Montag, 11. Dezember 2017

Meine erste Ozonsonde


Sondentyp: RS41-SGP& OZON
SN: M4140088 & Z31501
Frequenz: 403.5 MHz
Startstation: Uccle (WMOID: 6647)
Flugdatum: 11.12.2017 12Z
Track  Bremen
Landestelle LAT LON: 53.17585  9.62305 Google maps
Gefunden durch GPS-Dekodierung der gelandeten Sonde



Eine Ozonsonde zu finden ist im Raum Hamburg fast aussichtslos. Von den üblichen Startplätzen (Lindenberg, Hohenpeissenberg) sind wir maximal entfernt. Alle paar Jahre startet Kühlungsborn eine, und vor Jahren konnte Sondenjäger Harry eine solche in Trittau erbeuten. Dj1or alias „Funkpapa“ aus Nienburg(Weser) hat es da etwas besser. Bei extremen Windlagen fliegt schon mal eine Ozonsonde aus De Bilt bei Amsterdam bei ihm vorbei, und er hat schon ein paar davon erobert.

Einer Astrobekannten aus dem Westfälischen hatte ich mal die Story von diesem seltenen Geflügel erzählt. Für sie als Physikochemikerin ist sowas wie eine Ozonsonde natürlich spannend, und wir hatten fest vereinbart: Wenn so ein Ding in ihrer Gegend runterkommt und wir beide uns von unseren Jobs loseisen können, dann jagen wir der Ozonsonde hinterher. In Westfalen kommt das häufiger vor, zumindest häufiger als in Hamburg.

Also behielten wir die Sache im Auge. Wir sahen die Sonde vom 7.12., die im Neustädter Moor gelandet war und die „Funkpapa“ erbeutete. Wir guckten immer auf die Vorhersagen und bemerkten letzte Woche, dass Uccle vom 11.12.2017, 12Z, bei Bramsche bzw. Osnabrück herunterkommen würde. Auch die De Bilt-Sonde vom kommenden Donnerstag haben wir diskutiert. Aber zu keinem der Zeitpunkte konnten wir beide, und das war ein Problem. Ich hätte aber heute gekonnt, aber Petra nicht. Nächsten Donnerstag ist es umgekehrt. Aber kommt Zeit kommt Sonde, haben wir uns gesagt.

Da die Jagd nach der Ozonsonde erst einmal entfiel, hatte ich an meinem freien Tag als Ersatzbefriedigung am Vormittag ein Meppener Tandem erbeutet. Beim Mittagessen habe ich mir dann den Flug von Uccle 12Z auf der Bremer Seite aus reiner Neugier angeguckt. Irgendwann bemerkte ich, dass Ungewöhnliches vonstatten ging. Und ich begann nicht schlecht zu staunen; je weiter die Sonde flog, umso mehr fiel mir der Unterkiefer raus. Und dann begann die Hektik.

Die Sonde hätte, wie gesagt, laut Habhub bei Osnabrück  herunterkommen sollen. Das ist für eine Sonde aus Uccle schon recht weit. Sie flog auch brav da hin, wo sie sollte, stand aber über dem vorhergesagten Landegebiet in 30000m Höhe, und der Ballon war noch nicht geplatzt. Irgendwie flog diese Sonde einfach doppelt so weit wie vorgesehen. Also würde sie bei gut funktionierendem Fallschirm vor meiner Haustür herunterkommen!!! Andre und ich begannen zu whatsappen.  Wir hatten ja schon so manche Sonde gemeinsam gejagt und tauschen uns gerne über Aktuelles per Whatsapp aus. Ich vertrat ziemlich deutlich die Meinung, dass das Ding im Hamburger Sondenjägervordergarten herunterkommen würde. Der Landepunkt war noch schwer zu schätzen, denn die Vorhersagen der Höhenwinde lagen ja offenbar voll daneben. Ich nannte Handeloh als möglichen Landepunkt - dort hat unser Astroverein eine Sternwarte, die auch André gerne nutzt. André war zurückhaltender, rechnete mehr mit einer Landung in oder um Bremen – und da gäbe es zu viel Konkurrenz für eine späte Anreise. Auch warnte er vor dem heranrauschenden Schneesturm. 

Das furchtbare Wetter war ein echtes Problem, aber  andererseits: Ich wollte es unbedingt versuchen und dachte mir: Umdrehen kann man ja immer noch. Inzwischen galt es auch, handlungsfähig zu bleiben! Man darf hier in Hamburg das Rad  zwischen 16 und 18 Uhr nicht in die S-Bahn nehmen. Bis 16:00 sollte man also einen Abfahrtbahnhof Richtung Südwesten erreicht haben - vorzugsweise Harburg. 

Also: Sondenrucksack wieder geschultert (war ja noch nicht ausgepackt), Fahrrad aus dem Keller gewuchtet und rein in die S-Bahn. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nur eine sehr vage Idee über das Zielgebiet. Spätestens in Harburg könnte ich auf der Bremer Seite ermitteln, ob es eher nach Buxtehude bzw. Bremervörde oder eher Richtung Buchholz gehen würde. Während der Fahrt stabilisierten sich die Landeprognosen in die Region um Fintel. Tostedt und Lauenbrück waren mögliche Zielbahnhöfe.

Rasch ein Ticket nach Scheeßel und eine Fahrrad-Tageskarte erstanden. Das Ticket nach Scheeßel wurde schon in der S-Bahn per App gekauft. Aber irgendwie konnte ich mit der Bahn-App keine Fahrradkarte kaufen, oder war zu doof dazu, diese Funktion zu finden. Also Automat in Harburg. Und es war wie immer: Der eine Automat nahm keine Scheine UND keine Karte, und meinte sogar, ich solle mich wegen der Karte an meine Bank wenden. Der andere nahm keine Münzen,  aber dafür die Karte. Mittlerweile war der Zug nach Tostedt natürlich weg. Eigentlich erwies sich das aber als gut:  Inzwischen war die Sonde gelandet, und die letzte Prediction sah den Landeplatz direkt bei dem Dorf Vahlde – und zwar in freier Feldmark. Bei dem Wetter war es eindeutig besser, nach Lauenbrück zu fahren, weil der Weg von dort wesentlich kürzer war.

Und so wartete ich fast eine dreiviertel Stunde in Harburg auf den passenden Zug. Zum Ausgleich hat der Metronom die mit Abstand besten Fahrradabteile des Nordens. Lauenbrück lag nur 6 Straßenkilometer von der Landestelle entfernt. Ich hatte aber allmählich Zweifel, ob selbst das nicht zu weit sein könnte.

Der Blick aus dem Fenster war nämlich erschreckend: Draußen tobten heftige Schneeschauer. Innerhalb von Minuten bildeten sich auf dem Bahnsteigen richtige Schneewehen. Bei dem Wetter jagt man keinen Sondensuchhund vor die Tür. Es war fraglich, ob man da draußen überhaupt Fahrrad fahren könnte. Egal: Notfalls würde ich eben die 6 Kilometer durch Schneegestöber und durch die Nacht schieben. Denn wer seine Radiosonde liebt, der schiebt. Oder das Rad stehen lassen und zu Fuß gehen.

Ganz so schlimm war es am Ende nicht. Es schneite zwar immer noch massiv, aber die Straße nach Vahlde war frisch abgestreut, und man konnte sie vorsichtig befahren. Die anfangs heftigen Schneeschauer ließen auch langsam nach. Den Feldweg zur Landestelle – schneebedecktes, tückisch glattes Kopfsteinpflaster – habe ich lieber doch geschoben, aber das waren nur 500 Meter. Petrus hatte sogar ein Einsehen, und es hörte auf zu schneien. 

Also Rechner raus, Antenne raus und gelauscht. Und tatsächlich – da war ein schwaches Signal einer RS41 auf der Frequenz 403.5 MHz. Sehr schwach. Die mit Zusatzsensor versehene RS41 hört sich anders an und sieht auch im Wasserfalldiagramm anders aus als die normale RS41. Und natürlich hatte ich jetzt die Koordinaten der Landestelle. 

Rechner wieder im Rucksack verschwinden lassen, das Rad stehen lassen und munter losgestapft! Über ein komplett verschneites Mais-Stoppelfeld ging es in die richtige Richtung. Unmittelbar vor Erreichen der Position gebot ein breiter Entwässerungsgraben Halt. Ich war nur 8m von der GPS-Sondenposition entfernt. Mit der starken Taschenlampe konnte ich die andere Seite ableuchten – nichts. Kein Fallschirm, keine Schnüre, keine weiße Kiste. 8 (in Worten acht) Meter? Das kann nicht sein!  Rechner auspacken, Position checken – aber da war kein Fehler. Die Koordinaten hatte ich richtig in meine Handy-GPS-App getippt. Nochmal genau hingeguckt. Im weißen Schnee ist so eine weiße Kiste im Dunkeln nicht wirklich auffällig. Das Adrenalin erreichte ein Maximum, als ich endlich eine Styroporbox auf der anderen Seite liegen sah. Tief im Graben, aber nicht im Wasser.



Die Gummistiefel hatte ich in der Aufregung am Fahrrad gelassen. Sollte ich mit der 10m Stange die Sonde zu mir ziehen? Ja, vielleicht, aber erst einmal gucken, ob man nicht doch auf die andere Seite kommt. Google Earth ist Dein Freund – aber nicht im Funkloch. O2 can't do, but O3 maybe. Ich ging den Graben entlang  in die eine Richtung und stand nach 150m vor NOCH einem Graben. Also in die andere Richtung. Und hier gab es nach 350m einen Wildübergang über den Graben. Also rüber. Und zurück zur Sonde. So sah sie von der anderen Seite aus:


Jetzt sah ich auch Fallschirm und  den recht kleinen Ballonrest – total mit Schnee überzuckert. Ich war erstaunt: Einen massiven Abroller, wie man ihn auf den Bildern immer sieht, gab es nicht! Das Ding hatte gar keinen Abroller, sondern wird einfach so in die Luft geworfen. Dafür war der Totex-Schirm der Knaller. 




Also wurde die Sonde an der sehr dicken Schnur nach oben gezogen und alles unter den Arm geklemmt.



Zurück am Rad ermöglichte es kreatives Umpacken, den weißen Kasten diskret in den Satteltaschen verschwinden zu lassen. Das war angesichts der Rückfahrt mit der Bahn angeraten. 

Die Rückfahrt nach Lauenbrück war einfacher als die Hinfahrt. Denn das Streusalz hatte inzwischen gewirkt. Erst auf dem letzten Kilometer setzte der massive Graupelschauer wieder ein. Da war auch verschmerzbar, dass ich die Bahn noch wegfahren sah, und dass das langsame Internet keinen Kartenkauf per App ermöglichte. Und dass der doofe Automat nur Münzen und keine Scheine nahm. Dafür aber diesmal die EC-Karte. Speziell im Metronom verstehen die Kontrolleure in solchen Situationen übrigens keinen Spaß.

Auf der Fahrt zurück ein paar Gedanken: Das war für mich der bisher spektakulärste Sondentag: Ein Meppen-Tandem ist an sich schon spannend. Und dann fliegt diese bereits abgeschriebene Ozonsonde mit über 200km/h und minialer Steigrate einfach mal doppelt so weit wie vorhergesagt - quasi direkt in meine Arme. Der Kampf mit den Elementen gehört in so einer Situation einfach dazu. Auf jeden Fall werde ich diesen ereignisreichen 11. Dezember lange in Erinnerung behalten. 


 



















Übersicht über alle Radiosondenfunde hier

Dreistellig

Meine erste Radiosonde fand ich im Juli 2016. Damals halfen mir bergsteigerisch engagierte Studenten, die Sonde aus dem Baum zu bekommen. Es war ein Meppener Tandem aus einer RS92 und einer DFM09. Da wir davon keine Ahnung hatten, ging die RS92 verloren.

Meine 100. Radiosonde war eine RS92 aus einem Meppener Tandem, Nr.101 war die  mitfliegende DFM09. Und wie bei Sonde Nr. 1 halfen mir  zupackend  engagierte Menschen bei der Bergung.

Das Gespann (M1543097 & DFM09_616966) startete in Meppen um 7:45. Die RS92  war mit einem Timerkill versehen. Ich hatte einen freien Tag und bemerkte beim Frühstück, dass die Sonden nur 6 S-Bahnstationen entfernt niedergehen würden. Noch war etwas Zeit - vielleicht könnte man sie sogar landen sehen. Vom Bahnhof Elbgaustraße war es dann aber doch noch ein Fußmarsch bis zur Landestelle. Unterwegs konnte ich die DFM bei einem Empfangsversuch einwandfrei dekodieren. Die Position war laut Open Streetmap in Locus an der Ecke eines Wohnblocks.

Ich komme dort an und sehe als erstes den schönen roten Fallschirm dort liegen.



Doch was ist das? Er bewegt sich, er flüchtet! Ich komme um die Ecke und sehe eine nette ältere Dame, die wie wild an der Schnur zieht. Ich erklär ihr kurz die Situation und bitte sie, erst mal nichts zu machen, bevor wir die Lage der Einzelteile des Gespanns nicht ermittelt hatten. Ich war ganz froh, dass ich wenige Minuten nach der Landung vor Ort war.

Die Schnur verschwand nämlich auf dem Dach des Hauses, und ich ging davon aus, dass die Sonden vielleicht an der anderen Seite herunterhingen. Im selben Augenblick kam ein Hausbewohner heraus. Wieder erklärte ich die Lage. Dieser (ich vermute frisch pensionierte) Mann meinte: "Sie haben Glück, dass ich noch etwas Zeit habe" und half sofort nach Kräften.

Ich inspizierte die Gegenseite des Daches mit einem 10X50 Fernglas und erspähte auch sofort die RS92 und die DFM.


Wir beschlossen, auf der anderen Seite zu ziehen. Wahrscheinlich würde die DFM über den First fallen, aber die RS92 an der Helixantenne verklemmen. Aber dann - Plan B - würden wir die Sonde von der Bodenluke aus greifen können. Denn direkt neben der Luke verschwand die Schur über dem Dachfirst.

Es kam wie ich befürchtet hatte: Die DFM ging glatt über den First, und die RS92 klemmte fest. Damit nicht bei einem Schnurriss beide Sonden in der Regenrinne landen, stiegen wir auf den Boden. Der nette Bewohner kletterte sogar auf die Leiter und guckte aus der Luke. Er meinte, er müsse runtergehen und eine Schere holen. Ich hatte sie schon in der Hand, denn mein Sondenjägerrucksack enthält sowas natürlich, und er war überglücklich, die RS92 in den Händen zu halten. "Sowas erlebt man nur einmal im Leben". "Naja, Sie werden lachen, für mich ist es Sonde Nr. 100". "Und da haben Sie keinen Sekt dabei?" - Gerne hätte ich ein Glas Sekt mit dem netten Helfer geteilt.



Unten angekommen lag die DFM vor unseren Füßen - sie war komplett vom Dach gerutscht. Und mein Unruheständler musste, während ich die Schnur zurammenraffte, ganz schnell los. Ins Fitnesstudio.

Ich ging nach hochzufrieden nach Hause. Ich hatte keinen Schimmer, dass das eigentliche Sondenjägerhighlight des Tages - ein echter Thriller - noch vor mir lag.




Übersicht über alle Radiosondenfunde hier

Samstag, 9. Dezember 2017

Im Klecker Wald

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
  N3340159
Produktionsdatum: 2017-08-17
Frequenz:
404.1 MHz

Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 9.12.2017 12:00Z
Track wetterson.de und eigener Empfang
Maximale Höhe: 32349 m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: ca. 5m/s
Landegeschwindigkeit: ca. 7 m/s
Landestelle: Klecker Wald  LAT, LON:
53.33837,9.93537 Google Maps
Status: Geborgen am 26.2.2023, ca.16:30 UT
Methode: GPS-Decodierung (Zilog). Hartnäckiger Baumlander, erst mehr als 5 Jahre nach dem Flug durch aufwändige Baumbergung von Arne, Patrick und mir geborgen

 Zum Bericht der eigentlichen Bergung der Sonde am 26.2.2023

 Bericht vom 9.12.2017

Die Radiosonde N3340159 aus Norderney (9.12.2017, 12Z) fiel relativ schnell vom Himmel, schien aber dann doch noch einen funktionierenden Fallschirm zu haben und landete am Ende mit 6.5m/s östlich von Buchholz im Klecker Wald. Ich konnte sie aus meinem Schlafzimmerfenster bis in eine GPS-Höhe von 212m (das sind 102m über Grund) verfolgen, eine Prediction rechnen und hatte daher eine relativ gute Idee, wo die Sonde liegen müsste. Angesichts des Schauerwetters guckte ich erst einmal auf das Regenradar von SAT24, welches eindeutig eine Schauerpause versprach. Also fuhr ich mit dem schnellen Metronom direkt nach Buchholz und radelte dann zur Landestelle.  Von der Bendesdorfer Straße aus hatte ich guten Empfang der gelandeten Sonde. Die GPS-Höhe verriet gleich, dass die Sonde leider relativ hoch im Baum hängt. Ich fuhr noch einen Waldweg ein Stückchen herein, zog Gummistiefel an und los gings. Der Boden war von Fahrspuren von Waldmaschinen ziemlich ramponiert.; man musste Slalom zwischen herumliegenden Ästen, Zweigen und tiefgründigen Pfützen laufen. Dann machte der total zerfahrene Fahrweg eine Kehre nach rechts, und ich war exakt auf der Sondenposition. In den Wipfeln war auf den ersten Blick nichts zu sehen.

Inzwischen war es so dunkel, dass der Einsatz einer Taschenlampe Sinn machte. Und im Lichtkegel der Taschenlampe war ein weißer Fleck im Wipfel einer der Fichten evident. Der Feldstecher zeigte, dass es die Sonde war. Leider deutlich zu hoch für meine 10m-Stange, und wahrscheinlich auch zu hoch für die zuhause lagernde 15m Stange. Mir fiel gleich auf, dass jemand einen Stock an den Stamm der Fichte gelehnt hatte, wie, um den Baum zu markieren. Ein Sondenjägerkollege?

Wo war der Rest des Gespanns?  Eine Expedition in Richtung Osten und ausführliches Ableuchten der Bäume ergab zunächst keinen Hinweis. Als ich dann aber wieder zum Rucksack zurückging und noch einmal in den Wald leuchtete, sah ich etwas Weißes an einem ca. 30m entfernten Baum hängen, unverkennbar der Fallschirm.



 Den hätte man mit einer 10m-Stange vielleicht fassen können. Aber machte es Sinn, daran zu zerren? Im Zweifel würde die Sonde sich in dabei in einer Astgabel verklemmen. Jetzt hing sie zwar hoch, aber am Faden. Vielleicht sollte man abwarten, und nach den Frühjahrsstürmen noch mal wieder kommen. Da es noch mehrere Sonden in unmittelbarer Nähe gibt, die ebenfalls hoch im Baum hängen, würde ich ohnehin mal vorbeifahren. Man könnte auch mit der 15m-Stange die Schnur ÜBER dem Schirm durchschneiden - vielleicht fällt die Sonde dann von dem anderen Baum.

Bevor der Graupelschauer wieder einsetzte, trat ich also in die Pedale, und auf ging es nach Klecken. Kaum angekommen, wurde das Wetter wieder richtig ungemütlich.

Im Zug per Handy ein Blick ins Sondenjägerforum. Unter "Peilberichte" gab es da bereits einen Eintrag! Uli alias Asohen meldete sich dort quasi zurück, er war wohl vor meiner Sondenjägerzeit da ziemlich aktiv. Er wohnte in Buchholz und hatte am Nachmittag stürmisch die Kaffeetafel verlassen, um mit dem Rad mal eben schnell nach der Sonde zu schauen. Er hatte auch per Empfang vor Ort die Koordinaten in Erfahrung gebracht und war dann durch die Harvester-Spuren zur Sonde gestapft. Als er da war, hing die Sonde offenbar niedriger, er schätzte 6-8m.  Er hatte auch ein paar Fotos gemacht. Wäre ich einen Zug eher gefahren, hätte wir uns wahrscheinlich vor Ort getroffen und hätten mit der Stange was unternehmen können. Von dem Fallschirm hatte er nichts bemerkt. Da der bei Tageslicht eigentlich unübersehbar gewesen sein sollte, hing der daher wohl wesentlich höher, und umgekehrt war jetzt die Sonde nach oben gezogen worden. Also würde es wohl aussichtsreich sein, die Schnur über dem Fallschirm mit einer Stange zu schneiden. Auch stellte sich heraus, dass der Stock, der an dem Stamm lehnte, von Uli dort deponiert worden war. 

Die ganze Gegend ist ein Magnet für baumhängende Sonden: Immer noch im Baum hing nach den Herbststürmen  N0220338, (25.5.2017, 12Z, Schleswig) und wurde inzwischen geborgen. Seit dem 2.11. haben wir ganz in der Nähe bei der Kleckener Waldsiedlung auch noch N3340135, eine weitere Norderney-Sonde. Die beiden kann man aber nicht von unten sehen, aber die Positionen sind gesichert. 


 Update vom 16.12.2017

Sondenjäger Uli aus Buchholz und ich waren heute an der Landestelle. Ich hatte meine 15m-Stange dabei. Die Sonde ist jetzt knapp 20m hoch, und der Schirm auch außerhalb der Reichweite der Stange. Also kommt die Sonde auf unsere  Baumlanderliste. Wir besuchten auch
N0220338 in Itzembüttel und konnten diese Sonde erstmals im Wipfel einer Lärche erspähen.

 Update vom 6.5.2018

Ich habe das schöne Wetter zu einer Kontrolle der Baumlander im Bereich Klecken.  Die Sondenschnur ist offenbar irgendwo gerissen. Im Baum sehen die Schnurreste wie Wattebäusche aus. Aber dadurch wurde die Sonde flitzebogenartig in den Nachbarbaun geschleudert. Die Schnur steht unter beträchtlicher Spannung, und die Sonde ist an einem jungen Zweig verhakt. 

Foto mit 500mm Tele (Bridge-Kamera)


Der Baum hat eine weiße Forstmarkierung. Wenn man sich auf den Baumstumpf daneben stellt, sieht man die Sonde. Direkt von unten ist nichts zu sehen.





Der Fallschirm hing etwas niedriger als beim letzten Besuch:




Angesichts der Tatsache, dass es offenbar keine Schnurverbindung mehr gibt zwischen Sonde und Schirm, habe ich den Schirm mit der 15m-Stange heruntergeholt.



Irgendwann kann man die Sonde sicherlich unten einsammeln.

Ein Besuch bei der Landestelle von N3340135 war ebenfalls erfolglos. Ich hoffte, dass man vielleicht irgendwas von unten sehen könnte, oder dass im besten Fall die Sonde am Boden liegen würde. Beide Hoffnungen wurden enttäuscht.

Update vom 20.5.2018

Uli teilte mir gerade mit, dass er die Sonde besucht hat und die Situation im Baum unverändert ist.

Update vom 18.7.2018
 Hier ein paar Fotos der Sonde und eine genauere Inspektion der Lage vor Ort mit dem Fernglas
. 
Die Sonde hängt leider 18-20m über dem Boden im jungen Geäst einer Fichte. Deutlich außerhalb der Reichweite meiner 15m-Stange. Die Verbindung zum Rest des Gespanns ist nicht mehr vorhanden, aber das relativ kurze Schnurstück ist sehr fest in dem Gezweig verankert und steht unter Spannung. Das Ende der Schnur hängt  sehr fest, die Fortsetzung, die mal zum Fallschirm führte, flattert lose im Wind. 


Die Sonde pendelt an einem kurzen Stück Schnur, das an einem dünnen Zweig festhängt. Da der sich biegt, federt er die Bewegungen von Schnur und Sonde ab. So kommt es nur zu wenig Reibung. Die Schnur ist an der Kontaktstelle minimal zerfasert. Eine sehr kleine zerfasterte Stelle befindet sich in dem anschließenden sehr stramm gezogenen Stück Schnur. Im Gegensatz zu den anderen im Baum befindlichen Schnurstücken (die wie Wattebäusche aussehen) sieht der entscheidende Schnurabschnitt ansonsten komplett neuwertig und intakt aus. 





Update vom 30.9.2018
Inzwischen war nochmals etwas Wind gewesen, aber dennoch ist die Lage im Klecker Wald unverändert. N3340135, die unweit davon unsichtbar im Baum hängt, lag ebenfalls nicht am Boden.

Update vom 31.10.2018
Diese Sonde ist hartnäckig. Die unter starkem Zug stehende Schnur ist gerissen, aber die Schnur ist immer noch in den jungen Fichtenästen verknoten.


 


Update vom 23.11.2018
Alles unverändert trotz Wind in den letztzen Tagen. Ein längeres Schnurstück ist verhakt und steht unter Spannung.
 
Update vom 16.12.2018
Lage unverändert. Sonde noch mehr in die Zweige verdrillt.

 
Update vom 5.1.2019
Nach den Stürmen hängt die Sonde wieder etwas freier an einem kurzen Schnurstück. Das Problem ist, dass der sehr biegsame Fichtenzweig als ganzes im Wind schwingt und kaum Kraft auf das Schnurstück ausübt.









 
Update vom 13.2.2019
 Trotz Sturm ist die Lage unverändert bzw. schlechter. Die Sonde hängt nich mehr am Schnurstück, sondern die Schnurreste sind komplett im Fichtenzweig verknotet. Der Zweig an sich ist dünn und wird durch das Gewicht der Sonde heruntergebogen. Es kann noch lange dauern, bis die Sonde herunterkommt. Die Rückfahrt mit dem Zug war abenteuerlich, da der Zugverkehr aufgrund von Vandalismus eingestellt war.

Update vom 18.3.2019
 Nach einem weiteren heftigen Sturm ist die Situation unverändert

 Update vom 2.5.2019
 Die Sonde ist mehr und mehr um Geäst verhakt.


Update vom 4.8.2019

Unveränderte Lage, hier ein paar Bilder mit starker Telebrennweite:




Update vom 15.12.2019
 Situation auch mehr als zwei Jahre nach dem Sondenflug unverändert.




Update vom 28.2.2020: Situtation unverändert

Update vom 27.3.2020: Uli war vor Ort: Situation unverändert

Update vom 3.5.2020: Uli war erneut vor Ort: Situation unverändert 
 
 
Update vom 26.9.2020: Situation unveändert. Heute landete direkt in der Gegend die Bergener Sonde. Uli konnte sie bergen und hat auf dem Rückweg den Baumlander gecheckt. Er schreibt: Diese Altlast entwickelt sich zu einer Naturkonstante...

Update vom 3.12.2020: Naturkonstanten heißen Naturkonstanten, weil sie sich auch nach 3 Jahren nicht verändern...

 Update vom 2.8.2021: Naturkonstante eben..


Update vom 8.1.2022: Naturkonstante eben...

 Update vom 27.2.2022: Der Stamm des Baumes, in dem die Sonde einst gelandet war, ist nach 3 Stürmen wie ein Streichholz durchgebrochen. Am Boden unter dem Baum mit der Sonde allerlei Äste mit maroden Schurresten. Die Sonde selber hat offenbar 5 Liter All-Wetter-Taft getankt. Die Frisur hält.
. 
Update vom 5.3.2022: Mit Arne dort gewesen, der seinen neuen Bigshot ausprobieren möchte. Sehr schwieriges Ziel. Arne kann nach vielen Versuchen mehrfach über den Ast über der Sonde schießen. Leider kann man die Sonde nicht umschlingen, weil ein darunter liegender Ast im Weg ist. Gewaltsames Schütteln löst die Sonde aber aus der Verfilzung mit den junge Fichtenzweigen. Jetzt hängt sie nur noch an einem maroden Schnurstück. Leider geht es nicht ohne Materialverlust ab, der Wurfsack bleibt oben. Ich bin relativ sicher, dass bei heftigerem Wind die Sonde runterkommt. Das hoffen wir aber schon seit seit 2017.

 



Update vom 4.6.2022: Arnes Wurfsack liegt am Boden und wird von mir sichergestellt. Die Sonde ist leider noch oben...

Update vom 21.2.2023: Situation unverändert.

Update vom 26.2.2023: Sonde geborgen. Mehr hier.


Übersicht über alle Radiosondenfunde hier
Karte aller Sondenfunde hier