Dienstag, 4. Juni 2019

Nach dem Regen ist vor dem Regen...

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0520692
Frequenz: 405.9 MHz
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 03.06.2019 12Z
Timerkill: 5:00h
Track Bremen/Polen
Landestelle LAT LON: 53.572287  10.357543 Google maps
Status: GEFUNDEN am 03.06.2019 18:45Z
Methode: Nach Tawhiri-Prediction auf Basis der Daten von Radiosondy.info


Ab dem 3.6. lag der Hamburger Raum im Zielgebiet der Bergener Sonden. Nachts kam es zu einem Nachstart, der genau wie die Morgensonde südlich von Geesthacht landete. Ich hatte einen ziemlich stressigen Arbeitstag und habe die Mittagssonde daher nicht verfolgen können. Erst gegen 18:00 hatte ich die Muße, das Geschehen aufzuarbeiten. Radiosondy (also Bernd) hatte die Sonde bis 146m GPS-Höhe verfolgen können. Die Landestelle lag zwischen Grande und Witzhave. Eine rasch gerechnete Tawhiri-Prediction sah die Sonde auf einer Auwiese zwischen Witzhaver Au und Billetal. Vermutlich war die Das war ziemlich ermunternd, denn die Bremer Daten ließen eher auf eine Landung im Sachsenwald schließen.  Jürgen meinte, er würde wegen des nassen Wetters nicht rausfahren. Im Hamburger Westen hatte es nicht nennenswert geregnet, und ich wusste erstmal nicht, was er meinte. Dann wurde mir klar, dass dies im Osten wohl sehr anders gewesen war.

Auf Google-Maps sah man knapp 200m nördlich eine Bushaltestelle und von dieser einen Fußweg bis zur Landestelle. Auf Mitnahme eines Rades konnte verzichtet werden. Ich kam allerdings erst um 19:30  los. Mit U- und S-Bahn kam ich zur Steinfurther Allee, von wo aus mich der 333er Bus zur besagten Bushaltestelle "Granderheider Weg" brachte. Dort kam ich pünktlich um 20:34 an. Natürlich hatte da der doofe Timerkill schon lange zugeschlagen. Dennoch war die Suche ziemlich direkt und simpel. Die Wiese war ziemlich verwildert, das Gras und die Brennnesseln standen sehr hoch. Mit dem Fernglas war nichts zu entdecken. Ich machte mich auf den Weg Richtung vermuteter Landestelle, und zu meiner großen Freude sah ich alsbald rechts vor mir eine Schnur über die Spitzen  der Grashalme verlaufen. Sonde und Fallschirm waren nicht sichtbar. Ich ging wie üblich erstmal Richtung Schirm, um die Schnur auf dem Abroller aufrollen zu können. Erst von der Rückseite eines Brennnesselgestrüpps konnte man relativ tief in der Vegetation den kleinen roten Fallschirm und den ziemlich große Ballonrest erkennen.

 Noch besser getarnt war die Sonde:
Alles wurde schnell aufgewickelt, und schon 20 Minuten nach der Ankunft war ich wieder an der Bushaltestelle. Die Wartezeit war mit der Dokumentation des Fundes unterhaltsam überbrückt.
 


 Diese Sonde wäre mal wieder ohne Bernds Daten aus niedrigster Höhe und die Tawhiri-Prediction im timergekillten Zustand überhaupt nicht auffindbar gewesen. Oft mach ich mir ja eigene Daten durch ein Laborfenster oder von meinem Wohnungsbalkon aus, aber dazu war heute keine Zeit. Die Bremer Prediction  aus 893m Höhe lag volle 800m daneben mitten im Wald und sah dabei gar nicht mal schlecht aus. Offenbar hat die Abstiegsgeschwindigkeit in der Endphase sehr stark geschwankt. Es ist bei so einem Gelände entscheidend, wenn man eine Prognose in der Hand hat, die in diesem Fall auf 40m stimmte- das ist weniger als die Länge einer  Sondenschnur) und man weiß, wo man suchen muss. Ich wusste übrigens auch durch einfaches Angucken der Daten, dass die Sonde vermutlich etwas weiter im Nordosten lag. Danke für die tollen Daten. Ein weiterer Glücksfall war, dass die Schnur oben auf der Vegetation lag. Wäre sie tiefer eingesunken, wäre es wesentlich schwerer geworden. So war das eine sehr schnelle Suche. Hingehen, einsammeln, fertig.

Von dem bedrohlichen Regen war nichts zu sehen, und auch die Wiese war recht trocken. Also war das wohl ein lokales Ereignis gewesen. Unmittelbar bevor der Bus kam, fing es allerdings an zu regnen. Gottlob setzte der richtige Wolkenbruch erst ein, als ich schon im Bus saß.

Übersicht über alle Sondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier

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