derweil, dass er schon mal vor Jahren auf seinem Gelände eine Sonde gefunden und dann an die Bundeswehr geschickt habe - nicht ohne sie zuvor komplett zu zerlegen. Mehr als das Paketporto gabs dafür natürlich nicht. Roter Fallschirm, und schon ziemlich voll Wasser gelaufen. Der Berschreibung nach eine SGPD. Keine Pappe, also wohl aus Bergen.  Meine Glaubwürdigkeit stieg endgültig raketenartig an, nachdem er sich die Sonde, während ich die Schnur zusammenraffte, genauer angeguckt hatte und den gelben DWD-Label studiert hatte.

Dann wollte er alles wissen: Vom Sinn der Sondierung, dem erfassten Parametern, Frequenzen, wie ich zu dem Hobby gekommen bin. Ich erzählte ihm auch von den Teleskopbeobachtungen. Und immer kamen sehr gute und durchdachte Rückfragen.

Irgendwann kamen wir aufs Berufliche, was sofort zu einer lebhaften und positivsten Diskussion über biologischen Anbau (den er betreibt), Fluch, Chancen und politische Rahmenbedingungen der Gentechnik, Pflanzenhormone (Ethylen, Auxin) usw. usw. führte. Nebenher konnte ich die Schnur zusammenraffen, während er sich verabschiedete und seinen weiteren Verpflichtungen nachging.

Ich ging frohgemut zur Bushaltestelle, setzte mich in das Bushäuschen und begann, diesen Bericht zu schreiben. Da hielt ein Auto - es war der Obstbauer. "Wir fahren jetzt nach Horneburg, kommen Sie doch einfach mit!" Das war ein tolles Angebot, denn von Horneburg aus fährt die S-Bahn direkt nach Hause! Auf dem Weg weitere angeregte Diskussionen, über  moderne biologische Forschung, Humanbiologie und Pflanzenbiologie im Vergleich. Und dann entwarf er aus dem Bauch heraus die Frage, ob man nicht sowas wie molecular modelling biochemischer Prozesse machen könne. Den Begriff kannte er nicht, umschrieb es aber in kurzen, markanten Sätzen. Dass das gerade ziemlich angesagt ist, wusste er nicht, aber ob man sowas nicht machen könne, hatte er sich immer schon gefragt. Am Bahnhof verabschiedete ich mich von einem netten und extrem vielseitig interessierten und auffassungsstarken Obstbauern.

Dass unser Gespräch nebenher noch Aspekte der Antennentechnik, DVBT-Stick-Empfang und GPS-Navigation streifte, bedarf keiner Erwähnung. Das alles innerhalb weniger Minuten.





Weitere Besonderheit dieser Sondenbergung: Ich kannte bisher noch nie eine derart perfekte Übereinstimmung von Bremer Prediction und Realität. Handy-GPS und Prediction wichen nur um 4m voneinander ab, Handy-GPS und Sonden-GPS um 7m. Neuer Bremer Rekord, würde ich vermuten. Bei den ersten Vorhersagen im Landeanflug hätte ich darauf keinen Pfifferling gewettet. 

Und im Übrigen bin ich dafür, dass man dringend Ballonsuchhunde ausbilden sollte...Dieser charakteristische Latex-Müffelduft  - das muss einfach gehen.







Montag, 1. Mai 2017

Bergen-Hattrick

Am 30.4. und 1.5. flogen 4 Radiosonden aus Bergen in die Umgebung Hamburgs ein, alle fortlaufend nummeriert.

K5014557 (18Z-Sonde vom 30.4.) konnte ich von Hamburg aus bis in eine GPS-Höhe von 281m verfolgen und basierend auf der letzten Position per Habhub eine Landestelle errechnen. Die lag bei Heiligenthal, einem Dorf bei Lüneburg, auf einer Wiese. Als ich in der Nacht zum 1.5. sah, dass die Mitternachtssonde K5014558 sehr viel schneller als gedacht herunterkam und direkt in Lüneburg landete, schnappte ich mir Laptop, Antenne, Rechner, Rucksack und Fahrad und fuhr im aller Frühe mit dem Zug nach Lüneburg. K5014558 war laut Bremer Prediction (meine eigenen Positionen endeten diesmal höher) in einem Wohngebiet heruntergekommen. Nahe der Bremer Position war der Empfang prima, und der Zilog-Decoder  spuckte problemfrei sehr genaue Koordinaten aus. Das Ding lag auf einem unbewohnten Baugrundstück, und die Schnur war von der Straße aus zu sehen. Am Tag der Arbeit waren weder Grundbesitzer noch Bauarbeiter zu sehen, die man hätte fragen können. Die Sonde lag auf dem Flachdach eines Gartenhäuschens:

Durch Ziehen an der Schnur ließ sich auch der Ballonrest und ein schöner großer Fallschirm bergen. Die Sonde war für Bundeswehrverhältnisse schnell gelandet; der Grund war, dass sich der große Ballonrest mit dem Fallschirm verzwirbelt hatte.





Danach ging es per Rad nach Heiligenthal, wo ich K5014557 nahe der erwarteten Position einsacken konnte.




Dann ging es zurück nach Lüneburg. Unterwegs die erste Nachtigall der Saison gehört. K5014559, die Bergener 6Z-Sonde, flog während meiner Bergeaktion, und ich konnte im Zug nach Hause die Bremer Landevorhersage per Handy-Internet in Erfahrung bringen. Die  erwartete Landestelle lag am Ortsrand von Buchholz, und zwar exakt AUF der B75. Zieht diese Bundesstraße Sonden magnetisch an? Beim Einfahren des Zugs in den Hamburger Hauptbahnhof kam  die Durchsage: "Dieser Zug fährt nach kurzem Aufenthalt über Buchholz nach Bremen".

Das gab den Ausschlag: Auf zum nächsten Streich, zumal die Landestelle nicht so weit weg vom Bahnhof lag. Also blieb ich einfach sitzen, und das Rad brachte mich an die B75. An der Landestelle gab es  tollen Empfang, und nach anfänglichen Problemen auch eine gute Zilog-Position.


Die Position war rasch erreicht. Da stand ich nun in einem Kornfeld als armer Tor, und war so schlau wie zuvor. Ich guck mir die Augen aus - nichts! Stimmte die GPS-Position nicht? Also musste man andere Seiten aufziehen. Die alten Meister des Sondenjägersports raten sowieso zum Peilen. Der Empfang mit Antenne  am Anschlag, egal wohin man sie richete.  Sogar mit ab abgestöpselter Antenne gab es  immer noch ganz netten Empfang. Das zeigte, dass die Position stimmte, aber das gesamte Gespann inklusive Schnur und Fallschirm in der Vegetation verborgen war: Ich war ganz dicht dran. Jetzt war die Gelegenheit, einmal das in Foren gerne mal diskutierte Mittel der Körperpeilung zu erproben: Man drückt sich den Empfänger ohne Antenne auf den Bauch. Immer noch guter Empfang. Dann dreht man sich langsam um 180 Grad. Die Idee ist, dass der Körper das Sondensignal abschirmt;  wenn man mit dem Rücken zur Sonde steht, soll das Signal schwächer werden.

Das klappte auf Anhieb erschreckend gut. Schritt für Schritt ging ich in die ermittelte Richtung, die Prozedur gelegentlich wiederholend. Das Signal wurde immer stärker, und am Ende stolperte ich fast über die Sonde.Eine Nachkontrolle zeigte, dass die GPS-Position der Sonde meines Handy-GPS auf 18 Meter mit der Zilog-Position übereinstimmte. Normalerweise reicht das immer - hier aber war zusätzliche Peilung erforderlich.







Die Schnur wurde ergriffen und hochgehalten, und nun sah man, in welcher Richtung die Reste des Ballons sein würden:

Um nicht das Kornfeld unnötig zu zertrampeln, nutzte ich eine Treckerspur und beförderte Ballon und Fallschirm durch Ziehen an der Schnur zu mir. Hier die gesamte Beute




Die 6:00 und 18:00 Sonden haben kleine Schirme und fliegen 25km hoch, die 0:00 und 12:00-Flüge haben große Schirme und kommen auf 35km. Die Begleitbriefe von 5014557 und 5014558 waren sorgfältig gefaltet in einem Kunststoffumschlag, jedes Mal der Paketlabelteil nach oben. 5014559 kam mit einem schief gefalteten Begleitbrief daher, der ohne Umschlag an der Sonde festgeklebt war.

Um noch nach Buxtehude zu fahren, wo die Mittagssonde K50145760 runterkam, war ich eindeutig zu müde. Vielleicht hol ich es die Tage mal nach.

Anmerkung: Ich war am 3.5.2017 in Buxtehude - von der Sonde K50145760 keine Spur. Die vorhergesagte Landestelle lag an einem Weg neben einem "Reiter"-Hof, wo wahre Volksmassen ihre Pferde wie  Hunde ausführten (Spazierengehen mit Pferden). Ich vermute, dass das Ding da nicht lange ungestört gelegen haben dürfte, und ich war eindeutig zu spät.