Freitag, 14. Oktober 2022

Stangenmikado-Desaster - nicht ganz mein Tag

Am 12.10.22 fliegt die fahrplanmäßige Mittwochssonde aus Sasel in den Raum Besenthal/Göttin/Güster. Ich mag die Gegend sehr, finde aber an diesem Wochentag keine Zeit zu einem spontanen Ausflug. Auch gefällt mir die Landestelle überhaupt nicht - und einigen anderen Sondenjägern scheint es ähnlich zu gehen. Die Prediction liegt nämlich in dem knapp 50m schmalen Streifen zwischen einer Hochspannungsleitung und der Autobahn Hamburg-Berlin. Dass sie auf der BAB oder in der Leitung gelandet ist, ist angesichts der begrenzten Genauigkeit und der geringen Landegeschwindigkeit nicht wirklich unwahrscheinlich.

Am nächsten Tag habe ich etwas mehr Zeit. Und ich entdecke auf Locus, dass die Landestelle der Schleswiger Mittwochssonde vom 16.7.2022 nur 500m entfernt im selben Waldstück liegt. Die habe ich schon länger auf der Liste, aber bisher nie die Gelegenheit gefunden. Also geht es heute dorthin!

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
U1840823
Frequenz:
402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel
(WMOID:10141)
Flugdatum: 12.10.2022 12:00Z
Track wettersonde.net

Maximale Höhe:
27081m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit:
5.44 m/s
Landegeschwindigkeit: 4.9m/s
Landestelle: Güster, LAT, LON:
53.542854,10.713654, Google Maps
Status: Geborgen am 13.10.2022, 10:37UT

Methode: Tawhiri-Prediction aus Wettersonde.net-Daten. Dramatische Stangenbergung aus 5-8m Höhe

Der Zug bringt mich nach Büchen. Und das Faltrad überbrückt rasch die 11km bis zur ersten Landestelle. Der Weg führt 500m vor dem Ziel direkt unter der Hochspannungsleitung hindurch, biegt dann wieder südlich ab.



Von dort führt ein Waldweg in exakter Flugrichtung der Sonde direkt unter der Leitung hindurch, genau über die Prediction-Position und endet an der Autobahn. Beruhigend ist, dass nichts Verdächtiges in den Drähten hängt. Auf dem schmalen Streifen vor der Autobahn liegt sie allerdings leider nicht. Aber an dem Baum auf der anderen Seite der Autobahn entdecke ich die Sonde; sie hängt über dem Rand der BAB auffällig nur 5-8 Meter hoch.



Das wird ganz einfach: Vom Zaun drüben sollte man die Sonde mit der Stange schnell und diskret zu Boden bringen können, ohne Autofahrer zu schockieren. Auch gibt es nahebei eine passende Unterführung unter der Autobahn hindurch:


Der Weg, der von der anderen Seite zur fraglichen Stelle führt, ist mit dem Rad nicht passierbar, so dass ich es in bewährter Weise abparke.




Leider wird meine Nase immer länger, je mehr ich mich der Autobahn nähere. An der fraglichen Stelle kann ich in den Bäumen nichts entdecken. Irgendwo müssen doch auch der Fallschirm und die Schnur sein, die ja weiter in den Wald hinein verlaufen muss.  Ich versuche mich an dem Foto zu orientieren - ohne Erfolg. Offenbar versperrt das Laub von dieser Seite den Blick auf die Sonde. Irgendwann entdecke ich die Schnur und glaube daraus den Baum zu identifizieren. Ich drücke mich an den Zaun und starre nach oben. Nichts.


Ob man besser den Fallschirm suchen sollte, um daran die Sonde ein wenig tiefer ablassen zu können? 10 Minuten Suche liefern das Ergebnis: 25m hoch, hopeless.




Irgendwann finde ich ein kleine Lücke im Laub, die einen Blick auf die Sonde gestattet. Das hat mehr eine volle Stunde gedauert.



Mit der Schnur-Haken-Tecknik sollte das kein Problem sein, obwohl ich wegen des Zauns sehr schräg ansetzen muss. Leider verklemmt sich der Haken in einem Ast. Und zwar sehr fest. Natürlich löst er sich wie geplant von der Stange. Aber auch starkes Ziehen an der Leine löst den Haken nicht vom Ast - anders als sonst.

Ich beschließe, mich erst einmal um die Sonde zu kümmern und dann das Schnurproblem zu lösen. Also befestige ich einen Kabelbinder als improvisierten Haken an der Stangenspitze und versuche, die Sondenschnur einzufangen. Das gelingt spektakulär gut. Leider verheddert sich das Konstrukt nicht in der Sondenschnur, sondern an meiner Leine. Und zwar irreversibel. Allmählich merke ich - dies ist nicht mein Tag, denn jetzt habe ich ein echtes Problem. Jetzt weiß ich nicht, wie ich die Stange rauskriege, denn der Zaun ist im Weg. Und ganz brutal ziehen mag ich auch nicht - im Zweifel geht nicht nur die Stange kaputt. Der ziemlich große Ast macht nämlich einen leicht morschen Eindruck. Wenn der abbricht, fällt er direkt auf die Autobahn, und dann habe nicht nur ich ein Problem.

Mir fällt das Schneidwerkzeug im Rucksack ein. Ich befestige es an einem herumliegenden längeren Stock und kratze damit an dem Seil herum. Es ist dazu da, Sondenschnüre zu zertrennen und keine dicke Leine. Aber nach 10 Minuten Kratzerei trennt ein scharfer Zug die Leine. Immerhin bin ich jetzt wieder in Besitz der Stange. Der Haken und etwas Leine bleibt oben, kein großer Verlust. Leider ist die Stangenspitze beschädigt. Der Versuch, die Stangenspitze einzuschieben endet mit einem Bruch derselben. Hab ich schon gesagt, dass dies nicht mein Tag ist? Ich bin eigentlich inzwischen recht routiniert im Umgang mit den Teleskopstangen. So ein Chaos habe ich auch in meinen Anfängertagen niemals angerichtet.


Mangels Haken tape ich einen geeigneten trockenen Ast an die neue Stangenspitze und kann nach allerlei Fehlversuchen die Sonde endlich zu mir herunterziehen. UFF!!




Zurück geht es zum Fahrrad. Die Position der zweiten Sonde sollte recht gut stimmen. Sie liegt an der nächsten Wegecke auf derselben Seite der Autobahn.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T3350419
Frequenz:
402.5 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 16.07.2022 12:00Z
Track
wettersonde.net
Maximale Höhe:
30812m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.38 m/s

Landegeschwindigkeit:
4.9 m/s

Landestelle: Güster,
LAT, LON: 
53.54512,10.72073, Google Maps
Status:
Baumlander, von unten sichtbar, in 25m Höhe in einer Kiefer, Fallschirm und etwas Schnur geborgen am 13.10.2022, 11:15UT

Methode:
Tawhiri-Prediction aus wettersonde.net - Daten

Ein kleiner Pfad führt direkt auf die Position hin. Und wieder ist es so wie eben. Ich habe den Eindruck: Das wird ja heute einfach! Denn ich stolpere sofort nur wenige Meter über den am Wegrand liegenden Ballonrest, und die Schnur führt steil aufwärts in eine Kiefer. 

 


 

 

 

Leider ist die Fortsetzung der Schnur nicht mehr vorhanden. Stromaufwärts ist durchaus Platz zwischen den hohen Kiefern, also kann man hier Glück haben. In der fraglichen Gegend liegt aber nichts auf dem Boden, wobei gebietsweise Brombeergestrüpp eine heruntergefallene Sonde auch gut verschlucken könnte. Irgendwann, nach einer halben Stunde Sucherei, entdecke ich die Sonde in ca. 25m Höhe in einer der Kiefern; ein Herankommen gibt es da erst einmal nicht. Immerhin ist damit die Sondenposition gesichert. Da sie an einem langen Schnurstück hängt, könnte man auf ein zeitnahes Herunterfallen bei den Herbststürmen hoffen. Bis dahin sind auch die zahllosen Zecken, die diesen Wald bevölkern, nicht mehr aktiv.

Als ich den Wald wieder verlassen habe, stelle ich fest, dass die ganzen grenzwertigen Suchaktionen viel mehr Zeit gefressen haben als eingeplant. Auch ist der nächste Zug in Büchen nicht mehr erreichbar. Also spricht nichts gegen den netteren aber weiteren Weg  den Elbe-Lübeck-Kanal entlang. Sogar eine schöne kleine Pause am Kanalufer ist noch drin. Von Büchen bringt mich der Zug nach Hamburg zurück.

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Montag, 10. Oktober 2022

Eine frische und eine weniger frische Kaltsonde

Essener Radiosonden sind im Hamburger Umland sehr seltene Gäste. Hohe Windgeschwindigkeiten sind erforderlich, und der Fallschirm muss hervorragend funktionieren. Meine zwei bisherigen Essen-Sonden habe ich alle in Südwesten gefunden. Die Mitternachtssonde vom 6.10.2022 war ein besonderer Fall. Der Ballon platzte bereits über dem Teutoburger Wald bei Preußisch Oldendorf. Am Fallschirm schaffte sie es allerdings bis Neu-Neetze östlich von Lüneburg.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
 
U1470165
Frequenz:
405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation:
Essen (WMOID:10410)
Flugdatum: 06.10.2022 0:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 34295m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.56 m/s 
Landegeschwindigkeit: 3.0 m/s
Landestelle: Bockhorst
, LAT, LON:
53.29379,10.6246  Google Maps
Status: geborgen 09.10.2021, 
08:33 UT; Tawhiri-Prediction nach wettersonde.net-Daten

Als die Sonde am Wochenende nicht als geborgen gemeldet ist, plane ich einen Bergungsversuch. Die Prediction ist mittelmäßig genau. Nach Google Maps liegt ein Bauernhaus mit Weidegelände direkt in der Nähe. Dort wird diese Sonde sicher auf Dauer von Anwohnern weggeräumt. Ich würde daher den Samstag vorziehen, obwohl am Sonntag besseres Wetter angekündigt ist. Ein paar Baumlander könnte man in der Gegend ebenfalls checken.

Die Samstagstour findet nicht statt, da aufgrund von Sabotage der Bahnverkehr in ganz Norddeutschland unterbrochen ist. Als ich am Hauptbahnhof ankomme, ist der Schaden zwar gerade behoben, aber das Chaos in den Zügen brauche ich in meiner Freizeit nicht wirklich.

Am Sonntag fahre ich bequem nach Lüneburg und von dort mit dem Bus bis zum Dorfplatz in Neetze. Das Rad wird ausgeklappt und los geht es. Bestes herbstliches Sonnenwetter! Bis zur Landestelle sind es nur wenige Kilometer. Die Extrapolation liegt im Wald, die Tawhiri-Prediction auf einem Acker südlich des besagten Bauernhauses. Ein auf der Karte nicht verzeichneter Waldweg führt direkt ins Landegebiet südlich des Bauernhauses. Auf dessen Gelände - einer Pferdeweide - sehe ich direkt am Zaun den Fallschirm...

Die Schnur führt in Richtung auf das Feld, auf dem ich mich befinde, über einige Knickeichen herüber. Glücklicherweise liegt die Sonde etwas versteckt im Gras unter den Bäumen.

Ich schneide die Sonde ab und kann mit der Teleskopstange den Schirm zu mir herüberziehen. Die Schnur hat sich bereits in den Eichen verhakt, ich kann sie aber mit etwas Gewalt freibekommen und ebenfalls komplett bergen.


Weiter geht es auf Nebenstraßen und Wald-Fahrwegen:



Es bietet sich ein Abstecher nach Sülbeck an, wo seit 2018 eine DFM in einer Lärche hängt. Ich kann das inzwischen graue Gehäuse nur mit Schwierigkeiten sichten, sie ist immer noch oben und hängt leider ziemlich verhakt zwischen jungen Ästen. Mal sehen, was nach dem Nadelfall passiert.

Weiter geht es über den Elbe-Seitenkanal Richtung Brietlingen. Der Weg führt über die Neetzebrücke, wo eine Saseler Sonde S1630392 vermisst wird. Ich hatte die Landestelle schon im April besucht, aber schon damals im dichten Laub der Bäume nichts erkennen können. Wenn die Sonde überhaupt noch da ist, hat man hier erst nach dem Laubfall eine Chance.

In dem Wald "Bennerstedt" hängt seit mehr als einem Jahr die Schleswiger Mitternachtssonde vom 21.9.2021...

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
S0720046
Frequenz:
402.5 MHz

Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 21.09.2021 00:00Z
Track
wettersonde.net
Maximale Höhe:
33903m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.02 m/s

Landegeschwindigkeit:
2.0 m/s

Landestelle: Bennerstedt,
LAT, LON: 
53.32009,10.48155, Google Maps
Status:
Geborgen am 17.7.2022, 12:35UT

Methode:
Baumlander in > 30m Höhe in Buchen, lokalisiert am 13.3.2021. Geborgen am 9.10.2022, 12:40UT

Ich war ein paar Tage nach der Landung vor Ort. In dieser Ecke des Waldgebiets "Bennerstedt" stehen extrem hohe Buchen. Wie schon Sondenjäger vor mir konnte ich die Sonde damals nicht lokalisieren, weil der Blick durch die Wipfel durch das extrem dichte Laubdach verdeckt war. Nach dem Blattfall, am 13.3.2022, war es einfacher, allerdings hing die Sonde in mehr als 30 Metern Höhe, der Schirm noch höher.



13.3.2022



13.3.2022

Schirm, 13.3.2022

Somit war die Sonde immerhin lokalisiert, aber mit meinen Mitteln nicht zu bergen. Da ich gerade in der Gegend bin, sollte ich diesen Baumlander auf jeden Fall kontrollieren. Und ich habe Glück: Die Sonde liegt am Boden, und die Wildschweine haben noch keine Notiz von dem Stück genommen. Nur an der Ecke hat  jemand das Styroporgehäuse angeknabbert...









Nach diesem insgesamt sehr schönen Tag radel ich nach Echem, von wo der Zug mich via Lüneburg nach Hause bringt.

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Donnerstag, 6. Oktober 2022

Aktive Bergehilfe

Am 6.10. fliegen die Sonden weit: Eine Essener RS41 schafft es bis ins Wendland, Meppen 1 landet bei Elmenhorst und wird dort von Sven aufgesammelt. Leider bin ich zwar in Schmalenbeck, also nicht weit weg, ich muss aber nach Hamburg. Das Präsenztreffen im Labor findet am Ende gar nicht statt - Coronaerkrankung einer Teilnehmerin. Meppen 2 geht mitten in Maschen nieder. Offenbar haben die üblichen Verdächtigen keine Lust auf "Operation Urban Rescue". Bin erst einmal gar nicht sicher, ob ich das Faltrad mitnehmen soll. Der Bus aus Meckelfeld hält nämlich direkt vor der Tür. Dann denke ich aber an die fahrplanmäßige Verspätung und nehme das Rad lieber mit. Was sich als richtig erweist, denn den Bus in Meckelfeld hätte ich verpasst. In Stelle verlasse ich den Regionalzug und radel Richtung Maschen.


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
U3270152
Frequenz:
405.1 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
6.10.2022 08:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.4 m/s
Maximale Höhe:
18033 m
Landegeschwindigkeit:
1.6 m/s
Track  Radiosondy
Landestelle: Maschen ,
LAT, LON 
53.39109,10.03896  Google Maps
Status:
Geborgen am 6.10.2022, 14Z. Lokalisiert durch GPS-Decodierung (TTGO). Schirm und Sonde in 6-8m Höhe, Schnur über ein Dach verlaufend. Stangenbergung mit Dirk und Sascha

Die Idee, einen anderen als den bekannten Weg zu benutzen, erweist sich als sinnlos. Bekanntlich ist der einzige Zweck der Gemeinde Seevetal, Gewerbegebiete in Autobahnnähe auszuweisen. Der Weg führt an einem Logistikzentrum eines großen Discounters vorbei, und die Blechlawine von LKWs, kombiniert mit einer spontanen Baustelle mit Durchgangs- und Durchfahrtsverbot für alles, was nicht Auto heißt, macht keinen Spaß. Der Rückweg muß anders stattfinden. Der Rest der 5 Kilometer verläuft normal bei bestem Herbstwetter, und immerhin gibt es für mich einen Radweg. Auf der Fahrbahn blockieren sich derweil die LKWs gegenseitig, so dass die Fahrt auch kein Genussradeln ist.


Vor Ort in Maschen zücke ich nahe der Tawhiri-Prediction einen TTGO, der mir verrät, dass die Sonde nur 29m entfernt etwas über dem Boden zu erwarten ist. In der fraglichen Gegend läuft ein junger Mann herum und guckt suchend in den fraglichen Baum. Dass der nicht zum Pilzesuchen dort ist, ist stark zu vermuten. "Radiosondensucher?" "Ja, klar!". Die Sonde hängt im Baum. Saschas Kumpel Dirk kommt auch dazu. Die beiden sind entschlossen mit einem leichten Anflug von Frustration und erläutern mir die Lage.


Die beiden haben die Sonde schon gleich nach der Landung am Morgen lokalisiert, dummerweise hängt sie im Baum. Der ist nicht wirklich hoch, vielleicht 10 Meter. Die Schnur verläuft über das Dach eines Wohnhauses. Drüben haben sie auch den Ballonrest in einem Baum entdeckt, in ähnlicher Höhe. Sie haben tatsächlich bereits einen Kletterversuch unternommen; leider sind die dünnen Äste weiter oben nicht sehr tragfähig. Immerhin haben sie die Sonde irgendwie aus dem Wipfel geschüttelt, so dass sie jetzt in vielleicht 7 oder 8 Meter Höhe am Faden hängt. Ich hatte aufgrund der Satellitenbilder eine nervige Dachlandung befürchtet. Hier kann man aktive Bergehilfe leisten, wozu hat man die 13m-Stange dabei. Das einzige Problem ist die schlechte Sicht durch das relativ dichte Laubdach. 

Foto: Dirk

Zu dritt ist eine Stangenbergung einfacher als alleine. Im zweiten Versuch finde ich einen Standort, von dem aus ich die Sonde direkt von unten einigermaßen sehen kann, wenn sie mal wieder vom Wind angetrieben über ein kleines Loch im Blätterdach pendelt. Die Schnur ist allerdings von dort nicht auszumachen. Die beiden geben mir ein supergutes Feedback für diesen Blindflug ("noch 30cm höher, jetzt eindrehen"), so dass ich die Sondenschnur ziemlich direkt einhaken kann. Die Fallschirmbergung auf der anderen Seite ist noch einfacher, so dass wir das Gespann komplett bergen können. Meppentypisch ist die Schnur nur teilweise abgewickelt. Frage mich wirklich, woran das liegt. Vorbei sind die Zeiten mit dickem Tape, nur die Beschriftung des Datums und der Uhrzeit lässt noch ein individuelles Erkennen einer Meppen-Sonde auf den ersten Blick zu.




Wir schwatzen noch eine Weile. Einer der Kollegen hat noch nie eine Sonde gefunden, er nimmt das Exemplar mit nach Hause. Der andere hat gelegentlich Sonden gejagt und auch schon ein paar Funde gemacht. Erstaunlicherweise hat er nie einen anderen Sondenjäger angetroffen. Die beiden kommen in unsere Whatsappgruppe und gut.

Der Rückweg von dieser sehr netten Aktion nach Stelle kann gemütlich erfolgen. Die nervige Baustelle kann ich über eine gute Umgehungsroute, die ich von einer anderen Sondenjagd her kenne, umfahren. Immerhin ist das die dritte Sondenbergung im Raum Maschen und Stelle in 2 Monaten!

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Dienstag, 4. Oktober 2022

20% Erfolgsquote in der Göhrde

Vom 26-29.9.2022 wurden vom klassischen Startplatz Bergen in schneller Folge Manöversonden vom Typ DFM09 gestartet. Sie fielen in ein großes Gebiet zwischen Celle und sogar nördlich der Elbe. Etliche wurden gefunden. Am 26.9. fielen zwei Exemplare in die Göhrde, wo ich ja immer wieder auf Kaltsondenliste bin. Inzwischen ist meine Baumlander- und Kaltsondenliste lang. Der größte Mischwald Norddeutschlands ist derart weiträumig, dass man sie nicht an einem Tag abarbeiten kann. Auch ist der Wald entlegen. Ein Zugang ist die Göhrdebahn, die nur alle 3 Stunden fährt. Startpunkt für solche Exkursionen ist der Bahnhof Göhrde. Eine DFM - mit ungenauer Prediction - liegt bei Eichdorf - nur 2km vom Bahnhof entfernt. Eine andere liegt am Südrand des Waldes, nur 500m von einem bekannten Baumlander auf meiner Liste. Es lohnt sich also, eine größere Baumlander-Kontroll-Aktion mit der Suche nach den Sonden zu verbinden. Das ist automatisch eine Ganztages-Tour.

Das Wochenende ist ideal. Allerdings ist das Wetter am Samstag schlecht und am Sonntag immer noch ungemütlich. Aber der Montag, der 3. Oktober ist ja Feiertag, und da ist gutes Herbstwetter mit einzelnen Schauern angesagt. Also starte ich kurz nach 9 Uhr mit dem Faltrad am Bahnhof Göhrde. 5 Sonden sind auf meiner Liste, da sollte etwas gehen.

Nach etwas mehr als 2km erreiche ich das Landegebiet von D18051638. Openwx hat sie bis 561m Höhe, und die Prediction daraus liegt neben einem Gehöft nördlich der Bahnstrecke. Da die Windgeschwindigkeit groß und die Sinkrate niedrig war, dürfte diese Vorhersage sehr ungenau sein. Aber vielleicht kann man ja, wenn man die Felder mit einem Fernglas absucht, auch mal Glück haben. Am Ende wird der geplante schnelle Check doch eine mehr als einstündige Suche. Kurz zusammengefasst: Ich habe kein Glück. Auf den übersichtlichen Wiesen und Rübenfeldern liegt nichts, eine Brache ist sehr unübersichtlich, und im Wald ist so direkt auch nichts zu erkennen. Als ich an dem Gehöft vorbeifahre, sehe ich die Frau des Hauses gerade über den Hof laufen und spreche sie an. Immerhin liegt der Hof direkt auf der Open-Wx-Prediction, wer weiß? Aber ihr ist von einem Sondenfall nichts bekannt. Ihr Mann kommt hinzu, und wir haben noch ein nettes Schwätzchen über alles Mögliche - nicht nur Sonden. Unseren Infozettel bekommen die beiden für alle Fälle - hier kann man nichts mehr tun.


Über Pommoissel und Göhrde geht es zu meinem ersten Baumlander mitten im Wald, S3140888

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
S3140888
Frequenz:
405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 27.9.2021 12:00Z
Track wettersonde.net
Maximale Höhe: 33822m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.39 m/s 
Landegeschwindigkeit: 9.7 m/s
Landestelle: Kollase
, LAT, LON:
53.12471,10.88685 Google Maps
Status: Baumlander, 16m hoch in einer Kiefer. Ballonrest, Abroller, Schirm und etwas Schnur geborgen

Methode: Extrapolation aus Radiosondy-Daten

Diese Bergen-Sonde hängt seit mehr als einem Jahr in einer Kiefer. Ich hatte im Oktober 2021 den Fallschirm entfernt. Nach einem weiteren Schnurriss fiel sie auf 16-17m Höhe herab. Leider verhakte sich die Schnur in einer Astgabel. Als ich an der bekannten Stelle ankomme, ist im Baum die Sonde nicht zu sehen. Unter dem Baum liegt nichts. Eine Inspektion zeigt den Grund: Die Sonde liegt jetzt gut versteckt in der Gabel eines kurzen Aststumpfes direkt am Hauptstamm. Ich versuche sie mit einem an der Laguna-Stange befestigten Kabelbinder herauszustoßen, aber die Stange ist minimal zu kurz. Ich muss aufgeben. Eventuell muss man mit einem Tritt und einer 15m-Stange wiederkommen, aber es wird sehr sehr schwierig. Ob sie bei den Herbststürmen von selbst herausfällt, ist fraglich.


Weiter geht es zu der Meppener Sonde T1330193, die ich bei einer längeren Kaltsondensuche letzten März hoch im Baum entdeckt habe. Sehr viel Hoffnung habe ich nicht, aber die Position ist direkt an der Straße und kann mal eben gecheckt werden.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
T1330193
Frequenz:
404.5 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Meppen (WMOID:10304)
Flugdatum:
18.2.2022 12:00Z
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 7.9 m/s
Maximale Höhe:
27466 m
Landegeschwindigkeit:
6.4 m/s
Track  Radiosondy
Landestelle: Mailage/Göhrde ,
LAT, LON 
53.11984,10.91057 Google Maps
Status:
Baumlander, von unten schwer sichtbar, 20-25m


Die Sonde ist schwer von unten zu sehen, aber ich kann sie im Fernglas erkennen. Sie ist noch oben. Da kann man wenig machen.

Auf bekannten Wegen geht es durch die kleinen Dörfchen Kollase und Zienitz auf den Trans-Göhrde-Highway, die L253. Nach einem kurzen Stück Asphalt biege ich auf einen bekannten Waldweg ab. Hier hängt eine Norderney-Sonde vom Februar im Baum. Beim letzten Check fand ich sie in eine Fichte gependelt vor.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
T1910260
Frequenz: 405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 5.2.2022 00:00Z
Track wettersonde.net und eigener Empfang
Maximale Höhe: 32347 m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 4.90 m/s
Landegeschwindigkeit: 5.13 m/s
Landestelle: Hohenflier/Göhrde  LAT, LON:
53.106474,10.796806, Google Maps
Status: Nicht geborgen. Baumlander, von unten sichtbar in 20-25m Höhe, Schirm am Boden geborgen
Methode: Tawhiri-Prediction.

Die zahllosen umgestürzten Bäume, die bisher den Zugang erschwerten, sind entfernt worden. Jetzt ist es sehr einfach. Leider hängt auch diese Sonde noch oben. Auch hier muss man wohl auf die Herbststürme warten!

Bis zur letzten Sonde des Tages sind es nur wenige 100m. 

Sondentyp: DFM09
SN:
19004121
Frequenz: 403.768 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Bergen (Manöver,
WMOID:10238)
Flugdatum: 26.09.2022 10:57Z L
Track Radiosondy

Maximale Höhe:
19926m

Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.83 m/s

Landegeschwindigkeit:
5.1 m/s

Landestelle:
Hohenflier/Göhrde, LAT, LON:53.10969,10.78399, Google Maps
Status:
Geborgen am 3.10.2022, 14:07 UT

Methode:
Tawhiri-Prediction nach Radiosondy-Info-Daten

Immerhin liegt die Stelle direkt an der Straße Hohenflier-Röthen-Oldendorf. Die Prediction ist sehr gut, weil - ungewöhnlich für die Göhrde - Positionen aus 244m Höhe vorliegen. Die Gegend ist sehr locker mit hohen Kiefern bewachsen. Die Position liegt direkt an einer markanten Wegegabelung, an der mehrere Wanderwege beginnen. Ich gehe den, der in die richtige Richtung geht. Und, was soll ich sagen? Nach so viel Pech und der ganzen Strampelei werde ich doch noch belohnt. Die Schnur geht direkt über den Wanderweg. Da ich gewiss nicht er erste bin, der hier seit einer Woche entlangstiefelt, müssen die Vorgänger das Hindernis sorgfältig überschritten haben...Da beide Enden am Boden liegen, ist die Bergung einfach...5 Sonden versucht, eine gefunden. 20% Erfolgsquote, yeah!









Von Hohenflier aus ist es immer das selbe: Der etwas kürzere Weg zurück zum Bahnhof Göhrde macht keinen Sinn, weil man da mehrere Stunden lang auf den Zug warten müsste. Also ist das Ziel mal wieder Bad Bevensen, wo ich nach insgesamt 42km Radtour eintrudel.


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Sonntag, 2. Oktober 2022

Schlägerei auf dem Weg zum Baumlander


Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
U1430713
Frequenz: 405.3 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 02.10.2022 00:00Z
Track radiosondy
Maximale Höhe: 33997 m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.76 m/s

Landegeschwindigkeit:
8.8 m/s

Landestelle:
Harburg (Außenmühle)  LAT, LON:
53.44848,9.97264 Google Maps
Status:
Geborgen am 02.10.2022, 5:37 UT

Methode:
GPS-Decodierung per TTGO (RDZsonde). Baumlander, nach Entfernen des Fallschirms am Boden.
 
Diese Norderneysonde landet am Sonntagmorgen direkt am Außenmühlenteich in Harburg. Die Prediction liegt im Wald. Leider schaffe ich es nicht mehr, in den Zug zu springen. Der Folgezug hat massive Verspätung - Folgen eines vorausgegangenen Polizeieinsatzes. Ein Security-Mensch in der Bahn kommentiert trocken: "Wahrscheinlich das Übliche". Morgens vor 6:00 ist das in Hamburg fast schon die Regel. Warum? Das wird auf dem Weg nach Harburg deutlich.
 
Kurz bevor die S-Bahn in Harburg einfährt, plötzlich Geschrei 20 Meter hinter mir am anderen Ende der Großwageneinheit! Ein Typ mit Migrationshintergrund schlägt auf einen anderen Zeitgenossen massiv ein. Was ich toll finde: Sofort stürmen ca. 15 Leute zum Ort des Geschehens und trennen die Streithähne. Jetzt hat natürlich das "Opfer" natürlich Oberwasser und provoziert entsprechend:  "Kanacke!!", worauf (wie soll es anders sein) der "Täter" mit einem markigen "Hurensohn" antwortet. Beide verlassen in Harburg den  Wagen, werden aber weiterhin von beherzten Mitbürgern getrennt. Was auf dem weiteren Weg der beiden durch den Harburger Bahnhof und außerhalb noch alles passiert sein könnte, weiß ich nicht... Hoffentlich war kein weiterer Polizeieinsatz nötig...Jedenfalls sind abends die Strecken zur "Meile" und morgens die Routen von der "Meile" für Unbeteiligte nervig.

Ich sehe zu, dass ich den Bus nach Marmstorf erwische. Als ich am Marmstorfer Weg aussteige, hat der TTGO sofort eine Position. Kurze Datenanalyse ergibt: Ca. 20 Meter über dem Boden. Das habe ich schon beim Blick auf die Satellitenansicht der Vorhersageposition befürchtet.

Das Waldstück am Außenmühlenteich stößt direkt an ein Spielplatzgelände. In den Wipfeln der Bäume behindert dichtes Laub den Blick nach oben, auch die ultrahelle Lampe nutzt nichts. Ein Weg führt auf das Spielplatzgelände hinab. Allerdings endet er am Zaun. Drüben kann ich Ballonrest und Fallschirm im Baum hängen sehen. Man sollte ausprobieren, was passiert, wenn man dieses Gegengewicht abschneidet. Vielleicht kommt die Sonde dann freiwillig runter?
 
Der Spielplatz ist nach einem längeren Weg über den Marmstorfer Weg zugänglich. Die Reste hängen nur ca. 3-4m hoch. Ob man am Fallschirm ziehen sollte? 
 
 
 
Mit Bedenken ziehe ich die Reste mit der Stange ein wenig herab, worauf aus Sondenrichtung ein leises Klötern erschallt. Hing die Sonde oben im Wipfel und ist heruntergefallen? Nach Abschneiden gleitet die Schnur gaaaanz langsam in die Höhe. Das lässt etwas Optimismus aufkommen.

Ich wandere zurück zur, Landestelle. Dort erscheint auf den ersten Blick leider alles unverändert. Der TTGO zeigt jetzt allerdings eine 20m niedrigere Höhe an als vorhin! Das wäre am Boden oder sehr bodennah! Erst nach 5 Minuten Suche erkenne ich auf dem Waldboden einen kleinen weißen Fleck und auch die Schnur, die senkrecht in die Höhe zielt.



Erstaunlicherweise lassen sich die letzten 20% der Schnur nicht einholen, ein Versuch endet mit Riss. 

An der Bushaltestelle müsste ich noch 20 Minuten warten. Also geht es zu Fuß zurück zum Bahnhof Harburg Rathaus. Allerdings erwischt mich auf dem Weg ein starker Gewitterschauer. Die Bahnfahrt nach Hause gelingt ohne besondere Vorkommnisse, und ein gutes Frühstück und starker Kaffee wecken daheim die Lebensgeister. 







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