Donnerstag, 22. November 2018

Das Gestrüpp gleich an der Straße

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N3930263
Frequenz: 402.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Sasel (WMOID: 10141)
Flugdatum: 22.11.2018 12:00Z
Track Polen (radiosondy.info)
Landestelle Nütze bei Kaltenkirchen, LAT LON: 53.85650, 9.92103  Google Maps
Funddatum 22.11.2018, 17Z
Gefunden nach GPS-Decodierung am Boden

Am Mittag des 22.11.2018 flogen aus dem Hamburger Raum zwei Radiosonden. Die eine, P4010209, flog aus Pinneberg nach Hohenesch nördlich von Itzehoe - für mich etwas zu weit. Die andere kriegte ich nur nach der Landung mit - die flog aus Sasel in den Raum Kaltenkirchen. Auf der Bremer Seite endete der Empfang in 1119m Höhe im Raum Kaltenkirchen. Bernds (DL1XH) Sondenempfang per Raspberry für radiosondy.info war natürlich mal wieder die Rettung - er hatte die Sonde bis 308m.  Danke für die schönen Daten! Die schnell gemachte Tawhiri-Prediction sah die Landestelle in einem Gestrüpp zwischen einer Straße, dem Gelände eines Recyclinghofs und ein paar Häusern bei Nützen.

Ich konnte berufsbedingt nicht sofort starten und versprühte ein paar Whatsapps an die üblichen Verdächtigen. André, der nicht weit enfernt weg wohnt, hatte keine Zeit. Bernd war hinter der Pinneberger Sonde her und war dabei sogar sehr erfolgreich.

Da sonst keiner fuhr, habe ich mich auf den Weg gemacht. Die Landestelle war nur einen Kilometer von der AKN-Station Nütze entfernt und leicht zu Fuß erreichbar. Das Gelände an sich sah auf Googlemaps nicht gerade einladend aus.  Eine Stange war dabei, und natürlich eine superhelle Taschenlampe und Empfangsequipment. Denn es war stockdunkel.

Ein Empfangsversuch aus 200m Entfernung war erfolgreich. Nach den gesendeten Höhen befand sich die Sonde 10 Meter über der von Locus angezeigten Geländehöhe. Baumlander? Hmmm. Nur 20m von  erwarteten Position, aber mehr in Richtung Straße, auch nur 20m vom Straßenrand. Vielleicht ging da ja doch was?

Die 20 Meter hatten es aber in sich. Mich erwartete ein waldartiges Gestrüpp mit hohen Bäumen, Brombeeren, Schlehen - alles was Dornen hat. Das ganze auf einem steilen Erdwall, der das kiesgrubenartige Recycling-Firmengelände von der Straße abgrenzte. Eine Machete oder zumindest eine stabile Rosenschere würde hier helfen. Es ging steil aufwärts. Das fand ich eigentlich ganz gut, weil man so der Sonde auch in vertikaler Richtung näher kommen würde. Aber wo war die Sonde? Ich musste eine ganze Weile herumleuchten, bis sie plötzlich einige Meter aufwärts vor mir auf dem Boden lag. Wie sie da hinkommen konnte, war angesichts der Vegetation über ihr ziemlich rätselhaft.  Aber beschweren konnte ich mich wirklich nicht. Wieder zuück zum 5 Meter tiefer deponierten Rucksack (die Stange verhakte sich immer zwischen den Zweigen), den Seitenschneider holen.



Kommt man an die Schnur heran? Sie ging senkrecht nach oben und verlor sich dann in den Bäumen. Aber wie ging sie weiter? Es dauerte eine Weile, bis ich die Fortsetzung am Himmel im Lampenschein aufblitzen sah. Es ging weiter hoch, auf ein weniger bewachsenes Plateau und dann in einem niedrigeren Baum, der auf einem weiteren recht instabilen Erdwall wuchs. Von oben hatte man einen Blick auf das Firmengelände unter einem - die Beleuchtung ist ein klarer Fall für die Dark-Sky-Fachgruppe der VdS. Ich hatte an diesem Standort keine Lust auf eine Stangenbergung.

Also wieder zurück zur Sonde. Die wurde erst einmal abgeschnitten. Die Schnur konnte man nach anfänglichem Widerstand erstaunlich gut einholen. Irgendwann raschelte es oben auf dem Erdwall, und die Taschenlampe zeigte den Fallschirm, wie er über dem oberen Erdwall auf einen Baum segelte, der auf dem Plateu stand. Mir ist relativ unklar, warum der Fallschirm bei der Landung so schlecht funktioniert hatte, er machte einen relativ intakten Eindruck.




Also wieder raufklettern. Der kleine Ballonrest mit dem Automatenstartventil hing jetzt in Griffhöhe, und so konnte ich beides bergen. Ob man von oben die Schnur auf den Abwickler aufrollen kann? Natürlich nicht. Die Schnur klemmte nach ein paar Metern. Also abschneiden, alles einsacken, und runter zur Sonde und zum Rucksack.

Anders herum ließ sich die verbleibende Schnur mysteriöserweise ganz leicht komplett einrollen. Die Widerhaken waren Dornenzweige, die in der Schnur hingen und einzeln operativ entfernt oder einfach mit auf die Vaisala-Spule aufgerollt wurden.

Alles eingesackt und vorsichtig, den Rucksack in der Hand den Hang heruntergeklettert. Bester Laune. Immerhin war das gesamte Gespann aus der Umwelt entfernt - woran ich schon nicht mehr geglaubt hatte. Wanderschuhe wären hier vorteilhaft gewesen.

Unten ein Blick auf die Uhr. Es war reichlich Zeit für die Wanderung zurück zum Bahnhof. Auf dem Weg ist Zeit zum Nachdenken. WAS WAR DENN DAS GERADE EBEN? Wirklich alles war anders als  erwartet: Dicht an der Prediction, dicht an der Straße, trotzdem schwer erreichbar. Hoch über dem Terrain, aber trotzdem nicht im Baum. Schnur in dichtem Gestrüpp, aber Gespann trotzdem  relativ problemlos zu bergen.

Die AKN fährt zwar in die Pampa, aber auf jeder Station hat es schnelles WLAN. Unterwegs an den Stationen gab es immer für eine Minute Netzzugriff. Die Dokumentation auf der Sondenliste usw. war weitgehend fertig, als ich Altona erreichte. Auch verging die Zeit dadurch wie im Fluge.





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Samstag, 17. November 2018

Der Service war der Hammah


Sondentyp: RS41-SGP
SN: P3310594
Frequenz: 404.5 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Meppen (WMOID: 10304)
Flugdatum: 12.11.2018 6:00Z
Track Bremen 
Landestelle Hammah, LAT LON: 53.61661, 9.391236 Google Maps
Funddatum 17.11.2018, 14Z
Gefunden nach Bremer Prediction

In der Woche vom 10.-17.11. war meine Sondenjagd ziemlich erfolglos. Am 13.11. flog die Mittagssonde aus Meppen, N1720844,  nach Tespe. Ich konnte den Flug bis 86m über Grund verfolgen. Ca. 2 Stunden nach der Landung war ich da. Im Schein der Taschenlampe lag da nichts, und es gab auch keinen Empfang. Zwei Tage später dümpelte die Saseler Sonde  N3930138  nach Bullenhausen. Dieses Mal konnte ich die Sonde bis in eine Höhe von 56m - das sind 16 Meter über dem Boden - verfolgen und hatte daher eine sehr genaue Landeposition. Ich war sehr schnell vor Ort - aber auch da lag und sendete wieder nichts. Trieb da Mr. RUSH (Rapid unidentified Sonde Hunter) sein Unwesen? Oder waren beide Male Spaziergänger oder Bauern schneller? In den üblichen Foren haben sich die Finder jedenfalls nicht geoutet, und aus der üblichen Radiosondenszene im Raum Hamburg war's keiner. Auch häufen sich bei mir solche Ereignisse in der Gegend Bütlingen, Rönne, Tespe.

Es gab noch zwei weitere Meppener Sonden, die in die Hamburger Region geflogen waren. Da war zunächst P3310594, die am Morgen des 12.11.2018 bei Hammah gelandet war. Ich habe sie nicht selbst empfangen, aber auf der Bremer Seite eine Prediction ausgelöst. Sie hatten die Sonde bis 200m Höhe verfolgt. Am Tag darauf landete N1740353  nördlich von Harsefeld. Ich beschloss, am 17.11. den sonnigen Samstag für eine Kaltsondenjagd zu nutzen.

Der  Sonde bei Harsefeld gab ich mehr Chancen, da sie im Wald gelandet war.  Allerdings hatte sie einen sehr guten Fallschirm, und daher war die Vorhersage nicht so genau. Vom Bahnhof aus radelte ich die relativ kurze Strecke bis zur Landestelle. Der Wald war dicht und die Bäume unerwartet sehr hoch. Ich habe das Gelände ca. eine Stunde lang durchstreift und eigehend inspiziert und nichts gefunden.

Dann ging es weiter nach Horneburg.Hier konnte ich wieder in einen Zug einsteigen, der mich über Stade nach Hammah zu bringen. In der Gegend habe ich schon mehrfach sehr schöne Kaltsondenjagden durchgeführt. Dieses Mal war mein Optimismus begrenzt. Erstens war die Landung einen Tag länger her, und zweitens befand sich die Landestelle einer Koppel direkt an einem landwirtschaftlichen Fahrweg. Sicher eine der zentralen Spaziergängerrouten von Hammah. Im Rahmen der üblichen Ungenauigkeiten der Vorhersagen konnte sie auch sehr gut AUF dem Fahrweg liegen oder in den Knicks, die den Fahrweg auf beiden Seiten säumten, hängen.

Meine ersten Eindrücke schienen die Befürchtungen zu bestätigen. Der Weg war exzellent mit dem Rad befahrbar, und außer mir waren diverse Jogger und Spaziergänger mit und ohne Hund unterwegs. Auf dem Prediction-Acker (einem abgeernteten Maisfeld) lag nichts. Aber auf der Gegenseite sah ich plötzlich den unverkennbaren großen Bundeswehrschirm und einen recht großen Ballonrest. Ich dachte zunächst, dass der Schirm den Weg überquert hatte. Dann müsste die Sonde sehr genau auf der Prediction liegen oder im anderen Knick hängen. Ein Blick Richtung Himmel und in die Bäume - keine Schnur. Hmmm. Aber es gab ja direkt neben dem Schirm einen Aufgang auf die Wiese. Erstmal den Schirm inspizieren!

Aber was war das? Die Schnur war aufgewickelt, ein kurzes Stück hing im Knick. Diverse Meter Schnur fehlten. Die Sonde hatte jemand abgeschnitten und direkt neben den Ballonrest gelegt. Dieser Sondenfinder hatte das Tape von der Sonde gegniddelt und den kleinen Kunstoffumschlag von der Sonde gelöst. Auch er lag leer direkt daneben. Offenbar hatte der Finder vielleicht ein paar Dutzend Meter Schnur und auf jeden Fall den Begleitbrief mitgenommen. Da sage mal einer, dass den Begleitbrief eh niemand beachtet.



Diese Dienstleistung für den vorbeikommenden Sondenjäger ist doch der HAMMAH. Hier wird sofort alles sauber abgeborgen und einpackfertig bereitgestellt! Dank an den unbekannten Finder. Was will man mehr nach den eher enttäuschenden Erlebnissen der letzten Zeit? Vor allem konnte ich rasch in die Pedale treten und ganz locker den nächsten Zug in Hammah erreichen und den Heimweg antreten. Auf dem Heimweg kam ich an einem eindrucksvollen Antennenaufbau vorbei. Hier wohnt ein Funkamateur. Ob der vielleicht....






Meppen beschriftet ja die Sonde mit Datum und Startzeit. Interessant ist, dass das diemal nicht mit wasserfestem Marker erfolgte, sondern einfach in das weiche Styroporgehäuse des neuen Sondentyps eingeritzt wurde.


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Mittwoch, 7. November 2018

Im Dunkeln nach Grünhof

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0330126
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: keiner
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 07.11.2018 00Z
Track  Radiosondy.info   eigene Daten
Landestelle Grünhof bei Geesthacht, LAT LON: 53.42686, 10.43172 Google Maps
Funddatum 07.11.2018, 05Z
Gefunden durch Sonden-GPS-Dekodierung vor Ort

Am 7.11.2018 weckte mich das zu dicht am Bett deponierte Handy mit einer wettersond.de Alarmmeldung.  Bergener Mitternachtssonde im Anflug. Das letzte Stück des Tracks ließ sich vom Balkon aus mitschneiden. Eine Prediction sah die Sonde bei Grünhof, östlich von Geesthacht, auf freiem Feld. Die Teleskopstange blieb zuhause, das Rad auch, denn die Landestelle konnte man zu Fuß erreichen. Die Gegend kannte ich, weil ich dort in meiner Anfängerzeit eine im Baum gelandete RS92 vergeblich zu erpeilen versucht hatte. Später konnte ich die Daten mit Zilog dekodieren, aber die Sonde im Wald bei einer Nachsuche trotzdem nicht finden.

Also brachte mich der Nachtbus nach Bergedorf und der erste reguläre Bus weiter  zur Busstation Grünhof-Hasselkamp. Im Dunkeln und bei Nebel ging es zu Fuß an der damaligen Landestelle vorbei, dann durch einen Wald, und zum Schluß auf den Rand eines freien Feldes, auf dem die Sonde gelandet war. Ein schneller Empfang ergab eine Position unweit der Prediction. Auf dem Weg zur Landestelle ging ich an einem kaum bewachsenen, flachen Knickwall entlang, der ein Wintergetreidefeld von einer Wiese trennte. Der Wall ging recht genau Richtung Landstelle. Direkt vor mir leuchtete plötzlich im Schein der Lampe eine Schnur auf.

Ab dem Punkt war alles einfach. Aufgrund der Flugrichtung musste der Schirm ja wohl auf der Wiese liegen und die Sonde ein paar Meter auf dem Getreidefeld. Was sich dann bewahrheitete.



Auf dem Rückweg hörte ich mehrfach auf dem Feld in einiger Entfernung ein merkwürdiges Grunzgeräusch, konnte aber im Schein der Lampe kein Wildschwein entdecken. Auf dem Rückweg habe ich noch an der alten Landestelle nachgeguckt, die nicht weit vom Weg lag - direkt da, wo die Hochspannungsleitungen die Straße überqueren. Es wäre ja zu schön gewesen, da noch mal schnell eine vom Baum gefallene RS92 zu finden. Aber ich hatte kein Glück, und die damaligen  Koordinaten nicht dabei. Meine Erinnerung von 2016 war leider nicht mehr frisch. 

Der Bus brachte mich nach Bergedorf, überfüllte Pendler-S-Bahnen nach Hause. Dann ein schnelles Frühstück und ab zur Arbeit.




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Sonntag, 4. November 2018

Komplett unerwartete Begegnung an der Landestelle

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N4220065
Frequenz: 402.50 MHz
Startstation: Schleswig (WMOID:10035)
Flugdatum: 03.11.2018 6Z
Track  Polen (radiosondy.info;  DL1XH)   (eigene Daten enden höher)
Landestelle  Bad Oldesloe, LAT LON:53.795730, 10.359460  Google maps
Funddatum 03.11.2018, 09:00Z
Gefunden durch Sonden-GPS der gelandeten Sonde

Die Sonde N4220065 war die Morgensonde aus Schleswig. Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass sie in meine Nähe kommen würde. Umso erstaunter war ich beim morgendlichen Blick auf wetterson.de. Die Sonde befand sich im Landeanflug auf Bad Oldesloe.

Ich hatte an dem Tag vor, meiner Mutter (90) mit ein paar Dingen im Haushalt zur Hand zu gehen und wollte daher nach Schmalenbeck fahren. Das liegt, von meinem Wohnort aus gesehen, auf dem Weg nach Bad Oldesloe. Also wäre es möglich gewesen, die Sonde einzusammeln und dann nach Schmalenbeck zu fahren.

Bernd, ein relativ neuer, sehr aktiver Radiosondenjäger, wohnt nur wenige Kilometer von der Landestelle entfernt. Er hat dort und auch an einem anderen Standort Raspberry-Pie- basierte Empfangsstationen, die Daten auf die polnische Seite liefern. Diese Stationen schließen ein Loch in der Abdeckung der Internetdaten in Schleswig Holstein. Das wurde heute wieder deutlich: Die Bremer Seite verlor die Sonde in 1014 Metern Höhe.  Ich selber konnte von meinem Balkon die Sonde bis in 231m Höhe verfolgen, er konnte sie noch in 89m Höhe empfangen. Ich schnappte mir also seine letzten Positionen und rechnete damit rasch eine Tawhiri-Prediction. Danach befand sich an der Landestelle ein kleines Wäldchen und in demselben ein kleiner Tümpel. Die Sonde sollte am Ostrand des Tümpels im Gestrüpp liegen. Die polnische Seite selber macht auch eine Prediction, und die lag viel weiter flugbahnabwärts auf der Wiese neben dem Wäldchen. Die Diskrepanz ist erstaunlich, weil doch beide Vorhersagen auf der gleichen Endposition basierten.

Bernd, der Mann auf der Pole Position, und auch Jürgen, der  ebenfalls nicht weit von Bad Oldesloe wohnt,  erhielten per Whatsapp meine Prediction Und auch die Anfrage, ob sie was planen, ob man sich unter der Sonde treffen wollte oder ob sie die Sonde vielleicht schon vor meiner Abfahrt eingesackt haben könnten. Bernd morste zurück, dass er dieses Wochenende an der Westküste sei und leider selber nichts unternehmen könne. Also war der Plan: Nach Oldesloe, von  dort aus mit dem Rad zur Landestelle, die direkt an der Straße lag. Dann zurück zum Bahnhof, mit dem Zug nach Ahrensburg, und von da aus wieder  per Rad 6km zu meiner Mutter.

Teil 1 und 2 des Plans liefen auch ungefähr so ab. Von der Straße aus war der Tümpel prima zu sehen, aber weder in den Bäumen noch am Teichufer war auf den ersten Blick etwas zu auszumachen. Allerdings blendete in der Richtung die niedrig stehende Sonne enorm. Also nicht lang gefackelt: Rechner aus dem Rucksack, alles zusammengestöpselt und gelauscht. Das Signal war klar und deutlich. Nach der GPS-Position schwamm die Sonde direkt am Nordostufer im Tümpel, ca. 30m von der Prediction entfernt. Und tatsächlich konnte man sie jetzt bei genauem Hinsehen erkennen.



Auf dem Weg durchs Gestrüpp und durch ein Mikado aus umgestürzten Bäumen um den Teich herum stolperte ich dann über den Schirm und den großen Ballonrest.

Die Schnur verlief senkrecht nach oben, dann über zwei hohe Bäume und endete, senkrecht von oben kommend,  bei der Sonde, die mit dem Sensorarm nach unten im Wasser schwamm. Die Sonde befand sich unweit des Ufers, aber die Schnur war außer Griffweite.











Während ich mit der Stange die Schnur ans Ufer zog, sah ich auf dem Radweg der nahen Straße zwei Gestalten. Die hatte ich schon vorher kurz bemerkt, jetzt war aber evident, dass sie mein Treiben interessiert verfolgten. Ich rief ihnen zu, was ich da mache. Aber sie nickten, guckten freundlich und staunten weiter. Dass Radiosondenjagd Zuschauer ins Stadion lockt, kannte ich jetzt noch nicht.

Nach dem Abschneiden der Sonde ging es zurück zum Schirm, und dann wurde die Schnur aufgerollt. Als ich mich zurück zum Radweg stapfte, waren die beiden immer noch da. Ein Senioren-Ehepaar auf dem Samstag-Morgen-Tripp wollte das doch mal genauer erklärt haben. Das macht man doch gerne. Ihre Reaktion war aber irgendwie anders als bei vorherigen vergleichbaren Situationen. Als wäre ihnen das alles selbstverständlich. Und dann sprach mich der nette Herr plötzlich mit meinem Namen an.  Es stellte sich heraus - das waren Bernds Eltern. Sie hatten über den Sondenjägerkollegen von meinen Plänen erfahren und waren gleich losgefahren. Bernds Vater hatte sogar schon diesen Blogg gelesen.  Diese nette Begegnung war doch mal eine wirklich gelungene Überraschung.

Mein Plan für die Weiterfahrt war ja: Zurück nach Oldesloe und dann nach Ahrensburg. Bereits auf dem Weg Richtung Bahnhof zeigte ein kurzer Blick auf die HVV-App aber, dass ich den nächsten Zug nach Ahrensburg verpassen würde und der übernächste erst in mehr als einer Stunde fahren würde. Also entschloss ich mich spontan zu einem U-Turn auf dem Radweg und zu einer 23km-Radtour bei bestem Herbst-Sonnenwetter nach Schmalenbeck.

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Freitag, 26. Oktober 2018

Gut geduscht ist halb gewonnen...

Sondentyp: RS41-SGP
SN: P0930679
Frequenz: 404.10 MHz
Startstation: Norderney (WMOID:10113)
Flugdatum: 26.10.2018 12Z
Track  Polen (radiosondy.info)       eigene Daten
Landestelle  Klein-Offenseth-Sparrieshoop, LAT LON:53.802931, 9.692940  Google maps
Funddatum 26.10.2018, 16:30Z
Gefunden durch Sonden-GPS der gelandeten Sonde

Diese Mittagssonde konnte ich durch eine aus dem Bürofenster einer Kollegin gehaltene Antenne bis in eine Höhe von 339m verfolgen. Erst nach der Bergung erfuhr ich, dass Radiosondy.info dank Bernds (DL1XH) Empfang die Sonde noch weiter bis in 299m erfasst hatte. Die Prediction auf Basis meiner Daten sah die Sonde auf einem Hof bei Sparrieshoop direkt an der Rosenstraße. Da noch eine ganze Strecke zwischen letzter Position und Aufschlagpunkt lag, war die Prediction nicht sehr genau. Die Sonde konnte genauso gut auf einem der Felder unmittelbar um den Hof liegen oder in der auf Google Maps erkennbaren Hochspannungsleitung hängen. 

Ich bin also mit Regionalzug nach Elmshorn und mit der AKN weiter nach Sparrieshoop gefahren. Von da aus brachte mich mein Faltrad zur Landestelle, die ja direkt an der Straße liegen sollte. Die Mitnahme von Regenhose und Regenjacke machten heute  ausgesprochenen Sinn. Direkt auf der gegenüberliegenden (östlichen) Straßenseite, von besagtem Bauernhof aus betrachtet, lag zu meiner großen Freude ein schon vom Rad aus unübersehbaer weißer Fleck: Ballonrest und Schirm. Wunderbar. Ich war sehr dankbar, Rechner, Antenne und SDR bei dem Regen nicht aus dem Rucksack holen zu müssen, sprinte frohgemut, aber gut geduscht zur Landestelle.


Fotografieren des Schirms war nur schwer möglich. Mein durchaus outdoorfähiges Handy ist zwar sehr wasserdicht und hart im Nehmen, aber leider kann man ein nasses Touch-Screen-Display nicht wirklich bedienen. So musste ich es alle paar Sekunden wieder mit einem Tuch trocken reiben. Ich verfolgte die Schnur, die in Richtung Straße und Hof lief. Und zu meiner Enttäuschung endete sie im Nichts - die Sonde war abgeschnitten. 

Wo war die Sonde? Hatte sie ein Passant mitgenommen? Erst einmal eine halbwegs trockene Stelle unter einer Eiche gesucht. Rechner raus, Antenne raus, alles hochfahren, lauschen. Ja, da war die Sonde. Handy Display trockenwischen und die Koordinaten in Locus gehackt. Die Position lag laut Open Streetmap AUF der Straße, bei genauem Hinsehen auf dem westlichen Straßenrand. Also alles einigermaßen wasserdicht einpacken, Zielführung ein und los. Vom Radweg aus gesehen liegt 1m neben der Fahrbahn an der fraglichen Position eine Sonde im Gras. 

Daran ein paar Meter Schnur. Die Sonde war wohl direkt neben der Fahrbahn auf dem Grünstreifen gelandet und die Schnur war von passierenden Autos durchtrennt worden. Die Sonde war klitschnass, sehr gut erhalten, sendete wie gesehen noch, meldete nach An- und Abschalten einen Sensorfehler durch Blinken.

Ein paar Male zwischen Sonde, Fahrrad und Fallschirm im strömenden Regen hin- und hergerannt und alles eingesackt. Zurück gings zum AKN Bahnhof Sparrieshoop.

Bein Ausbauen der Batterien fiel auf, dass eine der Batterien im Tester fast leer und die andere noch die volle Spannung hatte. Viel später hätte ich wohl nicht eintreffen dürfen. 

Samstag, 20. Oktober 2018

Dass ich das noch erleben durfte....meine erste DFM06

Sondentyp: DFM06
SN: 314932
Frequenz: 402.7 MHz
Startstation: Putlos
Landezeit: 17.10.2018 8:39Z
Track  Polen   eigene Daten 
Landestelle Malkendorf, LAT LON: 53.961321, 10.65048  Google maps
Funddatum 19.10.2018, 16Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction aus eigenem Empfang bis 325m

Die GRAW-DFM06 war eigentlich zu ihrer Zeit eine Feld- Wald- und Wiesensonde. Allerdings begann ich meine Sondensuche im Jahr 2016, und da war sie schon fast überall durch die neuere DFM09 ersetzt. 2017 machte ich, als Bergen doch noch mal eine uralte DFM06 startete, eine erfolglose Expedition ins tiefste Mecklenburg - ohne Erfolg. Dass irgendwann eine DFM06 bei mir direkt vor der Tür landen würde, war unwahrscheinlich. Tatsächlich konnte ich die im Hamburger Raum fast niemals vorkommende Ozonsonde, aber niemals eine DFM06 erbeuten. Irgendwann  rechnete nicht mehr ernstlich mit so einer Sonde. Dies war einfach ein Sondentyp von vor meiner Zeit.

Dabei scheint die Bundeswehr tief in ihren Beständen noch etliche von den Dingern zu lagern, die sie aber selten ausgraben.  Hier im Norden fliegen ausschließlich DFM09. Vor kurzem ließ die Bundeswehr bei einem Manöver in Sachsen etliche DFM06 fliegen. Im Forum schrieb ich den Kollegen, sie mögen doch mal ein paar Exemplare rüberschicken.

Der Ruf wurde erhört. In Ostholstein gibt es direkt an der Ostsee den Truppenübungsplatz Putlos, und da ließen sie ein paar Tage später zu Manöverzwecken Mitte Oktober 2018 außer einigen DFM09 doch tatsächlich ein paar der seltenen Vögel fliegen. Die ersten flogen nach Norden ins Meer, aber am 16. und 17.10. landeten sie an verschiedenen Punkten Ostholsteins. Das ließ immerhin eine Expedition außerhalb meines eigentlichen Jagdgebiets lohnend erscheinen.

Was wo flog, war durch die Bremer Seite wegen des bekannten DFM-Problems nicht zu ermitteln. Da half nur, vom privaten Balkon oder durch ein Laborfenster auf Arbeit eine Antenne in die fragliche Richtung zu halten. Dann war mit dem Zilog-Decoder leicht zu erkennen, ob es eine DFM09 oder eine DFM06 war. Meist war es eine DFM06. Manchmal gab es Mus, weil es Überschneidungen mit den auf den gleichen Frequenzen sendenden Sonden aus Sasel gab. Arbeitsbedingt konnte ich auch nicht alle Sonden verfolgen.

Links RS41_N3930261 aus Sasel, rechts DFM06_315115, unten Zilog-Decoding der DFM

314886 landete am 16.10. mitten im Dorf Danlos bei Lensahn. Allerdings war meine letzte Höhe 1585m, die Prediction daher ungenau, und eine Expedition ein paar Tage später wäre aussichtslos gewesen. Etwas besser sah es bei 315115 aus, die in einen Wald bei Kassau herunterkam, nordwestlich von Neustadt in Holstein. Die hatte ich noch in 814m Höhe erfasst. Aber für eine weite Anreise schien mir auch das nicht aussichtsreich genug.

Am 17.10. konnte ich zwei Sonden verfolgen, die mir sofort wesentlich spannender erschienen. 314932 landete gegen 8:32 UT. Ich hatte Empfang bis 325m Höhe aus einem Fenster auf Arbeit. Die Prediction sah mir gut aus. Landeplatz war ein Streifen Brachland zwischen Feldern, direkt am Flüsschen Curau bei Malkendorf. Eine kleine Brücke ging direkt am vorhergesagten Landeplatz über den Bach. Und um 11:21 schlug 314964 nicht weit weg ebenfalls in freier Feldmark ein. Wieder hatte ich einen guten Empfang und eine vertrauenswürdige Prediction. Wenn man mit dem Zug nach Pansdorf fahren würde, könnte man eine Runde mit dem Rad drehen und innerhalb kurzer Zeit beide Landeplätze besuchen. Das schien sehr aussichtsreich.

Doof bloß, dass ich an dem Tag erst nach 18:00 hätte losfahren können - und dann wäre das eine Nachtaktion geworden. Am Donnerstag hatte ich einen Termin am Abend. Ich hätte mich auf Arbeit am mit Krampf am frühen Nachmittag loseisen können. Wegen des Abendtermins wäre es zeitlich sehr hektisch geworden, und zudem zeigte die Bundesbahn-App eine  Signalstörung und Zugausfälle auf der Strecke an. Und spätabends ereilte mich der klassiche Gorbatschow: Da meldete DL1XH  die Bergung von 314964 auf radiosondy.info. 314932 hatte er offenbar nicht gefunden. Vielleicht hatte er sie nicht auf dem Schirm, oder sie war, als er sie suchte, schon weg *)?

Am  Freitag, den 19.10. hatte ich ab kurz nach 15:00 Zeit. Allerdings würde man nicht vor 16:45 in Pansdorf sein, und von da aus müsste man zur Bergung der verbliebenen 314932 je nach Anreiseweg 6-8km radeln. Um 18:15 ist Sonnenuntergang. Das würde reichen. Wäre vielleicht eine längere Samstagsaktion besser? Dann könnte man mit einem Schleswig-Holstein-Ticket auch noch im Wald von Kassau vorbeigucken, oder sogar zusätzlich in Danlos, um die Chancen zu maximieren. Aber irgendwie hatte ich Angst, dass doch noch ein Abendspaziergänger die Sonde 314932, die immer noch bei weitem am aussichtsreichsten war, wegschnappen könnte. Ich entschloss mich zu einer schnellen Freitagsaktion.

Die Anreise war fast zu problemlos. Es stellte sich heraus, dass man in Lübeck gar nicht umsteigen brauchte, weil dieser Zug ausnahmsweise weiter nach Kiel fuhr, und er in Pansdorf halten würde. Dort wurde das Rad ausgeklappt, Tasche und Rucksack befestigt, und los ging es durchs ostholsteinische Hügelland. Ich kam gut voran. Die Karte zeigte mehrere Zugangsmöglichkeiten zur Landestelle. Ich wählte die direkte über einen Rübenacker. Das war gut möglich, da breite Treckerspuren eine zerstörungsfreie Passage erlaubten und exakt auf die Landestelle zuliefen. Vor Ort eine schnelle Orientierung: Da war die Brachfläche, der Bach. Wo war die Brücke, an der die Sonde liegen sollte? Ah, die Brücke ist der Betondeckel über dem Bach.  Und direkt daneben stach komplett unübersehbar eine weiße Box ins Auge, keine 30 Meter neben der Prediction:

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Es war kein Plastikabfall, es war eine DFM06. Die aufwändige Anfahrt hatte sich gelohnt.

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Die Schnur verlief über einen kleinen Busch, und ein paar Meter weiter, bereits auf dem Rübenacker, fanden sich der kleine rote Ballonrest, der kleine rote Fallschirm und der Abroller. Alles war, wie man es von den DFM09-Manöversonden her kennt. Einen Begleitzettel gab es nicht. Dafür war an der Telemetrieantenne kunstvoll ein Gummiband befestigt, wozu auch immer.

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Als ich wieder auf die Straße kam, hielt neben mir ein Auto an. Sehr interessierter und superfreundlicher Mensch, der einfach fragen wollte, was ich da hatte. Es stellte sich heraus, dass ihm der Acker gehörte. Er stellte viele Fragen und wünschte mir gute Heimfahrt. Die konnte ich gemütlich angehen, da der Zug in Pannsdorf sowieso schon weg war. Also fuhr ich langsam in die schöne Abenddämmerung hinein, mit meiner ersten DFM06 in der Tasche...

Baujahr 2013. Anklicken: Größere Darstellung

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*) Hatte heute ein sehr informatives und nettes Telefongespäch mit Bernd, und er erzählte mir ausführlich von seiner Bergung. Er hatte sich auf der Bremer Seite orientiert, und 314932 war ihm nicht bekannt.


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Freitag, 12. Oktober 2018

Bergen Hattrick

Da Bergen alle 6 Stunden eine Sonde startet, kann man manchmal mit sehr viel Glück drei aufeinander folgende Sonden einsammeln. Die letzten Male scheiterte das immer an einer der drei Sonden, die dann doch z.B. im Wasser oder auf einem unzugänglichen Spülfeld niederging. Am 11/12.10.2018 gelang mir so ein Hattrick. 


Ich hatte damit gerechnet, dass allerlei Manöversonden dazukommen könnten, aber die flogen genau wie die Bergener Morgensonde alle sehr weit nach Norden, z.T in die Nordsee. Dafür taten mir die reguläre Mittagssonde, die Abendsonde und die Mitternachtssonde aus Bergen den Gefallen, in erreichbarer Nähe zu landen.  Das hing damit zusammen, dass alle drei einen schlecht funktionierenden Fallschirm und riesige Ballonreste hatten und steinartig niedergingen. Der Killtimer aller Sonden war auf 5 Stunden eingestellt, was in 2 von 3 Fällen eine rechtzeitige Anreise erlaubte. In einem der beiden Fälle war allerdings die Prediction so genau, dass auch im Dunkeln kein Empfang vor Ort versucht werden musste. Auch die dritte Sonde wurde rein per Prediction gefunden.  Aber der Reihe nach:

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2310680
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 11.10.2018 12Z
Track  Bremen 
Landestelle Seester, LAT LON: 53.71918, 9.58848  Google maps
Funddatum 11.10.2018, 14Z
Gefunden durch Sonden-GPS der gelandeten Sonde


N2310680, die Bergener Mittagssonde kam in Seester herunter. Ich konnte sie wegen der Bebauung nur bis 1200m Höhe verfolgen, aber die Bremer Seite hatte sie bis in 467m Höhe erfasst. Die letzte Sinkgeschwindigkeit betrug 12m/s. Ich sprang in den Zug nach Elmshorn und von da brachte mich ein Bus bis Seester. An der Bushaltestelle in 700m Entfernung gab es KEINEN Empfang, was meinen Optimismus deutlich dämpfte. Also schnell das Rad entfaltet und an eine Stelle gefahren, an der laut Karte eine Brücke über den breiten Fleet Rönwettern führte. Ein weiterer Empfangsversuch ergab einen schwachen Empfang und auch eine Dekodierung. Die Position war AUF dem Fleet, aber direkt am Ufer. Dort fand ich die Sonde schwimmend vor.
 



Wo war der bei Bergener Sonden auffällige Fallschirm? Ich verfolgte die Schnur, die entlang der relativ  steilen Uferböschung verlief. An einer Stelle konnte man sie ergreifen, was die weitere Bergung sehr erleichterte. Im Uferbewuchs versteckte sich der riesige Ballonrest und der total eingeschnürte Fallschirm. Ich war direkt daran vorbeigelaufen.













Von der Landestelle aus brachte mich das Rad zur Bushaltestelle in Klein-Nordende, die ich schon kannte. Sie war nämlich Ausgangspunkt so mancher Radiosondenexpedition gewesen. Tatsächlich führte mich meine Radtour direkt an der Landestelle einer Radiosonde aus Pinneberg (N3930599) vorbei, zu deren Bergung ich im Juni bei tropischen Temperaturen und stechender Sonne etliche Kilometer zu Fuß gelaufen war. Mit dem Rad war die gleiche Strecke sehr viel angenehmer. 

Die Rettung dieser Radiosonde qualifiziert nicht ansatzweise für die „DLRG-Seenot-Medaille“. Hierfür gibt es zwei überlegene Kandidaten: Patrick, der neulich eine verlorene Radiosonde nach stundenlanger Driftverfolgung aus der Weser fischte, und vor allem dieses Prager Team

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2310681
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 11.10.2018 18Z
Track  Bremen   eigene Daten 
Landestelle Neuwiedenthal, LAT LON: 53.476139, 9.866125  Google maps
Funddatum 11.10.2018, 20Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction aus eigenem Empfang bis 78m

Kaum war ich zuhause, war schon N2310681 unterwegs. Diese 18Z-Sonde landete schon im Dunkeln. Ich entschloss mich kurz zu einer Stelle in meiner Nachbarschaft zu gehen, wo es eine prima Horizontsicht nach Süden mit Blick über den Hafen gibt. Hier konnte uch die Landung bis in  eine GPS-Höhe von 78m verfolgen, das sind ca. 30m über dem Grund. Die Landestelle war auf Basis einer Prediction und etwas Hirnschmalz sehr genau festgelegt. Sie lag genau auf einem Weg, der an einem Schulgelände in Neuwiedenthal vorbeiführte, 8 Gehminuten vom gleichnamigen S-Bahnhof entfernt. Google Earth zeigte an der Stelle ein paar Bäume. Also Stange und Empfangsequipment eingesteckt und ab in die S-Bahn.

Vor Ort war ich zu faul, Recher und Antenne auszupacken. Der 5 Stunden Timerkill gab genug Zeit. Also erst einmal so suchen, die Position musste sehr genau sein. Im Licht einer Weglaterne sah ich als erstes den Ballonrest und den Schirm im Baum hängen. Verfolgen der Schnur, zum Teil mit einer hellen Taschenlampe, führte zur am Boden direkt am Wegrand liegenden Sonde. Ich war direkt dran vorbeigelaufen.

Ich holte den Schirm mit der 10m-Stange vom Baum und musste ständig Hundespaziergänger von meiner Harmlosigkeit überzeugen. Was macht der mysteriöse Typ da an dem dunklen Fußweg? Die fanden das recht spannend. Leider war ich einmal kurz unaufmerksam, wodurch ich die äußerste Spitze der Stange beschädigte.  Ich konnte aber das gesamte Gespann aus dem Baum holen.








  





 

Sondentyp: RS41-SGP
SN: N2310683
Frequenz: 405.7 MHz
Timerkill: 5h
Startstation: Bergen (WMOID:10238)
Flugdatum: 12.10.2018 0Z
Track  Bremen  eigene Daten
Landestelle Tangendorf, LAT LON: 53.286066, 10.096056  Google maps
Funddatum 12.10.2018, 14:30Z
Gefunden durch Tawhiri-Prediction aus eigenem Empfang bis 186m

Kaum zuhause, war auch schon die Mitternachtssonde N2310683 gestartet. Auch hier ging ich wieder an den guten Standort und konnte die Landung bis in eine Höhe von 185m verfolgen. Eine Prediction zeigte die Landung bei Tangendorf. Aber jetzt musste erst einmal geschlafen werden. An eine Bergung mit Empfang vor Ort war wegen des Killtimers danach natürlich nicht zu denken. Dennoch: Die Empfangsaktion hatte mir die relativ genaue Kenntnis der Landestelle eingebracht.


Was macht man, wenn der Bus am Ziel alle 3 Stunden fährt und man doch irgendwann ankommen will? Man klappt an einem schönen Oktobernachmittag sein Rad zusammen und fährt zu einer Bahnstation, wo der Zug alle Stunde fährt. Die ist zwar 12km vom Ziel entfernt, aber man kennt ja den Weg. Der führte nämlich über Pattensen, wo ich ja gerade erst wegen des Meppener Tandems war. Von da ging es weiter nach Tangendorf. Ich wählte Fahrwege, da ich die verkehrsreiche Landstraße mangels Radweg in nerviger Erinnerung hatte. Die Sonde lag wenige Meter neben der erwarteten Landestelle; der Ballonrest war sofort leicht auf dem Winterweizenfeld erkennbar. Der Rückweg musste im Turbomodus erfolgen, da ich in Ashausen nicht eine ganze Stunde auf den nächsten Zug warten wollte.












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