Um das aus kriminalhistorisch relevante Forsthaus Röthen in der Göhrde häufen sich die Landungen von Radiosonden. In wenigen hundert Metern Radius gingen 2026 Sonden aus Schleswig und Bergen nieder. Direkt nebenan hängt eine Manöversonde aus Munster Süd seit März 2025 in einer Fichte. Auf der anderen Straßenseite habe ich letztes Jahr eine Bergener Manöversonde von 2022 lokalisiert und geborgen. Während dieser Suche fand ich Schirm, Ballonrest und Fragmente eines Abrollers einer uralten RS92, möglicherweise von 2014 aus Meppen. Langsam wird es Zeit für eine Nachschau und für die Inspektion der Neuzugänge. Am Sonntag komme ich erst relativ spät weg, aber für einen Check der Sonden müsste die Zeit reichen, zumal zwischen den Landestellen nur wenige hundert Meter Distanz zu überwinden ist.
Der Metronom bringt mich nach Lüneburg und fährt dann nicht mehr weiter. Als Grund wird ein "gefährliches Ereignis" angegeben. Was ist darunter zu verstehen? Google weiß die Antwort. Im Bahndeutsch ist das ein Überbegriff für alle möglichen Notlagen - über kleinere Unfälle bis zu einem größeren Eisenbahnunglück. Am Ende stellt sich heraus, dass bei Bad Bevensen Pferde auf den Gleise herumliefen und mit einem ICE kollidiert sind. Jetzt ist die Strecke gesperrt.
Meine Tour betrifft das nicht, denn ich steige in Lüneburg in die Wendlandbahn um. Vom Bahnhof Göhrde geht es bei starkem Gegenwind mit dem Faltrad über Oldendorf zum Forsthaus Röthen. Dort angekommen sind die Wege kurz.
Zunächst ist da die Schleswig-Sonde vom 7.4.2026. Diese Sonde sendete nach der Landung aus dem Baum, und der Wendland-Tower konnte sie stundenlang decodieren. Rechnerisch ergab sich eine Höhe von 18m über Grund, so dass mein Optimismus begrenzt ist. Aber vielleicht liegt sie ja schon unten oder hängt in Reichweite der Teleskopstange.
Sondentyp: RS41-SGP
SN: X3453137
Produktionsdatum: 22.8.2025
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 7.4.2026 12:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.12 m/s
Maximale Höhe: 32463m
Landegeschwindigkeit: 2.0m/s
Track wettersonde
Landestelle: Göhrde (Röthen) , LAT, LON 53.14517,10.81417 Google Maps
Status: Baumlander, hängt in ca. 22m Höhe
Methode: Koordinaten aus Sondensignal nach der Landung (db0dan via wettersonde.net)
Vor Ort muss ich ein wenig suchen, um die Sonde, die leider ca. 22m hoch am Baum hängt, zu erfassen. Die Schnur ist schon ziemlich rott, und vom Fallschirm kann ich nichts endecken. Hier kann ich erstmal nichts unternehmen. Immerhin ist die Sonde lokalisiert.
Weiter geht es zu D17052124, einer DFM09-Manöversonde vom 19.3.2025. Die hatte ich zusammen mit Sylvio bei einer Tour durch die Göhrde letztes Jahr lokalisiert und zuletzt im August 2025 gecheckt. Sie hängt auch immer noch hoch in der Fichte und ist derzeit sogar besser sichtbar als damals. Leider verrotten die Schnüre der Firma Graw praktisch überhaupt nicht, so dass es viele Jahre dauern kann, bis so eine Sonde unter dem Baum aufgelesen werden kann. Das ist schlecht für die Umwelt. Die neuen bioabbaubaren Schnüre könnten in der Zukunft Abhilfe bringen.
Am Forsthaus stelle ich fest, dass die Straße Röthen-Himbergen neuerdings für den KFZ-Verkehr gesperrt ist. Offenbar mag man die Straße nicht mehr instand halten. Mich als Radfahrer betrifft das nicht, und ohnehin biege ich rechts auf den schlecht befahrbaren Sandweg Richtung Neetzendorf ab. Nach wenigen Metern erreiche ich die dritte Landestelle dieser Sondendeponie - ein Neuzugang aus Bergen von Anfang August.
Sondentyp: RS41-SGP
SN:V1220911
Produktionsdatum: 2023-3-21
Timerkill: 5h:00m
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 4.8.2026 (00:00Z)
Track wettersonde.net/db0dan
Maximale Höhe: 35646m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.25 m/s
Landegeschwindigkeit: 8.2m/s
Landestelle: Göhrde (Röthen), LAT, LON: 53.14287,10.79789 Google Maps
Status: geborgen am 20.9.2026, 12:20UT
Methode: Extrapolation aus Tower-Daten (via wettersonde.net)
Hier gab es nach der Landung keine decodierbaren Daten über den nahen db0dan-Tower. Ich hatte mich nach der Landung kurz auf den Web-SDR aufgeschaltet. Da war nur ein sehr schwaches Signal im Wasserfalldiagramm erkennbar. Also rechne ich mit einer Bodenlandung. Und der Befund vor Ort bestätigt die Erwartung.
Fallschirm und großer Ballonrest hängen in guter Stangenreichweite in einer großen Kiefer.
Nach dieser leichten Bergung fragt sich, was man weiter macht. Die Wendlandbahn fährt nur alle 3 Stunden, und wenn ich die nächste um 16:35 noch erreichen will, muss ich langsam den Rückweg zum Bahnhof antreten. Ich könnte natürlich die letzte Bahn um 19:35 nehmen, dann wäre noch etwas Zeit für ein paar weitere Baumlander in dem riesigen Wald. Aber der Wind erreicht langsam in Böen Sturmstärke, und da möchte man nicht lange im Wald herumlaufen. Ich checke also noch kurz den Fundort des alten Fallschirms. Die Wildschweine haben dort zwar kürzlich umgegraben, aber leider keine RS92 freigelegt. Auch habe ich für eine wirklich gründliche Suche keine Zeit. Mit starkem Rückenwind geht es rasch und bequem zurück zum Bahnhof Göhrde.
Auf der Rückfahrt gibt es eine Verzögerung, weil der Wind einen Baum umgeworfen hat. Der liegt jetzt auf dem Gleis. Typischerweise würde sowas eine stundenlange Streckensperrung verursachen. Auf der urigen eingleisigen Wendlandstrecke lösen Lokführer und ein kräftiger Fahrgast das Problem mit der "Hau-Ruck"-Methode in wenigen Minuten. In Lüneburg erreiche ich sogar noch den Zug nach Hamburg.
Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier


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