Freitag, 12. Juli 2024

Flattened Fauna - Spiegel des Alltags

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U3340721
Produktionsdatum: 2022-08-18
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 11.07.2024 (00:00Z)
Track
Wettersonde.net

Maximale Höhe:
36625
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.93m/s

Landegeschwindigkeit:
6.8m/s

Landestelle: HH-Harburg
LAT, LON:
53.46706,9.975325 Google Maps
Status:
Geborgen am 11.7.2024, 9:37UT
Methode: Extrapolation nach Wettersonde.net-Daten. 

Die folgende Nachtsonde aus Bergen landet in Hamburg-Harburg. Im Landeanflug sieht es eine Weile so aus, dass sie in den Industrieanlagen im Hafen niedergeht. Dann verkürzt sich die Sinkgeschwindigkeit immer mehr, so dass sie im Bereich Seehafenstraße niedergeht. Die Tawhiri-Prediction sieht komplett unrealistisch aus. Eine Extrapolation auf Basis der letzten Position hat die Landestelle im Bereich der Bahnanlagen. Aber ganz sicher ist das nicht. Auch eine Landung in der direkten Umgebung der Straße scheint möglich. Erst einmal ist mir das egal, denn ich bin in Schmalenbeck, und Harburg ist weit.


Am Vormittag habe ich etwas Zeit. Ich fahre zurück nach Altona, packe eine Teleskopstange und etwas Equipment in den Rucksack und springe in die S-Bahn nach Harburg. An der Station Harburg-Rathaus steige ich in einen Bus um. An der Station Seehafenbrücke/Amtsgericht schultere die Stange, setze den Rucksack auf und marschiere los. Hier steht eine riesige Betonbrücke, die die Eisenbahn überquert und dann auf die Seehafenstraße einmündet. Für Fußgänger gibt es jeweils Wendeltreppen, die auf die Brücke und von der Brücke wieder herunter führt. 

Unten laufe ich die Seehafenstraße entlang. An der Stelle, wo die Abfahrt von der Brücke mit der Seehafenstraße fahrspurmäßig zusammengeführt werden, liegt unübersehbar der beachtliche Latex-Ballonrest mit dem Fallschirm - mitten auf der Gegenfahrbahn. Auf der Straße viel Verkehr, insbesondere auch mit LKWs, in beiden Richtungen. Die Autos fahren um den Gegenstand herum - mit kreativen Ausflügen in den Gegenverkehr - oder über diesen rüber.  Niemand scheint es seit 7 Stunden für nötig befunden, mal anzuhalten, Warnblinker anzumachen und das Hindernis auf den Gehweg zu schmeißen. Insbesondere in Phasen des geringeren Verkehrs wäre das durchaus möglich gewesen.  Man lässt das lieber den lokalen Sondenjäger machen und beschwert sich womöglich bei den zuständigen Stellen über desses spätes Erscheinen. Der wiederum freut sich erstaunt über das unerwartet auffällige und einfache Lande-Setting. Raik kommentiert das auf unserer Whatsappgruppe so:


"🫣 Spiegel des Alltags .."


Ich verfolge die Schnur und finde die Sonde im Rinnstein. In Amerika gibt es für total plattgefahrene Tiere am Straßenrand ja das legendär - sarkastische Bestimmungsbuch "Flattened Fauna".  



 

Hier mein Beitrag für die kommende Auflage: 














Auch auf Telegram wird der Vorfall kommentiert:


 

 Die Sonde lässt sich sogar noch einschalten, aber alle Sensoren und das GPS funktionieren nicht mehr. 



 

Wen der Hafer sticht....

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U3250028
Produktionsdatum: 2022-08-12
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 10.07.2024 (12:00Z)
Track
Radiosondy.info

Maximale Höhe:
34588m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.29m/s

Landegeschwindigkeit:
13.5m/s

Landestelle: Stemwarde
LAT, LON:
53.56699,10.27662 Google Maps
Status:
Geborgen am 10.7.2024, 13:52UT
Methode: Empfang der gelandeten Sonde per TTGO

Diese Sonde landete südlich von Stemwarde und Kronshorst. Ich trudel gerade in Schmalenbeck ein und springe sofort ins Auto. Der Weg ist nicht weit. An der Landestelle räumen gerade Landwirte ihre Mähdrescher zusammen. Ich erkläre ihnen die Lage. Der TTGO hat mir bereits die Koordinaten verraten, nur 300m entfernt. Der Weg ging über ein Gersten-Stoppelfeld, über einen Knickwall und in ein Haferfeld. Ein paar Treckerspuren erlauben eine überwiegend zerstörungsfreie Annäherung an die Sonde, zumal ich aufgrund der exakten GPS-Koordinaten direkt auf das Ziel zulaufen kann. Zu sehen ist nichts. Erst wenige Meter vor der Position bemerke ich ein Schnurstück an der Oberfläche des Getreides:



Direkt am Schnurende kann ich an der Basis der Halme die Sonde am Boden liegen sehen:


Der Versuch, den Ballonrest durch Schnurzug zu bergen, funktioniert nicht, denn der große Latexklumpen klemmt fest.


Den Rückweg kann ich durch eine Nord-Süd verlaufende Treckerspur antreten, im weiteren Verlauf quetsche ich mich an einem Waldrand durch. Dann bin ich wieder auf dem Stoppelfeld. Die Bäuerin ist erstaunt, dass solche für die Erntemaschinen gefährlichen Sachen versteckt im Getreidefeld liegen können und stellt viele interessierte Fragen. 

 




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Montag, 8. Juli 2024

Am Kanal

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U3340585
Produktionsdatum: 2022-08-18
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00m

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 08.07.2024 (00:00Z)
Track
Wettersonde.net

Maximale Höhe:
36204
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.08m/s

Landegeschwindigkeit:
7.3m/s

Landestelle: Siebeneichen bei Büchen
LAT, LON: 
53.51963,10.658377 Google Maps
Status:
Geborgen am 8.7.2024, 15:23UT
Methode: Extrapolation nach Wettersonde.net-Daten. Stressfreie Wiesenlandung.

Diese Sonde erreichte die beachtliche Höhe von über 36km und landete am Elbe-Lübeck-Kanal. Da in der Gegend in letzter Zeit jemand Sonden einsammelt, viel Schnur liegen lässt und nichts einträgt (von Batterientnehmern ganz zu schweigen), sollte man einen Bergungsversuch nicht auf die lange Bank schieben. Außerdem ist das Wetter heute noch sehr einladend - es soll in den kommenden Tagen extrem schwül und warm werden. Gestern habe ich eine neue Kette an meinem Faltrad aufgezogen, und neue Ritzel waren auch fällig. Etwas mehr als die kurze Testfahrt gestern könnte nicht schaden. Also geht es in den Zug nach Büchen und von dort aus nach Norden. Nach wenigen 100m muss ich mal die Schaltung nachjustieren, aber ansonsten funktioniert das Rad mit dem neuen Antrieb prima. Die Strecke am Kanal kenne ich, wunderschönes Genussradeln. Vorbei an der ulkig-improvisiert wirkenden Kanalfähre von Siebeneichen.

 



Nach 8km bin ich am Ziel.  Links endet genau an der richtigen Stelle der breite Wassergraben, der bisher den Zugang zu dem angrenzenden Gelände behinderte. Ein passender Signalpfosten zum Anschließen des Rades ist direkt neben dem Übergang auch vorhanden. Das geht ja gut los! Die Landestelle liegt laut Locus nur 350m entfernt. Die komplett unplausible Tawhiri-Prediction habe ich nicht einmal auf dem Handy gespeichert. Die schnell gerechnete Extrapolation sollte auf wenige Meter stimmen. Wenn denn die Sonde noch da ist. 

Der Weg führt über eine frisch gemähte Wiese und einen Feldweg, dann an einem Wäldchen vorbei über eine weitere gemähte Wiese. Vom nahen Weizenfeld ertönt ein Wachtelschlag! Die letzten 100m sind ebenfalls Wiese, das Gras ist nicht gemäht und Lolium steht in voller Blüte. Die Schnur ist bereits aus einiger Entfernung trotz der Vegetation gut sichtbar, und die Sonde findet sich 10m von der erwarteten Stelle entfernt.





 






Stressfreie Bergung, stressfreies Genussradeln zurück nach Büchen. Ich erwische sogar noch den Zug vor dem geplanten - er hat etwas Verspätung. Stressfreie Heimfahrt. Nach allerlei merkwürdigen Sondensuchaktionen am Wochende doch mal eine schöne Abwechslung.


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Montag, 1. Juli 2024

Ich bin sprachlos

Da glaubt man nach 507 Radiosonden schon alles erlebt zu haben, mit Sonden und auch mit Mitmenschen. Und dann kommt die Sondenbergung, die einen vor ein Rätsel stellt und sprachlos macht. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V2410001
Produktionsdatum: 2023-06-12
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 29.02.2024 12:00Z
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
31536m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.33m/s

Landegeschwindigkeit:
3.5m/s

Landestelle: Langenlehstener Tannen,
LAT, LON: 
53.51510,10.763867, Google Maps
Status:
Endgültig geborgen (ohne Batterien) am 30.6.2024, 18:30UT.
Merkwürdige Bergungssituation.
Methode: Lokalisiert am 2.3.2024 nahe der Tawhiri-Prediction. Hing 20m hoch in Kiefer.

Nach der Bergung im Wasserkrüger Weg entscheide ich mich spontan, diesen Baumlander zu kontrollieren. Ich hatte ihn am 2.3.2024 nach langer Suche entdeckt. Die Sonde hing in 20m Höhe in einer Kiefer. 

Foto vom 2.3.2024
 

Die Schnur verlief über einige Bäume und verlor sich dann. Den Fallschirm und den Ballonrest konnte ich nie entdecken. Am 21.4.2024 habe ich die Landestelle das erste Mal kontrolliert - auf dem Weg vom Wasserkrüger Weg. Die Sonde hing, vom Weg aus gesehen, auf der Rückseite der Kiefer und war auch im Fernglas schwerer zu erkennen als beim ersten Besuch. Ich habe mir bei diesmal aber Notizen und Fotos gemacht, die mir künftig die sichere Identifikation des Baums erleichtern sollten. 

Ich kette das Rad an den selben Baum wie immer, schultere 14m-Stange und Rucksack und lege die letzten 200m zu Fuß zurück. Das Problem an dieser Sonde: Wie in vielen Wäldern der Gegend wurde hier der Boden mit Forstmaschinen massiv bearbeitet und anschließend eingezäunt. Der Stamm der Kiefer steht leider 10-15m jenseits des garstigen Forstzauns, die Sonde hing zuletzt noch 5m weiter entfernt. Es gibt in 160m Distanz einen Überstieg. Obwohl keine Verbotsschilder aufgestellt sind, werde ich diese Option nicht nutzen, vor allem nicht, wenn die Sonde drüben nicht eindeutig erkennbar am Boden liegt. Für ein Angeln mit der Stange dürfte es zu weit sein. So ist mein Optimismus gedämpft.

Ich kann diesmal sofort die Schnur im Fernglas erkennen. Das lose Ende ist an einem Ast verhakt, die Sonde ist nicht zu sehen. Der Boden um den Stamm ist besser zu überblicken, als ich es in Erinnerung habe - da liegt kein weißer Kasten.  Was ist hier los?

Vielleicht versteckt sie sich gut getarnt auf der anderen Seite der Kiefer, verhakt in den Nadeln der Kiefer? Ich erinnere mich, dass es letztes Mal sehr schwer war, sie vom Weg aus überhaupt zu sichten. Ich gehe den Zaun entlang. Nach 30 Metern knickt er um 90 Grad nach Osten ab. Jetzt bin ich zwar 50 Meter von der Kiefer entfernt, habe aber einen günstigen Einblickwinkel. Nach wie vor ist im Fernglas bei aller Anstrengung nichts zu sehen.

Ich setze das Glas ab - und was liegt keine 5 Meter direkt vor mir, auf der anderen Seite des Zaunes? Das da!



Aber wie kommt das da hin? Die RS41 liegt 45-50 Meter von der Kiefer, wo ich sie zuletzt gesehen habe. Und Beine hat so eine RS41 keine!

Wie auch immer: Die Sonde ist eine leichte Beute für meine 14m-Teleskopstange. Der Platz ist zum "Angeln" durch den Zaun viel geeigneter als unter der Original-Landestelle. Ich kann mein Glück kaum fassen.




 

Nun wird es  Zeit die Beute zu inspizieren, vielleicht um auch rauszubekommen, wer oder was die Sonde verfrachtet hat. Gegen ein Wildschwein spricht der Zaun - der ist brandneu, da kommen die nicht rein. Vielleicht ein Fuchs? Ob der durch die Maschen kommt? Iltis? Waschbär oder Marderhund könnten den Zaun überklettern. Das Schnurstück ist kurz, was dafür spricht, dass sie vom Baum gefallen ist und ursprünglich unter dem Baum lag. Und die Sonde erscheint auf den ersten Blick intakt. Aber nur auf den ersten Blick:

Da ist eine Beschädigung in der Region der vorderen Verschlussklemme. Hat da jemand geknabbert?


Die hintere Verschlussklemme fehlt komplett, diesmal ohne Beschädigung...


Wenn die hintere Klemme entfernt ist und die vordere nicht mehr richtig schließt, kann man das Gehäuse bestimmt aufbiegen und mal reingucken:



Damit ist die Artbestimmung des Organismus, der sich vor mir die Sonde angeeignet hat, ganz eindeutig: Homo sapiens L.. Nur der kann das. Ich bin komplett baff. 

Der oder die hatte Werkzeug dabei, wenngleich keine sinnvolle Spitzzange. Vieleicht ein Taschenmesser o.ä.. Die hintere Klemme kriegt man mit etwas technischem Verständnis leicht zerstörungsfrei mit improvisierten Werkzeugen auf, die vordere nicht.  Die Batterien hat die Person dann entfernt und mitgenommen. So viel ist klar.

Aber was ist hier passiert? An einen Forstoffiziellen mag ich nicht glauben, der hätte das Ding doch nicht im Wald belassen. War derjenige vielleicht direkt hinter der Sonde her? Die Koordinaten standen z.B. auf Radiosondy, aber jeder noch so durchgeknallte Sondensucher hätte die schwer erkämpfte Beute doch wohl mitgenommen. War es jemand, der auf dem Gelände jenseits des Zauns unmotiviert herumstromerte, dabei zufällig über die Sonde stolperte, sie untersuchte und dann weggeworfen hat? Warum tut jemand das? Wahrscheinlicher hat er die RS41 vom Weg aus zufällig gesehen. Allerdings ist dieser Gegenstand aus 20m Distanz sicher kein auffälliges Objekt.  Kann eine RS41, die 20m entfernt unter einem Baum liegt, bei einen Nicht-Sondenjäger ein derart ausgeprägtes Neugierverhalten triggern? Da der Zaun nicht  zu überklettern ist, muss die Person dann den Überstieg genutzt haben. Das bedeutet: 160m zum Überstieg laufen, rüberklettern, 160m zurück zur Sonde. Dann muss die Person die hintere Klemme mit irgendeiner Form von Werkzeug sauber entfernt und die vordere kaputtgeprökelt haben. Am Ende hat die Person die Sonde 4-5m vom Zaun und 45m von der Landestelle abgelegt - in Gegenrichtung zum Überstieg.

Von Sondenabschneidern hat man ja schon gehört. Aber Batterieentferner sind mir neu! Die Batterien waren wahrscheinlich ziemlich leer und somit wenig nützlich. Immerhin hat mir diese Person das Leben heute leicht gemacht, dafür vielen Dank an den Unbekannten.

Mit zwei Sonden im Rucksack radel ich, in Gedanken ständig weitere Hypothesen verwerfend, nach Büchen, wo ich den Zug nach Hamburg bequem erreiche.

 

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Sarnekow, Wasserkrüger Weg - die unendliche Geschichte

Am Samstag wollte ich zwischen zwei Sommerstürmen eine weitere DFM aus Munster-Süd bei Lüneburg bergen. Chaotische Zustände bei der Firma Metronom führen zu einer instantanen Änderung des Plans: Eine Fahrt nach Büchen und eine danach eine 28km-Radtour bei bestem Wetter. Radiosondentechnisch war es eher erfolglos: U3231018 müsste im Weizenfeld leicht findbar sein, denn die Treckerspuren laufen quer zur Flugrichtung, und eigentlich müsste man über die Schnur stolpern. Aber nö, nichts. Auch die Schleswiger Mittagssonde U2420246 vom 4.3.2024 hält es gut in ihrer Lärche im Forst von Wangelau aus.

Zuhause entdecke ich, dass der Plan B anders hätte aussehen müssen: Wenn schon Büchen, dann wäre die Bergener Mittagssonde vom Freitag ein zwingendes Ziel gewesen. Die ist voll an mir vorbeigegangen, da ich berufsbedingt am Freitag die Radiosondenlage nicht nebenher gecheckt hatte. Dabei wäre sie von Büchen aus prima erreichbar gewesen. Wo ist sie gelandet? Die Frage braucht man fast nicht zu stellen....Wo wohl?


Das ist dieses Jahr mein fünfter Auftritt an diesem Sondenmagneten. Links vom Weg führen Schneisen in den Wald, und dort landen ständig die Radiosonden.

Die Serie der Landungen begann schon 2022 mit U1840823 aus Sasel. Die konnte ich mit Mühen aus einem Baum direkt an der Autobahn pflücken. Bei der Gelegenheit lokalisierte ich T3350419 aus Schleswig. Leider hielt die es hoch in der Kiefer lange aus. Und bei meiner letzten Nachsuche vom 26.3.2024 musste ich sie verloren geben. Das Gebiet ist massiv bearbeitet worden und ist jetzt von einem garstigen Forstzaun umgeben. Man kam aber relativ nahe an die Kiefer heran. Weder am Boden noch im Baum konnte ich sie mit dem Fernglas von jenseits des Zaunes entdecken. Wahrscheinlich ist sie heruntergefallen und dann bei der Bodenbearbeitung abhanden gekommen.

Dann landete am 17.4.2024 die Saseler Sonde  V2930784 direkt am Wasserkrüger Weg im Wald. Diese Sonde habe ich 3mal besucht: Beim ersten Mal konnte ich sie nach 3-stündiger Kaltsuche lokalisieren, beim zweiten Mal ging meine 15m-Stange beim Bergungsversuch kaputt, aber am 20.5.2024 konnte ich sie kurz vor einem Wolkenbruch aus 17m Höhe angeln. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U3231091

Produktionsdatum: 2022-08-10
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill:
5h:00

Startstation:
Bergen
(WMOID:
10238)
Flugdatum: 28.06.2024 (12:00Z)
Track
Wettersonde.net

Maximale Höhe:
31790
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.12m/s

Landegeschwindigkeit:
13m/s

Landestelle: Sarnekow
LAT, LON:
53.54492,10.72948 Google Maps
Status:
Geborgen am 30.6.2024, 18:30UT
Methode: Extrapolation nach Wettersonde.net-Daten.Sonde am Boden, Ballonrest in Kiefer, alles geborgen.

Wolkenbrüche sind auch bei der Suche nach der neuen Bergener Sonde ein Problem. In den Morgenstunden zieht ein Sommersturm durch, und den ganzen Sonntag regnet es Bindfäden. Am Abend wird es ruhiger. Da es lange hell bleibt, fahre ich schnell mit dem RE1 nach Büchen und radel auf der vertrauten Straße Richtung Gudow. Nach 12km, gleich hinter der Autobahnunterführung, geht es wie gewohnt links ab. Wasserkrüger Weg, es ist wie immer. Links der Parkplatz, den ich bei der Anreise mit dem PKW immer so nützlich fand. Gegenüber hat sich ein Spaßvogel einen DDR-Grenzpfahl vor sein Haus gestellt. Gleich der erste Schneisenweg führte seinerzeit zu V2830784. Heute muss ich zwei Schneisen weiter einbiegen, genau dort, wo es zu T3350419 ging. Die Wege sind in besserem Zustand, so dass ich mit dem Rad bis zur Prediction fahren kann....Und die ist diesmal wirklich sehr gut. Die Sonde liegt 30m von der schlechtesten der drei Predictions entfernt und zwar, wie erhofft, am Boden. Ein Riesenvorteil des Fahrrades als Sondensuchmobil ist die Häufigkeit der Drive-In-Bergungen: 





 

 

Die Schnur verschwindet in einer Kiefer. Einige Minuten versuche ich vergeblich den weiteren Verlauf der Schnur mit dem Fernglas aufzuklären; sie dürfte sich über mehrere Bäume erstrecken. Dann entschließe ich mich, gegen die Flugrichtung zu laufen und die Kiefer aus dieser Richtung zu inspizieren. Und? Die Schnur ist ungewöhnlich kurz, und in dem Wipfel hängt ein riesiger Ballonrest!


Die einzige Möglichkeit ist ein Bergungsversuch durch Schnurzug. Ich gehe etwas weiter gegen die Flugrichtung, um den Winkel zu verkürzen. Die Schnur dürfte reißen, aber man sollte es versuchen. Es knallt, aber leiser als bei einem Schnurriss. Es folgt ein Rascheln, und anders als erwartet gelingt es mir mit sanfter Gewalt das Latex aus dem Geäst zu befreien. Es segelt herunter. 


 


Anders als gedacht befindet sich keine Schnur mehr auf dem Abroller. Ca. 30m Schnur haben sich beim Platzen kunstvoll im Latex verflochten. Immer wieder gibt es etwas, was man noch nicht gesehen hat, denke ich. Dass mich später am Tag ein Sondenjägererlebnis sprachlos zurücklassen wird, ahne ich noch nicht. 

Die Bergung ist so zügig verlaufen, dass ich mir überlege, einen kleinen Umweg zu fahren und eine Kaltsonde in den Langenlehstener Tannen zu versuchen. Die Aktion erweist, wie oben schon angedeutet, als derart erstaunlich, dass sie ein separates Posting verdient.


Mal sehen, wann es wieder zum Wasserkrüger Weg geht. Solche Sondenmagneten kommen wohl dadurch zustande, dass es Regionen gibt, in denen Sonden von einem Startort bei bestimmten, stabilen Wetterlagen gehäuft landen. Der Wasserkrüger Weg liegt eben in einer Gegend, wo sich mehrere solcher Regionen überlappen.


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Karte aller Sondenfunde hier