Montag, 22. Januar 2024

Vier Sondenjäger lösen ein Sondenrätsel

Am 10.1. landet die Nachtsonde aus Schleswig direkt am Bahnhof Meeschensee auf freiem Feld. Direkt zur Landezeit fährt bei dem Schneewetter niemand hinterher, aber schon in den frühen Morgenstunden ist Patrick vor Ort. Er wohnt in der Gegend und möchte die Sonde noch vor der Arbeit mitnehmen. Aber zu seiner Verwunderung gibt es keinen Empfang. 

Nach Sonnenaufgang trifft Klaus vor Ort ein. Auf dem Acker findet er nichts. Aber auf der anderen Seite der AKN-Bahnlinie sieht er, wie Sven mit einer Stange den Fallschirm aus dem Baum holt. Sven scheint danach den Boden in der Umgebung der Landestelle abzusuchen. Sven ist nicht Mitglied unserer Whatsappgruppe, was etwas schade ist. Da er aber sehr gewissenhaft seine Funde in Radiosondy einzutragen pflegt, hat er die Sonde sicher auch nicht gefunden. 

Ich finde die Sache rätselhaft. Die Fallschirmposition passt überhaupt nicht zu der Prediction - sie ist viel zu weit stromabwärts. Hat da der große unbekannte Sondenabschneider noch vor allen anderen Kollegen zugeschlagen? Je mehr ich mich mit dem Fall befasse, umso realisitscher erscheint mir, dass die Sonde noch da ist.  Gerade vor ein paar Tagen habe ich ja gesehen, wie weit ein Fallschirm bei etwas Wind eine gelandete Sonde wie einen Schlitten über eine Schneefläche ziehen kann. Wenn das nicht nur über 30, sondern über 70 Meter funktioniert, kann das die Fallschirmposition erklären. Manchmal - wenn auch selten - geht so eine Sonde beim Aufprall aus, und angesichts der Lage des Schirms kann sogar ein Zug der AKN die Schnur vom Fallschirm getrennt haben.  Auch eine Baumreihe und eine Hochspannungsleitung könnten mitgespielt haben. Im weißen Schnee wird man eine weiße Sonde nicht so leicht sehen. Also beschließe ich eine Nachsuche am 22.1.2024, nachdem der Schnee geschmolzen ist und bevor die Äcker wieder matschig werden. Es macht zumindest Sinn die angedachten Hypothesen zu testen, und vielleicht hat man ja noch Glück, wer weiß?

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V0430542
Produktionsdatum: 2023-01-25
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 10.01.2024 00:00Z
Track
wettersonde.net

Maximale Höhe:
31757m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.54m/s

Landegeschwindigkeit:
2.4m/s

Fundstelle: Meeschensee,
LAT, LON: 
53.75128,9.982787, Google Maps
Status: Stark zerstörte Sonde geborgen am 22.1.2024,15
:15 UT.
Methode:
Extrapolation aus Wettersonde-Daten
Besonderheit: Sonde wurde wahrscheinlich am Fallschirm durch den Schnee auf den Bahndamm  der AKN gezogen. Kein Empfang durch Patrick gegen 7:00. Fallschirmbergung am Vormittag des Flugtags durch Sven.

Ich verlasse die AKN eine Stunde vor Sonnenuntergang am Bahnhof Haslohfuhrt. Ein Weg führt von der K113 an den Gleisen entlang bis zu der Koppel, auf dem die Sonde gelandet sein soll. Zu meiner Freude ist es eine gut begehbare und leere Weide. An den Predictions liegt wie befürchtet nichts. Auch in der Baumreihe - hohe Eichen - an der die Sonde knapp vorbeigeschrammt sein könnte - hängt nichts. Also verfolge ich die mögliche Flug/Rutschbahn der Sonde in Richtung  der Bahnstrecke. Das würde ja auch besser zu der Fallschirmposition passen. Und ich werde sofort fündig.

 

Direkt meinerseits der Gleise liegen verstreut Teile der Styroporschalen, die Hauptplatine mit den Batterien, ein abgetrennter Sensorarm und weitere Kleinteile. Schnell ist alles zusammengesammelt. Gut, dass die Trümmer auf meine Seite der Gleise geschleudert wurden.


Der Befestigungsmast der Sonde ist glatt abgetrennt und fehlt. Die Teile der Box sind einigermaßen vollständig und lassen sich wieder zusammenbauen, und die Batterien sind noch in der Halterung der Hauptplatine eingelegt. Nur der Drucksensor fehlt, wahrscheinlich liegt er noch im No-Go-Bereich auf den Gleisen. Allerdings lässt sich die Sonde nicht anschalten. 


 

Das Rätsel ist also gelöst, das wahrscheinlichste Szenario sieht so aus: 

10.1.24, 3:22: Sonde landet nahe der Prediction (sie stand am Ende nur 30m hoch). Der Fallschirm schleppt die Sonde über die verschneite Wiese, vermutlich bis auf das rechte Gleis und bleibt dann selbst in dem Baum auf der anderen Seite hängen. Gegen 5:06 zerstört die erste Bahn die Sonde, die Trümmer werden zurück in Richtung Wiese geschleudert. Gegen 7:00 hat Patrick natürlich keinen Empfang. Sven kann am Morgen den Fallschirm aus dem Baum ziehen, aber am Ende der Schnur ist keine Sonde. Und weder Klaus noch Sven haben eine nennenswerte Chancen, die weißen Trümmer im Schnee zu erspähen.

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Samstag, 13. Januar 2024

Bot-Flopp

Die Schleswiger Nachtsonde vom Donnerstag, den 11.1.2024 landet in Curslack in den Vier-und Marschlanden. Hier ist das Gelände auf Meereshöhe und sogar darunter. Der Nerv-Bot von Radiosondy, der sinnloserweise im Meer landende Radiosonden automatisch als "VERLOREN" markiert und damit die Liste der Statusänderungen in Radiosondy vollmüllt, lässt sich mal wieder foppen...

 
Wie kann so ein Bot auch mit der Beherrschung der Kunst des Deichbaus durch die örtliche Bevölkerung rechnen? Auch schon meine vorherige Schleswiger Radiosonde wurde aus dem gleichen Grund vom Bot als Wasserlandung annotiert. Übrigens passiert das auch, wenn sich die letzte Position über einem Gewässer befindet - und sei es nur ein kleiner Tümpel.

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V0830086
Produktionsdatum: 2023-02-22
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 11.01.2024 00:00Z
Track
Radiosondy

Maximale Höhe:
31841m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.61m/s

Landegeschwindigkeit:
11.4m/s

Landestelle: Curslack,
LAT, LON: 
53.44122,10.22717, Google Maps

Status:
komplett geborgen am 13.1.2024,8
:40 UT.
Methode:
Extrapolation aus Radiosondy-Daten

Trotz gut zugänglicher Landstelle auf einer Weide wird die Sonde am Flugtag nicht geborgen. Am Nachmittag des Folgetages hätte ich es knapp noch bei Tageslicht schaffen können, aber nicht unter den Bedingungen des Bahnstreiks. 

So kann ich erst am Samstag Morgen aufbrechen. Die S-Bahn bringt mich nach Bergedorf, der Bus nach Curslack(Haltestelle Heinrich-Stubbe-Weg). Von da sind es nur etwas mehr als 500m zur Landestelle. 

Gestern hätte man noch auf einem hartgefrorenen Boden von der Straße zur Sonde gelangen können, heute ist nach einer warmen Nacht der Boden sehr matschig. Der direkte Weg ist durch Wassergräben versperrt. Man kann am Rande der Nachbarkoppel zu der Weide, auf der die Sonde vermutlich liegt, vorstoßen. Der Weg ist bereits sehr matschig. Gut, dass ich Gummistiefel im Rucksack habe. 

Auf der Weide fällt sofort der Fallschirm auf. Der hat sich so verschnürt, dass er sich nicht öffnen konnte. Das erklärt die Einschlaggeschwindigkeit von 11m/s. 



Nicht weit entfernt bemerke ich jetzt auch die Sonde. Wegen der geringen Windgeschwindigkeit am Boden hat sich die Schnur nicht gestrafft. 



Ich packe alles ein und stapfe zurück zur Straße. Dort werden die Schuhe gewechselt. An der Haltstelle angekommen, kommt auch schon der Bus für die Heimfahrt. 

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Mittwoch, 10. Januar 2024

Fährtensuche im Winter Wonderland

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V0550962
Produktionsdatum: 2023-02-03
Frequenz: 402.5 MHz
Timerkill:
keiner

Startstation:
Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 08.01.2024 00:00Z
Track
wettersonde.net/sondehob.org Mix

Maximale Höhe:
33146m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.65m/s

Landegeschwindigkeit:
2.2m/s

Landestelle: Holm,
LAT, LON:
53.63412,9.655674, Google Maps
Fundstelle: Holm, LAT,LON: 53.633917,9.655547, Google Maps

Status:
komplett geborgen am 9.1.2024,15
:02 UT.
Methode:
Extrapolation aus Sondehub-Daten
Besonderheit: Sonde wurde am Fallschirm durch den Schnee gezogen

Im Januar 2024 kommt es zu einer kompletten Wetterumstellung: Das warme Regenwetter, welches die Äcker massiv aufgeweicht und überschwemmt hat, weicht einer klirrend kalten Hochdrucklage. Die Äcker sind eingeschneit und hart gefroren. Die Radiosonden machen mal was anderes als heftige Strecke in den Osten! Die Schleswiger Sonde vom 8.1. landet nach einem Zickzackflug über Schleswig-Holstein zwischen Heist und Holm - nördlich von Wedel. Am 9.1. ist die Sonde noch nicht geborgen. Etwas Zeit ist am Nachmittag vorhanden.  Eine Radtour ist mir zu gefährlich, zumal natürlich die Wirtschaftswege komplett überfroren sind. Die Anreise muss mit S-Bahn, Bus und zu Fuß erfolgen, und zwar heute. Denn ab morgen ist das alles zu weselsky

Die Frage ist, wie man an die Landestelle herankommt und wo die überhaupt liegt. Das ist entscheidend, denn die Marsch wird von tiefen Gräben durchzogen und benachbarte Koppeln haben daher ganz unterschiedliche Zugangswege. Da die Sonde einen hervorragenden Fallschirm hatte und der Wind heftig blies, ist die Prediction recht unsicher. Glücklicherweise sehe ich, dass Sondhub die Sonde etwas tiefer herunter verfolgt hat. Auch bemerke ich, dass die Tawhiri-Prediction viel weiter zielt als die Extrapolationen. Das ist ein sicheres Zeichen, dass die Tawhiri-Prediction daneben liegt. Mit diesen Informationen kann ich die Landstelle ganz gut eingrenzen. Zu mehr als 80% liegt sie auf der Koppel, auf die der Wirtschaftsweg, der laut Open Streetmap Zippelhornweg heißt, zielt. Und da kann man ja mal nachgucken.

Alles ist extrem verschneit, und je weiter man kommt, umso winterlicher ist die Landschaft. 

 




Der Weg endet auf einer Marschwiese, die komplett überfroren ist. Natürlich ist es schwer, eine weiße Sonde mit weißem Schirm auf einem verschneiten Untergrund auszumachen. Immerhin hat es nach der Landung nicht mehr nennenswert geschneit. Die Koppel wird am Ende von Gräben eingegrenzt. Ich suche meine Koppel und die Nachbarfelder mit einem Fernglas ab. Zunächst kann ich nichts entdecken, aber dann sehe ich eine Schnur an einem Zaun drüben auf der Nachbarkoppel, direkt am Graben. Es sind Fallschirmleinen. Ein Graben versperrt den Zugang. Den Fallschirm kann ich von meiner Position nicht erkennen, aber da liegt der Abroller. Die Sonde sollte dann aber, setzt man eine 50m lange Schnur voraus, auf "meiner" Koppel liegen. Ja, und da erstreckt sie sich ja auch über den Graben. Die Sonde ist von Rauhreif überzuckert und dadurch sehr gut getarnt. Ich bin tatsächlich vorhin direkt daran vorbei gelaufen, ohne etwas zu bemerken.




Man sieht deutlich, dass der Fallschirm die Sonde über den Schnee gezogen hat. Allmählich wird der Sondenjäger zum Spurenleser. So sieht also die Fährte einer RS41 aus! 

Die Spur ist erstaunliche 25m lang, am anderen Ende kann man die ursprüngliche Landestelle der Sonde klar identifizieren

 






Ich ziehe an der Schnur und kann den Fallschirm am anderen Ende frei bekommen und über den Acker, zwei Zäune und einen Graben auf meine Seite des Nils befördern. 




Mit der Sonde im Rucksack stapfe ich bei Sonnenuntergang zurück.



Von der Bushaltestelle "Holm Hörnstraße" geht es problemlos über Wedel heimwärts.

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Sonntag, 31. Dezember 2023

Matschackerbergung am letzten Tag des Jahres

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V2410781
Produktionsdatum: 2023-06-12
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum:
19.12.2023 00:00Z
Track
wettersonde
Maximale Höhe:
28281m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 5.37m/s
Landegeschwindigkeit:
5.9m/s
Landestelle: Pogeez bei Ratzeburg
LAT, LON: 
53.74625,10.70944, Google Maps
Status:
  Geborgen am 31.12.2023, 13:55UT
Methode: Extrapolation nach wettersonde.net-Daten

Weihnachtshochwasser 2023. Auch wo es keine Flüsse gibt, die über die Ufer treten, stehen Äcker unter Wasse, und alle Böden sind völlig durchweicht. Das erschwert die Suche nach Radiosonden. Ansonsten leicht erreichbare Landestellen werden unerreichbar, und Radiosondensuchen scheitern schon im Ansatz wegen der allgemeinen Abschreckung. In Schmalenbeck angekommen, stelle ich fest, dass der Keller zu überschwemmen droht. Ich finde den Fehler in der Pumpe -  gerade noch rechtzeitig! Am Sylvestertag mache ich mich auf den Weg zu einer Radiosonde, die am 19.12.2023 am Ratzeburger See gelandet ist. Die Landestelle ist ein Acker. Frage ist, ob man den überhaupt betreten kann, ohne wie im Sumpf zu versinken.

Ich parke das Auto ca. 1km von der Landestelle entfernt. Zu erwarten ist, dass die Sonde auf dem Acker liegt und der Fallschirm relativ nahe am Weg heruntergekommen ist. Ich kletter auf den durchgeweichten und daher rutschigen Knickwall und sehe sofort die Sonde auf dem Acker liegen. Und zwar unerwartet dicht am Knick! Sie ist bei dem windigen Wetter weiter geflogen als vorhergesagt.


Der Acker ist zwar völlig nass, aber sehr lehmig. Und daher ist der Untergrund recht fest und mit Gummistiefeln gut begehbar. 



Die Schnur ist mehrfach zerrissen. Ich kann das meiste bergen. Da ich mit einer Baumbergesituation nicht gerechnet habe, habe ich keine Stange dabei und kann da nichts probieren.


Auf dem Rückweg sehe ich erneut bei T3350325 vorbei, einer Radiosonde, die seit 2022 direkt an der Straße im Baum hängt. Viel Chancen sehe ich nicht, weil sie noch Ende Oktober noch oben war. Ist sie auch heute noch. Bei Dunkelheitseinbruch komme ich nach meiner letzten Sondenbergung 2023 in Schmalenbeck an.

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Samstag, 23. Dezember 2023

Bei Schmuddelwetter in den Rülauer Forst

Am 18.12.2023 landete die Nacht-Norderney-Sonde im Rülauer Forst. Das ist ein bekannter Sondenmagnet! Sie verfehlte wie üblich knapp DIE Starkstromleitung. Bei dem Sturmwetter hatte niemand Lust auf Waldbergungen. Angesichts der Tatsache, dass 3km weiter südlich ein bekannter Baumlander abhängt, wartete ich die Tage auf besseres Wetter.  Am 23.12. war der Sturm vorübergehend abgeklungen. Am Morgen regnete es Bindfäden und Graupelkörner. Am frühen Nachmittag sah es danach aus, dass die Niederschläge abflauen. So beschloss ich eine spontane Faltradaktion nach Schwarzenbek. Erstaunlicherweise lag noch Schnee, der aber rasch abtaute.  Dafür regnete es noch, als ich vom Bahnhof Schwarzenbek südwärts radelte. 2023 ist in unserer Gegend vielerorts das nasseste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, und der Dezember hat noch deutlich draufgelegt. Auf den den Äckern steht das Wasser, und überall gluckert das Wasser laut hörbar durch die Gräben. Auch der Waldweg hat Richtung Sonde hat sich in ein munteres Bächlein verwandelt. Da vorne stehen schon die Masten DER Stromleitung. Die Landeposition sollte rechts vom Weg liegen. Der Graben ist natürlich mit Wasser gefüllt. 100m entfernt entdecke ich den einzigen passierbaren Übergang. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
V2431548
Produktionsdatum: 2023-06-14
Frequenz: 404.1 MHz
Timerkill:
keiner
Startstation:
Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum:
18.12.2023 00:00Z
Track
wettersonde
Maximale Höhe:
310165m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit
: 4.95m/s
Landegeschwindigkeit:
9.5m/s
Landestelle: Rülauer Forst
LAT, LON:
53.47917,10.51859, Google Maps
Status:
  Geborgen am 23.12.2023, 13:55UT
Methode: Extrapolation nach wettersonde.net-Daten

Nach einiger Suche entdecke ich die Sonde in 7-8m Höhe nur 3-4 Meter von der Tawhiri-Prediction entfernt. 

 




 

Ich belasse sie zunächst dort und mache mich auf die Jagd nach Ballonrest und Fallschirm. Angesichts der bekannten Flugrichtung ist das nicht allzu schwer. Ich sehe eine Schnur vom Baum hängen, und unten liegen arg verknotet ein großer Ballonrest und der Fallschirm am Boden. 


 

Ich entferne die Last, in der Hoffnung, dass auf der anderen Seite die Sonde herunterkommt. Die Schnur bewegt sich einen Meter nach oben...das war es. Ganz offensichtlich ist zu viel Reibung im System. Ich gehe zurück zum Rad, hole die Stange und versuche es an der Sonde mit der Schnur-Hakentechnik. Erst entferne ich mit der Stange ein paar lose Äste, die der Sturm losgerissen hat. Es gelingt ohne Probleme die Sonde einzuhaken. Aber beim Zug an der Schnur ist der Widerstand beträchtlich. Beim beherzten Zerren löst sich oben der Haken - der Knoten hat nicht gehalten. Das ist mir noch nie passiert, aber mit meinen Knotenkünsten ist es nicht weit her. Der Haken hängt jetzt oben an der Sonde, und die Schnur habe ich in der Hand! Ich erwäge zunächst, einen Stock an die Stange zu tapen und damit einen Ersatzhaken zu improvisieren. Dann entscheide ich mich dann aber lieber zum Einsatz meines rasierklingenbasierten Schneidewerkzeugs, dessen Einsatz ich nach Möglichkeit vermeide. Es funktioniert aber prima. Die Sonde ist geborgen, und natürlich habe ich auch den Haken zurück. 

 




Ich mache mich auf, zurück Richtung Schirm. Die Schnur kann ich dort wieder ergreifen. Vielleicht kann ich sie von hier aus ganz herausziehen? Nein! Sie ist extrem fest in den Ästen verknotet, wohl aufgrund der Stürme. Leider reißt sie nur einen Meter hoch durch und springt dabei wie eine Feder nach oben. Danach kann ich das Schnurende nicht mehr sehen. So habe ich zwar Sonde, Ballonrest und Schirm, aber nur geringe Teile der Schnur bergen können. Was mich aus Umweltschutzgründen etwas nervt.

Zurück geht es den Waldweg entlang zur Straße. Nach wie vor regnet es, ein kaltes, aber permanentes Nieseln. Auf nach Wangelau! Dort hängt im Wald Bornholz seit März eine Sonde aus Schleswig im Baum, U2420246. Axel konnte am Tag nach dem Flug den Schirm in 30m Höhe lokalisieren, ich die Sonde im April 20m hoch in einer Lärche. Im August habe ich die Sonde nachkontrolliert - sie hing immer noch am Baum. Aufgrund der heftigen Stürme mache ich mir heute starke Haffnungen. Das letzte Stück des inzwischen vertrauten Feldweges zum Wald ist derart matschig, dass ich schieben muss. Auch schwindet langsam das Tageslicht. Das Rad kann ich nicht mit in den Wald nehmen, es wird an das Eingangsschild gekettet. Die matschige Stelle an der Überführung am Waldeingang über den Graben befindet sich direkt an DER Starkstromleitung, die heute nicht nur summt, sondern laut vor sich hin britzelt. Es ist dort auch sonst schon gerne sehr nass. Heute kann ich den Übergang gerade so passieren. Auch der weitere Weg in den Wald ist an einigen Stellen extrem matschig, und über den Graben, der den Wald vom Weg trennt, kommt man kaum herüber. Zu allem Überfluss kann ich zwar meine Markierung unter dem Baum wiederfinden, aber da liegt keine Sonde am Boden. Ich kann sie immerhin oben im Dämmerlicht im Baum pendeln sehen. Ich mache mich auf dem mühsamen Weg zurück zum Rad, hier kann man noch nichts machen. 

Da die stark befahrene B209 zurück nach Schwarzenbek über weite Abschnitte keinen Radweg aufweist, entscheide ich mich für den kürzeren und angenehmeren Weg nach Büchen. Jetzt, wo alle Klamotten klamm und nass sind, hört es tatsächlich auf zu regnen. Es ist schon Nacht. Der Mond schimmert dumpf durch die Wolken. Leider ist es chancenlos noch den Zug in Büchen zu erwischen. Also kann ich gemütlich durch die Nacht fahren. Ich muss mehr als eine Stunde auf dem kalten und windigen Bahnhof warten. Seit Wochen sind die Züge von und nach Schwerin wegen ihrer 49-Euro-Eignung und der Anbindung nach Berlin krass überfüllt, und ich befürchte am Tag vor Heiligabend Schlimmes. Aber nein, es ist die erste wirklich entspannte Fahrt auf der Strecke seit langem. Ich kann sogar mit den Sitzen experimentieren und eine neue Methode zur Unterbringung des Faltrades in Regionalbahnen testen. 


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Montag, 18. Dezember 2023

Unerwartete Kaltsonde in Uelzen

Im Dezember kann und sollte man sich den Sonden widmen, die man im Sommer im dichten Laubdach vergeblich gesucht hat. Die Bergener Mittagssonde vom 23.6.2023 ist so ein Kandidat:  Am 22.7. schrieb ich in diesem Blog: "Ich fahre noch zur Landestelle von T3020146. Ein Urwald, und leider nichts in der Nähe der Extrapolationslösung  zu entdecken. Vielleicht geht da was nach dem Laubfall."

Urwald klingt noch zu niedlich. Ich hatte mein Faltrad am Eingang des Waldes an eine Birke gekettet und versuchte, Richtung Landestelle vorzustoßen. Ich scheiterte nach wenigen Metern. Gestrüpp und umgekippte Bäume verhinderten jeden Zugang. Ich bin dann um den Wald herumgelaufen und fand dort einen etwas direkteren und kürzeren Zugang. Allerdings war das Gelände hier ähnlich abweisend. Man musste höllisch aufpassen, wollte man mit intakten Extremitäten  das Mikadospiel der umgestürzten Baumleichen durchstreifen. Die Suche war anstrengend, aber erfolglos.

Am 3. Advent 2023 ist eine Nachsuche denkbar und möglich. Schnee und Glätte sind verschwunden, es ist schönes warmes, wenn auch windiges Wetter. Ich bin etwas spät dran, so dass ich über eine kurze Tour nachdenke. Vom Hundertwasserbahnhof Uelzen sind es nur 6km. Gibt es in der Gegend noch andere relevante Ziele? Ich checke auf der  Infoseite von Wettersonde.net die Rubrik "Landepunkte 2023". Dort fällt sofort eine Bergener Sonde T3020127 vom 4.7.2023 auf, deren letzte Position in einem Wald im Norden von Uelzen lag, nur wenige Meter von der angdachten Radroute. Im Juli bin ich da direkt vorbeigeradelt. Wie kann es sein, dass ich das damals ignoriert habe? Ich gucke mir die Sache in wettersonde.net, sondehub und radiosondy an. Wettersonde.net hatte an dem Tag keine Tawhiriprediction hinbekommen. Sondehub hatte eine, aber aus 960m Höhe. Diese Landestelle liegt auf den Gleisen hinter dem Wald. Ich erinnere mich, das damals gesehen zu haben und die Sonde in die Rubrik "forgetaboutit" abgelegt zu haben, also habe ich es nicht einmal auf dem Handy abgespeichert.  Aber ist die Sondehub-Prediction überhaupt realistisch? Der Fallschirm hatte weitgehend versagt, kann das Ding wirklich so weit geflogen sein?

Radiosondy hat ja auch eine Tawhiri-Prediction, aber Daten bis in 426m Höhe.  Der Haken dabei: Die Radiosondy-Prediction ist bekanntlich fehlerhaft. Zwar stimmt die grobe Richtung, aber sie zielt wegen eines Fehlers in der Höhenberechnung immer viel zu weit. Die Radiosondy-Position liegt nicht bei den Gleisen, sondern mitten im Wald, auf der anderen Seite des Baches, der den Wald durchfließt. Im richtigen Leben dürfte die Sonde auf der leichter erreichbaren Seite des Nils liegen. Ich rechne rasch eine Extrapolation, die das bestätigt. Da meistens eine stumpfe Extrapolation aus großer Höhe immer noch zu weit zielt, mache ich noch eine, die nur 75% der errechneten Strecke annimmt. Das ist ein Erfahrungswert, denn der Wind weht in geringer Höhe meist schwächer als weiter oben. Danach befindet sich die Sonde etwas nordöstlich des den Stadtwald durchziehenden Wanderwegs und ist somit ein unerwartet aussichtsreiches Ziel. Mich wundert vor allem das Fehlen einer Bergungsmeldung. 

Schnell noch 7 bar in die Reifen des Faltrads gepumpt, und ab geht es zum Hauptbahnhof. Von dort bringt mich der Metronom nach Uelzen zum Hundertwasser-Bahnhof. Zur Sonde im Stadtwald ist es nicht weit. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
T3020127
Produktionsdatum: 2021-07-27
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 1.7.2023 12:00Z
Track wettersonde
Maximale Höhe: 35415m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.1 m/s 
Landegeschwindigkeit: 11.2 m/s
Landestelle:Uelzen,
LAT, LON:
52.97860,10.54793 Google Maps
Status:
Geborgen am 17.12.2023 12:36UT
Methode: Extrapolation nach wettersonde.net-Daten.Stangenbergung von Sonde (3m hoch) und Fallschirm (12m hoch)

Vorbei an einem Kriegerdenkmal geht es in den Wald. Die letzten Meter schiebe ich das Rad, denn man sollte bei 16" Rädern immer schön nach vorne gucken und nicht in die Umgebung. OMG! Es ist unfassbar: Da vorne, nur  25m vom Weg, hängt komplett unübersehbar eine RS41 am Baum, keine 3m über dem Boden!

Ich vergesse leider, das Setting zu fotografieren. Es ist fast lächerlich, für diese Bergung die 14m-Stange zu benutzen, ein beherzter Sprung könnte es auch richten. Der Fallschirm hängt in 11m Höhe an einem Nachbarbaum. Dies ist etwas anspruchsvoller, aber auch problemlos lösbar. 


 

Also Sachen einpacken, 5km radeln und dann ab in den Urwald. Da die Vegetation weitgehend abgestorben ist und ich den Weg ja bereits kenne, ist der Zugang viel einfacher. 

Sondentyp: RS41-SGP
SN:
 
T3020146
Produktionsdatum: 2021-07-27
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5 Stunden
Startstation:
Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 23.6.2023 15:20Z
Track wettersonde
Maximale Höhe: 34712m
Durchschnittliche Aufstiegsgeschwindigkeit: 5.33 m/s 
Landegeschwindigkeit: 10.7 m/s
Landestelle:Emmendorf bei Uelzen,
LAT, LON:
53.01604,10.54642 Google Maps
Status:
Geborgen am 17.12.2023 12:36UT
Methode: Extrapolation nach wettersonde.net-Daten.Stangenbergung von Sonde (9m hoch). Fallschirm (14m hoch) konnte wegen einbrechender Dunkelheit nicht geborgen werden

Die umgestürzten Bäume sind wegen der reduzierten Vegetation erheblich besser sichtbar. Wieder stehe ich bei meiner 75%-Prediction. Da ist nichts. Ich laufe mehrfach zwischen der Prediction und dem Waldrand die ganze putative Flugroute ab. Meter für Meter - ohne jeden Erfolg. Ich inspiziere die Wipfel der Bäume mit dem Fernglas - nichts. Liegen Trümmer auf dem Boden? Wildschweine gibt es hier eindeutig. Um die Landestelle von eben lagen Latexstreifen herum - hier aber nicht. Völlig übersichtlich ist der laubfreie Urwald nicht, aber kein Vergleich mit den Zuständen im Juli. Aber wo ist die Sonde? Die Sonne geht unter. Man sieht kaum noch etwas. Nach mehr als einer Stunde Suche ist es an der Zeit aufzugeben. 

Ich verlasse den Wald, gehe ein paar Meter Richtung Weg. Ich blicke aus einem Impuls noch einmal in die fragliche Richtung. Da blinkt ein weißes Licht in einem der Bäume da hinten. Das Fernglas bestätigt den Verdacht: Das ist eine wild im Wind rotierende RS41. Uff!

Ich gehe in die fragliche Richtung - und verliere sofort Sichtkontakt zur Sonde! Noch mal zurück und die Stelle anhand der Ausrichtung einer der Baumleichen gemerkt. Wieder ist aus der Nähe nichts zu sehen. Ich greife zum Fernglas. Damit finde ich sofort zwar nicht die Sonde, aber Fallschirm und Ballonrest. Da vorne baumelt auch die Sonde, in bequemer Stangenberungshöhe. Gegen den dunkelgrauen Himmel hebt sie sich kaum ab. Tatsächlich zeigt mein GPS-Track, dass ich vorhin nur 8 Meter an der Position vorbeigelaufen bin und nichts bemerkt habe!



Es ist eben schon recht düster. Immerhin ist kein Astmikado nötig, denn zwischen mir und der Sonde ist nur Luft. Die Stange biegt sich erratisch in der steifen Brise. Ich kann die Sonde im dritten Versuch einhaken und zu Boden befördern. 


 

Ich nehme Maß, ob die Stange für eine Fallschirmbergung reicht. Der Schirm klebt in geschätzten 13-14m Höhe am Stamm des Nachbarbaums. Tatsächlich kann ich mit dem Haken Latexfetzen des Ballonrests abreißen. Es wird aber immer dunkler. Die Schnüre des Fallschirms sind nicht mehr erkennbar, blindes Stochern bringt nichts. Das Manövrieren der Stange wird immer schwieriger, denn sie biegt sich gewaltig im Wind. Ich gebe es auf und verlasse den Wald. Am Rad angekommen ist es Nacht.

Zurück schiebt mich ein starker Wind nach Uelzen. Jupiter und ein zunehmender Mond schmücken einen leicht diesigen Himmel. 

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